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Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung

Unbekannte Autoren: Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung - Kapitel 30
Quellenangabe
typeletter
titleDunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung
authorUnbekannte Verfasser
editorKarl Riha
publisherInsel Verlag
year1991
senderErich Adler
correctorreuters@abc.de
created20040402
modified20170329
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XXVII. Magister Bernhard Gelff, der Geringsten einer, grüßt den Magister Ortuin Gratius.

Verehrungswürdiger, oder vortrefflicher Mann! Obgleich ich Eure persönliche Bekanntschaft nicht besitze, so kenne ich Euch doch dem Rufe nach. Auch ist es schon lange her, daß ich Kenntnis von Eurer Sache habe, welche die Sache des Glaubens wider Johannes Reuchlin heißt; ich bin im Besitze sämtlicher Prozeßakten und disputiere täglich mit Angestellten bei der Kurie und in der Kanzlei, welche den Johannes Reuchlin verteidigen; und als jener Kursor, welcher gegenwärtiges überbringt, mir sagte, daß er nach Deutschland gehen wolle und seinen Weg über Köln zu machen habe, sagte ich: »Beim heiligen Gott: ich will die Bekanntschaft des Magisters Ortuin machen und etwas Schriftliches an ihn aufsetzen.« Auf das erwiderte jener: »ja, bei Gott, tut das; er wird sich sehr freuen; hat er mir doch, als ich von Köln wegging, gesagt: »Saget allen Theologen, Magistern, Artisten und Poeten, welche zu Rom sind, daß sie mir schreiben, denn ich habe es gerne, wenn gelehrte und tüchtige Männer mir Schriftstücke von sich zukommen lassen, und wenn sie das tun, so sammle ich ihre Briefe, mache ein Buch daraus und lasse es drucken.« Ich erwiderte ihm: »Ich weiß das wohl, denn ich habe ein Buch gesehen, welches den Titel führt: ‹Briefe von Dunkelmännern› und mich, wann ich es lese, sehr ergötzt, indem es gar interessant ist und da und dort über viele Gegenstände sich verbreitet.« Daher, Magister Ortuin, bitte ich, Ew. Herrlichkeit wolle mich empfohlen wissen, denn ich will Euch außerordentlich wohl und liebe Euch unaussprechlich. Auch müßt Ihr mich dem Johannes Pfefferkorn empfehlen, der vormals Jude war, nun aber glücklich in Christo getauft ist. Sein Buch, betitelt »Verteidigung Johannes Pfefferkorns gegen die Verleumdungen etc.« ist mir aus Deutschland gebracht worden; ich habe es ganz gelesen und das Bemerkenswerte, sowie die Überschriften am Rande aufgezeichnet, und ich halte viel von diesem Buche. Ihr müßt Ihm aber sagen, daß es ein Offizial der Kurie ist, welcher dem Johannes Reuchlin so ganz besonders wohl will. Er hat einige Artikel aus dem Buche des Johannes Pfefferkorn gesammelt und will den Beweis liefern, daß in diesen Artikeln teils Ketzerei, teils Majestätsbeleidigung enthalten ist. Auch sagte er, er wolle es bewirken, daß gegen Johannes Pfefferkorn Untersuchung wegen Ketzerei und Majestätsbeleidigung vorgenommen werde. Ich schicke Euch hier einen Zettel, worauf jene Artikel nebst meinen Gegenerklärungen verzeichnet und enthalten sind; denn ich habe mit jenem Offizial disputiert und den Johannes Pfefferkorn nach Kräften verteidigt. Und so lebet denn wohl und haltete mich für Euern Bekannten und Freund! Gegeben bei der römischen Kurie.

Ausgezogene Artikel aus dem Buche Johannes Pfefferkorns gegen Reuchlin und einige Reuchlinisten welches den Titel. führt: »Verteidigung Johannes Pfefferkorns gegen die Verleumdungen etc« Auch sind diese Artikel von den Reuchlinisten ausgehoben als ketzerische und Majestätsbeleidigung enthaltende, was, so Gott will, weder wahr ist, noch war, noch je sein wird.

I. Artikel. Ein Reuchlinist sagt, Johannes Pfefferkorn verlästere in seinem Buche, welches den Titel führt: »Verteidigung Johannes Pfefferkorns gegen die Verleumdungen etc.« in einem Briefe an den heiligen Vater den Papst Leo X. und begehe das Verbrechen der beleidigten Majestät, indem er den Papst »Magd des Herrn« nenne, als ob er ein Weib sei, wie wir lesen, daß einmal ein Weib Papst gewesen sei: denn so schrieb er Aij col.ij: »Deine Heiligkeit, als Statthalter unsers Herrn und Magd.« Auch enthält jener Artikel eine Ketzerei, weil Pfefferkorn daselbst bedeuten will – wenn auch nicht ausdrücklich, so doch verblümter Weise – die ganze Kirche habe sich im Irrtum befunden, indem sie ein Weib zum Papst gemacht habe: denn das sei der größte Irrtum. Wer aber sagt, die Kirche irre, der ist tatsächlich ein Ketzer. Folglich etc.

Ich antworte: Johannes Pfefferkorn, welcher kein guter Grammatiker ist und kein Latein versteht, glaubte, Papa sei generis femini, wie Musa, wie er von anderen gehört hat: »Die Wörter in a sind generis femini, unter den bestehenden Ausnahmen;« woher auch ein anderer Spruch kommt: »Weiblich behandle die Wörter in a, doch mit einiger Ausnahm« Offenbar schreibt Johannes Pfefferkorn in vorliegendem Traktat als Theolog, die Theologen aber kümmern sich nichts um die Grammatik, da sie nicht zu ihrem Fache gehört.

II. Artikel. Die Reuchlinisten beschuldigenden Johannes Pfefferkorn an vielen Stellen, wie a. i. und k iiij., daß er, wenn er die Wahrheit von etwas beschwören wolle, sich des Ausdrucks »medius fidius« bediene, als ob er sage: »Bei meinem Gott Fidius,« denn medius fidius heißt so viel als, »mein Gott Fidius;« daher am Tage liege, daß Johannes Pfefferkorn ein Götzendiener sei, und nicht Christum für seinen Gott halte, sondern den Fidius, welcher ein Götze bei den alten Heiden ist.

Ich antworte: Pfefferkorn hat dort »medius fidius« geschworen, ohne Rücksicht auf diesen Ausdruck »fidius,« welcher vielleicht der Eigenname irgend eines Götzen ist; allein er gebraucht jenen Ausdruck nur in der Bedeutung eines Adverbium. Und so nimmt ihn auch Donatus, der ein zuverlässiger Gewährsmann ist und in den Schulen gelesen wird; und man kann sagen »medius fidius« heißt s. v. a.: »gewiß,« »in allem Ernste.« Oder man sage auch, wie oben, Johannes Pfefferkorn kümmere sich nicht um die Grammatik, oder »medius fidius« heiße so viel als »bei meiner Treu,« und so habe ich es von einem Poeten gehört.

III. Artikel. Der Reuchlinist sagt: »Jeder, der da behauptet, er stütze die Kirche, ist ein Ketzer; nun sagt aber Johannes Pfefferkorn, er stütze die Kirche, folglich ist er ein Ketzer. Ich gebe den Obersatz zu, weil, wer behauptet, er stütze die Kirche, voraussetzt, die ganze Kirche befinde sich im Irrtum, und sie würde, wenn er sie nicht stütze, fallen und einstürzen. Auch erschiene ein solcher als Gegenpapst, d. h. als einer, welcher Papst sein will gegen den Papst, den die allgemeine Kirche erwählt hat, weil es die Pflicht des Papstes ist, die Kirche zu stützen; allein Pfefferkorn maße sich diese Pflicht an: folglich sei er ein Gegenpapst und Ketzer, indem er zu erkennen gebe, der Papst irre und sei kein guter Hirte. Der Untersatz erhellte aus den Worten des Johannes Pfefferkorn, der in demselben Buche schreibt: »er sei ein niedrig stehendes Glied der Kirche.« Allein ein niedrig stehendes Glied am Körper sei der Fuß, weil die Füße auf den Boden stehen, d. h. auf der Erde, die Füße aber stützen den Körper und ohne Füße falle der Körper: folglich nehme Pfefferkorn an, die Kirche stehe auf ihm und er stütze die Kirche.«

Ich antworte: Pfefferkorn nimmt die Ausdrücke nicht so streng und nicht in ihrer ursprünglichen Bedeutung, sondern er nennt sich ein Glied, das heißt, einen Teil der Kirche, wie man von jedem Christenmenschen sagt, er sei ein Teil der Kirche, oder auch ein Glied, in der weitern Bedeutung des Wortes. Auch wird dort »niedrig stehend« für »demütig,« »aufrichtig« genommen, wie auch in dem Briefe an den Papst derselbe Johannes Pfefferkorn sagt: »Obgleich ich im mindesten nicht würdig bin, zu deinen geheiligten Füßen etc.« Folglich darf es nicht so verstanden werden, als spreche Pfefferkorn gegen den Papst.

IV. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Pfefferkorn behauptet, der christliche Glaube sei falsch, und bestätigt dies mit seinen eigenen Worten. So schreibt er auch, er habe zu dem Bischof von Mainz in dem obengenannten Buche Dj. gesagt: »Wenn der christliche Glaube wahr ist, so wird Reuchlin keine Treulosigkeit an mir begehen;« allein nachher nennt er an mehr als zweihundert Stellen und auch in seinen anderen früher geschriebenen Büchern den Johann Reuchlin »treulos«: folglich gibt er ganz offenbar zu verstehen, er glaube nicht, daß der christliche Glaube wahr sei.

Ich antwortete: jene Worte sind genau zu bestimmen; denn, wann Pfefferkorn sagt: »Wenn der christliche Glaube wahr ist,« so muß man sich noch hinzudenken: »und Reuchlin ein wahrer Christ ist;« denn, wenn Reuchlin ein wahrer Christ gewesen wäre, so hätte er nie eine so große Treulosigkeit begangen. Oder, um es besser zu sagen: Johannes Pfefferkorn dachte damals so: wir alle sind Menschen, und irren ist menschlich; allein damals wurde er sogleich von dem Bischof gestraft; er nahm diese Zurechtweisung geduldig hin und machte Reue und Leid; denn er schreibt, der Bischof habe ihm eine Ohrfeige gegeben, als er jene Worte gesprochen habe, und so hatte er die Zurechtweisung für seine Sünde.

V. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Pfefferkorn macht sich größer als Christus, weil er in diesem Buche Fj. also spricht: »Reuchlin hat mich verraten, wie Judas Christum, und auf noch viel schlimmere Weise;«, als ob er sagte: »Es ist schlimmer, daß Pfefferkorn, als daß Christus verraten wurde, « oder: »Christus ist mit mehr Recht verraten worden, als Pfefferkorn,« oder: »Christus hat sein Leiden eher verdient, als Pfefferkorn.« Allein so zu sprechen ist offenbar ketzerisch, was jedermann mit den Fingern greifen kann.

Ich antworte: Wenn Pfefferkorn daselbst sagt, er sei auf schlimmere Weise verraten worden, als Christus, so will er darunter verstehen, Reuchlin habe ihn dem Kaiser verraten, Christus aber sei nur Schriftgelehrten und Priestern verraten worden, welche geringer sind, als der Kaiser. Und so erscheint es als schlimmer, d. h. schrecklicher, wenn einer dem Kaiser, als wenn er Priestern und Schriftgelehrten verraten wird, welche keine so große Gewalt haben.

Vl. Artikel. Der Reuchlinist sagt, Pfefferkorn begeht wiederholt, und zwar vielfältig, das Verbrechen der beleidigten Majestät, denn er sagt Oi.: »Alle Freunde und Gönner des Johannes Reuchlin, Fürsten und andere, Gelehrte und Ungelehrte, begehen darin eine Sünde, daß sie dem Johannes Reuchlin ihre Gunst zuwenden.« Darunter aber sind in Deutschland wohl zehn Fürsten, und der Kaiser, unser Herr, selbst, auch viele Kardinäle und Bischöfe in Rom, und selbst der heilige Vater, Papst Leo,. weicher kürzlich, als er den Brief des Johannes Reuchlin las, diesen Mann sehr lobte und sagte, er wolle ihn verteidigen gegen alle Brüder; und ebenso sprachen auch die hochwürdigsten Kardinäle vorn heiligen Markus, heiligen Georg, heiligen Chrysostomus und mehrere andere.

Ich antworte: Pfefferkorn hat dies aus Liebe zur Wahrheit getan, welche größer ist, als Papst, Kaiser, alle Kardinäle, Bischöfe und Fürsten. Daher entschuldigt er sich auch in seiner Schlußprotestation Oiiij. also: »Ich habe mich, geleitet von der Wahrheit, und ohne sonst jemandes Verteidigung, selbst verteidigt mit dem Spruche des heiligen Hieronymus: verflucht sei, wer sein Schwert vom Blute zurückhält; und es ist besser, in der Menschen Hände zu fallen, als in die Hände des allmächtigen Gottes.« Folglich glaubt er, gegen den Papst und den Kaiser anzustoßen, sei immer noch besser, als gegen die Wahrheit, d. h. gegen Gott, weil Gott die Wahrheit ist.

VII. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Pfefferkorn macht sich in einem und demselben Buche der Ketzerei und der Majestätsbeleidigung schuldig, denn er sagt O i Seite ij: »Hier wird nicht mit dem Schwerte, nicht mit Streitkräften gekämpft, nicht mit dem Speer (was ein Verbrechen des Stolzes ist) zieht der Soldat mit dem Könige ins Feld.« Er sagt nämlich dort, Kriegführen und ins Feld ziehen sei ein Verbrechen des Stolzes; das tun aber der Papst und der Kaiser und haben es immer getan, und auch viele, welche im Verzeichnis der Heiligen stehen. Wäre demnach ins Feld ziehen in Verbrechen des Stolzes, so befinden sich jene Heiligen und der jetzige Kaiser und auch der Papst in einer Todsünde, und folglich die Kirche, welche sie für Heilige hält, im Irrtum. Somit ist Pfefferkorn geradezu gegen das kanonische und bürgerliche Recht, gegen den Kaiser und den Papst, gegen die Kirche und das Reich.

Ich antworte: Diese Worte sind genau zu bestimmen, da ihre Bedeutung die ist: die mit Waffen Kriegenden und ins Feld Ziehenden begehen das Verbrechen des Stolzes, wenn sie ohne gerechte Ursache andere angreifen; wenn aber der Kaiser und der Papst Krieg führen, dann wird vorausgesetzt, daß sie es zur Verteidigung der Kirche und des Reiches tun, und somit gilt Pfefferkorns Tadel ihnen nicht.

VIII. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Pfefferkorn beschuldigt den Kaiser, daß er lüge, denn er schreibt Oij Seite 1 gegen Reuchlin: »Ich dagegen sage, er sei ein Verräter an Gott und Menschen und ein treuloser Ratgeber Kaiserlicher Majestät.« Hierin hält er offenbar dein Kaiser Widerpart, und nennt ihn einen Lügner, da der Kaiser unser Herr in seinem Brief an den Papst und auch in vielen Erlassen und Ansprachen da und dort den Johannes Reuchlin seinen getreuen Rat und Berater nennt. Wie konnte er also eine größere Lästerung begehen, als ihn einen Lügner zu nennen? Daher hat er ohne Gnade die Strafe der Majestätsbeleidigung verdient.

Ich antworte: jener Text ist zu trennen und so zu interpunktieren, daß nach dem Worte »Majestatis« zwei Punkte gesetzt werden. Denn Reuchlin ist vielleicht ein treuer Ratgeber des Kaisers in dessen Angelegenheiten, aber er war kein treuer für Johannes Pfefferkorn, wie er dieses durch viele Beweise dartut. Darum darf auch niemand glauben, daß Johannes Pfefferkorn gegen den Kaiser spricht, denn er ist gut kaiserlich, wie aus seinen Schriften, deutschen und lateinischen, an verschiedenen Stellen erhellt.

IX. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Was unter allem das Höchste, Stärkste, Schrecklichste, Teufelischste und Höllischste ist, ist das, daß Johannes Pfefferkorn den Papst und die Kurie des Verbrechens der Fälschung beschuldigt. Denn er schreibt 1. iii. j also: »Übrigens hat sich um alles das, d. h. um seine Vollmacht aus der Stadt Rom, die er auf nicht gar gerechtem, sondern auf höchst ungerechtem Wege erhalten, der Meister der ketzerischen Verkehrtheit nicht gekümmert.« Allein der Papst hat jene Vollmacht erteilt, folglich macht Johannes Pfefferkorn dem Papste den Vorwurf, daß er die Gerechtigkeit nicht gut verwalte, was so sehr ketzerisch ist, daß er den Feuertod dreifach verdiente.

Ich antworte: Pfefferkorn sagt dort nicht, der Papst oder die römische Kurie habe jene Vollmacht ungerechterweise erteilt, sondern er will zu verstehen geben, Reuchlin habe sie auf unrechtem Wege erhalten. Folglich nennt er den Johannes Reuchlin ungerecht, und nicht den Papst.

X. Artikel. Der Reuchlinist sagt: Pfefferkorn begeht abermal das Verbrechen der beleidigten Majestät, weil er über den Kaiser und den Bischof von Köln offenkundig lügt, in dem er sagt, ein gewisser Inquisitor der ketzerischen Verkehrtheit habe mit kaiserlicher Vollmacht und unter Mitwirkung des Bischofs von Köln den »Augenspiegel« zu Köln verbrannt. Das ist durchaus falsch, weil weder Kaiserliche Majestät es befohlen, noch der Bischof dabei je Hand angelegt hat; denn, hätte der Kaiser das befohlen, so würde er jetzt nicht für Reuchlin arbeiten dadurch, daß er an den Papst schrieb, er wolle seinen Rat verteidigt wissen gegen die ungläubigen und trugvollen Theologen. Folglich ist Pfefferkorn offenbar ein Fälscher, indem er die kaiserlichen Vollmachten fälscht oder wegleugnet.

Ich antworte: Der Bischof von Köln kommt nicht in Betracht, da er tot ist. Von dem Kaiser dagegen spricht Johannes Pfefferkorn teils rückhaltlos, teils aber nur verblümt in Beziehung auf dessen ursprüngliche Gesinnung. Denn gleich anfangs als Johannes Pfefferkorn sein löbliches Werk in dem Glaubensstreit damit begann, daß er die Bücher der Juden verbrennen ließ, hatte der Kaiser, wie es schien, die Absicht, alle Bücher, welche wider den christlichen Glauben sind, verbrennen zu lassen; das Buch des Johannes Reuchlin aber ist ein solches: somit hielt der Kaiser dafür, man solle es ebenfalls dem Feuer überliefern. Pfefferkorn schreibt daher, der Kaiser habe den Auftrag wahrscheinlich nur unter der Hand, nicht ausdrücklich erteilt. Auch hat er das für hinreichend erachtet, was der Kaiser ihm einmal wegen der Bücher der Juden aufgetragen hatte, da der gleiche Vorwurf, wie diese, auch die ketzerischen Bücher trifft. Ich habe nämlich gehört, die Theologen hätten, wenn der Kaiser bei jenem löblichen Vorsatze geblieben wäre, im Sinne gehabt, bei allen Buchhändlern durch ganz Deutschland Nachforschungen anzustellen und alle schlechten Bücher zu verbrennen, vornämlich die Bücher jener Neulinge unter den Theologen, welche ihren Grund nicht auf den heiligen Doktor, den scharfsinnigen Doktor, den seraphischen Doktor und auf Albertus Magnus gelegt haben. Es wäre dies allerdings löblich und höchst ersprießlich gewesen, auch glaube ich, es werde das noch der Allmächtige bescheren, welcher durch alles, über alles und zu aller Zeit regiert.

Amen.

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