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Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung

Unbekannte Autoren: Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung - Kapitel 21
Quellenangabe
typeletter
titleDunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung
authorUnbekannte Verfasser
editorKarl Riha
publisherInsel Verlag
year1991
senderErich Adler
correctorreuters@abc.de
created20040402
modified20170329
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XIX. Konrad Unckebunck an Magister Ortuin Gratius.

Ist es nicht äußerst befremdlich, verehrungswürdiger Herr Magister, daß meine Eltern mir kein Geld schicken, da sie doch wissen, daß ich keinen Heller besitze, und ihnen wohl schon zwanzig Briefe geschrieben habe? Wenn sie mir kein Geld schicken wollen, dann habe ich etwas anderes im Sinne, und Ihr dürft mir glauben, daß ich unlängst willens war, selbst auf die Gefahr einer Wechselhaft hin zwei oder drei rheinische Gulden zu entlehnen, in meine Heimat zu gehen und ihnen meine Meinung so derb zu sagen, daß sie es gewiß spüren sollen. Teufel auch! glauben sie, ich sei auf einem Baum gewachsen, oder solle Heu fressen, wie ein Vieh? Hole mich der Teufel, wenn ich auch nur einen Karlino in sechs Monaten gehabt habe; auch esse ich immer nichts als Salat und Zwiebel und Knoblauch, und hie und da ein Gericht von Bohnen oder Kräutelwerk oder Spinat auf italienische Art. Ich weiß wohl, daß meine Brüder daheim Fische und Geflügel und gute Schüsseln haben und nicht an mich denken; allein ich will mir das nicht länger gefallen lassen, und Ihr müßt ihnen das sagen-, dann will ich es mir auch bei meinem Herrn recht sorgfältig angelegen sein lassen, daß er Eure Angelegenheit vorwärts gehen macht, wie Ihr mir geschrieben habt. Auch bitte ich Euch, wenn meine Eltern Geld hergeben, es mir zu schicken. Schicket mir auch zugleich ein Stück Kreide, denn in ganz Rom gibt es keine gute Kreide, und solltet Ihr auch einen Gulden dafür zahlen müssen. Ihr wißt ja wohl, daß ich Kreide haben muß, da ich mich der Logik widme, und daß ich, wenn ich machen will, hierfür keine Tinte habe. Es ist auch widerwärtig, das mit Tinte zu machen. Auch schicket mir deutsche Nestel, um meine Stiefel damit zu schnüren, denn in Italien machen sie so schlechte Nestel, daß es zum Erbarmen ist. Ich sende Euch hierbei ein Wundkraut, das an den Häuptern der heiligen Petrus und Paulus angerührt worden ist, nebst vielen andern Reliquien. Auch sende ich Euch ein Agnus Dei. Grüßet mir doch ja auch unsern hochverehrten Magister Valentin von Geltersheim. Bei Gott! ich hätte es in der Logik nie so weit bringen können, wenn ich nicht in seiner Burs gestanden wäre: er selbst ist durchaus klar und seine Zuhörer fassen schnell, wann er vorträgt. Lebet wohl, in bestem geistigen und körperlichen Befinden!

Gegeben in der römischen Kurie.

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