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Gertrud Prellwitz: Drude - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorGertrud Prellwitz
titleDrude
publisherMaien-Verlag
printrun21.-40. Tausend
editor
year1921
firstpub1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150219
projectide77bcd42
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Neunzehntes Kapitel

Strahlend und braun und selig kamen sie zurück und tauchten in das liebe Waldschulleben wieder ein.

Nun war ja Erika etwas zu kurz gekommen, und Drude hatte vor, sich ihr jetzt um so mehr zu widmen. Aber sie fand, daß Erika sehr gut im Zuge war. Sie lernte so fleißig und wollte das Abiturium machen und war voller Eifer und Freude. Und dann war auch die liebe Gewohnheit, alles, was innerlich erlebt wurde, mit Werner zu teilen, so mächtig geworden, daß man da gar nicht recht herauskonnte. Und Werner war eigentlich so einsam. Er hatte sich an niemand sonst in der Schule näher angeschlossen, wiewohl er mit allen sehr gut stand. Er lebte die tiefen Wandlungen seines Inneren schweigend durch, – nur Drude ließ er hineinblicken. Und das war ihr etwas sehr Kostbares, und sie empfand es auch als Pflicht, ihm immer mit Teilnahme und tief erlebender Freundschaft bereit zu sein.

So geschah es, daß Erika weiter zu kurz kam. Sie sah es mit Staunen, und sie mußte sich darin üben, zurückzutreten und zu gönnen. Sie spornte sich dazu an mit dem lieben Zärtlichkeitswort, das sie so gern wieder gehört hätte: Erika, du bist ein anständiger Kerl. Sie versuchte, es zu verdienen.

Aber was geschah nun? Das junge Jahr blühte und blühte. Sonnenkraft strahlte hernieder, und Erdkraft stieg auf aus den Gründen. Es war ein so unsäglich starker Frühling dieses Jahr, von den Wiesen, aus dem Waldboden, von den Wonnerausch-duftenden Bäumen kam es und ergriff die jungen Menschenwesen. Man zerspringt fast vor Unendlichkeitsgefühlen, sagte Drude.

Werner aber, Werner kam in Gefahr! Erika sah es zuerst. Erika kannte doch Werner! Sie wußte doch, was es bedeutete, wenn ihm in dieser Art die Augen brannten! Dann kam es über ihn, ob er wollte oder nicht. Dann wurde es mächtig und beherrschte ihn –

Sie selbst, Erika, ging so beglückt in der schönen Freiheit ihres neuen, soviel geistiger gewordenen Seins. Wie auf Bergen ging sie, und schaute hernieder auf die dunstigen Niederungen, in denen sie früher lebte. Dankbar.

Aber sie sah, daß Werner litt. Und daß in seine zarte Freundschaft für Drude sich dumpfe Erdkraft mischte, trübe, die seine Haltung und sein Wesen verwandelte. Erika sah wohl: dies war etwas ganz anderes, als was damals zwischen ihnen gewesen war! Aber natürlich, es war viel, viel höher! Werner hatte sich eben auch hinauf gearbeitet. Aber es war doch nicht das, was Drude meinte! Nicht, was Drude billigen durfte.

Und was wird Drude nun tun?

Drude schien gar nichts zu merken. Sie ging immer mit Werner und war doch in sich. Klar und herb und froh. Und einfach und gerade auf das Gute gerichtet. Aber sie war eben viel zu viel mit Werner zusammen! Ach, und die ganze Schule fing an zu reden – Das war Erika so schrecklich! Erika spürte fortwährend, wie sie sich heimlich erzählten, daß Drude nun doch auch ein Liebesverhältnis habe. Sie verteidigte flammend: Das ist eine Freundschaft! Aber es war ihr doch ganz schrecklich.

Sollte sie Drude wecken? sie darauf aufmerksam machen? Es widerstrebte ihr so, daß sie Drude ermahnen sollte. Sie versuchte, sich mehr zu Drude zu halten, viel mit ihr zu sein, besonders, wenn die andern es sehn mußten. Aber immer wieder war Drude dann schon weg und war mit Werner – Bis es dann doch endlich kam und Erika es mit erleben durfte, mit Staunen, wie alles in Klarheit sich löste. Und in solcher Reinheit löste, daß sie das Gefühl hatte, daß, nur daran zu denken, ihr für ihr ganzes Leben eine helfende, bewahrende, emportragende Kraft sein würde.

Es geschah aber so: Eines Abends, als sie mit Werner ging, sagte Drude: Werner, lieber! Wir müssen ein bißchen weniger zusammen sein. Ich habe es schon seit einigen Tagen sagen sollen.

Sollen?

Ja! seit einigen Tagen schon weiß ich es. Ich wollte es eigentlich allein so einrichten, aber es ist mir noch nicht geglückt. Darum ist es wohl besser, ich spreche es aus, damit wir beide unseren Willen darauf richten.

Worauf?

Daß wir etwas weniger zusammen sind, Werner! Es ist nicht gut jetzt. Man wird gar zu abhängig voneinander.

Wirst du abhängig von mir, Drude? stieß er heraus.

Drude sah ihn erstaunt an. Warum war er denn so disharmonisch? Sie war doch so freundlich. Es ist mir eine so liebe Gewohnheit geworden, Werner, alles vor dir zu spiegeln, was ich erlebe. Nun aber wird mir diese Gewohnheit zu mächtig, ich lebe viel zu sehr zu dir hin, Werner! Ich vernachlässige die anderen. Es sind ja noch andere in der Schule, die ein Anrecht an mich haben.

Ach richtig, du bist ja mit mir, weil ich dir eine Aufgabe bin.

Ich finde, du bist recht eklig, Werner! sagte Drude. Und sie schwiegen.

Drude fing herzlich wieder an: Dummer Junge! Du weißt, es ist mir so sehr hold, mit dir zu sein, weil ich dich so lieb habe und weil du mir so viel gibst. Aber dies hier, was ich meine, ist Sache des Rhythmus. Sieh, – sie blieb stehen und deutete mit der Hand über die Bergwälder und Wiesen, die edlen Formen der Bäume und die feingeschwungenen Linien der Ferne – alles, was schön ist, tanzt in Ruhe seinen goldenen Rhythmus. Unsere Freundschaft, da sie doch schön sein soll, darf ihren Rhythmus nicht verfehlen!

Werner schwieg und wandte sich jäh ab.

Nanu, Werner –? fragte Drude staunend, traurig. Da kehrte er plötzlich um und ging mit schnellen, heftigen Schritten allein davon.

Aber was ist das nun bloß? dachte Drude und sah ihm nach. Und unruhig und trauernd ging sie ihren Weg allein zurück. Sie sann viel nach und kam nicht mit sich zurecht. Hatte sie unrecht getan? Ganz gewiß nicht! Höchstens damit, daß sie es nicht schon drei Tage früher getan. Denn da war schon das Sollen zu ihr gekommen. Sie hatte es nur noch nicht bei sich selbst durchsetzen können. Na ja, und nun kann man es auch bei ihm nicht so schnell durchsetzen, dachte sie. Es will eben alles seine Zeit haben. Aber daß so ein dummer Junge das nun nicht allein fühlt und selber bei sich durchsetzt! Lieber Werner, wo du doch sonst so klug bist!

Den nächsten Tag sollte Lautenstunde sein, – aber Werner kam nicht. Drude saß und wartete und dachte: Aber nein, das hat er also wirklich übelgenommen! Denn zur Stunde müßte er doch sonst kommen. Wo wir jetzt gerade mitten in etwas so Schönem sind. Aber sie wagte nicht, viel Bedauern daran zu wenden, daß die liebe Arbeit unterbrochen wurde, sie war unruhig. Was ist ihm nur? Wie kann er nur? Er darf doch so etwas nicht übelnehmen! Wie soll man ein Verhältnis in Reinheit ausgestalten, wenn man nicht sagen darf, was man für recht hält?

Auf einmal kam Werner. Er war blaß und verstört. Und sagte: Drude, ich muß aus der Schule weg!

Was? Aber um Gottes willen – fragte Drude entsetzt.

Ich habe dich zu lieb, Drude!

Drude sah ihn groß an und war lange Zeit still. Dann sagte sie: Das ist Unsinn, man kann sich nie zu lieb haben, Werner!

Ich kann ohne dich nicht leben, Drude! und darum muß ich weg.

Drude schüttelte den Kopf: Weil du ohne mich nicht leben kannst, willst du von mir fort? Was ist das für ein Unsinn.

Mein Gott, willst du denn immer ein Kind bleiben, Drude?

Drude legte die Hände auf die Brust: Werner, da ist etwas ganz falsch, ganz falsch! Und auf einmal schluchzte ein Künstlerschmerz in ihr auf: Mein Gott! da habe ich etwas leben wollen wie ein feines, wundervolles Kunstwerk –

Werner legte die Hand über die Augen. Er schämte sich so.

Drude aber klagte weiter. Da war ein Lied Gottes! und ich, ich habe einen falschen Ton hineinkommen lassen!

Du? sagte Werner, du? Aber dann doch höchstens ich!

Na ja, Werner, sagte Drude hoffend, und können wir ihn dann nicht wieder hinauswerfen? Könnten wir nicht die alte Grundlage wiederherstellen? Kameradschaft, Werner! Und in der Sphäre wächst Freundschaft! Weißt du noch?

Die alte Grundlage wiederherstellen? Du denkst, das ist so leicht wie im Eßsaal, wenn geklingelt wird? fragte Werner in schmerzlichem Hohn. Ach, Drude!

Drude strich sich mit der Hand über die Stirn. Werner, das sind doch Gespenster! Doch bloß nicht so wichtig nehmen! Das ist doch bloß ein bißchen Spuk aus der alten Welt! Das richtet sich auf einmal wieder auf und macht Augen wie ein Drache. Unsinn! setz ihm den Fuß auf den Kopf und sage: Lächerlich!

Werner schwieg. – Dann sagte er trotzig: Es ist mir nicht lächerlich, es ist mir heilig!

Was heilig ist, braucht man doch nicht zu fliehen, Werner –? Sie sagte es wie fragend, wie zu Gott fragend. Da kam Werner plötzlich, schlang seine Arme um sie und drückte sie stürmisch an sich, so daß sie erbebte. Gott! Gott! Gott! sagte sie in heißer Angst.

Werner fuhr zurück.

Rufst du Gott, um dich vor mir zu schützen? sagte er, tief verwundet.

Werner! immer im Leben, wenn mir angst wird, sage ich: Gott! Was soll denn sonst helfen, wenn nicht das?

Soll er dich auch vor dir schützen? Drude? Vor dir? fragte Werner sehnsüchtig.

Aber Werner, Werner! was machst du nur? Nun hoffst du, ich würde schwach?! Und wenn ich schwach würde! Junge, Junge, dann hättest doch du mich vor mir selbst zu schützen! Besinne dich doch, Werner! – Und ganz zornig fuhr sie ihn an: Werner, sonst wär's doch nicht anständig von dir. Ich habe doch gedacht, du bist einer von den ganz wenigen, ganz anständigen Menschen in der Welt. Er wurde vor Schrecken und Scham blaß, sie aber lachte ermutigend: Lieber, lieber, dummer Junge! Hör, Werner! Nimm dir doch einmal wieder die philosophischen Schriften von Schiller vor, ja? Da stehen so gute Dinge drin vom Sittlichen, zu dem man das Sinnliche überwinden soll. Es ist zu schlimm, daß ihr immerzu diese modernen Bücher lest, die gar nicht helfen, sondern die alles noch erschweren!

Nun aber ertönte das Gongzeichen, und man mußte zum Essen gehen. Drude war erleichtert. Im Eßsaal trat sie zu Frau Hell heran: Kann ich dich nachher gleich sprechen? Ich muß dich allein sprechen. Liebe, Liebe, ich brauch dich so!

Ach, Kind, wie ist mir das leid, antwortete Frau Hell liebevoll, es geht nicht gleich, Drude. Die fremden Gäste, die hier sind, um die Schule anzusehn, haben sich bei mir angemeldet. Aber ich werde mich möglichst kurz fassen, um halb neun wirst du schon kommen können.

Drude ging auf ihren Platz. Ganz benommen von dem Schrecken: Also doch noch ein Stück Weges allein, und allein die große Entscheidung, ob ich nun seine Gegenwart meide bis dahin, oder ob ich versuche, ihm zu helfen.

Werner saß ihr gegenüber, sah verbissen und unglücklich auf seinen Teller und aß kaum. Drude ging dann in ihr Zimmer, und wirklich, Werner kam auch gleich nach. Ach und war so zerrissen! und war ganz haltlos. Und es dauerte nicht lange, da kniete er vor ihr nieder und sah zu ihr auf mit einem so dringlichen, flehenden, bettelnden Blick – Drude erschrak. Ich hätte ihn doch wohl meiden müssen! Ach, es wäre eben doch sehr nötig, Mutterrat zu haben! Und ihre Herzenshände streckten sich flehend um Hülfe aus: Mutter! Mutter! Und da kam Hülfe. Sagte Mutter nicht immer: Lichtvoll sein!? Und sie beugte sich hernieder und faßte Werner um, – mutig, leuchtend und ganz unantastbar, und sagte: Werner, immer lichteres Licht! Werner! besinne dich doch: Immer so lichtvoll sein, wie man kann. Zu lieb haben, das gibt es gar nicht, ungeordnet ist es. Weggehen, damit ist es gar nicht gemacht, – ordnen muß man es. Nicht weggehen, Werner! Mitten drin emporsteigen, höher hinauf, das ist der Weg.

Werner hielt ganz still der holden Berührung und lauschte ehrfürchtig der lichten Weisung und spannte alle Seelenkräfte empor: »Immer lichteres Licht!« Und fühlte alle drängende Dumpfheit von sich abrinnen und fühlte sich emporsteigen und wurde still und klar und selig. Immer lichteres Licht! sagte er staunend, ja das ist der Weg. Und immer wieder, ehrfürchtig staunend: Immer lichteres Licht! Immer lichteres Licht! Ach Gott, wie danke ich dir!

Nach einer Weile sagte Drude: Nun steh auf, und, Werner, hör: Geh jetzt hinunter zur Pappel, die weiß soviel von uns, die hilft dir. Weißt du, nein, noch besser: Geh in das Luftbad, Werner, du bist da jetzt ganz allein. Und sei nackt vor Gott und breite die Hände empor und bitte um die Kraft. Und weißt du, im Vorübergehen schreite doch durch den Bach, ja? Wasser, das ist uns so befreundet, das hilft, das nimmt alles Dumpfe weg. Weißt du noch, wie wir in der Waldschlucht badeten in dem sonnenhellen Bach? Da war alles so edel geordnet! Alles schwebte in ganz reinem Rhythmus! Das gibt dir das Wasser wieder, das hole dir! ja?

Werner atmete tief auf: Reiner Rhythmus! – »Sehe die Welt durchflossen von dir, o selige Reinheit!« Ja, Drude, ja!

 

– Drude aber lief zu Frau Hell: Mutter Edine, o Mutter Edine!

Mein Kind! Drude! was ist denn? du zitterst ja! du bist ganz aufgewühlt?

Ich bin so in Not! es ist alles so voll Verantwortung – und nun weiß ich gar nicht, ob ich es überhaupt erzählen darf.

Werner macht dir Not?

Hast du's gesehn?

Du wolltest gern mit ihm tanzen, Drude, einen schönen, edlen, sonnenfrohen Reigentanz? Und auf einmal wird er so schwer, so schwer und macht so falsche Bewegungen, ja?

Ja! klagte Drude.

Ich sah es schon, sagte Frau Hell.

Ach, und ich habe doch schon seit ein paar Tagen mich zurückhalten sollen und nicht soviel mit ihm zusammen sein, sagte Drude. Aber es kam gar nicht recht bei mir hindurch, bis in den Willen, – ich bin nicht gefolgt, vielleicht wär's sonst nicht gekommen. Es ist so wichtig, daß man gleich gehorcht, wenn man ein Sollen bekommt. Es kann so schlimm werden, wenn man erst nach drei Tagen begreift, was man soll.

Aber ja, Drude! Aber ja! Darin liegt die ganze Sicherheit des Lebens, daß wir leise lauschend werden und schnell gehorchend, wie soll uns sonst die göttliche Weisung führen?

Nun sage mir, geliebte Frau, was man tun muß? Ist es nötig, daß ich mich von ihm fernhalte, als wäre ich Gift? Er sagt, er muß mich meiden. Von der Schule will er weg, er hätte mich zu lieb. Muß ich ihn nun vor meiner Gegenwart schützen? Ich möchte ihm doch zu helfen suchen! Es ist doch schrecklich, einen Menschen, den man lieb hat, allein lassen, gerade wenn er leidet. Das kann man doch überhaupt gar nicht fertig bringen.

Und doch haben viele edle Frauen es leisten müssen, sagte Frau Hell. Ja, es ist schrecklich, Drude. Es muß aber doch gekonnt werden. Davon, daß man es nicht fertig bringen kann, darf überhaupt gar nicht die Rede sein. Denn manchmal ist es eben doch das Richtige.

Es kommt auf die Höhenlage an, Drude! in der es gelebt wird. Den meisten würde ich jetzt sagen: Halte dich ihm ganz fern, bis er es durchgekämpft hat. Aber die Linie, auf der du deine Freundschaft mit Werner lebst, ist sehr hoch, Drude. Und er steht schon lange in seinem schönen, ehrlichen Kampf. Ich glaube, daß du es wagen darfst, zu versuchen, auch dieses Gefühl emporzuheben, dorthin, wo es aus allem dumpfen Zwange erlöst ist. – Denn darauf kommt es nur an.

Drude erzählte, was sie ihm gesagt, und wie es auf ihn gewirkt.

Das ist sehr gut, sagte Frau Hell. Siehst du? Du darfst es wagen. Du wirst seine Seele durch diese Not hindurchtragen, dorthin, wo keine Gefahr mehr für ihn ist. Ich rate aber, daß du jetzt nicht soviel mit ihm zusammen bist wie früher; sondern nur soviel, daß du jeden Tag in einem kurzen, starken und lichtströmenden Begegnen versuchst, den rechten Ton in ihm zum Schwingen zu bringen: den der sittlichen Überwindung. Und, Drude! das Werk ist nicht von heute auf morgen vollendet. Es muß ausgetragen werden, mit Geduld und großer Wachsamkeit. Aber, du jungfräuliches Kind, welch ein Stück Schaffensarbeit am Leben wirst du dann auch vollbracht haben. In Gottes Namen, Drude!

Und ich lade euch beide morgen nachmittag zu mir zum Tee. Dann will ich mit euch ganz tief und stark von dem allen sprechen.

Wie dankbar war Drude, daß nun die große Last von der mütterlichen, der wissenden Frau mitgetragen wurde!

Sie sah noch nach Werner. Aber er war noch nicht wieder in seinem Zimmer. Sie setzte sich, um ihm von der Einladung aufzuschreiben, schrieb aber unwillkürlich etwas anderes, und war gerade damit fertig geworden, als er kam. Ach, Drude! wie danke ich dir, sagte er zart und ehrfürchtig, daß du dich nicht vor meiner Nähe fürchtest.

Wir haben doch jetzt das Wort, sagte Drude, das uns Weisung gibt: immer lichteres Licht! Damit ist ja alles gut. Werner, hör: Frau Hell lädt uns beide, dich und mich, morgen zum Tee ein. Ist das nicht schön? Und sieh, ich habe dir etwas aufgeschrieben, als ich wartete. Ich habe dir doch einmal ein Gedicht gesagt, das paßt jetzt so gut für dich:

»Du tiefgeliebtes Menschenkind,
Sei licht gesinnt!
Fasse mit Mut
Mich in dein Blut!
Du sollst noch leuchtend werden!«

Gute Nacht, Werner!

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