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Gertrud Prellwitz: Drude - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorGertrud Prellwitz
titleDrude
publisherMaien-Verlag
printrun21.-40. Tausend
editor
year1921
firstpub1920
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150219
projectide77bcd42
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Vierzehntes Kapitel

Eines Abends ging Drude zu der Bank in den Gebüschen. Da bemerkte sie, daß dort Zwei saßen und wollte zurückgehn, aber nun hörte sie Werners Stimme, die in einem wunderlich fremden, rüden Tone sagte: Geh jetzt, du bist mir lästig. Und sie sah, wie ein Mädchen aufstand und ging.

Sie kam an ihr vorüber. Drude starrte entgeistert. Das war Erika!

Drude ging ihr nach. Sie zitterte. Erika! Erika! wie kannst du dir das gefallen lassen!

Was? lachte Erika.

In welchem Ton sprach Werner zu dir!

Ach so?! Hast du das gehört, wie er mich fortschickte? Ach, – sie lachte aufgeregt, gar nicht gekränkt, ach nein, triumphierend lachte sie. Das sagt er immer zuletzt. Aber den nächsten Tag kommt er doch wieder und küßt mich soviel, wie ich will. Das ist seit Swinemünde so.

Erika! Erika! rief Drude. Aber wie darfst du? Sie konnte nicht zornig sein. Sie stand vor etwas Unbegreiflichem.

Was denn? sagte Erika. Ach so? Du bist die Heilige, nicht wahr? die die irdische Lust verbietet.

Erika! Erika! stammelte Drude flehend. Wie darfst du dir das gefallen lassen? wiederholte sie hilflos.

Erika aber war wie im Rausch, und wie im Rausch fing sie an zu reden. Drude sah entsetzt in ihr schönes Gesicht, über das es gekommen war wie eine fremde Gewalt, ach, und sie fühlte es wie eine Anklage. Denn dieses Mädchen hatte an sie herangewollt. Immer wieder hatte Drude ihre bittend ausgestreckte Seelenhand gefühlt. Und sie hatte nicht zugegriffen. Weil etwas in Erikas Wesen ihr so unsympathisch war, – nun wußte Drude ja, was es war. Ach Gott, aber sie hätte doch helfen müssen! sie hätte doch versuchen müssen, sie zu lenken, in eine ganz andere Richtung hinein. Erika! Erika! sagte sie immer wieder, flehend.

Nu, was denn? sagte da Erika. Du willst mich wohl ermahnen? Ich soll wohl heilig sein wie der Geist eures Hauses? Der Geist eures Hauses ist einfach altmodisch, Drude. Ganz weltfremde Menschen seid ihr da. Deines Vaters Kunst ist doch ganz überholt. Auch was deine Tante Gertrud dichtet – wer dichtet denn jetzt so etwas? Ihr habt eure kleine Gemeinde, ja, aber die ganze Welt geht doch an euch vorüber. Die hält sich an die Moderne. Die Moderne, die ist ganz anders, Drude. Die sagt zum jungen Weibe: Greif nach dem Apfel, Eva! Das Leben muß entdeckt werden!

Erika! Erika! flehte Drude.

Erika aber sagte: Ach Gott, Drude, du weißt ja gar nichts. Du bist ja unwissend wie ein Kind, du kennst ja auch gar keine moderne Literatur und keine moderne Kunst. Wenn du die moderne Kunst siehst, mit ihren aufrührerischen, dämonischen Kräften, dann bekommst du moralische Gefühle und wendest dich ab. Weil ihr zu Hause alle so seid. Das ist doch alles überholt! Dein Vater hat seine Gemeinde? Na ja, ein Konventikelchen. Die Öffentlichkeit fragt nicht nach ihm. Die Welt geht einfach an ihm vorüber. Der Kunsthandel kennt ihn nicht. Die Zeitungen nennen ihn nicht, oder wenn, dann spotten sie. Deine Tante Gertrud – wer kennt sie denn? Große Mysterienspiele dichtet sie, um die sich niemand kümmert. Und sie bildet sich ein, die Zeit sei nur noch nicht reif dafür. Was für eine Eitelkeit! Ihr lebt doch lauter eingebildete Größe. Und du wagst ja gar nicht, moderne Dichtung zu lesen, aus Angst, daß du dann zu der Überzeugung kommst, daß das, was sie zu Hause leben, Kitsch ist. Aufgeblasener Kitsch. Da fühlen sie sich so. Da lassen sie sich von der kleinen Gemeinde den Hof machen, von denen, die auch die moderne Kunst gar nicht kennen oder nicht verstehen können. Hier in der Waldschule aber, besinne dich doch! Wann spricht Herr Gehrke jemals von deines Vaters Kunst? Oder Frau Hell? Du sagst, Frau Hell gehört so zu den Deinen. Sie spricht aber nie von ihnen. Dagegen Herr Mollberg, der sagte zu Friedel, als er sich ein Bild von deinem Vater aufgehängt hatte: Nehmen Sie das weg, das verdirbt Ihnen den Geschmack. Eingebildete Größe ist's, was ihr lebt, Scheingröße.

Gott, wenn Drude doch etwas sagen wollte! Aber Drude war ganz still geworden. Sie hatte die Hände fest zusammengelegt und auf die Brust gedrückt. Und als eine Abzweigung des Weges kam, ging sie still davon. Und Erika eilte ihr erregt nach: sie war plötzlich völlig ernüchtert. Ach Drude, ach Drude, schimpf doch! rief sie. Aber als Drude schwieg, setzte sie zornig hinzu: Na, schließlich mußt du es ja doch einmal erfahren, es ist ja alles wahr. Und ging davon.

Drude ging mit langsamen, müden Schritten durch den nächtlichen Garten. Und stand still. Ach Gott, wie schwer ist das Menschenleben, sagte sie.

– Ja, Drude, das muß nun gelebt werden! Da muß man nun hindurch.

Sie war noch lange draußen. Ohne sich zurechtzufinden. Ohne sich irgendwie sammeln zu können. Ihr war so wund und weh zumute. Sie fühlte sich unsäglich einsam, in einer ganz fremden Welt. Wie ein weites, wüstes Meer war es um sie her, und die Welt daheim, das war eine kleine Insel, eine schwimmende Insel war es, und schwamm weit, weit weg, – würde sie sie je wieder erreichen?

Denn das war ja klar, sie mußte das nun alles kennenlernen und selbst urteilen. Denn darin hatte Erika völlig recht: Sie kannte wirklich keine moderne Kunst und Literatur, und das war nun so schrecklich. Konnte sie denn überhaupt selber urteilen?

Sie mußte das alles kennenlernen, damit sie sich selbst ein Urteil bilden konnte. Aber ach, wie lange würde das dauern! Das würde doch Jahre dauern. Ach Gott, wie schrecklich ist das alles.

Endlich ging sie hinein. Man mußte doch schlafen gehn. Wo war sie denn eigentlich? Ach ja, in der Schule. Man mußte doch seine Pflicht tun. Aber sie konnte nicht schlafen. Sie lag wach, und die Gedanken liefen in ihr hin und her, hin und her. Und sie versuchte, Ordnung hineinzubringen.

Nur den Dingen ehrlich ins Gesicht sehn! So ist es: Ich habe immer geglaubt, eines großen Künstlers Tochter zu sein. Nun sagt sie, das ist Scheingröße. O Gott, wie tut das weh. Und das Schlimme ist, ich selber, ich kann ja gar nichts beurteilen, weil ich gar nicht vergleichen kann. – Denn das war ja wahr, darin hatte Erika ganz recht, sie kannte wirklich fast gar nichts von moderner Kunst und Literatur, und wie soll man dann urteilen können?

Und das war ja wirklich wahr, Herr Gehrke und Frau Hell sprachen nie von ihres Vaters Kunst zu den andern. Zu ihr hatten sie freundlich und ehrerbietig davon gesprochen, – aber das war vielleicht nur ihre Herzensgüte. Zu den andern sprachen sie nie davon. Aber Herr Mollberg sprach davon. Ja, darin hatte Erika recht, der expressionistische Maler, der die Zeichenstunde gab, der sprach von Vaters Kunst in einem feindlichen Tone und beseitigte seine Bilder aus den Zimmern. Sie hatte gedacht, das ist eben die feindliche Partei, aber Erika sagte, das ist die Welt, die ganze Welt sieht so, und die Welt, die hat recht. Und das war nun das Schlimme: Drude wußte doch gar nicht recht, was die andern eigentlich malten. Sie kannte die moderne Kunst viel zu wenig. Manches liebte sie sehr, – aber sie fand doch heimlich Vaters Gestalten immer viel lebendiger. Das Meiste war ihr sehr, sehr unangenehm, aber sie wußte doch gar nicht recht, was sie eigentlich wollten, und es konnte ja sein, daß sie so befangen war in ihres Vaters Art, daß ihr deswegen die andere so unannehmbar erschien. Das konnte ja sein, ach Gott.

Erika sagte, sie wage nicht zu vergleichen, damit sie nicht erkenne, daß es Kitsch ist, und das war Unsinn, feige war Drude nie gewesen, aber sie hatte sich einfach um die moderne Kunst nicht gekümmert, weil sie Vaters Kunst soviel schöner fand und so glücklich war, wenn sie darin lebte. Ach Gott, wie waren Vaters Bilder schön! Aber das war ja wahr, ob sie im Werden der Kultur etwas bedeuten oder nicht, das konnte sie ja eigentlich wohl nicht beurteilen, weil sie nicht vergleichen konnte. Und das war so sehr, sehr schädlich. Ich muß das nun tun, ich muß Vaters Kunst ganz vergessen und sehen, was die Modernen meinen und mich ganz damit einrichten und dann Vaters Schaffen neu entdecken. Dann werde ich Abstand haben und Augenmaß. Ja, das muß ich tun. Aber, o Gott, wie lange wird das dauern!

Da sind doch aber die Vielen, die Vater so sehr verehren, er ist ihnen der Prophet einer neuen Zeit und reineren Welt. – Erika sagt, das ist Eitelkeit. Und um Gottes willen, das war ja wirklich wahr, die Öffentlichkeit, die ging wirklich an Vaters Kunst einfach vorüber. Wenn irgend jemand in einem Buch oder in einem Aufsatz einen großen Überblick über das Schaffen der Zeit gab, Vaters Kunst wurde gar nicht darin erwähnt. Das hatte sie selber schon manchmal sehr gewundert. Und die einzelnen Kritiken, wenn in den Städten Ausstellungen waren, die waren manchmal bis in den Himmel hebend verehrungsvoll, und meistens waren sie feindlich und gehässig. So große Weltanschauungsprobleme, das gehöre nicht zur Kunst, sagten sie, das sei Tendenz. Und manche sagten, er könne doch nur niedliche Backfischzeichnungen machen, mehr nicht. Und Vater lachte dazu und sagte: Ob es zueinander paßt, was sie sagen, danach fragen sie nicht, jeder sagt, was er für das Vernichtendste hält, weil sie sich so ärgern, daß da eine ganz andere Welt ist. Aber das ist nun so schlimm: Ich selber, ich kann das ja gar nicht beurteilen, ob es nun wirklich etwas Bedeutendes ist, diese ganz andere Welt. Auch Tante Gertruds Dichtungen! Sie wird nie in einer modernen Literaturgeschichte auch nur erwähnt. Wenn sie in einer Stadt eine heimliche kleine Gemeinde hat, in der Öffentlichkeit, auch wenn die Menschen, die sie heimlich hören, Macht darin haben, – in der Öffentlichkeit verschweigen sie sie. Was ist das nur?

Was sagen sie denn selbst? Vater gerät ja manchmal in ein ungeheures Schimpfen hinein, und wenn er sich ausgeschimpft hat, lacht er. Tante Gertrud schimpft nie, sie scheint ganz zufrieden zu sein, wenn die Öffentlichkeit einfach nicht hinsieht. Ich habe sie einmal sagen hören: Die Freunde meines Schaffens verschweigen mich wie ein keusches Geheimnis, und sie tun recht daran, das zeigt, daß sie mich verstehn. Ich hatte Tante Gertrud lieb, als sie das sagte, so lächelnd. Aber was meinte sie nur? Warum ist alles so ganz anders als in der übrigen Kunst und modernen Literatur? Alle Dichter wollen doch berühmt werden.

Warum ist sie zufrieden, wenn die Öffentlichkeit einfach nicht hinsieht? Sie freut sich noch daran.

Und viele Menschen leben aus ihrer Kraft, und dann verändern sie sich ganz, sie werden stark und freudig unklar, es ist, als ob sie auf einmal aufblühten. Und das sind viele und werden immer mehr. Erika sagt, das ist ein Konventikelchen. Und das ist ja wahr, es gibt auch Schwarmgeistergemeinden, – da haben die Menschen auch so wunderbare Kraft.

Vielleicht ist es wirklich gar nichts anderes und gehört überhaupt nicht zur Kunst, ist gar nicht Dichtung, sondern es ist eine kleine Mystikergemeinde, die sich um sie schart, weil sie eine so starke religiöse Kraft hat. Aber es ist dann vielleicht wirklich ein bißchen lächerlich, wenn sie das in der Form von Dichtungen bietet, die eigentlich keine sind, also schlecht. Ach Gott, hilf mir doch! Hilf mir doch!

– – Das kann ich ja nicht beurteilen, ob es etwas anderes ist als in Schwarmgeistergemeinden, – ich selbst habe ja nie eine gesehn, das habe ich auch nur von Tante Gertrud, daß die Menschen dort oft eine so wunderbare Kraft haben, aber leider zu eng – ich habe ja alles von Tante Gertrud, alle Begriffe, mit denen ich denke, wie kann ich sie denn selbst beurteilen? Ich stecke doch mitten in ihr drin, ich kann doch nicht Abstand nehmen, darum habe ich doch auch kein Augenmaß für sie. – Die Gedanken liefen immer in die Runde, obwohl sie sich so sehr bemühte, Ordnung hineinzubringen. Das ist klar, sagte sie sich, das muß ich nun leisten, den Geist der Moderne, den muß ich nun kennen lernen, um selbst beurteilen zu können, wo es hinauswill mit der Kunst der Zeit, und ob Vaters und Tante Gertruds Schaffen Raum darin hat oder ob sie wirklich überholt sind. Überholte Kunst, verwunderte sie sich, das ist ein Begriff, den sie zu Hause gar nicht kennen. Haben sie recht damit oder haben sie nicht recht? Die ganze Welt arbeitet immer mit diesem Begriff und nimmt ihn sehr wichtig. Ach Gott, wie ist das alles nur? – Vater gerät manchmal hinein und fängt ungeheuer an zu schimpfen auf das, was er Richtungstaumel nennt, und sagt: Kaum haben sie alle gelernt, zu malen, so wie die neueste Richtung vorschreibt, dann ist es schon wieder überholt, und sie müssen umlernen. Das sind die Künstler, die nur »Künstler« sind, nämlich technisches Können haben, aber sie sind gar keine schaffenden Menschen. Die müssen sich ja nach dem Draußen richten, weil sie gar kein Drinnen haben. Wenn sie das bedachte, dann schien es ihr eigentlich, daß Vater viel, viel mehr könne als alle diese andern. Aber war es denkbar, daß dann die Welt ihn einfach nicht sah? Das war doch eigentlich gar nicht möglich. Erika sagt, das zu denken ist Eitelkeit. Und sie selbst, ach Gott, sie konnte es ja gar nicht beurteilen, sie liebte seine Kunst so sehr, aber urteilen, nein, das konnte sie nicht, wenn manche sagten, daß er eigentlich gar nicht zur Kunst gehöre, weil er Weltanschauungsbilder mache, das sei Tendenz und gehöre nicht zur Kunst, jetzt wollte ihr das eigentlich einleuchten. Bilder müssen nichts wollen, sagten diese Menschen. Vater aber sagt: Alle echten Kunstwerke wollen etwas, nämlich Offenbarung sein. Und das leuchtete ihr doch auch ein. Warum gehören Weltanschauungsbilder nicht zur Kunst? Die großen Maler vergangener Zeiten haben doch auch Weltanschauungsbilder gemacht, – wenn sie nur an Dürer dachte. Aber diese Menschen würden sagen, das sei auch viel großartiger – aber sie fand ihres Vaters Kunst sehr großartig und wunderbar kraftgebend. Aber es war ja wahr, sie verstand ja eigentlich nichts davon, sie liebte nur, beurteilen konnte sie nichts. Ach Gott! wie quälend ist das alles! Wenn man doch schlafen könnte.

Warum fragen sie denn nur selbst nie danach, ob sie mit der Kunst der Zeit mitgehn? Sie sind doch so hochbegabt, sie könnten es doch. Warum sorgen sie nicht, daß die Öffentlichkeit sie sieht, und daß sie Erfolg haben? Warum haben sie nie gesorgt, daß Mutti ordentlich Geld bekam für den Haushalt, wo sie beide Mutti so lieb hatten? Aber Tante Gertrud sagt nur immer: Nein, dafür zu sorgen, daß die Zeit sieht, was wir schaffen, das ist nicht unseres Amtes; unseres Amtes ist, dafür zu sorgen, daß das ewig ist, was wir schaffen, weil es ganz treu ist und ganz echt.

Ist es möglich, daß es wirklich der oberflächliche Zeitgeist ist, der so ins Materialistische versunken ist, daß er alles ganz Tiefe und ganz Echte einfach nicht sieht, und wenn er es sieht, davor zurückschreckt? Weil es schweigend fordert, daß alles anders werden muß in der Welt? Erika sagt, das zu denken, ist eitel. Um Gottes willen nicht eitel sein! Ach, hilf mir doch! Hilf mir doch! lieber Gott!

Tante Gertrud sagt, sie will den Zeitgeist umwandeln, und sie kann viel stärker wirken, wenn es aus dem Verborgenen geschieht. Darum ist es ihr lieb, wenn die Öffentlichkeit nicht hinsieht –

Und auf einmal, wie Drude lag und sann, kam es wieder zu ihr! Mit seliger Lichtberührung kam es wieder, das Unbegreifliche, das Wunder kam!

Und plötzlich war wieder die ganze Welt verwandelt. All das Dumpfe und Unruhige sank hernieder, alle Angst schwand. Ach Wunder! ach Wunder! Ach, wolltest du auch zu mir kommen! Und wenn Verkennung und Spott und Not und Leid und schweres Schicksal, wie sie daheim sagen, deine Begleitung sein müßten, nichts will ich als dich, du höchstes Glück! – und dir treu sein.

Und nun begriff sie plötzlich alles wieder: Davon ist ja die Luft in meinem Vaterhause so stark und so klar, daß sie dort dem Wunder so treu sind! Gerade davon, daß sie niemals fragen nach dem, was Mode ist, was Ruhm und Geld bringt, sondern sie sind nur dem Wunder treu, das sich durch sie der Welt offenbaren will. Das meinte auch Tante Gertrud, als sie sagte: Sie verschweigen mein Schaffen, und das ist mir lieb, – das meinte sie: weil es so tief aus dem Wunder geholt ist und nun so tief in die Seele dringt, da redet man nicht davon, da läßt man es in der Stille wirken. Ja, das meinte sie. Ach Gott, ja! Ach Gott, wie danke ich dir, daß du mir hilfst! Überholte Kunst? Lächerlich! das gibt es ja nur in der Welt der unechten Kunst. Wo Kunst echt ist, da ist sie ewig echt.

Drude lag nun in süßen Tränen. Ich, ich würde auch treu sein, ich würde auch nicht fragen, ob es jemand sieht oder nicht. Ach, ich bin ja nicht anders als ihr, glaubt es doch nicht, in dem, worauf es ankommt, bin ich ganz wie ihr!

Ach, und was war denn nun? Das ganze Zimmer war ein webendes Leuchten von heimlichem Himmelsleben. War das Mutter –? Und verband sie wohl mit den Seelen der Geliebten daheim? Die ganze süße Heimatwelt wob um sie her, unendlich wirklich und gewiß. Drude lag und drückte die Hände an die Brust: Ich gehöre doch zu euch, sagte sie selig schluchzend. Und schlief allmählich ein.

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