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Drei Schwestern

Anton Tschechow: Drei Schwestern - Kapitel 4
Quellenangabe
pfad/tschecho/3schwest/3schwest.xml
typedrama
authorAnton Tschechow
titleDrei Schwestern
publisherDr. John Edelheim
editor
year1902
firstpub
translatorAugust Scholz
correctorreuters@abc.de
senderkoch.text@t-online.de
created20100326
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Dritter Act.

Olgas und Irinas gemeinsames Zimmer. Links und rechts Betten mit Bettschirmen davor. Es ist drei Uhr nachts. Hinter der Scene wird die Sturmglocke geläutet, aus Anlaß einer Feuersbrunst, die bereits längere Zeit wütet. Es macht den Eindruck, als ob das ganze Haus noch auf den Beinen wäre.

1. Auftritt.

Mascha (liegt auf dem Divan, wie gewöhnlich in Schwarz), Olga und Anfissa (treten ein); später Ferapont.

Anfissa. Sie sitzen jetzt unten, unter der Treppe … Ich sage zu Ihnen: »Kommen Sie doch nach oben. Hier können Sie doch nicht bleiben,« sag' ich. Und sie weinen: »Wir wissen nicht, wo Papa ist,« sagen sie, »wenn er nur nicht verbrannt ist!« So'n Einfall! Auch auf dem Hofe sind Leute … Kaum das Nötigste haben sie an.

Olga (nimmt Kleider aus einem Schrank). Da, nimm das graue Kleid hier … und auch dieses da …Hier die Jacke nimm gleichfalls … Und diesen Unterrock … Mein Gott, mein Gott, welch ein Unglück! Die ganze Kirßanowskigasse ist offenbar abgebrannt … Auch das nimm … und das … (Wirft ihr Kleidungsstücke zu.) Die armen Werschinins müssen einen Heidenschreck bekommen haben … Ihr Haus wäre um ein Haar auch verbrannt. Sie können bei uns übernachten … nach

Hause kann man sie nicht gehen lassen … Dem armen Fedotik ist alles verbrannt, nichts ist ihm geblieben …

Anfissa. Ich möcht' den Ferapont rufen, Anjuschka, ich kann das nicht alles tragen ..

Olga (klingelt). Kein Mensch hört … (Oe[*Ö]ffnet die Thür und ruft hinaus.) Kommt doch mal her, wer dort ist. (Durch die geöffnete Thür sieht man ein Fenster, das vom Feuerschein gerötet ist; man hört, wie die Feuerwehr am Hause vorüberrasselt.) Wie entsetzlich das ist! Und wie es einen mitnimmt! (Ferapont tritt ein.)

Olga (zu Ferapont). Nimm die Kleider hier und trag' sie hinunter. Unter der Treppe stehen die beiden Fräulein Kolotilin … Bring' ihnen die Sachen hier … Auch das gieb ihnen …

Ferapont. Sehr wohl. Im Jahre Zwölf ist auch Moskau abgebrannt … Herr Du meine Güte! Die Franzosen mögen sich schön gewundert haben!

Olga. Geh' nur, mach' rasch …

Ferapont. Ich geh' schon. (Entfernt sich.)

Olga. Gieb alles hin, Altchen, wir brauchen nichts. Alles gieb, meine Liebe … Ich bin so müde, halt' mich kaum auf den Beinen … Die Werschinins können wir nicht nach hause lassen … Die Mädchen bringen wir im Gastzimmer unter, und Alexander Ignatjewitsch kann

unten beim Baron bleiben. Fedotik wird auch beim Baron Platz finden, oder bei uns im Saal … Der Doctor mußte sich gerade heut' betrinken, zu dem kann man niemanden schicken. Auch Werschinins Frau kann im Gastzimmer bleiben.

Anfissa. Oljuschka, mein Täubchen, hetz' Dich doch nicht so!

Olga. Wer hetzt Dich denn, Altchen? Sprich doch kein dummes Zeug.

Anfissa (legt ihren Kopf an Olgas Brust). Meine Teure, Goldene – ich arbeite doch, thu' doch, was ich kann – und wenn ich mal schwach werde, da heißt's gleich: Geh' Deiner Wege. Wohin soll ich denn gehen? Wohin denn? Achtzig Jahre bin ich alt, im zweiundachtzigsten …

Olga. Setz' Dich nur, Altchen … bist müde geworden, meine Ae[*Ä]rmste. (Führt sie zu einem Stuhl und läßt sie sich niedersetzen.) Ruh' aus, meine Gute, wie blaß Du aussiehst! (Natascha tritt ein.)

2. Auftritt.

Mascha (auf dem Divan), Olga, Anfissa, Natascha; später Kulygin.

Natascha. Es heißt, daß schleunigst ein Comité zur Hilfeleistung für die Abgebrannten gebildet werden soll. Ich finde die

Idee sehr gut. Ue[*Ü]berhaupt muß den armen Leuten so rasch wie möglich Hilfe gebracht werden, das ist eine Pflicht der Reichen. Bobik und Sofotschka schlafen, als ob gar nichts wäre. Es sind heut' so viel Menschen im Hause. Wohin man sieht, nichts als Menschen. Dabei herrscht die Influenza in der Stadt. Ich habe wirklich Angst, daß die Kinder sich anstecken.

Olga (hört nicht auf sie). Hier im Zimmer sieht man gar nichts vom Feuer, ganz still ist's hier …

Natascha. Ja. Ich seh' wohl ganz unordentlich aus? (Vor dem Spiegel.) Man sagt mir, ich sei stärker geworden … Ich finde das gar nicht! Nicht im geringsten! Und Mascha schläft, ist müde geworden, die Ae[*Ä]rmste … (Anfissa fröstelt.) Wie kannst Du Dir erlauben, in meiner Gegenwart zu sitzen? Steh' auf! Mach, daß Du hinauskommst! (Anfissa entfernt sich; Pause.) Ich versteh' nicht, warum Du die Alte noch immer behältst!

Olga (verwundert). Entschuldige, auch ich versteh' nicht …

Natascha. Man braucht sie doch gar nicht! Sie ist eine Bäuerin, mag sie aufs Dorf gehen … Ganz verhätschelt habt Ihr sie! Ich will im Hause Ordnung haben. Ue[*Ü]berflüssige Esser braucht man im Hause nicht. (Streichelt Olgas Wange.) Armes Kind, Du mußt Dich so abrackern! Unsere Schulvorsteherin ist müde! Wenn meine Sofotschka groß sein und das Gymnasium besuchen wird, werd' ich Angst vor Dir haben.

Olga. Ich werde nie Schulvorsteherin werden.

Natascha. Man wird Dich aber dazu erwählen.Es ist schon abgemacht.

Olga. Ich nehm's nicht an. Ich kann nicht … (Trinkt Wasser.) Du warst eben so hart zu der Kinderfrau … Ich kann das nicht ertragen … Es wurde mir dunkel vor den Augen …

Natascha (erregt). Verzeih', Olga, verzeih' … Ich wollte Dich nicht kränken.

Mascha (erhebt sich, nimmt ihr Kissen und geht ärgerlich aus dem Zimmer).

Olga. Du wirst das begreifen, meine Liebe. Wir sind darin vielleicht etwas sonderbar erzogen, aber ich ertrage einmal so etwas nicht. Eine solche Behandlung Untergebener ist mir peinlich, schmerzlich … Es drückt mich förmlich nieder.

Natascha. Verzeih' nur, verzeih' … (küßt sie).

Olga. Jede Gefühllosigkeit, mag sie noch so geringfügig sein, jedes unzarte Wort regt mich auf.

Natascha. Ich rede öfter mal 'was Unnötiges. Aber Du wirst zugeben, meine Liebe: sie paßt doch wirklich besser aufs Dorf.

Olga. Sie ist schon dreißig Jahre bei uns.

Natascha. Aber sie ist doch jetzt nicht mehr imstande zu arbeiten. Entweder versteh' ich Dich nicht, oder Du willst mich nicht verstehen. Sie ist einfach unfähig zur Arbeit, sie schläft nur oder sitzt herum.

Olga. So laß sie doch sitzen.

Natascha (erstaunt). Was heißt sitzen lassen? Sie ist doch ein Dienstbote! (Unter Thränen.) Ich versteh' Dich nicht, Olja. Ich hab' eine Amme und eine Kinderfrau, wir haben ein Stubenmädchen, eine Köchin … Was soll uns noch diese alte Person? Was soll sie? (Man hört die Feuerglocke.)

Olga. Ich bin heut' nacht um zehn Jahre älter geworden.

Natascha. Wir müssen uns darüber einig werden, Olga. Du bist im Gymnasium – und ich zu Hause. Du hast mit dem Unterricht zu thun – und ich … mit der Wirtschaft. Und wenn ich etwas über die Dienstboten sagen, dann weiß ich, was ich sage. (Keifend.) Ich weiß, was ich sa-age! … Daß mir das alte Weibsstück morgen nicht mehr da ist, die alte Spitzbübin … (Sie stampft mit dem Fuße auf.)

Hexenpack! … Reizt mich ja nicht, wagt es nicht! (Sich plötzlich besinnend.) Wahrhaftig, wenn Du nicht nach unten ziehst, Olga, dann wird's immer zwischen uns Zank geben. Das ist ja schrecklich. (Kulygin tritt ein.)

Kulygin. Wo ist Mascha? Es ist Zeit, daß wir nach Hause gehen. Das Feuer läßt nach, wie es heißt. (Streckt die Glieder.) Nur ein Stadtviertel ist abgebrannt, und es war doch so starker Wind. Man dachte anfangs wirklich, die ganze Stadt würde dem Brande zum Opfer fallen. (Setzt sich.) Ich bin so müde. Meine liebe Oletschka … Ich denke so manchmal: Wenn Mascha nicht meine Frau wäre, dann würde ich Dich heiraten, Oletschka. Du bist ein Prachtmädchen … Ganz erschöpft bin ich. (Horcht nach etwas hin.

Olga. Was giebt's?

Kulygin. Muß dieser Doctor sich grade heut' bekneipen! Einen mächtigen Rausch hat er. (Er erhebt sich.) Ich glaube, er kommt herauf. Horch! Da ist er, da … (Lacht.) Wirkliche in Mordskerl, der Alte … Ich will mich verstecken. (Stellt sich hinter ein Spind in die Ecke.) Ein toller Bursche!

Olga. Zwei Jahre lang hat er sich gehalten, und nun muß er sich auf einmal wieder betrinken. (Entfernt sich mit Natascha nach dem Hintergrunde des Zimmers. Tschebutykin tritt ein, er geht gerade, ohne zu schwanken; er durchschreitet das Zimmer, bleibt stehen, sieht sich um, geht dann an den Waschständer und wäscht sich die Hände.)

3. Auftritt.

Olga und Natascha; (im Hintergrunde), Kulygin (anfangs nicht sichtbar), Tschebutykin; bald darauf Irina, Werschinin und Tusenbach; später Mascha.

Tschebutykin. (finster). Der Teufel soll sie alle holen … Denken, ich bin ein Doctor und versteh' mich auf Krankheiten … Und dabei hab' ich gar keine Ahnung, hab' alles vergessen, was ich wußte. Nichts weiß ich mehr, nicht das Geringste. (Olga und Natascha entfernen sich, ohne daß er es bemerkt.) Der Teufel soll's holen. Vorige Woche hab' ich drüben auf dem Eisenwerk eine Frau kuriert – natürlich ist sie gestorben, und ich bin schuld daran, daß sie gestorben ist, ja … Vor fünfundzwanzig Jahren, da wußte ich wohl so Einiges, aber jetzt habe ich nicht 'nen Schimmer mehr, nicht 'nen blassen Schimmer. Wer weiß, vielleicht bin ich überhaupt kein Mensch, sondern stell' mich nur so, als ob ich Kopf, Arme und Beine hätte; vielleicht existier' ich gar nicht, vielleicht scheint's nur so, daß ich herumgehe, esse und schlafe. (Weint.) O, wenn ich doch gar nicht existierte! (Hört auf zu weinen, finster.) Weiß der Teufel … Vorgestern unterhielten sie sich im Club; von Shakespeare und Voltaire redeten sie. Ich hab' nicht 'ne Zeile von beiden gelesen, und doch mußte ich so thun, als ob ich sie gelesen hätte. Und die andern machen es ganz ebenso wie ich. Wie abgeschmackt! Wie gemein! Und diese Frau, die ich am Mittwoch ins Jenseits befördert habe – auch die fiel mir ein … Alles, alles fiel mir ein, und es wurde mir so scheußlich, so widerlich, so katzenjämmerlich zu Mute … Na, und da ging ich hin – und betrank mich … (Irina, Werschinin und Tusenbach treten ein; letzterer trägt einen modernen Civilanzug.)

Irina. Hier wollen wir bleiben, hierher kommt niemand.

Werschinin. Hätten die Soldaten nicht zugegriffen, dann wäre die ganze Stadt abgebrannt. Brave Kerls! (Reibt sich zufrieden die Hände.) Ein goldener Menschenschlag! Nein, was für brave Kerls!

Kulygin (kommt auf Sie zu). Wie spät ist's, meine Herren?

Tusenbach. Vier Uhr bereits. Es wird schon hell.

Irina. Alles sitzt im Saal, kein Mensch will gehen. (Zu Tusenbach.) Auch Ihr Soljony sitzt da … (Zu Tschebutykin.) Sie sollten sich schlafen legen, Doctor,

Tschebutykin. So! … Danke für den guten Rat. (Kämmt seinen Bart.)

Kulygin (lacht). Hat sich 'nen Affen gekauft, unser Iwan Romanytsch. (Klopft dem Doctor auf die Schulter.) Ein famoser Herr! In vino veritas, sagen die Alten.

Tusenbach. Von allen Seiten werde ich bestürmt, ich möchte ein Konzert für die Abgebrannten veranstalten.

Irina. Bin neugierig, wer darin auftreten sollte!

Tusenbach. Es würden sich schon Leute finden. Ihre Schwester zum Beispiel, Maria Sergejewna, spielt nach meiner Meinung ausgezeichnet Clavier.

Kulygin. Ausgezeichnet spielt sie!

Irina. Sie hat schon viel vergessen. Seit drei Jahren hat sie nicht mehr gespielt … oder gar seit vieren!

Tusenbach. Hier in der Stadt hat kein Mensch eine Ahnung von Musik … nicht eine Seele. Ich aber hab' ein Urteil darin, und ich versichere Sie, daß Maria Sergejewna großartig spielt … beinahe talentvoll.

Kulygin. Sie haben recht, Baron. Ich liebe sie auch sehr, meine Mascha. Sie ist ein herrliches Geschöpf.

Tusenbach. Es ist schmerzlich, bei solchem Können sich sagen zu müssen: »Niemand, niemand weiß Dich zu würdigen.«

Kulygin (seufzt). Sehr richtig … Aber schickt sich's auch für sie, in einem öffentlichen Concert aufzutreten? (Pause.) Ich weiß nicht … vielleicht ist's sogar sehr löblich. Ich muß gestehen, daß unser Director, der sonst ein so trefflicher und gescheuter Mann ist, in mancher Hinsicht etwas sonderbare Ansichten hat … Natürlich geht ihn die Sache nichts an, aber wenn Sie es wünschen, kann ich ja mit ihm darüber reden.

Tschebutykin. (nimmt eine Porzellanuhr von ihrem platze und betrachtet sie).

Werschinin (betrachtet seine Kleider). Ganz schmutzig hab' ich mich gemacht bei dem Feuer – wie ich aussehe! (Pause.) Gestern hörte ich davon munkeln, daß unsere Brigade versetzt werden soll. Irgend wohin sehr weit, die einen sagen nach dem Königreich Polen, die andern, nach Ostsibirien.

Tusenbach. Auch ich hab' davon gehört. Dann wird's hier vollends öde werden.

Irina. Und wie werden endlich von hier fortziehen!

Tschebutykin. (läßt die Uhr fallen, die in Stücke geht,) In Granatsplitter … (Pause; alle sind verlegen und aufgebracht.)

Kulygin (nimmt die Stücke auf). Einen so kostbaren Gegenstand zu zerschlagen – ach, Iwan Romanytsch, Iwan Romanytsch! Sie verdienen im Betragen mindestens die Censur »ungenügend«!

Irina. Das ist die Uhr unserer verstorbenen Mama …

Tschebutykin. Mag sein … Ihrer verstorbenen Mama … was geht mich das an? Vielleicht hab' ich sie gar nicht zerschlagen! Vielleicht scheint's nur so, daß ich sie zerschlagen habe. Vielleicht scheint es uns überhaupt nur, daß wir existieren, während wir in Wirklichkeit gar nicht existieren! Ich weiß gar nichts … Kein Mensch weiß überhaupt

'was … (An der Thür.) Was guckt Ihr mich alle so an? Natascha hat eine Liebschaft mit Protopopow, und Ihr seht nichts … Ihr sitzt da und seht nichts … Ihr sitzt da und seht nichts – und Natascha liebelt inzwischen mit Herrn Protopopow … (Summt eine Melodie.) Na, wie schmeckt Euch die Dattel? … (Ab.)

Werschinin. Ja … (Lacht.) Wie seltsam das doch alles ist! Pause. Als das Feuer ausbrach, lief ich so rasch als möglich nach Hause; ich komme und sehe – unser Haus ist ganz und außer jeder Gefahr, aber meine beiden Töchter stehen in leichten Nachtgewändern an der Thürschwelle, die Mutter ist nicht zu Hause, die Dienstboten rennen hin und her, Pferde und Hunde sind losgelassen, und auf den Gesichtern der armen Mädchen liegt ein so entsetzter, so banger, so flehender Ausdruck, was weiß ich; das Herz krampfte sich mir zusammen, als ich diese Gesichter sah. Mein Gott, dacht' ich, was werden diese armen Kinder in ihrem langen Leben noch durchzumachen haben! Ich nehme sie, eile mit ihnen fort, und habe immer nur den einen Gedanken: was werden sie noch durchzumachen haben auf dieser Welt? (Pause.) Und dann komm' ich hierher und finde hier ihre Mutter – sie schreit, sie wütet … (Mascha tritt ein, mit dem Kissen, und setzt sich auf den Divan.) Und wie ich dort meine Mädchen an der Thürschwelle sah, im bloßen Nachtgewand, und die Straße ganz gerötet war vom Feuer und ringsum alles schrie und lärmte, da ging es mir durch den Kopf, wie oft wohl ähnliche Scenen damals vor vielen Jahren passiert sein mögen, wenn der Feind unerwartet ins Land einfiel und sengte und plünderte … Und da fiel mir so recht der Unterschied auf zwischen einst und jetzt. Und wenn nun noch eine Spanne Zeit vergeht, sagen wir, zwei-, dreihundert ´Jahre, dann

wird man auf unsere heutigen Zustände mit dem gleichen Gefühl des Schauderns und mit spöttischem Lächeln zurückblicken, und alles, was uns heut' vollendet scheint, wird man dann für plump und unbeholfen, für unpraktisch und absonderlich halten. O, was für ein herrliches Leben wird das dann sein, was für ein Leben! (Lacht.) Entschuldigen Sie nur, ich bin wieder ins Philosophieren hineingeraten. Aber lassen Sie mich weiter reden, Herrschaften, ich bin gerade jetzt in der Stimmung dazu. (Pause.) Sie scheinen alle recht schläfrig. Ich sage also: was für ein Leben wird das sein! Machen Sie sich's doch einmal klar! Jetzt giebt's in der ganzen Stadt nur drei solche Menschen wie Sie sind, aber die kommenden Geschlechter werden weit mehr solche Menschen aufzuweisen haben, immer mehr und mehr, und es wird eine Zeit kommen, da alles nach Ihrem Geschmack eingerichtet sein wird, alle so leben werden wie Sie – und schließlich wird auch Ihre Art als veraltet gelten, und es werden Menschen geboren werden, die noch höher stehen als Sie … (Er lacht.) Heut' bin ich wirklich in ganz besonderer Stimmung. Möcht' mal so recht über die Stränge hauen … (Singt.) »Wer mag ohn' Liebe sich begehn? Kein Alter kann ihr widerstehn! …« (Lacht.)

Mascha. Tram – tam – tam …

Werschinin. Tam … tam …

Mascha. Tra – ra – ra!

Werschinin. Tra – ta – ta. (Lacht. Fedotik tritt ein, bald nach ihm Soljony.)

4. Auftritt.

Irina, Mascha, Tusenbach, Werschinin, Kulygin, Fedotik; dann Soljony.

Fedotik. Abgebrannt bin ich, total abgebrannt! Bis aufs Letzte. (Gelächter.)

Irina. Was ist das zu lachen? Ist Ihnen wirklich alles verbrannt?

Fedotik (lacht). Bis aufs Letzte. Nichts hab' ich behalten. Meine Guitarre ist verbrannt und mein photographischer Apparat und alle meine Briefe … Ich wollte Ihnen ein Notizbuch schenken, – auch das ist verbrannt. (Soljony tritt ein.)

Irina. Halt! Bitte, gehen Sie fort, Wassili Wassiljewitsch! Hier dürfen Sie nicht herein!

Soljony. Warum darf denn der Baron 'rein – und ich nicht?

Werschinin. Wir müssen wirklich machen, daß wir fortkommen. Wie steht's denn mit dem Feuer?

Soljony. Es heißt, daß es nachläßt. Hm – ich muß mich wirklich darüber wundern, daß der Herr Baron hier bleiben darf und ich nicht!

Werschinin. Tram – tam.

Mascha. Tram – tam.

Werschinin (lachend zu Soljony.). Kommen Sie mit in den Saal.

Soljony. schön, den Fall wollen wir uns notieren. Ich hätte Lust, der Sache auf den Grund zu gehen, aber es könnte die Gänse reizen. (Schaut auf Tusenbach.) Zip, zip, zip … (Ab mit Werschinin und Fedotik.)

Irina. Wie dieser Soljony die Stube vollgequalmt hat! … (Entrüstet.) Der Baron schläft. Baron! Baron!

Tusenbach (erwachend). Ich bin so müde … Die Ziegelei … Nein, ich phantasiere nicht – ich werde mir wirklich nächstens in einer Ziegelei Arbeit suchen … Hab' schon deshalb angefragt. (Zu Irina, zärtlich.) Sie sind so blaß, so schön, so bezaubernd … Ihre Blässe scheint das Dunkel zu erhellen, wie das Licht … Sie sind traurig, Sie sind unzufrieden mit dem Leben … O, kommen Sie mit mir, lassen Sie uns gemeinsam arbeiten.

Mascha. Nikolaj Lwowitsch, gehen Sie jetzt hier fort!

Tusenbach. Sie sind hier? Ich habe Sie nicht gesehen … (Küßt Irina die Hand.) Leben Sie wohl, ich gehe … Ich sehe Sie an und erinnere mich, wie anders Sie früher waren – damals zum Beispiel, an ihrem Namenstag. So frisch und froh waren Sie, und nur von den Freuden

der Arbeit sprachen Sie … Was für ein glückliches Leben erträumte ich damals! Wo sind meine Träume? (Er küßt ihr die Hand.) Ich sehe Thränen in Ihren Augen. Legen Sie sich zur Ruhe, es wird bereits hell … Der Morgen bricht an … Könnt' ich doch mein Leben für Sie opfern!

Mascha. Nikolaj Lwowitsch, gehen Sie jetzt! Nein, wirklich …

Tusenbach. Ich geh' schon … (Ab.)

Mascha (sich niederlegend). Du schläfst, Fedor?

Kulygin. Wie?

Mascha. Solltest lieber nach Haus gehen.

Kulygin. Meine liebe Mascha, meine teure Mascha

Irina. Laß sie ausruhen, Fedja, sie ist so erschöpft.

Kulygin. Ich gehe gleich … Meine Frau ist ein schönes, prächtiges Weib … Ich liebe Dich, meine Einzige …

Mascha (ärgerlich). Amo, amas, amat, amamus, amatis, amant.

Kulygin (lacht). Nein, sie ist wirklich entzückend. Ich bin nun sieben Jahre mit Dir verheiratet, und es ist mir, als ob wir

uns erst gestern verlobt hätten. Mein Ehrenwort! Nein, Du bist wirklich ein reizendes Weib. Ich bin zufrieden, zufrieden, zufrieden.

Mascha. Und mir ist's zuwider, zuwider, zuwider … (Sie richtet sich auf und spricht sitzend.) Die Geschichte mit Andrej will mir nicht aus dem Sinn … Einfach empörend finde ich das, wie ein Nagel sitzt mir's im Kopf, ich kann nicht schweigen. Verpfändet der Junge unser Haus in der Bank, und seine Frau nimmt das Geld einfach an sich. Das Haus gehört doch nicht ihm allein, sondern uns vier Geschwistern gemeinsam! Er muß das doch wissen, als anständiger Mensch …

Kulygin. Reg' Dich darum nicht auf, Mascha. Was soll Dir das Haus? Andrjuscha hat eben Schulden – na, dann Gott mit ihm …

Mascha. Jedenfalls ist sein Benehmen empörend. (Sie legt sich nieder.)

Kulygin. Wir brauchen darum keine Not zu leiden. Ich arbeite, unterrichte im Gymnasium, gebe Privatstunden … Ich bin ein einfacher, ehrlicher Mensch … Omnia mea mecum porto, wie man sagt.

Mascha. Ich brauche nichts weiter, aber die Ungerechtigkeit empört mich. (Pause.) Geh' jetzt, Fedor.

Kulygin. (küßt sie). Du bist müde, ruh' ein halbes Stündchen aus, und ich warte so lange … Schlafe nur … (Entfernt sich.) Ich bin zufrieden, zufrieden, zufrieden. (Ab.)

Irina. Mit unserem Andrej ist wirklich nichts mehr los. Er ist so fade geworden, so gealtert neben dieser Natascha. Früher schwärmte er davon, einmal Professor zu werden – und gestern prahlte er damit, daß er endlich zum Mitglied der Landschaftsverwaltung gewählt sei. Er ist Mitglied dieser Verwaltung, und Protopopow ist ihr Vorsitzender! … Die ganze Stadt zischelt und lacht, nur er allein weiß von nichts und sieht nichts … Alles ist zum Feuer gelaufen, und er hockt in seiner Stube und zeigt für nichts Teilnahme. Höchstens sein Geigenspiel interessiert ihn noch. (Nervös.) O, schrecklich, schrecklich, schrecklich! (Sie weint.) Ich kann und kann das nicht länger ertragen! … Ich kann nicht, kann nicht, kann nicht … (Olga tritt ein.)

5. Auftritt.

Irina, Mascha, Olga, später Natascha.

Irina (laut schluchzend). Werft mich hinaus, werft mich hinaus! Ich kann hier nicht länger bleiben.

Olga (bestürzt). Was ist denn mit Dir, meine Liebe?

Irina (schluchzend). Wohin, wohin ist alles entschwunden? Wo ist es? O mein Gott, mein Gott, ich hab' alles vergessen! …

Ganz wirr ist mir im Kopf … Ich weiß nicht mehr, was das Fenster oder die Zimmerdecke auf italienisch heißt. Alles vergess' ich. Jeden Tag vergesse ich etwas. Das Leben entschwindet und kehrt niemals wieder. Niemals, niemals werden wir nach Moskau kommen. Ich sehe, daß wir nie hinkommen werden.

Olga. Beruhige Dich doch, meine Liebe.

Irina (sucht sich zu beherrschen). O ich Unglückliche … Ich kann nicht arbeiten, werde nie arbeiten. Genug, genug! Ich war Telegraphistin, jetzt bin ich in der städtischen Verwaltung angestellt – und ich hasse, ich verachte alles, was man mir nur zu thun giebt … Ich bin schon vierundzwanzig Jahre, ich arbeite nun schon so lange, und was hab' ich erreicht? Mein Gehirn ist wie ausgetrocknet, ich bin abgemagert, verdummt, gealtert, und nichts, nicht die geringste Befriedigung hab' ich in meiner Arbeit gefunden. Die Zeit entflieht so rasch, und es ist mir, als ob ich mich von dem wahren, wirklich schönen Leben immer mehr entferne – als ob ich in einen Abgrund versinke. Ich bin ganz verzweifelt – daß ich noch lebe, daß ich noch nicht Selbstmord begangen habe, ist mir unbegreiflich …

Olga. Weine nicht, mein Herzchen, weine nicht, Du machst mir das Herz so schwer …

Irina. Ich will auch nicht mehr weinen. Genug … Siehst Du, ich weine wirklich nicht mehr. Genug, genug!

Olga. Als Schwester, als Freundin sage ich Dir's, mein Kind: wenn Du meinen Rat hören willst, heirate den Baron!

Irina weint.

Olga (leise). Es ist doch ein Mann, den Du achten und schätzen kannst … Er ist allerdings nicht hübsch, aber er ist so ordentlich und hält auf sich … Man heiratet doch nicht aus Liebe, sondern um seine Pflicht zu erfüllen … Ich wenigstens denke so, ich würde auch ohne Liebe heiraten. Jeden, der mich haben will, würde ich nehmen, wenn's nur ein ordentlicher Mensch ist … Selbst einen Alten würde ich nicht abweisen …

Irina. Ich dachte immer, wenn wir nach Moskau ziehen, würde ich den mir vom Schicksal Bestimmten finden – ich habe von ihm geschwärmt, hab' ihn im Traume geliebt … Es waren eben Träume, Hirngespinste …

Olga (umarmt die Schwester). Meine liebe, meine schöne Schwester, ich kann alles verstehen! Als Baron Nikolaj Lwowitsch damals den Dienst quittierte und das erste Mal in Civil zu uns kam, erschien er mir so häßlich, daß ich sogar weinte … Er fragte mich: »Warum weinen Sie?« Was sollte ich ihm sagen? Wenn's aber Gott so fügte, daß er Dich heiratet, dann wäre ich glücklich. Das ist etwas Anderes, etwas ganz Anderes …

Natascha geht schweigend mit einer brennenden Kerze über die Bühne, von der rechten Tür nach der linken.

(Natascha geht schweigend mit einer brennenden Kerze über die Bühne, von der rechten Thür nach der linken.)

Mascha (richtet sich auf). Wie sie umherschleicht – als ob sie das Haus anzünden wollte!

Olga. Du bist dumm, Mascha. In unserer ganzen Familie bist Du die Dümmste. Nimm's nicht übel, aber es ist so. (Pause.)

Mascha. Ich muß Euch etwas beichten, liebe Schwestern. Es liegt mir so schwer auf der Seele. Euch will ich's beichten, und sonst keinem Menschen, niemals … Ich sag's Euch gleich. (Leise.) Es ist mein Geheimnis, aber Ihr sollt alles wissen … Ich kann's nicht verschweigen … (Pause.) Ich liebe, liebe … ich liebe diesen Menschen … Ihr habt ihn eben gesehen … Na, mit einem Wort: ich liebe Werschinin …

Olga (geht hinter ihren Bettschirm). Schweig! Ich will nichts hören.

Mascha. Was soll ich dazu thun? (Faßt sich an den Kopf.) Er schien mir anfangs ein Sonderling, dann hatte ich Mitleid mit ihm … Dann gewann ich ihn lieb … ihn samt seiner Stimme, seinen langen Reden, seinem Unglück, seinen beiden Mädchen …

Olga (hinter dem Bettschirm). Ich habe nichts gehört. Erzähl' so viel Dummheiten, wie Du willst, ich höre gar nichts.

Mascha. Ach, Du bist dumm, Olga. 's ist eben mein Schicksal, daß ich ihn liebe, mein Verhängnis … Und er liebt

mich wieder … Das alles ängstigt mich so. Es ist unrecht, nicht wahr? (Sie faßt Irinas Hand und zieht sie an sich.) O, meine Lieben, wie wird's uns noch ergehen im Leben! Was wird aus uns noch werden … Wenn Du einen Roman liest, dann scheint Dir alles darin so abgedroschen, so banal. Aber wenn Du Dich selbst verliebst, dann siehst Du erst, wie ernst die Sache ist. Unsinn ist's, was diese Romanschreiber von der Liebe faseln. Man muß so etwas erst selbst durchkämpfen. Meine lieben, guten Schwestern … ich hab's Euch gebeichtet. Jetzt werde ich schweigen … Wie der Verrückte bei Gogol kenne ich nichts als … Schweigen … Schweigen …

(Andrej tritt auf, hinter ihm Ferapont.)

6. Scene.

Olga, Irina, Mascha, Andrej, Ferapont; dann Werschinins Stimme, später Kulygin.

Andrej (ärgerlich). Was willst Du eigentlich?

Ferapont (in der Thür, ungeduldig). Ich hab's Ihnen doch schon zehnmal gesagt, Andrej Sergejewitsch!

Andrej. Erstens heiß' ich für ich nicht Andrej Sergejewitsch, sondern Euer Hochwohlgeboren.

Ferapont. Also, Euer Hochwohlgeboren, die Feuerwehr läßt bitten, daß Sie ihr erlauben, durch Ihren Garten nach

dem Flusse zu fahren. Sonst müssen sie immer im Bogen herumfahren und ihre Zeit vertrödeln.

Andrej. Meinetwegen. Sag ihnen, ich hätte nichts dagegen. (Ferapont ab.)

Andrej. Der Kerl hat mich was gequält. Wo ist Olga? (Olga kommt hinter dem Bettschirm hervor.) Ich bin zu Dir gekommen … Gieb mir doch den Schlüssel vom Schrank, ich habe meinen verloren. Du hast doch so einen kleinen Schlüssel …

Olga (reicht ihm schweigend den Schlüssel).

Irina (geht hinter ihren Bettschirm; Pause).

Andrej. Was für ein furchtbares Feuer! Jetzt hat es sich gelegt … Weiß der Teufel, dieser Ferapont hat mich zu sehr erbost. Was für eine Dummheit sagte ich ihm da … »Euer Hochwohlgeboren«?! (Pause.) Warum schweigst Du denn, Olga? (Pause.) 's ist endlich Zeit, diese Dummheiten zu lassen … Wie kann man so um nichts und wider nichts schmollen? Auch Mascha und Irina sind da – das trifft sich gerade gut. Wir wollen uns gründlich aussprechen, ein für allemal. Was habt Ihr gegen mich? Was?

Olga. Laß uns in Ruhe, Andrej. Morgen können wir uns aussprechen. (Erregt.) Was für eine qualvolle Nacht!

Andrej. Reg' Dich nicht auf. Ich frage Euch ganz kühl: was habt ihr gegen mich? Redet ohne Umschweife!

Werschinin's Stimme. Tram – tam – tam!

Mascha (erhebt sich, laut). Tra – ta – ta! (Zu Olga.) Leb' wohl, Olja. Der Herr behüte Dich! (Geht hinter Irinas Bettschirm und küßt sie.) Schlafe sanft! Leb' wohl. Andrej! Geh' jetzt fort, sie sind müde … Morgen könnt ihr Euch aussprechen. Ab.

Olga. Wirklich, Andrjuscha, laß es bis morgen … (Geht hinter ihren Bettschirm.) Laß uns endlich schlafen gehen.

Andrej. Ich geh' gleich. Nur ein paar Punkte möcht' ich erwähnen … Erstens scheint es mir, daß Ihr gegen Natascha etwas habt, und zwar bemerke ich das schon seit dem Tage meiner Hochzeit. Meine Frau ist ein braver, edler Charakter, einfach und treuherzig – das ist meine Meinung. Ich liebe und achte meine Frau – und ich verlange, daß auch andere sie achten. Ich wiederhole, sie ist ein edler, braver Charakter, und alle Eure Ausstellungen sind, verzeiht mir das Wort, einfach Launen, altjüngferliche Schrullen. Alte Jungfern können sich eben nie mit ihren Schwägerinnen vertragen, das ist immer so gewesen. (Pause.) Zweitens scheint Ihr Euch darüber zu ärgern, daß ich nicht Professor geworden bin, nicht wissenschaftlich arbeite. Aber dafür bin ich doch in der Landschaft, und diesen Dienst halte ich für ebenso hehr und heilig, wie den Dienst der Wissenschaft. Ich bin

Mitglied der Landschaftsverwaltung, und ich bin stolz darauf, wenn Ihr es wissen wollt … (Pause.) Und drittens … hätt' ich noch eins zu erwähnen … Ich habe das Haus verpfändet, ohne Euch um Erlaubnis zu fragen … Hier bin ich im Unrecht und bitte Euch um Verzeihung. Meine Schulden haben mich dazu getrieben … Fünfunddreißigtausend … Jetzt spiel' ich nicht mehr, schon lange nicht. Wenn ich nach einer Rechtfertigung suche, so ist's höchstens die, daß ich nicht, wie Ihr vom schönen Geschlecht, nach Papas Tode eine Pension bezog … (Pause.)

Kulygin (spricht zur Thür hinein). Ist Mascha da? (Besorgt.) Wo ist sie denn? Das ist doch seltsam …

Andrej. Sie hören nicht. Natascha ist ein ausgezeichnetes, braves Weib. (Geht schweigend auf und ab und bleibt dann stehen. Als ich heiratete, dachte ich, es würde zum Glück für uns sein … für uns alle … Aber, Du mein Gott … (Weint.) Meine lieben Schwestern, teure Schwestern – glaubt mir nicht, glaubt mir nicht! (Ab.)

Kulygin in der Thür, unruhig). Wo ist Mascha? Ist Mascha nicht hier? Wie merkwürdig … (Ab.)

(Sturmgeläut; die Bühne ist leer.

Irina (hinter dem Bettschirm). Olja, wer klopft denn da gegen den Fußboden?

Olga. Der Doctor ist's, er ist betrunken.

Irina. Was für eine tolle Nacht! (Pause.) Olja! (Guckt hinter dem Bettschirm hervor.) Hast Du gehört? Die Brigade kommt fort von uns. Sie wird irgendwohin verlegt, ganz weit weg …

Olga. Das sind wohl nur Gerüchte.

Irina. Wir sind dann ganz verlassen … Olga!

Olga. Nun?

Irina. Meine Liebe, Teure – ich achte und schätze den Baron. Er ist ein trefflicher Mensch, ich will ihn heiraten, bin einverstanden – aber wir müssen nach Moskau ziehen. Ich flehe Dich an, laß uns hinziehen! Es giebt auf der ganzen Welt nichts Schöneres als Moskau. Laß uns hinziehen, Olja, laß uns hinziehen! …

(Der Vorhang fällt.)

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