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Drei Fastnachtsspiele

Hans Sachs: Drei Fastnachtsspiele - Kapitel 4
Quellenangabe
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typecomedy
authorHans Sachs
titleDrei Fastnachtsspiele
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
printrun16. bis 25. Tausend
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Nachwort.

Die Entstehung der hier wiedergegebenen Fastnachtsspiele fällt in die fünfziger Jahre des 16. Jahrhunderts.

Hans Sachsens Lehr- und Wanderzeit war längst vorüber. Vorüber die Schule des Meistergesangs, mit dessen äußerlicher Technik der Lehrling vertraut gemacht worden war; vorüber die einzige größere Reise, die den Gesellen bis an die Donau und den Rhein geführt hatte. Der Meister saß nun in seiner Nürnberger Werkstatt, den Tag über fleißig bei seinen Leisten, am Feierabend jedoch, nicht minder betriebsam, bei Büchern und Versen, was er in einer Stunde gelesen hatte, formte er »reimensweis« in der andern, wobei er sich oft vom Stoffe beherrschen ließ, anstatt ihn künstlerisch zu gestalten und mit eignem Gehalt zu füllen. Hatte er in früherer Zeit vor allem den Meistergesang gepflegt, im Dienste Luthers dann auch zur Prosa in kerndeutschen Dialogen gegriffen, so zog er allmählich das dramatische Gedicht allem anderen vor und dichtete Tragödien, Komödien und Fastnachtsspiele. Den höheren Ansprüchen eines Dramas war er freilich nicht im entferntesten gewachsen, und so bot er in seinen Tragödien und Komödien nichts weiter als dialogisierte, sonst episch gehaltene Stoffmassen; des Fastnachtsspiels hingegen, das ganz im Ton jener Zeit lag, der auch Hans Sachs mit Leib und Seele zugehörte, ist er Meister geworden wie kein anderer vor oder nach ihm.

Es war die Zeit, da das Bürgertum mehr und mehr hochkam, in Kunst und Wissenschaft eine führende Rolle spielte. Zumal Nürnberg durfte sich seiner führenden Geister freuen: der Behaim und Pirkheimer, der Krafft, Vischer und Stoß, der Wohlgemut, Dürer. Nürnberg wurde nun auch der klassische Boden des deutschen Fastnachtsspiels, einer Gattung, die recht eigentlich bürgerlichen Herkommens ist. Junge Bürger zogen zu Fastnacht von Haus zu Haus, von Kneipe zu Kneipe, um in kurzen Auftritten Typen und Szenen des Alltags in grotesker Übertreibung vorzuführen. Bei diesem Milieu und dieser Stimmung war es kein Wunder, wenn der Scherz obszön, die Szene zur Zote wurde. Auch Rosenplüt und Folz mißbrauchten in dieser Weise ihre Talente, und erst Hans Sachs erhob das Fastnachtsspiel aus Schlamm und Schmutz zu seiner Bestimmung. In die losen Szenen brachte er Absicht und Handlung, den Typen gab er Bewegung und Leben, zu Spott und Witz fügte er seinen Humor, Obszönitäten verjagte er mit der Moral. Hierdurch etwas spießbürgerlich geworden, derb und grotesk trotzdem geblieben, bietet sein Fastnachtsspiel eine einfache, aber gewürzte Kost dar, zu der man in Zeiten kultureller Übersättigung gern zurückkehren wird.

Von den mehr als 70 Fastnachtsspielen des Hans Sachs sind hier drei ausgewählt worden. »Das Narrenschneiden«, 1557 entstanden, gibt einen Begriff von der damals so beliebten Narrenliteratur, deren Haupterzeugnis, Brants »Narrenschiff« (1494), von Hans Sachs erwähnt wird. »Der fahrend Schüler im Paradeis« ist 1557 gedichtet und eins der besten Stücke des Dichters. »Der bös Rauch«, aus dem Jahre 1551, ist typisch für die Derbheit und groteske Übertreibung, die auch Meister Sachs liebte. Der Text der Spiele ist den wissenschaftlichen Ausgaben von Keller und Goetze entnommen, doch ist bei der Wiedergabe, wie schon in der zweibändigen Hans Sachs-Ausgabe des Insel-Verlags, die neuere Orthographie angewandt worden. Dadurch sollte dem modernen Leser die Lektüre erleichtert werden, und diesem Zwecke dient auch das folgende

Wortverzeichnis

abhaspen, abwickeln
abstehlen, fort-, wegstehlen
Alchamist, Alchymist
Alifanzer, schlechter, listiger Mensch
bescheiden, Bescheid geben
allers, gen.sing. in Flüchen, von einem Substantiv abhängig und dem heutigen »Allerwelts ...« nicht unähnlich
anfachen, anfahen, anfangen
antragen, anhaben
aufrecken, aufrichten
ausdingen, ausbedingen
aushin, hinaus
auswaschen, lästern
Backscheit, Holz fürs Backen
baden,gebraucht wie »lausen«, (den Kopf waschen)
baldglaubig, leichtgläubig
baß, besser, genauer
befehlen, empfehlen
abstrählen, abkämmen
bekränken, krank machen
beleiten, geleiten
deren, bern, schlagen
bewähren, beweisen
Bire, Birne
Blasen, pusten, prusten
blab, blob, blau
blitschblab, blitzblau
brinnen, brennen
Bruch(fem.),Hose, Unterhose (vgl. Bild S. 38)
Bruch antragen, Hosen anhaben, Herr im Hause sein
Brunnen, der Harn
Bürlein, Bürdelein, Päcklein
dargeben, her-, hingeben
daus, daußen, draußen
denn, dann
dest, dester, desto, um so
Dildapp, Tölpel
Dinglich,Weißzeug, Wäsche dürfen, bedürfen, brauchen
Egelmeir, Schalk (Egel in der Bedeutung von Grille)
Eifrer, Eiferer, Eifersüchtiger
endlich, ganz
entpfinden, empfinden
erben, beerben
erleiden, aushalten
erst, jetzt erst, erst jetzt
Eselzeigen, Esel strecken, Eselsohren machen
fast, fest, sehr, ganz
Feige zeigen, eine im Mittelalter aus Italien eingeführte Geste (imago vulvae)
Finanzer, Wucherer
freidig, ruhmredig
für, vor
Fürkauf, wucherischer Kauf vor dem Markte
Füttin, (von futt) vulva
Garn, Netz, Fallstrick
gech, voreilig
Gemeusch, Büschel
genennen, aufzählen
geudisch, prahlerisch
Gezösch, Gerutsche
gmachsam, verstärktes gemach
gnaden, gnädig sein
Grama (Graman), schlechter Gaul
grämisch, mürrisch
Grimm, Grimmen
großbauchet, dickleibig
Gweichter, Geweihter, Geistlicher
Hahn gebissen, ähnliche Redensart wie der Narr hat ihn gebissen
Hälmlein, von verschiedener Länge beim Loseziehn
Handzwehel (fem.), Handtuch
Harm, Harn
harrn, ausharren; bleiben
hart, sehr
härt, Nebenform zu hart
hecht? ( hechen, keuchen, hachen, sich wie ein »hache« gebärden. Wackernagel setzt dafür hengt)
Hem, Hemd
heunisch (Heune, Hunne, Hüne), ungeschlacht
Hofierer, Spielmann
ie, immer, stets; ja, Füllwort
jehen, sagen
ihm, auch reflexiv gebraucht: sich
indert, irgendwo, irgendwie, irgendwann
Johannes' Segen, Abschiedstrunk, der dem Evangelisten geweiht war
Kalb ins Aug schlagen, noch im 1,8. Jhrh. Beliebte spöttische Redensart
Kammerlauge, »Lauge aus dem Kammertopf« ( urina)
Kappen kaufen, Narrenkappe besorgen, aufsetzen
leck, kühn, mutig
kerren, quälen
Kifferbeis, Kifferbespeis, Erbse in der Kiese (Schale): Wortspiel mit Keisen
Kluppe, gespaltenes, zum Festhalten bestimmtes Holz; Klaue
krank (c. Dat.), schwach für etwas
krimmeln, in Verbindung mit »wimmeln« = kriechen (»von« wohl verderbt aus »voll« oder »krimmeln« hier außergewöhnlich Subst. und »als« = wie)
kronen, murren
Krös, Gekröse
Lahn, Lohn
Laufend, Gicht
laufet, brünstig? (Nebenform zu »läufic«, wie »vierecket« zu »-eckic«) sich schien, sich anschicken
laugen, leugnen, verleugnen
leichnam – verstärkt Adjektiva (hart, übel, angst)
Leilach, Bettuch, Laken
Letz (fem.), Abschied
losen, lauschen, hören
Meuchler, eine Art Fieber
mild, freigebig
Moos, Moor, Sumpf
Mut, Sinn
nagen, quälen
neidig, neidisch
nieden, unten
nug, nugst, starkes Präteritum zu »nagen«
obleit, kontrahierte Form neben oblieget
obliegen, Gegensatz: »erliegen«
Ölbrer, alberner Mensch
prudeln, brodeln, wirbeln
prüfen (frz.prouver), beweisen; erkennen
raumen, räumen
reuen, schmerzen
Richt, Gericht
ring, leicht gering
Roselwurst, Röst-, Blutwurst
rühmisch, ruhmselig
rumplen, rumpeln, poltern
sam, als, wie
sappen, gehen
Schaff, Kübel
schellig, toll
sich schicken, sich anschicken
Schlappe, Ohrfeige
Schlat, Schlot
schmitzen, eilen
Schnauden, Schnaufen
Schweinenbachen, Schinken, den nach einem andern Fastnachtsspiel nur holen durfte, wer beweisen konnte, daß er Herr im Hause ist.
sparn, schonen
gesport, geritten
Spottfeller, Spötter (-feller von felgian nach Schmeller; »spotvögel« setzt Wackernagel)
Stocknarr, Stock – verstärkt (wie in »stockdumm«)
Strähnlein, Diminutiv von Strähne
stüdfaul, sehr faul ( Stud, Pfosten, Pfeiler)
tan,ton, tun
Teidung, leeres Gerede (»Narrenteidung«); Unterhandlung
toppisch, täppisch
Trum ( sing. von Trümmer), Ende
tügen, taugen
über Not trinken, über den Durst, ohne Durst trinken
übersehen, versehen; übergehen, ungeschoren lassen
umzaspen, herumschleichen
Unfurm (masc.), Unform, Ungetüm
ungelachsen, ungestalt
Urbans Plag, »ist ein teutsche Plage, nemlich das sich einer voll sauffe und mache ein sewmale« (Agricola)
urdrütz, überdrüssig
Urte, Zeche
verjehen s. jehen
vertrogen, verlogen
vor, vorher
vorab, vorweg
vorhin, vorher
Waffel, Maul
Walkwasser, beizende Flüssigkeit
wann, denn
wege, gemessen, passend, angenehm
Weichbrunnen, Weihwasser
welich, ältere Form, aus der »welch« kontrahiert wurde
weßt ich, wüßt ich
mit Wissen, belehrt, bekehrt
Wundrer, Neuigkeitskrämer, Ohrenbläser (Schmeller)
Zeug (masc.), Gerät
zufrieden, in Frieden
zwier, zweimal

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