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Divan der persischen Poesie

: Divan der persischen Poesie - Kapitel 34
Quellenangabe
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typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDivan der persischen Poesie
publisherVerlag von Otto Hendel
editorJulius Hart
year1887
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Feisi

Feisi lebte um das Ende des 16. Jahrhunderts am Hofe des größten der muhamedanischen Herrscher in Indien, des Großmoguls Akbar; sein Bruder war der Großvezier Abul Fasl, der Verfasser des Akbar-Nameh, das die Geschichte und die Verwaltung des Mogulreiches in glänzender Weise schildert, er selbst der Liebling des den Künsten und Wissenschaften ergebenen Herrschers. Als Akbar dereinst beschlossen hatte, den Islam zur einzig geduldeten Staatsreligion zu machen und das Bramanentum auszurotten, beauftragte er Feisi, zum Schein sich zu der Religion der Indier zu bekehren, damit er ihre Mysterien kennen lerne. Feisi wurde jedoch durch die Tiefe und Erhabenheit des Bramanismus derart hingerissen, daß er ihn vor Akbar aufs glühendste verteidigte und Duldung für ihn erzielte. Indischer Geist ist es denn auch, der Feisis Dichtungen beseelt, besonders in dem tiefsten seiner Werke, dem »Serre« (Sonnenstäubchen), das aus 1001 Versen besteht. Diese Dichtung ist als ein einziger Hymnus auf das Licht, das alleine, zu betrachten und deshalb für den Islam eine seltsame Erscheinung, da dieser Religion nichts verhaßter ist, als das Parsitum, der Licht- und Feuerdienst.

Aus dem »Serre«. (Sonnenstäubchen).

1.

Alle Gärten schmückt die Sonne nun mit Glanz,
Aus den Rosen küßt ihr Atem Duft,
Krönt der Erde Haupt mit buntem Kranz;
Und doch Sonne bleibt sie, eins und ganz.

2.

Seelenkranker! alle Rosen blühn,
Warum bleibt dein Herz allein verdorrt,
Sonne lockt und tausend Quellen sprühn,
Warum ist bei dir umsonst ihr Mühn?

3.

Morgens sitz' ich, wie von Lust erhellt,
An die Sonne lehn' ich fromm mein Haupt,
Herzensglut gilt mehr als alle Welt,
Durch die Glut bin Sonne ich und Welt.

4.

Ach, in Wüsten leb ich wie verbannt,
Flattre wie ein Sonnenstäubchen zag,
Kommt die Nacht, wünsch ich mich glutverbrannt,
Sonne, ohne dich bin ich ein Tand.

5.

Pilger, euch verblendet falscher Schein,
Folgt der Sonne, folgt dem ew'gen Licht,
Zu der Wahrheit Berg führt sie allein,
Irdisch Licht führt euch in Wüstenein.

6.

Meine Seele flammt in Liebesglut,
Nur ein Rauch, ein Hauch noch ist mein Leib,
Sonne, dich zu singen, fehlt mir Mut,
Schon, wenn ich dich nenne, dorrt mein Blut.

7.

Um der Erde Haupt als Krone flicht
Sich die Sonne, goldner Perlen reich,
Preis dem Ew'gen, der uns gab das Licht,
Daß es spiegle uns sein Angesicht.

8.

Herz und Hirn und jeder Stern der Nacht
Und der Lerche Sang, der Rose Duft.
Was da ist, was lebt und strebt und lacht.
Stäubchen sind es ew'ger Sonnenpracht.

9.

Licht, ob als Blitz es aus den Wolken rann,
Ob es vom Glühwurm strömt, vom dunklen Meer,
Ob Mond ob Stern, die Sonne facht es an,
Licht, wo du immer glühst, ich bet' dich an.

Heinrich Hart.

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