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Divan der persischen Poesie

: Divan der persischen Poesie - Kapitel 31
Quellenangabe
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typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDivan der persischen Poesie
publisherVerlag von Otto Hendel
editorJulius Hart
year1887
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Abu Ishak

aus Schiras, »der Dichter der Leckermäuler, der nur Speisen und gute Bissen besang, und dessen Werke der Codex der persischen Gastronomie sind.« Eine charakteristische Erscheinung für seine Zeit. Er lebte am Hofe des Prinzen Alexander Ben Omar, Scheich Behadir, der ihn gern an seine Tafel zog.

Die Warnung

Gewarnt hab' ich mein Herz, nicht wiederum zu lieben,
Da seine Sehnsucht ihm so schlecht belohnet wurde.
Da gab's zur Antwort: Fürchte nichts von mir, seitdem
Dem Trugnetz der Liebe ich entgangen bin.

Doch kaum ergeht ein neuer Ruf zur Liebeslust,
So folgt horchend und gehorchend ihm die Brust.
Also der Docht, noch glimmend, wenn das Zündholz winkt,
Alsbald noch freudig hin in seine Flamme sinkt.

Das Heilmittel

Ich war erkrankt durch Liebe, also daß
Mein Leiden meinen Freuden nicht entgehen konnte.
Da nahten sich die Mitleidvollsten unter ihnen
Zu mir mit guten Wünschen und mit Mahnen.
Zum Arzt dann sprachen sie: Schaff' Rat, denn du
Bist uns bekannt als Mann, der große Dinge kann!
Der sprach: Granatenapfel ist das beste Mittel
Für Fieberhitze, die sein Eingeweid' durchglüht.
Ich sprach: Das ist das Rechte wohl für meinen Schmerz,
Doch der Granatenapfel ist der Geliebten Herz.

Wein her!

Schon glänzet hell der Morgenstern,
Schon rufet an der Hahn den Morgen,
Drum reiche mir der Traube Saft,
Daß ich gesunden mög' von Sorgen!
Den herrlichduftenden wie Blumenduft,
Den hochaufschäumenden wie Meeresflut,
O Schenke mein, er, du, ihr beide seid
Untadeligen Anblicks, rein und gut.
Geuß aber ja nicht Wasser zu,
Wie's leider Sitte pflegt zu sein,
Denn Wasser hat ja nimmermehr
Die Kraft, dir Sorgen zu zerstreun.

Das Trinkgelag

Ich ging mit meinen Sorgen hin ins Schlachtgemenge,
Sie aber, während tapfer Stand gehalten ich, entflohn;
Die Kriegestrommel waren holder Mädchen Pauken,
Die Kriegstrompete ward von schönem Mund geblasen.
Und unser Trinkgelag wird Schlachtgetümmel,
Da mutentflammet kämpften hier die Zecher.
Die frohen Scherze, die ertönten, waren gleich
Dem Hurrarufen, das zum Kampf begeistert.
Die Becher in der Hand der Schenken waren
Wie Schwerter durch der Feinde Blut gerötet.
Die Servietten, die sie trugen auf den Schultern,
Wie Schwertgehenke, stattlich anzusehen.
Die Sterne ihrer holden Augbegrüßungen,
Wie scharfe Pfeile in des Feindes Heer geschossen.
Die Rauchgefäße glichen Pferden schnellen Laufs,
Die hinter sich aufregen hohes Staubgewölk.
Die Trunknen glichen tapfern Kriegsmännern,
Doch ihre Kraft brach hier der Sorgenbrecher;
Und wundenkrank hintaumelten die Zecher,
Doch Weineswunden fordern keinen Rächer.

Das Rebhuhn

Wohlan, mein Lied ertöne heut
Vom Vogel in dem seidnen Kleid!
Er freuet sich voll Jugendfeuer
Und zeigt sein Antlitz ohne Schleier,
Das schön ist wie die Jugend zart,
Das Aug' schmückt er nach Mädchenart,
Das man von Wimpern nichts ersieht.
Sein Schnabel rot wie Brustbeer glüht,
Daß man bei dessen Anblick denkt,
Er sei mit Menschenblut getränkt.
Mit seinen Klauen kämpft voll Mut
Er wie ein Löwe in der Wut.
Um seinen Käfig ringsherum
Sind Bilder wie ums Heiligtum;
Und hinter seines Käfigs Thür,
Schreit stotternd er, Ri, Ri herfür,
Wie Ri Ri stammelt alle Worte,
Wer mit der Zunge nicht kommt fort.
Wie's Ri, Ri kichert beim Wein,
Schenkt lustig man die Gläser ein.
Den Jägern dünkt er jagenswert,
Da man sein Fleisch gar hoch verehrt.
Auf Bergen übet er sein Recht,
Da er von kurdischem Geschlecht.
Doch ist er bei den Arabern
Als Fremdling auch gelitten gern. –
Nun Freund, des Müh'n ist groß und fein,
Nimm sie denn hin die Jamben mein,
Als eine Frucht der Geistesfrüchte,
Als Probe meiner Kunstgedichte,
Als Freundesgab'; drum sage frei,
Was drüber deine Ansicht sei?
Ob sie dir ohne Tadel erscheinen?
Ob ich gefehlt in meinen Reimen?
Ob schön und wahr gesprochen ich?
Wohlan denn Freund, sag' an und sprich!

Die Eltern

Des Menschen Anverwandte seine Eltern sind,
So lange sie leben, es ihm gut ergeht.
Doch wenn der Tod sie ihm entreißt,
Ein Fremdling er auf dieser Erde steht.

Ph. Wolf.

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