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Divan der persischen Poesie

: Divan der persischen Poesie - Kapitel 29
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typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDivan der persischen Poesie
publisherVerlag von Otto Hendel
editorJulius Hart
year1887
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Anwari-Soheili.

D.h. »die Lichter des Soheili«, die kunstvolle neupersische Übersetzung der berühmten Fabelsammlung des Bidpai, eins der klassischen Prosawerke, verfaßt zu Ehren des Veziers Ahmed Soheili. Sie ist jedoch nicht dem Sanscrit, sondern der bekannten arabischen Übersetzung »Kalilah wa Dimnah« nachgebildet. Ihr Urheber ist Hussein Waës Kaschefi, der hervorragendste Prosaiker seiner Zeit. Er schrieb außerdem viele wissenschaftliche Werke, einen ausführlichen Kommentar des Koran, ein hervorragendes ethisches Werk: »Die Sitten Mossehnis«, Politisches ec. Er starb 1501.

Der Streit der Elefanten und Hasen.

1.

Eines Jahres fiel, in der Elefantenlandschaft auf einer der Inseln unter dem Winde zufällig kein Regen, und die Wolkenmutter träufelte keinen Tropfen aus den Brüsten des Erbarmens in den Gaumen der Lippendurstenden auf dem Kindbett des Staubes. Das Feuer der unfruchtbaren Dürre ließ die Quelle gleich dem Auge des Hartherzigen ohne Naß und trocken wurden die Wasseradern wie der begehrende Schlund des Verarmten. Die von Durstesqual kraftlos gewordenen Elefanten jammerten laut vor ihrem König, und dieser gab den Befehl, sie sollten des Wassers halber überall hineilen und in der trefflichsten Weise Nachforschungen anstellen. Nachdem die Elefanten nach allen Richtungen und Himmelsgegenden hin die Landschaft mit dem Fuß des Suchens durchmessen, gelangten sie endlich an eine Quelle, die man die Mondquelle zu nennen pflegte. Es war ein tiefer Brunnen mit einer unermeßlichen Wasserfülle, und der Elefantenkönig mit ganzem Dienergefolge und sämtlichen Heeresleuten verfügte sich, um Wasser zu schlürfen, zu dieser Quelle hin. Rings um dieselbe aber hatten sich etliche Hasen niedergelassen, und diese wurden durch die belästigende Nachbarschaft der Elefanten auf alle Weise gedrückt und geplagt. Jedem, auf dessen Kopf ein Elefant seinen Fuß setzte, wurden so derb die Ohren gezaust, daß er die Herberge des Lebens verlassen mußte, und so heftige Fußtritte zuteil, daß ihm schließlich nichts anderes als die Rückkehr in das weite Feld des Nichtseins übrig blieb.

Sprenge auf das Feld der Rennbahn nicht in allzu starkem Ritt,
Weil die Köpfe samt und sonders deines Zelters Huf zertritt!

Bei einem einzigen Anrücken der Hasen wurden viele der Hasen zerstoßen und zerschmettert, denn:

Wer kann wohl am Leben bleiben,
Willst du's so noch öfters treiben?

und am nächsten Tage gingen sie daher zu ihrem König und sprachen: »Der gerechte Fürst ist der Zufluchtsort der Bedrängten und der Retter der Hilflosen, und jeder Herrscher auf dem Throne ist dazu da, um Gerechtigkeit zu üben, nicht um selbst nur in Freuden zu leben.

Du kamst auf diesen Thron allein,
Der Unterdrückten Hort zu sein!

Gieb uns unser Recht, schaffe uns gebührende Genugthuung an den Elefanten und triff Vorkehrungen, daß wir nicht länger Unbill von ihnen leiden! denn von Stunde zu Stunde kommen sie wieder und so manchen Schwachen, der zur Hälfte getötet sich unter ihrem Fuße losgerungen, treten sie zum zweitenmale darnieder.«

Du zeigtest einmal dich – und fort war gleich mir
Herz, Verstand und Sinn;
Diesmal – da mir kein andres Gut geblieben –
nimm die Seele hin!

Der König erwiderte: »Das ist eine bedeutsame Sache, in die nur Tollkühnheit sich kopfüber hineinzustürzen vermag. Hierbei muß jeder, der unter euch Witz und Scharfsinn besitzt, zugegen sein, damit wir Rat pflegen; denn einen Vorsatz ausführen vor der Beratung ist dem Charakter der mit Verstand begabten Glücklichen fremd.

Wer weise ist und rechte Einsicht hat,
Sieht vor der That sich um nach klugem Rat!«

Nun befand sich unter der Menge der Hasen ein besonders scharfsinniger, den man Behrûz (Bonjour) zu nennen pflegte, und zu dem die Leute unerschütterliches Vertrauen hatten wegen seiner Verstandesfülle, seiner trefflichen Einsicht, seines lauteren Geistes und seines vorzüglichen Gebahrens. Sobald er sah, daß der König sich diese schwierige Sache angelegen sein ließ, trat er vor und sprach:

Dich quält der Unterthanen Gram, sind hilflos sie im Leid;
Das ist, o Fürst, die rechte Norm für die Gerechtigkeit!
Willst Thron und Krone, Reich und Glück du voll und ganz genießen,
Laß dich für die Verlass'nen dann den Huldblick nicht verdrießen!

Wenn der König es nun für geraten findet, so möge er mich in diplomatischer Sendung an die Elefanten schicken, einen zuverlässigen treuen Mann designieren und ihn mir als Begleiter mitgeben, damit er alles sieht und hört, was ich thue und sage!« Huldvoll erwiderte der König: »In deine zweckmäßige Leitung, Treue, Redlichkeit und Pietät setze ich keinen Zweifel und werde es auch nie; und wie du sprichst und handelst, habe ich selbst haufigmals mit Augen gesehen und mit Ohren gehört.

Daß das Gepräge deines Thuns und Handelns
Ich oftmals schon erprobt, ist mir genug!
Und auf dem Prüfstein hab' ich stets gefunden,
Daß deine Barschaft echt und ohne Trug!

Unter heilgesegneten Auspicien sollst du gehn und alles vorbringen, was du als dem Moment entsprechend und mit der Sachlage convenierend erkennst, denn du weißt: der Gesandte des Pâdischâh ist seine Zunge, und jeder, der in Bezug auf irgend einen den Titel der Schrift seines Innern und den Dolmetsch seiner Herzensgeheimnisse kennen lernen will, kann sich volle Kenntnis darüber verschaffen aus den Reden und Handlungen seines Gesandten. Denn zeigt sich bei diesem irgend eine Trefflichkeit und Tugend und stellt sich an ihm irgend ein willkommenes Kennzeichen und eine lobenswerte Handlung dem Auge dar, so folgert man daraus die treffliche Wahlbefähigung und die vollendete Kenntnis des Fürsten. Beweist jener aber Schlaffheit und sorglose Unbekümmertheit, so setzen sich die Zungen der Schmäher in Lauf und finden einen Tummelplatz zum Angriff und zur Verdächtigung des abwesenden Herrschers. Diesen Punkt haben auch die Weisen vielfach erhärtet und unberechenbaren Eifer aufgewandt, um zu zeigen, daß, will man irgend wohin einen Gesandten schicken, dieser stets der weiseste seines Volkes sein muß, der gewandteste unter allen in der Kunst der Rede und der vollkommenste derselben im Handeln. Daher pflegten auch die meisten früheren Könige die Weisen mit der diplomatischen Sendung zu beauftragen, und der erste derselben war der zweigehörnte Alexander. Alexander der Große. Dessen Brauch war es, sich zu verkleiden, selbst die Botschaft als Gesandter zu überbringen und zu sagen:

Die Starken, die mit Heldenkraft gewappnet, Löwen sich erjagen,
Sie machen selbst sich auf den Weg, dem Feind die Botschaft hinzutragen.

Und ein Großer im Reiche des Geistes hat so über das Senden von Botschaftern gesprochen:

Verstand und weiser Sinn sei dem Gesandten eigen,
Er muß beherzten Mut und Kraft im Reden zeigen!
Auf Fragen halt' er stets die Antwort so bereit,
Daß von des Rechtes Pfad er weicht zu keiner Zeit!
Er spreche offen sich und gerade aus, nicht krumm,
Stets so, wie sich's geziemt vor dem Kollegium.
Wohl manchen gab's von dem ein Wort nur, rauh und scharf,
Mit Mordlust eine Welt in Schutt und Trümmer warf.
Doch zwischen Feinden selbst hat oft schon milde Rede
Der Freundschaft Grund gelegt, getilgt die blut'ge Fehde.«

Behrûz entgegnete: »o König! wenngleich es mir nicht ganz an den Fundamentalkenntnissen für die diplomatische Sendung nach Maßgabe der Sachlage gebricht, so will ich doch gerne, wenn mein Pâdischâh, der Welt Zuflucht und Schirm, in Gnaden geruhen möchte, aus dem Schrein der Weisheit einige preiswürdige Juwelen auf den Faden der klugen Fürsorge zu reihen, diese zum Zierrat eines glücklichen Erfolges nehmen, mit ihnen meinen Ruhm und die Kapitalsumme meiner Hilfsleistung schmücken, bei allem, was ich thue und vollführe, in nichts von dieser erhabenen Norm weichen und nach ebenderselben Richtschnur des Handelns alle Angelegenheiten zum Abschluß bringen!« Der König sprach: »O Behrûz! die beste aller Verhaltungsmaßregeln für die diplomatische Sendung und die trefflichste der Vorschriften für eine Gesandtschaftsreise ist die, daß zwar das Schwert der Zunge gleich der hellgeschliffenen Schneide mit heftiger Gewalt und durchdringender Schärfe zuwerke gehe, dennoch aber der Edelstein der schmeichelnden Höflichkeit und gefälligen Zuvorkommenheit auf seiner Fläche klar und deutlich zutage trete und das helle Licht der Milde und Humanität aus allen seinen Teilen hervorleuchte und strahle. Jedes Wort, aus dessen Beginn man Härten entnehmen könnte, muß zuletzt in Zartheit und huldvoller Güte seinen Abschluß finden, und wenn die Eingangspforte der Rede sich infolge übergroßen Eifers mit einer allzumajestätischen Sentenz eröffnet, muß der Beschluß derselben in vertraulicher, ruhiger Weise auf ein liebeerweckendes Wort und eine feine herzgewinnende Wendung hinauslaufen.

Des Hasses Samen aus der Brust reißt leicht ein sanftes zartes Wort,
Es wischt der Milde Zunge schnell die Falten aus den Brauen fort.

Der langen Rede kurzer Sinn ist also der, daß des Gesandten Wort in gleicher Weise auf der Basis der Güte, wie der Strenge und des Zornes, der Sanftmut und Liebe, wie der Heftigkeit, der Gerechtigkeit und des hartnäckigen Widerstandes aufgebaut sein und stets den Pfad des Nehmens und Gebens, des Zerreißens und Zusammenfügens, des Zustandebringens und Zerstörens im Auge behalten muß, damit sowohl gegen die Herrscherwürde und die fürstliche Majestät die Rücksicht gewahrt, als auch die eigentliche Absicht der Gegner und das verborgene Geheimnis ihres Innern in Erfahrung gebracht werde. Doch dem Weisen hinsichtlich seiner diplomatischen Sendung Aufträge erteilen, hieße Eulen nach Athen tragen. Heißt es doch in einem Verse:

Wählst du dir zum Gesandten aus den Weisen,
Laß den nur ruhig ohne Auftrag reisen!« –

2.

Nachdem Behrûz darauf alle Ceremonien der Aufwartung vollendet, verließ er den königlichen Hof und harrte nun geduldig aus, bis die Nacht, ins schwarze Gewand sich kleidend, den Schleier der Finsternis über das Schloß des azurblauen Sphärenkreises herniederließ, und nach kurzer Frist des Mondes Silberscheibe, die uralt ewige Tafel der göttlichen Allmacht verlassend, auf den Himmelstisch ihren glänzenden Schimmer warf.

Als moschusfarbig sich enthüllt das Lockenhaar der Nacht,
Stieg überm Dach der Mond empor in vollen Glanzes Pracht.

Sobald dann das Centrum des Mondes nahe an die Peripherie der Mittagsgegend gelangt war, seine leuchtenden Strahlen ringsumher auf dem irdischen Staubteppich sich ausbreiteten, und die Erdoberfläche verklärt wurde von dem die Welt erhellenden Schönheitsstrahle jener Leuchte in der Zelle der bedürftigen Sterblichen – da machte sich Behrûz nach der Insel der Elefanten auf den Weg. Als er aber zu ihrem Wohnsitz gelangt war, sprach er überlegend bei sich: Komme ich ganz nahe an diese gewaltthätigen Bedrücker heran, so muß ich für mein Leben fürchten, und die Gefahr des Unterganges bedroht mich, und wenn auch von ihrer Seite noch kein Angriff auf mich geschieht, so zielt doch das Schlußergebnis einer sorgfältigen Meditation dahin ab, daß man sich mit diesen tyrannischen und hoffärtigen Feinden nicht in eine nähere Begegnung einlassen darf, denn infolge ihres Übermutes und hochfahrenden Stolzes kümmern sie sich um die Armen und Gebrochenen nicht, und blieben unter dem Fuß ihrer Bedrückung auch Tausende ohnmächtig stecken und kämen um, kein einziges Staubwölkchen von diesem Mißgeschick würde sich auf ihrem trotzigen Antlitz lagern.

Steht mit uns es schlecht und traurig, was wirst du dich viel drum grämen?
Wird denn, wenn erlischt die Lampe, sich's der Ost zum Herzen nehmen?

Das Beste ist daher, daß ich mich auf eine Anhöhe begebe und die mir obliegende Botschaft von ferne ausrichte. Wird sie freundlich aufgenommen, nun gut! – richtet aber meine Fabelei bei ihnen nichts aus, so komme ich wenigstens mit heiler Haut davon!«

Nachdem er daher einen hohen Punkt bestiegen, rief er von ferne laut den König der Elefanten an und sprach: »Ich bin der Botschafter des Mondes, und den Gesandten trifft keine Verantwortung für alles, was er spricht und hört; ihm liegt einzig und allein die Bestellung ob. Und mag sich die Rede auch etwas respektwidrig und strenge erweisen, sie muß dennoch gehört werden, denn was immer der Mond mir aufgetragen, es zu mehren oder zu mindern, darüber habe ich keine freie Verfügung. Du weißt aber, daß der Mond, der die Welt durchmißt, der Vogt der Nacht ist und der Stellvertreter für den Herrscher des Tages, und will einer etwas im Widerstreit mit ihm ersinnen und seine Botschaft nicht mit dem Ohr des Verstandes wahrnehmen, so zieht er das Beil auf sein Haupt herab und arbeitet mit eigener Hand an seinem Verderben.« Der König sprang bei diesen Worten von seinem Platze auf und frug: »Und was ist der Inhalt deiner Sendung?« Behrûz erwiderte: So spricht der Mond: Wenn einer sich an Kraft und Heeresstärke mehr dünkt als die Schwachen, sich selbst vor eitlem Stolz auf Gewaltthat, ungestümen Angriff, Machtfülle und verwegenen Übermut aufbläht und die Untergebenen durch Ungerechtigkeit und Unbill aller Art ganz darniederdrücken und schwächen will, so liefert diese Art zu handeln einen sicheren Beweis für seinen schändlichen Charakter, und diese Eigenschaft stürzt ihn hinab in den tiefsten Schlund des Verderbens.

O streue nie in deine Brust des Übermutes Samen aus,
Und bau' in deinem Herzen auch dem Hasse nie ein wohnlich Haus!
Wie viel denn packst du auf dein Roß? Sei mit dem Sattel doch zufrieden!
Und jage nicht so schnell, denn nichts ist unveränderlich hienieden.
Urplötzlich mag der Glanz einmal von deinem Haupte ganz entweichen
Und deinen Schild urplötzlich auch der Himmelssphären Pfeil erreichen.
Denn diese Sache – sie gewinnt zum Schluß ganz andere Gestalt,
Und selbst dein eignes Handeln hast du dann nicht mehr in der Gewalt!

Und da du nun in solcher thörichten Verblendung dir selbst den Vorzug vor allen übrigen Tieren eingeräumt und deine Kraft und Waffenmacht, die doch nahe dem Untergange ist, so hoch in Anschlag gebracht, ist die Sache endlich bis zu dem Punkte gediehen und so weit gekommen, daß du meine Quelle angegriffen, dein Heer an diese Stelle geführt und in äußerster Hirnbethörung dieses Wasser getrübt und verfinstert hast. Ist dir denn nicht etwa bekannt, daß selbst dem schnellfliegenden Adler, streicht er über meine Quelle dahin, der Wetterschlag der sinnverwirrenden Betäubung Flügel und Fittiche verbrennt, und dem Debarân, wenn er von der Trift des Himmelskreises her mit gebietendem Herrscherauge auf dieselbe zu blicken sich vermißt, der Arcturus die gewaltige Angriffslanze ins Auge heftet? Im Persischen besteht das Witzspiel zwischen den beiden Sternnamen darin, daß Debarân auch ain-ettaur Stierauge und Arcturus stets simâk-râmich der lanzenbewaffnete Simâk genannt wird.

Naht ein Dämon diesem Ort
Beugt er gleich das Haupt danieder;
Fliegt ein Vogel drüber hin,
Senkt herab er sein Gefieder.
Nicht mag selbst der Himmelskreis
Seiner Luft und Erd entrinnen,
Kann er nicht des höchsten Herrn
Hilf' und Schutz zuvor gewinnen!

Nur infolge eines überschwänglichen Edelsinns habe ich dich einer solchen Warnungsbotschaft für würdig erachtet, und wenn du die Spur deines Thuns und Treibens allhier getilget und solcher tollkühnen Verwegenheit entsagt, mag es gut sein! – wo nicht, so komme ich in eigener Person und werde dich so demütigen, daß Seufzen und Wehklagen dein Los! Solltest du aber Zweifel in diese Botschaft setzen, so komme sogleich herzu, denn ich selbst bin in der Quelle anwesend, damit du mit eigenen Augen mich schauest und hinfort nicht mehr in der Umgebung dieser Quelle dich niederlässest.«

Verwunderung befiel den Elefantenkönig ob dieser Kunde, und als er zur Quelle gekommen, erblickte er das Bild des Mondes auf dem Wasserspiegel. Behrûz sprach zu ihm: »O König, trage ein Quantum Wasser mit dir fort, und wenn du dein Antlitz damit gewaschen, wirf dich zum Gebet nieder; vielleicht wird dann der Mond eine Regung des Erbarmens fühlen und wieder Wohlgefallen an dir haben.« Der Elefant streckte lang seinen Rüssel heraus; als aber die schwere Masse desselben ins Wasser kam und dadurch eine ziemliche Bewegung in demselben sichtbar ward, da brachte dieses aufgeregte Wasser den Elefanten auf die Idee, der Mond selber bewege sich, und laut rief er aus: »o Gesandter des Mondes! Ist etwa gar dadurch, daß ich meinen Rüssel ins Wasser gesteckt, der Mond von seiner Stelle gerückt? Behrûz entgegnete: »Wahrlich, so verrichte um so schneller dein Gebet, damit er wieder ruhig wird!« Nachdem der Elefant durch Vollführung desselben seinen Gehorsam bewiesen und sich einverstanden damit gezeigt, daß er hinfort weder selbst mehr hierherkomme noch auch die übrigen Elefanten in den Umkreis dieser Quelle führe, überbrachte Behrûz seinem Könige die Botschaft, und alle Hasen überließen sich nun der sorglosen Ruhe. – Durch diese List ward solch gewaltiges Mißgeschick von den Häuptern jener abgewandt. – –

Hermann Ethé.

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