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Divan der persischen Poesie

: Divan der persischen Poesie - Kapitel 18
Quellenangabe
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typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDivan der persischen Poesie
publisherVerlag von Otto Hendel
editorJulius Hart
year1887
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Sahir Farjabi

Nur Enweri und Châqâni können diesem Dichter den Ruhm, im panegyrischen Gedichte der erste zu sein, streitig machen. Sahir-ed-dîn, aus dem Dorfe Farjab stammend, kam zuerst nach Nischabur und war dort Hofdichter Toghanschahs II., begab sich von dort nach Ispahan und von Ispahan nach Aserbeidschan, wo er an dem Hofe des Atabegen Mosafer-ed-dîn Mohammed Ben Ildigis, hochgeehrt zehn Jahre lebte. Auch bei dem Nachfolger desselben, dem Atabegen Kisil-arslan blieb er, bis er heimlich, auf Drängen Nussret-ed-dîns Abubekr Ben Mohammed Ildigis entfloh. Gegen Ende seines Lebens zog er sich von allem höfischen Treiben in die Einsamkeit nach Tibris zurück, wo er 1201 starb. Begraben liegt er in Surchab, an der Seite des Dichters Châqâni.

Kasside auf den Atabegen Abubekr

Perlen sind besser nicht als Süßlippichter bittere Worte,
      Lieblich mache das Wort, lieblich sei es und schön.
Öffne die Lippe zu fragen ein Wort, wiewohl man gesagt hat,
      Daß den Perlenschatz schließt das rubinene Schloß.
Seit daß deine Hand das Haupt der Liebenden aufgreift,
      Hängen an deiner Hand überall Köpf' in der Luft.
Herzen, die nicht geglaubt an die Zaubereien des Himmels,
      Sind bezaubert nun von dem gedoppelten Haar.
Sieh' dein Haar, es wirft auf lange Strecken den Strick aus.
      Wisse, daß es zuletzt Reife des Scheitels ergreift.
Wahrlich, ich glaub', es ist das letzte Gericht schon gekommen,
      Dein Gesicht Paradies, Lippen der ewige Quell.
Deine Augen vertreten den Brunn der Zaubrer von Babel,
      Deine Locken sind schwarz wie das Schloß von Chaibar. Das Schloß der ungläubigen Juden in Hedschas.
Wenn im Paradies Ungläubige und Zaubrer nicht hausen,
      Stelle dein tieferer Sinn alles dies bildlich sich vor.
Locken und Wimpern sind bei dir edenische Lauben,
      Dennoch wohnen dort Zaubrer und Gauern Ungläubige. (Giaur.) beisamm'.
Schwärzlicher Flaum umfaßt die glänzenden Beete der Wangen;
      Sonderbar genug: Tulpen mit Ambra besät.
Nimmer werden vom Flaum die Wangen der Anmut beraubet,
      Denn der Schönheit Reich ist dir auf ewig bestimmt.
Deiner Brauen Tugra Tugra ist das Monogramm der Sultane, welches nicht nachgemacht
werden darf.
in schöngeschlungenen Zügen
      Zeigt am besten, die Schrift sei ein verfälschender Trug.
Seit der Lippen Preis auf meine Zunge gekommen,
      Ist in meinem Mund süßer als Zucker das Wort.
Seit es mir gelang den Gürtel zu lösen und binden,
      Ist der Sinn haarfein, zart wie die Mitte des Leibs.
Nicht viel kümmert es mich, sprach ich, zu schauen den Festplatz,
      Schöner als der Platz sind ja die Wangen geschmückt.
Du hast die Welt mir zum Trotz mit deinen Wimpern verwirret,
      Dies ist nicht Tag des Fests, sondern der Tag des Gerichts.
Dein Gesicht verdirbt dem Mond und der Sonne den Marktpreis.
      Buß' und Andacht sind mager aus Liebe zu dir.
Wo du immer gehst, dort sind die Spuren der Füße
      Von den Thränen des Volks golden und perlenbestreut.
Siehe die Welt durchduftet sich das Gehirne vom Haarduft,
      Berge sind ein Staub vor dem Gefolge des Schahs.
Königspol', Aushilfe des Glaubens, vor dessen Geboten
      Himmel niedersinkt siebengegürtet zum Grund,
Großer Atabeg, deß wahrheitliebende Seele
      Glauben und Gesetz wiedererbauet vom Grund.
Abubekr genannt, Osman durch Sitte und Sanftmut,
      Auch Omar und Ali billig entscheidend wie sie.
Schah, deß Majestät von allen Seiten die Himmel
      Siebenfach in sechs dir zu gehorsamen zwingt,
Nimmer hat das himmlische Auge gesehen, noch wird sehn
      Aller Thaten Kreis, welche vollführet sein Glück.
Jeder Sieg, den der Himmel bestimmt zum Ende der Thaten,
      Ist Vorläufer des Siegs, wenn du betrachtest es recht.
Mächtiger Herr, jung ist dein Glück, da die alternde Welt selbst
      An der Schwelle des Thors deinen Befehlen gehorcht.
Deiner Gerechtigkeit Glanz hat Erdenantlitz geschmücket,
      Und des Himmels Hirn duftet von Billigkeitsduft.
Wen du wohl aufnahmst und wem du gnädig gewogen,
      Jede Hand beschützt dich mit gezücketem Dolch,
Deinem Sturme vermag zu widerstehen der Feind nicht,
      Widersetzt sich wohl grimmigen Löwen der Fuchs?
Rechts- und Glaubensgebäu' hast du Baumeister erneuert,
      Über des Himmels Dach reichen sie beide hinauf.
Ohne deine Huld wär' jede Stätte ein Grab nur.
      Statt des Galgens und Sargs stehen jetzt Kanzel und Thron.
Im Vergleiche mit dem, was von dir der Himmel erwartet,
      Wird, was du erreicht, nur sehr geringe geschätzt.
Eine Rose hat sich aus hunderten lieblich entknospet,
Rosenstrauch des Glücks wird nun auf einmal entblühn.
Du verdankest das Reich nicht deinen Heeren und Siegen,
       Denn als Los ward dir's längstens bestimmt von Geburt.
Wem du zu Hülfe eilst mit Rat und mächtigen Thaten,
...Himmel stehn ihm bei, führen die Heere ihm an.
Lebe so lang, als Elemente und als die Gestirne
...Stoff und Grund der Welt, Wirkung, Veranlassung sind.
Ewig leb, weil deine Natur und deine Verbindung
...Hocherhaben sind über Gestirne und Stoff!

J. v. Hammer.

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