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Divan der persischen Poesie

: Divan der persischen Poesie - Kapitel 14
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typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDivan der persischen Poesie
publisherVerlag von Otto Hendel
editorJulius Hart
year1887
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Enweri.

Ewhadeddin Enweri, das Haupt der persischen Panegyriker, als Dichter ausgezeichnet durch den Glanz seiner Phantasie, die Pracht der Bilder und den Wohllaut der Sprache, wurde in dem Dorfe Bedna nahe bei Mehna (Distrikt Abjurd) geboren. Zu Tus am Kollegium Manssurs hatte er seinen Studien obgelegen und ward dann Hofdichter Sultan Sandschars, Nachfolgers Malikschahs in Chorassan, den er in mehreren seiner besten Kassiden überschwänglich besungen hat. Auch der Astrologie widmete er sich, aber mit weniger Glück. Als einige seiner Vorhersagungen nicht eintrafen, verfiel er dem Spotte und ging deshalb nach Balch, wo er im Jahre 1152 starb und begraben liegt. Ebenso ausschweifend wie im Lob, ist er auch im Tadel, ein beißender, galliger Satiriker alsdann. Die Triebfedern seiner poetischen Thätigkeit, seinen Charakter hat er mit einem gewissen Cynismus in dem untenfolgenden Gedichte »Ein Dichterlein frug gestern mich...« aufgedeckt.

Das Lob Malikschahs und Bagdads.

1.

Wie herrlich, Bagdad, bist du anzuschauen,
Du Sitz der Tugend, Städtekönigin!
Wie selig wogt auf deinen Blumenauen
Im Farbenstrom der trunkne Blick dahin!
Da schlüpfen in der Blüte Schoß die schlauen
Zephyre frisch und suchen Düfte drin
Und streu'n sie aus mit lindem Frühlingshauche,
Das sich in Lust die Seele schmelzend tauche.

2.

Es weht und quillt aus Furchen tiefgezogen
Hin aufs Gefild ein sel'ger Ambraduft,
Und Segen strömt in milden kühlen Wogen
Aus reinem Hauch der süßen Himmelsluft,
Die wird vom Strome lüstern eingesogen
Und würzet ihn mit Kewsers Balsamduft;
Auch muß sie liebend in den Boden dringen,
Daß er wie Thuba süße Frucht mag bringen.

3.

Dort an des Tigris kühlem Blumenrande,
Scherzt frohen Spiels der schönen Knaben Schar;
Im Thale schwebt, aus rosigem Gewande
Der Jungfrau Reigen, schlank mit seidnem Haar;
Und tausend blanke Kähne längs dem Strande
Ziehn goldne Furchen im Gewässer klar:
Daß seine blaue Fläche, schön bekränzet,
Ein zweiter Himmel voller Sonnen glänzet.

4.

Und wenn im Mai beim ersten Morgenscheine
Der Weste bunt Geleit hervorgegangen,
Und munter schwärmt durch Anger, Feld und Haine:
Dann träufelt von des Himmels lichten Wangen
Ein Regen mild, von Perlen zart und reine,
Vom goldnen Kelch der Tulpe aufgefangen;
Und aus der grünen Waldung tiefstem Schoß
Macht sich ein Strom von würz'gen Düften los.

5.

Beim Sonnenuntergang, im Widerscheine
Von Millionen Rosen holderglühend,
Erscheint der Himmel, gleich dem Blumenhaine,
In voller Pracht des jungen Frühlings blühend!
Und wenn Aurora kommt mit Purpurscheine
Den Blumenschmelz der Fluren überglühend,
Dann strahlt die Wiese herrlich wohl von ferne,
Als schmückten sie des Himmels schönste Sterne.

6.

Dort glüht die Rose, frisch wie Mädchenwangen,
Im Perlentau, vom Laube halb verhüllet;
Am zarten Stiel Narzissen duftend hangen,
Gleich Silberkelchen, goldnen Weins erfüllet;
Und Tulpen stolz, gleich Räucherbecken, prangen,
Wo Aloe und Moschus dampfend quillet,
Indes die Lerche hoch in Lüften schwebet,
Des Äthers stilles Reich mit Klang belebet.

7.

Dir, Bagdad, mußte solche Schönheit werden.
Wie trieb mich hin der Wünsche süß Geheiß!
Wie willig tauscht ich mit der Fahrt Beschwerden
Der Heimat Ruh, der Lieben trauten Kreis;
Schon senkt die Sonne sich zum Rand der Erden,
Wo einsam schwebend sie am Himmelsgleis
Ein golden Schiff erschien, der Masten bloß,
Das schwankend sich verliert im Wellenschos.

8.

Dann ward im West von goldnem Purpurflor
Die blaue Himmelswölbung schön umwunden;
Wie lichte Peris kommen Stern' empor,
Im Schleier, trauernd, daß die Sonn' entschwunden.
Und Noahs Töchter schöngereihter Chor,
Da er im Tanz sich um den Pol gewunden,
Ließ hold zurück auf blauen Äthers Fluren
Der leichten Tritte demanthelle Spuren.

9.

Ein Veilchenfeld durchsäet mit Narzissen,
Erscheint der Milchweg, und zur zwölften Stunde
Strahlt der Plejaden Reih' aus Finsternissen,
Gleich sieben Perlen hell auf blauem Grunde,
Und wie die schönverschlungenen, ungewissen
Lichtkreise, wandeln um des Himmels Runde,
Scheint sich in tausend wechselnden Gestalten
Des Mondes Wunderteppich zu entfalten.

10.

Saturnus strahlt dort in des Steinbocks Bilde,
Gleich einer Lampe, hoch in stillen Hallen;
Es leuchtet Jupiter, ein Auge milde,
Das duft'ge Silberflore leicht umwallen;
Mars funkelt in der Wage Lichtgebilde,
Wie Purpurwein in glänzenden Krystallen,
Da in des Schützen Zeichen, hold vereint,
Ein Liebespaar, Merkur und Venus, scheint.

11.

Indes das Firmament die Lichtgestalten
Im Spiele, wie ein Zaubrer, leicht und schnelle
In Herrlichkeit sich wechselnd heißt entfalten,
Schickt ich mich an, mit erster Morgenhelle
Zur Fahrt nach Bagdad mich bereit zu halten:
Da plötzlich rauscht es leis' auf meiner Schwelle;
Ich sah mein Mädchen, wie Aurora schön,
Wenn sie erwachend grüßt die stillen Höh'n.

12.

Doch läßt sie, ach! verstört mit düstern Blicken
Die Rosenfinger grausam schmähend wüten
Auf zarter Wang', und ohne Rast zerpflücken
Der Hyazinthen-Locken duft'ge Blüten.
Der Perlenzähne blaue Spuren drücken
Auf frischer Lippe süße Purpurblüten,
Da von Narzissen-Augen Thränen sinken,
Die auf dem Haar wie Tau an Gräsern blinken.

13.

So kannst du, ruft sie, grausam mich verlassen!
Dich fühllos gar der Liebe Arm entreißen!
So könnte ja mich selbst mein Feind nicht hassen.
Ist das die Treu', die du so hoch verheißen?
Mich willst du ganz den Qualen überlassen,
Des Glückes duft'gen Blütenkranz zerreißen?
O, bleib zurück! Sieh meine heißen Zähren,
Laß mich die süßen Blicke nicht entbehren!

14.

Wie magst du dieses Zeltes schützend Dach
Vertauschen mit dem Wald in Sturm und Nacht?
Dies Wonnebett im traulichen Gemach,
Der Purpurkissen schwellend üpp'ge Pracht,
Du wolltest sie verlassen, Trauter, ach!
Um Wüsten, wo der Tiger lauernd wacht?
O wag' es nicht, durch Flehn laß dich erweichen,
In Angst und Sehnsucht muß ich sonst erbleichen!

15.

Sprach Allah doch die Worte hoch und weise:
»In Freundes Nähe sind des Himmels Wonnen,«
»Das Ebenbild der Hölle ist die Reise,«
Sagt der Prophet, der Wahrheit lautrer Bronnen!
Wo willst du hin aus meinem Zauberkreise?
Wie hast du kühn solch thöricht Werk begonnen,
Du, dessen Nacht mein schwarz geringelt Haar,
Des Morgenstern mein strahlend Auge war!

16.

Und wie mag man nach Würden dort dich ehren,
Wo dir an Weisheit keiner zu vergleichen?
Selbst Plato müßte horchen deinen Lehren;
Und wessen Geist in Ostens weiten Reichen
Ergründet so wie du den Lauf der Sphären?
Selbst Ptolemäus Reihen deinem weichen;
Ist doch kein Weiser hier im Orient,
Der deiner Füße Staub nicht köstlich nennt.

17.

Schweig, Holde, sprach ich, hemme deine Klagen,
Sei ruhig, pflege treu mein Bild in Liebe;
Es müssen dir die heißen Küsse sagen,
Wie gern ich hier an deinem Busen bliebe!
Doch lacht das Glück hier nimmer meinen Tagen,
Fern locken mich der Ehrsucht stolze Triebe;
Drum lebe wohl in stiller Einsamkeit,
Bis selig uns das Wiedersehn erfreut.

18.

So mußte sie gerührt, besänftigt scheiden,
Doch schon erblich der Sonne zitternd Licht;
Den Himmel kam im fernen Ost bekleiden
Ein Silberstreif, der zart durch Wolken bricht,
Aurora ging dann auf, verhüllt bescheiden,
Im Rosenflor, ihr strahlend Angesicht.
Dem Sklaven gleich, des Winkes schnell gewärtig,
Macht ich mich nun sogleich zum Aufbruch fertig.

19.

Schlug ein den Pfad, vom jungen Roß getragen,
So herrlich ohne Fehl in allen Stücken;
Schlank ist das kräftige Bein und hoch der Kragen,
Die breite Brust gewölbt, voll Zier der Rücken,
Die Hufen schmal den Boden klingend schlagen,
Schnell folgt es des Gebisses leisen Drücken,
Lauscht auf den Wink, versteht des Reiters Wort,
Und schneller trüge mich der Wind nicht fort.

20.

Schmeidig gleich Tigern, Adlern gleich verwegen,
Im Schlachtgetümmel, bei des Angriffs Zeichen,
Rasch wie der Sturm dem Feind beherzt entgegen,
Doch listig, wie die Kräh' im Flug, beim Weichen;
Will es sich frei im regen Gang bewegen,
Ist's dem Fasan an Zierde zu vergleichen,
Sein fein Gehör kennt auch den zartsten Laut,
Und meilenweit sein zartes Auge schaut.

21.

Nach Bagdad trug mich solch ein herrlich Roß;
Da meiner Ankunft Ruf zum Thron gedrungen,
Beschied mich bald der König auf sein Schloß
Mit Ehr, und hoher Huld Versicherungen.
Am Hof ich köstlichen Empfangs genoß,
Da ward mein Herz von Hoffnung süß durchdrungen.
Ein Lied ersann ich zu des Königs Lob,
Das seinen Ruhm bis zu den Sternen hob.

22.

Zwei Monden g'nügten mir, es zu vollenden,
Rein war sein Maß und voller Zier sein Gang,
Der Bilder Fülle drin verschwenden,
Der reinsten, zartsten Perlen Überschwang,
Dem Ocean die Phantasie entwenden
Mocht' ich mit Lust im regen Geistesdrang;
Auf daß in solchem Lied in ew'ger Schöne
Unsterblichkeit des Königs Namen kröne.

23.

Und dennoch wurde gar mir meine Kunst
Ganz abgeleugnet, nirgend Ruhm ich fand;
Gewöhnt an loser Bilder eitlen Dunst,
Verhöhnte mancher, der sie nicht verstand,
Die reinen Verse voller Sinn und Kunst;
So wurd' ich bald von heißem Zorn entbrannt.
Doch soll ich mich drum arm und elend nennen,
Weil keiner mag so edeln Schatz erkennen?

24.

Ich schwör's bei meiner Dichtung Kern und Saft,
Bei ihrer süßen, goldnen Harmonie;
Bei der Beredsamkeit Gigant'nen Kraft,
Beim Feuerschwung der hohen Poesie;
Bei Persiens Heldenruhm und Tugendkraft,
Bei jenen Namen, die vergehen nie,
Bei Chosrus und bei Rustems Tapferkeit,
Bei Nuschirwanens Persischer König aus der Sassanidendynastie. S. Einleit. Allgerechtigkeit.

25.

Beschwör' ich's hoch, es lebt in diesem Lande,
Kein Redner, der den Preis mir abgewinne;
Kein Dichter, der mit Anmut und Verstande
Solch Spottgedicht, voll Witz, wie ich ersinne.
Noch je erschien im glänzenden Gewande
Ein Lied so voll Natur und süßer Minne;
Und zweifelt einer, ob ich Wahrheit sprach,
So richt' es Gott, wenn alles kommt an Tag.

26.

So klagt' ich unmutsvoll, dem Spott ein Ziel,
Einsam durchwachend manche stille Nacht,
Als eines Morgens, da der Weste Spiel
Mit Balsamduft die Sinne trunken macht',
Und sanfter Schlummer tauend auf mich fiel,
Von zärtlicher Berührung ich erwacht',
Die Augen öffnend, noch von Schlaf befangen,
Sah ich mein Mädchen mit den Rosenwangen.

27.

Und sie begann mit schalkhaft holdem Wesen:
Wie lebst du hier, in hohen Glückes Tagen?
Bereust du nun, wie störrig du gewesen?
Du konntest dich dem guten Rat versagen;
Und bist gar bald von deinem Rausch genesen,
Da ungerührt du bliebst bei meinen Klagen!
So fällt mit Recht das Unheil, böser Mann,
Auf den zurück, der treulos es begann.

28.

So willst du noch den Vorwurf auf mich laden,
Geliebte, da mich Gram ganz hingenommen?
Ich wurde ja berufen voller Gnaden
Vom König selbst und huldreich aufgenommen;
Doch jetzt schweift er umher auf steilen Pfaden
Des Ruhmes, dessen Höh' er bald erklommen;
Und ganz versenkt in hoher Taten Sinnen,
Mag ich nicht einen Blick ihm abgewinnen.

29.

Sie sprach: Will dir der Mut nun schon vergehen?
Auf! stimme neu die liederreiche Leier,
Sieh frische Palmen seine Stirn umwehen,
Es sei dein Lied der hohen Taten Feier;
So mag der König huldreich auf dich sehen,
Und schwinden des Vergessens trüber Schleier.
Denn ob der Held auch hohen Ruhm errang,
Doch spiegelt schön die Tat' sich im Gesang!

30.

Wie kann ich mich zu solcher Höhe schwingen,
Da ganz gebeugt die dunkle bange Seele?
Darfst du jedoch nach solchem Preise ringen,
Den edlen Trieb im Busen nicht verhehle.
Laß unsers Herrschers Ruhm ein Lied erklingen,
Das sanft sein Herz mit goldnem Wohlklang stehle!
Kaum sagt' ich dies, so that der holde Mund
In Engeltönen solches Loblied kund:

31.

Begeistre mich zu herrlichem Gesange,
Du Siegesheld, von Strahlen ganz umgeben!
Sich auszusprechen strebt mit kühnem Drange,
Mein Herz durchzuckt von ungewohntem Leben,
Doch beb' ich noch vor deiner Größe bange,
Wie mag mein Geist mit solchem Schwung sich heben.
Ich, schwache Beute der Vergessenheit,
Du, der erkämpft sich die Unsterblichkeit!

32.

Mit ew'gem Glanze schmückst du Persiens Thron,
Durch Tapferkeit, sowie durch Weisheit groß.
Fest wurzelt Billigkeit, dem Thron zum Hohn.
Kühn warfst du der Gefahr dich in den Schoß.
Welch feindlich Haupt ist deinem Schwert entflohn?
Welch treulos Herz entwich dem Todesstoß?
Wenn selbst den Leu dein Schwert mit Blitzen scheucht,
Betäubt der Tiger deinem Dolch entweicht.

33.

Des Wohltuns Säulen, die du neu erbaut
Aus Trümmern hold in heil'gem Glanz erstanden;
Dein Auge Segen auf die Niedern tau't,
Wie Sonne strahlt dein Ruhm in deinen Landen.
Mit Zuversicht das Leiden auf dich schaut,
Zwietracht und Laster legtest du in Banden.
Der hagre Geiz verscheucht zum tiefsten Grunde
Haust ewig nun in schwarzer Klüfte Schlunde.

34.

Und ihr, des hohen Stammes stolze Sprossen,
Wie sing' ich euch, geliebte Königssöhne?
Daß Heldenblut sich in eu'r Herz ergossen,
Zeugt die Gestalt voll Kraft und Himmelsschöne;
Und schon des Vaters rühmliche Genossen
Sagt ihr, daß Glanz die zarte Jugend kröne,
Verherrlicht beide schon der Perser Land
Durch hohen Mut, durch Tugend und Verstand.

35.

Gerecht und edel ist dir Seifed-din
Der weltberühmte Sandschar zu vergleichen;
An Großmut muß dir, junger Azed-din,
Der vielgeliebte Seldschuk selber weichen.
Blüht, Enkel denn des großen Kothbed-din,
Sein würdig stets, zur Lust von Orients Reichen!
Daß jedes Herz in Treue für euch brenne,
Der edeln Ahnen Blut in euch erkenne.

36.

Nimm, Mahmud ben Zangy, den Lobgesang
Mit Milde auf, dein Ruhm muß ihn verdunkeln!
Doch wohl mir, wenn es dennoch mir gelang,
Daß hold nun wieder deine Blicke funkeln
Dem treu'sten deiner Sklaven; mondenlang
Verschmachtet er nun hilflos hier im Dunkeln.
O richt' ihn auf, daß er, von Dank durchglüht,
Dich preis', im Liede, das unsterblich blüht.

Helmine Chézy.

Kasside auf das Prachtschloß eines Veziers

O Herr, schau' ich ein Fürstenschloß?
Ist das des Himmels Heiligtum?
Flammt mondbeglänzt der Himmel mir?
Ein kaiserlich Palladium?

Schau' ich ein leuchtend Paradies?
Durchströmt von Quellen frisch und rein?
Ist dies ein goldener Pokal,
Zum Rand gefüllt mit goldnem Wein?

Wo Mond und Sonne trunken gehn
Im Tanz – der Wolken Saal ist dies?
Ist dies der Ort, da Nacht und Tag
Die Engel kosen mit Huris?

Musik erfüllt ringsum die Luft,
Als wäre ewig Hochzeit hier,
Und Dichtermunde streu'n Gesang
Und Lied ins Ohr wie Perlen dir.

Ein ew'ger Frühling füllt die Luft
Mit Duft und Glanz, kein Winter droht!
Des Weltgerichts Posaunenton
Verhallt und weckt nicht auf den Tod.

Ein dunkler, kühler Schatten schützt
Rings vor des Tages Sonnenglut –
Doch nachts, wenn auffährt Stern an Stern,
Wie Licht glänzt selbst des Dunkels Flut.

Des ew'gen Gottes Morgenlicht
Scheucht fort des Unglücks schwere Nacht
Aus diesem Haus; des Hauses Herr,
Des Aug' ob unsrem Reiche wacht –

Sein Ruhm erfüllt die weite Welt,
Gesetze schreibt der Welt er vor
Mit Weisheit, und als Säule ragt
In Staat und Kirche er empor.

Und was das Schicksal lang bestimmt,
Führt aus von ihm ein Federzug,
Ihm, dessen Banner, wo es flog,
Den Sieg in Feindeslanzen trug.

Von seiner Huld und Güte tönt
Die Erde wieder und die Luft,
Er haßt den Geiz, streut aus das Gold,
Füllt in die Becher Weines Duft.

Gleichgroß mit Feder und mit Schwert,
Des Reiches Lenker, Schwert und Schild,
Strahlt er uns vor und ewig blüh'
Uns seine Herrschaft, stark und mild:

So lang die Erde sehnsuchtsvoll
Im Brautgemach, im Frühlingshag
Erschauert unter'm Sonnenkuß,
So lang die Sonne zeugt den Tag.

Julius Hart

An den Sultan Malikschah.

Freu dich Chosru, du gerechte Stütze der Wahrheit des Glaubens
Lebe lang, o Emir! Helfer des fürstlichen Hofs! Titel der Tukane aus der Seldschukkenfamilie.
Größter der Könige du! o Herr der Erde, Malikschah!
Du bist Darius der Zeit, du bist Darius des Raums.
Du bist der Herr und deinem Befehle gehorchen die Ritter,
Untertänig schwört Sonne Gehorsam dir zu!
Du mit dem goldenen Tag schenkst Tage des Lebens der Sonne,
Himmel verteidigest du, indisches Schwert in der Hand.
Mond und Sonne, sie tragen im Munde das Huldigungssiegel,
Eingebrennet ist Erden und Wassern das Mal,
Deine Billigkeit halt die ganze Schöpfung in Ordnung,
Und in Ewigkeit preisen die Schöpfungen dich.

Auf die Abwesenheit Firusschahs von Balch.

Als Ahmed Muhammed der Gesandte des Herrn von Mekka entflohen,
War mit ihm auf lang Hoffnung den Brüdern entflohn;
Aber als nun mit Sieg die Schar des Propheten zurückkam,
Blühte wie Rosenstrauch frisch an dem Morgen sie auf.
So als von Balch war entflohen Ahmed Firus der Gebieter,
Fiel zusammen die Stadt wie in dem Herbste das Laub;
Aber als er sie nun mit hohem Schatten beglückte,
Wurde sie wieder belebt wie von dem Oste der Ast:
Gott dem Herren sei Dank! weil bis zum Tag des Gerichts nun
Jene des Islams Dom, dieser die Kaaba vorstellt.

Auf den Dichter Schedschaai.

I.

Dem Vernünftigen sind Lockspeisen Schedschaais Gedichte,
Hundert Vögel wie ich fliegen begierig darauf.
Geh' mein Gedicht und küß vor dem Herrn die Erde und sag' ihm:
Du, die Tugend der Zeit, Tugendepoche bist du!
Hundert Jahrhundert gehn vorbei, ehe einmal das Weltall
Einen Liebling gebiert, einzig geliebet wie du!
Seinem Saume naht sich jetzo die Erd' als ein Weibchen,
Wie ein Härchen dem Kamm jählings entführet vom Wind,
Wenn ich gezwungenerweise die Schultern zum Dienste belastet,
Ist's für deinen Dienst, daß ich dem Hause entfloh.
Als Simurg hast über die Zeiten den Fittig verspreitet,
Fliegen ziemt dein Nest nicht zur Behausung des Schlafs.
Deiner Würden Gewicht giebt Sternen beständige Schwerkraft,
Und im Gleichgewicht hält es den Himmel empor.
Deine Würde hält mich von deinem Dienste zurücke,
Mir genügt dein Brunn, nimmer ergründlich dem Aug'.
Aber dem Manne des Auges, ihm wirst du's, hoff' ich, gewähren,
Daß er vor deiner Thür sitze gebeuget zum Dienst.

J. v. Hammer

II.

Zauber strömt aus deinen Worten,
Hoch empor steigt deine Seele,
Kühner! in die Himmel dringst du,
Schaust entrollt der Welten Plan.

Was dein stolzer Geist begonnen,
In der Zeit wird sich's vollenden,
Die aus armen Maulbeerblättern
Spinnt ein schimmernd Seidenkleid.

Ich bin nur ein Kupferpfennig,
Und ein armer Fisch im Teiche,
Du die goldne Sonnenscheibe,
Bist am Himmelszelt der Fisch.

Ich ein Spatz, du, dessen Flügel
Über alle Welten schatten –
Bist Simurg; mein Verschen klappert
Wie ein Mühlenrad; doch deins

Rauscht erhaben gleich dem Weltrad;
Dein Gedicht gleicht einem seidnen
Goldgewirkten Prachtgewebe,
Meins ist nur ein Spinngeweb'.

Gieb nicht Antwort diesen Zeilen,
Stolzes Schweigen ziemt den Großen;
Dich schützt Gott, der nimmer schlummert,
Uns schützt Gott, der nimmer stirbt.

Julius Hart.

Lob einer Sultanin.

Gruß der stattlichsten der Frauen!
Glaubensreinheit! Reichesadel!
Die vollführt, was sie begonnen,
Was begonnen, führt zum Ende.
Die an Macht und Würde höher,
Als der Himmel und Saturnus,
Die liebkosend heilt die Welten,
Zürnend Leu'n in Schafe wandelt.
Spiegel der Vollkommenheiten,
Aller Tugend Musterkarte!
Dir kann nichts die Welt vergleichen,
Dich der Himmel nicht ersetzen,
Wo du bist ist alles Flehen,
Widersprechen überflüssig.
Deinem Kiel entströmen Perlen,
Und dein Wort ist Offenbarung.
Dir sind Himmel nur ein Tropfen,
Dir sind Erden nur ein Senfkorn.
Deine Hand, wenn sie es wünschet,
Unterwirft die Macht des Todes,
Mars, er huldigt deinem Worte,
Und der Kiel löst Schicksalsknoten.
Über dir giebt's keinen Herrn,
Als den höchsten Herrn der Welten.
Edleren Geblüts als Adam,
Wohnst du in des Himmels Dome.
Kommt dein Sklave nicht zum Dienste,
Kommt ihm Trägheit nicht zu Schulden.
Ihm geschah in diesem Jahre,
Vieles, das du nicht sollst fragen.
Ketten trug er ohne Schulden,
Abgesetzet ohn' Vergehen,
Heute hat er Mark in Beinen,
Gestern war die Haut wie Zwiebel.
Noch kein Monat ist verflossen,
Daß ich frei bin solcher Wehen.
Denn das End' kam nicht zum Anfang,
Und der Anfang nicht zum Ende.
Deine Tag und Nächte seien,
End' und Anfang gleich in Sitte.
Gift sei deiner Feinde Sorbet,
Deiner Freude Tränke Honig.
Fuß des Himmels, Hand des Schicksals
Seien lahm, um dir zu schaden.

Den Feinden!

Deinen Feinden ergeh's, vier Stücken des Zeltenbehörs gleich!
Dann magst immer du lieblicher Ruhe dich freu'n.
Seien sie stets wie Späne gespalten! wie Lappen zerrissen!
Wie die Nägel geklopft! Wie die Pfähle gesteckt!

Klage über das Zeitalter.

Ein Fuchs lief voll von Seelengram,
Ein andrer Fuchs zu selbem kam;
Er sprach: Was kündest du mir an?
»Nach Eseln jagt heut der Sultan.«
Er sprach: Du bist ein Esel nicht –
»Ja wohl! allein ein kurz Gesicht,
Das unterscheidet nicht genau,
Ob Esel oder Fuchs es schau'.
Drum fürcht' ich, Bruder, mich mit Recht,
Daß mir's ergeh' als Esel schlecht:
Im eselhaften Menschenreich
Hält man die Füchse Eseln gleich.«

Sich selbst zum Rate.

Weißt, Enweri, was Vers und was Begier?
Der eine ist ein Kind, die andre Amme,
Es stehen Ehren deinen Wünschen fern,
So lang du nicht den Fuß aufhebst zum Reisen,
Die Wissenschaft schmückt, wie einen Hahn die Krone,
Was willst du denn wie Hühner Eier legen?
Dem Ohr, dem Hals der Männerseele ziemt
Kein Schmuck so gut als Unternehmungsgeist.
Dein Leben ist ein köstliches Gestein,
Du bist ein Dichter, dessen Ruhm weit schattet.
Gieb nicht wie dürres Gras die Verse weg,
Die köstlichen, du köstlich Schattender!

Auf die Zeit.

Aus Großmut nicht eröffnet dir die Zeit,
Aus blindem Muttertriebe nur die Welt,
Und trägt sie das Geschenkte wieder fort,
So sagest du, es stand bei uns als Pfand,
Wenn heut mich einer fragt: Wo ist der Schatz,
Den Mutter Zeit dir nach und nach geschenkt?
Antwort' ich ihm: Was man zurückbegehrt,
War aus Freigebigkeit nicht hergeschenkt.
Der Himmel nimmt das Überflüss'ge weg,
Unglücklich, wer in seine Hände fällt.

Ermahnung

Auf Wissenschaft und Kunst verleg' dich nicht,
Sonst bettelst du dich durch als armer Wicht.
Verleg' dich auf Musik und Possenreißen,
Daß Groß und Kleine dich willkommen heißen.
Glaub' nicht, ein Buch, ein abgelegner Platz
Sei für die Weisen besser als ein Schatz.
Wenn Thoren dieses Glückes Wert nicht kennen,
So müssen sie Vernunft wohl anerkennen.
Denn Pharao, verdammt, sitzt auf dem Thron,
Dem Moses ward ein Hirtenstab zum Lohn.

Auf die Weiber

Das Weib ist Wolke, Mond der Mann,
Gewölk verfinstert Mondenlicht;
Am besten ist's daher dem Mann,
Bedarf er eines Weibes nicht.

Dem Himmel

Ein schlechter Geizhals ist der Himmel,
Der stets sein Schlechtestes nur giebt,
Iß von ihm Brot und Wasser nicht,
Die Seele kannst du nicht befrei'n.
Viel besser dankt die Erde dir,
Denn wer ein Korn ihr anvertraut,
Von dem nimmt sie's mit Großmut an
Und giebt's ihm hundertfältig wieder.

Hammer.

Abschied von der Poesie

Ein Dichterlein frug gestern mich: Schreibst du noch oft Gedichte?
Ich sagte: Nein, da ich seit lang auf Lob und Schimpf verzichte.
Warum? frug er. Weil klar mir's ward, daß Dichten nur Verirrung.
Jetzt floh der Wahn, nie wieder kehrt der Zustand der Verwirrung.
Einst schrieb ich Panegyriken, Satiren und Ghasele,
Weil Habsucht, Zorn und Leidenschaft mir heiß durchtobt' die Seele.
Pfui Liebesdichter, die die Nacht in heißer Angst verbringen,
Wie sie am besten Zuckermund und Lockenpracht besingen;
Pfui Lobpoeten, die den Tag in bittrer Qual durchsinnen,
Von wem und wo am besten wol fünf Drachmen zu gewinnen;
Pfui Satiristen, die sich freun gleich schwachen kranken Hunden,
Wenn einen Schwächren als sie selbst, sie packen und verwunden.
Weh euch ihr drei, die hungernden und grimmen Hunden gleichen,
Mög' euch der Herr auf ewiglich aus meiner Nähe scheuchen!
Ich selbst schrieb Panegyriken, Ghasele und Satiren;
Wie konnt', o Gott, Verstand und Geist so grausam ich torquiren!
Geschwätz und Schein, o Enweri, sind keines Mannes Werke,
Du fehltest, segne Gott dein Wort mit Mannheit jetzt und Stärke.
Im Winkel birg bescheiden dich, den Pfad der Rettung gehe,
Und denke, daß des Lebens Frist dem Odem gleich verwehe.

Schlechta Wssehrd.

Liebeslied.

Wie kann ich wohl ertragen
Das Leben ohne dich?
Von dir entfernet, zähle
Die Tag' und Nächte ich.

Aus beiden Augen fließet
Statt Thränen Blutesstrom;
Verwüstet hat die Sehnsucht
Des treuen Herzens Dom.

Bei fröhlichen Gelagen
Trinkst du den Becher Wein,
Ich trinke Kummers Becher
Tief in mein Herz hinein.

Gewährte doch der Himmel
Als höchste Gnade mir,
Daß ich entfliehen könnte
Der Sehnsuchtsglut nach dir!

Wollheim.

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