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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Dietwalt und Amelinde - Kapitel 8
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGrimmelshausen Werke II (Bibliothek der frühen Neuzeit Band 17)
authorHans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
year1997
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-66470-2
titleDietwalt und Amelinde
pages145
created20000831
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
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Ob zwar der edle Römer Benedictus Nursinus (jetzund ins gemein wegen seiner Heiligkeit Sanctus Benedictus genannt) umb diese Zeit bereits im Leben war / so befanden sich jedoch damals nirgends noch so viel vollkommene Versamlungen der Ordens-Leuten in den Clöstern wie jetzunder / sondern einer wohnte hier und der ander dort in den Wildnissen Europæ und führte / jedoch unter keiner gewissen Regul / ein einsidlerisch Leben; bis sie endlich ernannter Benedictus zusammen: und unter eine Regel gebracht; dannenhero gab es hin und wider viel solcher abgesonderten Leute / vornemblich an denen Oertern / dahin andere Menschen nicht viel zu wandten pflegten; derowegen verwunderte sich unser edles hochbetrübtes Paar umb so viel destoweniger / als sie zunächst bey ihnen einen Einsidel stehen sahen / da sie eben oberzehlter massen miteinander redeten; als diese ein klein wenig einander mit Verwunderung angesehen / sagte der Einsidel / gleichsam mit solchen Gebärden / als wann er nicht recht erkühnen dörffte mit dem Printzen zu reden; Hochgeborner Fürst / ich weiß beynahe nicht / ob ich meinen Augen glauben soll oder nicht / daß sie meines gnädigsten Lands-Fürsten und seiner Gemahlin Personen vor sich sehen / sonderlich so gar allein und zwar wie ich vernommen / in einem höchstbetrübten Stand? und gleich wie mich verwundert / durch was vor eine seltzame Begebenheit seine Fürstl. Gn. an diesen einsamen Ort kommen seyn / also erinnerst mich hingegen mein schuldige Treu und unterthänigstes Mitleiden / eurer Fürstl. Gn. dafern anders etwas dergleichen zuleisten in meinem wenigen Vermögen stehet / mit Hülff und Raht getreuisten Fleisses zu dienen und beyzuspringen; Wie? Gnädiger Fürste / seynd sie vielleicht verirret? Siehe so will ich Eur Fürstl. Gn. wider auff den rechten Weg zu ihrer Hofhaltung fahren; oder seynd sie vielleicht durch Untreu ein oder anderer Menschen in diesen Stand gesetzt worden / so belieben dieselbe gnädig / mir die Beschaffenheit und Geschichte zu vertrauen / ob ich vielleicht Raht und Mittel fände / dardurch Eur Fürstl. Gn. sammt dero allerzärtisten Gemahlin widerumb in ihren vorigen vergnügsamen Stand gesetzt werden möchten; Dietwalt / vermeinte / dieser Einsidel seye auch ein solcher wie etwan sein Schwer der grosse Ludwig einen an Warmunden gehabt; erzehlete ihm derowegen umbständlich / was Gestalt er sich mit übermässiger Hoffart vergriffen und dardurch verdienet hätte / ein widerwärtige Wahl zu nehmen / sein Land und Leut zu verlassen / und sich selbsten mit seiner lieben Gemahlin etliche Jahr lang in ein freywilligs Elend zu begeben / welches er auch mit Christlicher Gedult zu überstehen verhoffe / und auff solches die nechstverwichne Nacht den Anfang daran gemacht; da antwortet der Einsidel / wie gnädiger Herr? Wie wäre ihm aber / wann das erschienene Gesicht ein betrüglicher Geist gewesen: und vielleicht solche Verbländnis von einem anderen zugerichtet worden wäre; Eur Fürstl. Gn. von Land und Leuten / die ihme drey mächtige König zu regieren übergeben / zu schrecken / um sich selbst in die Beherrschung eines solchen vortrefflichen Landes zu tringen? vermeinen Eur Fürstl. Gn. wol / daß solches einem Regiersüchtigen durch irgents einen Zauberer zuwegen zubringen zuviel: oder vielleicht einem solchen Zauberer zuvollbringen unmüglich sey? Gnädiger Fürst / sie hintersinnen sich mit guter gesunder Vernunfft; wer weiß was geschehen ist? Eur Fürstl. Gn. geruhen mir zuverzeihen / daß ich das jenige worzu mich meine Schuldigkeit und unterthänige Pflicht treibet / so frey und offenhertzig heraus rede; die Beherrschung über Land und Leut / vornemblich ein solche! die allbereit dem Königreich Burgund wenig bevor giebt / läst sich nicht am Weg auffheben / vielweniger widerumb so leichtlich erobern / als sich dieselbe vielleicht darumb betrügen lassen; Wer bald glaubt / wird auch bald betrogen / Eur Fürstl. Gn. werden es ohne das schwerlich zuverantworten haben und schwerlich verantworten können / daß sie ihre anvertraute Land und Leute in diesen gefährlichen Läuffen und Zeiten: darinnen sich wie ich höre / grosse Krieg ereignen dörfften / dergestalt verlassen und in ihren höchsten Nöhten stecken lassen; da doch keiner unter allen ihren lieben und getreuen Unterthanen ist / der nicht seinen Lands-Fürsten zu beschützen Leib / Ehr / Hab / Gut und Blut / ja das Leben selbst gern auffsetzte; Sie kehren nur kecklich wider zuruck / und vernehmen von ihren Allergetreusten so Geist- als Weltlichen Rähten / daß sie so wol als ich den erschienenen Geist vor ein betrügliches Gespenst halten und erkennen werden; welches zu keinem andern Ende erschienen / als beydes den Fürsten und das Volck bey bevorstehenden besorglichen elenden Zeiten in alles Elend / Jammer und Noht zu stürtzen.

Der angefochtene Printz erwog diese Reden hin und her gantz ängstiglich / und nach einem kleinen Stillschweigen sagte er mit einem grossen Seufftzen: gewiß ists / daß mein gegenwärtiger Zustand und seltene Begebenheit / grosse Vernunfft braucht; dieweil ich mich aber in allem meinem Thun und Lassen auff die Güte meines getreuen Gottes verlasse: So bald hatte Dietwalt diese Wort nicht ausgesagt / da verschwande die Gestalt des Einsidlers Augenblicklich wie eine Wasserblase / und liesse einen solchen unleidenlichen Gestanck hinter sich / daß unser edeles Paar an demselben Ort nicht mehr bleiben konnte; mit welchem dann dieser schädliche Rahtgeber überflüssig genug zu erkennen gegeben / daß er ein verstelter Engel des Liechts gewesen / und drauff umbgangen sey / das Gottsfürchtige junge Paar zu sich in seine abscheuliche Finsternis zuverführen; Diese beyde fielen hingegen auff ihre Knie nider / und lobten die Güte Gottes / vermittelst deren sie vor diesem gefährlichen Fallstrick erhalten worden waren; mit einem neuen und viel festeren Vorsatz / sich durch keinerley Begegnis vor ihrem Elend befreyen zu lassen / noch das auff sich genommene Creutz weder um Lieb oder Leids willen von sich zu legen / es wäre dann Sach / daß Gottes austrücklicher Will und seine sonderliche Verhängnis solches vermittle und haben wolte; worzu sie umb Göttliche / Hülff und Gnad: und sonderlich um die heilige Gedult inbrünstig baten.

Demnach wanderten sie von dem Ort / allwo sie zwar alle ihre Hab an Kleinodien verlohren: hingegen aber einen ruhmwürdigen und löblichen Sieg wider ihre stärckste Feinde / als den Teuffel / die Welt und ihre eigne Affecten erhalten hatten; So recht! sagte die frolockende Amelindis so! mein tapfferer Printz / gefällt es unserem Gott / das wir streitten: die Welt überwinden: und als ihre Obsiger recht Käiserlicher weis über sie herrschen sollen; Nun haben wir noch etliche kleine Scharmützel mit uns selbsten zu thun; werden wir in denselbigen rechtschaffen überwinden / so zweiffelt mir gar nicht an der Kron / mit welcher der Allerhöchste die jenige begabet / die ritterlich durch seine Gnad gekämpffet haben; Dietwalt erfreuet sich über die tapffere Standhafftigkeit seiner Liebsten / und danckte Gott umb den Trost den er hatte / weil seine unvergleichliche Princessin keines Trosts bedorffte; Sie führten einander bey den Händen über das rauhe Gebürg / und als sie beydes vom Hunger geplagt: und durch eine solche harte Reise / deren sie beyder ungewohnt waren / abgemattet wurden; Sihe / da erquickten sie ihre zarte Leiber hie und da mit Wurtzeln und grünen Kräutern; und weil sie solche auch nicht aller Orten haben konnten / musten sie sich zu Zeiten mit einen Trunck Wasser laben; mit solcher Müheseligkeit überwanden sie das unfreundliche Gebürg / bis sie den Lustgarten Europæ / das edel Jtalia vor sich in der Nidere ligen sahen. Allwo sie dann anfiengen zu hoffen / Christen-Leute anzutreffen / die ihnen etwan umb Gottes willen ein Stück Brod mittheilen würden.

Also giengen sie nun in Gottes Nahmen mit einander Berg ab; aber die allererste Menschen oder vielmehr Unmenschen / die ihnen auffstiessen / waren fünff grausame Mörder / die sich in derselben Gegend am Gebürg hin auffhielten und alles umbbrachten was in ihre Gewissenlose Händ geriehte; Sie hatten aller Menschlichen Leutseligkeit und Beywohnung abgesagt / und sich vor längst zu anderer Verderben zusammen verschworen; sich auch untereinander selbst erschreckliche Nahmen gegeben / darbey ein jeder sich der grausammen Schuldigkeit ihrer abscheulichen Verbündnis erinnern solte; in Summa es waren solche Kerl / darunter dem Allerfrömmsten das Rad und Feur viel zu lind und gering gewest wäre / seine verübte Thaten nur umb den hundertsten Theil gebührend abzustrafen; Diese sahen unseren Printzen mit seiner Liebsten von ferne gegen ihnen kommen / derowegen sagte Schadefro ihr Haubtmann zu seinen Gespahnen / sehet dort jenen Juncker zu mir kommen / der mir eine schöne glatte Metz zubringt / mich einmal wider ein wenig abzuramlen; dem antwortet Würgdeman sein nächstes Cammerrad / und mir bringt er einen schönen Rock zu Lohn / das ich ihm einen Paß in die ander Welt mit meinem blancken Schwerdt darvor schreiben soll; Nimmsleben sagte / so nehm ich Hembt und Hosen / das wird mir nicht übel anstehen / wann ich mit seiner Matreß werde Beylager halten; und ich sagt Zornmuht / nimm sein schöne Haubtzierde / die wird mir als einem praven Helden auch eine sonderbare Zierd geben; Ey / sagt Tödtewald / so bleibt mir sein Schwerdt / darvor will ich ihm das Meinig ins Hertze stossen; Da nun Dietwalt mit seiner Liebsten in ihren Halt kam / umbsprangen sie ihn mit ihren blossen Schwerdtern; Sie sahen viel grimmiger aus als die wilden Thier und schrien mit betrohenlichen Minen er solte sich gefangen geben; und als der zwar matte Printz den Ernst: und sonderlich den Schadefro seine Princessin so unhöflich anpacken sahe / wischte er mit seinem Schwerdt urplötzlich von Leder / und gab denselben einen solchen tapfferen Streich / daß er ihm nicht allein die brennende Hitz seiner viehischen Begierden: sondern auch zugleich durch Zerspaltung seines Kopffs bis auff die Zähne hinunter / des Lebens-Liecht ausleschte; solche sahe der weidliche Würgmann und gedachte seinen Cammerrahten zu rächen / du heilloser Bub sagte er zum Printzen / soltest du einen solchen tapffern Mann ermorden? und mit dem führet er einen gewaltigen Streich von oben herab / den aber Dietwalt nicht allein geschicklich ausnahm / sondern ihme hingegen einen anderen Zwerch-Streich in den Bauch anbrachte / daß ihm alsobald das Jngeweid sammt der Seelen entfuhr; als dieser nidersanck / erkühnte Amelindis des erschlagenen Schadenfro Schwerdt zu nehmen / entweder ihrem Printzen nach Vermögen zu helffen oder sich und ihre Keuschheit selbst damit zu beschützen; das sahe der starcke Nimbsleben und lieffe auff die Princessin dar; ist aber ungewiß in welcher Meinung; ob er sich vielleicht einbildete / das Englische Bild möchte sich in solcher Gefahr vielleicht selbst tödten und also seinen Viehischen Wollüsten entgehen wollen / welchen Tod er dann etwan zuverhindern gedacht haben möchte; oder ob er kam sie selbst umbzubringen / ist unbewust; gleichwol lieffe er so begierig gegen ihr / daß er nicht in Acht nahm / welcher Gestalt ihm Dietwalt nachsprang / der ihme dann in unglaublicher Schnelligkeit einen solchen Streich von hinden zu in den Hals versetzte / daß er in demselben Augenblick das Leben ab: und seinen abgehauenen Kopff also tod der Princessin vor die Füsse legte; die übrige beyde Mörder Zornmuht und Tödtebald sprangen Dietwalten auff dem Fusse nach ihm von hinterwerts hinzurichten / der edle Printz hatte aber kaum den besagten glücklichen Streich am Nimbsleben vollbracht / als er diesen nacheilenden die Stirn widerumb botte / und ehe sichs einiger Mensch versehen mögen / dem Zornmuht beyde Hände hinweg stumpffte / darinn er eben sein Schwerd führte / Dietwalten den Kopff hinweg zu schlagen; also behielte der tapffere Printz nur noch einen Feind für sich; aber einen solchen / der nicht so leicht wie die andere zu überwinden war / dann er wuste den Degen zu führen und seine unglaubliche Stärcke anzulegen; deme aber Dietwalt mit seiner wunderbarlichen Geschwindigkeit so viel zu schaffen gab / daß ihm weder solche seine Stärcke noch Fechtkunst viel nutzen konnte; Dietwalts gröste Ungelegenheit war / daß ihn der gestümelte Zornmuht oder Zornwuht mit seinen Stumpen noch überlieffe / und weil er sonst nichts thun mochte / ihn mit seinen Füssen wie ein Pferdt: und mit dem Kopff wie ein unsinniger Stier plagte / den er mit seinem gebührenden Rest nicht wol / wie er gern wolte / abfertigen konnte / weil er mit dem ungeheuren Tödtebalten noch genug zu thun hatte; Du junger Hund / sagte dieser zu Dietwalten / gelt ich kan dir das Hembt rechtschaffen heiß machen? Ja wol / antwortet der Printz / aber ich will deine alte Schelmen Haut aller Wärme berauben und dich endlich zu deiner Diebs-Zunfft hinunter in Nobis-Krug schicken / allwo du deinem mörderischen Verdienen nach Hitz genug empfinden wirst; durch diese Rede brachte Dietwalt sein Gegentheil zwar in einen unmässigen Zorn und hoffte er werde sich aus grimmiger Wuth so weit blos geben / daß er ihm desto besser zukommen könnte; aber der kluge Mörder / so öffter in dergleichen Schulen gewesen / Hatte eben dieser Ursachen halber den Printzen mit obigen spitzigen Reden angestochen und unterliesse keineswegs zu beobachten / was die Kunst selbst von einem vorsichtigen Fechter in dergleichen ernstlichen Fällen erfordert; Zuletzt geriehte dem geschwinden Printzen ein falscher Streich / den er ausserhalb der gewöhnlichen Fechtkunst anzubringen wuste; vermittelst dessen er Tödtebaldo ein Stück aus der Seiten hinweg nahm / welches natürlich aussahe / als wann man ein Rippbrädlein von einem gestochenen Schwein abgesondert hätte / davon der Mörder alsobald seinen ob zwar sündigen: jedoch sehr hertzhafften Soldaten-Geist auffgabe; Und weil Zornmuht noch nicht auffhörte / den Printzen obiger Gestalt zu behelligen / zumalen ihme mit gifftigen Worten zu schmähen; stiesse er ihm endlich sein Schwerdt bis an das Creutz in Leib / und schickte ihn damit zu seinen Cammerraten / umb mit ihnen in jener Welt den Lohn empfahen zu helffen / den sie auch auff dieser miteinander verdienet hatten.

Die betrübte Amelindis war indessen vor Angst und Schrecken mehr einem Todten als Lebendigen gleich; Sie hätte sich gern offt unterfangen / dem herumbwütenden und verzweiffelten Zornmuht des Schadefro Schwerd in Leib zu stecken; So getraute sie es aber nicht allein vor Zittern nicht glücklich zu vollbringen / sondern besorgte auch / sie möchte vielleicht ihren Printzen / deme dieser verstümmelte Böswicht stättigs am Leib zu stehen trachtet / verhinderen / seine Geschicklichkeit gegen dem Tödtebald zu gebrauchen; Nach dem aber Dietwalt diese fünff Bestien überwunden / kan jederman gedencken mit was vor hertzlichen Freuden sie einander mitten in ihrem Elend umbfiengen / sie fielen beyde auff ihre Knie nider und danckten dem getreuen Gott / daß er beydes Sie und die jenige so noch künfftig von der Erlegern blutdurstigen Händen hätten ermordet werden können / durch diese ihre Niderlag so gnädiglich errettet hätte; Und demnach sie beyde von Hunger / Durst und Mattigkeit sehr gequält wurden / fiele Dietwalten zu / es würden die Erschlagene ohnezweiffel auch Speisen bey sich gehabt haben / von denen sie gelebt hätten / und von denen er und seine Liebste sich ein wenig erlaben könnte; derowegen suchte er in ihren Knappsäcken / da er aber nichts anders als gekochtes so grün als gedörtes Fleisch fande / und weil weder er noch seine Princessin verstunden / was Rindern oder Schweinen / Kälbern oder Schepsen war / entsetzte er sich und hatte Bedenckens etwas darvon zu geniessen / wiewol ihn der Hunger hefftig trängte / sintemal ihm zufiele / diese Unmenschen möchten Menschen-Fleisch zu ihrer Nahrung gebraucht haben; Ehe nun dieses edle Paar durch solchen Greuel sein Leben zu erhalten in Sinn genommen hätte / ehe wären sie tausendmal lieber Hungers gestorben.

Also fande dieses trostlose Paar vor dißmal keinen Trost noch Speise vor sich / wiewol sie deren beydes höchlich benöhtigt waren; Sie setzten sich derowegen zusammen und suchten sich mit ihren tröstlichen Reden zu speisen (bis sich der Printz wider ein wenig erschnaubet: und die Princessin von ihrem Schrecken erholet hätte) von welchem Tractament zwar die Gemühter: aber gar nicht die begierige Natur der hungrigen Mägen gesättigt würde; und gleichwol gieng es beyderseits ohne tieffe Seufftzer nicht ab.

Damals pflegten alle Printzen Europæ von Königlichem Geblüt lange Haar zu tragen / und dieselbige beym zierlichsten auffzupflantzen; welche Haubt-Zierte die Untere ihren Fürsten auch gern allein liessen / sich selbst aber mit kurtzen Haaren betrugen; mit dergleichen schönen Haubt-Zierte war Dietwalt zu seiner Zeit vor allen andern seines gleichen von der Natur am allervortrefflichsten begabt / gleichwie nun aber ein ohne das heßliches Angesicht durch lange Haar noch grausamer vorgestellt wird / also verdoppelt solches die Schönheit eines ohne das holdseligen Angesichts / welches dann an Dietwalten genugsam erschiene; Und eben diese Zusammenstimmung aller versammleten Schönheiten / an diesem tapffern Printzen waren Anfänglich ein guter Theil der Liebesstrick / darinn sich Amelindis: gleich wie ein junges Wild selbsten fieng; sein Englisch Angesicht war ihre Augenweid / sein Sonnengläntzendes Haar die Garn / darmit sie auff solcher angenehmen Weid bestrickt: und sein Tugend-Ruhm und Tapfferkeit die Bande / dadurch Sie in dieser lieben Gefängnis gefangen gehalten wurde.

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