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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Dietwalt und Amelinde - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGrimmelshausen Werke II (Bibliothek der frühen Neuzeit Band 17)
authorHans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
year1997
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-66470-2
titleDietwalt und Amelinde
pages145
created20000831
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
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Obengedachte Allobroger Gegend / jetzt Saphoya genannt / war erstlich gantz in der Burgunder Besitz / als die sie den Römern durch ihre Waffen Ritterlich abgetrungen hatten; Demnach aber König Ludwig / ehe er sich mit dem Königl. Burgundischen Hause so nahe befreundet / und noch Dieterichs von Bern Tochter-Mann war / mit demselben seinem Schwer Dieterichen verglichen / die Burgunder widerumb aus ihren eingenommenen Ländern zuverjagen; zu welchem Ende eine Bündnis auffgerichtet: und darinn vornemblich enthalten wurde / daß beyde den Krieg miteinander gemein haben und führen: Jeder seine Kriegs-Macht wider die Burgunder schicken: Was so wohl an beweglichen Beuten als ligenden Landschafften von einem oder andern Theil gewonnen würde / zwischen ihnen beyden gleich getheilt: Wer aber indessen seine Kriegs-Völcker nicht sendet / sondern ausbliebe / dem andern erschienenen Theil ein gewisse Summa Gelts entrichten solte; da zogen die Francken mit ihrer gantzen Macht zu Feld / und versahen sich nichts wenigers / als das König Dieterich von Bern mit seinem Kriegsheer auch zu ihnen stossen würde; Welcher solches auch sendet / aber darneben befahl / daß sie gemach ziehen: und zuvor die Burgunder und Francken einander über das Fell gerahten lassen solten / würde sich alsdann das Glück und der Sieg zu den Francken neigen / so solten sie auch zu ihnen rücken / und sich ihres langen Verzugs halber bey ihnen entschuldigen so gut sie könnten; wofern aber die Burgunder die Oberhand behielten / so solten sie sich nicht ferners begeben / sondern seines weitern Befelchs erwarten; hierzwischen kammen die Francken mit den Burgundern zu einer Schlacht / in welcher lang in den Tag hinein mit zweifelhafftem Glück Ritterlich gefochten wurde / also daß beyderseits viel auff dem Platz blieben / bis endlich die Francken das Feld behielten und die Burgunder in ihre äusserste Länder und Befestigungen jagten; Alsdann eilten erst die Ost-Gothier zu den Francken / nach dem sie die Gewißheit ihres erhaltenen Siegs vernommen / und wusten sich nicht genug gegen denselbigen zu beklagen / wie leid ihnen sey / daß sie durch den rauhen und schweren mühesamen Weg verhindert worden / nicht auch im verwichenen Treffen Ehr zu erlangen / mit gutwilligem Erbieten / das bestimmte Gelt zu Straff ihrer Versaumung zu erlegen; welches König Ludwig nicht allein Krafft der Bündnis / sondern auch weil viel der Seinigen die Köpffe zerstossen / der Ost-Gothier aber noch ein unversehrtes Heer hatte / mit dem jetzt nicht rahtsam Händel anzufangen / geschehen lassen muste / unangesehen er König Dieterichs von Bern List umb etwas merckte; er machte aber bald hierauff mit den Burgundern Frieden. Und also bekam Dieterich von Bern ohne Blutvergiessung und Verlust der Seinigen nur umb ein wenig Gelt mit Ludwigen etliche Burgundische Länder zu theilen / darunter Saphoja auch war / welches dieser Zeit zum Theil ihnen den Ost-Gothiern: zum Theil den Francken: und im übrigen den Burgundern noch zuständig war / warumb dann Warmund König Ludwigen gerahten / sich zu bemühen / dieses Land alleinig in seinen Gewalt zu bringen.

Da nun Ludwig von seinem allergetreuisten Warmunden diesen Raht und auch von Dietwalts Lieb Nachricht empfangen / und wider hinweg zu kehren aufgesessen war / kamen seine Aertzt und berichteten den gefährlichen und wunderbahren Zustand der krancken Amelindis / welche unversehens leidige Post Dietwalten / der solche ungefähr mit anhöret / einen solchen Hertzstoß gab / daß er Augenblicklich wie ein Todter verbliche; des Gebrauchs seiner Sinnen geheling beraubt wurde / und weder seines Pferdtes Zaum länger in Händen: noch sich selbst mehr auff dem Pferdt erhalten konnte / sondern zu sincken begunde / welches Printz Dieterich von Metz zeitlich warnahm / und ihn mit Hülff seines Dieners kümmerlich auffrecht erhielte; Diese thäten mit Schüttlen: die Aertzt aber mit beysichhabenden ihren Hertzstärckenden Krafftwassern das Jhrig / also daß sie ihn zwar bald wider zu sich selbst brachten / aber geschwind wider in voriger Ohnmacht hatten; und daß zwar so starck / daß sie sich seines Tods versehen / wann sie / die Aertzte / mit ihren stattlichen Mitteln nicht bey sich gehabt hätten; welche endlich seine lebhaffte Geister ermunterten / und ihn wider allerdings zurecht brachten; er thät dergleichen / als ob er nicht wüste wie ihm geschehen wäre / aber der grosse Ludwig konnte die Ursach leicht ermessen / gedachte auch zuruck an die jenige Veränderung / die sich bey ihm und seiner Tochter erzeigte / als sie einander das erste mahl gesehen / da sie nemblich ihm und dem Ost-Gothen Wittig ihre eroberte Ehren-Kräntz auffsetzte; solches gab ihm Ursach zu gedencken / ob nicht Amelindis in gleichem Spithal gegen Dietwalten kranck lege / doch liesse er sich dessen was er gedachte / im geringsten nichts mercken / sondern sagte; So wollen wir dann unsere Tochter heut noch besuchen / nahm auch gleich den geraden Weg nach dem Closter darinn sie sich befande / welchem Dietwalt nicht allein Ehren halber gern auffwartet / sondern auch eine Hoffnung: und mit derselben einen sonderbaren Hertzens-Trost empfieng / seine Liebste zu sehen; Wie es aber mit der grossen Sau gangen / die Dietwalt gefällt / darvon hab ich nichts in den Büchern funden; wann aber der Leser ja gern weitere Nachricht davon wissen wolte / so mache ers nur wie ich / und gedencke / sie sey neben anderem Wiltbret auch nach Hof geführt: und verspeiset worden; Allda sich ohnzweiffel auch etliche über ihre Grosse / und über Dietwalts Dapfferkeit werden verwundert haben.

König Ludwig verfaste allerhand Anschläg Unterwegs und entschlosse sich was er thun wolte / wann er Amelinden gegen Dietwalten auch verliebt befände; Er kam sehr zeitlich ins Closter und fande seine Tochter zu Bett / zu deren er sich allein verfügte / sich zu ihr neben ihr Lägerstatt setzte / und eine von ihren Händen in die seinige nahm / mehr deren Pulß zu beobachten / als auch sein Vätterlich Mittleiden genugsam zu bezeugen; und als er fragte wie sie lebte / war ihr Antwort / sie wünsche also zu leben / daß seine Maj. ein allergnädigste Zufriedenheit und Vätterlichs Genügen damit hätten; dafern aber dem getreuen Gott ein anders über sie zu verhängen beliebte / stünde sie in gehorsamster kindlicher Hoffnung / seine Maj. werden auff solchen Fall ihren Willen dem Göttlichen gleichförmig machen; als welcher ohne das durch unsere Kräfften und nichtigs Widerstehen nicht zu ändern wäre; der König hatte sich nicht lang aufzuhalten im Sinn / sondern wolte die Sach die er vorhatte / bald erfahren und endigen; liesse derowegen seinen Sohn Printz Dieterichen von Metz ins Zimmer kommen / welcher Amelinden leiblicher Bruder war / massen er auch damalen sonst niemanden als ihn mit noch einem einzigen Diener bey sich hatte / ob dessen Ankunfft sich die Princessin im geringsten nichts verändert / sondern ihm wie Geschwistern zu thun pflegen / zwar freundlich und doch kaltsinnig bewillkommte; So bald aber der König seinem Sohn befahl / Printz Dietwalten von Burgund auch hinein zu ruffen / entferbten sich im Augenblick die verbliebene Wangen der Trostlosen Princessin mit ihrer vorigen anmuhtigen Röhte; der Puls fieng an hefftiger zu schlagen als zuvor / und ihr Geblüt im gantzen Leib wallet auff / also daß es schiene / und der König an ihrer Hand empfande / als wann ihr nur mit Nennung dieses Geliebten Nahmens widerumb ein gantzer neuer Lebens-Geist wäre zukommen; da aber Printz Dietwalt selber ins Zimmer tratt / wären beyde Verliebte schier gar vergangen; massen man die innerliche Veränderung und Freud ihrer Hertzen aus den Gestalten ihrer Angesichter lesen konnte; und als Dietwalt mit Bezeugung des habenden hertzlichen Mittleidens seine Höfliche Schuldigkeit gegen der Princessin ablegte / geschahe solches / ob er gleich die Hefftigkeit seiner Liebs-Begierden gegen dem König und Printz Dieterichen ernstlich zu verbergen vermeinte / dannoch mit solchen Hertzbrechenden Worten und Geberden / daß sie dem großmütigen Ludwig selbsten beynahe die Zähren seines erbärmlichen Mittleidens heraus getruckt hätten; derselbe sagte zu Amelinden / weil wir euch bey König Adelreichs und Printz Hermanfrieds Beylager gern sehen möchten / und zu solchem Ende euere Gesundheit (die wir euch auch in Acht zu nehmen befehlen) desto mehrers wünschen / als werden wir euren Herrn Bruder mit Printz Dietwalten hier lassen / euch auff die bestimmte Zeit nach Hof zu begleiten; wollen auch alsdann schon Leut abordnen / euch abzuholen; zu beyden Printzen aber sagte er / ihr werdet ohnschwer belieben ein paar Tage hier zu verbleiben / umb euerer Schwester und Mumen an diesem einsamen Ort auffzuwarten und zuzusprechen / ob sie vielleicht desto ehender ihre Gesundheit wider erlangt; damit eilte der König wider zu Pferd / und ritte nur selb ander wider nach Hof / ohne daß jemand gewust hätte / wo er seithero gewesen; Unsern beyden Verliebten aber hätte auch von keinem Engel ein angenehmere Bottschafft / als ihnen dieser des Königs Befehlch war / zugebracht werden können.

Worzu taugte aber diesem Edlen verliebten Paar solche Gnad und Freyheit / daß eins das ander sehen: und beyde miteinander reden konnten? Sintemal keins von ihren jungen Hertzen erkühnen dörffte / dem andern sein innerlichs Anliegen zu eröffnen! die angenehme keusche Augenweid dieser unschuldigen Kinder wars blöslich / damit sie sich alleinig ergetzten; Und gleich wie sich hierdurch kein Theil genug und sattsam befriedigen mochte / in dem sie sich allein mit blossem Anschauen benügten / und ihre hertzliche Liebe speiseten; Also entzündeten sie hingegen je länger je heftiger ihr innerliches Feur! Jedoch hatte Amelindis diesen Nutzen darvon / daß es sich von Stund zu Stunden mit ihr besserte / also daß sie noch denselbigen Abend sich aus dem Bett begeben und ankleiden lassen konnte; welches tausend Doctor ohne ihren Dietwalten mit aller ihrer Kunst nimmermehr hätten zuwegen bringen mögen; Printz Dieterich von Metz faste durch diese Beywohnung und tägliches Gespräch gegen Printz Dietwalten eine solche Lieb und Freundschafft / daß er keine Minut von ihm seyn konnte; und indem das verliebte junge Paar durch sehnliches Anschauen / Liebvolle Blick und hertzliche Seufftzen miteinander zu reden durch die Liebe getrungen wurde / ähmet er ihnen dieselbe stumme Sprach nach / aus keiner andern Ursachen oder Wissenschafft / als dieweil ers vor wolständig hielte / und seine gegen Dietwalten habende Liebe dergleichen zu thun von ihme stillschweigend erforderte.

Jhre meiste Geschäfften / deren sie sich auch am meisten beflissen / waren der Meß / der Vesper / Metten / Complet / und dergleichen abzuwarten / als worzu alle drey vornemblich erzogen und gewöhnet worden; bey welcher Andacht Printz Dieterich von Metz Gelegenheit bekam / Dietwalts Gebetbuch in die Hände zu bringen / und die darinn ligende Pergamentine Bildnissen der Heiligen zu beschauen / welche aber nichts anders waren / als gerechte und warhaffte Contrafethen der Königlichen Familia des gantzen Burgundischen Hauses / in Gestalt und Habit der Heiligen entworfen; zum Exempel / der alte König Guntbald præsentirte S. Petrum / Printz Dietwalt selbst / den Ritter S. Georgen; Gottgissel / den Engel S. Michael; und also waren alle andere Printzen und Princessinnen auch in anderer Heiligen Form durch den Sinn: und Kunstreichen Mahler abgebildet; Der jungen Princessin Wissegarden Printz Sigismunden von Burgund Tochter Contrafeth in Gestalt der Heiligen Jungfrauen Catharinæ gefiele diesem Printzen am allerbesten / als welche überaus schön: und allerdings Printz Dietwalts natürlich Ebenbild war; Als nun beyde Bruder und Schwester von Dietwalten ein Bild zur Gedächtnis begehrten / wie dann bey den Catholischen sonderlich zwischen lieben Freunden noch bräuchlich ist / und Dietwalt ihnen freystelte / daß ein jedes selbst eins nach seinem Belieben erwählen möchte / und die Princessin den Ritter S. Georgen / ihr Bruder aber Catharinam zu sich nahm / kan jeder selbst wol gedencken / wie hertzlich Dietwalten ihre Wahl erfreute; Sonderlich da er sahe daß Printz Dieterich das Seinig: und die Princessin das Jhrig so andächtig küste; vor welchen Kuß er nicht aller Welt Gut genommen hätte / unangesehen er desselbigen nicht selbst genosse; und dieses war auch das eintzige Leffelhaffte Stück / das sich zwischen diesen Verliebten ereignete.

Obengedachter Printz Sigmund / ein damaliger frischer junger Wittber / hatte sich indessen gegen der Princessin Teutelindis nicht allein auch heimlich verliebt / sondern / (doch mit Verwilligung ihres Herrn Vattern Dieterichs von Bern) ohne sonst Männiglichs Wissen / gar ehelich versprochen; und dieses war so still und unvermerckt zugangen / daß weder der grosse Ludwig / der doch seine Ohren in alle Winckel spitzte / noch Sigismundi Verwandten selbst das geringste davon innen werden mögen; Er war des Vorsatzes / und hatte sich auch gäntzlich entschlossen / diese Ehe so lang verborgen zu halten / bis König Adelreich mit seiner liebsten Schwester der Princessin Teutetusa: und Hermanfried mit Amelfriedis ihrer Mummen auch ehelich zusammen gegeben würden; alsdann wolte er (wie dann folgents geschahe) mit seiner Braut unversehens hervor wischen / und sich auch gleich Ehelich copuliren lassen.

Da nun der bestimmte Tag dieses Königlichen Beylagers herbey geruckt / worzu der grosse Ludwig seine Tochter Amelinden und beyde Printzen Dieterichen von Metz und Dietwalten auch aus dem Closter abholen lassen / erschiene alles über die massen prächtig! So: daß dergleichen bey Menschen Gedencken niemahlen gesehen worden; Jederman und sonderlich das Frauenzimmer verwundert sich / das Teutelindis auch in der Zierd einer Hochzeiterin auffzohe; Als sie aber mit Printz Sigismunden so wol als die andere verlobte Paar vor den Bischoff tratte / den Priesterlichen Segen zu künfftiger Ehe zu empfahen / sagte König Ludwig so laut daß es alle Anwesende höreten / wohl! weil aus gegenwärtiger Begebenheit erscheinet / ob seye in dieser Stund glückselig zu heuraten / so wird mich niemand verdencken / wann ich auch meine Kinder versorge; Befahl darauff zweyen seiner vornemsten Fürsten / Amelinden auch für den Bischoff zu führen; Hatte sich nun der Umbstand zuvor über Sigismunden und Teutelindis verwundert / so verwundert sich anjetzo ein jedes noch mehrers über diesen Auffzug! Jnsonderheit weil noch kein Mensch wissen konnte / was König Ludwig hiemit meinte; Ehe aber beyde Fürsten mit der Schamroten Princessin Amelinde an ihren gehörigen Ort kamen / sagte der König zu seinem Sohn Printz Dieterichen von Metz; Gehet / nemmt eueren Oehm den tapffern Printz Dietwalten von Burgund und führet ihn zu gegenwärtigem Bischoff / damit er ihm euere Schwester zum Ehegemahl gebe; Dieterich und Dietwalt gehorsammten beyde mit unglaublicher Freud; Jener weil er seinen liebsten Freund zum Schwager bekommen: dieser aber / daß er so gar wider alle seine Hoffnung und Zuversicht die Edle und Allerschönste Princessin auff der gantzen Welt / haben solte; Er konnte seinen eignen Augen das jenige was sie sahen: und seinen Ohren was sie aus Ludwigs Mund gehöret / beynahe selbst nicht glauben; Sondern gedachte / ob ihn vielleicht die eitele Träum widerumb vexirten / deren Uberlast er nun ein Zeithero zu gedulten gewohnet war; Demnach ihn nun der Bischoff fragte / ob er gegenwärtige Amelindam zum Ehelichen Gemahl haben wolte? Antwortet er / wann es Gottes und allerseits Eltern gnädigster Will wäre / so könnte ihm nichts angenehmers auff dem gantzen Erd-Kräiß widerfahren; und als er Amelindam auch fragte / ob sie gegenwärtigen Printz Dietwalten von Burgund zu ihrem Gemahl nemmen wolte / und ob keine vorbeschehene Verlöbnis geistlich zu werden / solche Verehelichung verhindere? Antwortet die holdselige Princessin / sie wüste sich noch keiner solcher Verlobung zu erinnern / im übrigen aber seye ihr Will / Vermög des schuldigen kindlichen Gehorsamms ihrem Herrn Vattern und König unterworffen / dessen Allergnädigstem Befehlen sie auch in alleweg unterthänigste Folg leisten: und wann es Gottes und seiner Königl. Maj. wolgefälliger Will seye; diesen Edlen Printzen gern zu ihrem Eheherrn annehmen wolte; der Bischoff schickte darauff seinen Diaconum beydes zu König Ludwigen und Printz Gottmeyern / anzubringen und zu fragen / dieweil sonst nichts als ihr Consens mangle / diese Ehe zu bestättigen; ob mit der Copulation fortzufahren sey? Da nun der König so wol als Gottmeyer mit einem frölichen Ja antworteten; beyde Gegenschwer einander auch Glück wünschten / worden unsere beyde Verliebte Ehelich zusammen gegeben / mit einem solchen Frolocken und Jubelgeschrey des Volcks / auch Erschallung der Trompeten / daß niemand sein eigen Wort mehr hören konnte: und wie vermeint man wol / daß es erst mit Salve-geben gedonnert: und mit Feuerwercken geblitzt haben würde / wann diese alte Teutsche auch damals so wol als wir jetzunder / Stück und Pulver gehabt hätten.

Ludwig sahe nicht beym liebsten / daß Sigismundus sich an das Ost-Gothische Königl. Haus verheuratet: und also mit den Ost und West Gothiern zugleich sich befreundet hätte / als welche nahe Verwandschafft ihm ins künfftig geringen Nutzen bringen möchte; doch muste ers / als eine Sach die gar nicht mehr zu ändern war / also geschehen lassen; und damit er allem was er besorgte / bey Zeiten vorkäme und die Sach verbesserte / wurde zwischen ihm und Sigismundo beschlossen / so bald die Princessin Wissegard besser zeitigte / daß sie alsdann Printz Dieterich von Metz ehelichen solte; Wie es aber im übrigen bey diesen Königl. Beylagern hergangen und was es vor Lust und Freuden darauff gesetzt / halt ich vor unnöhtig zu erzehlen; aber diß muß man wissen / daß Printz Dietwalt der Allobroger Provintz / solche als ein Graff zu regieren / und als sein Eigenthumb zu nutzen / vorgesetzt wurde; dergestalten / daß er solches lant von den dreyen Kronen Franckreich / Burgund und der Ost-Gothier zugleich zu Lehen tragen: und zu Erkänntnis solcher Lehenschafft einer jeden Kron / wann sie es begehrte / mit einer Anzahl Volcks in ihre Krieg zu Hilff ziehen solte; allermassen er gleich nach diesen Beylagern mit dieser Vorbedingung die Possession nahm / und sich beydes gegen den Landständen und dem Volck also zu verhalten wuste / daß sie ihn nicht höher hätten ehren und lieben können / wann er gleich ihr angeborner Printz gewesen wäre.

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