Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Dietwalt und Amelinde - Kapitel 14
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGrimmelshausen Werke II (Bibliothek der frühen Neuzeit Band 17)
authorHans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
year1997
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-66470-2
titleDietwalt und Amelinde
pages145
created20000831
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
Schließen

Navigation:

Glückwünschender Zuruff
An den unvergleichlichen Herrn /
Herrn Joh. Christoff
von Grimmelshausen / über Dietwalts und Amelinden
vortreffliche Liebs- und Leids-Beschreibung.

            SO recht / Herr von Grimmelshausen! so kan man unsterblich seyn /
So kan man ein Lob erjagen / und mit Ehren gehn herein.
    So wird ihn (ich heuchle nicht!) Fama zu den Sternen tragen /
    Und sein herrlich Lob-Gerücht diesem gantzen Runde sagen.
Es hat warlich was er schreibst alles / alles Händ und Füß /
Mein Hertz mir vor Freuden lachet wann ich seine Sachen ließ.
    Diß geschicht mir nicht allein: Neulich hört ich discurriren
    Eine tapffre Compagnie, und dergleichen Reden führen:
Der den Simplicem gemachet ist fürwar ein kluger Kopff
Obs im Obenhin-Betrachten gleich nicht merckt manch tummer Tropff.
    Er beschreibt so Naturäl diese Welt sammt ihren Sachen /
    Pflegt die Warheit jederman anzudeuten fein mit Lachen.
Warumb thut er das? Ey darumb; weil die edle Warheit nicht
Gerne mehr wird blos beschauet / so vermummt sie ihr Gesicht /
    Bleibt die Warheit gleichwol noch / und zeigt / wie die jungen Laffen /
    Die so zeitlich fliegen ab in der Welt sich umzugaffen /
Leicht verführst werden können. Dieses und noch anders mehr
Hörte ich an mit Vergnügen / weils gereichte ihm zur Ehr.
    Ja mein Wehrter! ihm ist so: Simplicissimus kan zeigen
    Wann man füglich reden soll / und wann man soll wiederschweigen;
Wie man sich bey grossen Herren müsse nemen wol in acht /
Wann man nicht / wie andre Narren / wolle werden ausgelacht.
    Simplicissimus zeigt an / was es vor ein elend Wesen
    Sey umb einen Bauren Kopff / der nicht schreiben kan noch lesen.
Simplicissimus kan weisen wie veracht die Einfalt sey
Und wie bald man doch begreiffe alle schlimme Büberey.
    Simplicissimus auch warnt vor dem geilen Bulerlieben /
    Weil darauff nichts anders folgt / als ein stetig Angst-Betrüben.
Ja was mach ich lang viel Wörter? Simplicissimus stellt für
Wie es so wol grossen Herren als Gemeinen gehet hier.
    Es mag wer liest von dem Knan immerhin das Maul auffreissen
    Und ein lachend Angesicht seinen Cameraden weisen.
Es mag / wer betracht die Meuder / Minen machen voller Lust /
Er betracht auch nur darneben / daß er meid den Laster-Wust.
    Aber wo geraht ich hin? Edler Herr von Grimmelshausen!
    Mich deucht ich hör seine Wort stets in meinen Ohren sausen:
Was ich an das Tag-Liecht bringe Geschicht zu des Nechsten Nutz /
Zu der bösen Welt Auffdeckung und dem tollen Neid zu Trutz /
    Der mag rasen immerhin / und mich als ein Hund anbellen /
    Auch vor Zorn und grimmer Wuht als Gifft-sauffend auffgeschwellen /
Werd ich doch nicht unterlassen anzusetzen meinen Kiel /
Nur zu Lieb der edlen Warheit / ob ich gleich gewinn nicht viel.
    Diese Resolution, sollte sie mir nicht gefallen?
    Ja / Herr Grimmelshausen! ja / ich lob ihn vor andern allen /
Die auff diese Schreibens-weise / auch vor ihme / sich gelegt /
Derer jeder Ruhm und Ehre auch darvon rechtmässig trägt.
    Er bleib steiff und fest bey dem / das er ihm hat vorgenommen /
    Und laß ein und ander Werck ferner an das Tag-Liecht kommen.
Seine Lieb und Leids-Beschreibung ist doch trefflich aufgesetzt /
Dardurch manche kluge Sinnen werden werden reich ergötzt.
    O wie wird sein edler Nahm auch durch diß Buch sich erschwingen /
    Und bey dem gelehrten Volck aus der massen wol erklingen?
Mit höchstgierigem Verlangen wart ich was Courage sagt /
Ob sie noch führt schlimmes Leben und nach Frömmigkeit nichts fragt.
    Wie sich Springinsfeld anläst / ob er seye frömmer worden /
    Oder sich noch wie zuvor aufhalt in dem schlimmen Orden.
Seinen trefflichen Calender möcht ich sehen gerne bald /
Er entzieh ihn uns nicht länger / sondern treib an mit Gewalt
    Daß er ehist werd gedruckt. Jch wünsch ihm / Mein Herr! indessen
    Alles reiche Wolergehn / er bleib meiner unvergessen /
Der ich ihm / wie meiner Seele / bin mit Liebe zugethan
So lang ich auff dieser Erden einen Athem holen kan.
    Wol! Herr Grimmelshausen sey lange Jahre reich beglücket /
    Und werd hier von jederman hold und liebwehrt angeblicket.

Dieses wenige setzte dem unvergleichlichen Herrn Joh. Christoffel von Grimmelshausen zu höchstschuldigen Ehren

Urban von Wurmsknick /
auff Sturmdorff.        

 

ENDE

 << Kapitel 13 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.