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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Dietwalt und Amelinde - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGrimmelshausen Werke II (Bibliothek der frühen Neuzeit Band 17)
authorHans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
year1997
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-66470-2
titleDietwalt und Amelinde
pages145
created20000831
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
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Der Printz war beydes vor Hunger und Müdigkeit so matt und hinfällig / daß er beynahe weder auffrecht stehen noch gehen konnte / sondern genöhtigt wurde zu einem Brünnlein zu sitzen und sich mit einem Trunck Wasser zu laben; der Arme setzte sich zu ihm / zog seinen Bettelsack hervor und theilet das Brod mit so er hatte / von welchem Dietwalt solche Kräfften empfieng / daß er sich einbildete / wann er gewaffnet wäre / er konnte zwölff Männer bestehen; Nach solcher kurtzen und doch kräfftigen Mahlzeit gelangten sie miteinander aus dem Wald / da sie die gewaltige Stadt Massilia vor sich ligen sahen; darauff der Bettler nach dem er Dietwalten mit Brod und Raht gespeiset und ihme den offt besagten Ring zugestelt hatte / seinen Abschied nahm / wie sehr ihn der Printz auch nöhtigt länger bey ihm zu bleiben; Also begab sich Dietwalt in die Stadt und verkauffte seinen Ring in hohem Wehrt / weil eben König Clotharius oder Lüthar einen Jubilirer hingesendet / ihme allerhand Kleinodien allda einzukauffen / er mundirte sich aus dem erlösten Gelt und behielte noch etwas zur Zehrung übrig / und demnach er seine Princessin auff fleissigs Nachfragen nit erkundigen konnte / begab er sich an des Königs Amelreichen Hof / welcher damals die West-Gothier regierte; da wir ihn dann dem König auffwarten lassen: und uns wider zu der Princessin Amelindis wenden wollen.

Von dieser haben wir oben gehöret / daß sie etlich wenig Täge von ihren Liebhabern respectirt und geehrt worden / aber die heisse Begierden ihrer entflammten Hertzen liessen sie drumb nicht die Länge in den Schrancken solcher Erbarkeit verharren / dann weil sie diese Princessin auff dem Schiff in ihrem Gewalt hatten / wolten sie einmal ihrer auch geniessen / und solte sie gleich ein Käiser- oder Königin: ja gar eine Päpstin gewesen seyn / damit es aber auch nach ihrem Beduncken ein wenig ordenlich und nicht so viehisch hergehen möchte / wie S. H. bey einem Wolffs Rheyen / warffen sie das Los unter sich / wer die erste / ander / dritte Nacht / und so fortan ihrer geniessen: und ihr auch den Tag zuvor auffwarten solte / sie durch vorgehende Freundlichkeit desto ehender zahm und willig zu machen / doch mit dem Geding / daß sich jeder aller Gewaltthätigkeit noch enthielte / bis man sehe / ob eine Halsstarrigkeit solchen Gewalt erfordere / der dann auch durch etliche müste angelegt werden / die das Glück durchs Los hierzu erwählte; Nun die Folge dieses unzüchtigen Beginnens nahm ihren Anfang durch einen der beydes Vernunfft und Gestalt des Leibs halber nicht zu verachten war / dieser wuste auch seine Sach mit so beweglichen Gründen vorzubringen und mit allerhand Liebreitzungen sich einzustellen / daß er leicht ein Weibsbild / wann sie ein andere als Amelindis gewesen wäre / bethört hätte; Aber die edle Princessin bestunde wie das gerechte Gold im Feur / und wuste ihm erstlich mit Bitten und Flehen: endlich mit einer scharffen Gewissens-Predigt / kläglichem Weinen und untermischtem Trauen also zubegegnen / daß er sich überwunden gab / ehe er seine bestimmte Macht erreichte; und dergestalt wurden etliche nacheinander abgefertigt / die lang nicht im Sinn gehabt leer abzuziehen; und gleich wie sie einander als überwundene Fechter selbst auslachten / also musten sie hingegen die seltene Tugend und Standhafftigkeit dieser Princessin loben / und sich bey so schöner Jugend über die Stethaltung ihrer ehelichen Treu verwundern.

Amelindis sahe wol wo es endlich hinaus lauffen wolte / dann etliche ihrer Galanen hatten sich entblödet / ihr ins Gesicht zu sagen / daß sie zuletzt wol mit Gewalt geschehen lassen müste / was sie jetzt niemand mit Liebe gönnen wolte; derowegen ersuchte sie ihren damaligen Auffwarter / daß er den alten Gereonem sammt allen denen so sich bisher bey ihr eingefunden / auff etliche Wort mit ihnen zu reden / zu ihr kommen lassen wolte; dieses nun waren die Vornembste des Schiffs / als sie erschienen / sagte sie: Welcher Gestalt mich mein Glück oder Unglück zu euch hieher auffs Schiff gebracht hat / davon ist unnöhtig zu reden / massen solches so wol mir als einem jeden von euch genugsam bekannt / aus was Ursachen ich aber auffgehalten: und meinem Ehegemahl umb Gelt abgetrungen worden / habe ich jetzt etliche Täge nacheinander aus eurer Besuchung abgemerckt / als welche den Bezirck einer ehrlichen Conversation weit überschritten und beynahe einem Præludium künfftiger Gewaltthätigkeit ähnlich gewesen; Nun dem sey wie ihm woll / was geschehen ist / kan leichtlich den blinden Begierden der verliebten Jugend und eurer Unwissenheit zugelegt und verziehen werden; aber des gewaltigsten Königs Tochter / die drey mächtige König zu Brüdern: zween zu Schwigern und einen zum Gemahl hat / fürderhin also zu tractirn / werdet weder ihr noch die Eurige nimmermehr verantworten können; die blinde Unbesonnenheit der verliebten Jugend wird euch nicht mehr entschuldigen / dann ihr wist jetzt daß ich vor euch nicht erzogen: sondern zu hoch: und einem Königlichen Printzen zur Ehe gegeben worden bin; daß ihr mich erkaufft / mag euch gleichfalls zu keiner Ausrede dienen / dann ich verspreche hiemit vor Gott und der Welt / daß euch euer ausgelegt Gelt entweder in Massilia oder wo ihr es sonst zu haben begehrt / gegen meiner unversehrten Aushändigung mit zehenfachem Wucher und Gwinn soll wider gegeben werden / sammt allem dem so ich bis dahin bey euch zu unterhalten kosten werde; Es wird mein Printz / den ihr wider ans Land gesetzt / eurer Meinung nach / nicht mehr das Viehe hüten / sondern keine Ruhe haben / bis er solche Liefferung meiner Person von euch erhalten: oder widrigen Falls mit Hülff seiner Schwäger von euch und euerem Vatterland ein erschreckliche Rach genommen haben werde; Jhr werdet verhoffentlich auch bald Zeitung von ihm bekommen / in dem er eueres Schiffs Flacken und Wappen / ja was mehr ist / euere Personen zum Theil selbst / zu beschreiben wissen wird / und wird eine vergebliche Einbildung seyn / wann ihr als Leut die auff dem freyen Meer schweben / seinen Händen zu entrinnen vermeinen möchtet / weder die Schifflenden der Wandalen in Africa: der Ost- und West-Gothen in Jtalia / Gallia und Hispania: noch alle die jenige die der Constantinopolitanische Käiser in Africa / Asia und Europa inhält / werden euch anderer Gestalt als zu euerem Verderben einnehmen / nach dem sie benachrichtigt seyn werden / was massen ihr euch an mir vergreiffen! sintemal ihr wol wist / was Könige vor lange und starcke Arm haben / auch wol gedencken könnt / daß sie Privat-Personen nimmermehr schencken werden / wann sie ihres gleichen mit Unzucht schänden würden / dieses habe ich euch sämmtlich vorhalten wollen / damit ihr wist wen ihr gekaufft / und wie ihr euch gegen mir zu verhalten habt; Bleibt ihr nun in den Schrancken der Gebühr / so wird euch auch der Tugend Lohn bleiben / wo aber nicht / so tauren mich euere unschuldige Weiber / Kinder und Verwandten / die am Jüngsten Tag Rach über euch schreyen werden / daß euer Vatterland umb eurer Thorheit und eines kurtzen Wollusts wegen zerstört: sie selbst aber hinwiderumb elend geschändt: und das gantze Volck der Phocenser-Griechen mit Schwerd und Feuer vom Erdboden ausgereutet worden: Von mir zwar wird keiner mit meinem Willen etwas erhalten / dardurch ihr euch versündigen könntet; also daß ich an eurem Untergang schuldig würde; So bitte ich auch den lieben Gott / daß er mich und euch vor dem angetroheten Gewalt behüten wolle / der so viel mich anbelangt / nur eine Person betrüben: in euch und den Eurigen aber viel tausend zu Grund richten würde.

Es wären ihrer etliche aus den Umstehenden / der Princessin unterschiedlich mal gern in die Rede gefallen / wann sie sich nicht vor ihrer Majestätischen: und doch lieblichen Art zu reden und denen mit untermischten betrohenlichen Minen entsetzt hätten; da sie aber ihren gantzen Vortrag ausgehöret / stiessen sie erst die Köpffe zusammen; etliche zwar vermeinten ihr Vorgeben wäre nur ein Spiegelfechtens und Betrug einer wolberedten Landläufferin / umb sich dardurch zu erretten und ihr gute Tage zu schaffen / bis das Schiff etwan in einen sichern Port einlieffe; Andere aber die alle Umbständ genauer: sonderlich aber das jenig betrachteten / was der Printz ihnen bey dem Fergen entbotten / geriehten hierüber in Angst und Schrecken; Sie durchgiengen mit ihrem Nachdencken alle benachbarte nahmhaffte Königliche Häuser / und als sie niemand finden konnten / der aus denselbigen Familien manglete / wären sie beynahe der ersten Meinung beygefallen! Der alte Gereon sagte zu der Amelinden / daß wir euch als eine arme Hirtin gekaufft haben / werdet ihr künfftig und jetzt nicht läugnen können / ja ihr werdet gestehen / wann ihr eine Königliche Person seyd / daß wir solches bis hieher noch nicht gewust; Weil aber solches Vorgeben leichter gesagt als geglaubt werden kan / so verlangt uns zu vernehmen / aus welchem Königlichen Hause dann sie und ihr Gemahl entsprossen und warumb sie so elend auffgezogen seyn? Amelindis antwortet / das was ich gesagt / hättet ihr bey meinen Fürstl. Worten glauben sollen / als welches euch genug gewesen wäre zu wissen umb euerem künfftigem Unheil vorzukommen; Gestalten euch auch hoher Leute Thun und Lassen und andere ihre absonderliche Händel und Geschäfften particulariter nicht ferners zu wissen gebühren; doch damit ihr nicht zweiffeln: noch euch weiters an mir zu vergreiffen Ursach haben möcht / so erinnert euch was vor ein Fürst und Fürstin sich vor ungefehr zehen Jahr aus eurer Nachbarschafft verlohren haben / so werdet ihr finden daß ich des grossen Ludwigs in Franckreich Tochter Amelindis: Mein Gemahl aber der einige Burgundische Erb-Printz Dietwalt: regierender Fürst der Allobroger Landschafft seye; Nachdem Amelindis hiemit ihre Rede beschloß / konnten und wolten etliche noch nicht fassen oder glauben / daß hohe Personen die mit beyden Backen Marzaban genug zu fressen und Malvasier genug zu sauffen hätten / sich so lange Jahr mit trucknem Käs / Brod und stinckendem Knobloch behelffen würden / die Princessin aber sagte / das hätte seine Ursach / die ihnen zu wissen nicht gebühre / es wäre ja Landkundig genug / daß einmal beydes der Fürst und die Fürstin der Saphojer sich verlohren / und daß bis auff den heutigen Tag noch niemand wuste wo sie hinkommen / ja es würde es auch noch niemand erfahren haben / wann sie eben ihr Fatum nicht auff diß Schiff gebracht hätte.

Hierauff erinnerte sich der alte Gereon alles dessen was sich des verlohrnen Printzen und seiner Princessin halber zugetragen; und daß so wol von dem grossen König Ludwig in Franckreich / als den Burgundischen Königen ein namhaffte Summa Gelts den jenigen versprochen worden / die sie wider zur Hand brächten; sintemal der Ruff gangen / daß sie hinweg gezaubert: etliche aber geglaubt / daß sie ihrer Frommkeit wegen durch Göttliche Vorsehung anderwerdlich hin verzuckt worden wären / und dieweil solcher Nachforschung halber der verlohrnen Conterfeth hin und wider geschickt worden / Gereon auch eins darvon auff dem Schiff wuste / liesse er solches herfür suchen / und als dasselbe der Princessin allerdings gleichte / ohne daß sie etwas bräunlichter worden war / wurde dardurch ihrer Person halber aller Zweiffel auffgehoben / und sie von allem Schiffvolck gleichsam als eine Göttin geehrt / auch von denen die sie beleidigt / umb Verzeihung gebetten. Sie liessen sie ihrem Stand gemäß Fürstlich kleiden / und erzeigten sich im übrigen gegen ihr / als wann sie ihr angeborne Princessin: und als ob ihr das Schiff mit Leut und Gut zuständig gewesen wäre.

Uber etlich wenig Tag hernach begegnete diesen Massiliensern eine Kaiserl. Flott / welche eine Bottschafft von Constantinopel an die Könige in Franckreich trug; Als sie nun die Käiserl. schwartze Adler / ihres Allergnädigsten Schutzherrn Wappen sahen / liessen sie ihre Segel ihrer Schuldigkeit gemäß streichen / und musten auch der damaligen Gerechtigkeit nach / dessen Gesandten / die den Herrn des Meers nemblich ihren allergnädigsten Käiser præsentirten / ihr Schiff beschauen lassen; als diese nun im Annehmung solcher Ehr die unvergleichliche Princessin fanden / und von den Schiffenden vernahmen / daß sie ihnen käufflich zugestanden wäre / gaben sie widerumb 1 000. Kronen vor sie / und nahmen solche zu sich auff Schiff / der Meinung / sie dem König Clothario / der damals ein junger unverheurahter Printz war / zu verehren / ohne daß sie einmal gefragt hätten / was Lands / Stands und Herkommens sie gewesen wäre; die Massilier aber waren froh / daß sie auff diese Weis der Princessin widerumb los worden / weil sie verhofften / daß / wormit sie sich beydes gegen ihr und ihrem Printzen vergriffen haben möchten / würde hierdurch widerumb allerdings vergessen und aufgehoben werden.

Bey diesen ihren neuen Herrn wurde die Princessin ehrlicher als bey den vorigen gehalten / dann weil die Principalen erlebte / verständige Männer waren / sie auch Amelinden vor eine Jungfrau erkaufft hatten / wolten sie auch solche ihre Jungfrauschafft vor den König in Franckreich unversehrt erhalten; Sie pflegten ihrer als einer künfftigen Königin / weil sie gedachten ihre Schönheit würde sie auch wol zu einer machen / die dann bey so guter Wartung täglich zunahme und sich je länger je vortrefflicher hervor thät; Die Verrichtung / so diese Käiserliche Gesandschafft bey den Clodoveern abzulegen hatte / war vornemblich diß / daß sie die Francken persuadirn solten / ihres Orts dahin zu cooperirn / damit die Ost-Gothen wider aus Jtalia vertrieben werden möchten / und nachdem sie solche Bottschafft ausgericht und ihre Verehrungen überlieffert / wurden sie mit einer angenehmen Antwort wider zuruckgefertigt; Amelindis aber dem König zugeführt / von welchem sie mit Bitten und Thränen erhielte / daß er ihrer ein Jahr zu verschonen versprach / dessen zu warer Bekräfftigung verehrt er ihr eben den jenigen Ring / den seine Leute kurtz zuvor Printz Dietwalten in Marsilien abgekauft hatten / von welchem die Princessin / weil sie ihn kennete / eine solche Freud empfieng / als wann ihr allbereit ihr Printz selbst in die Arm: und dem Printzen sein Land und Leut widerumb in sein Gehorsam übergeben worden wäre; dann sie von dem Bettler / als Dietwalt ihm solchen zum Allmosen geben / Vertröstung empfangen / daß sich alsdann ihr Elend endigen würde / wann sie diesen Ring wider bekommen würden.

Jn letzter KriegsErwehnung / der sich zwischen König Dieterichen von Metz und Hermanfrieden der Thüringer König enthalten / ist Anregung gethan worden / daß der Thüringer dem Metzer allerdings überlegen gewesen / derohalben erbate König Dieterich seinen Bruder Lotharium in seine Hilff als zu einem gewissen Sieg / massen sie Hermanfrieden mit Heers-Krafft überzohen / besiegten / und beynahe alle seine Kriegs-Macht erschlugen; Also daß er sich kümmerlich mit wenigen Rittern an einen wehrhafften Ort salvirte / woraus er mit keinem Gewalt so leichtlich hätte gebracht werden mögen; derentwegen wendet sich Dieterich zu List und Betrug / und liesse Hermanfrieden auff gegebene Sicherheit zu sich nacher Tolbiach kommen / unter dem Schein sich künfftigen Friedens halber miteinander zu unterreden / da sie nun einsmals miteinander auff dem Umbgang einer hohen Mauer spatzierten und sich wegen der Sach besprachten / sihe da stiesse Dieterich Hermanfrieden unversehens darüber ab zu todt / liesse sich auch hiermit noch nicht genügen / sondern auch dessen Kinder erwürgen / und brachte also damit das gantze Königreich Thüringen in seinen Gewalt; Seine Wittib Amelbergen aber / welche Dieterichs von Bern Schwester Tochter gewesen / schickte er widerumb in Jtalia zu ihren Befreunden. Und mit solchen geringen Ehren hat König Dieterich von Metz das Königreich Thüringen behaubtet / und zu der Kron Franckreich gebracht / welches auch hiebevor ein uralter Sitz der Orientalischen Francken gewesen war; etliche schreiben König Dieterich habe sich vorgenommen gehabt / seinen Bruder Lutharn / der ihm doch getreulich zu Hülff kommen / ebenmässig mit List hinzurichten / als aber Lotharius deswegen gewarnet worden / und sich mit Dienern versehen / also daß Dieterich sein Mörderisch Vorhaben nicht ins Werck richten könnten / da habe er die Sach listiglich in ein Schertz gezogen / und Lutharn mit grossen Gaben widerumb versöhnet / nichts destoweniger brachte Dieterich von Metz in diesem Krieg wie gehört / das Königreich Thüringen: sein Bruder Lutharo aber Radegundam des erstochenen König Berthars Tochter darvon / welche Princessin der Amelinden an Schönheit das geringste nichts nachgab; massen Luthar diese schöne Fürstin zum Ehe-Gemahl genommen / und aus ihr den Königlichen Stamm fortgepflantzt.

Zu solchem Königlichen Beylager wurde auch Amalaricus der West-Gothier König / bey welchem sich Printz Dietwalt unerkannt auffhielte / eingeladen / sintemal er und seine West-Gothen damals mit den Francken in gutem Frieden stunden; dieser rüstete sich ansehenlich auffzuziehen / weil er im Sinn hatte / der Princessin Clothilden des grossen Ludwigs hinterlassene eheliche Fräulein Tochter Gunst: und also auch sie selbst zu erwerben; Dietwalt aber freute sich / daß er erlebt hatte / dermaleneins widerumb Spere zu brechen und sein Schwerd tapffer blincken zu lassen; damit ichs aber kurtz begreife / so wurde diß Hochzeitlich Freudenfest begangen / wie bey dergleichen grosser Herren Beylagern zu geschehen pflegt / König Amelreich hätte zwar in dem Turnier auch gern sein Bestes gethan / und als ein junger angehender Ritter sich sehen lassen / weil aber seines gleichen in der Schrancken nicht gemerckt ward / wolten die Seinige auch nicht zugeben / daß er geringere Personen als er wäre / bestehen solte; Dietwalt aber hielte sich unter dem Namen des frembden Ritters so wol / daß er im Speer-Brechen vor allen andern den Preis erwarb / und mit dem Schwerd keinen seines gleichen fande; wie ihn dann auch die edle Amelindis an seiner tapffern und unvergleichlichen Geschwindigkeit erkannte.

Da ihme nun sein Wolverhalten das Glück verliehe / daß er die Ehr hatte / der Erste zu seyn / der auff der Schaubühne den Danck aus der Königin Händen empfangen solte / er auch zu solchem Ende mit offenem Helm / sonst aber in vollem Harnisch vor die Königliche Personen getretten war; sih da stunde Amelindis neben der Königin und empfieng ihn nicht allein mit offenen Armen / sondern auch mit einem hertzlichen Kuß vor aller männiglichen; worüber sich die Königin vor Scham entsetzte / sonst jederman sich verwunderte / aber der König sich umb etwas erzörnete / weil er selbst dergleichen von ihro noch bishero nicht erhalten können / was vor eine neue Mode ist das / sagte er / den Danck auszutheilen? Großmächtiger König / antwortet Amelindis / hier haben Eur Maj. ihre Schwester Amelinden und ihren Gemahl Printz Dietwalten / die beyde in der Hoffnung stehen / es werde ihnen zu gut gehalten / daß sie in so unversehener Zusammenkunfft ihr beständige eheliche Lieb und Treu bezeugen. Es ist nicht auszusprechen / wie anmuhtig diese Begebenheit zu sehen gewest / alle drey König / nemblich Dieterich von Metz / Clotharius und Hilffreich stunden zugleich auff / ihren Schwager zu bewillkommen / dessen vor Augen gesehene Tapfferkeit sie ja so hoch als seine Person liebten / und war diese Bewillkommung vor grosser Freud und übriger Verwunderung so unordenlich / daß ich sie auch nicht ordenlich beschreiben kan; So hat der Königin Radegund diese Zusammenkunfft und seltzame Geschicht ohnzweiffel auch nicht übel gefallen können / weilen sie der jenigen dardurch entladen worden / vor deren sie sich geförcht / sie hätte auch Theil an ihrem Ehe-Gemahl ins künfftig haben wollen.

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