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Friedrich Maximilian Klinger: Die Zwillinge - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDie Zwillinge
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000438-1
titleDie Zwillinge
pages1-3
created19990522
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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Vierter Aufzug.

Erster Auftritt.

(Der Saal.)

Amalia. Kamilla. (mit Kleidern beschäftigt.)

Kamilla. Nein, dieses werd' ich nicht anziehn, Mutter.

Amalia. Warum?

Kamilla. Die Farbe ist mir zu hell. Und ich weiß nicht, mich deucht – nach meinem Gefühl würd' ich lieber schwarz gehen.

Amalia. Wenn Sie nur viel sprächen, und nicht so oft im Reden einhielten. Ich muß näher zu Ihnen rücken. Mir ist so bang, so gar ängstlich, wo ich mich hinwende. Kamilla! ich möchte nichts, als weinen. Ich weiß nicht, warum? Lassen Sie mich nah bey sich sitzen – solche Angst hab ich nie gefühlt.

Kamilla. Mutter, wenn ich stärker wäre, wollt' ich Sie trösten; aber mir fährts mit tausend Stichen durchs Herz, und jetzt – Ferdinando!

Amalia. Wie erschrecken Sie mich! Was ist Ihnen?

Kamilla. Nichts, nichts! Es ergriff mich am Herzen, und drückte mich, und 's ward mir etwas dunkel vor den Augen. – Mutter – verzeihen Sie, ich konnte nicht wider mich halten. Wir wollen nun den Brautputz aussuchen. Wenn wir nur nicht so viele Gäste hätten – Hat der Vater so viele bitten lassen?

Amalia. Er war nicht abzubringen. Bey solchen Gelegenheiten macht ers nicht anders. Es muß prächtig bey ihm hergehn an solchen Tagen. Wir wollen ihm seine Freude lassen.

Kamilla. Von Herzen gern, Mutter. Ich will mir Gewalt anthun, lustig zu seyn; aber wirklich bin ich weit davon.

Amalia. Horch! – Ha! kömmt jemand?

Kamilla. Erschrecken Sie mich nicht –

Amalia. Mich deucht, es käme jemand geschlichen nahe zu mir.

Kamilla. Ich hör so oft meinen Namen mit banger Stimme rufen.

Amalia. Das geschieht einem oft. Sie machen mich gar traurig.

Kamilla. Das will ich nicht. (sieht hinaus) Es ist ein lieblicher Morgen nach dieser stürmischen Nacht. Möcht Er sich so ändern!

Amalia. Guelfo! nicht wahr? Seyn Sie getrost, Kamilla! er wird sich ändern. Wir zwey wollen ihn schon besänftigen. Wir wollen immer zusammen seyn; wollen ihn aufsuchen, er mag flüchten, wohin er will. O wir wollen den lieben Guelfo mit Liebe verfolgen! Ferdinando thuts auch.

Kamilla. Ich will alles thun, ich bin ihm sehr gut. Unser Leben wird dann erst Leben seyn.

Amalia. Gott segne Dich, meine Tochter! – Was fahren Sie schon wieder auf?

Kamilla. O wenn ein Vögelchen von einem Ast auf den andern fliegt, und nur ein Blättchen rauscht, rauscht mirs durchs Herz. Ferdinando! kehre schnell zurück!

Amalia. Um Gottes willen!

Kamilla. Warum weinte er, als er ging? Warum fiel er mir so geängstet um den Hals, und sagte ein so gepreßtes Lebewohl? Noch fühl' ich, wie seine heissen Thränen meine Wangen herabrollten. Nahm er nicht auch so von Ihnen Abschied?

Amalia. Eben so. Aber das macht seine Liebe. Ich bitte Sie –

Kamilla. Mußt' er denn just heute ausreiten! Nahm er ein wildes Pferd? Sagen Sie mirs! Wenn er stürzte!

Amalia. Ich weiß nicht.

Kamilla. Schicken Sie doch Boten nach ihm! Ich kann nicht ruhen; ich laufe nach ihm, wenns länger dauert.

Amalia. Ich vergeh' für Angst.

Zweyter Auftritt.

Alter Guelfo. Vorige.

Alter Guelfo. Guten Morgen! guten Morgen! – Warum seht Ihr so blaß?

Amalia. Und Du so zerstört?

Alter Guelfo. Mir ist doch nichts, als daß ich manchmal furchtsam um mich seh. Ich komme, mich bey Euch zu zerstreuen.

Kamilla. Ist Ferdinando noch nicht zurück?

Alter Guelfo. Er kann nicht lange mehr bleiben. Das war eine schreckliche Nacht. Seitdem ich lebe, hab' ichs so nicht stürmen gehört. Unsre ganze Orangerie ist zerschlagen. Alle Bildsäulen liegen zerschmissen weit von den Fußgestellen. Ferdinandos Lieblingsbaum ist vom Gipfel bis auf die Mitte zersplittert; wie wird er trauern, kömmt er zurück! Wir müssens ihm heute nicht sagen; hört Ihrs? Der schönste Baum, der auf viele Meilen zu finden ist. Weiß Gott, wie ich mit Kummer und Ahndung die schönen breiten Aeste, die uns so oft Schatten gaben, zur Erde hängen sah!

Kamilla. Was soll das all' noch werden?

Amalia. Der schöne Baum, unter dem wir so oft mit ihm sassen, und er uns die halben Sommernächte beym Mondschein mit der Harfe wegspielte!

Alter Guelfo. Ich suchte Hülfe bey Euch, und Ihr machts schlimmer. Was ist Ihnen, Tochter?

Kamilla. Nichts, nichts!

Alter Guelfo. Ich fürchte, Guelfos Haus bedroht grosses Unglück. Es sind fürchterliche Zeichen diese Nacht geschehen. Der Wächter will die Todtenglocken von den nächsten Klöstern her gehört haben. Man trug Leichen an ihm vorbey, und schwarz verhüllte Männer wehklagten durch den Sturm.

Amalia. Still! Kamilla wird bleich und todt.

Alter Guelfo. Tochter! Tochter! Was wird uns das thun? Daß ichs auch erzählte! Kommen Sie zu sich! Vergessen Sies!

Kamilla. Mir ist nicht wohl. Es wird schon besser. Reden Sie was anders, Vater! Hat Ferdinando ein wildes Pferd?

Alter Guelfo. Nein, nein! O, so nah ists nicht! Ich lege das ganz anders aus. Seyn Sie munter! Amalia, sey munter!

Amalia. Wo ist der Ritter?

Alter Guelfo. Er ritt vor Sonnen Aufgang hinaus, der wilde Jäger Nimrod, mit Lanz und Schwerdt. Gott beßr' ihn, oder kehr' er nie wieder! Noch so eine Begebenheit, wie die gestrige, und ich streich' ihn aus! Er bringt uns alle um. Ich hab' eine Nacht gelebt – wenn ich noch so eine leben soll, will ich mich lieber auf die Galeeren schmieden lassen. Sein Zorn ist verflucht.

Amalia. Fluch Deinem Sohn nicht, Vater!

Kamilla. Lassen Sie sich nicht hinreissen! Der Ritter wird sanft werden und verträglich. Wir nehmens über uns.

Alter Guelfo. Steh Euch der Himmel bey! Ich seh nicht lange mehr zu. Ich hoffte, es sollte gut gehen. – Der Stallknecht sagte, er habe sich auf seinen tollen Türken geschwungen, mit dem Pferde wie mit seinem Freunde gesprochen, und die Thränen wären dem Thier auf die Mähnen gefallen. Aber gleich kehrte der wilde Guelfo zurück. Er fragt' ihn, ob er nichts an mich zu bestellen hätte? und er gab dem armen Kerl die Peitsche, daß er noch heult und wimmert.

Amalia. Denk nicht dran!

Alter Guelfo. Nu stille denn! die Sonne soll uns freudig finden an Ferdinandos Hochzeitstag. Ich hab grosse Gesellschaft bitten lassen, und keiner schlugs dem Guelfo ab. Diesen Abend will ich Euch Ball geben; und wer mir nicht lustig ist, der soll dem Guelfo und dem traurigen Grimaldi Gesellschaft leisten.

Amalia. Die werden dabey seyn, Guelfo!

Alter Guelfo. Ich zweifle.

Kamilla. Warum?

Dritter Auftritt.

Grimaldi. Vorige. (hernach) Bediente.

Grimaldi. Ist Guelfo noch nicht da? Wo ist Guelfo? Ha, Alter! wo ist Dein Sohn?

Alter Guelfo. Wo ist er? Wo ist er?

Grimaldi. Verflucht sey mein Schlaf! verflucht sey ich! Guelfo! Guelfo! Alter, ich will Dirs abzwingen, das Geheimniß! Wo bist Du mit dem Ritter hingekommen? Wo hast Du ihn hingeschaft?

Alter Guelfo. Wollen Sie die Weibsleute zu Tode ängstigen?

Grimaldi. Vater! Du hast den Guelfo ausgestossen! hast Dein bestes Kind ausgestossen! Wo ist er?

Alter Guelfo. Sind Sie wahnwitzig?

Grimaldi. Wär' ichs! von Sinnen und Verstand völlig! Wo ist Ferdinando?

Alter Guelfo. Ausgeritten – und er ausgeritten.

Grimaldi. (fällt traurig auf einen Stuhl) O Grimaldi! dein Guelfo! dein Freund!

Alter Guelfo. Weg von hier! Was? Wollen Sie uns hier alle den Todten ähnlich machen?

Grimaldi. Guelfo! Guelfo! Du brichst mirs Herz! (ab.)

Alter Guelfo. Er ist rasend worden.

Kamilla. Wenn ich nur fort könnte!

Amalia. Horch! horch! ein Pferd!

Kamilla. Ha, mein Ferdinando! Laßt mich ans Fenster, daß ich ihm ruf', ihm zuwink! (ans Fenster) Ein Pferd ohne Reuter jagt scheu herein. Ist das Ferdinandos Pferd? Vater, ists Deines Sohnes Pferd? – O geschwind! geschwind!

Amalia. Ists Ferdinandos Pferd? Willst Du nicht reden?

Alter Guelfo. (ohne Antwort)

Amalia. Er sagt nichts – Ferdinando! Ferdinando!

Kamilla. Hinaus! Ich will ihn aufsuchen – er ist gestürzt, er ist todt!

Alter Guelfo. Bleibt ruhig, ich will hinaus reiten. (klingelt)

Bediente (kommen.)

Alter Guelfo. Sattelt Pferde! sitzt auf!

Bediente. Unsers Herrn Pferd läuft ledig.

Alter Guelfo. Eilt euch! – Halt't Euch aufrecht, Weiber! Wer weiß, was es ist!

Kamilla. Das Pferd sieht scheu. O Blut! Blut! am Sattel! Guelfo, Deines Sohns Blut!

Amalia. Gott! Gott! – (Sie sinken beyde am Fenster nieder.)

Alter Guelfo. Wollt Ihr mich umbringen? Wollt Ihr mir allen Entschluß nehmen? Wenn Ihrs so forttreibt, kann ich nicht aus der Stelle. Der Schreck ist mir in alle Glieder gefallen. Weiber! Weiber! (will sie aufrichten.) Gott, der Allmächtige, heb' Euch auf! ich bin zu schwach. (ab)

Amalia. Geh! geh! Schick eilends Boten zurück! – Komm zu Dir, Tochter! es ist ihm nichts. Laß mich nicht! O bey Deiner Liebe, bey Deinem Ferdinando, verlaß mich nicht! Komm zu Dir! Erbarm Dich, zartes Mädchen! – So! schlage Deine Augen auf! Wein' nicht! – O ich danke Dir! – Sieh mich an!

Kamilla. Ist er noch nicht da?

Amalia. Ein Pferd!

Kamilla. Mein Ferdinando!

Amalia. Ritter Guelfo sprengt wütend herein. Stürz' nicht! Ha! halt Dich! – Guelfo, wo ist Ferdinando?

Kamilla. Ruft ihm der Vater zu?

Amalia. Ja, ja. – Er lacht bitter. – Was weiß ichs! sagt er.

Kamilla (aus dem Fenster) Guelfo, wo ist er? – Nicht so unfreundlich, Guelfo! – Wo ist Ferdinando? Gib mir das Leben mit einer Antwort!

Amalia. Noch nicht? – Mein Sohn! – Er ist weg.

Kamilla. Er kömmt herauf. (laufen nach der Thür.)

Vierter Auftritt.

Ritter Guelfo. Kamilla. Amalia.

Guelfo. Hi! hi! was weiß ich! Bin ich Hüter Deines Bräutigams, schönes Mädchen? Bin ich Hüter Deines Sohns? – Hi! hi! Komm, Kamilla! schöne Kamilla! setz Dich auf mit Ritter Guelfo durch die Welt! – He! Kamilla, sieh nicht bleich! – Weg! rührt mich nicht an! Wo ist Ferdinando? Hi! hi!

Kamilla. Ich laß' Sie nicht los.

Amalia. Halt ihn! wir wollens ihm abzwingen.

Guelfo. Ich weiß nichts. Weg!

Kamilla. Ritter, ich dachte, Sie wären mir gut, und nehmen mir das Leben.

Guelfo. Gut Dir? Ey ja doch! ey ja doch! lieb, Du sanfter Engel! Komm ich will Dich drücken und herzen! – Weg von mir! – Tausend Vergebung, schöne Braut! – Gut? – Ja doch! ich bin Dir gut.

Kamilla. Wir wollen hinausfahren, ich halts nicht länger aus. – O Ferdinando, Du lebst! Ein Strahl von Hoffnung durchzittert meine Seele. (Beyde ab.)

Guelfo. (allein, nach einigem Schweigen) Wo bin ich? (kömmt vor den Spiegel) Rächer! Rächer mit flammendem Schwerdt! Hast du eingegraben auf meine Stirne den Mord? hast du ausgesprochen über mich, daß die Himmel zitterten: Unstät und flüchtig! – Hast du's? den Fluch noch nicht? und er brüllt um mich! – Rächer! hi! hi! ich thats wohl! Kömmt er noch nicht, mit glühender Hand den Mord einzugraben? – Ha! ich kann mich nicht ansehen! Reiß dich aus dir, Guelfo! (zerschlägt den Spiegel) zerschlage dich, Guelfo! – Guelfo! Guelfo! geh aus dir! Schaff' dich um! – Jetzt will ich schlafen! O jetzt will ich sanft schlafen! Ferdinando ließ mich lange nicht schlafen, jetzt wird er mich schlafen lassen. Ich will schlafen, Blutiger! und wenn tausend brennende Dolche durch meine Seele gingen. Gute Nacht, Guelfo! hi! hi! gute Nacht, Guelfo! (wirft sich auf den Boden nieder.)

Fünfter Auftritt.

Grimaldi. Guelfo.

Grimaldi. Bist Du da? Gott sey Dank! Wo ist Dein Bruder?

Guelfo (springt auf und Grimaldi sinkt zurück) Was störst Du mich im Schlaf? Weg! ich will den Schlaf herzaubern. Ich muß, muß schlafen. Hinaus! (faßt ihn an)

Grimaldi. Mann mit diesem Würgblick, schone meiner, daß Du Dein Gewissen nicht beschwerest mit Mord!

Guelfo. Mord? hi! Steh auf, Grimaldi! Mich deucht, Du bist's? – Sieh mich an! und wenn Du lügst, hol ich meine Lanze, und spieß' Dich! – Was steht auf meiner Stirne? (wischt sich die Stirne mit Angst) Ich wills tilgen! herausbrennen!

Grimaldi. Guelfo!

Guelfo. Was steht auf meiner Stirne, Unglücklicher?

Grimaldi. Brudermord!

Guelfo. Ha! So will ich Dich zerstieben! die Winde sollen Deine Asche davon wehen! – Brudermord? Schändlicher Lügner!

Grimaldi. Gott sey Dank, wenns anders ist!

Guelfo. Ha! Du Demüthiger! was dankst Du? Ich steh da, traue mein Haupt nicht zu heben zum Himmel. Die Sonne würde mich blenden, und der Rächer aus den Wolken Blitze senden, meine Seele zu vernichten, richtete ich meine Augen zu seinem Sitz. Stehts nicht auf meiner Stirne?

Grimaldi. Gefolterter Geist, Wuth und Verzweiflung.

Guelfo. Schäm' Dich, Betrunkner. Süsser, sanfter Schlaf hängt auf meinen Augenliedern, der mich einwiegte, wenn ihr alle gingt, die ihr so gräßlich um mich heult. Mir war nie so wohl. Und ich hab' ihn doch ermordet, hab' ihn erschlagen, als er mir nicht geben wollte die Erstgeburt, als er mir nicht geben wollte das Weiblein; als er sagte: Ich bin Herzog, auch Du sollst steigen! – Ich hab' ihn gestreckt in Staub, als er bat um ein Gebet zum Rächer! – Er winselte und röchelte dumpf aus hohler, langsamer Brust. Ich habe meinen Feind erlegt, hab' der Schlange den Kopf im Staube zertreten! Er liegt! Als er lag, rief ich: Verflucht, die mich geboren! schwung mich auf, und die Sonne verkroch sich. Wolken raubten ihr das Licht, wie ichs dem Feinde stahl – Ich nahm Staub und warf ihn hinter mich mit seinem Gedächtniß! – Als er schrie: Guelfo! Guelfo! fuhr mir ein Feuer durchs Herz, daß ich ächzte. Wo ich hinseh', ziehts blutig um mich, heult und winselt – mir ist wohl!

Grimaldi. Du hast den Bruder ermordet?

Guelfo. Den Feind! (stößt nach ihm) den Dieb der Erstgeburt! Ha! werden sie heulen, ihre Hände starr zum Rächer erheben: Wehe! Wehe! – werden sie ihn mit Thränen baden, wegschwemmen sein Blut – rufen: Einziger, steh auf! – Aber stark ist Guelfos Faust! Schrey mit! Ich will meine Ohren zustopfen, will mich verschanzen hier vor Rache und Weh'! Wer mir nahe kommt – hi!

Grimaldi. Flieh'! flieh'! Dein Anblick tödtet.

Guelfo. Nein! Bleiben will ich, und sie quälen! Ich will ihnen nach und nach das Herz zerreissen mit Fluchen! Grimaldi! Was faßt Du mich an so hart? was drückst Du mich, daß Tropfen aus meinen Augen springen?

Grimaldi. Ach Guelfo!

Guelfo. Du hältst mich immer fester – Deine Hand wird immer feuriger – Hast Du den Bund mit ihm gemacht? Ist sein Geist in Dich gefahren? Ich will ihn herausjagen noch einmal. So sah er aus – so, so! Wie er an die Eiche sunk – rief: Bruder! – und wie ich in den Wald lachte, daß es ins Echo pfiff! – Laß mich los! was hältst Du mich? – Bist Du nicht Grimaldi, der mir gut war?

Grimaldi. Guelfo, meine Stunde ist da. Wo Du ihn erschlugst, sah' er gestern seinen Geist.

Guelfo. Der Geist log nicht. – Jetzt will ich schlafen, jetzt will ich mir Guts thun mit Schlafen! So lange nicht geschlafen – werd ich einmal schlafen! (legt sich nieder) Ha, Kain! kannst Du nicht schlafen? Wie sie ächzen, den Todten mit Thränen salben, den Einzigen mit Küssen zum Leben rufen! Heult! heult! heult! Guelfo schläft ja. O laß mich schlafen, fünf Augenblicke nur! – Laß mich schlafen Einen Augenblick – o denn nur einen halben! – – Ha, Grimaldi! Er faßte die dicke Eiche, schlung sich drum herum, als wollt' er sein Leben halten – und ich riß ihm Eich' und Leben aus der Hand, das er fest hielt! – Er sah nach mir mit einem Blick, der so todt, bittend und voll Angst war – schrie: Bruder! Bruder! Kamilla! – Die rief er zuletzt, und das war gut. Da kriegt' er den Schlag! – Guelfo! mußt' er Kamilla rufen? – – Ha! Schreckgeister! Guelfo schläft. – (Der Vorhang fällt.)

Ende des vierten Aufzuges.

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