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Friedrich Maximilian Klinger: Die Zwillinge - Kapitel 3
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDie Zwillinge
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1995
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000438-1
titleDie Zwillinge
created19990522
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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Zweyter Aufzug.

Erster Auftritt.

(Ein Saal.)

Guelfo. Grimaldi.

Guelfo. Ist Dirs wieder besser, Grimaldi?

Grimaldi. Wenn mirs am Körper fehlte, lieber Guelfo, scheut' ich keine Feuerkur. Ablösen wollt' ich mir das Glied lassen, wo michs schmerzte, und verstümmelt standhaft leben. Aber, Guelfo, tief und peinlich und auch wonniglich liegts in meiner Seele. Einen gebeugten von Menschen gekränkten Geist, ein verwundetes Herz mit sich herumzuschleppen, und so täglich dem öden Grabe mit gesenktem Haupte zuzuwallen – Sieh, Bruder! ich falle vom Fleisch, schmachte, seh bleich – und dieser morsche Körper blühte einst in lieblicher Jugend, ward bestaunt, geliebt. Trat ich auf, Guelfo, zischelten sich die Mädels in die Ohren, webten mit Blicken und Bewegungen Ketten und Netze, den Grimaldi zu bestricken. Das war Gedräng, Zunicken, Fächerrauschen und Anhängen. Wie viele Uneinigkeiten und kleine Zänkereyen verursachte ich nicht unter Schwestern, Liebenden und Herzensfreundinnen! Wenn ich eine mit Wärme und mehrerer Theilnehmung ansah, stellte sich schnell ihre Nachbarinn in Riß, und stahl wenigstens den Blick auf die Hälfte, den ich Höflichkeits wegen nicht kalt zurückziehen konnte. Ja – ja!

Guelfo. Red' nur fort, Grimaldi; ich kann hören, und das denken – Ich seh' nur nach der Strasse, um meinen Bruder mit den Hengsten im Pomp anfahren zu sehn. Nu?

Grimaldi. Wie das nun all liegt, Jugend und Vermögen! Ich senke meine Arme, senke mein Haupt – gefallen bin ich, der rasche Grimaldi! Und da ich fiel, durch Neid und Verfolgung von Schwachen, floh Schnellkraft, Zuversicht und Festigkeit. Ich zog mich ganz in mich in mein Trauren. Das gesellschaftliche Leben unter Menschen, alle heitere Empfindungen, alle Theilnehmung an meinem und andrer Geschick, alle Sinne verwandelten sich in meiner gedrückten Brust in Haß und Widerwillen. Ich schwirre nun in Trauergedanken, fühl mich vergehen, fühl mich gerne vergehen – Denn was ist das Leben, mein lieber Guelfo, wenn einem das genommen ist, was einem Leben giebt, wenn einem noch dazu der Weg verlegt ist, den zu gehen man gemacht ist?

Guelfo. Man räumts weg, Grimaldi!

Grimaldi. Denn muß man auch das vorige Gefühl wieder in sich sammlen können. Aber, Guelfo, wenn das nun all niedergerissen ist, was uns damals trieb, wie den jungen Adler, der seine Schwingen stark fühlt, den Weg zur Sonne zu schweben – wenn das nun nicht mehr aufzuwecken ist – Lieber Guelfo, ich schein' mir dem geblendeten Adler zu gleichen, der sein Leben in den Felsen austrauert. Was hülfe mirs nun auch, wenn ich mich wieder aufzutreiben suchte, einige Schritte taumelte, und mich doch nicht an der Sonne erquicken könnte, worauf es ankömmt!

Guelfo. Das kömmt all wieder. Man findt sich, und das andre findt sich auch. (unverwandt durchs Fenster nach der Strasse)

Grimaldi. Ja, es kam einstens ein Sonnenblick! – Guelfo, Du weißt doch auch, wer kam, und mir die Nacht vors goldne Strählchen feindlich stellte, daß ich weiter nichts erblickte, als Haß und bösen Genius in mir? – War das Erquickung für mein Herz, als mir die Lichtgestalt erschien! Ich hatt' ein Liedchen, das ich damals oft sang –

Guelfo. Sing, Grimaldi.

Grimaldi. (singt)

Heiter kehrest du, o Licht!
Und ein helles Strählchen bricht
Aus der dumpfen Nacht hervor,
Hebt mein leidend Herz empor.

Es erschien ein Engelskind,
Rührte meine Seele – schwind! –
Und die Trauer schwand dahin,
Selig, selig nun ich bin!

Selig, selig werd ich seyn,
Wenn die Liebe mich wiegt ein,
Wenn die Lieb' den Trauersinn
Wandelt mir in Freudensinn!

Glänze ferner durch die Nacht,
Liebe, süsse Zaubermacht!
Hülle mich, o Zauber, ein!
Selig, selig werd' ich seyn!

O Guelfo, Guelfo! was waren das Stunden!

Guelfo. Und nun?

Grimaldi. Guelfo, da wollte der schlafende Genius wieder aufwachen, wollte mich beleben, und ich ward angespornt – träumte glühende Träume, wie ich nun mit Riesenschritten gehen wollte als ein edler Kerl! Guelfo, ich ward auf die Wagschaale gelegt, mein Adel zu leicht befunden; mein Werth fiel tief, Guelfo! Die süssen Augenblicke, die ich lebte, die mich zu allem gemacht hätten! Ward ich nicht in Finsterniß zurückgestossen, worinn ich noch immer tappe?

Guelfo. Du hast Recht, Grimaldi. Du warst damals in einem Gang, gingst so schnell nach dem Ziel, daß ich Dir mit Wunder zusah.

Grimaldi. Drum stieß mich Vetter Ferdinando unter; der alte Guelfo hätt' sich des Grimaldi erbarmt. O der Seligkeit der Stunden! o der Seligkeit des Grimaldis! o der Verdammung des Grimaldis, die nun um ihn liegt!

Guelfo. Armer Narr! Hätts an mir gelegen, Du hättst sie haben sollen. Ich hatte Dich auch gewogen, Grimaldi! aber ich fand Dich bewährt. Was nutzte mein Reden all?

Grimaldi. Ich dank' Dir noch, mein lieber Bruder. Ich will Dich immer so nennen, und nach Othen schnappen, wenn ichs denk', und Dich an meine Brust drücke. (umarmt ihn) O wenn ichs worden wär'! und wenn ichs worden wär' – ist sie nicht todt?

Guelfo. Das herrliche Mädchen!

Grimaldi. Sie starb, sie starb! und da sie starb, starb Grimaldi! Alle Hoffnung und Leben entquoll meinem Herzen mit den blutigen Thränen. Bruder! Dir darf ichs sagen, daß mir jede Nacht ihre blasse Todtengestalt erscheint, daß ich sie so kalt in meine Arme festdrücke, daß sie mir winkt, und daß sie mich nach sich zieht. O Juliette! Juliette!

Guelfo. Geh doch! laß mich!

Grimaldi. Fühlt' ich ihren Tod nicht so scharf! und würd' ihn schärfer fühlen – Hab dich Gott, meine Liebe! Grimaldi wallt dir eine düstre Wallfahrt nach. Und gewiß wärst du noch hier; denn ich wollte dich gepflegt haben, wollte dich getragen haben, auf den Fittigen der erquickenden Liebe! O Juliette, du wärst noch unter uns!

Guelfo. Ich bitt' Dich, Grimaldi, wieg mich nicht in diesen schwermüthigen Ton. Ich brauch Stärke; und bin ich nicht im nemlichen Fall?

Grimaldi. Armer Guelfo!

Guelfo. Wär' Kamilla nicht mein worden, und ich hätt' in den Armen der Liebe den Löwen Guelfo abgelegt? wär' still und friedlich geworden? – Sie hatte Guelfos ganze Seele.

Grimaldi. Du sagtests ihr?

Guelfo. Nein! nicht! Ich Bestohlner, der ich nichts als meinen Degen habe!

Grimaldi. Und er hat sie nun, da er mit den schweren Titeln kam, mit den reichen Goldsäcken, von Herzogs Glanz geführt! Da bückte sich die Liebe – ha! und bückte sich unter, und der tapfere Guelfo schwand aus ihrem Herzen. Sterben will ich, ohne an Juliette zu denken, wenn er nicht Deine Liebe wußte.

Guelfo. Mag er! er hat sich weh mit gethan; denn fordern will ich auch das von ihm im Grimm. Himmel und Erde! wenn ich der Wonne denk', in der ich schwebte, ihre Gestalt vor mir seh mit aller Glorie der Schönheit! Grimaldi, das war ein Leben! das waren Zückungen! – Ich kann Dich versichern, ich allein kann das Weib an ihr finden, das an ihr ist, das Weib des tapferen Ritters, dem sie Siegskronen mit Liebe windet, kömmt er vom Feinde. Ihm ist sie nichts. Ich konnte den Schleyer heben, und im Heiligthum der innern Schönheit ihrer Seele lesen. Ha! wie ich einst nach der Schlacht ihrem Schlosse zujagte, mit Blut der Feinde bespritzt! Sie lächelte himmlisch von dem Balcon herunter, warf mir ein weisses Tuch zu, rief: Ritter, wisch das Blut weg! Du schreckst meine Gespielen. Und ich thats mit dem Tuch, legte es auf mein Herz – siehst Du's! hier heilte es, und that gut.

Grimaldi. Und das Weib hat er?

Guelfo. Und das Weib hat er!

Grimaldi. Vor Deinen Augen seine Seligkeit, vor Deinen Augen die herrliche Gestalt, vor Deinen Augen den Himmel! Hölle in mir und Dir! – Bruder, laß uns Einsiedler werden, laß uns der Welt absagen, und uns treu sterben! – Wie kann ichs, wie kannst Du's ansehen? Eine härne Kutte wär des armen Grimaldis Sache.

Guelfo. Guelfos eine stählerne Keule, zu zerbrechen damit das Haupt –

Grimaldi. Gebär den Gedanken nicht! – Ha! dort kommen sie gefahren!

Guelfo. Will kein Donner nieder? will kein Donner nieder, die springenden räumenden Hengste zu lähmen? Ha! wie die Pferde ausgreifen! was das hebt! Sieh' den Herrn im rothen Kleide mit Gold, wie Herzoglich prächtig! Will kein Donner nieder? Siehst Du sie? O Grimaldi, im weissen Kleide! Sie sieht heraus, streckt ihre Hand heraus, und wirft dem Bettler was zu – die Chaise wendet wieder – der Stern auf seiner Brust, wie er blinkt! Sie! – Teufel! Teufel!

Grimaldi. (unverwandt zum Fenster hinaus) Wirfst Du Seifenblasen hinaus? Sie zerplatzen, eh' sie niederkommen, armer Narr!

Guelfo. Grimaldi! Grimaldi! Laß mich was thun! Ich will eine Pistole losschiessen – ich muß so was hören! Mein Herz heischts!

Grimaldi. In die Luft doch?

Guelfo. Heyda! – Wart! nach der Wasserseite – (schießt zum andern Fenster hinaus) Hi! Hi!

Grimaldi. Rasch in Hof! Eins, zwey – sechs Diener nur – vier Läufer nur – zwey Heyducken nur – Es ist wenig und genug für einen Herzog.

Guelfo (kniet nieder, spricht in sich und springt auf) Ausgesprochen, und geschehn! Fest in meinem Blut sitzts! sausts an den Wänden her, und kräuselt sichs in der Luft! Bey Guelfos Herz! es soll nicht zergehen, wie Grimaldis Seifenblasen.

Grimaldi. Was treibst Du hinter mir?

Guelfo. Frag' nicht! Was ich thu, thu ich!

Grimaldi. Sie steigen aus – Vater – Mutter –

Guelfo. Kos't ihn, liebt ihn, springt um ihn herum! So! drückt ihn noch fester ans Herz, und weint! Fluch mir! Fluch mir! Bey der Geburt bestohlen! Nun dann, bettelarm heute! – – Brav, Ferdinando! Wollte Gott, du machtest deine Sache anders; aber so – wieder? hu!

Grimaldi. Das ist närrisch. Sieh, dort im Teich, wie der Mensch den Fisch angelt. Er zuckt sehr, zuckt sich los, fällt aufs Ufer, er hascht ihn –

Guelfo. Und er küßt sie! Ha! vor meinen Augen! denk! vor meinen Augen! saß so lang bey ihr, hat sie so lang, wird sie haben, und vor meinen Augen! – Grimaldi, will er mich umbringen?

Grimaldi. Wie der Kerl den Fisch zappeln ließ! Pfui!

Guelfo. Und wie ich zapple! Mit den Küssen angeln sie meine Seele, und ich blute. Kamilla! Kamilla! Ich häng' an der Angel, zucke mich zu Tode! Sie sieht nach ihm, und Liebe zittert auf ihren Lippen – sieht herauf – was denn? Kamilla, was denn? O weh mir!

Grimaldi. Sie kommen herauf – Willst Du sie erwarten?

Guelfo. An der Angel den Tod zu zappeln? (beyde ab.)

Zweyter Auftritt.

Alter Guelfo. Amalia. Ferdinando. Kamilla.

Ferdinando. Nun ist mir ganz wohl, da ich wieder hier im Hause des Vaters bin. Mich kam eine wunderbare Empfindung an, da ich so den Hegwald herunter fuhr. Aber da ich in Guelfos Hause bin, jedes Bildchen seh, jeden Gegenstand erkenne, des Vaters Liebe fühl', ist mir ganz leicht.

Kamilla. Du hast mich sehr erschreckt, lieber Ferdinando. Du wardst so bleich – Guelfo, er saß auf einmal so still, und zitterte, ich konnt' ihn kaum zu sich bringen. Komm, Ferdinando! Deine Stirne ist noch heiß – er schwitzte Angstschweiß, Vater! – Lieber Ferdinando! –

Amalia. Sohn! Lieber! Mach mir nicht angst!

Alter Guelfo. Es kömmt vom Fahren. Es ist heute sehr heiß gewesen.

Kamilla. Nein! Ihm fehlt was –

Ferdinando. Es ist nun wieder vorüber. Es ist närrisch! Kamilla, ich wollte Dirs nicht gleich sagen, aber itzt lach' ich selbst drüber. Guelfo, als wir an die Eichen kamen, sah ich in der Ferne meine Gestalt aufsteigen, daß ich mich kannte, und wildes Geräusch schreckte mein Ohr.

Amalia. Deine Gestalt, Ferdinando?

Ferdinando. Lebendig! Meine Sinne können mich betrogen haben; ich vergeß' es schon wieder.

Alter Guelfo. Einbildung, Ferdinando! nichts als Einbildung!

Ferdinando. So nehm' ichs auch. Mir ists nur leid, daß ich meine Kamilla erschreckte. Es ist vorüber, und war vorüber, da Du mir mit der Hand über die Stirne fuhrst, und riefst. Ich wachte auf, wie aus einem Schrecktraum, und schien mir in Himmel über zu gehn. Nun, Vater? Nicht so ernsthaft! Küssen Sie Ihren Sohn noch einmal! Meine Mutter! Laßt mich glücklich seyn! Alles will ichs machen, und alles wird michs machen! Meine Kamilla hat Ihnen ihr Herz geschenkt, da sie mirs gab; und ihr Blick giebt Ihnen die Versicherung. O wir werden ein Leben führen – –

Amalia. Mein lieber Ferdinando! – Ja! wir werden nun recht freudig seyn zusammen.

Ferdinando. O Mutter, Sie sinds! Diese wenige Worte – – Sehen Sie mich fort so an!

Alter Guelfo. Ruh aus, mein Sohn, Du überläßt Dich zu sehr dem Gefühl! Ruh aus!

Kamilla. Ich zählte alle Stunden, fragte jeden Augenblick: Wie weit sind wir noch, Ferdinando? so begierig war ich, den alten Guelfo wieder einmal zu sehen, und meines Ferdinandos Mutter. Und Ferdinando war gütig, erzählte mir viel von Ihnen, von der herrlichen Gegend, und alles find ich so. Es ist ein lieblicher Sitz, sagt er, beym Vater. Und gewiß ists ein lieblicher Sitz. Eine Gegend, so schön, als eine in Italien. O so die Tiber hinunter zu sehen, von der Sonne vergoldet, den süssen Gesang der Vögel – und den Guelfo, die Mutter, meinen Ferdinando – Guelfo, wir wollen der Liebe und Freude leben! (küßt der Alten Hände, Amalia küßt sie)

Alter Guelfo. Sie machen mich mein Alter vergessen. Alles vergnügt, verjüngt mich, was ich seh' und höre. Ihr Kinder bestürmt des alten Guelfos Herz mit zu viel Liebe; er ist ihrer so wenig gewohnt, daß es ihm Traum scheint. Zwar, wenn Ferdinando da ist, da leb ich immer so im Taumel; denn Ferdinando weiß mit Liebe des Alten Herz warm zu halten. Ferdinando! Ferdinando! Gepriesen sey Gott, daß ich Dich wieder einmal in meinen Armen halten kann! daß ich die Wonne fühle, das treue Kind fest an mich zu drücken! Laß Dich recht drücken, Guelfos Zierde!

Ferdinando. Mich nicht allein, mein Vater.

Alter Guelfo. Ha! Dich allein! Dich allein! Bist Du's nicht allein, der dem Vater gütlich thut? der des Vaters Wohlthat ist? der des Guelfos Haus erhebt, daß die Feinde vor Neid vergehen? Ja! sie werden sich verzehren in Marter, unser Haus so mächtig zu sehn. Ferdinando, Segen über Dich! Daß Du hoch empor wachsest im Lande! – Kamilla, seyn Sie nicht so bewegt! Ruhen Sie! Wir wollen Euch zusehn; Ihr seyd müd', und ich möcht' Euch zusammen sitzen sehn.

Amalia. Guelfo! vergiß nicht, ich bitte Dich! (ab)

Alter Guelfo. Ferdinando, wärst Du nicht, ich legte mich hin, und stürbe; denn Guelfo wird sehr geärgert in seinen alten Tagen. Aber nun will ich leben; meine grauen Haare sollen sich weiß färben, und meine Jahre hoch steigen, von Dir geleitet. Ich muß es erleben, was aus meinem Ferdinando wird. Jüngst war so ein Hofschranze hier, der erzählte Wunderdinge (und mochte ihn wohl heimlich hetzen) was man aus Dir so grosse Dinge machte – wie schon alle grosse Häuser aufmerksam würden – daß Du des Herzogs rechter Arm wärst – – Ha! dacht' ich bey mir – seht nur auf Guelfos Stamm – er soll bald Herzog seyn.

Ferdinando. Gnügsamkeit! Nicht zu hoch gespannt, Vater, daß die Sehne nicht springt! Es ist noch Zeit genug; und ich könnte tiefer fallen, je höher.

Alter Guelfo. Das wollt ich sehn, ich! Was Gnügsamkeit! Man muß steigen, so hoch man kann! war immer mein Denken. Und da ich mich so weit im Gleichgewicht hielt, Euch so weit vorgearbeitet hab – Also red' mir nicht!

Kamilla. Werden Sie nicht zu ernsthaft!

Alter Guelfo. Verzeihen Sie mir!

Kamilla. Nicht doch, Vater! Reden Sie, was Sie wollen, was Ihnen gut thut.

Alter Guelfo. Das ist freundlich, Tochter! Gott erhalt Dich mir!

Ferdinando. Wo ist denn mein Bruder? Ich seh lang nach ihm. Wo ist er?

Kamilla. Ich dachte, er würde der erste seyn, der uns entgegen käme.

Alter Guelfo. Ja doch, er! Ich seh' ihn manchmal in einem Monat nicht, den wilden Guelfo. Ferdinando, er wird immer unbändiger, stolzer. Rachgierig ist er; stößt mich und seine Mutter ins Grab im blinden Zorn. Er brennt, wie Feuer, wenn wir ihn berühren. Ich bin zu alt, den Sohn Guelfo zu bändigen. Ich muß zittern für ihn. Heute hab' ich ihn einmal wieder gesehen, und fast brach er mir das Herz. Er liegt immer im Walde, badet seine Hände in der armen Thiere Blut. Kömmt er einmal, vergräbt er sich, und weh, der sich ihm naht!

Ferdinando. Vater, ich sagte immer, man muß Guelfo mit Liebe und Nachgeben begegnen, will man ihn gut haben.

Alter Guelfo. Und thu ichs nicht? und muß ichs thun, ich sein Vater? Doch thu ichs, halt' ihn sanft, wie Du Deine Braut. Meine Amalia thuts auch. Ich fürcht', unser Streicheln macht den Wilden unbändiger.

Kamilla. Der Ritter hat ein edles Herz.

Ferdinando. Das hat er, Kamilla. – Vater, lassen Sie ihm seine Unbändigkeit, all sein Wesen; wenns Krieg giebt, braus't er aus. Ich will ihn mit meiner Liebe zwingen, mir hold zu seyn.

Alter Guelfo. Ich kenn' ihn auch, und mag nicht reden. Ich wollte, mein Herz hing nicht so an ihm.

Kamilla. Es muß an ihm hängen; der Ritter verdients.

Ferdinando. Er ist die Zierde Ihres Hauses, ein Schrecken der Feinde.

Alter Guelfo. Das ist wahr. Nun – wir wollen ihn mild zu machen suchen. Kamilla hat eine liebliche Stimme, und singt in die Laute. Wir wollen täglich harmonische Musik machen, und ihn zähmen. Ich wollt', er hing dem Grimaldi nicht so an, der macht ihn traurig dazu mit seiner Melancholie; das verdirbt ihn völlig. Grimaldi ist ein düstrer Mensch, der Nachts im Feld läuft, bey Sturm und Wind, und zu den Sternen ruft. Der Kirchhof soll sein liebster Aufenthalt seyn. Ich selbst fand ihn einstens durch die öde Nacht weinen, daß ich erschrack. Das ist Guelfos Gesellschaft.

Dritter Auftritt.

Grimaldi, (tritt auf.) Vorige.

Ferdinando. O des traurigen Grimaldi! Willkommen, Vetter!

Grimaldi. O des freudigen Ferdinando! Guten Tag denn allen freudigen Seelen, und mir alle ihre Traurigkeit!

Ferdinando. Ich dachte gewiß, ich würde Sie heiterer finden.

Grimaldi. (legt die Hand aufs Herz.)

Ferdinando. Sie sehen noch verstörter und trauriger. Armer Grimaldi, Sie blühten lieblich – Ich wollte, Sie hieltens wieder mit dem guten Gefühl.

Grimaldi. Und ich wollte, Sie wären nicht so lustig. Wahrhaftig, ich bin so hin, das Lächeln eines Menschen kann mich beleidigen. Ich kann oft meinen Hund nicht ausstehen, wenn er freudig um mich springt.

Ferdinando. Winden Sie sich los!

Grimaldi. Still, Vetter! Das ist Ihre Braut! O eine liebe Braut! (küßt ihr die Hand.)

Ferdinando. Wünschen Sie mir nicht Glück?

Kamilla. (zu Grimaldi) Ich wollt', ich brächt' Ihnen Freude mit!

Grimaldi. O gütig! himmlisch! – Ich wollte – armes Herz!

Ferdinando. Was ist Ihnen?

Grimaldi. Nichts! nichts, als daß ich kein Wort reden kann! Gnädige Gräfinn, Sie scheinen keine Tochter der Erde zu seyn. – Sie haben Ihre Sanftmuth, und – Gott sey Dank! Sie haben einen melancholischen Zug über dem Auge, der mir wohl thut.

Alter Guelfo. He, Grimaldi! wollen Sie uns alle anstecken?

Grimaldi. Guten Tag, Vater! Ich sah' Sie kaum. Behüte mich! Ich will Euch Eure Freude lassen; ich wollt', ich könnte Euch meine vorige dazu geben! Aber, Guelfo, die Gräfinn! (sieht gen Himmel) Und dort wohnt eine, und hier wohnt sie! (die Hand aufs Herz) Gräfinn Kamilla, Sie haben – o dieser Zug, der sich so sanft, so weich hebend in die Lippen verliert – und die labende Oefnung des Munds – dieses himmlische reine Auge – dieses süsse Wallen – das haben Sie, ja! Sie habens von ihr.

Kamilla. Mein Herr!

Ferdinando. Sie schwärmen wieder, Grimaldi! Kommen Sie doch zu sich.

Alter Guelfo. (dazwischen vor sich) Er meint meine Tochter, und hat Recht. (wischt sich die Augen.)

Grimaldi. Versteht kein Mensch den Leidenden? – Ich will gehn, Ferdinando, und Sie nicht weiter stören. Vater, vergönnen Sie mir ein Plätzchen im Hause mit dem Ritter; ich mach Ihnen denn bald Raum.

Kamilla. Bleiben Sie bey uns! Ich hab' so viel Guts von Ihnen gehört; ich wünschte, Sie söhnten sich mit der Welt aus.

Grimaldi. Nicht doch! nicht doch! Ich und die Welt haben gebrochen, und so gebrochen, daß mein Herz mitbrach.

Alter Guelfo. Wo ist der Ritter?

Grimaldi. Seine Mutter ist bey ihm.

Alter Guelfo. Dacht' ichs doch, als sie wegschlich! Grimaldi hat uns alle Freude verdorben. Hängt die Köpfe nicht so! Gleicht Ihr doch alle dem Schwärmer!

Ferdinando. Ich möchte alles vergnügt sehen, und ich weiß nicht, ich hab' heute selbst einen Hang zur Schwermuth.

Grimaldi. O Ferdinando, sagen Sie das nicht.

Alter Guelfo. Morgen soll Hochzeit seyn – Sind das Hochzeitgesichter? Kommt zu Tische! – Grimaldi, Seyn Sie munter, oder bleiben Sie weg.

Grimaldi. Das letzte, Guelfo! das letzte!

Ferdinando. Nein, kommen Sie! (die andern gehn.)

Vierter Auftritt.

Grimaldi. (allein.) Armer, armer Guelfo! Deine Prüfung ist hart! Armer, armer Grimaldi! Du hast viel von ihr gesehen. O meine Juliette, laß mich nicht so lange! nimm mich bald! – Und saß ich nicht hier bey Dir? Kamst Du nicht an einem schönen Frühlingsmorgen hier herein, erschrocken, und ich hatte Dich in meinen Armen, und Du sagtest: Lieber Grimaldi! – und ich sagte: Liebe Juliette, was ist Ihnen? – Du sagtest, ein Kind sey in Hof gefallen, das habe Dich erschreckt – – Ich lief, und holte das Kind, und verbands; und ich bekam einen Kuß der Liebe und der guten Menschheit. Ja, meine Juliette! Hier wars, wo ich der Liebe weinte; hier ists, wo ich der Liebe sterbe. Ha! und wars nicht hier, wo Dein Ferdinando sagte, unsre Liebe gelte nichts? Sagt' er so? Nein! Du solltest den reichen Grafen heyrathen; so sagt' er. Aber mein Herz sagte, Juliette wirds nicht thun! Sie thats auch nicht, und vermählte sich mit dem Tode. – Ferdinando! – Weg! – Ich muß Rache denken, und mag keine denken. O Juliette! Juliette! – (geht)

Fünfter Auftritt.

(Das Zimmer des ersten Aufzuges.)

Kamilla. Ritter Guelfo.

Guelfo. (vor der Thür) Ich muß sie sehn! muß sie allein sehn! (tritt herein).

Kamilla. Ritter Guelfo, noch einmal willkommen, so finster Sie mich auch vorhin ansahen, als Sie bey uns vorbey eilten, und sich kaum halten liessen. – Was machen Sie?

Guelfo. (kniet) Legen Sie Ihre willkommne Hand auf mein Haupt, und den Liebessegen! o allen Segen in diesem! Ich steh nicht auf, Kamilla. Segen von dieser Hand dem armen Ritter Guelfo! Ihre Hand auf mein Haupt, an mein Herz, an meine Lippen, und mit meinen Lippen versiegelt den Liebessegen!

Kamilla. Ritter!

Guelfo. Wenden Sie sich nicht von mir! O Kamilla! Kamilla! diesen Trost dem verfluchten, beraubten Guelfo! Sehn Sie mich an! Mit Einem Blick von der Marter mich loszuwinden, wie wenig kostet das!

Kamilla. Guelfo, was ist Ihnen? Sie sehn verstört –

Guelfo. Mir ist nichts, gar nichts – und wenn ich diese Hand habe, und wenn ich diese liebe Hand auf mein geängstetes Herz lege, gar nichts! – Willkommen, meine Schwester! Tausendmal willkommen, meine Schwester! Meiner Liebe willkommen, meine Kamilla! O so schwebe vor mir! so mache mich lebendig! – Laß mich fühlen in diesem Kuß alles Entzücken der Liebe, und alle Marter! – Willkommen, meine Schwester!

Kamilla. Sehr willkommen, Ritter! Ich bitte Sie, sehn Sie anders. Kommen Sie, erzählen Sie mir etwas. Ich habe Sie so lange nicht gesehen, und gewiß, ich verlangte nach Ihnen.

Guelfo. Ich möchte das glauben, und mit diesem Glauben mich gegen die Feinde stellen! – Ists so, meine Schwester?

Kamilla. Gewiß! Da ich Sie das letztemal sah, machten Sie mir viele Sorgen.

Guelfo. Guelfo, hörst du das? Und es rief mir eine Stimme zu: Habe Glauben! und es rief mir abermal eine Stimme zu: Habe keinen Glauben! Denn wenn du das glaubst – Guelfo, wo bist du? – Nun, Kamilla wie mir ist? – ich kann Ihnen sagen, Kamilla – aber was ich sagen kann – Kamilla, sehn Sie mich an – und was ich sagen könnte –

Kamilla. Lassen Sie mich los!

Guelfo. Nicht, Kamilla und meine Schwester! Ich soll Ihnen ja erzählen. Und, Kamilla, wenn ich diese weisse Hand habe, und wenn ich diese Adern so blau sich schlängeln seh, diese Pulsschläge lausche, und Ihnen ins Gesicht seh, werd ich Ihnen viel erzählen können. Aber da ich so gar wenig reden kann, doch so viel zu reden habe – das letztemal, da ich Sie sah, war mirs freylich wunderlich. Denn, wenn ich mich noch recht besinne, schickten Sie mir Balsam für meine aufgerißnen Hände, die ich kriegte, als die Pferde scheu wurden, und mit meiner Kamilla davon rennen wollten; das mir denn sehr ungerecht schien. Ich fiel ihnen aber auch brav dafür in die Mähne, und hielt sie, daß sie stunden, wie Lämmer.

Kamilla. Nein, damals wars nicht. Sie sind irre. Das letztemal sah ich Sie, als mein Ferdinando kam.

Guelfo. Ihr Ferdinando? – ja doch! Ich ritt nach, ohn' es zu wissen, daß Ihr Ferdinando da war. Wie ich nun kam, und alles nur Ferdinando schien, alles um Ferdinando schwebte – Heyda! seyn Sie doch lustig! Ich weiß nicht, was das für ein Gespräch ist, das wir zusammen führen. Ich sah Sie noch nicht einmal lächeln, und Sie stehlen einem doch das Herz weg, wenn Sie lächeln. Ich bin sehr lustig, lache mehr, als ich weine. Mich wundert nur, daß niemand mit mir lachen will. Ha, ha, ha! Daß Sie nun da sind! Ha, ha, ha! Daß ich Sie habe, diese Hand habe, diese liebe Kamilla habe, und alles mich neidet! Ha, ha, ha! Lachen Sie doch!

Kamilla. Sie sind fürchterlich mit Ihrem Lachen.

Guelfo. Das weiß ich längst. Sie wollen nicht einmal mit mir lachen? Nicht ein Lächeln? Thun Sies doch! Zwingen Sie sich ein wenig! Um eines Kranken willen! Das Lachen soll ja so sympathetisch seyn, daß gleich alle lachen, wenn einer lacht. Noch nicht, meine Kamilla?

Kamilla. Ja, Sie sind wirklich krank. Lassen Sie mich!

Guelfo. Sie stossen den Kranken weg! Und wenn ich denn krank bin, einen Trost, meine Kamilla! Ich sah Sie wohl weinen und besorgt seyn, um eine Ihrer Kammerfräulein, die plötzlich krank ward; ja Sie warteten und pflegten Sie. Ich will nur ein gutes Wörtchen. – Mir ziehen Sie unbarmherzig Ihre seidne Hand zurück; und wenn ich sie mit meinen Fingerspitzen berühre, fliehen doch alle Krankheiten, und ich steh da, als wär' ich zur Unsterblichkeit geboren. – Wie, meine Kamilla?

Kamilla. Ihre Krankheit ist von einer Art – ich will Ihren Bruder rufen.

Guelfo. Ist er eifersüchtig? Ist ers? und ich will ihm – Nu meintwegen! rufen Sie Ihren Ferdinando! Vernichtet habt ihr mich doch alle! – Was willst Du, Guelfo? – (schlägt sich vor die Stirne) Ist er nicht da? Ist der Bräutigam noch nicht da?

Kamilla. Seyn Sie gut, Ritter! seyn Sie sanft! Sie begegnen Ihrem Bruder hart. Er weinte bitterlich, da Sie seine Hand wegstiessen, und fiel schluchzend dem alten Guelfo in die Arme.

Guelfo. Das kann er, weinen kann er! Und erweint sich damit sehr viel. Seine Thränen – ha! wenn ich meine Thränen so verkaufen könnte, wenn ich sie so verkaufen möchte – Also, er weinte, und da?

Kamilla. Ich bitte Sie um Gottes willen, seyn Sie anders! Ich muß den Augenblick weg, wenn Sie nicht Mann sind.

Guelfo. Ha! was ruft? Was wallt in diesen zarten Adern auf? Was schreyt diese Stimme, die sonst so weich und harmonisch klang? – Kamilla, Verzeihung! Ich beuge meine Kniee vor Dir, dem ersten Weib' auf Erden – Verzeihung! Hast Du sie gewährt, so blick' noch einmal auf mich, der ich im Staube zertreten bin – ich gehe.

Kamilla. Stehn Sie auf! Wir können uns unmöglich so wiedersehen, das ich doch wollte.

Guelfo. Das war Kamilla! Da entquillt ihren Lippen Erquickung, daß sich Ritter Guelfo aufrichten kann! O Kamilla kann einen aus Todesschlaf wecken, kann einen umwenden mit einem Blick! Nun ist mir doch gar wohl.

Kamilla. Und Thränen im Auge?

Guelfo. Sehn Sie das? Pfui Guelfo! sey Mann! folg dem Bescheid!

Kamilla. Kommen Sie ans Fenster! Es ist prächtig Abendroth; die Sonne geht herrlich unter. Freuen Sie sich doch mit mir!

Guelfo. Die letzten Sonnenstrahlen durch die Bäume her – Ich möchte mich in die Feuerhelle dort schwingen, auf jenen Wolken reiten mit vergoldetem Saume! – Kamilla! (faßt sie an der Hand) Ach! und ich bin wieder so hin – ich möchte diese Feuerwolken zusammenpacken, Sturm und Wetter erregen, und mich zerschmettert in den Abgrund stürzen! – Kamilla! Kamilla! Kamilla! (küßt sie heftig.)

Kamilla. Guelfo! Guelfo! Lassen Sie mich! He da!

Guelfo. Schrey nicht! Und noch einen! und noch einen! – Ha! so der letzte Kampf! – Zu Deinen Füssen gestreckt – bleib! bleib! ich geh! – Schrey nicht, Kamilla! Ritter Guelfo heult; und wenn er heult, heult Lieb' aus ihm.

Kamilla (nach der Thür.)

Guelfo. Wie denn? warum denn?

Sechster Auftritt.

Ferdinando. Vorige.

Ferdinando. Wie, mein lieber Bruder?

Guelfo. He, was?

Ferdinando. Erschrocken, Kamilla? Was ists?

Kamilla. Nichts, Lieber! gar nichts!

Guelfo. Glaub' ihr nicht! Ich küßte sie – sieh', da stehn meine Küsse! Vier Küsse drückt' ich auf ihre weichen Lippen! Ha, ich küßte sie stark, hielt sie stark, und sie wand sich los, und schrie.

Ferdinando. Da thatst Du recht, Guelfo. Das ist Deine Schuldigkeit; Du küßtest sie nicht zum Willkommen.

Guelfo. Siehst Du nicht, wie ich küßte?

Ferdinando. Und ich küsse sie; küsse des Bruders Küsse von ihren Lippen, die mir selten und desto theurer sind.

Guelfo. Und küßt die Sünde vom Heiligthum, die ich drauf küßte, leidige schwarze Sündenküsse! Bravo! Bravo! und all' die Sünde hängt noch. Bravo! und Du wirsts nicht auslöschen.

Kamilla. (ab.)

Guelfo. Ritter Guelfo empfiehlt sich. – Du hast meine Sünde, trag sie!

Ferdinando. Herzlich gern, lieber Bruder. Aber –

Guelfo. Wurmt Dirs? Du siehst roth auf einmal – –

Ferdinando. Nicht doch! Red' freundlich mit Deinem Bruder! Gib meiner Liebe Raum!

Guelfo. Noch einmal, ich küßte sie heiß. Verstehst Du mich? Und diese Küsse, Ferdinando, wie Du sehn sollst – diese Küsse, wer was dagegen hat – Verstehst Du mich?

Ferdinando. Küß' sie mehr, Bruder!

Guelfo. In Deiner Gegenwart? Wenn sie mir um den Hals fiel, wenn mirs durch die Seele bebte, das gute Geschöpf in meinen Armen zu haben, wollt' ich doch nicht! Nicht, weil sie Deine Braut ist, sondern, weil ich nicht will!

Ferdinando. Sprich anders, lieber Guelfo!

Guelfo. Wer ist der, welcher Guelfo lehren will, wie er sprechen soll? Guelfo hat ausgelernt.

Ferdinando. Will ich das? will ich das, Guelfo? Ich will nur, Du sollst reden, wie man mit seinem Bruder spricht.

Guelfo. Und ich will, Du sollst gehen!

Ferdinando. Laß mich meinen Bruder in Dir wieder finden!

Guelfo. Mensch, geh!

Ferdinando. Wenn ich Dir verhaßt bin, wenn ich muß – Bruder, reit morgen früh mit mir aus; ich hab' Dir viel zu sagen.

Guelfo. Und ich wenig. Ritter Guelfo kann nicht vorhersagen, was er thun will.

Ferdinando. Lieber Bruder!

Guelfo. Was beliebt? (von verschiednen Seiten ab.)

Ende des zweyten Aufzuges.

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