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Die Wiskottens

Rudolf Herzog: Die Wiskottens - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorRudolf Herzog
titleDie Wiskottens
publisherVier Falken Verlag-Berlin
printrun616.-650. Tausend
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
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senderwww.gaga.net
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8

Als das erste Frühlicht durch die Läden glitt, erwachte Gustav Wiskotten aus festem Schlaf. Er blinzelte nur und rührte sich nicht. Die Uhr im Wohnzimmer schlug sechs. Gleich darauf pfiff es in der Fabrik, schrill und anhaltend. Das weckte seine Aufmerksamkeit.

»Was? Sieben Stunden geschlafen? In einer Tour?« Das mußte im Kalender rot angestrichen werden.

Horch! Was war das für ein Gezwitscher im Nebenzimmer? Er sprang auf. »Die Kinder!«

Mit Windeseile war er in den Kleidern. Wie das Wasser heut erfrischte. Während er seine Toilette beendete, stand er schon horchend an der Tür. Der kleine Gustav hatte wohl einen Witz gemacht, denn da drinnen kamen sie aus dem Kichern nicht heraus. Wenn er jetzt einträte und über die Hemdenmätze herfiele! Eben noch hielt er sich zurück. Deubel auch, die Anna!

Er lachte vor sich hin. Würde das Mädel einen Schrecken bekommen haben. Dann trommelte er gegen die Tür.

»Aufstehen, ihr Langschläfer!«

»Sind schon längst auf. Etsch, du hast dich verschlafen!«

Er stand ganz still und sog den Laut der Kinderstimmen in sich auf. »Kommt ins Wohnzimmer, kleine Bande!«

»Ist Tante Anna auch eine kleine Bande?«

»Ich will sie mir erst mal ansehen.«

Im Wohnzimmer fand er den Kaffeetisch schon gedeckt. Seit einem halben Jahr hatte er sich den Morgenkaffee aufs Kontor bringen lassen. Nun saß er auf dem alten Hausherrnplatz und rieb sich die Hände.

»Guten Morgen, Anna. Gut geschlafen? Na, da seid ihr ja auch, ihr Trabanten!«

Dieser himmlische Radau, den die Kinder bei der Begrüßung vollführten! Da wußte man doch: Die Nacht war vorüber und der Morgen erwacht! Und man schlich nicht in den Tag hinein, wie man herausgekommen war.

»Jetzt wird gefuttert. Habt ihr Appetit?«

»Der Gustav hat schon im Bett ein Butterbrot haben wollen!«

»Junge, von morgen an kriegst du den Spruch übers Bett: ›Vielfraß nennt man dieses Tier wegen seiner Freßbegier!‹«

»Ich wollt' ja der Emilie nur die Krümel ins Bett schütteln, damit es jucken sollte.«

»Schäm dich, mein Sohn. Auf diese Weise verkehrt man nicht mit jungen Damen.«

»Papa, der Gustav hat mir was ins Ohr gesagt.«

»Was denn, Herzchen?«

»Er hat gesagt, ich wär' ja gar keine junge Dame, ich wär' ein Kücken.«

»Der Gustav wird sich noch sehr unbeliebt machen, scheint mir. Anna, da habe ich Ihnen eine nette Sorte aufgepackt.«

»Es sind Wiskottens«, lachte ihn das Mädchen an.

»Ach so – das soll wohl heißen, ich wär' auch nicht besser? Ich ziehe mich jetzt in die Fabrik zurück. Da hat man wenigstens Respekt vor mir.«

»Grüßen Sie Vater von mir.«

»Wird besorgt werden.« Er schwenkte seine Mütze gegen den Tisch und verließ das Zimmer. Bis auf den Hausflur drang der Lärm der Kinder hinter ihm her. »Guten Morgen, Christian.«

»Morgen, Herr Gustav. Nanu? Is dat Große Los schon heraus? Ich spiel' en Sechzehntel.«

»Ich bin mit em doppelten Einsatz herausgekommen, Christian.«

»Wat Sie nich sagen! Ich hab' beim Kohlenschippen noch keine Diamanten gefunden. Einmal en Hufeisen.«

»Dat bringt Glück.«

»Daraufhin will ich et noch en zwanzig Jahr' wagen.«

»He, Kölsch! Morgen! Anna läßt grüßen!«

»Guten Morgen, Herr Wiskotten. Haben Sie sich die Haare schneiden lassen?«

»Nee. Wieso?«

»Sie sehen so jung aus. Sind die Kinder fidel?«

»Ach, Kölsch, wenn dat fidel is, dann is 'ne Türkenschlacht en Ballett.«

Er tippte an die Mütze und eilte, aufs Kontor zu kommen. Schon pfiff es zur Achtuhrpause. So hatte er sich noch nie verspätet, aber es war ihm nicht leid darum. »Wonach riecht das hier?« fragte er, als er eintrat, und schnupperte in die Luft.

August sah auf. »Du wirst wohl liederlich, Gustav?«

»Ich? Meinetwegen liederlich. Warum?«

»Gestern verschwindest du spurlos aus der Fabrik und kommst den ganzen Tag über nicht mehr zum Vorschein, und heute –«

»Du, es stinkt hier aber niederträchtig.«

»Wenn man rosa Briefe erhält, soll es wohl nach Weihrauch duften? Da, zwischen deiner Privatkorrespondenz. Nimm doch endlich das Ding weg. Es verpestet hier ja die ganze Luft.«

Kopfschüttelnd sah Gustav Wiskotten auf das rosa Kuvert zwischen seinen Briefen, hob es vorsichtig mit den Fingerspitzen auf und hielt es an die Nase. »Da is sicher ein ganzer Moschusochse drin.«

»Nun spiel hier nicht den Überraschten. Ich rat' dir nur: Mach, daß du damit auf den Hof kommst. Wenn Mutter eintritt und riecht das, gibt es Krach.«

»Ich hab' aber doch keine Ahnung«, murmelte Gustav Wiskotten und riß das Kuvert auf. Nur einen Blick warf er auf die Unterschrift. Dann knüllte er den Brief zusammen und steckte ihn in die Hosentasche. »Gib mal den Einlauf herüber.«

Er überflog die Korrespondenz, machte sich Notizen, stellte ein paar verärgerte Fragen und verschwand.

»Die is wohl ganz von Gott verlassen ... Hierher zu schreiben!«

Er suchte sich hinter der Färberei einen verborgenen Winkel an der Wupper, sah sich wie ein Schuljunge nach allen Seiten um und holte den Brief aus der Tasche. »Rosa Papier! Ganz mein Fall!« Er strich das Papier auf dem Knie glatt und las:

»Hochgeehrter Freund und Gönner!

Eigentlich sollte ich Ihnen böse sein, denn Sie haben nicht Wort gehalten und mir geschrieben, wie fest versprochen. Aber wenn ich an Sie denke, und das tue ich immer, kann ich Ihnen doch nicht böse sein. Ich möchte nun so gern Ihre große Fabrik besichtigen, damit ich mir selber Bänder und Spitzen aussuchen kann. Und dann wollen wir irgendwohin fahren, wo es sehr schön ist. In allen Ehren. Aber einen recht, recht lieben Kuß will ich Ihnen doch schon geben, denn ich habe Sie geradeso lieb, wie Sie mich. Und wenn Sie Ihr Versprechen halten und mich ans Theater bringen, noch viel mehr. Da ich nun eine große Sehnsucht nach Ihnen habe, so komme ich Mittwoch vormittag nach Barmen und schicke einen Jungen in die Fabrik oder den Portier, damit Sie wissen, daß ich da bin. Ich freue mich schrecklich und bin mit herzlichem Gruß und Kuß Ihre ergebene

Gretchen Zinters.

P. S. Schreiben Sie nicht retour, ich sollt' nicht kommen. Denn ich komme doch.«

»Denn ich komme doch – –« wiederholte Gustav Wiskotten. Da hatte er sich ja schön in die Nesseln gesetzt – –

Nicht einen Augenblick mehr war ihm das Mädel in den Sinn gekommen, seit er den Genevergeschmack aus dem Munde hatte. Die konnte ihm gerade fehlen. Und noch dazu jetzt, wo er die Kinder im Hause hatte. Nicht über die Schwelle!

»Schreiben Sie nicht retour, ich sollt' nicht kommen – –.« Was machte man da? Sie auf dem Bahnhof erwarten und umgehend zurückspedieren? Ging nicht. Erstens wußte er ihren Zug nicht, und zweitens hatte sie die Station nicht genannt, an der sie aussteigen wollte. Außerdem: sich einer lächerlichen Szene auf dem Bahnhof aussetzen? Ihm wurde schon bei dem Gedanken schwül. Was also, zum Teufel! In der Pförtnerbude Order geben, sie nicht vorzulassen? Das konnte zu Verwechslungen Anlaß geben und zu Geschwätz. Er, der Fabrikherr, durfte seinen Leuten keine Angriffsfläche zeigen. Das war sein Stolz gewesen von jeher. Blieb ihm nichts übrig, als die Suppe auszuessen, die er sich leichtsinnigerweise selbst eingebrockt hatte.

»Himmeldonnerwetter!« – –

Er hoffte, daß ihm im Laufe des Tages etwas Gescheiteres einfallen würde als das ohnmächtige Wüten und verließ ärgerlich auf sich selbst sein Versteck. In der Fabrik ging ihm heute alles zu langsam. Die Scheltworte flogen durch alle Räume. Und als er Fritz im Laboratorium aufsuchte, um mit ihm wegen einer schwierigen Couleur Rücksprache zu nehmen, und der in Damenparfüms wohlbewanderte Bruder auf eine eigentümliche Weise die Nasenflügel einkniff, drehte er sich auf dem Absatz um und schmetterte die Tür ins Schloß.

»Das unterbleibt!« schrie Fritz dem Davonstürmenden nach.

Beim Mittagessen trug Gustav Wiskotten eine erkünstelte Fröhlichkeit zur Schau. Der Werkmeister aß bei ihm, bis sie sich über eine Regelung klar geworden waren. Aber die strahlenden Gesichter und das lustige Geplauder der Kinder, die unaufhaltsam von Düsseldorf und der Mama erzählten, machten ihn kopfscheu. Anna sah besorgt nach ihm hin und versuchte, das Interesse der Kinder auf sich zu ziehen. Das gelang ihr endlich. Und das Mittagessen verlief ohne Zwischenfall.

Nach Tisch ging der Werkmeister heim, um eine Stunde zu ruhen, und auch Gustav Wiskotten zog sich zurück. Aber einen neuen Gedanken konnte er nicht fassen. Am Nachmittag schützte er auf dem Kontor einen Geschäftsgang vor. Es war ihm eingefallen, seine Schwägerin Mabel aufzusuchen. Frauenzimmer haben in solchen Dingen immer Ideen. – –

»Die gnädige Frau ist nicht zu sprechen.«

»Ach, Unsinn, für mich ist sie zu sprechen. Melden Sie mich nur an. Gustav Wiskotten.«

Die verwöhnte Lady ließ ihn über Gebühr warten. Was sollte das Zeremoniell? War etwa Besuch drinnen?

»Sie möchten eintreten, Herr Wiskotten.«

»Sagt' ich's Ihnen nicht, Sie Weisheit vom Lande?«

Mabel Wiskotten kam ihm mit bezwingender Freundlichkeit entgegen. Lag es an seinem schlechten Gewissen, daß er trotzdem meinte, sie sei anders als sonst? »Entschuldige, Mabel, daß ich dich aus deiner Ruhe aufstöre. Aber die Sache eilt nun mal.«

»Es betrifft doch nicht die Kinder?«

»Die Kinder? Wie kommst denn du auf die Kinder?«

»Das liegt doch wohl am nächsten, wenn man zu ungewohnter Stunde einen Vater mit einem Sorgengesicht eintreten sieht.«

»Nee, die Kinder betrifft's Gott sei Dank nicht. Denen wird's in diesem Augenblick wohl sehr gut gehen.« Er sah sie mißtrauisch an. War sie wirklich verwirrt, oder sah er heute überall Gespenster?

Mabel fühlte den Blick und lächelte liebenswürdig. Was mochte der Schwager wollen? Sollte er schon von Emiliens Anwesenheit erfahren haben? Das war doch kaum zu denken.

»Bitte, nimm Platz, lieber Gustav. Und wenn ich dir mit irgend etwas dienen kann – von Herzen gern.«

Gustav Wiskotten setzte sich. Er suchte nach einem guten Anfang. Aber es kam ihm keiner.

»Hör mal, Mabel, du bist doch ein vernünftiges Frauenzimmer?«

»Zuweilen bilde ich mir das allen Ernstes ein, Gustav.«

»Mit dir kann man doch ein offenes Wort sprechen?«

»Sehr offene Worte sogar.«

»Also – Mabel – ich bin da in eine ganz verdeubelte Geschichte hineingeraten. Nee, nee, spann nur nicht gleich. Nix Unmoralisches. Immerhin: ein Mädel, ein kleines Mädel aus Düsseldorf. Nur so übers Gesicht gestrichen. Weiter gar nichts. Und nun macht der Racker Spajitzen.«

»Aber das ist ja köstlich!«

»Zur stürmischen Freude sehe ich nun gerade keinen Grund. Ich will sie nicht im Haus haben.«

»Was? Will sie denn zu dir ziehen?«

»Du scheinst der Sache doch nicht den nötigen Ernst entgegenzubringen. Besuchen will sie mich.«

»Wann?«

»Morgen vormittag.«

»Das ist aber doch reizend! Damenbesuch!«

»›Dame‹ ist wohl etwas zu viel gesagt. Sie möcht' zum Theater, vielleicht tut's auch der Chor, jedenfalls aber soll ich sie begönnern.«

»Du, Gustav: – ganz umsonst?«

»Aus Liebe zur Kunst kaum. Sie scheint sich darüber ein andres Programm entworfen zu haben. Am besten ist, du liest diesen Brief.«

»O Gott«, sagte Mabel und nahm den Brief mit gekraustem Näschen, »da wirst du viel zu erziehen haben. Vor allen Dingen gewöhne ihr das Parfüm ab, Gustav. Es gibt elegantere Sorten.«

»Du, Mabel, wenn ich dich nicht so blutnötig hätte –«

»Aber ich erteile dir ja schon den ersten guten Rat.«

»Na ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Lies, Kind, und find' nicht von vornherein alles so komisch.«

»Nein, Gustav«, sagte Mabel, als sie den Brief bedächtig durchbuchstabiert hatte, und in ihren Augen blitzte der Übermut, »komisch finde ich das keineswegs. Gretchen Zinters. Das ist doch die Tochter des Hauses, in dem dein Bruder Ewald gewohnt hat ...«

»Natürlich ist sie das. Der Alte hat einen Schnapsladen.«

»Und die Tochter beabsichtigte dein Bruder Ewald zu deiner Schwägerin zu machen. Wie kann man sich darüber so hinterrücks hinwegsetzen!«

»Was? Ewald? Das Gretchen Zinters? Vielleicht erklärst du mir, woher du diese Wissenschaft so plötzlich bezogen hast?«

»Das – das ist ein Geheimnis. Ich interessiere mich nun einmal für die Wiskottens.«

»Ich glaube, du hättest im Paradies auch Äpfel gestohlen.«

»Beruhige dich, Gustav, du kannst deinem Bruder ohne Scheu unter die Augen treten. Er war bereits mit dem Mädchen fertig.«

»Das wird ja immer besser? Seit wann unterhalte ich denn einen Handel mit alten Kleidern? Unser Jüngster und ich und seine Verflossene! Mabel, mir scheint, ich bin bei dir vor die falsche Schmiede gekommen. Statt mir aus der Patsche zu helfen, verhilfst du mir mit einer beneidenswerten Gemütsruhe zu der Rolle einer – einer lächerlichen Figur.«

»Und ich finde, du bist sehr ungerecht. Wenn man einen Feind besiegen will, muß man doch wohl zunächst das Gelände aufklären.«

»Nehmen wir an, das wär' nunmehr geschehen.«

»Werde doch nicht nervös, Gustav. Kaltes Blut, lieber Schwager.«

»Machst du dich nun eigentlich lustig über mich, oder kommt mir das nur so vor?«

»Es kommt dir nur so vor, weil dir die Rolle eines Theatervaters, der an der Kulissentür wartet, nicht liegt.«

»Mabel! Sapperment! Jetzt habe ich aber genug von der Zukunftsmusik! Weißt du einen Rat oder weißt du keinen?«

Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück, kreuzte die Fußspitzen und schloß die Augen. »Es gibt nur einen.«

»Endlich!« sagte er und atmete befreit auf. »Aber er muß radikal sein.«

»Du empfängst das Fräulein in deinem Hause – dem Pförtner sagst du, daß die junge Dame in deine Privatwohnung gewiesen werden soll – und eröffnest ihr dort, daß du inzwischen Gatte und Vater zweier blühender Kinder geworden seiest. Deine Frau aber –«

»Jetzt hab' ich genug.«

»Deine Frau aber«, fuhr sie fort, ohne sich aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen, »nähme dich in den nächsten Jahren voraussichtlich so sehr in Anspruch, daß du dich unmöglich halbieren könntest, weil du eben – ein ganzer Mann seist.« Sie öffnete die Augen und sah ihn an.

»Wenn ich nicht wüßte, daß selbst die schönste Katze Krallen hat, würde ich dir jetzt die Hände küssen.«

»Zur Ironie hast du keinen Anlaß. Das einzige, was ich bei diesem Tete-a-tete bedaure, ist, daß nicht an meiner Stelle Emilie sitzt. Ich kann nur eine Beichte entgegennehmen. Sie aber hat die Weihen und darf Absolution erteilen.«

»Danke. Nun bin ich vollständig orientiert.«

»Hoffentlich bin ich dir von Nutzen gewesen.«

»O ja. Sehr sogar. Ich hab' gelernt, daß eine Frau einem Mann stets gegen die eigne Frau beisteht, nie aber gegen eine Dritte.«

»Lieber Gustav, frage einmal den Geschäftsmann in dir. Eine Konkurrenz kann sehr gesund und förderlich sein, wenn sie nicht – in unlauteren Wettbewerb ausartet. Ganz so ist es zwischen Frauen.«

Gustav Wiskotten mußte lachen. »Saul zog aus, eine verlaufene Eselin zu suchen, und fand eine Krone.«

»Ich habe nie an deiner Intelligenz gezweifelt, Gustav.«

»Bist du nun fertig mit deinem Schnickschnack?«

»Ich bin fertig. Aber Schnickschnack war das nicht. Du schämst dich nur – – –.«

»Ich? Vor wem? Ich bin doch zu dir gekommen.«

»Ja, du Schlauberger, weil ich nicht Emilie heiße!«

Er erhob sich, um sich zu verabschieden. »Entschuldige die Störung, Mabel. Du hast deine Zeit an mich verloren.«

»Keineswegs. Ich habe mich selten so gut unterhalten.«

»Wenn du Geburtstag hast, bekommst du einen Hampelmann.«

»Ach, ihr eiteln Männer! Wenn wir Hampelfrauen nicht wären, wär' das ein trostlos langweiliges Kasperletheater! Heldenverehrung? Gustav, bei so viel staunender Hochachtung ginge mir der Atem aus. Purzelt ihr nur zuweilen über uns, dann ist uns vor eurer Gottähnlichkeit nicht mehr bange, und ihr habt den Vorteil, daß wir euch den Heldenrock ausbürsten.«

»Adieu, Mabel.«

»Adieu, Schwager. Und wie gesagt: empfange Fräulein Zinters im Kreise der lieben Deinen.«

»Wenn das nicht die reinste Schadenfreude ist, so ist es –«

»Die reinste schwägerliche Liebe.«

»Laß mich 'raus! Sonst verwechsle ich die Begriffe!«

»Armer Kerl. Ich will sehen, was ich noch für dich tun kann.«

»Um Gottes willen nicht. Ich hab' genug, übergenug!« –

Als er draußen war, wußte er nicht, ob er sich ärgern oder ob er lachen sollte. Geklärt hatte der Besuch die Situation in keinem Fall. Geklärt? Verwirrter, schwieriger, lächerlicher war sie geworden! Wie sollte er jetzt noch dem harmlosen, abgeschmackten Ding, dem Gretchen gegenübertreten, nachdem die schöne, spottlustige Frau dort oben in ihrem sonnenhellen Salon mit ihm und seinem Abenteuer Schabernack getrieben hatte ... »Hochgeehrter Freund und Gönner!« Das war, um vor Scham in die Erde zu sinken. Gustav Wiskotten und Gretchen Zinters! Bei Tageslicht! – – –

»Emilie!«

»Was wollte er, Mabel? Ich habe vor Angst kaum zu atmen gewagt.«

»Ich hoffe: vor Freude! Denke dir, der liebe Gott hat dein Gebet erhört.«

»Sprich nicht so leichtfertig. Welches Gebet?«

»Daß er Gustav einen recht dummen Streich begehen lassen möge.«

»Es ist doch nichts Schlimmes?«

»Nein, nein – aber – über alle Maßen dumm!« Sie warf sich ihr in die Arme und lachte. »Stelle dir vor: er in seiner erneuten Würde als Vater und Erzieher, ganz benommen von dem Glück, seine Kinder wieder um sich zu haben, und der Hoffnung, daß die Mutter der Spur der Kinderfüße bald folgen werde! Und in dieses schwererrungene, noch nicht ganz zum Abschluß gebrachte Idyll, in dem er sich gerade anschickt, den Platz des Göttervaters wieder einzunehmen, tappt ihm ein kleines Abenteuer, das einzige seiner Strohwitwerschaft, hinein und zerstört ihm seine Erhabenheit gerade jetzt durch die lästige Erinnerung an Augenblicke menschlicher Schwäche.«

»Gustav – –?«

»Er hat einmal auf fünf Minuten den Lebemann spielen wollen. Dieser prachtvolle ungezähmte Bär. Und ist trotz seiner Maskerade als Bär erkannt worden. Ein kleines Mädchen möchte ihm den Ring durch die Nase ziehen und ihn tanzen lassen.«

»Wer?«

»Fräulein Gretchen Zinters.«

»Ach du lieber Gott«, sagte Emilie Wiskotten erleichtert, »die hat Familienanhänglichkeit.«

»Was? Herzchen, du bist imstande, die Sache von der richtigen Seite zu nehmen? Du lächelst? Du lachst? Emilie!«

»Ja, glaubst du denn«, lachte Emilie Wiskotten in der Umarmung der Schwägerin, »ich würde mich so ohne weiteres unter die Erstbeste stellen? Bin ich denn so häßlich? Oder so armselig im Denken? Wozu wären dann die sechs Monate der Trennung gut gewesen? Mit einem halben Dutzend hätte er anbändeln sollen, während ich nicht da war. Aber jetzt – jetzt bin ich wieder da.«

»Jetzt bist du wieder da!«

Mabel Wiskotten sah staunend in das Gesicht der Schwägerin und las darin den Humor in der Würde und die Würde im Humor. Sie hielt eine Frau in den Armen, die ihr nichts mehr nachgab. Die sich danach drängte, ihr Examen zu bestehen.

»Was gedenkst du zu tun?«

»Ich werde ihm doch wohl helfen müssen.«

»Morgen schon?«

»Am liebsten schon heute.«

»Fräulein Zinters hat für morgen ihren Besuch angemeldet, und Gustav ist vor Verlegenheit aus dem Gleichgewicht. Das kleine Abenteuer war ihm vollständig aus dem Sinn gekommen. Nun schämt er sich vor den Kindern, und in den Kindern vor dir.«

»Ich werde ihm die Verlegenheit abnehmen, Mabel. Ich werde – ja – ich werde dasein. Und nun erzähle mir mal ausführlicher.«

Mabel schmückte aus. Und als sie Gustav als Protektor einer Theaternovize schilderte, den Schiller in der einen, die Puderquaste in der andern Schmiedefaust, die Fabrik im Kopf und die Dienertreue im Herzen, legte ihr Emilie Wiskotten die Hand auf den Mund. »Das glaubst du ja selber nicht.«

Sie wanderte durch den Salon, rückte hier eine Schale, strich dort über ein Kissen, sann vor sich hin, wurde blaß und wieder rot.

»Brauchst du mich, Emilie?«

»Könnte ich wohl telephonieren?«

»Komm mit, in Wilhelms Arbeitszimmer. An wen soll die Botschaft gehen?«

»Ich habe nur mein Reisekleid hier. Ich möchte mir, wenn du gestattest, ein paar Kostüme zur Auswahl hierherbestellen.«

»Das ist eine wundervolle Idee. Daran hätte ich nicht gedacht.«

»Ich möchte doch nicht«, entschuldigte sich Emilie Wiskotten, »zu sehr gegen das Fräulein abstechen.«

»Natürlich nicht! Das ist der einzige Grund! Schau mich nicht so mädchenhaft an, ich telephoniere schon ...«

Bis in den Abend hinein dauerten die Anproben. Die Frauen waren zu Kindern geworden, zu schönen, eiteln Kindern, die aus Freude, daß man sie liebt, gefallen möchten. Das Geschäftsfräulein, das die Auswahlsendung begleitet hatte, hatten sie fortgeschickt. Ganz allein wollten sie sein mit dem Gürtel der Aphrodite, erklärte Mabel mit einer parodierenden Bewegung. Sie kauerten zwischen den Schätzen, mit bloßen Schultern, nackten Armen, wählerisch Farbe und Schnitt prüfend, sich an- und auskleidend, Scherzworte mit Rufen der Bewunderung tauschend, und wieder und wieder die Frisur ändernd.

Emilie Wiskotten entschied sich für ein Prinzeßkleid aus feinem, dunkelgrünem Tuch. Eine breite Valenciennespitze fiel von den Schultern herab auf die Büste. Sonst war es ohne Schmuck, nur durch den Schnitt die Schönheit des Körpers betonend.

Ganz aufgeregt stand Emilie und blickte in den Spiegel. Ein fremdartiges Menschenkind schaute heraus, verwirrt und doch voll Freude an sich selbst.

»Kind, du hast Geschmack!«

»Es ist aber doch so einfach ...«

»Darin liegt ja deine Raffiniertheit, du Eva. Weil du weißt, daß bei dir nur das Kleid als Andeutung der Kultur zu dienen hat.«

»Ich nehme ein andres.«

»Wag es!«

Sie dachte nicht daran. Sie verschränkte die Arme hinter dem Kopf und lachte die Schwägerin an.

»Das kostet mich einen Verehrer«, sagte Mabel. »Ich habe eine große Unklugheit begangen.« – –

Am nächsten Vormittag schritt Emilie Wiskotten die hügeligen Straßen hinab und durchquerte die Stadt. Ein paar Bekannte begegneten ihr. Sie grüßte freundlich, als hätte sie sie erst gestern gesehen, und setzte ruhig ihren Weg fort. Das Herzklopfen, das sich in der Frühe beim Erwachen eingestellt hatte, war gewichen. Die Sonne, die am Himmel stand, forderte ein sonniges Antlitz. Und sie zeigte es der Sonne.

»Guten Morgen«, nickte sie dem Pförtner zu, als käme sie von einem Spaziergang zurück, und ihr Blick flog durch das Tor über den Besitz der Wiskottens.

»Ach Gott, die Frau Wiskotten – –« stotterte der Mann und riß die Kappe vom Kopf.

»Es wird nachher ein Fräulein kommen und nach meinem Mann fragen. Lassen Sie sie ins Haus eintreten. Meinen Mann brauchen Sie nicht zu benachrichtigen.«

»Herr Wiskotten hat mir schon gesagt – aber ich soll ihn rufen.«

»Es ist nicht mehr nötig.«

»Schön, Frau Wiskotten.«

Sie ging ins Haus und die Treppe zur Wohnung hinauf. Einmal blieb sie stehen, strich über das Geländer und über die Flurwand und schritt weiter. Ohne anzuklopfen trat sie ins Zimmer. Es war leer. Aus der Kinderstube ertönten Kommandorufe. Der kleine Gustav ließ sein Schwesterchen exerzieren.

Emilie Wiskotten blickte sich um, mit großen verlangenden Augen, und ihre Lippen zitterten. Alles um sie her war an seinem alten Platz. Nur die Hausfrau war nicht an ihrem Platz gewesen. »Jetzt, jetzt! Das hol' ich nach.« Dort stand der Sessel des Hausherrn, mit der bunten Schlummerrolle, die sie ihm gestrickt hatte. Wie geschmacklos war die Arbeit in Form und Farbe! Aber sein Kopf hatte gern darauf gelegen. Und nun saß sie in dem Sessel und drückte das glühende Gesicht gegen das harte Hängekissen ... Minutenlang – –. Dann hob sie den Kopf, nahm Hut und Jackett ab, strich das Haar zurück und horchte, das Glück der Heimgekehrten in den Augen, auf den Kinderlärm.

»Gustav – –! Emilie – –!«

Der Lärm verstummte.

»Ihr da! Wollt ihr nicht kommen – –?«

Ein Rennen hob an, die Tür schlug gegen die Wand, atemlos hingen die Kinder an ihren Knien.

»Wart ihr auch artig?«

»Mama! Mama!«

»Ja, ja, ja, ihr stürmischen Seelen, ich bleib' jetzt auch hier.«

»Tante Anna! Tante Anna!«

Anna Kölsch eilte aus der Küche herbei. Emilie streckte ihr die Hände entgegen. »Frag nicht. Ich bin da.«

»Ich laufe in die Fabrik. Ich will nichts voraushaben.«

»Nein, du bleibst hier. Herrgott«, sagte sie und legte die Hände über die Augen, »komme ich euch denn wirklich recht?«

»Würdest du sonst ein so frohes Gesicht machen? Emilie, ich muß ihn rufen! Die Freude muß er sehen!«

»Warte. Er wird von selber kommen. Und ich habe vorher noch einen anderen Besuch zu empfangen. Auf Wiedersehen, Anna. Da klopft's. Bleib in der Küche. Herein!«

Anna Kölsch verschwand. Auf der Schwelle stand Gretchen Zinters.

»Treten Sie ein, Fräulein.«

Gretchen Zinters zögerte. »Ich bin hier wohl falsch«, meinte sie, nachdem sie Umschau gehalten hatte, »ich wollte zu Herrn Wiskotten.«

»Er ist noch in der Fabrik, wird aber wohl gleich erscheinen. Bitte.«

Das Mädchen trat ein, und Emilie schloß freundlich die Tür.

»Wollen Sie nicht Platz nehmen? Mein Mann ist sehr beschäftigt.«

Gretchen Zinters' Augen hingen an dem vornehmen Tuchkostüm, der reichen Valenciennespitze, und huschten weiter, den farbenfrischen Frauenkopf scheu nur streifend. Ihre Nasenflügel blähten sich und schlossen sich. Es war etwas in der Luft, das ihr nicht behagte, das von der Luft in der väterlichen Likörstube zu sehr abstach. Und sie selbst, so hübsch sie sich herausgeputzt hatte, kam sich neben der lächelnden Dame wie ein kleines Laufmädchen vor. Der Zorn stieg ihr in die Augen, und sie warf den Kopf auf.

»Ich werd' wieder gehen.«

»Aber Sie haben meinem Mann doch geschrieben. Sie gefallen ihm, und er wird sehr gern etwas für Sie tun.«

»Dat hat er nich mehr nötig«, stieß sie heraus.

»Nicht? Sie kommen doch extra deshalb her?«

Gretchen Zinters nagte an der Unterlippe. Ihre Hände bogen den Stock ihres Sonnenschirmes.

»Wollen Sie sich nicht setzen? Kinder, bringt einen Stuhl. Das sind seine Kinder, Fräulein.«

Sie warf einen zornigen Blick auf die Kinder, die sie verwundert anstarrten.

»So, nun könnt ihr wieder in euer Zimmer gehen. Aber seid nicht so laut. Nun, Fräulein, könnten wir nicht die Angelegenheit erledigen?«

»Er hat mit mir gespielt!«

»Wer: er?«

»Der Herr Wiskotten, wer sonst?«

»Wäre das auf jeden Fall nicht richtiger als umgekehrt!«

»Geküßt hat er mich auch! Damit Sie et nur wissen!«

»Er hat keinen schlechten Geschmack. Und Sie haben ihn gewiß ganz gern wiedergeküßt. Aber ich muß Sie doch vor den Wiskottens warnen, Fräulein, das ist eine wilde Gesellschaft.«

»Ich lass' mich hier nich aufziehen!«

»Wer denkt denn an so etwas?«

»Von Frau und Kinder hat er mir nix gesagt.«

»Nicht?« lachte Emilie Wiskotten. »Dann war er's vielleicht gar nicht, sondern der Ewald?«

Gretchen Zinters wurde stammend rot. Den Kopf geduckt, maß sie den Raum, der sie von der Türe trennte.

»Wenn Sie keine Zeit mehr haben, Fräulein, will ich meinen Mann gern rufen lassen.«

»Nee, nich! Ich – ich wollt' ihm überhaupt nur sagen, dat – dat ich mich jetzt nach Neuß hin verheirat'.«

»Sie wollen nicht zum Theater?«

»Als längst nich«, erwiderte sie verstockt.

»Das ist schade, ich hatte mir nämlich vorgenommen, mit Ihnen nach Düsseldorf zu fahren, um Sie prüfen zu lassen. Mein Mann darf sich doch um sein Versprechen nicht herumdrücken.«

»Spitzen hat er mir auch versprochen, en ganz Paket. So viel als ich haben wollt'.«

»Die Männer sind zu vergeßlich, Fräulein. Zuweilen versprechen sie die Sterne vom Himmel, nur um einen Kuß zu bekommen, und wenn sie ihn haben, vergessen sie sogar ein Paket Spitzen. Die Erfahrung werden Sie mit Ihrem Manne auch noch machen. Aber die Spitzen erhalten Sie. Ich werde selbst dafür sorgen. Zu Ihrer Aussteuer, Fräulein.«

Gretchen Zinters hatte sich wiedergefunden. Keck und kaltblütig hob sie das Kinn. »Ich verlass' mich drauf.«

»Soll ich meinem Mann einen Gruß bestellen?«

»Dat hat er nich um mich verdient. Un et Fahrjeld is auch wegjeschmissen. Gibt et hier in Barmen nix zu sehen?«

»In Barmen wenig. Aber die Elberfelder behaupten: in Elberfeld.«

»Da fahr' ich lieber wieder nach Düsseldorf. Un – und Sie entschuldigen wohl, daß ich so frei war –«

»Es hat mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen. Adieu, Fräulein.«

Gretchen Zinters beeilte sich, die Treppe hinab und aus dem Tor hinaus zu kommen. Hinter ihr schrillte die Dampfpfeife so gellend Mittag, daß sie zusammenfuhr. Hunderte von Menschen drängten aus den Fabrikräumen, Gesichter, in die die harte Arbeit ihre Ehrenzeichen geschrieben, blickten sie an, als fragten sie höhnisch, was denn der bunte, kokette Schmetterling am Werktag hier zu suchen habe? Eine große starkknochige Frau mit faltigen Zügen und scharfen Augen stand neben dem Tor und musterte sie. Die Augen kannte sie. Und sie machte sich ganz klein, nur um diesen Augen zu entkommen, und drängte sich durch den Schwarm der Arbeiter ins Freie. – –

»Die sieht ja aus wie aus em Zirkus«, sagte die alte Frau Wiskotten mürrisch zu ihrem Sohn August. –

Gustav Wiskotten kam von der Wupper her, als der Hof sich geleert hatte. Er ging auf die Pförtnerbude zu.

»Niemand nach mir gefragt?«

»Ich hab' dat Fräulein in et Haus geschickt.«

»Aber Sie sollten mich doch rufen lassen!«

»Ihre Frau sagte, et war' nich mehr nötig.«

» Wer hat das gesagt?«

»Ihre Frau. Als sie heut morgen ankam, sagte sie, wenn –«

Gustav Wiskotten hörte nicht mehr. Er war schon im Haus. Er stürmte die Treppe hinauf, die Stufen paarweis nehmend, ein Brausen in den Ohren, ein Brennen in den Augen. Der Gedanke an Gretchen Zinters schoß ihm durch den Sinn. Schon war sie vergessen. Mochte sie doch der Deubel holen! Ganz Barmen! Auch die Fabrik! Auch die! Emilie war wieder da? Nicht einen Tag, nicht eine Stunde länger hätte er es ohne sie ausgehalten! Das war ja ein Hundeleben gewesen! Ein Mann wie er! Ohne Frau – –! Lieber ohne Arbeit! Er lachte, daß es dröhnend durch das Haus schallte. – –

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