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Die Wandertruppe oder Das Dekamerone der Verkannten

Julius Stinde: Die Wandertruppe oder Das Dekamerone der Verkannten - Kapitel 6
Quellenangabe
authorJulius Stinde
titleDie Wandertruppe oder Das Dekamerone der Verkannten
publisherVerlag von Freund & Jeckel. (Carl Freund.)
year1887
illustratorOscar Wagner
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170401
projectid356b7564
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Willibald Päpke.

Willibald Päpke,

unser Komiker, erzählt:

Ich bin Komiker von Gottes Gnaden. Schon als Kind konnte ich die merkwürdigsten Grimassen schneiden. Das ist eine Gabe. Nicht Jeder hat sie. wer sie aber hat, kann sich gratuliren. Ich gratulire mir daher täglich selber nach Kräften.

Das sogenannte Klassische ist bloßes dummes Zeug. – Warum? – Man kann dabei nicht lachen. Das Publikum will nun aber einmal lachen. Alles Andere ist Mumpitz. –

Ich mache die schönsten Witze. »Allemal derjenige welcher!« sage ich im Fest der Handwerker. Dieser Witz zieht jedesmal. –

Die Hauptsache ist das Kouplet. Ich habe immer die neuesten Verse. So oft das Publikum applaudirt, komme ich wieder vor und improvisire, so lange der Souffleur noch was auf der Walze hat. Ich habe dem Direktor vorgeschlagen, mir einmal den Hamlet zu überlassen. Ich hätte dann das Kouplet eingelegt: »Doch glücklich, August, macht das nicht!« Er wollte aber nicht, weil es ihm an Kunstsinn fehlt.

Ich kann auch auf dem Kamm blasen. Ein Dichter versprach mir, eigens ein Stück dazu zu schreiben. Er hat es bis jetzt noch nicht abgeliefert. Ich werde ihm helfen müssen. Ich blase sogar die Variationen über die schöne Melodie: »Kommt ein Vogel geflogen«. Die halten schon alleine ein Stück über Wasser, wenn es sonst auch noch so mau ist.

In Damenrollen bin ich unübertrefflich. Ich imitire die Pepita, daß das Publikum blos so kreischt. Zum Schlusse lasse ich mir einen Kranz auf die Bühne schmettern und werfe der Gallerie Kußhände zu. Das macht einen riesigen Effekt.

Trotzdem habe ich noch kein Engagement an ein Hoftheater erhalten; natürlich nur aus Neid und Kabale nicht. – Das muß man kennen!

Mein Leibgericht ist Eisbein mit Bauerkraut. Klabberjas spiele ich vorzüglich.

Mehr will ich von meinen Talenten nicht sagen, man könnte mich sonst für ruhmredig halten. So viel ist aber gewiß: es giebt keinen größeren Komiker als mich. Alle Andern sind Bowel und Schund. Nur ich allein kann etwas leisten, da können Sie fragen, wen Sie wollen.

Erster Komiker.

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