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Die Vogelscheuche

Ludwig Tieck: Die Vogelscheuche - Kapitel 11
Quellenangabe
typenovelette
booktitleSchriften, Siebenundzwanzigster Band
authorLudwig Tieck
year1854
firstpub1835
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleDie Vogelscheuche
pages356
created20130827
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Siebente Scene.

Historische Nachrichten von Elfen und Geistern.

Heinzemann hatte indessen fleißig auf seinem Observatorium und in seinem Garten gearbeitet, und um so eifriger, da sein Freund in Orla, so wie Ambrosius im Gebirge seine großen und neuen Forschungen nicht gehörig zu würdigen verstanden. Seit einiger Zeit lebte er ganz einsam draußen in seinem Garten, und hatte sogar Peterling gebeten, ihn auf einige Wochen mit seinem Besuch zu verschonen, um in einem eignen Studium, auf welches er gerathen sei, auf keine Weise gestört zu werden. Ophelia war auch schon zu ihrem Vater zurückgereiset, und der junge Offizier nach seiner Garnison gegangen, so daß der Forscher sich in schöner Einsamkeit allen seinen mystischen Bestrebungen und seinen wunderbaren Beobachtungen ergeben konnte.

Seit einiger Zeit hatte er seine so sehr geliebten Gestirne und selber den nahen vertraulichen Mond vernachlässigt. Gräser, Blumen, die zartesten Pflanzen und die fast unsichtbaren Moose hatten seine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, so daß er sich selten nur ein Stündchen für andere Arbeiten abmüßigen konnte. So hatte er vor einigen Nächten einen seltsamen Traum gehabt, der ihm nicht nur sehr merkwürdig dünkte, sondern den er auch sogleich mit allen seinen Partikularitäten, da er ihm beim Erwachen noch deutlich in der Erinnerung war, niederschrieb. Er meinte, er sei in einem durchaus magnetischen Zustande gewesen, und er fürchtete einige Tage, daß ein tödtliches Nervenfieber drohend im Anzuge sei. Er blieb aber gesund, nur in einem hohen Grade exaltirt. In diesem fast fieberhaften Zustande hatte er kleine Kästchen oder Häuschen aus Rosenblättern geflochten, die 130 Stäbe waren leichtes feines Schilf, welches im Mondschein gepflückt war, drinnen waren mit dem feinsten Gummi die Staubfäden von Lilien, Primeln und geheimnißvollen Purpurblumen befestigt, und beim ersten Mondviertel stellte er diese sonderbaren Geflechte in den Thau des Grases unter den Akazien-Gebüschen hin.

Es schien wohl, sein Traum habe ihn zu allen diesen Seltsamkeiten begeistert, denn er sah oft die Blätter wieder an, welche er an jenem merkwürdigen Morgen geschrieben hatte.

Ein andres seltsames Instrument hatte er erfunden und verfertigt, welches er oft an das eine Ohr hielt, indeß er das andre verstopfte, und sich dann aus dem Fenster seines untern Zimmers hinaus lehnte, um das Summen und Brummen, das Geflüster der Heimchen, Schmetterlinge, Bienen oder herumwandernden Gewürme zu observiren. Er bildete sich nehmlich ein, er könne durch dieses neu erfundene Hörnchen auch die Naturlaute in stiller Einsamkeit vernehmen und unterscheiden, für welche unser Ohr nicht zart genug gebaut worden sei, oder die durch das stärkere Geräusch der Bäume, oder der Vögel, und andere dazwischen brausende Stimmen überschrieen würden. So lag er viele Stunden der Nacht auf der Lauer, so ergänzte er seine Blumen-Häuschen wieder, für die er andre Staubfäden an jedem Morgen sammelte, so blieb er in den Nächten wach, so nahm er wenige Nahrung und gewann ein blasses und krankes Ansehn, so daß seine Freunde, wenn sie ihn in diesem Zustand hätten sehen können, gewiß zum Glauben wären gezwungen worden, daß er einem krankhaften Wahnsinn ziemlich nahe sei.

Das erste Viertel des Mondes schwebte geheimnißvoll über den Bäumen und Gebüschen, der Jupiter stand am Himmel, Venus war unlängst aufgegangen und strahlte hell, 131 das Rosenhäuschen stand im Grase unter dem Fenster, kein Licht im Zimmer brannte, und der begeisterte Heinzemann lauschte, sein Hörnchen am Ohr, nach den Gräsern hinunter. Er vernahm ein feines Schrillen, ein lieblich tönendes Flüstern, es war ihm, als wenn die Mondstrahlen ein vertrauliches Gespräch mit einem verirrten Schmetterling und einer verspäteten Biene führten. Die flimmernden Töne wurden aber in der Dämmerung der Natur immer deutlicher, besonders da jetzt Heinzemann auch die Augen fest verschloß, um besser hören zu können. Kuckuk! sagte eine zarte Stimme. Rohrdommel! so schien eine zweite flüsternd zu antworten. – Wie kommst Du hieher? fragte das, was erst Kuckuk gerufen hatte. – Sonderbar genug, sprach ganz fein, aber doch vernehmlich, was vorher Rohrdommel gesprochen hatte, ein magischer Künstler hat mich, ohne daß er es weiß, in diesem Blumen-Häuschen abgefangen, hier muß ich in dem Gitter unter den Staubfäden sitzen, bis der Morgenhahn kräht. Zum Glück weiß er nichts davon, denn stülpte er vorher eine weiße Glockenblume über mich und das Haus, so müßte ich auf lange Zeit sein Diener bleiben.

Heinzemann war selig, als diese Reden so unerwartet sein Ohr trafen. Er ängstete sich nur, ob nicht auch schon alle weißen Glockenblumen seines Gartens abgeblüht seyn würden. Doch lauschte er noch und hörte, daß der Eingesperrte fragte: Rohrdommel, wo kommst Du her? – Du weißt ja, sprach jener, daß ein Herumsuchen nach Heimchen, Deiner Braut, ist, welche sich so unbegreiflich verloren hat, daß selbst König und Königin sich um die Kleine ängstigen. Wir fürchten alle, sie sei in die Sklaverei irgend eines rohen Sterblichen gerathen. Heimchen und ihre Eltern haben sich freilich schwer an dem priesterlichen Fürsten Domgall versündigt, der verdrüßliche Herr ist aber auch schon ziemlich 132 zur Versöhnung geneigt, wenn sie alle wollen Buße thun. Dazu muß aber das verlorne Heimchen erst wieder da seyn, und dazu ist noch keine Aussicht. Nun meinten wir, Deine Freunde Petersilie und Majoran, Du, als der Bräutigam, wüßtest vielleicht von der armen Kreatur etwas, so schicken sie mich, weil Du auch schon seit einigen Wochen umschwärmst. Vorher war unsre ganze Familie mit der ganzen Dienerschaft als ein Volk Johanniskäfer oder Leuchtwürmer im Garten, aber wir alle haben Dich nicht verspürt.

Rohrdommel, flüsterte Kuckuk aus seinem Gefängniß heraus, Du weißt ja, wie ich mich härme, seit der große Zank und Spektakel in unsern Familien losgegangen ist, ich bin ganz klein und mager geworden, mich kann eine Ameise umrennen, wenn ich draußen spazieren gehe, so sehr gräme ich mich um mein Heimchen. Das ist auch Ursache, daß ich in dem dummen Hause hier sitzen muß. Ich spionirte vorher hier an der Mauer, da flog eine Schwalbe vorbei, die ein Nest macht; sie ließ aus dem Schnabel etwas fallen, das stürzte auf den kleinen Johannisbeerstrauch, da hatte sich ein großer Thautropfen schwer angehängt, der fiel von der Erschütterung so platzend und brausend dicht an meinem Kopfe nieder, daß ich mich entsetzte, und in dem tödtlichen Schreck in diesen künstlichen Blumenkäfig sprang. Ich merkte es in der Angst nicht, daß das Ding ein magisches Schilderhaus sei.

Kann ich Dir nicht heraushelfen, armer Kuckuk?

Laß, Rohrdommel, ich kenne Deine Riesenkräfte, Du bist im Stande, es mit einer Biene aufzunehmen, aber hier mein Drillhäuschen ist so nach allen Regeln der Kunst zugerichtet, daß selbst Titania nichts vermöchte. Der dumme Mann, der mich eingefangen hat, ist doch nur einfältig und der Zauberei nicht gewachsen, denn er wird in seinem Garten die weiße Glockenblume, die dazu nöthig ist, nicht finden, 133 dazu hat er einen muntern, sehr wachsamen Hahn, der herauskommt, und früher kräht, als alle die Herren in der Nachbarschaft, und so wie der Morgenherold schreit, ist mein Gefängniß unwirksam.

Heinzemann fühlte den Angstschweiß auf der Stirn, auch fing er an, auf den naseweisen Elfen böse zu werden, doch zwang ihn seine Neugier, dem Diskurs noch länger zuzuhören.

Und Du hast keine Spur von Heimchen, armer Kuckuk? fing Rohrdommel wieder an.

Ich bin mehr wie einmal auf solche gerathen, sprach der Gefangene, aber trotz meiner angestrengten Spürkraft habe ich doch nichts gewisses erfahren können. Eine Nachtigall, die später angekommen war, wollte sie drüben im Gebirge haben herum fliegen sehn, Du weißt aber selbst, wie plauderhaft und verlogen die meisten Wandervögel mit ihren Schiffernachrichten sind, ich fand einen Einsiedler, eine alte Drohne, die sich aus ihrem Stock gerettet hatte, und in einer Lindenblüthe lebte, das mürrische Thier erzählte mir, in einer hellen Mondscheinnacht sei sie von Heimchen angerannt worden, die in Hast gewesen sei. Es sieht Heimchen nicht unähnlich, die immer einen wilden Charakter hatte, den sie schon von der Mutter erbte, und durch den sie auch unglücklich geworden ist. Auf dem klaren Bach, der vom Gebirge nieder rinnt, begegnete ich vor zwei Nächten einer ganzen Flotte von abgefallenen Lindenblüthen, in denen wohl hundert Geister herunter schifften, sie sangen hübsche Lieder und schwatzten und erzählten viel, es war aber nichts Gründliches in diesem Gewirrsel, denn sie waren von der großen Hochzeit ganz voll, zu welcher sie segelten, da ein neues Reich gestiftet und ein neuer Prinz ernannt ist, der schnell von einem simpeln Elfen seine Karriere gemacht hat. Nun zog's mich unwiderstehlich 134 in diesen Garten herein, ich dachte sie hier zu finden, oder wenigstens Spur und Nachricht anzutreffen, und ich war so auf Heimchen ereifert, daß ich ganz dumm wurde und nicht merkte, daß es dieser fatale magische Apparat war, der mich zwang und lockte. Dazu nun der Schreck von dem Thautropfen, daß ich hier herein sprang und nun bis zur Frühe Katz aushalten muß.

Pfui! sagte Rohrdommel, sprich nicht von Katzen, vor vier Wochen haschte mich eine auf der Wiese und ist so mit mir umgegangen, daß ich es lange nicht vergessen werde.

Kuckuk lachte so laut, daß die Gitter seines Kerkers, die Staubfäden zitterten; denn Rohrdommel war wegen seiner Zerstreutheit berüchtigt, und die Feen lachten oft über seine Abwesenheit, die ihn zu Zeiten in die seltsamsten Abentheuer verwickelte. Rohrdommel schien verdrüßlich, denn er sagte: Wer noch lachen kann, der ist noch nicht sehr unglückselig, ich habe auch nie an Deine heftige und sentimentale Liebe glauben können, denn Du warst immer ein Springinsfeld.

Sachte! sachte! Du Händelmacher, rief Kuckuk aus seinem Kästchen heraus, und rüttelte gewaltig an den Stäben, Du bist nicht dazu gestellt, Moral zu predigen, da Du schon zwei allerliebste Elfchen hast sitzen lassen, dann eine dritte entführt, wo Dich denn auch der würdige Domgall vor sein Konsistorium zitirte. Weißt Du noch, wie Du Abbitte und Kirchenbuße thun mußtest?

O, Er Naseweis! schrie Rohrdommel und stampfte so mit den Beinen, daß eine kleine Ameise aufwachte, die schnell weiter rannte; Er Bösewicht, ritt Er nicht damals auf einer Fledermaus in alle Welt, um in einer Ehe Unfrieden zu stiften und die schöne Myrthenblüthchen zu verführen?

Du weißt recht gut, Rohrdommel, schrie Kuckuk aus Leibeskräften, daß das Lüge und Verleumdung ist, und wenn 135 ich nur herauskönnte und einen Grashalm losflechten dürfte, so wollte ich mit der Binse in der Hand vor Dich hintreten und blutige Rechenschaft fordern. – Er sprang so wüthig hin und her, daß von seinen heftigen Bewegungen das Rosenhüttchen umfiel und Heinzemann den Elfen, der wahrscheinlich auf das Gesicht gefallen war, nur noch schwer ächzen hörte. Rohrdommel weinte laut und schien sich an dem Häuschen ohne Erfolg zu bemühen, um es wieder aufzurichten. Armes Kind! klagte er, o sei mir nicht böse, Kuckukslämmchen, ich habe es nicht so schlimm gemeint, Du bist ja mein bester Freund, mein Butterengelchen, ich habe Dich ja so lieb wie meine Gattin, wie den feinen weißen Honig, den die Biene so eben gekeltert hat. Er weinte, aber trotz aller Anstrengung konnte Heinzemann durch sein Hörnchen nichts weiter vernehmen. Es schien ihm also die höchste Zeit, heraus zu gehen und die Blumenglocke zu suchen, um sich den Elfen als dienstbaren Geist einzufangen.

Indem er aus dem Hause trat, bedachte er sich einen Augenblick, ob es nicht am besten sei, nach dem Hühnerstalle zu gehn und dem großen Hahn ohne weiteres den Hals umzudrehen, damit er nicht den Morgen auskrähen könne. Es fiel ihm aber ein, daß die Hühnergemeinde, im Schlaf gestört, erschreckt auffahren würde und der irre gemachte Hahn vielleicht lange vor der Zeit seinen Morgengruß heraus schreien möchte. Dann war diese wunderbare einzige Gelegenheit, die wohl nicht wieder kommen dürfte, sich einen verirrten Elfen einzufangen, auf immer verloren und versäumt. Er ging daher sacht durch den Garten und nahm sich nur in Acht, daß er in der Finsterniß nicht etwa auf das Zauberhäuschen treten und dadurch die Früchte seiner Arbeit verlieren möchte. Er suchte auf den Blumenbeeten, aber Alles war schon abgeblüht. Er lief den kleinen Hügel 136 hinauf, durch das Wäldchen, weil er hoffen konnte, daß dort, in der Nähe der Hütte, welche der Gärtner bewohnte, sich noch eine Blume finden dürfte, weil dieser Mann die größte Sorgfalt für alle Gewächse trug, die Blumen sehr pflegte und oft verpflanzte, und besonders diese Gattung von Blüthen liebte. So war es auch. Hier standen noch weiße Glockenblumen. Schnell war eine gepflückt, und mit zitternder Hast rannte Heinzemann nach seinem Hause zurück. So wie er sich diesem näherte, ging er langsam und vorsichtig, er stand still, schaute empor und dann auf die Erde, bückte sich behutsam und tastete mit den Fingern spürend und linde nach dem kleinen Rosengeflechte. Jetzt fühlte er es und stülpte alsbald die weiße Glocke der verhängnißvollen Blume darüber.

Sogleich vernahm er wie eine leise Musik. Gefangen! gefangen! In Dienst gerathen! sang es nun in zarten, aber doch so lauten Tönen, daß sie auch das gewöhnliche menschliche Ohr ohne künstliche Vorrichtung vernehmen konnte.

Ergiebst Du Dich, Kleiner? rief Heinzemann hinab.

Ich bin schon Euer, ertönte es, ich darf nicht weichen, bis meine Zeit um ist. Ich habe, wie eine Dienstmagd, mein Miethsgeld empfangen, seit mir in der Blume diese weiße Nachtmütze aufgesetzt ist. Jetzt müßt Ihr mir aber einen andern Namen geben und mich bei dem rufen, damit ich heraus und Euch sichtbar werden kann.

Welchen Namen? sagte Heinzemann, Kasper, Peter, Michel? die scheinen mir alle für Dich nicht zu passen. Sie nennen Dich ja Kuckuk, wie ich durch mein Hörmikros erfahren habe.

Das darf nicht seyn, zischelte lebhaft der Elfe, so lange ich als Sterblicher erscheine, muß ich so heißen, wie Ihr mich tauft. Nennt mich nach Etwas oder Jemand, was Ihr nicht leiden könnt, nur darf es kein Mensch seyn, der noch 137 lebt; und bitte, bitte recht sehr, nicht etwa Wanze oder Knoblauch.

Kuriose Gesetze! murmelte Heinzemann für sich, aber interessant, alles das zu erfahren. Nun so will ich Dich also Alfieri rufen, denn die Tragödien dieses Mannes sind mir immer sehr langweilig vorgekommen. Tritt hervor, Alfieri!

Und indem er so sprach, hob er mit der Hand das Häuschen empor, lös'te die Blumenfäden ab und vor ihm stand ein schöner blühender Knabe in einem leichten, weißen Gewande. Alfieri bückte sich und küßte seinem Herrn, als Zeichen seiner Unterwürfigkeit, die Hand. Was fangen wir nun mit Dir an? fragte Heinzemann.

Wenn Sie ein Bodenkämmerchen haben, geehrtester Herr und Gebieter, so geben Sie mir gütigst zu diesem den Schlüssel, dort will ich die Nacht zubringen, und, da ich jetzt ein sterbliches Wesen geworden bin, noch einige Stunden schlafen. Morgen früh werde ich mir den Anzug eines gewöhnlichen Jockey zu schaffen wissen, und so erscheine ich dann vor Ihnen, Ihren Freunden und Hausgenossen. Haben Sie keine Equipage und keine Pferde, so werde ich als ein gewöhnlicher Diener und Aufwärter Ihnen nachschreiten, und alles das verrichten, was Sie mir auftragen werden.

Kind, sagte Heinzemann, nimm hier den Schlüssel und geh auf Dein Zimmer, thue dort und überhaupt, was Dir gut dünkt. Aber ich habe viel zu viel Liebe zu Dir, auch achte ich Dich zu sehr, um Dich wie einen gewöhnlichen Bedienten behandeln zu können. Du sollst, wie ich hoffe, mein Freund seyn; Du wirst mir manches entdecken, mich unterrichten und in diesem geheimnißvollen Bündniß, in welchem wir, aller Welt unbewußt, nunmehro stehen, werde ich, so lange Du bei mir bleibst, mein höchstes Glück finden.

Mein gnädiger Herr, sagte Alfieri, das ist Alles recht 138 gut und schön, es hat aber auch seine bedenkliche Seite. Wir dürfen nicht vergessen, daß diese etwas grobe Verkörperung, diese Erscheinung, in welcher ich als Mensch auftrete, daß dieses Alles mir als verdiente Strafe widerfährt, weil ich mich von meiner Leidenschaft zu meiner Braut zu weit habe führen lassen. Ich suchte mein Heimchen zu emsig, ich verlor den Kopf, ich verließ das Feenreich und widerstrebte dessen Gesetzen und meinen Höheren. So wurde ich durch meine Schuld von Ihrer Gewalt bezwungen. Daß ich nun einem Magier als Jockey angehöre, einem Manne, der (verzeihen Sie mir, aber ich kann es nicht verschweigen und unterdrücken), der es in der Magie noch gar nicht weit gebracht hat, der immer nur noch Anfänger, Pfuscher oder Bönhase ist (werden Sie nicht roth vor Zorn, mein Gnädiger), sehen Sie, daß ich Ihnen unterworfen bin, ist meine Buße und Strafe, es ist ein Zustand der Erniedrigung, und, bin ich einmal wieder frei, werde ich Spott und Satire von meinen Brüdern und Vorgesetzten noch genug darüber aushalten müssen. Drum paßt es für mich, zu dienen, aufzuwarten, ausgescholten zu werden. Sein Sie versichert, ich weiß die Freundschaft eines Mannes, wie Sie einer sind, zu schätzen, Ihr Vertrauen wird mich ehren, ich werde Liebe mit Liebe erwiedern, aber ich warne Sie vor einer Sache, verziehen, verhätscheln Sie mich nicht. Wir Elfen, alle wie wir da sind, haben einen Hang zum Uebermuth und zur Schadenfreude, aus jedem von uns kann nach Gelegenheit ein Kobold werden, und dann sind die Sterblichen, selbst die besten, vor unsrer Tücke nicht sicher. Drum halten Sie mich streng wie einen Sohn, den Sie zu einem braven und nützlichen Menschen erziehen wollen.

Gut, sagte Heinzemann, ich danke Dir für Deine Warnung, aber wo bliebe denn das Wunderbare eines 139 Verhältnisses, auf das ich mich so gefreut habe? So lebten wir ja nur ein ganz gewöhnliches Leben.

Das Wunderbare, sagte Alfieri, wird uns darum doch nicht ganz entgehen. Es duckt oft, wie der Haase, an Stellen auf, wo man es am wenigsten vermuthet. – Gute Nacht, theurer Herr und Patron, mein gnädiger Gönner, ich wünsche Ihnen annehmlichen Schlaf und liebliche Träume.

Alfieri ging ruhig und gesetzt zu seinem Kämmerchen hinauf, doch Heinzemann konnte den Schlaf nicht finden, so sehr war er von Allem, was er gesehen, gehört und erlebt hatte, aufgeregt. In dieser Unruhe wechselnder Gedanken vernahm er plötzlich die laute Stimme seines Hahns, die ihm bedeutsamer als je erschien, da dies Krähen ihn eine Stunde früher um das sonderbare Glück gebracht hätte, welches so seltsam war, daß er es sich noch nicht mit Behaglichkeit aneignen konnte.


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