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Die Vestalinnen - Band IV

Robert Kraft: Die Vestalinnen - Band IV - Kapitel 25
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typefiction
authorRobert Kraft
titleDie Vestalinnen - Band IV
publisherH. G. Münchmeyer, G. m. b. h., Niedersedlitz-Dresden
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24.

Ein Schurke, wer schlecht davon denkt!.

Zwei Tage waren wieder vergangen, als am Morgen die beiden vereinigten Karawanen am Ufer eines breiten Stromes hielten und beratschlagten.

Der Strom war sehr breit; eine weittragende Büchse hatte die Kugel wirkungslos das andere Ufer erreichen lassen, und dort drüben beschien die Morgensonne die zahlreichen Lederzelte von Indianern – es war das Lager des springenden Panthers.

Nach der Beratung lenkten Juba Riata und der Anführer der Indianer ihre Pferde in die Strömung, und weiter und weiter entfernten sich die Tiere vom Ufer des angeschwollenen Flusses, dann verloren sie den Boden, sie mußten schwimmen, gerieten in die Strömung, bis sie nach geraumer Zeit das jenseitige Ufer erreicht hatten, allerdings weit unterhalb ihres Zieles.

Nach der Beratung lenkten Juba Riata und der Anführer der Indianer ihre Pferde in den Strom.

Die Zurückgebliebenen sahen, wie die beiden Reiter langsam auf ihren erschöpften Rossen in das Lager einritten, ohne daß sie eine Bewegung dort bemerkten. Die Indianer lagen wahrscheinlich träge in ihren Zelten, und die Frauen gingen ihrer Beschäftigung nach, sie schöpften Wasser.

Die Engländer warteten geduldig. Juba wollte ihnen ›schreiben‹, ob sie den Fluß passieren durften, ohne von den Penchuenchen feindlich empfangen zu werden.

Auch der Indianer kann ›schreiben‹, und zwar so weithin, wie das Auge sehen kann, und die Schriftzeichen, derer sie sich bedienen, sind bei fast allen Indianern Amerikas die gleichen, dieselben, die er bei der Fingersprache anwendet.

Diese Sprache ist sehr unvollkommen, noch viel unvollkommener als die Bildersprache. Wie sich die Indianer mit Hilfe der letzteren verständigen, mag ein Beispiel zeigen, welches ein lange unter den Indianern lebender Engländer erzählt:

Ein Häuptling war bei einem benachbarten Stamme anwesend, als ein Bote ihm meldete, der ›rennende Fuchs‹ habe seinen Posten verlassen, der Stamm frage, was mit dem Straffälligen geschehen solle. Der schweigsame Häuptling verschmäht, mündlich eine Antwort zu geben, oder der Bote brauchte einen schriftlichen Befehl, kurz, der Häuptling nahm ein Stückchen Leder, malte mit roter kreide ein Zelt darauf und einen rennenden Fuchs, der dem Zelte den Schwanz zudrehte, zwischen beides einen Stock, und als der Bote in das Lager zurückkehrte, wurde der ›rennende Fuchs‹ mit Stockschlägen aus dem Lager getrieben.

Noch viel einfacher ist die Zeichensprache, es ist eine Art von Luftmalerei. Man malt mit einigen Strichen ein Pferd, einen Hund, einen Hirsch, einen Baum, Busch, Wiese, Menschen und so weiter, es geht alles blitzschnell, aber der Indianer ist darin so geübt, daß er die kompliziertesten Begriffe ausdrückt. Durch solche Zeichen können sogar Begriffe wie Liebe, Haß, Tod, Verachtung und so weiter verdeutlicht werden.

»Glaube nicht, daß der springende Panther uns hinüberläßt,« sagte Hastings zu Don, welcher die Antwort Jubas übersetzen sollte, »wir sind ihm eine zu starke Anzahl von bewaffneten Leuten.«

»Das würde ihn nicht dazu veranlassen, eine abschlägige Antwort zu erteilen,« antwortete Don. »Der springende Panther ist wirklich ein tapferes Mann, der Feigheit verachtet. Vielleicht aber verbietet er es uns darum, weil dort drüben sein Gebiet anfängt. Nun, wir werden es bald sehen.«

»Und wie steht es mit den geraubten Mädchen, wird der Häuptling sie gegen Geschenke an uns ausliefern?«

»Ich vermute fast, ja; wie ich jetzt nämlich gehört habe, hat der springende Panther durch die Ueberschwemmung große Verluste gehabt, sein ganzer Vorrat von Tabak, Mehl und so weiter ist zum Teufel gegangen, ebenso viele Pferde, und zwar hauptsächlich durch die Schuld der fremden Weiber, weil diese den Indianern zu viel zu schaffen gemacht haben. Nun kommt aber bei den Pechuenchen erst Tabak und Mehl, dann das Pferd, und schließlich die Weiber, ich glaube daher, daß der springende Panther sehr gern auf einen Tauschhandel eingeht, das heißt, wenn er nicht Liebe zu einem Mädchen empfindet. Paßt auf, da tritt Juba ans Ufer.«

Der wie ein Zwerg aussehende Jäger kam aus dem Lager heraus, schnitt von einer Weide einen starken Zweig, schälte diesen, so daß er weiß wurde, und trat dicht ans Wasser. Dann fuchtelte er mit dem gut sichtbaren, weißen Stocke in der Luft herum, von links anfangend, nach rechts hingehend und dann wieder von links beginnend.

Alle hatten sich um Don versammelt, der aufmerksam hinüberschaute.

Dann fing er an, die Zeichen frei zu übersetzen.

»Die Pampas ist groß, sagt der springende Panther, warum sollen die Fremdlinge ihre Pferde nicht dahin lenken, wohin sie wollen? Der springende Panther fürchtet sie nicht, er verlangt nur Tribut in seinem Gebiet.«

Der erste Satz war zu Ende. Juba machte ein besonderes Zeichen und fuhr dann fort:

»Der springende Panther ist ein tapferer Krieger, er wird die Fremden besuchen, denn ihr Bote ist sein Freund. Der Strom ist zu tief für sie.«

Juba schloß und kehrte ins Lager zurück.

»Was soll das heißen, der Strom ist zu tief für uns?« rief Harrlington. »Wir sollen also nicht hinüber?«

»Durchaus nicht, der springende Panther ist nur höflich, er will Euch den Durchgang sparen und selbst zu Euch kommen. Dann wird er auch die Mädchen umtauschen, haltet die Geschenke bereit! Ueberlaßt das Unterhandeln aber mir und Juba!«

Wirklich kamen gleich darauf auch der springende Panther, Juba und der Anführer zum Vorschein, bestiegen die Pferde und nahmen sofort die Schwimmtour auf. Der Häuptling wollte zeigen, daß er keine Furcht kannte, indem er allein in das Lager hinüberging, welches vielleicht Feinde beherbergen konnte.

Es wurden schnell Anstalten getroffen, den Häuptling würdig empfangen zu können, und als die drei triefend das Wasser verließen, nahm der Häuptling vor einem Feuer Platz und wartete gleichgültig, bis sich die Herren um ihn gruppiert hatten. Nach dem Ratschlage Jubas wurde ihm nichts vorgesetzt, erst nach Schluß der Unterhandlung sollte er bewirtet werden.

Juba machte den Dolmetscher, Harrlington vertrat die Engländer.

Der Häuptling erkundigte sich genau, warum die Weißen hierher kämen, und war mit der Erklärung Harrlingtons zufrieden, daß sie im Auftrage des Don Alappo und dessen Sohnes handelten und die geraubten Mädchen eintauschen wollten.

Der springende Panther war zu Dons Erstaunen willig, Mercedes auszutauschen, und der geforderte Preis war kein unmäßiger. Er mußte mit Mercedes doch nicht zufrieden sein, er verschmähte das eheliche Glück mit ihr Zehn Pfund Rollentabak, ein paar silberne Sporen, zwei Sättel, zwei Zäume und ein Sack Zucker waren der Preis für sie.

Hätte der springende Panther sprechen wollen, so würde er erzählt haben, wie schnöde Mercedes ihn behandelt, daß sie ihn sogar geschlagen hatte, und nur deshalb dem Tode entgangen sei, weil der Häuptling ein hohes Lösegeld für sie zu bekommen hoffte. Aber der Verachtung seiner Weiber war er doch für einige Tage nicht entgangen, diese mußten aber dafür büßen. Indianer bleibt immer Indianer, und wenn er der tapferste Häuptling wäre.

Während die spanischen Treiber die Zelte aufschlugen – denn man wollte auf einige Tage hierbleiben, um die geängstigten Mädchen sich erholen zu lassen, vielleicht auch, um Don Alappo zu erwarten – wurden die Tauschartikel ausgebreitet. Der springende Panther ging an ihnen vorüber, prüfte alles mit ernstem Blick, hob den Tabak wägend empor und erklärte sich dann zufrieden. Als Hannes zu den Sachen noch einen Ballen aus seinen Vorräten hinzufügte und dem Häuptling erklärte, es wäre ein besonderes Geschenk, überflog ein freundliches Lächeln die bronzefarbenen Züge des springenden Panthers, denn von außen konnte er dem Ballen ansehen, daß er nur Rollentabak enthielt, den größten Schatz des Indianers, für den er alles, selbst Pferde und Weiber, verkauft.

»Wie viele Mädchen hat der springende Panther entführt?« fragte er dann Harrlington.

»Meines Wissens sieben,« entgegnete der Lord, wohl wissend, was jetzt kommen würde, und besonders Nick Sharp war mit einem Male ganz Ohr.

Der Indianer schüttelte den Kopf.

»Nein, nur sechs,« sagte er. »Fernando hat eine entführt, sie ist nicht bei mir.«

»Ich weiß,« entgegnete Harrlington schnell, »dieser Preis ist auch nur für sechs Mädchen berechnet. Wo aber ist das siebente geblieben?«

Der springende Panther sprach von Fernando und der angeblichen Miß Petersen, als er erzählte, ein Spanier und ein Mädchen hätten während der Überschwemmung mit seinem Stamme zusammen auf einem Hügel gelebt, dann aber sei Fernando eines anderen Weges geritten und habe das Mädchen mitgenommen, welches sich, wie der Häuptling wenigstens glaubte, gesträubt habe. Sie hätten die Richtung nach Norden eingeschlagen; mehr war aus dem wortkargen Indianer nicht herauszubringen, er sagte nicht einmal, daß Fernando ihn oft zu überreden versucht habe, Miß Petersen zu rauben.

Aber Juba Riata, Don und besonders Nick Sharp, wußten alles, was auch der Häuptling nicht aussprach. Ihr scharfer Verstand sagte es ihnen, und durch Schlüsse ergänzte Nick Sharp alles andere, was er zu wissen nötig hatte.

»Fernando gibt sich den Anschein, als entführe er Miß Petersen mit Gewalt,« sagte er zu den Engländern, »um sie immer weiter ins Innere zu locken, in Wirklichkeit aber folgt ihm das Mädchen willig, stellt sich aber so, als sträube es sich, damit die immerhin wahrheitsliebenden Indianer nicht zu Verrätern des Betruges werden. Ich werde die Indianer noch auszuforschen suchen, um dieser beider Menschen habhaft zu werden.«

»Und wir schließen uns Ihnen an,« fügte Hastings hinzu, »dieses Pärchen müssen wir näher kennen lernen.«

Der Häuptling war ans Ufer getreten, er erhob nur die Hand, und sofort wurde drüben ein unterdes aus Baumstämmen angefertigtes Floß ins Wasser geschoben, auf welches die sechs Mädchen gesetzt wurden, berittene Penchuenchen bugsierten das gebrechliche Fahrzeug über den Strom, und bald hieß Hope die Geängstigten in ihrem Zelte willkommen. Wenn Don Alappo nicht bald käme, dann sollten sie unter indianischer Begleitung und unter Führung des energischen Juba nach der Hazienda zurückgebracht werden.

Die Indianer kehrten nach Empfang einiger Geschenke sofort wieder über den Fluß zurück und nahmen die Tauschware auf dem Floß mit, der springende Panther dagegen blieb auf Harrlingtons Bitte für diesen Tag dessen Gast und ließ sich die vorgesetzten Gerichte trefflich schmecken. Er zeigte sich jetzt unterhaltsam und machte überhaupt den Eindruck eines recht gesitteten Menschen.

»Da sieht man doch, wie weit man mit Indianern kommen kann, wenn man sie freundlich behandelt,« sagte Harrlington zu Williams, als sich alle Mitglieder des Lagers um die Feuer gelagert hatten und die Mittagsmahlzeit einnahmen, welcher der springende Panther als Gast beiwohnte. »Hätten wir ihnen mit Drohungen die Mädchen abgefordert, Waffen gezeigt und barsche Worte gebraucht, so würde er uns hohnlachend zum Kampfe herausgefordert haben, und im Falle, daß wir ihm die Mädchen doch abnahmen, nur auf Rache gesonnen haben.«

»Wird ihn der gute Tausch aber nicht aufmuntern, sich noch öfters mit Mädchenraub abzugeben?«

Da nahm Juba das Wort.

»Den Mädchenraub hält der Penchuenche für sein Recht, wenn er seinen Feind besiegt hat,« sagte er. »Dies ist eine uralte Sitte, welche weder durch Feuer, noch Schwert getilgt werden kann. Um sich zu bereichern, raubt der Indianer dagegen kein Mädchen, er tut es auch, wenn er keinen Gewinn erhofft.«

»So meint Ihr, es sei besser, die Mädchen auszutauschen, als sie ihnen mit Gewalt wieder abzunehmen?« fragte Charles.

»Natürlich, denn ehe sich der Indianer seine Gefangenen nehmen läßt, schlachtet er sie lieber ab, wenn er noch Zeit und Gelegenheit dazu hat.«

»Könnte man ihnen diese Unsitte nicht durch Lehre und Strafen austreiben?«

Der Pampasjäger lachte rauh auf.

»Tötet die Indianer alle, dann rauben sie keine Mädchen mehr.« sagte er kurz und beschäftigte sich wieder mit seinem Essen.

Noch hatte der Pampasjäger das letzte Wort nicht gesprochen, als der Ruf eines Indianers erst seine Genossen, dann auch die Weißen aufsehen machte und ihre Aufmerksamkeit dahin lenkte, wo sie einen freien Blick aus die Pampas hatten. Außer dem springenden Panther, der ruhig sitzen blieb und weiter aß, eilten alle dorthin und betrachteten den Reiterzug, den der Indianer gemeldet hatte.

Es waren an zweihundert Reiter, die sich dem Lager im Trabe näherten, und an den bunten Kleidern, an den blitzenden Säbelscheiden konnte man erkennen, daß es chilenische Dragoner waren, aber auch einige andere Leute, welche keine Uniformen trugen.

»Don Alappo mit seiner Karawane,« rief Charles, »in Begleitung von einer Schwadron Dragonern.«

Juba stieß einen furchtbaren Fluch aus und stampfte mit dem Fuße den Boden.

»Ihr bürgt mir dafür, daß der springende Panther bei Euch in Sicherheit ist,« wandte er sich hastig an Harrlington, »diese bunten Jacken kommen in böser Absicht, und habt Ihr nicht den Willen, ihn zu schützen, dann sagt es schnell. Dann wird der Häuptling gewarnt und geht über den Fluß zurück, wir aber, ich, Don und alle Indianer gehen mit ihm, denn einen Bruch der Gastfreundschaft können wir nicht ansehen, des Häuptlings Feinde sind unsere Feinde, so lange er an uns nicht zum Verräter wird, denn wir haben mit ihm an einem Feuer gesessen und mit ihm zusammen gegessen.«

Der freie Pampasjäger, aus natürlichen Gründen der geschworene Feind des Militärs, ahnte, daß die Dragoner die Auslieferung des springenden Panthers verlangen würden. Daß sie hierherkamen, um den Ueberfall der Hazienda zu rächen, wußte er, und er hatte recht, wenn er Harrlington zur Aufrechterhaltung der Gastfreundschaft, welche jeder, der in Wildnissen gereist ist, als die höchste Tugend zu schätzen gelernt, aufforderte. Aber er hätte seine Worte etwas höflicher anbringen sollen, in seinem Tone lag ein böser Verdacht.

Harrlington ward dunkelrot, dann richtete er sich hoch auf und schaute den Sprecher mit blitzenden Augen an.

»Juba,« rief er finster, »sprecht nicht weiter aus, was mich beleidigen muß! Noch habt Ihr mich während der wenigen Wochen nicht kennen gelernt, aber verlaßt Euch darauf, Ihr würdet in mir Euren Mann finden. Im übrigen laßt Euch gesagt sein, daß auch ich die Gastfreundschaft hochschätze und meinen Gast zu schützen weiß. Der springende Panther ist mein Freund, damit genug; ob er unrecht getan hat oder nicht, ist mir gleichgültig, ich wage es nicht zu beurteilen, weil ich kein Penchuenche bin und die Pampas nicht meine Heimat sind.«

Diese Worte verfehlten ihre Wirkung auf den Jäger nicht.

»Das war brav gesprochen,« rief er, ergriff die Hand des Lords und schüttelte sie, daß der Arm im Gelenk knackte. »Wenn alle so dächten, wie wir beide, dann würden weniger Streitigkeiten zwischen Indianern und Weißen vorkommen. Nichts für ungut, Fremder, daß ich einen Augenblick an Eurer Bravheit gezweifelt habe.«

Juba Riata

Schnell war im Lager verbreitet worden, was Juba Riata befürchtet, und schon jetzt flammte das Blut der Briten allein bei dem Gedanken auf, die Forderung hören zu müssen, sie sollten ihren Gastfreund ausliefern. Trotzdem noch nichts geschehen war, wurden schon Verwünschungen gegen die Dragoner laut, und einige wollten sogar zu dem Häuptling eilen und ihm versichern, daß sie mit Gut und Blut für seine Sicherheit in ihrem Lager einstehen würden, wurden aber von Don zurückgehalten.

»Gebt Euch vor dem Häuptling keine Blöße, er würde Euch heimlich verlachen,« sagte er.

Der springende Panther hockte noch immer beim Feuer und ließ sich sein Essen schmecken – gebratene Kartoffeln waren ihm eine seltene Leckerei – anscheinend, als höre er gar nicht, was eigentlich vorging, war aber natürlich über alles ebenso genau unterrichtet, wie die übrigen. Sein Stolz verbot ihm jedoch, Unruhe oder Sorge um die Zukunft zu verraten.

Schon konnte man die einzelnen Gestalten der herankommenden Reiter unterscheiden. Man erkannte Don Alappo, dessen Sohn, Don Pedro, mehrere andere vornehme Männer, den Gesichtszügen nach Spanier, wahrscheinlich Nachbarn Don Alappos, eine Menge Lasttiertreiber mit vielem Gepäck, einen hohen Offizier, zwei andere und ungefähr 140 Soldaten.

Selbst Musiker waren dabei, ein sicheres Zeichen, daß die Dragoner böse Absichten gegen die Penchuenchen hegten, denn das chilenische Militär geht immer unter den anfeuernden Klängen der Musik in den Kampf.

Die Engländer hörten ein Kommando, die Dragoner hielten, die Offiziere und Don Alappo besprachen sich, man sah nach dem Lager der Indianer auf dem jenseitigen Ufer und nach dem Lager unserer Freunde, es schien fast, als ob Don Alappo dem Offizier irgend etwas ausreden wollte, aber der letztere gab eine heftige Antwort, rief ein Kommandowort, die Dragoner schwenkten ab und sprangen am Ufer von den Pferden, um sich zu lagern, während Don Alappo mit mehreren Begleitern nach dem Lager ritt.

Harrlington und einige Freunde eilten ihm entgegen und trafen vor den Zelten auf ihn.

»Gute Nachrichten, Don Alappo!« rief ihm Huntington entgegen. »Freuen Sie sich, Don Pedro, Ihr Kommen war unnötig, wir haben schon alles erreicht, was wir wollten, und zwar ohne militärische Hilfe.«

Der alte Haziendero kam nicht erst zum Fragen; schon lief aus einem Zelte eine helle Gestalt in fliegenden Kleidern auf ihn zu und hing – nicht an seinem, aber an seines Sohnes Hals.

»Mercedes!«

Auch die anderen fünf Mädchen stürzten aus dem Zelte, in dem sie Hope schon lange kaum noch zurückhalten konnte, und jede fand einen Angehörigen, der um sie getrauert hatte.

»Gott sei Dank.« rief Don Alappo, als sich die erste Freude des Wiedersehens etwas gelegt hatte, »daß sich die Angelegenheit so glücklich gelöst hat! So haben wir nicht mehr nötig, die Hilfe der Dragoner erst in Anspruch zu nehmen, wir können sofort zurückkehren.«

»So war es nicht Ihr Wunsch, daß Sie von Militär begleitet wurden?« rief Harrlington verwundert.

»Ich wollte wohl Militär zu meinem Schutze mitnehmen, gewiß, denn man kann sich doch bei einem Angriffe von Indianern nicht auf gemietete Arbeiter verlassen; diese Dragoner aber haben sich mir in der Absicht angeschlossen, den Ueberfall auf der Hazienda zu rächen, das heißt, ein Blutbad anzurichten und bei dieser Gelegenheit die Mädchen zu befreien. Kehren Sie mit uns um, Senores, oder bleiben Sie wenigstens jetzt hier und sehen Sie dem Verlaufe der Dinge zu, denken Sie aber an keine Weiterreise, die Dragoner werden die Penchuenchen drüben angreifen.«

»Wenn die Herren nicht gesonnen sind, unter meiner Führung mit gegen die roten Schufte zu kämpfen,« schnarrte da eine Stimme, und neben Don Alappo trat der erste Offizier der Schwadron. Auch die anderen Offiziere waren in seiner Begleitung.

»Mister Gray,« riefen einige Engländer sofort beim Anblick des schwarzbärtigen Mannes, unangenehm erstaunt.

Sie erkannten in dem ersten Offizier einen Mann, der bis vor einigen Jahren in der englischen Armee als Offizier gedient und in ihren Kreisen verkehrt hatte. Wegen Provozierung eines in England streng verbotenen Duells wurde er aus der Armee gestoßen und gleichzeitig auch aus der Gesellschaft, weil er verschiedener Unredlichkeiten überführt wurde. Er verschwand, und hier trafen sie ihn zum ersten Male wieder, als hohen, chilenischen Dragoner-Offizier.

Mister Gray wußte wohl, wem er in den Pampas begegnen sollte, er hatte schon von den Herren des ›Amor‹ erfahren, aber das Gouvernement hatte ihm nun einmal befohlen, mit Don Alappo zu reiten, die Engländer hatten das gleiche Ziel, und so war ein Zusammentreffen nicht zu vermeiden.

Mister Gray hatte während vieler Wochen Gelegenheit gehabt, sich auf dieses Wiedersehen vorzubereiten und war daher durchaus nicht überrascht. Er hatte ja hier die Macht und das Recht auf seiner Seite und wollte demgemäß seinen ehemaligen Genossen gegenübertreten.

»Ach, meine Herren, welch freudiges Wiedersehen,« rief er, sich erstaunt stellend, »hätte nie geglaubt, Sie einst in den Pampas zu treffen, auf Ehre!«

Er legte die Hand salutierend an die Mütze; die Engländer blieben die Antwort schuldig.

»Ich sehe, Sie haben die erste Aufgabe schon gelöst,« fuhr er dann fort, nachdem er sich erst einen Augenblick auf die Lippen gebissen hatte, »Sie haben die Mädchen schon eingetauscht. Well, so bleibt nur noch die Hauptaufgabe übrig, welche zu lösen mir obliegt, die Züchtigung der Räuber. Ich lade die Herren ein, daran teilzunehmen.«

»Danke,« sagte Harrlington kalt, »uns haben die Penchuenchen nichts getan.«

»So können Sie von sicherem Versteck aus, wohin sich keine Kugel verirrt, meinem Kampfe mit den Penchuenchen zuschauen,« sagte der Offizier, grüßte und wandte sich zum Gehen.

Hastings wollte heftig auffahren, wurde aber von Harrlington zurückgehalten.

»Wir sprechen zu einer anderen Zeit noch mit Mister Gray,« sagte er laut.

Ehe dieser aber ging, flüsterte ihm ein Offizier etwas zu; er blieb stehen, horchte auf und ging dann zurück, das Lager mit den Augen überfliegend und jetzt erst den noch immer am Feuer sitzenden Häuptling bemerkend.

»Wer ist das?« rief Gray. »Der springende Panther? Ja, meine Herren, wie soll ich mir erklären, daß der Schurke, den wir suchen, in Ihrem Lager weilen darf?«

»Haben Sie vielleicht etwas dagegen?« rief Harrlington, über diesen Ton empört. »Der springende Panther hat uns die geraubten Mädchen ausgeliefert und befindet sich als Gastfreund in unserem Lager.«

Der Offizier bohrte seine boshaften Augen in die von Lord Harrlington.

»Er ist aber ein Feind der chilenischen Regierung,« sagte er langsam, »ich bin hier im Namen derselben und verlange daher, daß mir der springende Panther ausgeliefert wird, damit er bestraft werden kann.«

»Verlangen können Sie viel, aber bekommen werden Sie nichts,« platzte Lord Hastings heraus, der schon wußte, was der Offizier zu bezwecken suchte, und seinen Zorn unmöglich noch bemeistern konnte.

»Sie wollen ihn mir nicht ausliefern?« sagte Gray gedehnt. »Das tut mir leid, meine Herren, dann muß ich Gewalt anwenden.«

»Tun Sie, was Sie nicht lassen können,« lachte Williams, »aber sehen Sie sich vor, unsere Büchsen sind nicht mit Zuckererbsen geladen!«

»Wie?« brauste der Offizier jetzt auf. »Sie sollten wagen, auf chilenisches Militär zu schießen?«

»Wer unser Leben bedroht, dem kommen wir zuvor,« entgegnete Lord Harrlington kalt, »das ist das Gesetz, welches bei uns gilt.«

»Aber nicht in Chile. Wer sich der Staatsgewalt mit Waffengewalt widersetzt, hat sein Leben verwirkt, sei er ein Weißer oder eine Rothaut.«

»Sie sind ja mit einem Male Feuer und Flamme für Chile,« spottete Williams. »Bezahlt Ihr Chile auch die Summe, die Sie mir noch schulden?«

»Chile ist jetzt mein Vaterland, ich gehorche nur ihm,« entgegnete Gray, der die letzte Bemerkung nicht beachtete; aber sein drohender Blick verriet, daß er sie wohl gehört hatte.

»Ich glaubte, Sie wären ein Engländer. Wir Engländer sind sonst stolz darauf, uns als solche bezeichnen zu können,« sagte Hastings.

»Bah, England,« stieß Gray finster hervor, »ich wüßte nicht, worauf ein Engländer stolz sein könnte.«

Da trat Lord Harrlington einen Schritt an Gray heran, streckte den Arm wie drohend aus und rief:

»Honny soit qui mal y pense!«

Die Wirkung dieser Worte war die erwartete, denn sie enthielten die schwerste Beleidigung für einen Engländer. Gray erblaßte. Er taumelte zurück, als wäre er ins Gesicht geschlagen worden, und griff an seinen Degen.

»Das sollen Sie mir büßen,« stammelte er, »wir werden uns noch sprechen.«

Honny soit qui mal y pense! das heißt, verflucht, wer schlecht davon denkt, ist der Spruch des englischen Hosenbandordens.

König Heinrich der Achte, ein bekannter Frauenverehrer und Tyrann, sah bei einem Hofball, wie ein schönes Ehrenfräulein ihr Strumpfband verlor und war ihr beim Wiederanlegen desselben behilflich. Als über diesen Vorfall böse Reden laut wurden, rief er aus: ›Ein Schurke, wer schlecht davon denkt‹, gründete den Hosenbandorden, den höchsten, englischen Orden, und setzte als Devise obigen Spruch hinein.

So entstand der Hosenbandorden und der englische Wahlspruch zugleich, der aber jetzt eine ganz andere Auslegung bekommen hat, als damals.

Gray hatte verstanden, daß Lord Harrlington ihn als Schurke bezeichnen wollte.

»Wir werden uns noch sprechen,« knirschte der Offizier, »und glauben Sie nicht, Sie dürften eine Herausforderung zurückweisen, wir befinden uns nicht in England.«

»Es wird sich finden,« sagte Lord Harrlington.

»Ja, es wird sich finden,« rief Gray und bestieg mit seinen Offizieren die Pferde, »in einer halben Stunde werde ich wieder anfragen lassen, ob Sie gewillt sind, mir den springenden Panther auszuliefern, wenn nicht, so werden wir gleich Gelegenheit haben, uns mit den Waffen gegenüberzutreten.«

»Einem solchen Duell werde ich nie ausweichen,« rief Lord Harrlington dem Davongehenden nach.

»Sie hätten sagen sollen, bezahlen Sie erst Ihre Ehrenschulden, dann will ich mir überlegen, ob ich mich mit Ihnen schlage,« meinte Williams.

»Wir wollen nicht mehr darüber sprechen, sondern lieber darüber, wie wir den Häuptling sicher hinüberbringen können, denn die Dragoner sind imstande und schießen den fliehenden Indianer im Wasser nieder. Da, haltet ihn, er geht in seinen Tod,« rief plötzlich Harrlington und sprang vor, um ein Pferd aufzuhalten, das an ihm vorüberjagte, aber es kam vorbei, erreichte das Ufer, ein Sprung, es war im Wasser und begann zu schwimmen.

»Der springende Panther,« schrie Harrlington.

»Der springende Panther!« schrie Lord Harrlington.

Da knallte neben ihm ein Schuß, der Häuptling streckte die Arme weit aus und sank seitwärts vom Pferde herunter. Nick Sharp ließ den rauchenden Revolver sinken und sah aufmerksam dem weiterschwimmenden Tiere nach.

Während die Engländer mit den Offizieren sprachen, hatten die Indianer mit dem springenden Panther in ihrer kurzen, abgerissenen Weise eine Unterhaltung geführt, an der sich Juba, Don und ganz besonders Nick Sharp beteiligten. Kein Zeichen von Aufregung oder sonst etwas verriet, daß sie einen kühnen Plan besprachen, nur einmal, als Sharp eben gesprochen hatte, mußte der springende Panther lächeln, nickte mit dem Kopfe und stieß ein beifälliges Grunzen aus.

Als die Offiziere zurückritten und die Engländer wieder ins Lager gingen, saß der springende Panther mit einem Satze plötzlich auf seinem Pferde und war sofort im Wasser.

Die Dragoner sahen es, dann auch die Offiziere.

Gray wußte wohl, wer der Flüchtige war, er schrie seinen Leuten zu, zu schießen, aber noch ehe die Dragoner ihre Karabiner heben konnten, riß Nick Sharp den Revolver aus dem Futteral, zielte nach dem Häuptling, dessen Oberkörper aus dem Wasser ragte, und schoß. Sofort verschwand der springende Panther im Wasser.

»Was haben Sie getan?« schrie Harrlington außer sich, der, wie auch die übrigen Herren, sehr entrüstet war, und packte den Detektiven am Arm.

»Nun, ist denn in den Pampas das Schießen verboten?« fragte Sharp kaltblütig, nahm die abgeschossene Patrone aus dem Revolver und steckte eine neue hinein, ohne daß der Lord ihn daran zu hindern vermochte.

»Sie haben den springenden Panther, meinen Gastfreund, getötet, wir können unsere Reise nicht fortsetzen, ohne der Blutrache zu verfallen.«

Plötzlich brach Sharp in ein lautes Lachen aus, in welches Don und Juba, selbst auch die Indianer mit einstimmten, bei denen es aber mehr wie Heulen klang.

»So ist es recht, immer lauter geheult,« sagte Sharp und wandte sich dann an den verdutzten Lord. »Für die Dragoner ist der springende Panther allerdings tot, wenn Sie aber einmal so freundlich sein wollen, recht genau hinzusehen, dann werden Sie den springenden Panther ganz gemütlich neben seinem Pferde schwimmen sehen. Nun dürfen Sie aber auch meinen Arm loslassen.«

Wirklich, erst jetzt bemerkten die Engländer, wie ein Kopf, dicht an den Hals des Pferdes geschmiegt, aus dem Wasser hervorsah, so daß die weiter oberhalb liegenden Dragoner ihn nicht bemerken konnten.

Der springende Panther war von den weißen Führern beredet worden, zu fliehen, um den Engländern keine Unannehmlichkeiten zu bereiten, und Sharp hatte den besten Plan gefunden, nach welchem eine Flucht bewerkstelligt werden konnte.

Den fliehenden Panther hätten die Dragoner natürlich sofort niedergeschossen, Sharp kam ihnen aber zuvor; er schoß, der Häuptling stellte sich nach der Verabredung, als wäre er getroffen, ließ sich vom Pferde fallen, klammerte sich aber an die Mähne desselben und wurde so, unbemerkt von den Dragonern, dem jenseitigen Ufer zugeführt.

Die Engländer drückten unverhohlen ihre Freude über diese List aus, durch welche ihnen wirklich viel Verlegenheit erspart wurde. Doch Sharp verbat sich alle Lobeserhebungen und sagte, sie sollten lieber mithelfen, das begonnene Theaterstück weiterzuspielen.

Die Indianer schrieen noch immer. Don und Juba stritten sich mit Sharp herum, welch letzterer in wahre Tobsucht zu verfallen schien, und die Engländer halfen, so gut sie konnten, den Dragonern den Ernst der Sache glaubhaft zu machen.

Schon kam nämlich ein junger Offizier nach dem Lager gesprengt.

»Sie werden sich verantworten müssen, warum Sie den springenden Panther nicht ausgeliefert, sondern entfliehen und dann haben erschießen lassen,« sagte Hastings zu Lord Harrlington.

»Was soll ich sagen, Mister Sharp?« fragte Harrlington den Detektiven.

»Das überlassen Sie mir nur, ich habe den springenden Panther erschossen und kann auch die Verantwortung tragen,« rief Sharp, »und wenn das junge Bürschchen Geschichten macht, so werde ich ihm das Gesetz der Steppe bald beibringen.«

Der junge Offizier parierte sein Pferd vor Harrlington, grüßte und sagte in dienstlichem Tone:

»Oberst Gray bittet um Auskunft, aus welchem Grunde der springende Panther von Ihnen oder einem Ihrer Leute erschossen worden ist, anstatt ihn der chilenischen Regierung als Gefangenen auszuliefern, wie gewünscht wurde.«

Noch ehe Harrlington antworten konnte, sprang schon Sharp hervor und rief:

»Sagt Oberst Gray, daß ich den springenden Panther erschossen habe, und daß ich es mit jedem anderen ebenso mache, der mich beleidigt.«

»So war er Euer Feind?«

»Was geht Euch das an? Aber ich will es Euch sagen, ja, er war mein Todfeind, und nur dem Umstand, daß ich mit ihm in einem Lager gelegen habe, hat er es zu verdanken, daß ich ihn nicht schon langst über den Haufen geschossen habe. Als er floh, brauchte ich keine Rücksicht mehr gegen ihn zu beobachten. Fordert Ihr von mir Rechenschaft? Well, ich bin zu jeder Zeit bereit, Euch solche zu geben.«

Und Sharp legte vielsagend die Hand an den Revolverkolben.

Der Offizier hielt den wie einen gewöhnlichen Jäger gekleideten Mann für einen jener Weißen, die sich an den Indianergrenzen herumtreiben; er kannte ihre wilden Sitten, die sie von den Indianern angenommen hatten, die Ausübung der Blutrache und so weiter, und wußte wohl, daß mit solchen Leuten nicht zu spaßen war. Ein Menschenleben galt ihnen nicht mehr als das einer Fliege, ihr Messer sah locker in der Scheide, und die Revolver hatten sie immer schußbereit.

»Es ist gut, ich werde es dem Obersten melden,« entgegnete der Offizier und ritt zurück.

»So, der springende Panther wäre gerettet,« lachte Sharp. »Jetzt ist er schon zu weit, um gesehen zu werden, selbst wenn sie sein Pferd noch wegschießen sollten. Der wird den Dragonern wohl noch zu schaffen machen.«

Die Herren sahen dann mit bloßen Augen, wie das Pferd das gewonnene Ufer hinauftrabte, aber ohne den Indianer. Der springende Panther blieb unsichtbar, und darüber wunderten sich die Engländer, sie waren sogar besorgt, denn sie hatten geglaubt, er würde sich nun den Dragonern zeigen und ihnen höhnisch zuwinken.

»Der springende Panther ist eben klüger und edler, als Sie glauben,« erklärte Sharp. »Wenn er sich jetzt zeigte, könnten Sie noch immer die Dragoner auf den Hals bekommen, weil diese die List merken würden. Daher ist der Häuptling in das hohe Gras gekrochen und schleicht in sein Lager zurück. Es ist auch besser, wenn ihn die Dragoner für tot halten; desto kecker werden sie angreifen, aber desto mehr werden sie sich auch entsetzen, wenn ihnen der totgeglaubte Häuptling mit dem Schlachtruf begegnet.«

»Sie möchten wohl, daß die Indianer als Sieger aus einem eventuellen Kampfe hervorgingen?« fragte einer der Herren.

»Natürlich, das ist mein sehnlichster Wunsch! Am liebsten möchte ich auf ihrer Seite kämpfen. Ein Kampf ist übrigens unvermeidlich. Die Dragoner haben den Befehl, unter den Indianern ein Blutbad anzurichten, und müssen das auch versuchen. Ob es ihnen gelingt, ist eine andere Frage. Sie kennen den springenden Panther noch nicht, denn er hat bis jetzt mit den Weißen in Frieden gelebt, desto mehr aber mit nördlichen Stämmen im Kampfe gelegen, und Juba kann Ihnen davon erzählen, wie er seine Krieger anzuführen versteht.«

»Au revoir, Messieurs,« rief eine Stimme.

Es war Oberst Gray, der mit diesem Abschiedsgruß nach dem Lager winkte und mit seinen Leuten im Galopp den Fluß stromaufwärts ritt. Seine Worte waren von einem spöttischen Lachen begleitet gewesen, das die Engländer sehr wohl verstanden.

»Sein Lachen wird ihm bald vergehen,« meinte Sharp nachdenklich. »Er will weiter oben über den Fluß setzen, wer weiß, ob es ihm gelingt!«

Auch die Indianer drüben brachen auf. Schneller als gewöhnlich wurden die Zelte abgebrochen, auf die Pferde gepackt, und dann ging es, wie immer, in geordnetem Zuge fort. Erst kam ein Trupp von Männern, dann die Lasttiere, hinter diesen die Weiber und Kinder, natürlich ebenfalls beritten, und zuletzt die Hauptmacht der Krieger, etwa hundert Mann.

Einer der letzten wandte sich um und schüttelte die Hand über dem Kopfe.

»Der springende Panther,« sagte Sharp. »Er bezeugt uns seine Freundschaft.«

»Es wundert mich,« meinte Harrlington, »daß die Indianer keine Vorbereitungen treffen, die Dragoner am Uebergang über den Fluß zu hindern.«

»Wenn die Dragoner ebenso denken wie Ihr, Fremder,« sagte Juba Riata, »so werden sie das bitter zu bereuen haben. Mir kommt es nämlich so vor, als fehlten sehr viele Frauen, weil diese, als Männer verkleidet, den Schluß des Zuges bilden. Die meisten Krieger aber liegen wahrscheinlich dort am Ufer im Grase versteckt und schleichen den Dragonern nach. Mancher der bunten Männer wird mit zerschmettertem Schädel im Wasser versinken, ohne daß sein Nachbar weiß, warum.«

»Auch daß der springende Panther nicht an der Spitze des Zuges reitet, hat etwas zu bedeuten,« warf Don ein.

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