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Die Vestalinnen - Band IV

Robert Kraft: Die Vestalinnen - Band IV - Kapitel 16
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typefiction
authorRobert Kraft
titleDie Vestalinnen - Band IV
publisherH. G. Münchmeyer, G. m. b. h., Niedersedlitz-Dresden
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15.

In die eigene Falle gegangen.

Den Bemühungen des Kapitäns der ›Hoffnung‹ und seiner Gemahlin war es doch gelungen, die Insel zu finden, auf welcher die Vestalinnen frisches Wasser an Bord hatten nehmen wollen und dabei gefangen worden waren.

Lora, eine spanische Kreolin von Jamaika, konnte die klarste Auskunft geben, und aus ihren Schilderungen hatte Hannes – wir wollen ihn noch so nennen – geschlossen, daß die Insel zu der Gruppe der Juan-Fernandez-Eilande gehören müßte.

Er selbst war einmal auf einem Schiffe gewesen, welchem während der Reise das Wasser ausging, und welches auf einer dieser Inseln solches wieder eingenommen hatte. Dieser steuerte er daher zu, und kaum kam das Eiland in Sicht, so erklärten nicht nur Lora, sondern auch die anderen Mädchen, daß es der Ort wäre, wo das Unglück der Vestalinnen seinen Anfang genommen habe.

Eine Untersuchung der Insel blieb, wie man nicht anders erwartet hatte, fruchtlos, es war nicht möglich, einen Anhaltspunkt zu finden.

Nun blieb es schwierig, den Kurs zu bestimmen, den man weiter einzuschlagen habe. Die Mädchen konnten nicht angeben, wohin sie sich damals gewandt hätten, sie waren ja im Zwischendeck eingesperrt gewesen und hatten sich noch dazu in tiefster Verzweiflung befunden.

Hannes und Hope standen auf der Kommandobrücke und versuchten vergebens, von der zierlichen Kreolin weitere Aufschlüsse zu erhalten; es gelang ihnen nicht.

Da meldete der Matrose auf Ausguck in dem langgezogenen, singenden Tone, in dem auf deutschen Kauffahrtei-Schiffen jede Meldung gemacht wird, ein Schiff backbord voraus, oder, wie der seemännische Ausdruck lautet: er sang ein Schiff aus.

»Ein kleiner Schraubendampfer, hat kaum 600 Tonnen Gehalt,« meinte Hannes, das Fernrohr am Auge, »was hat diese Nußschale hier zu suchen, wohin sich nur Segelschiffe verirren? Er steuert fast direkt Westen, also Afrika zu. Hm, sonderbar!«

»Das Deck steht voller Menschen, wir werden von ihnen durch Fernrohre beobachtet,« fügte Hope hinzu, welche ebenfalls das Glas zur Hand genommen hatte, »das Fahrzeug wird für eine wissenschaftliche Expedition bestimmt sein.«

Die mandelförmigen Augen der Kreolin hingen wie gebannt auf dem kleinen Dampfer, welcher sich ihnen schnell seitwärts näherte.

Plötzlich stieß sie einen kleinen Schrei aus, und ein Zittern durchflog ihre Glieder.

»Ah, Senora,« rief sie, sich an Hope wendend, »das ist das Schiff, welches uns von der Insel weggeschleppt und dann, als das große Kriegsschiff kam, in einem Boot ausgesetzt hat.«

»Alle Wetter,« rief Hannes erstaunt, »das könnte mit einem Male Licht in die Sache bringen. Was meinst du dazu, Hope?«

»Ist es der kleine Dampfer, welcher euch von der einsamen Felsen-Insel aus der Mitte der Vestalinnen geschleppt hat?« fragte Hope die Kreolin.

»Ja, auf ihm war der schwarze Mann, der mit Miß Petersen auf der Insel während der Nacht eine Unterredung gehabt hat, und der dann von den Damen fortgejagt wurde,« war die Antwort.

»Und die Damen sagten wirklich, sie erwarteten den Besuch dieses Mannes noch einmal?«

»Das weiß ich nicht, dann kamen wir ja von den Damen fort. Vorher haben sie aber immer auf ihn gewartet; sie sprachen wenigstens immer von einem Besuch.«

»Du erkennst den Dampfer wirklich als denselben wieder?« forschte Hope weiter.

»Ganz bestimmt. Jetzt kann ich sogar sehen, daß die Fahnenstange hinten abgebrochen ist, geradeso wie bei jenem.«

»Dann bleiben wir ihm auf der Spur,« rief Hannes, »ich zweifle nicht daran, daß er nochmals die Damen aufsuchen will. He, Bootsmann,« rief er an Deck hinunter, »wieviel Knoten fahren wir?«

»Vierzehn Knoten, Kapitän,« war die prompte Antwort, »habe soeben loggen lassen.«

»Und jener Dampfer fährt höchstens zehn Knoten, bei diesem Winde kann er uns nicht entgehen, wir haben ja nicht einmal alle Segel beigesetzt. Glaubst du, Hope, daß er die Insel nochmals anlaufen wird?« wandte er sich an seine kluge Frau.

»Ich denke es ganz bestimmt,« antwortete Hope, »aber Vorsicht, Hannes. Wir dürfen nicht merken lassen, daß wir dem Dampfer folgen wollen, denn das Ziel, welchem er zustrebt, wird er zu verheimlichen suchen.«

»Natürlich fahre ich ihm nicht direkt nach,« lachte Hannes, »du hältst mich manchmal auch für etwas zu dumm, Hope. Er fährt etwas nach Norden, wir wollen nach Süden steuern, er glaubt dann, wir kreuzen, und kommt weit vor uns vorbei. Geh' in das Kartenhaus, Lora, und du, Bootsmann,« rief er hinunter, »sorge dafür, daß keins von den braunen Mädchen sich an Deck sehen läßt, der Dampfer könnte seine Passagiere wiedererkennen und Argwohn schöpfen.«

Diesen Worten folgten Kommandos, die ›Hoffnung‹ wendete und steuerte südlicher, während der Dampfer seinen Kurs weiterfuhr.

Bald konnte man das Heck des Dampfers sehen und also auch den dort angeschriebenen Namen lesen.

»Wie hieß jener Dampfer?« fragte Hannes die Kreolin im Kartenhaus, dabei den Namen durch das Fernrohr buchstabierend.

»Ich entsinne mich seiner nicht mehr, es war ein langes, englisches Wort.«

»Hieß er ›Sempiturnity‹?« fragte Hannes weiter, der den Namen von Kapitän Staunton erfahren hatte.

»Ja, so war es.«

»Dann ist es ein anderer Dampfer,« sagte Hope niedergeschlagen, »der hier heißt ›Snake‹.«

»Fehlgeschossen,« lachte aber Hannes, »jetzt glaube ich erst recht, daß wir den richtigen Dampfer vor uns haben. Besieh ihn dir nur ordentlich, es ist ein alter, furchtbar schmutzig aussehender Kasten; der Rumpf ist nicht wieder gestrichen worden, seit er die Werft verlassen hat. Nur das Heck ist frisch bemalt worden, und die Buchstaben sind noch ganz weiß, sie sind neu aufgetragen worden.«

»Du hast recht, Hannes,« rief Hope fröhlich, »mein Bruder sagte ja auch, der Name würde wohl geändert werden.«

»Natürlich, ich habe ja auch meinen Namen geändert, wenn ich einmal in einer Stadt eine Dummheit gemacht hatte. Nein, wir sind auf der rechten Spur. Halloh, Jungens,« rief er seinen alten Freunden und jetzigen Matrosen zu, »wir verfolgen diesen Dampfer, steht aber nicht da und gafft ihn an, sonst schöpft er Verdacht und führt uns ein paar Wochen lang an der Nase herum.«

»Zwei Tage ist damals die ›Vesta‹ gesegelt, ehe sie die Felseninsel erreichte,« fuhr er dann zu Hope fort, »so lange braucht dieses Schiff auch, denn es macht seinem Namen Ehre, es kriecht wie eine Schlange. Snake heißt Schlange, sempiturnity Ewigkeit. Wir halten uns so weit südlich von ihm entfernt, daß wir eben noch seine Mastspitzen über Wasser sehen können.«

Am Morgen des zweiten Tages tauchte vor der ›Hoffnung‹ ein dunkler Punkt auf, den man beim Näherkommen für ein sehr großes Felsenriff hielt.

»Das könnte die Insel sein,« rief Hannes erwartungsvoll und ließ Lora auf die Kommandobrücke rufen. Ehe diese erschien, hatte man sich der Insel schon wieder bedeutend genähert.

»Sie ist es,« sagte das Mädchen sofort, »und dort, wo sich zwei spitze Kegel erheben, befindet sich die Mauer, welche die Piraten aufgebaut haben.«

Der Dampfer zeigte plötzlich ein seltsames Benehmen, es schien fast, als wolle er die Insel vermeiden, denn er steuerte jetzt viel weiter nördlich.

Die Nacht war neblig gewesen, und Hannes hatte weiter an ihn heranfahren müssen, um das Toplicht nicht zu verlieren. Hätte der Dampfer keine Lichter geführt, so würde er ihn sogar verloren haben, wenn er nicht dicht an ihn herangefahren wäre, aber glücklicherweise hatte die fremde Besatzung diese Vorsichtsmaßregel nicht angewendet.

Am Morgen befand man sich daher nicht weit von ihm, und als die Insel in Sicht kam, änderte der Dampfer sogleich seinen Kurs, sich so den Anschein gebend, als hätte er nichts bei dieser zu suchen.

Doch Hannes ließ sich nicht täuschen, dieses unschuldig aussehende Manöver bestätigte ihm sogar die böse Absicht des Dampfers.

Er ließ die ›Hoffnung‹ wieder wenden und fuhr nach Süden, als kreuze er beständig.

»Wir genieren den Dampfer furchtbar,« sagte er zu Hope, »er möchte gern nach der Insel, um ein Stündchen mit den hübschen Mädchen plaudern zu können, will aber dabei keinen Nebenbuhler haben.«

»Solange wir hier sind, wird er wohl überhaupt nicht die Insel besuchen,« meinte Hope, »er braucht es ja auch nicht. Wir kommen ihm einfach zuvor und holen die Mädchen ab. Das wird eine Freude sein!«

»Ich habe eine andere Ansicht,« entgegnete Hannes, »wir müssen den Dampfer landen lassen, denn ich bin furchtbar neugierig, zu erfahren, was diese Leute, und ganz besonders jener berühmte schwarze Mann, von dem die Mädchen wie von einem Popanz sprechen, mit den Damen zu tun haben. Dieser Unterhaltung muß ich unbedingt beiwohnen, und wenn mir dabei etwas mißfällt, na, Hope, dann arrangiere ich eine regelrechte Keilerei, mir und meinen Matrosen juckt es schon lange in den Fäusten. Sieh nur da den Bootsmann, wie er immer so wehmütig seine schwarzbraunen Hände besieht und sie sorgsam aneinander reibt, dem dauert es schon zu lange, daß er sie nicht richtig anwenden konnte.«

»Ach ja, hübsch wäre das schon,« meinte Hope, »aber der Dampfer wird nicht landen, solange er uns in Sicht hat.«

»Ich habe einen famosen Plan, wie wir ihn täuschen können,« sagte aber Hannes. »Diese Insel ist ja himmelhoch, hätte gar nicht geglaubt, daß es so hohe Felsen im Meere gibt. Wir fahren jetzt direkt nach Süden, bis wir den Dampfer nicht mehr sehen können, wenden dann und fahren wieder so heran, daß die Insel immer zwischen uns liegt. Der Dampfer ankert ohne Zweifel nicht weit von jener Mauer dort, von welcher die braunen Mädchen immer erzählen.«

»Wenn wir aber wieder um die Insel segeln,« warf Hope ein, »so werden wir entdeckt, die Leute gehen wieder auf den Dampfer und fahren davon. An die andere Seite der Insel können wir bei diesem Winde wohl kommen, aber nicht schnell genug um sie herum, dazu müssen wir kreuzen.«

»Das machen wir anders, Hope. Wir segeln gar nicht an die Mauer, sondern bleiben auf der anderen Seite vor Anker liegen, setzen Boote aus und schleichen uns dann um die Insel herum. Ehe sich's jene Leute dann versehen, sind wir bei ihnen, klettern über die Mauer und fragen sie höflich, was sie mit den Damen zu tun hätten. Treffen wir sie bei irgend etwas Unrechtem, etwa bei einer Liebelei, so geben wir den Segen dazu mit den Handspeichen und nehmen ihnen auch noch ihr niedliches Schiffchen weg.« – –

»Was haltet Ihr von dem Schiffe, Maat?« fragte an Bord des Dampfers eine Person, deren Gesicht mit einer schwarzen Maske verhüllt war, einen neben ihm stehenden, weißhaarigen und einäugigen Gesellen.

»Es ist eine Bark und segelt gut,« brummte der Gefragte mürrisch.

»Das sehe ich,« brauste der andere heftig auf. »Ich meine, ob Ihr gegen dieses Schiff Verdacht hegt. Gestern den ganzen Tag hat es sich bei uns aufgehalten, und heute früh, wie ich denke, endlich seine lästige Gesellschaft los zu sein, steht dieses verdammte Schiff wieder da.«

»Es kreuzt, daher kommt es.«

»Sollte es sich nicht absichtlich in unserer Nähe halten?«

» Quien sabe – wer weiß es?«

»Hört, Seewolf,« klang es drohend unter der Maske hervor, »benehmt Euch anders gegen mich, legt Euren gegenwärtigen Ton ab, oder ich springe anders mit Euch um. Noch habt Ihr mir zu gehorchen, noch habe ich Macht über Euch, und noch ist es Zeit, Euch das Siegel des Meisters auf die Stirn zu drücken.«

»Wie lange soll das noch dauern?« knurrte der Seewolf. »Habe ich Euch nicht die Mädchen gefangen und dort abgeliefert, wohin ich sie bringen sollte? Nun gebt mir mein Geld, oder zum Teufel damit, behaltet es, aber gebt mir die Freiheit. Doch Ihr haltet mich von einem Tage zum anderen damit hin; verdammt, wenn da einer nicht aufgebracht werden soll!«

»Ihr sollt beides haben, Geld und Freiheit,« sagte der Maskierte ruhig, »wir sind auf dem Wege, Euch nach dem amerikanischen Hafen zu bringen, wo Ihr das Land zu betreten wünscht.«

»Ihr habt aber einen anderen Kurs steuern lassen; ich sehe schon, Ihr wollt jene blutige Insel, die da vor uns liegt, anlaufen und mit den Mädchen kokettieren.«

»Wahrt Eure Zunge!«

»Ihr habt Euer Wort nicht gehalten. Ihr verspracht mir in jenem letzten, amerikanischen Hafen, mich sofort nach meinem Ziele zu bringen.«

»Werde ich auch, verlaßt Euch darauf! Dort erhaltet Ihr Eure Prämie in Gold ausgezahlt und die Freiheit dazu. Nun sagt aber, was denkt Ihr von jenem Schiffe?«

Der Seewolf war etwas beruhigt, er wandte seine Aufmerksamkeit der Bark zu, um als erfahrener Seemann sein Urteil abzugeben.

»Sie kreuzt,« behauptete er, »es ist nur ein Zufall, daß sie immer in unserer Nähe bleibt.«

»Aber ich wünsche nicht, daß sie unsere Landung an der Insel beobachtet.«

»Steuert erst einen anderen Kurs.«

Auf die Bestätigung des Maskierten gab der Seewolf, der sich hier nur als Passagier befand, dem Kapitän eine nördlichere Richtung an, und die ›Snake‹ schwenkte ab.

»Da, seht,« rief einige Minuten später der Seewolf, »jetzt ist die Bark in den Wind gekommen, sie steuert direkt nach Süden, so muß sie bald unseren Blicken entschwunden sein. Na, meinetwegen, mich geht's nichts an.«

Wirklich fuhr die Bark jetzt direkt nach Süden, mit spannender Ungeduld beobachtete der Maskierte, wie das Schiff immer kleiner und kleiner wurde, wie die Masten am Horizonte untertauchten, bis auch die Spitze des Großmastes verschwunden war.

Die ›Snake‹ hatte sich durch den neuen Kurs wieder von der Insel entfernt und war schon vorbeigefahren, doch jetzt ließ der Kapitän auf den Zuruf des Maskierten wenden und steuerte direkt auf die Insel zu, nach dem Ort, wo er schon vor einigen Tagen angelegt hatte.

Als die Anker herabrasselten, trat ein Mann, der sich bisher abseits gehalten hatte, zu dem Maskierten. Es war Tannert.

»Wollen Sie diesmal Begleitung mitnehmen?« fragte er. »Ich rate es Ihnen: die Damen könnten sich in verzweifelter Stimmung befinden.«

»Sie haben vor diesen Weibern einen gewaltigen Respekt,« klang es spöttisch hinter der Maske hervor.

»Ich habe Grund dazu, denn ich kenne die Damen,« war die Antwort. »Bedenken Sie, daß der Hunger und der Durst bei ihnen schon zu wirken begonnen haben werden, und daß unter solchen Verhältnissen der Mensch anderer Handlungen fähig ist, als in normalem Zustande.«

»Ich nehme auch so viele Matrosen mit, wie in zwei Booten Platz haben,« entgegnete der Maskierte und hing sich einen langen Mantel um. »Bestellen Sie das Herunterlassen von zwei Booten, und sorgen Sie dafür, daß ungefähr zwanzig Mann bewaffnet werden. Zwar fürchte ich mich nicht, aber ich werde die Leute vielleicht brauchen.«

Tannert führte den Auftrag aus.

Der Maskierte bestieg das zuerst ausgerüstete Boot und ließ sich, ehe es sich nach der Mauer wendete, einer Höhle zurudern, in welche er ging, aus der, er aber nach einigen Augenblicken wieder herauskam.

»Alles noch in Ordnung,« sagte er befriedigt zu dem ihn begleitenden Tannert.

Die Höhle enthielt die Granate, von welcher Ingenieur Anders gesprochen hatte.

Während das Boot an der Mauer hielt, und Vorbereitungen getroffen wurden, dieselbe zu ersteigen, stieß vom Dampfer ein anderes Boot mit zehn Matrosen ab. Nur wenige Mann blieben als Besatzung auf dem Dampfer zurück.

»Ich gehe allein,« sagte der Maskierte, die Leiter besteigend, »auf einen Ruf von mir lassen Sie alle Leute aus den Booten steigen und mir nacheilen. Nur zwei Mann bleiben darin zurück.«

Nach diesen kurzen Befehlen kletterte der Mann auf die Mauer, zog eine andere, ihm gereichte Leiter hinüber und verschwand auf der anderen Seite.

»Ich möchte, die Mädels bissen ihm den Hals durch,« murmelte der Seewolf, der aus Neugier an dieser Expedition teilgenommen hatte.

»Still,« raunte ihm Tannert zu, der aufmerksam lauschte, »behaltet Eure Bemerkungen für Euch.«

»Die Pest über ihn,« knurrte noch einmal der grimmige Alte, dann aber sprang er erschrocken auf, ebenso wie die anderen.

Ein Schrei, wie ihn nur der höchste Schrecken auspressen kann, war in ihr Ohr gedrungen.

»Hinüber und ihm zur Hilfe,« schrie Tannert und trieb die Matrosen die Leiter hinauf, »es kostet euch den Hals, kommt ihr nicht schnell genug!«

Der Seewolf war der erste, welcher die Leiter erklettert hatte. Er wünschte durchaus nicht, daß dem Herrn etwas zustieße, denn war dieser nicht mehr am Leben, so rückte seine Belohnung wieder in weite Ferne.

Der Schwarzmantel hatte ihm versichert, er habe vom Meister den Auftrag, ihm die versprochene Summe auszuzahlen, ungefähr viertausend Dollar, das heißt, die Prämie für jedes gefangene, ausgelieferte Mädchen, und jener erste Herr, der ihm für die Vernichtung der Vestalinnen eine Million Dollar versprochen, habe diese doch noch auf einer Viertelmillion stehen lassen.

Der Seewolf schmunzelte, wenn er daran dachte, daß er nun ein reicher und freier Mann sei; der Maskierte hatte ihm überdies noch versprochen, ihn nach Afrika zu bringen, wo er sich in einer großen Hafenstadt niederlassen wollte.

Aber der Maskierte mußte am Leben bleiben, sonst konnten noch große Hindernisse eintreten.

Die über die Mauer und durch die Bresche stürmenden Leute, der Seewolf an der Spitze, alle den Revolver in der Hand, fanden den Maskierten vor Entsetzen starr an der Felswand lehnen, und auch ihnen rieselte ein gewaltiger Schreck durch alle Glieder.

Die Insel war leer, völlig öde, ebenso, wie sie dieselbe vor einigen Monaten gefunden hatten, als sie die Bresche in die Felsmauer sprengen mußten.

Kein menschliches Wesen, kein Zelt, keine Kiste, kein Faß war mehr zu finden. Alles war verschwunden, selbst die Portieren vor den Höhlen.

Der Seewolf war der erste, der dieses minutenlange Schweigen brach.

»Fort sind sie,« stieß er rauh hervor, »aber was geht es mich an, ich habe sie richtig abgeliefert, ich will mein Geld und die Freiheit haben.«

»Still davon jetzt!« herrschte ihn der Maskierte mit heiserer Stimme an. »Untersucht die Höhlen, Leute, vielleicht haben sie sich nur versteckt. Und du, Seewolf, wagst du nur noch einen Ton zu sagen, so schieße ich dich wie einen tollen Hund nieder!«

»Oder ich dich,« zischte der gereizte Pirat dem Fortgehenden nach.

Die Höhlen wurden untersucht, aber außer der ehemaligen Feuerstelle und einigen Kochgerätschaften wurden keine Spuren von den Vestalinnen gefunden. Wären diese Sachen nicht zurückgelassen worden, man hätte überhaupt nichts von ihrer einstigen Anwesenheit gemerkt.

Wie vom Donner gerührt, stand der Schwarzmantel vor der ausgebrannten Feuerstelle.

»Sie sind fort,« stammelte er, »entflohen, befreit worden – alle meine Plane sind zu schanden geworden. Himmel und Hölle, warum habe ich mich verführen lassen, diese Weiber nicht gleich in die Luft zu sprengen!«

»Nicht wahr, das wäre besser gewesen,« sagte hinter ihm eine erstickte Stimme, aus welcher Wut und Hohn zugleich sprachen. »Dann hätte ich meine Million Dollar gleich verdient gehabt. Also Ihr seid der Bursche gewesen, dem ich den zweiten, unsinnigen Befehl zu verdanken gehabt habe?«

Der Seewolf war es, der, außer sich vor Wut über diese Enttäuschung, die Worte gerufen hatte.

»Aber meine versprochene Prämie will ich mir doch nicht entgehen lassen,« fuhr er zähneknirschend fort, »ich verlange sie von Euch.«

»Hund verdammter,« brauste der Maskierte auf und riß den Revolver aus der Tasche, »willst du mich noch durch deinen Unsinn reizen?«

Doch ebenso schnell blitzte ihm der Revolver des Piraten entgegen.

»Schießt, und mein Revolver wird antworten,« lachte er höhnisch.

Mit einem furchtbaren Fluche wandte sich der Schwarzmantel ab. Was nutzte ihm jetzt der Tod dieses Menschen; die Mädchen, wo waren sie, wer hatte sie befreit, wie waren sie geflohen? Diese Fragen jagten jetzt blitzschnell durch seinen Kopf.

Plötzlich befiel ihn ein neues Entsetzen, ebenso wie die anderen Leute. Von dort, wo sich die Bresche befand, ertönten Stimmen, und gleich darauf kamen gegen fünfzehn fremde Menschen aus ihr heraus, an der Spitze ein junger Mann und eine Dame.

»Ich bin in einer Falle, diese haben die Vestalinnen befreit, sie sind von der Bark,« schoß es durch des Schwarzmantels Kopf, und er erbleichte so, daß selbst die Maske dies nicht ganz verdecken konnte.

Doch sofort hatte er sich wieder zusammengerafft und erwartete mit furchtbar funkelnden Augen die Ankömmlinge, die Finger um den Revolver in der Tasche gelegt. Sein Weg ging wahrscheinlich über die Leichname dieser Fremdlinge hinweg.

»Es ist Miß Staunton, und ihren Begleiter habe ich auf dem ›Amor‹ gesehen,« murmelte er noch, dann hatten die beiden ihn erreicht.

Ihre Leute hielten sich etwas entfernt hinter ihnen, sie schienen nicht bewaffnet. Die Piraten sammelten sich schnell um den Maskierten. Sie wußten, daß es jetzt eine ernste, vielleicht furchtbare Szene geben würde; sie fühlten sich schuldbewußt, als Verbrecher, und diesen Menschen mit den ehrlichen Gesichtern gegenüber doppelt. Es waren ihre Todfeinde, die vor ihnen standen.

Wunderbarerweise schienen die beiden Ankömmlinge gar keine Notiz von den Piraten zu nehmen, sie unterhielten sich plaudernd und blieben wie zufällig nicht weit von dem Maskierten stehen.

»Die Damen scheinen nicht zu Hause zu sein, sind wahrscheinlich spazieren gefahren,« meinte eben der Mann zu der jungen Dame.

»Scherze nicht!« sagte Hope ängstlich, weil sie die Freundinnen nicht sah. »Wo mögen sie nur sein?«

»Nun, wir können ja mal fragen; diese Insel hat noch andere Kolonisten. He, Alter,« wandte sich Hannes an den nicht weit entfernten Seewolf, »könnt Ihr mir nicht verraten, wo die Damen jetzt sind, die vor zwei Monaten etwa sich hier niedergelassen haben?«

Der Seewolf antwortete nicht; mit stieren Augen glotzte er den kecken Sprecher an.

Flexan, der Maskierte, ahnte eine Komödie. Doch er war nicht willens, etwa eine komische Rolle zu spielen; entweder – oder, es mußte sofort eine Entscheidung herbeigeführt werden, denn vielleicht führte dieser Mann absichtlich eine Verzögerung derselben herbei, weil er von irgendwoher Hilfe erwartete. Die Piraten waren zwanzig Mann gegen fünfzehn, er war also mit seinen verwegenen Gesellen im Vorteil.

Mit festen Schritten trat er auf den jungen Mann zu, die hohe Gestalt in dem langen, schwarzen Mantel noch höher reckend. Seine Augen schossen stechende Blicke. »Sind Sie auf diese Insel gekommen, weil Sie uns hier vorzufinden erwarteten?« erklang es in drohendem Tone unter der Maske hervor.

Als wäre er erstaunt, plötzlich von jemandem angeredet zu werden, so wandte Hannes langsam den Kopf nach dem Sprecher und musterte ihn von oben bis unten.

»Wer sind Sie denn, daß Sie mich so ohne weiteres ansprechen?« sagte er ruhig. »Wer mit mir spricht, von dem verlange ich, daß er mir sein Gesicht zeigt. Hinter einer Maske kann sich der größte Spitzbube verstecken, und mit dem spreche ich nicht.«

»Wie soll ich diese Worte nehmen?« zischte der Maskierte, und seine Leute griffen vielsagend nach den Pistolen in ihren Gürteln.

»Wahrscheinlich so, wie ich sie sagte. Komm', Hope,« fuhr Hannes zu dieser gewandt fort und nahm ihren Arm. »Die Vestalinnen sind schon fort, diese Leute scheinen sie ebenso vergeblich gesucht zu haben, wie wir.«

Er wandte sich zum Gehen.

»Hannes,« rief in diesem Augenblick Hope warnend aus, sie hatte noch gesehen, wie der Schwarzmantel einen Revolver aus der Tasche zog, aber ihre Besorgnis war unnötig.

Hannes hatte jenen nicht aus den Augen gelassen. Blitzschnell drehte er sich um, war mit einem Sprunge bei Flexan und traf mit seiner Faust so kräftig dessen Unterarm, daß er mit einem Schmerzensschrei die Waffe fallen ließ. Im Nu hatten sich beide gepackt.

Die Umstehenden waren unterdessen keine müßigen Zuschauer geblieben.

»Dich habe ich schon lange gesucht,« brüllte der Bootsmann der ›Hoffnung‹, der in dem Seewolf denjenigen erkannt hatte, der ihm in Sydney mit dem Messer zu Leibe gegangen war. Seine Faust sauste herab, und bewußtlos fiel der alte Pirat auf die Steinplatte.

Revolver wurden sichtbar, Dolche und Messer blitzten, Auge in Auge standen sich die Männer gegenüber, schon wurden die Waffen zum tödlichen Stoß, zum nahen Schuß erhoben, als plötzlich die Arme wie gelähmt am Körper herabfielen, die meisten stürzten zu Boden, aber keiner war unter ihnen, der noch an Kampf dachte.

Ein furchtbarer Donner erschütterte die Luft, so entsetzlich, wie sie ihn noch nie gehört hatten, und dabei schwankte der Erdboden wie die aufgeregte See.

»Der Vulkan bricht aus,« schrie Hope und stürzte auf Hannes zu, der schon längst den Schwarzmantel losgelassen hatte und jeden Augenblick das Bersten des zitternden Bodens erwartete.

»Nach den Booten,« rief er dann, und plötzlich kam wieder Leben in die Erstarrten.

Schon wollten sie alle nach der Bresche stürzen, als eine neue Erscheinung ihre Schritte abermals hemmte.

Da kamen aus mehreren Höhlen zugleich viele Gestalten, die Gesichter todbleich, die Augen eingesunken, Toten ähnlich, die schon längst begraben und jetzt wieder auferstanden waren.

»Das Meer gibt seine Toten wieder,« schrie plötzlich der Seewolf. Er stürzte auf die Kniee und streckte die Arme der Gestalt entgegen, die mit stieren Augen auf ihn zugeschritten kam. »Bill, was willst du von mir? Rühre mich nicht an, Bill!«

Da wurden ihm schon von dem totgeglaubten Bill die Arme mit furchtbarer Gewalt zusammengepreßt, und im Nu lagen sie in Eisen. Immer mehr Gestalten kamen mit langsamem Schritt aus den Höhlen hervor; den Piraten sträubten sich die Haare vor Entsetzen, denn sie erkannten in ihnen ehemalige Gefährten, welche sie schon längst auf dem Meeresgrund liegen glaubten, und ehe sie noch zur Besinnung ihrer Lage kamen, fühlten sie schon ihre Hände auf dem Rücken gefesselt.

Nicht minder entsetzt waren die Matrosen der ›Hoffnung‹, ja selbst Hannes und Hope, aber die unheimlichen Menschen kümmerten sich nicht um sie, sie beschäftigten sich nur mit ihren einstigen Gefährten.

Dazu rollte noch immer der unterirdische Donner, der Boden schwankte, aber er öffnete sich nicht, um die Geister und deren Gefangene aufzunehmen.

Jetzt kam die Reihe auch an Flexan.

Langsam trat ein bleicher Mann auf ihn zu, die Handschellen vor sich haltend. Schon wollte er sie um die Hände des Bewußtlosen legen, als in diesen plötzlich wieder Leben kam.

»Verdammte Mummerei,« schrie er und sprang wie ein Tiger auf den Mann zu, warf diesen durch sein Gewicht zu Boden und setzte in langen Sprüngen durch die Reihen der verblüfften Matrosen.

Da begriff Hannes mit einem Male, um was es sich handelte; das waren keine Geister, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, welche die Piraten gefangen nehmen wollten.

»Haltet ihn,« schrie er, riß sich von Hope los und eilte dem Flüchtlinge nach, der fast die Bresche erreicht hatte.

Aber die Flucht gelang Flexan nicht.

Kurz vor der Bresche stürzte aus einer Höhle ein Mann hervor und warf sich wie ein wütendes Tier auf den Fliehenden, ihn durch den Anprall zu Boden schleudernd.

Ein großer, starker Mann warf sich wie ein wütendes Tier auf den Fliehenden.

»Habe ich dich,« schrie der große, starke Mann, der auf dem Liegenden kniete, und riß ihm die Maske vom Gesicht. »Ja, es sind dieselben Züge, die deines verfluchten Vaters; den Sohn habe ich, nun kommt er selber noch daran, Jonathan Hemmings oder Flexan, oder wie er heißt.«

Die langen, hageren Finger umschlossen krampfhaft den Hals des Bewußtlosen, er wäre erstickt, wenn Hannes nicht eine Ahnung bekommen hätte, wer der Mann mit der Maske war.

Er hatte Snatcher erkannt, und er hatte von dessen Schicksal und von Flexun, dem Stiefvater Ellens, schon genügend erfahren.

Mit Aufbietung aller seiner Kräfte gelang es ihm, den Halberstickten aus den Händen des Wütenden zu befreien, er sorgte aber dafür, daß der Schuft sich weder vom Boden erheben, noch Gebrauch von seinen Armen machen konnte.

Als Hannes sich dann emporrichtete und zurückblickte, glaubte er seinen Augen nicht trauen zu dürfen.

Eben schleppten die bleichen Männer die Gefangenen in eine Hohle hinein, aus einer anderen aber kamen viele Gestalten in Frauenkleidern heraus – die Vestalinnen.

Mit einem Jubelschrei flog Hope ihnen entgegen, schlang ihre Arme um Ellens Hals und lief von einem Mädchen zum anderen.

»Aber wundern Sie sich denn gar nicht, daß wir mit einem Male hier sind?« rief sie, als die erste Freude des Wiedersehens vorüber war. »Wir kamen, um Sie zu befreien, die ›Hoffnung‹ ist da, um Sie abzuholen.«

Die Vestalinnen wußten jedoch bereits alles; was ihnen der Ingenieur nicht erzählte, hatten sie mit eigenen Augen gesehen.

Es dauerte lange, ehe alles aufgeklärt werden konnte.

Das war also keine öde Felseninsel, sondern sie wimmelte von Menschen, und jene bleichen Männer, einst auch Piraten oder doch Verbrecher, waren jetzt Gefangene des Kapitäns Hoffmann und dessen Arbeiter.

Hannes begrüßte die Damen; er, wie auch Hope hatten jetzt ihren ganzen Humor wiedergefunden. Warum sollten sie auch nicht? Die Vestalinnen lebten, die englischen Lords lebten, und sie selbst waren ein glückliches Paar. Ihr Herz quoll über vor Seligkeit.

»Baron Schwarzburg,« rief Ellen und schüttelte dem jungen Mann herzlich die Hand, »ich gratuliere Ihnen zu Ihrem neuen Titel und Ihrer Eroberung. Dank Johannes' Mitteilungen weiß ich so ziemlich alles, Sie brauchen mir nicht erst Ihr Liebesleid und Ihre Liebesfreude zu schildern. Ankert die ›Hoffnung‹ hier? Nun fehlen in unserer Mitte nur noch die Schützlinge, welche uns ...«

Sie brauchte diesen Wunsch nicht auszusprechen, die Ersehnten kamen schon Hand in Hand aus der Bresche heraus. Heller Jubel brach unter den Damen aus, als sie die Sklavinnen wiedersahen, welche ihnen schon so oft entführt worden waren.

»Meine Damen,« sagte Hannes, nachdem er noch von dem Ingenieur begrüßt worden war, »die ›Hoffnung‹ ist bereit, Sie und Ihre Schützlinge aufzunehmen und dorthin zu bringen, wohin Sie befehlen. Wünschen Sie in die Heimat gebracht zu werden, oder sollen wir beide, Hope und ich, die braunen Damen zu den ihrigen bringen? Wir sind mit Freuden dazu bereit, denn wir wollen unsere Hochzeitsreise mit einigen Abenteuern würzen.

»Nicht so schnell, Baron,« unterbrach Ellen den fröhlichen Sprecher. »Folgen wir erst der Einladung des Mister Anders, und begeben wir uns in das Innere dieses Zauberschlosses, dort können wir uns aussprechen. Wir können von Ihrem freundlichen Anerbieten keinen Gebrauch machen.«

Alle wurden in den Saal geführt, welcher die Vestalinnen zuerst aufgenommen hatte, und die deutschen Matrosen, wie auch Hope und Hannes, glaubten zu träumen, als sich vor ihren Augen die Wunder der Insel auftaten.

Die ›Hoffnung‹ blieb ohne Besatzung draußen verankert; die ›Snake‹ war verschwunden; Hoffmanns Leute hatten das Schiff bereits geborgen.

Jetzt erfuhren die neuen Gäste das Schicksal der Vestalinnen und deren wunderbare Erlebnisse. Dank gegen Hoffmann erfüllte die Herzen aller.

Als man an der Tafel saß, setzte Herr Anders auseinander, daß die Damen noch längere Zeit auf der Insel bleiben müßten, um die Verbrecher in Sicherheit zu wiegen. Die gefangenen Piraten sollten die Arbeit auf der Insel beginnen.

»Und Flexan?« fragte Ellen.

»Den werden wir als Zeugen gegen seine Genossen und gegen seinen Onkel oder Vater gebrauchen, ebenso den Seewolf. Sie bleiben alle in unserem Gewahrsam. Snatcher hat schon gegen Ihren Stiefvater ausgesagt. Und Sie, Baron, bleiben nebst Ihrer Gemahlin bis morgen früh hier; für Ihre Leute wird gleichfalls eine Nacht an Land und in weichen Betten eine Erholung sein.«

»Aber um eins muß ich bitten,« fügte Hannes, »nämlich, daß mir die Mädchen überlasten bleiben. Ich mache es mir zur Pflicht, sie in ihre Heimat zu bringen, denn, wenn die Damen von hier abreisen, um Rechenschaft über ihre Besitzungen zu fordern, haben sie doch keine Zeit dazu.«

Nach längerem Beraten wurde dieser Vorschlag als gut erklärt. Die Mädchen sollten wieder auf die ›Hoffnung‹ kommen.

»Wir werden sie zum Schweigen über die Vorfälle bestimmen,« fuhr Hannes fort, »betreffs meiner Leute können Sie beruhigt sein, die schwatzen nicht. Haben wir, Hope und ich, diese Aufgabe gelöst, die Mädchen in die Heimat gebracht, was nicht viel Zeit in Anspruch nehmen wird, so suchen wir die englischen Herren auf und schließen uns ihnen an. Die Reise durch Südamerika machen wir zusammen, und wir wollen schon dafür sorgen, daß wir sicher den Norden erreichen, und dann, meine Damen, hoffen wir, in Ihrer Heimat einen freundlichen Empfang von Ihnen zu bekommen.«

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