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Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

Friedrich Schiller: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleSchillers Sämmtliche Werke, Erster Band
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Verschwörung des Fiesco zu Genua
pages384-385
created20001002
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Auftritt.

Fiesco. Zenturione, Zibo, Asserato stürzen stürmisch ins Zimmer.

Zibo. Graf, Sie verzeihen unserm Zorn, daß wir unangemeldet hereintreten.

Zenturione. Ich bin beschimpft, tödlich beschimpft vom Neffen des Herzogs, im Angesicht der ganzen Signoria.

Asserato. Doria hat das goldene Buch besudelt, davon jeder genuesische Edelmann ein Blatt ist.

Zenturione. Darum sind wir da. Der ganze Adel ist in mir aufgefordert. Der ganze Adel muß meine Rache theilen. Meine Ehre zu rächen, dazu würde ich schwerlich Gehilfen fordern.

Zibo. Der ganze Adel ist in ihm aufgereizt. Der ganze Adel muß Feuer und Flamme speien.

Asserato. Die Rechte der Nation sind zertrümmert. Die republikanische Freiheit hat einen Todesstoß.

Fiesco. Sie spannen meine ganze Erwartung.

Zibo. Er war der neunundzwanzigste unter den Wahlherrn, hatte zur Procuratorwahl eine goldene Kugel gezogen. Achtundzwanzig Stimmen waren gesammelt. Vierzehn sprachen für mich, eben so viele für Lomellino! Dorias und die seinige standen noch aus.

Zenturione (rasch ins Wort fallend). Standen noch aus. Ich votierte für Zibo. Doria – fühlen Sie die Wunde meiner Ehre – Doria –

Asserato (fällt ihm wieder ins Wort). So was erlebte man nicht, so lang der Ocean um Genua fluthet –

Zenturione (hitziger fort). Doria zog ein Schwert, das er unter dem Scharlach verborgen gehalten, spießte mein Votum daran, rief in die Versammlung:

Zibo. »Senatoren, es gilt nicht! Es ist durchlöchert! Lomellin ist Procurator.«

Zenturione. »Lomellin ist Procurator,« und warf sein Schwert auf die Tafel.

Asserato. Und rief: »Es gilt nicht!« und warf sein Schwert auf die Tafel.

Fiesco (nach einigem Stillschweigen). Wozu sind Sie entschlossen?

Zenturione. Die Republik ist ins Herz gestoßen. Wozu wir entschlossen sind?

Fiesco. Zenturione, Binsen mögen vom Athem knicken. Eichen wollen den Sturm. Ich frage, was Sie beschließen?

Zibo. Ich dächte, man fragte, was Genua beschließe?

Fiesco. Genua? Genua? Weg damit; es ist mürb, bricht, wo Sie es anfassen. Sie rechnen auf die Patrizier? Vielleicht weil sie saure Gesichter schneiden, die Achsel zucken, wenn von Staatssachen Rede wird? Weg damit! Ihr Heldenfeuer klemmt sich in Ballen levantischer Waaren, ihre Seelen flattern ängstlich um ihre ostindische Flotte.

Zenturione. Lernen Sie unsere Patrizier besser schätzen. Kaum war Dorias trotzige That gethan, flohen ihrer einige Hundert mit zerrissenen Kleidern auf den Markt. Die Signoria fuhr auseinander.

Fiesco (spöttisch). Wie Tauben auseinander flattern, wenn in den Schlag sich ein Geier wirft?

Zenturione (stürmisch). Nein! wie Pulvertonnen, wenn eine Lunte hineinfällt.

Zibo. Das Volk wüthet auch, was vermag nicht ein angeschossener Eber?

Fiesco (lacht). Der blinde, unbeholfene Koloß, der mit plumpen Knochen Anfangs Gepolter macht, Hohes und Niederes, Nahes und Fernes mit gähnendem Rachen zu verschlingen droht und zuletzt – über Zwirnsfäden stolpert? Genueser, vergebens! Die Epoche der Meerbeherrscher ist vorbei. Genua ist unter seinen Namen gestürzt. Genua ist doch, wo das unüberwindliche Rom wie ein Federball in die Rakete eines zärtlichen Knaben Octavius sprang. Genua kann nicht mehr frei sein. Genua muß von einem Monarchen erwärmt werden. Genua braucht einen Souverain, also huldigen Sie dem Schwindelkopf Gianettino.

Zenturione (aufbrausend). Wenn sich die grollenden Elemente versöhnen und der Nordpol dem Südpol nachspringt – Kommt, Kameraden!

Fiesco. Bleiben Sie, bleiben Sie! Worüber brüten Sie, Zibo?

Zibo. Ueber nichts oder einem Possenspiel, das das Erdbeben heißen soll.

Fiesco (führt sie zu einer Statue). Schauen Sie doch diese Figur an.

Zenturione. Es ist die Venus von Florenz. Was soll sie uns hier?

Fiesco. Sie gefällt Ihnen aber?

Zibo. Ich sollte denken, oder wir wären schlechte Italiener. Wie Sie das jetzt fragen mögen?

Fiesco. Nun, reisen Sie durch alle Welttheile und suchen unter allen lebendigen Abrücken des weiblichen Modells den glücklichsten aus, in welchem sich alle Reize dieser geträumten Venus umarmen.

Zibo. Und tragen dann für unsre Mühe davon?

Fiesco. Dann werden Sie die Phantasie der Marktschreierei überwiesen haben –

Zenturione (ungeduldig). Und was gewonnen haben?

Fiesco. Gewonnen haben den verjährten Proceß der Natur mit den Künstlern.

Zenturione (hitzig). Und dann?

Fiesco. Dann? dann? (Fängt zu lachen an). Dann haben Sie vergessen zu sehen, daß Genuas Freiheit zu Trümmern geht! (Zenturione, Zibo, Asserato gehen ab.)

Sechster Auftritt.

Fiesco. – Getümmel um den Palast nimmt zu.

Glücklich! glücklich! Das Stroh der Republik ist in Flammen. Das Feuer hat schon Häuser und Thürme gefaßt – Immer zu! immer zu! Allgemein werde der Brand, der schadenfrohe Wind pfeife in die Verwüstung!

Siebenter Auftritt.

Mohr in Eile. Fiesco.

Mohr. Haufen über Haufen!

Fiesco. Mache die Thorflügel weit auf. Laß hereinstürzen, was Füße hat.

Mohr. Republikaner! Republikaner! Ziehen ihre Freiheit am Joch, keuchen, wie Lastochsen, unter ihrer aristokratischen Herrlichkeit.

Fiesco. Narren, die glauben, Fiesco von Lavagna werde fortführen, was Fiesco von Lavagna nicht anfing! Die Empörung kommt wie gerufen. Aber die Verschwörung muß meine sein. Sie stürmen die Treppe herauf.

Mohr (hinaus). Holla! holla! Werden das Haus höflichst zur Thüre hereinbringen. (Das Volk stürmt herein, die Thüre in Trümmer.)

Achter Auftritt.

Fiesco. Zwölf Handwerker.

Alle. Rache an Doria! Rache an Gianettino!

Fiesco. Hübsch gemach, meine Landsleute. Daß ihr mir alle eure Aufwartung so machtet, das zeugt von eurem guten Herzen. Aber meine Ohren sind delicater.

Alle (ungestümer). Zu Boden mit den Doria! Zu Boden Oheim und Neffen!

Fiesco (der sie lächelnd überzählt). Zwölf sind ein vornehmes Heer –

Einige. Diese Doria müssen weg. Der Staat muß eine andere Form haben.

Erster Handwerker. Unsre Friedensrichter die Treppen hinab zu schmeißen – die Treppen die Friedensrichter.

Zweiter. Denkt doch, Lavagna, die Treppen hinab, als sie ihm bei der Wahl widersprachen.

Alle. Soll nicht geduldet werden! darf nicht geduldet werden!

Ein Dritter. Ein Schwert in den Rath zu nehmen –

Erster. Ein Schwert! Das Zeichen des Kriegs! im Zimmer des Friedens!

Zweiter. Im Scharlach in den Senat zu kommen! Nicht schwarz, wie die übrigen Rathsherrn.

Erster. Mit acht Hengsten durch unsere Hauptstadt zu fahren.

Alle. Ein Tyrann! ein Verräther des Lands und der Regierung!

Zweiter. Zweihundert Deutsche zur Leibwach vom Kaiser zu kaufen –

Erster. Ausländer wider die Kinder des Vaterlands! Deutsche gegen Italiener! Soldaten neben die Gesetze!

Alle. Hochverrath! Meuterei! Genuas Untergang!

Erster. Das Wappen der Republik an der Kutsche zu führen –

Zweiter. Die Statue des Andreas mitten im Hof der Signoria! –

Alle. In Stücken mit dem Andreas! In tausend Stück den steinernen und den lebendigen!

Fiesco. Genueser, warum mir Das alles?

Erster. Ihr sollt es nicht dulden! Ihr sollt ihm den Daumen aufs Aug halten!

Zweiter. Ihr seid ein kluger Mann, und sollt es nicht dulden, und sollt den Verstand für uns haben.

Erster. Und seid ein besserer Edelmann, und sollt ihm das eintränken, und sollt es nicht dulden.

Fiesco. Euer Zutrauen schmeichelt mir sehr. Kann ich es durch Thaten verdienen?

Alle (lärmend). Schlage! Stürze! Erlöse!

Fiesco. Doch ein gut Wort werdet ihr noch annehmen?

Einige. Redet, Lavagna!

Fiesco (der sich niedersetzt). Genueser – Das Reich der Thiere kam einst in bürgerliche Gährung, Parteien schlugen mit Parteien, und ein Fleischerhund bemächtigte sich des Throns. Dieser, gewohnt, das Schlachtvieh an das Messer zu hetzen, hauste hündisch im Reich, klaffte, biß und nagte die Knochen seines Volks. Die Nation murrte, die Kühnsten traten zusammen und erwürgten den fürstlichen Bullen. Jetzt ward ein Reichstag gehalten, die große Frage zu entscheiden, welche Regierung die glücklichste sei? Die Stimmen theilten sich dreifach. Genueser, für welche hättet ihr entschieden?

Erster Bürger. Fürs Volk. Alle fürs Volk.

Fiesco. Das Volk gewann's. Die Regierung ward demokratisch. Jeder Bürger gab seine Stimme. Mehrheit setzte durch. Wenige Wochen vergingen, so kündigte der Mensch dem neugebackenen Freistaat den Krieg an. Das Reich kam zusammen. Roß, Löwe, Tiger, Bär, Elephant und Rhinoceros traten auf und brüllten laut zu den Waffen! Jetzt kam die Reih' an die Uebrigen. Lamm, Hase, Hirsch, Esel, das ganze Reich der Insecten, der Vögel, der Fische ganzes menschenscheues Heer – alle traten dazwischen und wimmerten: Friede. Seht, Genueser! Der Feigen waren mehr, denn der Streitbaren, der Dummen mehr, denn der Klugen – Mehrheit setzte durch. Das Thierreich streckte die Waffen, und der Mensch brandschatzte sein Gebiet. Dieses Staatssystem ward also verworfen. Genueser, wozu wäret ihr jetzt geneigt gewesen?

Erster und Zweiter. Zum Ausschuß! Freilich zum Ausschuß!

Fiesco. Diese Meinung gefiel! Die Staatsgeschäfte theilten sich in mehrere Kammern. Wölfe besorgten die Finanzen, Füchse waren ihre Secretäre. Tauben führten das Criminalgericht, Tiger die gütlichen Vergleiche, Böcke schlichteten Heirathsprocesse. Soldaten waren die Hasen; Löwen und Elephant blieben bei der Bagage; der Esel war Gesandter des Reichs, und der Maulwurf Oberaufseher über die Verwaltung der Aemter. Genueser, was hofft ihr von dieser weisen Vertheilung? Wen der Wolf nicht zerriß, den prellte der Fuchs. Wer diesem entrann, den tölpelte der Esel nieder. Tiger erwürgten die Unschuld; Diebe und Mörder begnadigte die Taube, und am Ende, wenn die Aemter niedergelegt wurden, fand sie der Maulwurf alle unsträflich verwaltet – Die Thiere empörten sich. Laßt uns einen Monarchen wählen, riefen sie einstimmig, der Klauen und Hirn und nur einen Magen hat – und einem Oberhaupt huldigten alle – einem, Genueser – aber (indem er mit Hoheit unter sie tritt) es war der Löwe.

Alle (klatschen, werfen die Mützen in die Höhe). Bravo! Bravo! das haben sie schlau gemacht.

Erster. Und Genua soll's nachmachen, und Genua hat seinen Mann schon.

Fiesco. Ich will ihn nicht wissen. Gehet heim! Denkt auf den Löwen! (Die Bürger tumultuarisch hinaus.) Es geht erwünscht. Volk und Senat wider Doria. Volk und Senat für Fiesco – Hassan! – Hassan! Ich muß diesen Wind benutzen – Hassan! Hassan! Ich muß diesen Haß verstärken! dieses Interesse anfrischen! – Heraus, Hassan! Hurensohn der Hölle! Hassan! Hassan!

Neunter Auftritt.

Mohr kommt. Fiesco.

Mohr (wild). Meine Sohlen brennen noch. Was gibt's schon wieder?

Fiesco. Was ich befehle.

Mohr (geschmeidig). Wohin lauf' ich zuerst? wohin zuletzt?

Fiesco. Das Laufen sei dir diesmal geschenkt. Du wirst geschleift werden. Mache dich gleich gefaßt; ich posaune jetzt deinen Meuchelmord aus und übergebe dich gebunden der peinlichen Nota.

Mohr (sechs Schritte zurück). Herr? – das ist wider die Abrede.

Fiesco. Sei ganz ruhig. Es ist nichts mehr, denn ein Possenspiel. In diesem Augenblick liegt Alles daran, daß Gianettinos Anschlag auf mein Leben ruchbar wird. Man wird dich peinlich verhören.

Mohr. Ich bekenne dann oder leugne?

Fiesco. Leugnest. Man wird dich auf die Tortur schrauben. Den ersten Grad stehst du aus. Diese Witzigung kannst du auf Conto deines Meuchelmords hinnehmen. Beim zweiten bekennst du.

Mohr (schüttelt den Kopf, bedenklich). Ein Schelm ist der Teufel. Die Herren könnten mich beim Essen behalten, und ich würde aus lauter Komödie gerädert.

Fiesco. Du kommst ganz weg. Ich gebe dir meine gräfliche Ehre. Ich werde mir deine Bestrafung zur Genugthuung ausbitten und dich dann vor den Augen der ganzen Republik pardonnieren.

Mohr. Ich lasse mir's gefallen. Sie werden mir das Gelenk auseinander treiben. Das macht geläufiger.

Fiesco. So ritze mir hurtig mit deinem Dolche den Arm auf, bis Blut darnach läuft – Ich werde thun, als hätt' ich dich erst frisch auf der That ergriffen. Gut! (Mit gräßlichem Geschrei.) Mörder! Mörder! Mörder! Besetzt die Wege! Riegelt die Pforten zu! (Er schleppt den Mohren an der Gurgel hinaus, Bediente fliehen über den Schauplatz.)

Zehnter Auftritt.

Leonore. Rosa stürzen erschrocken herein.

Leonore. Mord! schrieen sie, Mord! Von hier kam der Lärm.

Rosa. Ganz gewiß nur ein blinder Tumult, wie alltäglich in Genua.

Leonore. Sie schrieen Mord, und das Volk murmelte deutlich: Fiesco. Armselige Betrüger! Meine Augen wollten sie schonen, aber mein Herz überlistet sie. Geschwind, eile nach, sieh, sage mir, wo sie ihn hinschleppen.

Rosa. Sammeln Sie sich. Bella ist nach.

Leonore. Bella wird seinen brechenden Blick noch auffassen! die glückliche Bella! Weh über mich, seine Mörderin! Hätte Fiesco mich lieben können, nie hätte Fiesco sich in die Welt gestürzt, nie in die Dolche des Neids! – Bella kommt! Fort! Rede nicht, Bella!

Eilfter Auftritt.

Vorige. Bella.

Bella. Der Graf lebt und ist ganz. Ich sah ihn durch die Stadt galoppieren. Nie sah ich unsern gnädigen Herrn so schön. Der Rapp prahlte unter ihm und jagte mit hochmüthigem Huf das andrängende Volk von seinem fürstlichen Reiter. Er erblickte mich, als er vorüber flog, lächelte gnädig, winkte hieher und warf drei Küsse zurück. (Boshaft.) Was mach' ich damit, Signora?

Leonore (in Entzückung). Leichtfertige Schwätzerin! Bring sie ihm wieder.

Rosa. Nun sehen Sie! jetzt sind Sie wieder Scharlach über und über.

Leonore. Sein Herz wirft er den Dirnen nach, und ich jage nach einem Blick? – O Weiber! Weiber! (Gehen ab.)

Zwölfter Auftritt.

Im Palast des Andreas.

Gianettino. Lomellin kommen hastig

Gianettino. Laß sie um ihre Freiheit brüllen, wie die Löwin um ein Junges. Ich bleibe dabei.

Lomellin. Doch, gnädiger Herr –

Gianettino. Zum Teufel mit Eurem Doch, dreistundlanger Procurator! Ich weiche um keines Haares Breite. Laß Genuas Thürme die Köpfe schütteln und die tobende See Nein dareinbrummen. Ich fürchte den Troß nicht.

Lomellin. Der Pöbel ist freilich das brennende Holz, aber der Adel gibt seinen Wind dazu. Die ganze Republik ist in Wallung. Volk und Patrizier.

Gianettino. So steh' ich wie Nero auf dem Berg und sehe dem possierlichen Brande zu –

Lomellin. Bis sich die ganze Masse des Aufruhrs einem Parteigänger zuwirft, der ehrgeizig genug ist, in der Verwüstung zu ernten.

Gianettino. Possen! Possen! Ich kenne nur Einen, der fürchterlich werden könnte, und für den ist gesorgt.

Lomellin. Seine Durchlaucht. (Andreas kommt, Beide verneigen sich tief.)

Andreas. Signor Lomellin! Meine Nichte wünscht auszufahren.

Lomellin. Ich werde die Gnade haben, sie zu begleiten. (Ab.)

Dreizehnter Auftritt.

Andreas. Gianettino.

Andreas. Höre, Neffe! Ich bin schlimm mit dir zufrieden.

Gianettino. Gönnen Sie mir Gehör, durchlauchtigster Oheim.

Andreas. Dem zerlumptesten Bettler in Genua, wenn er es werth ist. Einem Buben niemals, und wär' er mein Neffe. Gnädig genug, daß ich dir den Oheim zeige; du verdientest den Herzog und seine Signoria zu hören.

Gianettino. Nur ein Wort, gnädigster Herr –

Andreas. Höre, was du gethan hast, und verantworte dich dann – – Du hast ein Gebäude umgerissen, das ich in einem halben Jahrhundert sorgsam zusammenfügte – das Mausoleum deines Oheims – seine einzige Pyramide – die Liebe der Genueser. Den Leichtsinn verzeiht dir Andreas.

Gianettino. Mein Oheim und Herzog –

Andreas. Unterbrich mich nicht. Du hast das schönste Kunstwerk der Regierung verletzt, das ich selbst den Genuesern vom Himmel holte, das mich so viele Nächte gekostet, so viele Gefahren und Blut. Vor ganz Genua hast du meine fürstlichen Ehre besudelt, weil du für meine Anstalt keine Achtung zeigtest. Wem wird sie heilig sein, wenn mein Blut sie verachtet? – Diese Dummheit verzeiht dir der Oheim.

Gianettino (beleidigt). Gnädigster Herr, Sie haben mich zu Genuas Herzog gezogen.

Andreas. Schweig – du bist ein Hochverräther des Staates und hast das Herz seines Lebens verwundet. Merke dir's, Knabe! Es heißt – Unterwerfung! – Weil der Hirte am Abend seines Tagwerks zurücktrat, wähntest du die Heerde verlassen? Weil Andreas eisgraue Haare trägt, trampeltest du wie ein Gassenjunge auf den Gesetzen?

Gianettino (trotzig). Gemach, Herzog. Auch in meinen Adern siedet das Blut das Andreas, vor dem Frankreich erzitterte.

Andreas. Schweig! befehl' ich – Ich bin gewohnt, daß das Meer aufhorcht, wenn ich rede – Mitten in ihrem Tempel spieest du die majestätische Gerechtigkeit an. Weißt du, wie man das ahndet, Rebelle? – Jetzt antworte!

(Gianettino heftet den Blick sprachlos zu Boden.)

Andreas. Unglückseliger Andreas! In deinem eigenen Herzen hast du den Wurm deines Verdiensts ausgebrütet. – Ich baute den Genuesern ein Haus, das der Vergänglichkeit spotten sollte, und werfe den ersten Feuerbrand hinein – Diesen! Dank' es, Unbesonnener, diesem eisgrauen Kopf, der von Familienhänden zur Grube gebracht sein will – Dank' es meiner gottlosen Liebe, daß ich den Kopf des Empörers dem beleidigten Staate nicht – vom Blutgerüste zuwerfe. (Schnell ab.)

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