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Die Verlobten

Alessandro Manzoni: Die Verlobten - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorAlessandro Manzoni
titleDie Verlobten
publisherGutenberg-Verlag, Hamburg
volumeBand 1 und 2
editorDr. Herrman Tiemann
year1929
translatorDaniel Lessmann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060803
projectid9d981f8c
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Sechstes Kapitel.

»Womit kann ich Ihnen dienen?« sagte Don Rodrigo und nahm seine Stellung mitten im Zimmer. So hörten sich die Worte an; die Art und Weise aber, wie sie vorgebracht worden, gaben deutlich zu verstehen: Siehe wohl zu, vor wem du stehst; lege deine Worte auf die Wagschale und fasse dich kurz.

Um unserm Bruder Cristoforo Mut einzuflößen, gab es kein sichereres und rascheres Mittel, als mit hochmütiger Gebärde ihn anzureden. Er, der schwankend dastand, nach Worten umhersuchte und die Kügelchen des Rosenkranzes, welchen er nach Art eines Gürtels trug, zwischen den Fingern laufen ließ, als wenn er auf einem derselben den Anfangsbuchstaben seiner Rede zu finden hoffte, fühlte plötzlich bei diesem Benehmen des Don Rodrigo eine größere Fülle von Worten, als es bedurfte, auf den Lippen. Zu gleicher Zeit aber besann er sich, wieviel darauf ankäme, seine Angelegenheit oder, was weit mehr sagen will, die Angelegenheit andrer nicht zu verderben; daher mäßigte und verbesserte er die Redensarten, welche seinem Geiste sich dargeboten, und sagte mit behutsamer Ergebenheit: »Ich komme, Ihnen eine Handlung der Gerechtigkeit vorzutragen, Sie um erbarmensvollen Beistand zu bitten. Gewisse schlimmgeartete Leute haben sich Ihres erlauchten Namens bedient, um einen armen Pfarrer in Furcht zu setzen und ihn von der Erfüllung seiner Pflicht zurückzuschrecken. Und das, um ein unschuldiges Paar zu unterdrücken. Sie können, verehrter Herr, mit einem einzigen Worte diese Menschen zuschanden machen, können alles damit wieder in Ordnung bringen und den Armen, denen so großes Unrecht geschehen, wieder aufhelfen. Sie können es, und da Sie es können ... das Gewissen, die Ehre ...«

»Sie werden von meinem Gewissen mit mir sprechen, sobald ich es für gut finden werde, Sie deshalb um Rat zu fragen. Was meine Ehre betrifft, so mögen Sie wissen, daß ich, und ich allein, ihr Wächter bin; wer sich mir aufzudringen wagt, um diese Sorge mit mir zu teilen, den betrachte ich als einen verwegenen Beleidiger.«

Bruder Cristoforo entnahm aus dieser Rede, daß Don Rodrigo seinen Worten eine arge Bedeutung anzudichten, das Gespräch in einen Wortstreit zu verwandeln suchte und auf diese Weise ihm die Gelegenheit, zur Hauptsache zu kommen, verrennen wollte; er nahm daher seine Zuflucht zur duldenden Gelassenheit, beschloß, sich ruhig alles gefallen zu lassen, was sein Mann auch immer sagen würde, und antwortete alsobald in ehrfurchtsvollem Tone: »Wenn ich etwas Mißfälliges gesagt habe, so ist es wahrlich ganz und gar gegen meine Absicht geschehen. Weisen Sie mich zurecht, lassen Sie mich Ihren Tadel fühlen, wenn ich nicht zu sprechen verstehe, wie sich's gebührt; aber geruhen Sie, mich anzuhören. Beim ewigen Himmel, bei jenem Richter der Welt, vor dessen Augen wir alle erscheinen müssen« – und während er so sprach, hielt er seinem finsterblickenden Zuhörer den kleinen hölzernen Totenkopf, den er am Rosenkranze hängen hatte, vor die Augen – »Sie werden nicht hartnäckig eine so leichte Handlung der Gerechtigkeit, die man armen Unglücklichen so sehr schuldig, verweigern. Bedenken Sie, daß Gottes Augen stündlich auf diese Armen gerichtet, daß auch ihr Flehen dort oben vernommen wird. Mächtig ist die Unschuld in ihrem ...«

»Ei, Pater,« unterbrach ihn Don Rodrigo mit Heftigkeit, »die Achtung, die ich vor Ihrem Kleide habe, ist groß; wenn mich aber etwas dahin bringen könnte, sie zu vergessen, so wär's, Sie mit einem zu verwechseln, der in mein Haus mir zu schleichen wagt, um hier den Kundschafter zu spielen.«

Eine plötzliche Glut stieg in den Wangen des Mönchs empor; mit der Miene eines Menschen aber, welcher ein bitteres Arzneimittel nimmt, entgegnete er: »Sie glauben selbst nicht, daß solch ein Titel mir gebühre. In Ihrem Herzen empfinden Sie, daß mein Geschäft hier weder niedrig noch verächtlich. Hören Sie mich, Don Rodrigo, und wolle der Himmel nicht, daß dereinst ein Tag erscheine, wo es Sie reut, mich nicht angehört zu haben. Setzen Sie Ihren Ruhm nicht ... welchen Ruhm, Don Rodrigo! Welchen Ruhm bei den Menschen! Und welchen vor Gott! Sie vermögen hier auf Erden viel, aber ...«

»Wissen Sie,« fiel ihm jener ärgerlich, doch nicht ohne eine Anwandlung von Schauer ins Wort, »wissen Sie, daß ich recht gut wie jeder andre meinen Weg zur Kirche zu finden verstehe, wenn mir einmal die Grille ankommt, eine Predigt zu hören? Aber in meinem eigenen Hause – o,« fuhr er mit erzwungenem Lächeln des Hohnes fort, »Sie nehmen mich für etwas Höheres, als ich bin. Den Prediger im Hause! Das haben nur Fürsten.«

»Der Gott, welcher den Fürsten Rechenschaft abfordert und in ihrer Hofburg seine Stimme sie verstehen lehrt, der Gott, welcher in diesem Augenblicke eben seine Barmherzigkeit verkündigt, indem er seinen unwürdigen elenden Diener, aber doch immer seinen Diener hersendet, für eine Unschuldige zu bitten ...«

»Kurz, Pater,« sagte Don Rodrigo, indem er Miene machte, sich wegzubegeben; »ich weiß nicht, was Sie sagen wollen; nur so viel leuchtet mir ein, daß Ihnen irgendeine Dirne gar sehr am Herzen liegen muß. Schenken Sie Ihr Vertrauen, wem Sie wollen; nehmen Sie sich's aber nicht heraus, einem Edelmann länger damit beschwerlich zu fallen.«

Während Don Rodrigo sich auf den Weg machen wollte, hatte sich auch Bruder Cristoforo in Bewegung gesetzt, trat ihm ehrfurchtsvoll in den Weg, erhob die Hände, um ihn anzuflehen und zugleich ihn zurückzuhalten, und nahm wieder das Wort:

»Sie liegt mir am Herzen, es ist wahr, aber nicht mehr als Sie; zwei Seelen sind's, um welche beide ich besorgter bin als um mein Leben. Don Rodrigo! Ich kann nichts für Sie tun, als zu Gott flehen; aber ich tu's von Herzen. Antworten Sie mir nicht mit Nein; lassen Sie ein armes unschuldiges Mädchen nicht länger in Angst und Schrecken schweben. Ein Wort aus Ihrem Munde vermag alles.«

»Nun gut,« sagte Don Rodrigo, »da Sie der Meinung sind, daß ich für die Person viel tun kann, da diese Person Ihnen so sehr am Herzen liegt ...«

»Nun?« fragte in ängstlicher Erwartung Bruder Cristoforo; denn Don Rodrigos Blick und Gebärde erlaubten ihm nicht, der Hoffnung, welche diese Worte zu verkündigen schienen, sich ganz zu überlassen.

»Gut, so raten Sie ihr, sie möge kommen und sich in meinen Schutz begeben. Es soll ihr nichts abgehen, und keiner wird sich unterstehen, sie zu beunruhigen, oder ich bin kein ritterlicher Edelmann!«

Bei einem solchen Vorschlag brach der Unwille des Mönchs, bisher mit Gewalt unterdrückt, ungestüm durch. Alle die schönen Vorsätze von Klugheit und Geduld verschwanden; der ehemalige Mann floß mit dem gegenwärtigen zusammen, und in solchen Fällen galt Bruder Cristoforo wahrlich für zwei.

»Euer Schutz!« rief er, trat zwei Schritte zurück, stützte sich stolz auf den einen Fuß, legte die rechte Hand an die Hüfte, erhob die linke mit ausgestrecktem Zeigefinger gegen Don Rodrigo und sah ihm mit zwei flammenden Augen schreckend ins Gesicht: »Euer Schutz! Gut, daß Ihr so gesprochen, daß Ihr mir einen solchen Vorschlag gemacht. Ihr habt das Maß bis an den Rand gefüllt, ich fürchte Euch nicht mehr!«

»Wie sprichst du, Mönch?«

»Ich spreche, wie man mit denen spricht, die von Gott verlassen sind und niemanden mehr in Furcht setzen können. Euer Schutz! Ich wußte wohl, daß die Unschuldige unter Gottes Schutz steht; Ihr aber, Ihr lasset mich's jetzt mit solch einer Gewißheit empfinden, daß ich keiner Rücksicht weiter bedarf, um mit Euch davon zu reden. Lucia, sag' ich; Ihr seht, wie ich diesen Namen mit erhobener Stirn und schwankenlosen Blicken ausspreche –«

»Wie? In diesem Hause!«

»Ich bedaure dieses Haus, der Fluch schwebt über seinen Zinnen. Seht zu, ob die göttliche Gerechtigkeit vor vier Flintenläufen und vier Mordknechten Achtung hat. Meint Ihr, Gott habe ein Geschöpf nach seinem Ebenbilde in die Welt gesetzt, um Euch die Lust zu verschaffen, es zu quälen? Meint Ihr, Gott wisse das Mädchen nicht zu verteidigen? Ihr habt seinen Rat verächtlich von Euch gewiesen, Ihr habt Euch selbst gerichtet. Das Herz des Pharao war verstockt wie das Eure, und Gott wußte es zu zerschmettern. Lucia ist vor Euch sicher; ich armer Mönch sag' es Euch, und was Euch betrifft, hört wohl, was ich Euch verspreche. Es wird ein Tag kommen ...«

Don Rodrigo hatte bisher zwischen Wut und staunender Verwunderung geschwebt und keine Worte gefunden; sobald er aber die ersten Töne einer Prophezeiung vernahm, gesellte sich zur Entrüstung ein ferner geheimnisvoller Schrecken. Er griff hastig durch die Luft nach jener drohenden Hand, erhob die Stimme, um den Mund des unheilverkündenden Propheten augenblicklich zum Schweigen zu bringen, und schrie: »Aus meinen Augen, verwegener Schurke, jämmerlicher Taugenichts in der Kapuze!«

So entschiedene Worte brachten auf einen Augenblick unsern Cristoforo zur Ruhe. Mit der Vorstellung von Schmach und Beschimpfung war die Vorstellung von Dulden und Schweigen so innig und seit so langer Zeit in seinem Geiste verschwistert, daß aller Zorn und alle Heftigkeit bei dieser Höflichkeitsbezeugung ihm entschwanden und kein andrer Entschluß ihm blieb, als ruhig mit anzuhören, was dem Gegner noch weiter hinzuzufügen belieben würde. Nachdem er daher seine Hand aus den Klauen des Edelmannes sanft zurückgezogen, senkte er das Haupt und blieb unbeweglich stehen, wie beim Nachlassen des Windes, mitten in einem Sturmwetter, eine alte Eiche ihre Zweige wieder in natürliche Stellung legt und dann die Schloßen empfängt, wie der Himmel sie herabschickt.

»Ausgemachter Grobian,« fuhr Don Rodrigo fort, »tust, als wenn du vor deinesgleichen stündest. Aber dank' es der Kutte, die dir die breiten Halunkenschultern deckt, sonst solltest du die Liebkosungen kosten, womit man Leute von deinem Gelichter reden lehrt. Mach' dich für diesmal mit geraden Beinen fort, und dann werden wir sehen.«

Indem er so sprach, deutete er mit höhnendem Gebot nach einer Türe, der Seite, wo sie hereingetreten, gegenüber. Bruder Cristoforo verneigte sich und ging; Don Rodrigo blieb und durchmaß mit heftigen Schritten das Schlachtfeld.

Nachdem der Mönch die Türe hinter sich geschlossen, sah er im andern Zimmer, in welches er eben getreten, einen Menschen behutsam längs der Wand hinschlüpfen, als wollte er vom Zimmer des Gespräches aus nicht gesehen werden. Es war der alte Diener, der ihn an der Straßenpforte empfangen hatte. Der befand sich im Hause seit vierzig Jahren, seit Don Rodrigos frühester Jugend nämlich; um diese Zeit war er in die Dienste des Vaters getreten, welcher ein ganz anderer Mann gewesen. Nachdem dieser gestorben, verabschiedete der neue Herr die sämtlichen Diener und schaffte sich eine neue Schar an; den einzigen Alten behielt er, teils seiner Jahre wegen, teils weil er, obgleich von durchaus verschiedener Sitte und Gesinnung mit dem jungen Gebieter, diesen Übelstand vollkommen durch zwei Eigenschaften ersetzte; fürs erste hatte er einen angeborenen hohen Begriff von der Würde des Hauses, dann besaß er eine außerordentliche Erfahrung in den festlichen Staatsgebräuchen, und keiner kannte die ältesten Überlieferungen, die geringfügigsten einzelnen Punkte besser als er.

Bruder Cristoforo sah ihn im Vorbeigehen, grüßte ihn und setzte seinen Weg fort. Der Alte aber trat geheimnisvoll zu ihm hin, legte den Zeigefinger auf den Mund und gab ihm dann mit demselben Finger einen einladenden Wink, mit ihm nach einem dunklen Gang zu kommen. Sobald er ihn dort hingeführt, sagte er ihm mit leiser Stimme: »Ehrwürdiger Vater, ich habe alles gehört und muß Ihnen ein Wort vertrauen.«

»Sagt geschwind, lieber Mann.«

»Hier nicht,« flüsterte der Alte. »Weh mir, wenn der Herr es merkt! Ich werde aber noch manches erfahren können und zusehen, ob es mir möglich ist, morgen nach dem Kloster zu kommen.«

»Gibt's irgendeinen Plan?«

»Es schwebt so was, das ist gewiß; ich hab's schon merken können. Jetzt aber werde ich aufpassen und gedenke, alles herauszukriegen. Lassen Sie mich nur machen. Ich bekomme Dinge zu sehen und zu hören, greuliche Dinge! Ich bin in einem Hause – meine Seele aber möcht' ich bewahren.«

»Der Himmel schenke Euch seinen Segen!« – Der Mönch sprach diese Worte mit frommer Ehrfurcht aus und legte seine Hand auf den Scheitel des Dieners, welcher, obschon älter als er, in der Stellung eines Sohnes gesenkt vor ihm stand. – »Der Herr wird's Euch lohnen,« fuhr Bruder Cristoforo fort; »vergeßt nicht, morgen zu kommen.«

»Ich werde kommen,« antwortete der Alte; »Sie aber, Herr, gehen Sie schnell und, um Himmels willen, verraten Sie mich nicht!«

Indem er so bat und rings umherschaute, trat er am andern Ende des Ganges hinaus in einen Saal, dessen Türe sich nach dem Hof öffnete. Hier überzeugte er sich, daß kein Zeuge zu fürchten, und rief den guten Mönch heraus, dessen Gesicht die letzte Bitte deutlicher beantwortete, als irgendeine Beteuerung gekonnt hätte. Der Alte zeigte ihm den Ausgang, und ohne weiter ein Wort zu sprechen, entfernte er sich.

Nachdem er auf die Straße gekommen und der Tigerhöhle den Rücken zugewandt hatte, atmete Bruder Cristoforo freier auf und stieg mit eiligen Schritten die Anhöhe hinab. Noch glühte sein Gesicht über und über; was er gehört und gesagt hatte, erhielt ihn, wie jedermann leicht denken kann, eine ganze Zeit hindurch noch in Bewegung und stürmte in seinem Busen nach. Die unerwartete Mitteilung des alten Dieners aber war eine mächtige Herzstärkung für ihn; der Himmel schien ihm ein sichtbares Zeichen seiner schirmenden Vorsicht gegeben zu haben. –

Währenddessen waren in Agnesens Häuschen Pläne ersonnen und in Erwägung gebracht worden, von welchen wir den Leser unterrichten müssen. Nach der Abreise des Bruders Cristoforo hatten alle drei eine Zeitlang schweigend nebeneinander gestanden; Lucia bereitete traurigen Herzens das Mittagessen; Renzo setzte sich jeden Augenblick in Bewegung, um dem Anblick der bekümmerten Geliebten zu entgehen, und konnte sich dessenungeachtet nicht losreißen; Agnese war aufmerksam mit der Haspel beschäftigt, welche sie fleißig schwingen ließ. In der Tat aber brütete sie über einen Gedanken, und als er ihr endlich reif schien, brach sie das Stillschweigen.

»Hört, Kinder,« sagte sie, »wenn ihr beherzt und klug sein wollt, wie's nötig tut; wenn ihr Vertrauen zu eurer Mutter habt« – bei diesem eurer bebte Lucia das Herz in entzückter Aufwallung – »so verpflichte ich mich, euch aus der Bedrängnis zu ziehen, besser und schneller vielleicht als Pater Cristoforo, obgleich er der Mann ist, der er ist.«

Lucia stand still und sah sie mit einer Miene an, welche eher Verwunderung als Vertrauen zu einem so prächtigen Versprechen meldete. Renzo aber sagte schnell: »Beherzt? klug? Erklärt, erklärt, was geschehen kann!«

»Ist es nicht wahr,« fuhr Agnese fort, »wenn ihr verheiratet wärt, so wäre damit immer ein gar schönes Stück gewonnen? Und für alles übrige tät sich dann weit leichter ein Ausweg finden.«

»Wer zweifelt daran?« war Renzos Antwort. »Wenn wir vorm Altar gestanden hätten ... es läßt sich überall auf Erden wohnen, und ein paar Schritte von hier, um Bergamo herum, wer in Seide arbeitet, wird dort mit offenen Armen aufgenommen. Ihr wißt, wie oft mein Vetter Bortolo mich hat auffordern lassen, hinzukommen und dort mit ihm zu leben; ich würde mein Glück machen, wie er's gemacht hat, und wenn ich niemals darauf hingehört habe, so war's ... was hilft's? – weil ich mein Herz hier hatte. Wenn wir ein eheliches Paar sind, so gehen wir alle zusammen, schlagen dort unsre Hütte auf und leben in heiligem Frieden, vor den Klauen des Schurken da sicher und weit weg von der Versuchung, einen heillosen Streich zu begehen. Ist's nicht so, Lucia?«

»Jawohl,« sagte Lucia; »aber wie ...« :

»Wie ich gesagt habe,« nahm Agnese das Wort; »beherzt und flink, so ist die Sache leicht, Kinder.«

»Leicht?« fragte das Paar zugleich, welchem die Sache so außerordentlich, so schmerzlich schwer geworden.

»Leicht, wenn man weiß, wie man's anzufangen hat,« versicherte die Hausfrau. »Hört mir wohl zu, ich will sehen, daß ich's euch begreiflich machen kann: Ich habe von Leuten, die Bescheid wissen, sagen hören, auch selber einmal so einen Fall gesehen, daß, um eine Ehe zu vollziehen, der Pfarrer wohl nötig ist; es ist aber nicht nötig, daß er eben seine Zustimmung gibt; genug, daß er da ist.«

»Wie wäre das zu verstehen?« fragte Renzo.

»Hört zu, so werdet ihr's begreifen. Es kommt auf zwei geschickte Zeugen an, die miteinander eines Sinnes sind: wenn man die hat, geht man zum Pfarrer; die Hauptsache ist, daß man ihn unversehens erwischt und ihm keine Zeit bleibt, sich davonzumachen. Der Mann sagt: ›Herr Pfarrer, die hier ist mein Weib‹, das Mädchen sagt: ›Das ist mein Ehemann, Herr Pfarrer‹. Der Pfarrer muß es hören, die Zeugen müssen's hören, und die Ehe ist geschlossen, so heilig und unverletzlich, als wenn der Papst selber das Paar zusammengegeben hätte. Sobald diese Worte gesagt sind, so mag der Pfarrer schreien, Lärm schlagen, Gift speien wie ein Teufel; hilft alles nichts, ihr seid Mann und Weib!«

Die Sache verhielt sich wirklich so, wie Agnese sie vorgestellt hatte; Ehen, auf solche Weise vollzogen, wurden damals als vollkommen gültig betrachtet und galten selbst bis zu unsern Tagen dafür. Da indessen zu einer solchen Aushilfe niemand anders seine Zuflucht nahm, als wer auf dem gewöhnlichen Wege Hindernisse gefunden oder keine Einwilligung zu erlangen vermocht hatte, so standen die Pfarrer sorgfältig auf ihrer Hut, um solch eine erzwungene Mitwirkung zu vermeiden; und war einer unter ihnen von solch einem Paare, welches sich von Zeugen begleiten ließ, dessenungeachtet überrascht worden, so gab er sich alle mögliche Mühe, um aus dem Handel zu kommen, wie Proteus aus den Händen derer, die ihn mit Gewalt zum Prophezeien bewegen wollten.

»Wenn das wahr wäre, Lucia!« sagte Renzo und blickte ihr mit dem Ausdruck bittender Erwartung ins Gesicht.

»Was, wenn's wahr wäre?« fragte Agnese. »Glaubt ihr, daß ich euch Märchen auftische? Ich martre mich ab um euretwillen, und dann glaubt man mir nicht; gut, gut; zieht euch selbst aus der Schlinge, wie ihr könnt; ich wasche mir die Hände.«

»Nein, verlaßt uns nicht!« rief Renzo. »Ich hab nur so gesprochen, weil mir die Sache gar zu schön vorkam. Ich hab mich Euren Händen übergeben und seh Euch so an, als wäret Ihr meine wirkliche Mutter.«

Vor solch einer Versicherung löste sich Agnesens augenblicklicher Verdruß bald auf; sie vergaß einen Vorsatz, der wirklich nur in Worten bestanden hatte.

»Warum also, Mutter,« fragte Lucia im Ton ihrer gewöhnlichen Bescheidenheit, »wie geht es zu, daß der Einfall nicht dem Vater Cristoforo in den Sinn gekommen ist?«

»In den Sinn gekommen?« erwiderte Agnese. »In den Sinn wird er ihm schon gekommen sein, er hat ihn aber nicht heraussagen mögen.«

»Weshalb nicht?« fragte das Paar zugleich.

»I nun, weil ... wenn ihr es wissen wollt, weil die Geistlichen behaupten, es stehe mit der Sache nicht ganz richtig.«

»Es steht nicht ganz richtig mit der Sache,« sagte Renzo, »und doch ist sie ganz gut abgemacht, sobald sie einmal abgemacht ist? Wie reimt sich das!«

»Was soll ich euch sagen?« war Agnesens Antwort. »Das Gesetz haben andre Leute gemacht, wie sie's für gut gehalten haben; wir armen Leute aber können nicht jedwedes begreifen. Und dann, wie viele Dinge ... Seht, es ist gerade, als wenn ihr einem Christenmenschen einen Schlag mit der Faust gebt. Es ist freilich kein gutes Geschenk; aber habt ihr ihm einmal einen versetzt, so kann ihm selber der Papst ihn nicht wieder abnehmen.«

»Wenn's etwas ist, womit es nicht ganz richtig steht,« sagte Lucia, »so muß es unterbleiben.«

»Wie?« fragte Agnese. »Werde ich dir etwa einen Rat gegeben haben, der sich mit der Gottesfurcht nicht verträgt? Wenn's gegen den Willen deiner Eltern geschähe, um einen Hals über Kopf an den Arm zu kriegen; so aber bin ich ja damit zufrieden, und es geschieht, um dich mit dem jungen Mann hier zu verheiraten; der die ganze Verwirrung angestellt hat, ist ein Schurke, und der Herr Pfarrer ...«

»'s ist klar wie die Sonne,« sagte Renzo.

»Man muß aber mit dem Pater Cristoforo nicht davon reden, ehe die Sache vor sich geht,« fuhr Agnese fort. »Ist sie aber geschehen und gut ausgefallen, wie meinst du wohl, wird dann der Pater zu dir sprechen? – ›Ei, Mädchen,‹ wird er sagen, ›das war eine starke Übereilung; indessen ihr habt sie einmal begangen.‹ – Die Geistlichen müssen so reden. Glaub mir aber, im Herzen wird er auch damit zufrieden sein.«

Lucia fand zwar keine eigentlichen Gründe, um sie diesen Vernunftschlüssen der Mutter entgegenzusetzen, indessen wollte ihr die Sache doch nicht recht zusagen; Renzo dagegen sagte vollkommen ermutigt: »Wenn's so ist, so ist die Sache so gut wie getan.«

»Langsam!« rief ihm Agnese zu. »Und die Zeugen? Und die Art, wie man den Pfarrer faßt, der sich schon ganze zwei Tage im Hause verkrochen hält? Und ihn dahin zu bringen, daß er standhält? Denn ist er schon schwerfällig von Natur, so sag ich euch, wenn er euch in der nämlichen Absicht mitsammen ankommen sieht, wird er geschmeidig wie eine Katze werden und euch unter den Händen entwischen, wie der Teufel aus gebenedeitem Wasser.«

»Ich hab's gefunden, wie sich's machen läßt, ich hab's gefunden,« sagte Renzo. Dabei schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß das Küchengeschirr, welches zum Mittagessen fertig dastand, klingend in die Höhe sprang. Sodann setzte er seinen Plan auseinander und fand bei Agnese vollständigen Beifall.

»Das sind verwickelte Dinge,« sagte Lucia, »nicht glatte und klare Schritte. Bisher sind wir immer aufrichtig zu Werke gegangen; wir wollen auch weiterhin im Glauben wandeln, und Gott wird uns helfen; Vater Cristoforo hat's gesagt. Wir wollen seine Meinung hören.«

»Laß dich von dem leiten, der's versteht,« sagte Agnese mit ernster Miene. »Was brauchen wir erst um Meinung zu fragen? Gott sagt: ›Hilf dir, so werde ich dir auch helfen.‹ Dem Pater erzählen wir alles, wenn's vorbei ist.«

»Lucia,« sagte Renzo, »willst du jetzt mich verlassen? Haben wir nicht alles Unsrige, wie gute Christen, getan? Müßten wir nicht jetzt schon von Rechts wegen Mann und Weib sein? Hatte uns nicht der Pfarrer selber Tag und Stunde angegeben? Und wessen Schuld ist's, wenn wir uns jetzt mit einem bißchen List müssen zu helfen suchen? Nein, verlaß mich nicht. Ich gehe und kehre mit der Antwort zurück.« – Er begrüßte Lucia in bittender Stellung, die Mutter aber mit der Miene des Einverständnisses und entfernte sich.

Peinliche Lagen, heißt es, machen klug. Renzo, welcher bisher auf dem geraden und ebenen Wege seines Lebens sich niemals in dem Falle befunden, seinen Verstand bedeutend anzustrengen, hatte hier ein Mittel ersonnen, das wirklich selbst einem Rechtsgelehrten Ehre gemacht hätte. Er ging geradeswegs, dem entworfenen Plane gemäß, nach dem benachbarten Hause eines gewissen Tonio und fand ihn in der Küche, wo er, mit einem Knie auf die Schwelle des Feuerherdes sich stützend und den Rand eines Topfes, der über heißer Asche stand, mit der Rechten haltend, einen grauen Brei aus türkischem Weizen mit einem gebogenen Teigholze umrührte. Die Mutter, ein Bruder und die Frau des Tonio saßen am Tische; drei oder vier Kinder standen umher, hatten die Augen aufmerksam auf den Topf gerichtet und erwarteten den Augenblick, wo er umgestürzt werden sollte. Doch war nichts von jener Fröhlichkeit zu bemerken, welche der Anblick der Mahlzeit in denjenigen, die sie durch Anstrengung verdient haben, zu erwecken pflegt. Die Masse des Breies war nach dem Gebote der kärglichen Zeit, nicht nach der Zahl und der gesunden Eßlust der Tischgenossen eingerichtet; jeder von diesen betrachtete mit dem scheelen Blicke des gierigen Verlangens die gemeinschaftliche Speise und schien den Hunger zu berechnen, mit welchem er nach der Mahlzeit noch zu kämpfen haben würde. Während Renzo die Familie begrüßte, stürzte Tonio den Topf über das hölzerne Schneidebrett um, welches bereit lag, den Brei aufzunehmen; es war ein kleiner Mond in einem großen Dunstkreise. Dennoch sagten die Frauen höflich zum Gaste: »Wollt Ihr nicht teilnehmen?« eine Artigkeit, welche der lombardische Bauer, sooft ihn jemand bei der Mahlzeit besucht, niemals unterläßt, wenn der Fremde auch ein reicher Prasser, soeben von der Tafel aufgestanden, wäre und er selbst schon beim letzten Bissen stände.

»Ich danke,« sagte Renzo. »Bin lediglich gekommen, um ein Wörtchen mit Tonio zu reden, und wenn du willst, Tonio, so können wir, um deine Frauen hier nicht zu stören, nach dem Gasthofe essen gehen und dort miteinander sprechen.«

Der Vorschlag kam dem Tonio um so gelegener, je weniger er erwartet worden war. Die Frauen sahen es gar nicht ungern, daß ein Mitbewerber um den Weizenbrei, und zwar der furchtbarste, sich zurückziehen sollte. Der Eingeladene fragte weiter nicht und ging mit Renzo fort. Sie langten im Wirtshause des Dorfes an und saßen, ohne mit jemandem anders das Zimmer zu teilen, in aller Gemächlichkeit da. Denn das Elend hatte alle Gäste, die sonst sich hier zu erlustigen pflegten, dem Hause entwöhnt. Nachdem beide sich das wenige, was sich vorfand, hatten geben lassen und einen Becher Wein miteinander geleert hatten, begann Renzo mit geheimnisvoller Miene: »Wenn du mir einen kleinen Dienst leisten willst, so will ich dir dafür einen großen leisten, Tonio.«

»Rede, rede,« antwortete dieser und schenkte sich ein, »du hast bloß zu befehlen. Heute könnte ich ins Feuer für dich laufen.«

»Du bist dem Herrn Pfarrer fünfundzwanzig Lire Pacht schuldig für das Feld, das du vergangenes Jahr bebaut hast.«

»O Renzo, Renzo, du machst mir deine Wohltat zu Wasser. Was bringst du hier auf einmal die Geschichte aufs Tapet?. Du hast mir meinen guten Willen stracks vertrieben.«

»Wenn ich von deiner Schuld mit dir rede,« sagte Renzo, »so geschieht's bloß, weil ich die Absicht habe, wenn du willst, dir das Mittel zur Zahlung an die Hand zu geben.«

»Sprichst du im Ernst, Renzo?«

»Im Ernst. Nun, Tonio? Wärst du's zufrieden?«

»Zufrieden? Alle Hagel, ob ich zufrieden wäre! Wenn's auch nichts weiter wäre, schon um die verdammten Gesichter nicht mehr zu sehen und das garstige Kopfdrehen, womit mich der Herr Pfarrer bedenkt, sooft wir einander in den Weg geraten. Und in einem fort heißt's hernach: ›Erinnert Euch, Tonio! Tonio, wann sehen wir uns, um unser Geschäft abzumachen?‹«

»Also – wenn du mir ein kleines Dienstchen leisten willst, so liegen die fünfundzwanzig Lire da!«

»Sag frisch!«

»Aber ...« sagte Renzo, indem er den Zeigefinger quer über die Lippen legte.

»Braucht's das erst? Du kennst mich, mein' ich, Renzo.«

»Der Herr Pfarrer kommt mit etlichen abgeschmackten Gründen angeschlichen, um meine Verheiratung in die Länge zu ziehen. Ich aber will herauszukommen suchen. Sie haben mir für gewiß gesagt, wenn wir Brautleute vor ihn mit einem Paar Zeugen hintreten und ich spreche: ›Das ist mein Weib,‹ und Lucia: ›Das ist mein Mann,‹ so ist die Vermählung vollständig abgemacht. Hast du mich verstanden, Tonio?«

»Du willst, daß ich als Zeuge mit dir gehe?«

»Das will ich.« »Und willst die fünfundzwanzig Lire für mich zahlen?«

»Das ist meine Absicht.«

»Ein Schurke, wer dich im Stich läßt, Renzo!«

»Wir müssen aber noch einen andern Zeugen auftreiben, Freund.«

»Ich hab ihn schon. Mein Bruder Gervaso da, der arme Schlucker, der tut, was ich ihm sage. Wird's dir dabei auf eine Lumperei zu einem Glas Wein für ihn ankommen, Renzo?«

»Er soll auch zu essen haben,« antwortete dieser. »Wir führen ihn hierher, er soll sich hier gütlich mit uns tun. Wird er aber Bescheid wissen?«

»Ich werd's ihm schon stechen,« versicherte Tonio. »Du weißt wohl, ich habe seinen Teil Gehirn mit in den Schädel bekommen.«

»Morgen ...«

»Gut.«

»Gegen Abend ...«

»Ganz gut.«

»Aber ...« sagte Renzo und legte den Zeigefinger noch einmal an die Lippen.

»Pah!« antwortete Tonio, neigte den Kopf nach der rechten Schulter hin und hielt die linke Hand in die Höhe, als sagte er: Ihr tut mir unrecht.

»Also morgen früh,« sagte Renzo, »wollen wir's noch klarer miteinander verabreden, um die Sache fein artig in den Gang zu bringen.«

Somit verließen sie das Wirtshaus, Tonio begab sich nach Hause und sann auf ein Märchen, welches er den Frauen aufbinden wollte; Renzo eilte, von der vorgenommenen Verabredung Bericht abzustatten.

Währenddessen hatte sich's Agnese vergebens sauer werden lassen, die Tochter zu bereden. Diese setzte jedem Verteidigungsgrunde das eine oder das andre Glied ihres Dilemma entgegen: entweder ist die Sache schlecht, und so muß sie unterbleiben, oder sie ist's nicht, und warum soll sie da dem Pater Cristoforo nicht mitgeteilt werden?

Renzo trat mit siegreicher Miene herein, stattete seinen Bericht ab und schloß mit einem »Ahn?«, einem mailändischen Ausruf, welcher etwa sagen will: Bin ich ein Kerl oder nicht? Läßt sich was Besseres finden? Wäre das euch eingefallen?

Lucia schüttelte leise den Kopf; die beiden aber, für ihren Plan lebhaft eingenommen, fragten wenig nach ihr, ungefähr wie man mit einem Kinde verfährt, wenn man daran verzweifelt, ihm den Beweggrund einer Sache begreiflich zu machen, und es dann mit Bitten und durch Autorität zum beabsichtigten Schritte zu bringen sucht.

»Gut,« sagte Agnese, »so geht's ganz gut; aber ... Ihr habt doch noch nicht an alles gedacht, Renzo.«

»Woran fehlt's denn noch?« fragte der Jüngling.

»Und Perpetua? Perpetua ist Euch nicht eingefallen. Die wird allenfalls den Tonio und seinen Bruder über die Schwelle lassen; aber Euch! Euch beide! Bedenkt! Wird sie nicht den Befehl haben, Euch vom Hause noch weiter weg zu halten als einen Jungen von einem Birnbaum mit reifen Früchten?«

»Was stellen wir nun da an?« sagte Renzo und ward nachdenklich.

»Seht Ihr? Ich habe daran gedacht, ich. Ich werde mit Euch gehen; dann hab ich ein Geheimnis, um sie beiseite zu locken; ist das geschehen, so bezaubere ich sie dermaßen, daß sie Euch gar nicht gewahr wird, und so könnt Ihr hineingehen. Ich werde sie rufen und will sie auf eine Fährte bringen ... Ihr werdet sehen.«

»Prachtvolle Frau!« rief Renzo. »Ich hab's immer gesagt, daß Ihr in allen Stücken unsere Hilfe seid.«

»Das kann aber alles nichts helfen,« sagte Agnese, »wenn wir der da den Kopf nicht zurechtsetzen. Sie besteht darauf, daß wir eine Sünde begehen.«

Nun trat auch Renzo mit seiner Beredsamkeit ins Feld; Lucia indessen ließ sich nicht irremachen.

»Was ich auf eure Gründe da antworten soll, weiß ich nicht,« sagte sie; »so viel aber sehe ich, um die Sache so auszuführen, wie ihr da sagt, muß man ganz heillos seine Zuflucht zu heimlicher List, zu Lügen und Erdichtungen nehmen. Ach Renzo! So haben wir nicht angefangen. Ich wünsche, dein Weib zu sein« – und sie konnte das Wort nicht hervorbringen, ihren Wunsch nicht mitteilen, ohne über und über mit glühenden Wangen dazustehen – »ich will dein Weib sein, aber auf geradem Wege, wie die Furcht vor Gott gebietet, vorm Altare. Lassen wir den oben handeln. Weiß er etwa nicht, den Knoten zu lösen, wenn er uns helfen will, zehnmal besser, als wir's mit all diesen Schelmenstreichen imstande sind? Und warum wollen wir dem Vater Cristoforo ein Geheimnis daraus machen?«

Der Streit dauerte fort und schien kein Ende zu finden, als ein eilfertiger Sandalentritt und das Geräusch eines auf- und zuschlagenden Mantels, ungefähr wie wenn die Stöße des Windes ein schlaffes Segel treffen, den Pater Cristoforo verkündigten. Man schwieg, und Agnese hatte kaum die Zeit, Lucien ins Ohr zu raunen: »Hüte dich wohl, ihm etwas zu sagen.«

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