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Die unsichtbare Loge

Jean Paul Richter: Die unsichtbare Loge - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 1
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleDie unsichtbare Loge
pages7-469
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1793
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Vierzehnter Sektor

Eheliche Ordalien – fünf betrogene Betrüger

Einen Hofmeister hatte Falkenberg also jetzt und die Hoffnung der 13 000 Rtlr. und eine Kadettenstelle für seinen Sohn – Rekruten braucht' er nur noch. Auch diese führte ihm und seinen Unteroffizieren der Maulwurfs-Moloch Robisch reichlich zu; ich weiß aber nicht, was die Kerle wollten, daß sie, wenn Robisch seinen Kuppelpelz und sie ihr militärisches Patengeld hatten – mit letztem meistens davongingen. Im Maußenbacher Wald fielen Diebe den Transport an, und nach dem Ende der Schlacht waren Feind und Transport vom Schlachtfelde geflohen. Den Rittmeister drückt' es sehr, weil er, der für sich und seine Familie nicht die nützlichste Ungerechtigkeit beging, zuweilen auf dem Werbplatz eine kleine verstattete.

Dem stillen Gustav machte der laute Stadtwinter die längsten Stunden. Er sah keine weiße Kopfbinde und kein schwarzes Lamm vorbeitragen, ohne auf einem Seufzer hinüber zu seinem zauberischen Wall und unter seine Sommerfreuden zurückzufliegen. Wenn ihn die ungezogne Nachkommenschaft Hoppedizels für dumm hielt, weil er nicht listig, für stolz, weil er nicht laut war: so stillte er das Bluten seines Innern, das verlacht und geneckt wurde, mit dem Gedanken an die Menschen, die ihn geliebt hatten, an seinen Genius und an seine Schäferin. Um seinen Amandus hätt' er so gern eine andere als Hoppedizelische Nachbarschaft gehabt, so gern die Fluren und den freien Himmel seiner Heimat! – Er liebte das Stille und Enge neben sich und das Unermeßliche in der Natur. O wenn du bei mir bist, Trauter, wie will ich dich schonen und lieben! Dein Auge soll nie trübe neben meinem Lehrstuhle werden, dein Herz nie schwer! Du zarte Pflanze sollst nicht mit einschneidendem Bindfaden um mich wie um eine richtende Hopfenstange geschnüret sein, sondern mit lebendigen Efeuwurzeln sollst du selber mich als etwas Lebendiges umfassen!

Überhaupt hatte man im Hoppedizelischen Hause ein verdammtes Hundeleben, wie ich selber oft sah, wenn ich und der Hausherr einander über die ersten Prinzipien der Moral bloß moralisch bei den Haaren hatten: denn alles hatte da einander dabei, aber physisch, ein Hund den andern – die Knaben die Mädchen – die Dienerschaft einander – die Herrschaft die Dienerschaft – der Professor die Professorin, wovon ein merkwürdiges Faktum abgedruckt werden soll – und alle diese einander wechselseitig nach der Vermischrechnung. – Zum Unglück hatte Hoppedizel nie Achtung für irgendeinen Menschen (mithin Verachtung auch nicht);er borgte alles, besudelte alles, kompromittierte jeden, verzieh jedem und zuerst sich. Im Winterquartier des Rittmeisters waren die ölfarbigen Tapeten (Elle zu 24 Gr.) eine spanische Wand zwischen des Rittmeisters leerem Raum und zwischen der Wanzen Wandspalten; der Ofen war gut, aber wie der Babylonische Turm ohne Kuppel; die Zimmerdecke drohte (wiewohl gleich manchen Thronhimmeln schon lange ohne Schaden) einzubrechen und den größten Philosophen die Köpfe einzuschlagen, die von Stein auf dem Spiegeltische standen. Er hatte oft darum wenig Zartheit für die Leute, weil er sich darauf verließ, daß sie deren zu viele hätten, um die Unsichtbarkeit der seinigen zu rügen – in Unterscheerau machen wirs nicht anders. Aber nun kommt der Zufall, der uns alle eher daraus wegtrieb.

Der Professor hatte nämlich, wie die meisten Leute, keinen Geschmack in Möbeln; am liebsten stellte er die besten unter die elendesten, die feinste Pißvase unter ein Großvaterbett und gegenüber einem sandigen Waschgefäß, eine geputzte Livree seines Bedienten hinter versäumten Anzug seiner Kinder u. s. w. Nun beging er allemal einen Friedensbruch an seiner Frau dadurch, daß er nie leer heimkam; er hatte immer etwas erhandelt, das nichts taugte; er hatte die Schwachheit unzähliger Männer, sich weiszumachen, er verstände die Haushaltkunst so gut wie die Frau, wenn er nur anfangen wollte – Sachen, die man lange treiben sieht, glaubt man zuletzt selber treiben zu können – Sie hatte die Schwachheit unzähliger Weiber, sich vorzuschmeicheln, der Eheherr sei ein wahrer Ignorant im Haushalten und könn' es nicht einmal erlernen, wenn er auch wollte. »Red' ich in deine Büchersachen auch?« fragte die sehr grob verkörperte Professorin. Man konnt' es also bei jeder Möbelversteigerung oder auf jedem Jahrmarkt in einer Kalenderpraktika neben den Kriegen der großen Herren prophezeien, daß hier ein kleiner zwischen dem Ehepotentaten und der andern feindlichen Macht ausbrechen werde; weil diese seinen Kommerzien-Traktat nicht leiden konnte; das Ehepaar feierte dann seine olympischen Spiele der Zunge und Hände und konnte die Zeitrechnung der Ehe nach diesen Olympiaden abteilen.

Weiter! Unser neue Regent ließ – da das Volk in Italien den Palast des verstorbnen Papstes und Doge gratis erhält – die Möbeln seines Herrn Vaters um Weniges versteigern; er tats wie alle Kronprinzen aus Achtung gegen ihn, damit das Volk ein Andenken vom Seligen, wie das römische die Gärten von Cäsar, erben könnte. Der Professor wollte auch erben und erstehen. Er bot also zum Besten des Rittmeisters, in dessen Zimmer die Kommode, der Spiegel und die Sessel jämmerlich waren, nicht auf diese drei Dinge, sondern auf drei benachbarte – auf zwei schöne Bronze-Vasen mit Ziegenköpfen und Myrtenblättern für die elende Kommode, auf einen gerad- und spitzbeinigen Spiegeltisch unter den elenden Spiegel, auf eine prächtige Bergere zwischen die elenden Sessel. Es wurde ihm zugeschlagen. Sein erstes Wort, als er aus dem Auktionzimmer in seines trat, war an seine Frau: »Ist der Rittmeister droben? – Ich hab' schöne Dinge für ihn erstanden.« Jetzo sang sie schon den ersten Vers ihres Kriegliedes, ohne ein Kaufstück noch zu kennen. Er nannte ihr keines; denn er hatte das größte Unglück eines Ehemannes, nämlich Verachtung gegen seine Frau, so wie sie hingegen ihm gegen alle Menschen, sogar gegen die besten, beitrat, außer gegen sich nicht. Unter dem Abholen der Kaufstücke antwortete er auf den ersten Vers des Krieggesanges und nannte doch keines; und so antiphonierten sie bloß. Endlich wurden die Ziegenköpfe und Spitzbeine ins Haus gesetzt. Da ging das Krieggeschrei los: »Das ist dumm, dumm, dumm! Ei du dummer Mann du! das Zeug! den Bettel! wo waren heute deine fünf Sinne? Ich bezahle keinen Deut.« (sie war ohnehin nie Kassierer) »Und so teuer! Aber wenn man Kinder und Narren zu Markt etc.«Er sagt ganz kalt: »Lasse nur nichts drankommen und schaff es hinauf zum Rittmeister, mein Schatz!«Sie gehorchte den Augenblick; ging aber in seine Stube und öffnete alle Schleusen ihres rauschenden Zorns. Spät unter diesem Rauschen sagt' er endlich drohend: »Du weißt, Frau!....« Nun wurde in ihrem Munde aus dem Wind ein Sturm. Er war kein Mann, den Zorn oder irgendeine Leidenschaft fortrissen, sondern ein echter Stoiker war er und immer bei sich; daraus lässet sichs erklären, warum er, da Epiktet und Seneka Stoikern den verbotnen innern Zorn durch den äußern Schein desselben zu ersetzen raten, um die Leute zu bändigen, sich sogar dieses zornigen Scheins befliß und gelassen seine Faust petrifizierte und diesen Knauf als eine Leuchtkugel auf diejenigen Gliedmaßen seiner Gattin warf, die ohne Licht in der Sache waren. Dieser stumpfe Wilsonsche Knopfableiter ihres Zorns zog erst die größten beredten Funken aus ihr hervor; und in der Tat ists in der Ehe wie in den alten Republiken, die (nach Homes Bemerkung) nie größere Redner trugen als in stürmenden kriegerischen Zeiten. Er machte das Sinnliche bloß zum Fahrzeug des Geistigen und begleitete seine Hand mit ausgewählten Bruchstücken aus Epiktets Handbuch: »Ich bin wahrlich ganz bei mir;« (sagt' er) »aber du schreiest gar zu sehr, wenn ich mich nicht dreinschlage.« Sein weltlicher Arm bewegte sich auf ihr fort. »Ich fahre immer fort« (fuhr er fort) – »inzwischen danke Gott, daß dein Mann so viel Gelassenheit hat, daß er alles abwägen kann, was er tut.« Sie wurde nicht eher kalt, als bis er hitzig wurde; dieses merkte sie daraus, wenn er wie Sokrates stumm wurde und seine Hand mit seiner herabgerissenen Schlafmütze bewaffnete und beflügelte. So heiß ihr vor seinem einschlagenden Gewitter seine stechende Sonnenfreundlichkeit vorkam: so unangenehm kalt war ihr nach demselben sein Gewölke; kurz beide spielten vor und nach dem Kampfe umgekehrte Rollen. Diesesmal traf ihr Zorn eine Wetterscheide an und zog sich ganz über den, der unter den ziegenköpfigen Vasen auf der Bergere saß, auf den Rittmeister. Dieser ließ auf die erste Zeitung dieses ekelhaften Krieges sein Wintergeräte in Scheerau einpacken und das Sommergeräte in Auenthal auspacken und ging – zwar.

Aber er wäre beinahe geblieben.

Übrigens wünsch' ich dieses geschilderte schlagfertige Ehepaar mit seinen Ehe- und Schlagringen nicht zu sehr von der feinern Ehewelt, die sich nie ausprügelt, verachtet zu sehen; denn wahrlich die ätzenden Giftworte, die das raffinierte Ehepaar einander zutröpfelt, das verhaltene, wie ein Blasenpflaster ziehende Kränken, womit sie einander wund und heil machen wollen, reißet die Wunde bloß tiefer unter der Haut und macht zwar nicht den Chirurgus, aber wohl den Doktor nötig.

Jetzt will ich berichten, warum der Rittmeister beinahe geblieben wäre.

Hoppedizel hatte außer ihm an einem Nachmittag fünf Leute bei sich, den Gerichthalter Kolb, den Flößinspektor Peuschel, einen alten Karmenmacher, einen Hofzimmerfrotteur und einen Hofjunker; denn was wird der Leser nach Zunamen dieses Volks fragen? Er zog erstlich den Gerichthalter beiseite und sagte zu ihm: »heute sollt' er einen Spaß machen und den vier andern Herren mit gefärbtem Wasser, das sie für Wein hielten, zutrinken, damit diese sich in wahrem Wein besöffen.« – – »Recht gut!« sagte der Gerichthalter, »sie sollen alle an den Gerichthalter gedenken.« Das nämliche sagte der Professor dem Flößinspektor, dem Karmenmacher u. s. w.; alle antworteten: »Recht gut! sie sollen alle an den Flößinspektor, an den Karmenmacher u. s. w. gedenken.« Jeder wollte vier Mann zum Narren haben; der Professor wollte fünf Mann dazu haben – allen gelang es.

Abends wurden fünf Körbe gefärbtes Wasser ins Zimmer getragen; jeder rückte hinter sein Schenktischchen und schraubte den Korkstöpsel vom Quasi-Wein ab. Die ersten Flaschen Bouteillenwasser wurden still von der Gesellschaft eingezogen; wahre Pfiffigkeit mußte der Lust- und Wasserpartie diesen Schein stufenweiser Berauschung vorschreiben.

Nun aber hob das Sonnensystem sein Wasserziehen an. »Der Wein könnte stärker sein«, sagte jeder und wollte jeden betrügen. Der Gerichthalter mit rosenroter Nasenknospe spritzte seinen Kadaver statt des Spiritus mit mehr Wasser aus, als er in seiner ganzen Ewigkeit a parte ante selbst getrunken oder gep·ss·t, oder aus fremden Augen gedrückt. Ein Mensch, der so wasserhaltig wie er wird, daß er sich schwer aufrecht erhält vor Nüchternheit, macht andern Trunkbündnern leicht glaublich, es sei vor Betrunkenheit; und alle lächelten sehr, da er lachte.

Der Flößinspektor Peuschel leitete einen ganzen Wasserschatz in den Magen und machte seine Blutadern zu Wasseradern; aber er ärgerte sich halb, daß er die andern mit seinem Schein-Gesöff betrügen mußte, und sehnte sich heimlich statt der verstellten Betrunkenheit nach echter.

Der Zimmerfrotteur mazerierte und laugte sich im Grunde durch das geschminkte Wasser aus und ersäufte beinahe sein gallisches Übel – so schluckte der Schadenfroh.

Dem Hofjunker, der sich fast den Magen entzweisoff, schlugs schlechter zu; drei Tage nachher schmolz er an einer incontinentia urinae hin. – Bloß durch den zellulösen Karmenmacher fuhr eine ganze aufgefärbte Sündflut ohne Schaden glatt hinein und hinaus; er sah aber munter und satirisch herum und lauerte darauf, wenn sein Nächster hinter den vier Tischen besoffen wäre.

Etwan eine flammende Scheune wäre mit ihren Walfisch-Bescheiden zu retten gewesen.... Nun kam die Zeit, da jeder betrunken scheinen mußte, wer Spaß verstand – sie diskutierten und lallten widereinander mit überschweppender bäumender Zunge – der Junker und Frotteur streckten sich gar in die Stube als zwei Lagerbäume hin, und ihre bauschenden Unterleiber, sollte die Welt denken, lägen als Weinschläuche auf den Bäumen – der Amtmann machte die Augen zu, das Maul auf – der Karmenmacher stellte sich vor, am tollsten und plausibelsten würd' ers machen, wenn er erstlich gleich wahren Betrunknen vorschwüre, er sei nüchtern, und zweitens, wenn er so gegen die Bettpfoste umsänke, daß er ein wahres Löchelchen kriegte. Er hatte sich auch glücklicherweise eine Wunde verschafft, die größer war als seine Trunkenheit, und wollte aus Rache mit der Nachricht vorbrechen, er habe die Vierherren zum Narren und bloß Wasser gehabt – der Professor wollte auch alles heraussagen, wie alles und der Wein wäre – die andern wolltens auch und lachten schon sämtlich voraus: als zum Unglück der längst übersättigte Flößinspektor sich zum Frotteur abgeschlichen und diebisch statt eines Gegengiftes und Konfortativs gegen seinen nachgedruckten Wein die vorgebliche Originalausgabe desselben gekredenzt hatte aus des Frotteurs oder Reibers Kelch.... es war auch Wasser darin wie in seinem – blitzschnell und halbnärrisch kredenzte er die Kelche aller Wassergötter – in allen war Wasser – da fuhr er mit allen heraus – und die ganze Marine kredenzte fliegend herum, und jeder sollt' es im Ernste sagen, ob er toll und voll wäre. – Leider war die ganze Spaßbrüderschaft nüchtern. Der Rittmeister, dem solche Scherze lieber waren als Fastnachthühner, verwandelte aus Liebe zur Moral die allgemeine Verstellung der Betrunkenheit in reine Aufrichtigkeit und vollführte es durch echten Wein. Als nachher das Fünfeck nach Hause hüpfte und diese fünf törichte Jungfrauen als fünf kluge, wiewohl mit der Wasser-Plethora, heimzogen, so sagt' er: »Bei meiner Seele! so etwas sollte man drucken lassen.« – – Und wahrhaftig, hier lässet man es ja drucken. –

Ich möchte gern von diesem Hoppedizel, eh' ich und der Leser aus seinem Hause ziehen, ein Medaillon, eine Abschattung zum Andenken mit uns nehmen; aber es grauet mir vor der Arbeit – lieber bossier' ich alle Charaktere dieses Werkchens in Papier oder Wachs als diesen Mann. Sein Charakter besteht aus hundert kompilierten Charaktern, seine Kenntnisse aus allen Kenntnissen, sein Scharfsinn aus Skeptizismus, seine Laster aus Stoizismus, seine Tugend aus einem System über die Tugend und seine Handlungen aus Schnurren, Schnacken und Charakterzügen.

Dennoch oder demnach liebte ihn der Rittmeister, weil er ihn oft sah (er war fast jedem gram, der ihn nicht besuchte) und weil beide lustig waren und weil hundertmal Menschen einander lieben, ohne daß ein Teufel weiß warum. Falkenberg hätte sich für jeden Freund, selbst für den, der ihn erst berückt hätte, mit dem Behemoth selber geschossen – aus Ehre und Gutherzigkeit; der Professor hingegen zog reine Moral, gleichsam als reine Mathematik, der angewandten weit vor und handelte selten. Man erinnert sich daher gern an seine schöne Selbständigkeit in Grundsätzen, die er einmal in Auenthal als Gast bewies, da nachts um 12 Uhr statt des Rittmeisters aus dem aufgetürmten Schnee bloß der leere Gaul heimkam. – Ein andrer, z. B. der Rittmeister selber, wäre auf demselben Gaule aufgesessen und hinausgeritten, um den Ausgebliebenen zu suchen und zu retten; allein der Professor schneuzte nett das Talglicht und setzte sich an die trostlos fortweinende Ehefrau – welche schon früher bei einem bloßen kurzen Verspäten in jeder Nacht sich abängstigte, ob sie gleich an jedem Morgen darauf sich ausschalt – und sagte mit Fassung zu ihr: »sie möge nur weinen, so viel sie wolle, er erlaub' es gern; es schade wenig, erleichtere vielmehr das Herz; und wasche dabei die Augäpfel ab und breche zu heftiges Licht; die übrigen Tränen müßten ohnehin durch die Nasenhöhle in den Schlund und Magen sickern und dem Verdauen helfen; ihren Mann aber anbelangend, so könne das Schlimmste, was ihm zugestoßen, ohnehin nur sein, daß er erfroren wäre; er kenne aber halb aus Erfahrung kein sanfteres Sterben als das aus Kälte – denn es sei im Grunde so viel, als werde man gehenkt oder ersäuft; denn man sterbe am Schlagfluß.«

Aber, wie gesagt, der Rittmeister liebte und verließ ihn doch.

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