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Die Trapper in Arkansas

Gustave Aimard: Die Trapper in Arkansas - Kapitel 8
Quellenangabe
authorGustave Aimard
titleDie Trapper in Arkansas
publisherDie Illustrirte Welt
printrunSiebenter Jahrgang
year1859
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20180825
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III.
Die Fährte.

Adlerkopf, der von seinen Feinden entdeckt zu werden wünschte, hatte sich keine Mühe gegeben, seine Fährte zu verbergen, die sichtlich durch das hohe Gras führte und selbst dann rasch wieder aufgefunden war, wenn sie sich stellenweise zu verwischen schien. In ihrem Vorrücken warfen die beiden Jäger von Zeit zu Zeit Blicke nach rechts und links, um sich vor Täuschung zu sichern; aber die Fährte ging stets gerade aus ohne irgend eine Abbiegung; ihre Verfolgung war so leicht, daß das Außerordentliche der Sache selbst Belhumeur ernstlich zu beunruhigen anfing. Wie immer übrigens die Indianer es halten mochten, die Jäger ließen sich's angelegen sein, ihre eigenen Fußspuren sorgfältig zu verwischen.

Sie gelangten endlich an einen ziemlich breiten Fluß, Grünspanfluß genannt, der dem Canadian zuströmt. Treuherz machte Halt und winkte seinem Begleiter, das Gleiche zu thun. Sie stiegen ab und suchten, die Pferde am Zaum führend, den Schutz einer Baumgruppe auf, um nicht von einer etwa ausgestellten indianischen Schildwache bemerkt zu werden.

Hier angelangt, legte Treuherz warnend den Finger auf den Mund und flüsterte seinem Begleiter in's Ohr:

»Ehe wir weiter gehen, müssen wir uns über unsere Schritte genau verständigen. Ich vermuthe eine Tücke. Die Indianer sind erfahrene Krieger und zu sehr an das Prairieleben gewöhnt, um ohne guten Grund in solcher Weise zu handeln.«

»Die Fährte ist allerdings zu schön,« pflichtete der Canadier bei, »um nicht eine Schlinge vermuthen zu lassen.«

»Ja, aber sie benehmen sich allzu fein; Ihre Schlauheit übertreibt und täuscht keine alten Jäger, wie wir sind. Wir müssen jetzt unsere Behutsamkeit verdoppeln und dürfen kein Blatt, keinen Grasstengel unbeachtet lassen, je mehr wir uns dem Lagerplatz der Rothhäute nähern.«

»Wir thun vielleicht besser,« sagte Belhumeur umherschauend, »wenn wir unsere Pferde an einen sicheren Platz verstecken, wo wir sie leicht wieder finden können, um sodann zu Fuß über die Lagerung und Zahl unserer Feinde Kundschaft einzuziehen.«

»Du hast Recht, Belhumeur; wir wollen Deinen guten Rath sogleich in Ausführung bringen.«

Die Jäger verließen mit großer Vorsicht ihren Versteck. Statt über den Fluß zu setzen, kehrten sie auf dem gleichen Wege wieder um und bogen nach einiger Zeit links ab in eine Schlucht, wo sie bald in dem hohen Grase verschwunden waren.

»Ich muß Dir den Willen lassen, Belhumeur,« sagte Treuherz, »denn ich weiß in der That nicht, wo Du mich hinführst.«

»Vertrau' mir immerhin. Ich habe zufällig zwei Büchsenschüsse von hier eine Art Citadelle entdeckt, in der unsere Pferde nicht besser aufgehoben sein könnten; ja, wir sind erforderlichen Falls im Stande, darin eine förmliche Belagerung auszuhalten.«

» Caramba!« rief der Jäger, durch diesen ihm ziemlich geläufigen Leibschwur seine spanische Abkunft verrathend, »wie bist Du zu diesem kostbaren Fund gekommen?«

»Auf die einfachste Weise von der Welt,« versetzte Belhumeur. »Als ich nach Legung meiner Fallen den Berg dort hinankletterte, um auf kürzerem Wege bälder wieder zu Dir zurückzukommen, sah ich, nachdem ich etwa zwei Drittheile der Höhe erreicht hatte, unter dem Strauchwerk die zottige Schnauze eines prächtigen Bären sich bewegen.«

»Aha; ich errathe was kömmt. Wenn ich mich recht erinnere, bist Du damals nicht bloß mit einem, sondern mit zwei Fellen von schwarzen Bären zu mir zurückgekommen.«

»Ja; meine Patrone waren ein Pärchen, Männlein und Weiblein. Du kannst Dir denken, daß bei ihrem Anblick vor Waidmannsgier mir alle Müdigkeit verging und ich alsbald mit der Büchse dahinter her war. Du wirst selbst sehen, welche Feste sie sich auserlesen haben,« fügte er bei, indem er abstieg und damit seinem Begleiter zu verstehen gab, daß er das Gleiche thun solle.

Vor ihnen erhob sich amphitheatralisch eine gewaltige Felsenmasse.

»Wir können mit unseren Pferden da nicht hinaufkommen,« bemerkte Treuherz, nachdem er eine Weile die Oertlichkeit gemustert hatte.

»Versuchen wir's immerhin,« versetzte Belhumeur, sein Thier am Zaum nachziehend.

Nach einer halben Stunde unsäglicher Mühe langten sie auf einer höchstens dreißig Fuß breiten Plattform an.

»Hier ist's,« sagte Belhumeur Halt machend.

»Hier?« entgegnete Treuherz, der sich überall umsah, ohne eine Oeffnung wahrnehmen zu können.

Lächelnd hieß Belhumeur seinen Begleiter ihm folgen und ging mit seinem Pferde nach einem Felsblock voran, hinter welchem ein höchstens drei Fuß weiter darmartiger Gang begann. Nach fünf Minuten gelangten sie auf diesem schneckenförmig ansteigenden Wege vor die gähnende Mündung einer tiefen Höhle. Die Jäger traten ein. Belhumeur hatte vorher eine Menge Holzspäne angefertigt, so daß er jetzt ein paar Fackeln zusammenmachen konnte, von denen er eine seinem Gefährten gab. Das Licht derselben zeigte ihnen die Höhle in ihrer ganzen wilden Majestät. Die hohen Wände waren mit funkelnden Stalaktiten bekleidet, an denen der Reflex der beiden Flammen eine feenhafte Beleuchtung hervorbrachte.

»Diese Höhle,« sagte Belhumeur, nachdem er seinem Freunde Zeit gelassen hatte, alles genau zu betrachten, »ist ohne Frage eines von den Wundern der Prairie. Die Galerie, welche sich allmälig abwärts zieht, führt unter dem Grünspanfluß hinweg und mündet jenseits desselben in einer Entfernung von mehr als einer Meile in die Ebene.«

Entzückt über die Entdeckung dieses Zufluchtsortes wollte ihn Treuherz nach allen Theilen untersuchen und konnte dabei, ungeachtet seines sonst so schweigsamen Wesens, unterschiedliche Kundgebungen seiner Bewunderung nicht unterdrücken.

»Warum hast Du nicht früher davon gesprochen?« fragte er.

»Ich wartete die Gelegenheit ab.«

Die Jäger brachten die Pferde mit einem reichlichen Futtervorrath in einem der Grottenräume unter, der durch unbemerkliche Felsenspalten erhellt wurde. Nachdem sie sich überzeugt hatten, daß die edlen Thiere während ihrer Abwesenheit ebenso wenig Noth leiden, als sich entfernen konnten, schulterten sie ihre Büchsen, pfiffen den Hunden und schritten raschen Fußes in dem Gang dahin, der unter dem Fluß wegführte. Bald verrieth die feuchte Luft, welche sie umgab, und das dumpfe Geräusch über ihren Häuptern, daß das Wasser über ihnen hinströmte. Sie erhielten für ihre Wanderung hinreichend Licht durch eine Art Laterne in der Gestalt eines hohlen Felsens, der wie eine Schildwache in der Mitte des Flusses emporragte. Nach halbstündigem Gehen gelangten sie vermittelst einer Oeffnung, welche durch dichtes Gebüsch und Schlingpflanzen versteckt war, in die Prairie.

Mit Ausruhen, Versorgung der Pferde und sorgfältiger Untersuchung der Höhle war der Tag hingegangen, und die Sonne senkte sich eben unter den Horizont, als sie die Verfolgung der Comanchen wieder aufnahmen. Jetzt begann erst die eigentliche indianische Verfolgungsweise. Die Jäger krochen im hohen Gras auf Händen und Füßen hinter ihren spürenden Hunden her; ganz Auge und Ohr wagten sie kaum zu athmen und legten sich von Zeit zu Zeit an die Erde, um jene tausend Geräusche der Prairie zu befragen, welche sie mit merkwürdigem Geschick zu unterscheiden und zu deuten wußten. Die Wildniß lag in einer Todtenstille.

Die Jäger rückten, in parallelen Linien dahinkriechend, mit verdoppelter Behutsamkeit immer vorwärts, bis auf einmal die Hunde lautlos stehen blieben. Die wackeren Thiere schienen den Werth des Schweigens in einer Gegend, wo das mindeste Geräusch ihren Gebietern das Leben kosten konnte, zu begreifen.

Belhumeur warf einen durchdringenden Blick umher, sein Auge funkelte. Pantherartig setzte er zu einem Sprung an und stürzte sich auf einen indianischen Krieger, der mit vorwärts gebeugtem Körper und gesenktem Haupte die Nähe eines Feindes zu ahnen schien. Ehe der auf den Rücken niedergeworfene Wilde einen Hülferuf ausstoßen konnte, kniete ihm Belhumeur schon auf der Brust und drückte ihm die Kehle zusammen. Dann zog der Jäger kaltblütig sein Messer und stieß es bis an'sHeft dem Feinde in'sHerz. Als der Wilde sah, daß er verloren war, verschmähte er allen nutzlosen Widerstand, warf aber dem Canadier einen Blick voll Haß und stolzer Verachtung zu; ein höhnisches Lächeln spielte um seine Lippen, und mit eherner Ruhe sah er den Tod über sich kommen.

Belhumeur steckte das Messer in seinen Gurt, drückte die Leiche bei Seite und begann auf's Neue zu kriechen. Treuherz war den Bewegungen des Freundes mit der größten Aufmerksamkeit gefolgt, um im Nothfall ihm beispringen zu können. Da der Indianer todt war, nahm auch er die Verfolgung der Fährte wieder auf.

Bald bemerkten die Jäger den Schimmer eines Feuers unter den Bäumen und einen Geruch wie von geröstetem Fleische. Sie richteten sich nun Gespenstern gleich an einer ungeheuren Korkeiche auf, umfaßten den nackten Stamm des Baumes und versteckten sich unter seinen dichten Zweigen. Jetzt schauten sie umher. Das Lager der Comanchen befand sich höchstens fünfzehn Schritte von ihnen.

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