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Die Trapper in Arkansas

Gustave Aimard: Die Trapper in Arkansas - Kapitel 26
Quellenangabe
authorGustave Aimard
titleDie Trapper in Arkansas
publisherDie Illustrirte Welt
printrunSiebenter Jahrgang
year1859
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20180825
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V.
Das Bündniß.

Wir müssen zu Treuherz zurückkehren. Er war etwa eine Viertelstunde gegangen, ohne sich die Mühe zu nehmen, einer der vielen Fährten zu folgen, welche allenthalben das Prairieengras durchschnitten; dann machte er Halt, stemmte sein Gewehr zu Boden und lauschte auf die verschiedenen Geräusche der Wildniß, die sich ein Prairiemann so gut zu deuten weiß. Das Ergebniß seiner Wahrnehmungen schien ihn zu befriedigen, denn er ahmte jetzt in gleichen Zwischenräumen dreimal auf's Täuschendste den Ruf einer Elster nach.

Kaum war der letzte verhallt, als es in dem bisher so stillen Wald auf einmal lebendig zu werden begann. Von allen Seiten her tauchten aus dem Gebüsch die Gestalten von wetterbraunen Jägern in malerischer Tracht auf, die im Nu einen Kreis um Treuherz gebildet hatten. Zufällig waren die ersten Gesichter, welche ihm entgegen traten, die des schwarzen Elchs und No Eusebios, welche abgesondert nur einige Schritte von ihm im Versteck gelegen hatten.

»Oh,« rief er, ihnen mit Wärme die Hand entgegenbietend, »ich begreife jetzt Alles, meine Freunde. Tausend Dank für Euren bereitwilligen Beistand, der indeß Gott Lob nicht mehr nöthig ist.«

»Um so besser,« versetzte der schwarze Elch.

»Es ist Euch also gelungen, den Händen dieser eingefleischten Rothhautteufel zu entrinnen?« fragte ihn der alte Diener.

»Sprecht nicht schlimm von den Comanchen,« sagte Treuherz lächelnd. »Sie sind jetzt meine Brüder.«

»Redet Ihr im Ernst?« rief der schwarze Elch lebhaft; »und steht Ihr wirklich gut mit den Indianern?«

»Ihr könnt euch davon überzeugen. Der Friede ist geschlossen zwischen ihnen, mir und meinen Freunden. Wenn ihr wollt, will ich euch mit ihnen bekannt machen.«

»Meiner Treu, unter den obwaltenden Umständen hätte sich's nicht glücklicher fügen können,« sagte der schwarze Elch. »Und nun Ihr frei seid, können wir uns anderer Personen annehmen, die eben jetzt in großer Gefahr schweben und wahrscheinlich unseres Beistandes dringend bedürfen.«

»Was wollt Ihr damit sagen?« fragte Treuherz gespannt.

»Bloß soviel» daß die Leute, welchen Ihr bei dem Prairiebrand bereits einen wichtigen Dienst geleistet habt, in diesem Augenblick von einer Räuberbande eingeschlossen sind, welche, wenn es noch nicht geschehen ist, nicht säumen werden, sie anzugreifen.«

»Man muß ihnen zu Hülfe eilen,« rief Treuherz mit nicht zu bewältigender Aufregung.

»Das war auch unsere Absicht; aber wir wollten zuerst Euch befreien, da Ihr die Seele unseres Bundes seid. Ohne Euch könnten wir doch nur wenig ausrichten.«

»Dank,« meine Freunde; aber ihr seht, ich bin frei, und so hält uns nichts ab, sogleich an's Werk zu gehen.«

»Nichts für ungut,« versetzte der schwarze Elch, »aber wir brauchen einen starken Haufen, denn die Räuber wissen, daß sie keinen Pardon zu erwarten haben, und werden sich wie die Tiger wehren. Wir müssen noch mehr Leute haben, wenn wir durchgreifen wollen.«

»Aber wie diese kriegen?«

»Ihr habt ja auch in unserem Namen Frieden mit den Comanchen geschlossen, und so könnte es wohl gehen, daß ...«

»Ihr habt Recht, schwarzer Elch,« unterbrach ihn Treuherz hastig; »hieran dachte ich nicht. Die indianischen Krieger werden sich freuen, wenn wir ihnen Gelegenheit bieten, uns ihre Tapferkeit zu zeigen, und sicherlich schließen sie sich mit Freude unserem Zug an. Ich nehme es auf mich, sie zu gewinnen. Folgt mir alle; ich werde euch unseren neuen Freunden vorstellen.«

Die Trapper, welche einen Haufen von vierzig Mann bildeten, wendeten zum Zeichen des Friedens ihre Waffen um und folgten Treuherz in das Lager.

»Was macht meine Mutter?« fragte der Letztere in großer Aufregung den alten Diener.

»Sie befindet sich wohlbehalten in dem Hatto des schwarzen Elch. Obschon sie die Ungeduld fast verzehrt, ist sie doch eine Frau voll Muth, welcher die größten körperlichen Schmerzen nichts anhaben können, und sie scheint nicht einmal mehr die Nachwehen der grausamen Martern zu fühlen, die sie ausgestanden hat.«

»Gott Lob; aber wir dürfen sie nicht länger in der Todesangst lassen. Wo ist Euer Pferd?«

»In der Nähe versteckt.«

»Holt es und kehrt zu meiner Mutter zurück. Beruhigt sie über mich und bringt sie nach der Höhle am Grünspanfluß, wo sie außer Gefahr sein wird. Ihr bleibt dann bei ihr. Die Höhle ist leicht zu finden, da sie nicht weit von dem Felsen des todten Büffels liegt. Seid Ihr dort angelangt, so laßt Ihr meine Rastreros los, die ich Euch mitgebe; sie werden Euch an den rechten Platz führen. Habt Ihr mich verstanden?«

»Vollkommen.«

»So geht. Im Lager ist Eure Anwesenheit unnütz, dort aber von höchster Wichtigkeit.«

No Eusebio pfiff den Hunden, welche er an die Leine nahm, drückte Treuherz noch einmal die Hand und ging waldeinwärts, während der Jägerhaufen sich der Lichtung zu bewegte, auf welcher die Indianer ihr Lager aufgeschlagen hatten. Letztere waren innerhalb der Vorpostenlinien in einem weiten Halbkreis aufgestellt, dessen Mitte von den Häuptlingen eingenommen wurde. Um den Ankömmlingen die gebührende Ehre zu erweisen, prunkten sie in ihren besten Kleidern und in kriegerischem Waffen- und Farbenschmuck.

Treuherz ließ seinen Haufen halten und ging, ein Büffelkoller in der Hand schwenkend, allein vorwärts. Adlerkopf trat aus der Reihe der Häuptlinge heraus, kam dem Jäger entgegen und ließ ein gleiches Friedenszeichen flattern. Als die Beiden noch einige Schritte von einander waren, machten sie Halt, und Treuherz nahm das Wort.

»Der Herr des Lebens sieht in unsere Herzen,«sagte er; »er weiß, daß zwischen uns der Weg schön und offen ist, und daß die Worte, die er in unsere Brust legt und die unser Mund ausspricht, kein Falsch in sich bergen. Die weißen Jäger kommen, um ihre rothen Brüder zu besuchen.«

»Sie sind willkommen,« versetzte Adlerkopf herzlich und verbeugte sich mit der Anmuth und Majestät, welche den Indianern eigen sind.

Hierauf feuerten die Comanchen und die Jäger ihre Gewehre in die Luft und stießen ein langes Freudengeschrei aus. Dann mischten sich die beiden Haufen untereinander, so daß sie nur noch einen einzigen bildeten. Da aber Treuherz aus der Mittheilung des schwarzen Elchs wußte, wie kostbar die Augenblicke waren, so führte er Adlerkopf bei Seite und theilte ihm unverholen mit, was man von seinem Stamm erwartete. Der Häuptling nahm die Bitte mit Lächeln auf.

»Mein Bruder wird zufrieden sein,« sagte er. »Nur eine kleine Geduld.«

Er verließ den Jäger und schloß sich den übrigen Häuptlingen an. Unmittelbar darauf bestieg der Ausrufer die Veranda einer Hütte und sagte mit lauter Stimme den berühmtesten Kriegern eine Versammlung in der Berathungshütte an.

Treuherzens Gesuch fand allgemeine Billigung. Neunzig auserlesene Krieger wurden unter Adlerkopfs Führung gestellt und angewiesen, die Jäger zu begleiten und nach Kräften zu dem Erfolg ihres Zugs mitzuwirken.

Vor dem Aufbruch wählte sich Adlerkopf, welcher wohl wußte, welchen gefährlichen Feinden der Angriff galt, zwanzig Krieger aus, auf die er zählen konnte, und übertrug ihnen den Dienst von Kundschaftern, indem er sie zugleich mit geschälten Holzstücken versah, damit sie rasch ein Feuersignal geben konnten. Dann visitirte er die Waffen seiner Krieger und gab endlich den Befehl zum Abmarsch.

Die Comanchen und Jäger verließen, ihre Führer an der Spitze, unter den Glückwünschen und Ermuthigungen der Freunde, welche bis an den Saum des Waldes mitzogen, in indianischer Marschordnung das Lager. Die kleine Armee bestand aus hundertunddreißig entschlossenen, gutbewaffneten Kriegern, deren Anführer sich durch kein Hinderniß aufhalten, durch keine Gefahr schrecken ließen.

Es war dunkle Nacht und der Mond von großen schwarzen Wolken bedeckt. Stumm bewegten sich die Krieger dahin. In der Finsterniß nahmen sie sich wie ein Schwarm dem Grab entstiegener Gespenster aus, die, unter dem Fluche Gottes stehend, sich beeilen, im Schutz der Finsterniß ein namenloses Werk zu vollbringen.

Das leise ausgesprochene Wort Halt brachte die ganze Schaar zum Stehen. Man lagerte sich, um die Neuigkeiten der Kundschafter zu erwarten.Das Lager der Mexikaner mochte drei Meilen entlegen sein; aber eh' man näher rückte, wollten die Häuptlinge sich überzeugen, ob der Weg frei sei; im gegentheiligen Falle, wie stark der hindernde Feind war und welche Angriffsweise sich ausführen ließ.

Treuherz, welchen die Ungeduld fast verzehrte, wollte eben selbst auf Kundschaft ausziehen, als sich ein anfangs kaum merkliches, aber schnell sich verstärkendes Rascheln im Gebüsch vernehmen ließ, bis endlich zwei Männer zum Vorschein kamen. Der erste war einer der Comanchenkundschafter, der andere der Doctor.

Der Zustand, in welchem sich »der arme Gelehrte befand, war in der That mitleiderregend. Er hatte seine Perrücke verloren, die Kleider hingen in Fetzen an ihm nieder und sein Gesicht trug den Ausdruck des höchsten Schreckens; man sah ihm deutlich an, daß er aus einem Kampfe kam. Als er vor Adlerkopf und Treuherz erschien, sank er besinnungslos zu Boden. Man beeilte sich, ihn wieder zum Bewußtsein zubringen.

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