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Die Trapper in Arkansas

Gustave Aimard: Die Trapper in Arkansas - Kapitel 25
Quellenangabe
authorGustave Aimard
titleDie Trapper in Arkansas
publisherDie Illustrirte Welt
printrunSiebenter Jahrgang
year1859
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20180825
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IV.
Der Doktor.

Während dieser Schreckensscene ging der Doctor ruhig seinem Botanisiren nach. Hingerissen von der reichen Flora, die vor seinen Augen lag, hatte er in der Freude über die Ernte, die sich hier machen ließ, Alles vergessen. Mit vorgebeugtem Körper ging er dahin, machte vor jeder Pflanze Halt und bewunderte sie eine Weile, eh' er sich entschließen konnte, sie auszureißen.

Nachdem er sich mit einer Menge von für ihn ungemein werthvollen Blumen und Kräutern beladen hatte, beschloß er endlich, sich unter einem Baume niederzulassen, um seinen Schatz mit Muße zu ordnen, während er sich zugleich an ein paar Stückchen Zwieback erlabte.

Diese genußreiche Beschäftigung nahm ihn so sehr in Ansprach, daß er wahrscheinlich darüber sogar das Einbrechen der Nacht und die Nothwendigkeit, ein Unterkommen zu suchen, vergessen haben würde, wenn nicht plötzlich auf seine Pflanzen der Schatten eines Menschen gefallen wäre, der ihn bewog, mechanisch den Kopf aufzurichten. Ein an eine lange Büchse gelehnter Mann stand vor ihm, der mit possirlicher Neugierde seinem Geschäft zusah. Es war der schwarze Eich.

»He, he!« sagte er zu dem Doctor, »was macht Ihr hier, mein wackerer Herr? Hol mich der Henker, wenn ich Euch nicht, als ich Euch so im Gras wühlen sah, für einen Rehbock hielt. Ich war schon auf dem Punkt, Euch eine Kugel zuzuschicken.«

»Alle Hagel,« rief der Doctor, ihn erschrocken ansehend, »da müßt Ihr Acht geben. Ihr hättet mich tödten können, wißt Ihr?«

»Hum, fürchtet nichts, ich habe ja meinen Irrthum bei Zeit eingesehen,« versetzte der Trapper lachend.

»Gott sei Lob und Dank dafür.«

Und der Doctor, der jetzt wieder ein seltenes Pflänzchen bemerkte, bückte sich rasch, um es sich zuzueignen.

»Ihr seid wohl bloß in die Prairien gekommen, um Pflanzen auszureißen?«

»In keiner andern Absicht.«

Der schwarze Elch sah den Doktor so verwundert an, wie man eine unerklärliche Erscheinung zu betrachten pflegt; denn er konnte nicht begreifen, wie ein vernünftiger Mensch aus freien Stücken sich entschließen mochte, sich einem Leben voll Entbehrung und Gefahren zu unterziehen, nur um unnütze Pflanzen auszuraufen. Der Mann mußte einen Gehirnschaden haben. Der Jäger warf ihm einen Blick des Bedauerns zu, schüttelte den Kopf, warf seine Büchse über die Schulter und schickte sich an, weiter zu gehen.

»So, macht nur fort,« sagte er in einem Tone zu ihm, wie man mit Kindern und Irren zu sprechen pflegt, »Ihr habt Recht, mein wackerer Herr. Reißt immerhin aus; Ihr thut Niemand einen Schaden damit, und es bleibt noch genug da. Gute Verrichtung – auf Wiedersehen!«

Er pfiff seinen Hunden und machte einige Schritte, kam aber sogleich wieder zurück:

»Noch ein Wort,« sagte er zu dem Doktor, der schon nicht mehr an ihn dachte und mit Eifer das unterbrochene Geschäft wieder aufgenommen hatte.

»So redet,« versetzte er, den Kopf aufrichtend.

»Ich hoffe, die junge Dame, die mich gestern mit ihrem Onkel in meinem Hatto besucht hat, ist wohl? Das liebe arme Kind; Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich Antheil an ihr nehme.«

Der Doctor erhob sich plötzlich und schlug sich an die Stirn.

»Wie unbesonnen,« sagte er. »Ich habe das ganz vergessen.«

»Was vergessen?« fragte der Jäger erstaunt.

»Es geht mir immer so,« murmelte der Gelehrte. »Zum Glück ist der Schaden nicht groß und läßt sich, da Ihr hier seid, leicht wieder gut machen.«

»Sprecht; ich höre.«

»Ich will Euch sagen, was mich Donna Luz Euch auszurichten angewiesen hat.«

»Also Donna Luz schickt Euch an mich?«

»Ja.«

»So ist etwas Ernstes im Lager vorgefallen?«

»Ja; und es hätte noch ernster ausfallen können. In der letzten Nacht hat einer unserer Führer ...«

»Die Amsel?«

»Ihr kennt ihn.«

»Ja. Weiter.«

»Nun, es scheint, dieser Mensch hat mit einem andern Spitzbuben complottirt, um das Lager wahrscheinlich an die Indianer zu verrathen. Zufällig hörte Donna Luz das Gespräch der beiden Halunken mit an, und wie sie an ihr vorbeikamen, um zu entweichen, feuerte sie zwei Pistolen auf sie ab.«

»Sind sie geblieben?«

»Leider nein; der Eine entkam, obschon er ohne Zweifel eine schwere Wunde davon trug.«

»Wer war dies?«

»Die Amsel.«

»Weiter?«

»Dann ließ mich Donna Luz schwören, daß ich Euch aufsuchen wolle. Ich sollte Euch sagen ... wart, wie lautete es doch.«

»Schwarzer Elch,die Zeit ist da,« unterbrach ihn lebhaft der Jäger.

»Ja, so ist's,« rief der Doctor, erfreut die Hände reibend; »ich hatte es auf der Zunge. Ich muß sagen, die Sache kam mir dunkel vor und ich verstand nichts davon. Ihr erklärt mir sie vielleicht?«

Der Jäger faßte ihn heftig am Arm und rief ihm mit von Zorn glühendem Gesichte zu: »Erbärmlicher Narr! Warum seid Ihr nicht in aller Eile zu mir gekommen, statt wie ein Dummkopf die Zeit zu vergeuden? Euer Säumen ist vielleicht Schuld an dem Tod aller Eurer Freunde.«

»Wär's möglich!« rief der Doktor bestürzt und achtlos bei der rohen Weise, in welcher der Trapper ihn schüttelte.

»Man hat Euch einen Auftrag ertheilt, bei dem sich's um Tod und Leben handelt, unsinniger Mensch! Aber was thun? Vielleicht ist Alles zu spät.«

»Oh, sprecht nicht so,« rief der Doctor aufgeregt. »Ich stürbe vor Jammer, wenn Ihr Recht hättet.«

Der arme Schelm vergaß Thränen und bekundete überhaupt auf's Unzweideutigste seinen Kummer, so daß der schwarze Elch nur an ihm zu trösten hatte.

»Seid getrost, wackerer Herr,« sagte er begütigend. »Vielleicht ist noch nicht Alles verloren.«

»Ich könnte es nicht überleben, wenn ich die Ursache eines so großen Unglücks wäre.«

»Na, was geschehen ist, läßt sich nicht ungeschehen machen,« versetzte der Trapper philosophisch, »und wir müssen sehen, wie wir ihnen Hilfe bringen können. Gott sei Dank, ich stehe nicht so allein, als man wohl glaubt, und hoffe, in ein paar Stunden dreißig der besten Prairiebüchsen beisammen zu haben.«

»Und Ihr wollt sie retten, nicht wahr?«

»Wenigstens werde ich das Mögliche thun, und so Gott will, glückt es.«

»Der Himmel erhöre Euch!«

»Amen,« versetzte der Jäger, andächtig sich bekreuzend. »Aber jetzt müßt Ihr in's Lager zurückkehren.«

»Sogleich.«

»Und kein Sammeln von Kräutern, kein Ausreißen von Pflanzen mehr.«

»Oh, verwünscht sei die Stunde, die mich zum Botanisiren verlockte!« rief der Doctor in komischer Verzweiflung.

»Gut. Ihr werdet die junge Dame und ihren Onkel beruhigen; sie sollen nur gut Wache halten und im Fall eines Angriffs kräftigen Widerstand leisten; es werden ihnen bald Freunde zu Hülfe kommen. Jetzt zu Pferd und fort in's Lager.«

»Seid unbesorgt; aber Ihr ... was werdet Ihr thun?«

»Kümmert Euch nicht um mich; ich werde nicht unthätig bleiben. Macht nur, daß Ihr so bald wie möglich wieder zu Euren Freunden kommt.«

»Vor einer Stunde werde ich bei ihnen sein.«

»Guten Muth und gut Glück! Vor Allem nur nicht verzweifeln.«

Der schwarze Elch ließ den Zügel los, den er ergriffen hatte, und der Doctor ritt im Galopp von hinnen, eine Gangart, die gelegentlich sein Gleichgewicht ein wenig in Gefahr brachte.

Der Trapper sah dem sich Entfernenden eine kleine Weile nach und schritt dann rasch in den Wald hinein. Er war noch nicht weit gekommen, als er auf No Eusebio stieß, welcher Treuherzens ohnmächtige Mutter vor sich im Sattel hatte. Diese Begegnung kam dem Trapper sehr gelegen, da ihm der alte Spanier zuverlässige Auskunft über den Jäger ertheilen konnte. Ihr nächster Schritt war sodann, vorderhand die alte Dame in dem nahen Hatto des schwarzen Elch unterzubringen.

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