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Die Trapper in Arkansas

Gustave Aimard: Die Trapper in Arkansas - Kapitel 14
Quellenangabe
authorGustave Aimard
titleDie Trapper in Arkansas
publisherDie Illustrirte Welt
printrunSiebenter Jahrgang
year1859
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20180825
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IX.
Das verschanzte Lager.

Wir lassen die Jäger die Fährte der Rothhäute verfolgen, um zu dem General zurückzukehren Einige Minuten, nachdem die beiden Männer das Lager der Mexikaner verlassen hatten, trat der General aus seinem Zelte, warf einen forschenden Blick um sich, athmete die frische Morgenluft ein und schickte sich mit gedankenvoller Miene an, in der Gegend umherzugehen.

Die Ereignisse der Nacht hatten einen tiefen Eindruck auf den alten Soldaten gemacht. Vielleicht zum erstenmal seit dem Beginn seiner Reise fragte er sich, ob er recht daran gethan habe, daß er seine junge Nichte mit sich genommen, die bisher nur die ruhigen Annehmlichkeiten des Lebens kennen gelernt hatte,und sich wohl kaum an die unablässigen Gefahren und Aufregungen einer Wanderung durch die Prairie gewöhnen könnte.

Er liebte das Mädchen, das sein einziger Trost war, innig und hätte nur ihretwillen gern all sein Besitzthum hergegeben; aber andererseits waren die Gründe, die ihn zu Unternehmung der gefahrvollen Reise bewogen hatten, so wichtig, daß ihn bei dem Gedanken, sie aufzugeben, ein kalter Schweiß überlief.

Als Donna Luz, die jetzt gleichfalls aus ihrem Zelt hervortrat, ihren Onkel auf seinem ernsten Spaziergang bemerkte, eilte sie auf ihn zu und schlang die Arme um seinen Hals.

»Guten Morgen, Onkel.«

»Guten Morgen, meine Tochter,« entgegnete der General. »Du bist ja heute schon recht heiter.«

Und er erwiederte die Liebkosungen, mit denen sie ihn überhäufte.

»Warum soll ich's nicht sein, Onkel? Sind wir doch, Gott sei Dank, einer schrecklichen Gefahr entgangen; die ganze Natur scheint zu lächeln; die Vögel kehren lustig wieder, die Sonne überströmt uns mit ihren warmen Strahlen, und wir wären undankbar gegen den Schöpfer, wenn wir gegen diese Kundgebung seiner Macht unempfindlich blieben.«

»Haben die Gefahren dieser Nacht keinen widerwärtigen Eindruck in Deiner Seele zurückgelassen, mein Kind?«

»Keinen andern, Onkel, »als den des Dankes für die Wohlthaten, mit denen uns Gott überhäuft.«

»Recht, so, meine Tochter,« versetzte der General erfreut. »Es macht mich glücklich, Dich so sprechen zu hören.«

»Um so besser, wenn ich Euch Vergnügen mache, Onkel.«

»Du bist also des Lebens, das wir im Augenblick führen, nicht überdrüssig?«

»Keineswegs; ich finde es im Gegentheil sehr angenehm und sehr reich an Abwechslung.«

»Das ist wohl wahr,« sagte der General, auf den leichten Ton seiner Nichte eingehend; dann aber fügte er ernster bei: »es däucht mich übrigens, daß wir zu wenig an unsere Retter denken.«

»Sie sind fort,« versetzte Donna Luz.

»Fort?« entgegnete der General verwundert.

»Schon seit einer Stunde.«

»Wie kannst Du dies wissen, Nichte?«

»Weil sie mir Lebewohl sagten, ehe sie aufbrachen.«

»Das ist nicht gut,« murmelte der General verdrießlich. »Ein Dienst verpflichtet diejenigen, welche ihn leisten, ebenso gut, wie die, welche ihn empfangen. Sie hätten nicht so von uns gehen sollen, ohne uns zu sagen, ob wir je wieder mit ihnen zusammentreffen werden – ja, ohne uns auch nur ihre Namen zu nennen.«

»Ich kenne sie.«

»Wirklich, meine Tochter?« erwiederte der General erstaunt.

»Ja, Onkel; sie haben sich vor ihrem Scheiden mir genannt.«

»Und wer sind sie?« fragte der General lebhaft.

»Der Jüngere heißt Belhumeur.«

»Und der Aeltere?«

»Treuherz.«

»O, ich muß sie wiederfinden,« sagte der General mit einer Aufregung, von der er sich keine Rechenschaft zu geben wußte.

»Wer weiß?« versetzte das Mädchen träumerisch. »Vielleicht sehen wir sie wieder wie Schutzgeister erscheinen, wenn uns auf's Neue eine Gefahr droht.«

»Gott verhüte, dass sie einen solchen Anlaß zur Rückkehr finden.«

Der Capitän kam jetzt herbei und brachte seinen Morgengruß.

»Nun, Capitän,« empfing ihn lächelnd der General, »haben sich Eure Leute von ihrem Schrecken erholt?«

»Vollkommen, General,« antwortete der junge Mann. »Sie sind zum Aufbruch bereit, sobald Ihr befehlt.«

»Nach dem Frühstück können wir das Lager aufheben. Habt die– Güte, den Lanceros die nöthigen Weisungen zu ertheilen, und schickt mir die Amsel her.«

Der Capitän entfernte sich.

»Und Du, Nichte,» fuhr der General gegen Donna Luz fort, »sieh nach den Frühstücksvorbereitungen, während ich mich mit dem Führer benehme.«

Die Nichte lehrte in's Zelt zurück, und bald darauf erschien die Amsel. Sein Aussehen war düster und seine Miene sauertöpfischer als sonst. Der General schien es nicht zu bemerken.

»Ihr erinnert Euch,« redete er ihn an, »daß ich Euch gestern meine Absicht mittheilte, einen Lagerplatz aufzusuchen, wo ich mit Sicherheit einige Tage verweilen kann?«

»Ja, General.«

»Ihr sagtet mir, daß Euch ein passender Ort bekannt sei?«

»Ja, General.«

»Wollt Ihr mich hinführen?«

»Sobald Ihr befehlt.«

»Wie lange werden wir brauchen?«

»Zwei Tage.«

»Gut. Wir brechen nach dem Frühstück auf.«

Die Amsel verbeugte sich zur Antwort.

»Noch eins,« sagte der General mit erkünstelter Gleichgültigkeit. »Es kommt mir vor, als ob einer von Euren Leuten fehle.«

»Ja.«

»Was ist aus ihm geworden?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wie, Ihr wißt es nicht?« rief der General und warf ihm einen durchbohrenden Blick zu.

»Nein. Als er den Brand sah, bemächtigte sich seiner die Furcht und er floh.«

»Nun?«

»Wahrscheinlich ist er ein Opfer seiner Feigheit geworden.«

»Was wollt Ihr damit sagen?«

»Daß er verbrannt ist.«

»Der arme Schelm!«

Ein spöttisches Lächeln zuckte über die Lippen des Führers.

»Habt Ihr mir nichts mehr zu sagen, General?«

»Nein ... doch halt!«

»Ich höre.«

»Wißt Ihr etwas von den beiden Jägern, welche uns in der letzten Nacht einen so wichtigen Dienst geleistet haben?«

»In der Prairie sind sie überall bekannt.«

»Wer sind sie?«

»Jäger und Trapper.«

»Ich meine nicht dies.«

»Was denn?«

»Sind es wackere Männer?«

»Ich weiß das nicht.«

»Wie heißen sie?«

»Belhumeur und Treuherz.«

»Und Ihr wißt nichts von ihrem Leben?«

»Nein.«

»Gut. Ihr könnt gehen.«

Der Führer salutirte und begab sich langsamen Schrittes zu seinen Gefährten, die ihre Vorbereitungen zum Aufbruch trafen.

»Hm,« murmelte der General, ihm nachsehend, »ich werde ein wachsames Auge auf diesen Spitzbuben haben. Er hat etwas Tückisches in seinem Benehmen.«

Er kehrte in sein Zelt zurück, wo sich bald auch der Capitän, der Doctor und Donna Luz einfanden. Das Mahl war kurz. Eine halbe Stunde später wurde das Zelt geleert; man lud die Kisten auf die Maulthiere und der Reisezug setzte sich in der Richtung, welche durch die zwanzig Schritt vorausmarschirende Amsel angedeutet wurde, in Bewegung.

Am andern Abende erreichten die Reisenden den Lagerplatz. Die Amsel hatte den General nicht getäuscht; der Platz war wunderbar gut gelegen, um einen indianischen Angriff abzuwehren.

Der General war ein erfahrener alter Soldat, der nichts dem Zufall, diesem Deus ex machina, überlassen wollte, welcher in einer Sekunde die durchdachtesten Plane über den Haufen wirft. Ungeachtet der Ermüdung seiner Leute wollte er keinen Augenblick verlieren und ließ eine große Menge Bäume fällen, um eine gute, durch Fußangeln geschützte Verschanzung herzustellen. Das Zelt pflanzte man in der Mitte des Lagers auf; die Schildwachen wurden ausgestellt, und nun beeilte sich Jeder, der ihnen so nöthigen Ruhe zu pflegen.

Da der General die Absicht hatte, einige Tage an diesem Platze zu bleiben, so wollte er möglichst für die Sicherheit seiner Begleiter sorgen, und er kam auch dieser Aufgabe so pünktlich nach, daß er seinen Zweck vollkommen erreicht zu haben glaubte.

Die Reisenden hatten zwei Tage auf den schlechtesten Wegen sich weiter geschleppt, kaum geschlafen und nie länger angehalten, als zum Einnehmen einer Mahlzeit unbedingt nöthig war; sie fühlten sich also in höchstem Grad erschöpft, und selbst die Schildwachen vermochten beim besten Willen des Schlafes sich nicht zu erwehren, sondern begannen bald kräftig zu schnarchen.

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