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Die Trapper in Arkansas

Gustave Aimard: Die Trapper in Arkansas - Kapitel 12
Quellenangabe
authorGustave Aimard
titleDie Trapper in Arkansas
publisherDie Illustrirte Welt
printrunSiebenter Jahrgang
year1859
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20180825
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VII.
Der Ueberfall.

Einige Tage nach den im vorigen Kapitel erzählten Ereignissen trug sich in einer Niederlassung, die erst vor ein paar Jahren an den Ufern des Canadian in einer herrlichen, durch einen grünen Hügel geschützten Lage errichtet worden war, ein denkwürdiger Vorfall zu.

Der Platz bestand aus etwa zwanzig Hütten, die ordnungslos durcheinander standen und durch ein Fort beschützt wurden, welches mit seinen vier kleinen Kanonen den Fluß beherrschte. Das noch so junge Dorf verdankte es der wunderbaren amerikanischen Regsamkeit, daß es bereits die volle Wichtigkeit einer Stadt besaß.

Zwei Schenken standen offen für durstige Kunden, und drei Tempel dienten verschiedenen Sekten als Sammelplatz der Gläubigen. Man sah die Bewohner geschäftig hin und her eilen, zahlreiche Kähne befuhren den Fluß, und mit Waaren beladene Karren zogen tiefe Furchen in den bahnlosen Wegen.

Aber ungeachtet, oder vielleicht gerade wegen dieser Regsamkeit konnte man leicht eine gewisse Unruhe wahrnehmen, die in dem Dorfe herrschte. Die Einwohner stellten gegenseitig Fragen; unter den Hausthüren bildeten sich Gruppen, und mehrere Männer eilten auf starken Pferden in verschiedenen Richtungen aus, nachdem sie zuvor von dem kommandirenden Capitän des Forts Befehle eingeholt hatten. Die Kähne legten allmälig am Ufer an, die Karten wurden ausgespannt, die Lastthiere in ihre Hürde gesperrt, und die ganze Bevölkerung sammelte sich auf dem Hauptplatz des Dorfes.

Die Sonne neigte sich zum Untergang; die Nacht begann zu dunkeln, und die ausgeschickten Reiter waren zurückgekehrt.

»Ihr seht,« sagte der Capitän zu der versammelten Einwohnerschaft, »daß wir nichts zu fürchten haben. Es war nur ein falscher Lärm. Ihr könnt ruhig in Eure Wohnungen zurückkehren.«

Der Capitän selbst kehrte gleichfalls in das Fort zurück. Allmälig begaben sich auch die Einwohner in ihre Häuser und verschlossen die Thüren mit jener Sorglosigkeit, welche bei Menschen, die jede Minute ihr Leben auf's Spiel setzen müssen, zur Gewohnheit wird. Eine Stunde später war die Nacht völlig hereingebrochen und deckte mit ihren tiefen Schatten das Dorf, dessen Bewohner nach den rauhen Mühen des Tages im Gefühl der Sicherheit sich der Ruhe überließen.

Indeß hatten die vom Capitän ausgesandten Kundschafter ihre Pflicht schlecht erfüllt oder waren vielleicht noch nicht an die Indianderlist gewöhnt, da sie sonst durch ihre Berichte den Bewohnern keine trügerische Zuversicht eingeflößt hätten; denn kaum eine Meile vom Dorf weg hatten sich im dichten Gebüsch und in den verstrickten Bäumen des Urwalds zweihundert Comanchenkrieger aus dem Stamm der Schlange verborgen. Sie standen unter der Führung mehrerer berühmter Häuptlinge, unter denen sich auch Adlerkopf befand, welcher trotz seiner Verwundung den Zug mitmachen wollte.

Es waren bereits mehrere Stunden vergangen, ohne daß die Stille der Nacht gestört worden wäre. Die Indianer harrten ehernen Statuen gleich, ohne eine Spur von Ungeduld zu verrathen. Gegen elf Uhr ging der Mond auf, und um dieselbe Zeit ließ sich zweimal das ferne Bellen eines Hundes vernehmen.

Adlerkopf trat jetzt aus dem Schirm des Baumes, der ihn deckte, hervor und begann mit außerordentlicher Geschwindigkeit gegen das Dorfe hin zu kriechen. Am Saume des Waldes machte er Halt und schickte spähende Blicke umher; dann ahmte er dass Wiehern eines Pferdes mit solcher Treue nach, daß sogleich zwei Rosse aus dem Dorf darauf antworteten.

Zehn Minuten später waren die Indianer Herren des Dorfes, dessen schlummernde Bewohner ohne einen Versuch von Gegenwehr zu Gefangenen gemacht wurden.

Nun schlossen die Comanchen das Fort ein. Sie häuften vor den Mauern desselben Baumstämme, Karren, Möbel und das Arbeitsgeräth der verzweifelnden Ansiedler auf und harrten nur auf das Zeichen ihres Führers, um den Angriff zu beginnen.

Plötzlich gewahrte man auf der Höhe des Forts eine unbestimmte Gestalt, und der Ruf eines Wasserraubvogels drang in die Luft. Die Indianer zündeten setzt das aufgehäufte Brennmaterial an und stürzten sich in Masse unter jenem schrecklichen Kriegsgeschrei, das ihnen eigenthümlich und an der Grenze stets das Signal zu einem Gemetzel ist, gegen die Pallisaden los. In weniger als einer Stunde war das Fort in den Händen der Comanchen, die ihren Rachedurst in dem Blute ihrer Gegner kühlten.

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