Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Tieck >

Die Theegesellschaft

Ludwig Tieck: Die Theegesellschaft - Kapitel 9
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSchriften, Zwölfter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1796
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleDie Theegesellschaft
pages66
created20131021
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Siebenter Auftritt.

Vorige. Baron von Dornberg tritt ein; Verbeugungen.

Baron von Dornberg, indem er Julien die Hand küßt. Sehn Sie, liebste Julie, wie aufmerksam ich bin; ich bin der erste von allen, die Sie gebeten haben.

Ahlfeld. Ja wahrhaftig, Baron, Sie haben Recht, Sie sind wirklich der erste. – Das muß man Ihnen lassen, Ihre Zärtlichkeit überspringt sich selbst.

Dornberg. Ich bin nur Egoist, mein theurer Herr Ahlfeld; ich thue alles nur zu meinem eignen Besten.

Ahlfeld. Gehorsamster Diener; gar zu gütig.

Dornberg. Sie erzeigen mir durch Ihre Freundschaft und Zuneigung die größte Ehre, ich kann nicht dankbar genug sein.

Ahlfeld. Baron, – liebster Dornberg,– sehn Sie, Sie beschämen uns beide, – das ist, wenn ich frei heraussagen soll, nicht galant von Ihnen. Sie lassen uns, Herr Baron, in einer Verlegenheit, Empfindsamkeit, ich weiß nicht, wie ich mich genug darüber ausdrücken kann, – daß, – daß –

Dornberg. Ich bitte ergebenst.

Ahlfeld. Daß es uns in eine Exaltion versetzt, die nur Ihre gütige, ehrenvolle Freundschaft wieder lindern kann.

Dornberg. Sie sind doch wohl, meine liebste Julie? – Ich habe mich heut mit tausend unangenehmen Geschäften herumschlagen müssen, ich bin kaum zu Athem gekommen.

Ahlfeld. Das sind die Beschwerlichkeiten des Standes.

Dornberg. Wollte der Himmel, es wäre nicht so!

Ahlfeld. Alles Gute läßt sich nicht in Einem Centrum vereinigen.

Dornberg. Wenn wir uns genauer betrachten, wenn wir, armseligen Geschöpfe, einsehen, wie wir von tausend Plackereien, von zehntausend Vorurtheilen beherrscht und gequält werden, wie kann es denn noch Menschen geben, die auf ihren Stand stolz sein können!

Julie. Ich bedaure Sie.

Ahlfeld. Mit Ihrer gütigsten Erlaubniß: – ich sollte meinen, wenn ich nur so zu den Großen, so zum ersten Stande gehörte, ich würde mich gewiß nicht gedrückt fühlen.

Dornberg. Das glauben Sie jetzt, da, – doch von etwas angenehmeren, – in der künftigen Woche ist Ihr Geburtstag.

Julie. Ja, lieber Baron.

Dornberg. Nennen Sie mich doch bei meinem Namen:– da werden Sie doch ein kleines Fest geben, liebster Freund?

Ahlfeld. Ich habe schon eine Invention ausgerechnet, ein ganz kleines Schauspiel von meiner Erfindung, simpel, aber mit einer gewissen Festigkeit, ohne Pracht, – aber mit Sentiment, – es sind auch Verse dazu! – Aber still! ich will Ihnen jetzt noch nichts davon sagen; – Sie sollen sich wundern.

Dornberg. Alles von Ihnen?

Ahlfeld. Das darf ich Ihnen nicht so geradezu sagen, ich will dann erst Ihr unparteiisches Urtheil hören. Aber, es darf sich zur Noth sehen lassen.

Dornberg. Ich habe nicht gewußt, daß Sie auch Dichter sind

Ahlfeld. Ach was ist man nicht alles, wenn man seine Nichte, sein Kind recht lieb hat. – Herr Baron, ein Wort, wenn ich bitten darf.

Dornberg. Sie haben zu befehlen. Sie gehen beiseit.

Julie. Die Menschen bleiben heut lange.

Ahlfeld. Julchen denkt, wir werden jetzt von Ihrem Geburtstage reden, und eben drum nehm ich mir die Freiheit, Sie zu rufen: – sagen Sie mir doch, wie steht's denn?

Dornberg. Ganz vortrefflich.

Ahlfeld. Das ist schön! – Schon lange habe ich mir immer ein Amt, einen gewissen Titel, ein Ansehen gewünscht; ich sprach auch mit einigen davon, die Menschen hatten aber gleich die Impertinance, mich zu fragen: auf welchen Theil der Wissenschaften, auf welche Kenntnisse ich mich denn vorzüglich gelegt hätte?

Dornberg. Vorwand, um Sie auf irgend eine Art abzuweisen.

Ahlfeld. Nein, purer Neid: denn da müßte es doch weit bei uns gekommen sein, wenn man sich auf Kenntnisse legen müßte, um die Leute zu protegiren, um zu machen, daß Kutschen vor unsrer Thür halten? – um, – enfin, – wer wird sich denn auf etwas legen, um mit einzuwirken, mit in die große Maschinerie einzugreifen. Es können ja wahrhaftig nicht Hände genug da sein, um die gewaltige Friktion gleichsam aufzuheben.

Dornberg. Sehr richtig.

Ahlfeld. Aber an Ihnen hab' ich nun endlich meinen Mann gefunden. – Man will doch auch nicht gern so umsonst in der Welt gelebt haben, – es ist freilich ein kleiner Stolz, wenn Sie es so nennen wollen, – eine Elegance, – eine Energie der Seele, wollt' ich sagen; aber was thun die Wörter zur Sache; Sie verstehn mich doch.

Dornberg. Vollkommen.

Ahlfeld. Ich habe mich nie viel mit Schreiben oder Lesen abgegeben; denn ich habe mehr zu thun, und die geringern Leute wollen doch auch leben, und sich unterhalten. – Mein Amüsement ist mehr das Denken und Sprechen.

Dornberg. Sie gehn sogleich zu den Zwecken über, statt sich lange bei den Mitteln aufzuhalten.

Ahlfeld. Ja, ja, das ist es ganz genau, was ich sagen wollte. Mit Ihnen ist es eine wahre Freude zu sprechen; – so lange wir uns kennen, haben Sie noch nicht ein einzigmal: Wie so? gesagt.

Dornberg. Wirklich?

Ahlfeld. Gewiß! Ich gebe sehr genau auf solche Kleinigkeiten Acht; denn daraus erkennt man am ersten die Charakteristik eines Menschen. – Nun, Nichtchen, Dir ist indessen wohl die Zeit lang geworden? Ich hatte mit dem Herrn Baron nur etwas zu sprechen.

Julie. Geniren Sie sich nicht.

Ahlfeld. Ich bitte, Kind, wir sind jetzt zu Ende, – ganz gewiß.


 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.