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Die Theegesellschaft

Ludwig Tieck: Die Theegesellschaft - Kapitel 19
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSchriften, Zwölfter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1796
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleDie Theegesellschaft
pages66
created20131021
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Siebzehnter Auftritt.

(Ein kleines dunkles Zimmer.)

Ein Unbekannter sitzt im Winkel. Ein Bäckerknecht, der halb betrunken ist, geht auf und ab.

Bäckerknecht. Nein! wenn's wieder so lange währen soll, so mag der Henker die ganze Welt holen – ich will mich dann nicht so viel drum scheeren.– Krieg und immer Krieg – und nichts als Krieg; – das ist zum Tollwerden!

Die alte Wahrsagerin tritt herein; sie hat eine harte sächsische Aussprache. Nehmen Sie's nicht vor unlieb, meine Herren, daß ich Sie habe warten lassen; es seind im Hauswesen immer allerhand Geschäfte abzumachen; meine Tochter hat's Unglück getroffen, daß sie nach Kalandshoff gebracht ist, und auf die unschuldigste Weise von der Welt.

Bäckerknecht. Nun sieht sie, Frau, ich habe nicht lange Zeit, – mach sie schnell, wo sind die Karten? – Ich muß Ihr sagen, ich bin meines Standes ein Bäckergesell, – ich wollte nur fragen, ob wir wieder marschiren müssen, und ob sie mich wieder mitnehmen thäten.'

Wahrsagerin mischt die Karten, setzt sich die Brille auf und läßt ihn abheben; dann legt sie.

Der Unbekannte erhebt sich, es ist Ahlfeld.

Ahlfeld. Ei, mein Freund, da könnt Ihr sicher sein, denn ich muß Euch sagen, Preußen führt vor's erste keinen Krieg mehr: die Conjugation und die Consternationen von ganz Europa widersprechen dem geradezu. Ich will Euch beweisen –

Bäckerknecht sieht ihn von der Seite an. Sagt Er wahr, oder die Frau?

Ahlfeld. Nein –

Bäckerknecht. Nun so bekümmere Er sich um Sein Handwerk, und lasse Er jedem das seinige.

Wahrsagerin, Ja, sehn Sie – da seh' ich hier die Treffeldame, das bedeutet, daß Sie eine Frau Liebste, einen Schatz haben; denn sehen Sie hier, der Treffelbauer liegt dicht darunter.

Bäckerknecht. Richtig – sie kann hexen, glaub' ich.

Wahrsagerin. Sie sein Ihres Standes nach ein Bäcker, und wollen diese Perschon bei Gelegenheit heirathen.

Bäckerknecht. Ja – soll ich?

Wahrsagerin. Sie ist Ihnen gut, sie ist hübsch, und hat ein redliches Gemüth.

Bäckerknecht. Wo steht denn das redliche Gemüth?

Wahrsagerin. Hier. – Sie warten nur noch auf eine Zeit, um was Großes anzufangen.

Bäckerknecht. Ganz recht, ich möchte gern Meister werden – und es fehlt noch am besten.

Wahrsagerin. Wenn Sie's werden, und Sie halten sich gute Waare, so werden Sie immer ein gutes Brod haben.

Bäckerknecht. Nun, das ist mir lieb. – Adieu! Ab.

Ahlfeld. Nun hört einmal, ich muß Euch sagen, ich glaube an all dergleichen Narrenstreiche nicht, ich bin nämlich aus einer Art von Spaß hiehergekommen – so zu sagen, passe temps, Zeitvertreib – aber man hat mir gesagt – nun seht, ich will Euch einen Gulden geben, wenn Ihr Euch recht Mühe gebt, wenn Ihr's besser macht als bei dem Einfaltspinsel da. – Hier.


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