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Die Theegesellschaft

Ludwig Tieck: Die Theegesellschaft - Kapitel 13
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSchriften, Zwölfter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1796
publisherGeorg Reimer
addressBerlin
titleDie Theegesellschaft
pages66
created20131021
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Eilfter Auftritt.

Vorige, Werner, Ehlert. Verbeugungen.

Werner, zu Ahlfeld. Ich habe die Ehre, Ihnen den Herrn Justizkommissarius Ehlert vorzustellen.

Ahlfeld. Gehorsamer, – es freut mich unendlich, daß ich die Ehre –

Ehlert. Ergebenster, – freue mich, daß ich die Ehre –

Ahlfeld. Belieben Sie abzulegen, – setzen Sie sich –

Werner. Ihr Diener, mein Herr Baron; – Herr Geheime Rath, guten Abend –

Julie. Sie kommen sehr spät; fast hätten Sie keinen Thee mehr angetroffen; –

Werner. Es thut mir leid, allein mein Freund –

Julie. Ist Ihnen gefällig?

Ehlert. Ich danke recht sehr, – bin sehr verbunden –

Julie. Trinken Sie keinen Thee?

Ehlert. Wenn– o ja! – Greift nach der Tasse, und trinkt sie sehr schnell aus.

Dornberg. Haben Sie sich gänzlich von dem neulichen Sturz mit dem Pferde erholt?

Werner. O ja.

Ehlert. Bist Du gestürzt?

Dornberg. Und sehr gefährlich.

Ehlert. Nun siehst Du, das kömmt von Deinem wilden Reiten.

Werner. Mademoiselle, ich freue mich, daß Sie so heiter aussehen. Weder Frühling noch Herbst –

Julie, mit einer Tasse. Belieben Sie?

Werner. Ich danke; – mir wandelt immer eine Furcht an, wenn ich eine Tasse mit Thee gewahr werde.

Ehlert. Ich trinke eigentlich auch sonst nicht –

Werner. Dies blasse, nüchterne Getränk, in eben so leichenblassen Tassen! der wunderbare aromatische Duft, – das Theegespräch dabei, – die siedende Maschine, – o man könnte mir mit Thee jede Gesellschaft verleiden.

Julie. Jede?

Werner. Nur Ihre nicht, das versteht sich von selbst, denn sonst würde ich es hier nicht sagen.

Julie. Sie sind sehr galant.

Werner. Was soll man anders sein? die ganze Welt zwingt sich ja, galant und elegant zu sein; sollte ich allein zurückbleiben?

Julie, zum Baron. Waren Sie lange nicht im Theater?

Dornberg. Nein.

Werner. Besuchen Sie das Schauspiel noch fleißig?

Julie. Den Wildfang möcht' ich sehn; man sagt mir, er soll recht possenhaft sein.

Ahlfeld. Herr Rothmann schreibt auch für's Theater.

Rothmann. O ich bitte, – kleine Versuche –

Ehlert. Man sagte mir unterweges, es würden neue Stücke einstudirt, die viel Kosten machen würden.

Julie läßt ihre Arbeit fallen; der Baron und der Geheime Rath bücken sich, und stoßen mit den Köpfen aneinander.

Dornberg. Je vous demande pardon.

Wagemann. Sie haben einen harten Kopf.

Dornberg. Verzeihen Sie –

Wagemann. Thut nichts! – Ei der tausend, – das kömmt von der Höflichkeit!

Ehlert. Ja wohl.

Dornberg. Sie scheinen sie nicht zu lieben.

Ehlert. O doch, aber ich meinte nur –

Dornberg. Daß es bequemer sei.

Ehlert. Ja, wenn man's so nimmt.

Ahlfeld. Reisen sie blos durch Berlin?

Ehlert. Ich will meine Braut, – Hustet. meine Braut,– aus Sachsen abholen.

Dornberg. Sie verheirathen sich?

Ehlert. Aufzuwarten.

Wagemann. Aber Alter, – nach dem Essen und Trinken schmeckt eine Pfeife, willst Du mir den Gefallen thun –

Ahlfeld. Gleich, gleich – Klingelt.

Walther kömmt.

Ahlfeld. Pfeifen und Taback.

Walther. Ganz wohl. Ab.

Wagemann. Sie nehmen's mir doch nicht übel, liebes Kind? –

Julie. Ganz und gar nicht.

Walther, bringt Pfeifen, Taback und Licht. Ab.

Wagemann nimmt eine Pfeife und stopft.

Julie zu Ehlert. Rauchen Sie nicht auch?

Ehlert. Nein, – ich danke.

Julie. Geniren Sie sich nicht, Sie rauchen gewiß, – ich bitte recht sehr.

Ehlert. Nun, wenn Sie denn so befehlen.

Dornberg. Das Rauchen muß Ihnen schön stehn.

Ehlert. Ich thue – manchmal guten Freunden zu Gefallen, – und wenn ich sonst nichts zu sprechen weiß.

Wagemann. Recht so, Herr Justizkommissarius, da haben Sie mein Gemüth. – Hör' doch 'mal, Alter – Nimmt Ahlfeld beiseit.

Julie. Wie finden Sie Berlin?

Ehlert. Recht hübsch, gut ausgebaut.

Dornberg. Ihre Braut ist ohne Zweifel sehr liebenswürdig?

Ehlert. So ziemlich, – so ziemlich – mit Ihrer Erlaubniß.

Dornberg. Nun, wenn Sie sie nur liebenswürdig finden, so ist das schon genug.

Ahlfeld. Ja wohl, da haben Sie Recht, Herr Baron, der Bräutigam ist dabei die Hauptperson, das pereptuum – wie ich sagen wollte, primum mobile.

Rothmann, zu Dornberg. Darf ich Ihnen morgen den Versuch meiner Uebersetzung überreichen?

Dornberg. Sehr gern. – Zu Julien. Er hat mir für Sie ein paar Sonnette übersetzt, die unvergleichlich sind.

Ahlfeld. A propos, Herr – Werner, – was ich sagen wollte, ist's denn wahr, was ich neulich von Ihnen gehört habe, daß sie sich manchmal wahrsagen ließen?

Ehlert, legt die Pfeife hin. Wie?

Werner. O ja, warum nicht?

Ahlfeld. Sind Sie abergläubisch?

Werner, mit einem Blick auf Julien. Ich bin es immer gewesen.

Ehlert, steht auf, zieht die Brieftasche hervor, und überreicht Ahlfeld seine Briefe. Ah! verzeihen Sie, das hätte ich beinahe ganz vergessen.

Ahlfeld Ah! von meinem lieben Freunde? – ist er wohl und gesund?

Ehlert. Vollkommen.

Ahlfeld. Das freut mich ungemein. – Sie sagen also selbst, Herr Werner, daß Sie so abergläubisch sind?

Werner. Warum sollt' ich meine Schwäche nicht bekennen? Ja! Jeder Mensch ist auf seine eigne Art ein Thor, – ich habe bei alten Weibern einigemal mehr Wahrheit gefunden, als bei –

Ahlfeld. Als bei wem?

Werner. – jungen.

Ahlfeld. Ah, Sie wollen sich auf eine witzige Art aus dem Handel ziehen; aber Sie sollen uns nicht entkommen.

Werner. Ich schwöre Ihnen zu, – nennen Sie es Schwäche, oder wie Sie wollen, ich habe mich ein paarmal, aus Neugier, langer Weile, Sucht zum Seltsamen, verleiten lassen, ein solches Weib zu besuchen, und jedesmal, wenn ich vor ihr stand, mußte ich, wider meinen Willen, alles glauben, was sie mir vorsagte.

Dornberg. Sehr schwach.

Werner. Oder auch stark, wie man's nimmt. Sie sind zu vernünftig, um sich auf eine Viertelstunde so täuschen zu lassen.

Walther legt eine große Brieftasche auf den Tisch. Die Zeitungen! – Ab.

Ahlfeld. Ah! die Zeitungen, politische und gelehrte! – Hier. Er öffnet die Brieftasche.

Wagemann. Ist der Hamburger Korrespondent dabei?

Ahlfeld. O ja! wie würde ich den fehlen lassen! –

Jeder nimmt ein Blatt und liest; der Baron und Julie sprechen heimlich mit einander.

Werner. Ehlert!

Ehlert. Was willst Du?

Werner. Sieh einmal die Narren, wie jeder nun mit einem Blatte vor der Nase sitzt.

Ehlert. Je laß sie doch, sie wollen ja die Zeitungen lesen.

Werner. Laß Dich doch nicht so zum Besten haben.

Ehlert. Sie thun mir ja nichts.

Werner. O Du Gutmüthigkeit! – Mir sind sie alle verhaßt! – Sieh nur Ahlfelds Mienen, der sich gewiß darüber wundert, daß er nicht unter den Beförderten genannt ist. – Ich möchte lachen, und mich ärgern. – Und Julie, – je nun, mag sie's haben, ich gönne ihr ihr Glück; – ich wollte sie sprechen und ihr sagen – ach! es ist alles einerlei!– Komm, willst Du mit in den Garten gehn? Ich muß mich von diesen Gesichtern erholen.

Ehlert. Es schickt sich doch wohl nicht, ich bin hier so fremd.

Werner. Nun so geh' ich eine Weile spazieren; ich seh' Dich bald wieder. Ab.


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