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Die Suffragettes

Käthe Schirmacher: Die Suffragettes - Kapitel 9
Quellenangabe
authorKaethe Schirmacher
titleDie Suffragettes
publisherFrauen-Clit Verlag
year1976
firstpub1912
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170819
projectidd8c94866
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Die Suffragettes und die Polizei.

Als Mrs. Pankhurst im Oktober 1908 ihre Verteidigungsrede vor dem Polizeigericht schloß, »waren einige der großen, stämmigen Polizisten, die wir so gut kannten und die, außer bei den Deputationen, wo sie den Befehlen nachkommen mußten, so freundlich und gemütlich waren, in Tränen.« The Suffragette. S. 320. Als Mr. Hawkins, von der Men's League, von liberalen Saalordnern in rohester Weise aus Mr. Churchills Versammlung geworfen wurde, sagte ein angewiderter Polizist; »Die haben jedes Anstandsgefühl verloren, das sind keine Männer mehr.«

Diese Worte kennzeichnen die Gefühle der Polizei den Suffragettes gegenüber. Von Anfang an (siehe die Versammlung in Manchester 13. 10 1905) bei der Polizei Verständnis und Entgegenkommen; viele Polizisten gute Freunde der W. S. P. U., die ihnen ja sehr viel Arbeit und Mehrarbeit bereitete, aber auch, bei ihren Umzügen z. B., Rücksicht auf die Polizisten nahm. (Urlaub u. a.) Stets von seiten der W. S. P. U. ein Wort der Anerkennung für die Dienste dieser Wächter der Ordnung und des Gesetzes. – Daß die Brutalitäten des Black Friday usw. nicht auf Rechnung der Polizei zu setzen, wissen die Suffragettes wohl. Die geschahen auf »höheren Befehl«. Und höherer Befehl wirkte überall, wo Suffragettes arretiert, männliche Rohlinge aber freigelassen werden (bei der Wahl in Newton Abbey, in Saltburn on Sea, beim Einschlagen der Fenster des Suffragetteladens usw.).

Ein Teil der Polizisten hat auch den Roheiten auf höheren Befehl noch von dem eigenen hinzugetan, denn, wie Sir George Kemp so richtig sagt, die mittelalterliche oder orientalische Anschauung von der Frau ist noch weit verbreitet, warum nicht auch bei der Polizei? Findet sie sich doch bei Parlamentariern. – Nicht wenige der Polizisten aber sind Frauenstimmrechtler, teils von Natur, teils langsam überzeugt und dauernd gewonnen durch die freundliche Heiterkeit der Suffragettes, ihren Humor, ihre Geduld, Ausdauer, Findigkeit und ihren unerschütterlichen Mut. Die Polizei kennt die Suffragettes am besten. Seit 7 Jahren hat sie sie buchstäblich in Händen. Sie hat sie zerschlagen und zerrauft, zerrissen und beschmutzt gesehen, im Gefängniswagen, auf der Anklagebank, vor dem Polizeigericht; fragt man sie aber, ob das »noch Damen« sind – die Polizei wird es nie leugnen. Sie weiß ganz genau, dieses sind »ladies«, eine ganz andere Sorte Leute als das gewöhnliche Publikum der Polizeigerichte. Auch hier geschieht wieder eine der tiefsten sozialen Einwirkungen der Suffragettes: die Polizisten sind Söhne des Volks, sie kennen das Elend der breiten Massen, sie sehen, daß Damen, ladies, gegen dieses Elend kämpfen, sie hören die Verhandlungen, die Reden vor Gericht, sie lesen die Zeitungen, und durch sie verbreitet sich in den tiefen Schichten der Glaube an die erlösende Mission der Frau, die Hoffnung auf eine besser eingerichtete Welt. Siehe Kapitel IV von No Surrender, die Schilderung der beiden Polizisten.

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