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Die Suffragettes

Käthe Schirmacher: Die Suffragettes - Kapitel 8
Quellenangabe
authorKaethe Schirmacher
titleDie Suffragettes
publisherFrauen-Clit Verlag
year1976
firstpub1912
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170819
projectidd8c94866
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Die Suffragettes und das Gefängnis.

Noch wirksamer wurde der Einzug der Suffragettes in die englischen Gefängnisse. Gleich den Polizeigerichten wurden sie durch solche Gefangenen geadelt. Gleich den Polizeigerichten machten sie den Suffragettes ganz klar, daß – wie Gesetzgebung und Rechtsprechung – auch der Strafvollzug unwirksam, unsozial, unmütterlich sei, und nur das Frauenstimmrecht dieses ändern könne. Seit die Suffragettes in Holloway einzogen, hat sich zum ersten Male genaue Kenntnis des englischen Gefängniswesens in den maßgebenden Kreisen verbreitet, heute wissen die Gebildeten, wie es dort zugeht, und das zwingt sie zur Reform. Seit die Suffragettes in Holloway einzogen, ist – durch deren Kämpfe und Leiden, durch die geschmähte »militancy«, das Los aller weiblichen Gefangenen Englands etwas erleichtert. Ein weiblicher Arzt, Dr. Mary Gordon, ist als Gefängnisinspektor angestellt; einige Verbesserungen in der Lebenshaltung sind getroffen The Suffragette. S. 256 (die II. Abteilung in Holloway erhält jetzt z. B. Nachtkleider). Der Geist der Gefangenen ist ein anderer geworden, denn die Beamten haben es nicht mehr mit widerstands- und einflußlosen Geschöpfen zu tun. Ihr Tun kommt an die große Glocke, wird öffentlich. Alle Mängel, Übelstände und Scheußlichkeiten Holloways – ungesunde, luftlose, feuchte, halbdunkle Zellen, hier und da Ungeziefer, die ekligen Badewannen, die schlechte Nahrung, die Barschheit der Wärterinnen, The Suffragette. S. 337 ff., 409 ff. die Roheit der Ärzte, die Mißhandlungen in der Strafzelle und die Marter der Zwangsernährung, das alles ist heute im ganzen Lande bekannt und heischt Abhilfe. Vor allem – die gewöhnlichen Gefangenen von Holloway, die sozialen Wracks aller Art, die da gestrandet, die Frauen der III. Abteilung, die denen der II. gewisse Dienste leisten (Wassertragen, unter Umständen die Zelle reinigen u. a. m.) und die dafür stets mit einem freundlichen Blick, einem Dankeswort belohnt wurden, die wußten, daß »feine Damen« die entehrende Gefängnistracht trugen, eine Nummer waren, und sie fühlten, daß diese »feinen Damen« sie nicht verachteten, sondern bemitleideten, liebten, ihnen helfen wollten. Welche Tiefen des Elends und der Not, welche Tiefen der Volksseele werden da nicht erreicht. Wie verbreitete sich diese Botschaft in den breiten Massen, die rastlos zwischen dem Ostend und Holloway hin- und hergespült werden. Wohl steht hinter den Suffragettes »a great popular demand«, die der sozialen Frauennot. Und Holloway hat beide unauflöslich verkettet. Die kennen sich nun, »bis der Tod sie scheidet«. Und was kann Frauen, die so Schreckliches gesehen, noch die Konvention der eleganten Welt, des Salons sein? Sie tragen ganz andres Verlangen. Sie waren in der Tiefe, bei Dieben und Mördern, bei Stehlern und Hehlern, den Mühseligen und Beladenen, den Ausgestoßenen, und es hungert und dürstet sie nach Gerechtigkeit für alle.

Die Gefängnisbehörden haben sich meist harthörig gezeigt, die Gefängnisgeistlichen manchmal verständnisvoll. Die Ärzte scheinen, im allgemeinen, rauh, z. T. gewissenlos und willige Werkzeuge der ministeriellen Rachsucht gewesen zu sein. Ein Teil der Wärterinnen hat Mitgefühl gezeigt. Die meisten aber, schon für gewöhnlich überarbeitet, jetzt durch den Widerstand der Suffragettes, der ja für sie oft zeitraubend war, noch mehr belastet, auch gewöhnt an unkontrollierte Ausübung unbefugter Gewalt, haben sich als richtige Schergen erwiesen. Galt es doch, die Zufriedenheit der Vorgesetzten zu erwerben und ist doch schon von vornherein ein robuster Mensch, mit wenig Zartgefühl, sagen wir, eine weibliche Unteroffiziersnatur, Grundbedingung für die Wahl dieser Laufbahn. Sehr anschauliche Schilderungen in No Surrender, Kap. IV, V, VI. Siehe weiter: Votes for Women, 9. 7. 1908. What prison means to Suffragettes; 19. 11. 1908. In Holloway Goal; 12. 3. 1909. Why I am in prison; 19. und 26. 3. 1909. The signs of the Times; 30. 4. 1909. Prison; 30. 7. 1909. Suffragettes in Prison. – Beschreibung der Einkleidung, der Zelle, des Tagewerks: The Suffragette, S. 109 ff. – Über den Hungerstrike: daselbst S. 394 ff, 454 ff, 483ff. Dann Votes for Women, 9., 23., 30. 7. 1909; 6., 13., 20. 7. 1909; 8., 15., 22., 29. 10. 1909; 5. und 26. 11., 17. 12. 1909; 28. 1. 1910; 18. 2. 1910; 27. 5. 1910; 3.6. 1910; 6. 1. 1911; 14., 21., 28.6. 1912; 5. 7. 1912.

Die Barbarei der Regierung. Zwangsernährung im Gefängnis.
Aus Votes for Women.

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