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Die Söhne des Herrn Budiwoj

August Sperl: Die Söhne des Herrn Budiwoj - Kapitel 24
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typeDie Söhne des Herrn Budiwoj
authorAugust Sperl
titleDie Söhne des Herrn Budiwoj
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
printrun35. bis 38. Tausend
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Anmerkungen

Die folgenden Anmerkungen haben den Zweck, einige geschichtliche und kulturgeschichtliche Aufklärungen zu geben. Von der Dichtung selbst sind die Anmerkungen absichtlich streng getrennt gehalten, auch zum Verständnis jener nicht durchaus notwendig. Immerhin werden sie vielleicht manchem Leser und mancher Leserin willkommen sein.

 

Die deutsche Herkunft des Dynastengeschlechtes der Witigonen, d. i. der Abkömmlinge eines gewissen Witigo, ist durch Folgendes bewiesen: Der Personenname Witigo ist unzweifelhaft deutsch (Wedecke, Wittich, Wiedeck, Witko, vgl. Förstemann, altd. Namenbuch). Also stammt das Geschlecht von einem Manne ab, der einen deutschen Namen führte. » Witkones« heißt das ganze Geschlecht schon bei Neplach. Der älteste bekannte Stammvater ist Witigo von Purschitz (einer Burg bei Sedletz), der im Jahre 1194 starb. Die meisten seiner Nachkommen führen deutsche Namen, darunter besonders viele den Namen Witigo. ( Zawisch ist slawisch, cf. Vierteljahrsschrift für Heraldik u. s. w. XIV, Heft 1, S. 100.) Enge Beziehungen bestanden zwischen den Witigonen und Passau, und eine noch vor einem Menschenalter im Böhmerwalde verbreitet gewesene Sage ließ die Witigonen aus dem Süden gekommen sein. Und diese Sage trifft, wie vor einiger Zeit von Heinrich Sperl ausführlich dargetan worden ist, das Richtige: Die Witigonen besaßen schon frühzeitig das Gericht Haslach östlich der großen Mühl von St. Oswald bis zur Donau hinab, und hier ist ihre ursprüngliche Heimat. Hier erscheint 1209 ein Witigo de Planchinberc ( M. B. XXIX, II, S. 280), und der Witigone Witko de Perchijc (Purschitz), Sohn des ältesten bekannten Stammhalters aller böhmischen Witigonen, war ebenfalls ein Plankenberger. Denn die Legende seines, an jener bekannten Urkunde v. J. 1220 hängenden Siegels, die Professor Kolaø im 10. Bande des »Adler« seltsamerweise als » Sigillum domini Vitkonis de Plathinberg« entziffert, lautet, wie die genaue Untersuchung einer uns vom fürstlichen Zentralarchivdirektor Herrn A. Mörath in Krummau (vgl. auch dessen »Forschungen zur ältesten Geschichte der Stadt Krummau«) gütigst zur Verfügung gestellten Photographie ergeben hat, † WITKO DE PL. NKIN. ERC. Damit ist die Fabel von der tschechisch-mährischen Herkunft dieses urdeutschen Geschlechts für uns Deutsche endgültig abgetan. Die Witigonen sind Plankenberger und wahrscheinlich dem bayerischen Dynastengeschlechte der Falkensteine nahe verwandt gewesen. Die Tschechen freilich werden nach wie vor dieses berühmteste deutschböhmische Geschlecht für sich reklamieren – wenn auch schon im Jahre 1282 die Blutsverwandtschaft zwischen den Habsburgern und Rosenbergern urkundlich bezeugt worden ist, wenn auch schon im 13. Jahrhundert der tschechische Reimchronist Dalimil (Kapitel 58 der mittelhochdeutschen Übersetzung) die Witigonen als fremde Eindringlinge bezeichnet und seinem Ärger über das Aufblühen der Rose unzweideutigen Ausdruck verleiht, und wenn auch die Witigonen selbst, die den Böhmerwald germanisiert hatten und der tschechisch-husitischen Bewegung schroff entgegengetreten waren, sich nie für Tschechen ausgegeben haben. Mit demselben Rechte könnte aber vielleicht in dreihundert Jahren irgend ein tschechischer Historiker die tschechische Herkunft des urdeutschen Geschlechts der Schwarzenbergs zu beweisen versuchen.

S. 3. Krummenau, Krombenowe, jetzt Krummau.

Palas, der Wohnsitz des Herrn in der innern Burg. Er bestand zuweilen auch aus mehreren Häusern.

Bergfried ( bercvrit), der Hauptturm der Burg und nicht, wie z. B. A. Schultz in seinem vortrefflichen Werke über das höfische Leben zur Zeit der Minnesänger noch annimmt, ein »Holzturm«. (Vgl. auch Beilage zur »Allg. Ztg.« 1895 Nr. 198, Besprechung der Pieper'schen Burgenkunde.)

Das oberste Stockwerk dieses wichtigsten Bollwerkes jeder Burg bewohnte der Wächter. Oft befand sich auch ein besonderes Wächterhäuschen auf der Plattform. Da in Zeiten der Not dieser Bergfried unter Umständen auch als letzter Zufluchtort für die Besatzung zu dienen hatte, so war die Eingangtüre gewöhnlich 20-40 Fuß über dem Erdboden angebracht und nur auf Leitern oder Treppen zugänglich.

S. 4. Vorburg, Teil der Gesamtburg, aber außerhalb der eigentlichen Burg angelegt. Hier befanden sich sämtliche Wirtschaftsgebäude.

Herr Marschalk. Der Untergebene gebrauchte damals dem Vornehmeren gegenüber das Wort Herr, obgleich dasselbe eigentlich den Freiherrn, d. i. den Dynasten, bezeichnete.

Marschalk. Das Wort bedeutet ursprünglich »Pferdeknecht«. Dann wurde der Marschalk der Inhaber eines der wichtigsten Ämter auf der Herren- (Dynasten-)Burg: Er hatte die Aufsicht über den Stall und über alles, was mit dem Waffenhandwerke zusammenhing, sowie im Kriege den Befehl über die reisigen Mannen. Altmarschalk (nach Analogie des Wortes altvrouwe, Mutter des regierenden Fürsten, gebildet) = der wegen hohen Alters nicht mehr im Dienste befindliche Marschalk.

S. 6. Zawisch wird »Sawisch« gelesen.

S. 13. In der Nische des Fensters. In Dichtungen dieser Periode sind Redensarten, wie » in ein venster er gesaz« » in diu venster – gebettet« regelmäßig. Die Fensternische lag übrigens meist so hoch, daß sie von der Kemenate aus nur durch einen Antritt zu erreichen war. (Schultz.)

S. 18. An der March – die Schlacht auf dem Marchfelde vom 12. Juli 1260, in der König Ottokar II. von Böhmen die Ungarn aufs Haupt schlug.

S. 24. Jahreswende. Bis zum 16. Jahrhundert begann in Böhmen das neue Jahr mit dem 25. Dezember. Den Abend nach Sonnenuntergang rechnete man schon zum folgenden Tage, also begann Neujahr mit dem Christabende.

S, 29. Erchtag, Tag des Ziu oder Er (röm. Mars), Dienstag.

S. 32. Ranariedel und Falkenstein, ersteres am Eingange ins Ranatal, unterhalb Engelhartszell am linken Donauufer, heute noch bewohnt, letzteres im Ranatale selbst, heute Ruine. – Skalitz. Unter den drei gleichnamigen Orten das bei Tabor gelegene Skalitz.

Einung, mhd. einunge, Vereinigung, Bündnis.

S. 38. und daraus hat das Wirrsal seinen Anfang genommen. Zum Verständnisse dieser Klage Pilgrams sowie vieler anderer Partien der Dichtung ist hier vielleicht ein kurzer Hinweis auf die Ständeordnung des ausgehenden deutschen Mittelalters wünschenswert. Den ersten Stand bildeten die Fürsten, Grafen und Freien (Hochfreien). Nachgeborene Fürstenkinder wurden nur noch zu den Hochfreien gezählt. Ebenso sank z. B. ein depossedierter Hochfreier in den Stand der Gemeinfreien – Grundbesitz war eben die Voraussetzung für alle Standesordnung. Neben dem Hochfreien, der meistens auch Ritter war, sehen wir den Stand der unfreien Ritter, der Ministerialen, Dienstleute oder Mannen, Leute, die der Fürst oder hochfreie Herr aus seinen Eigenleuten wählt und im Reiterdienste verwendet. So konnte z. B. von zwei Brüdern der eine Reiter im Dienste seines Herrn, der andere höriger Handwerker oder Bauer sein. Da aber der Reiterdienst naturgemäß sich forterben mußte, so bildete sich aus den Ministerialen sehr bald ein, wenn auch unfreier, so doch sehr angesehener, erblicher Ritterstand, der nicht nur auf seine Mithörigen, sondern bald auch auf die freien Bauern heruntersah. Hier galt dann das Wort: Je vornehmer der Herr, desto vornehmer der Knecht. Die Vornehmsten waren die Reichsdienstmannen. – Der Ministeriale selbst konnte wiederum Eigenritter hinter sich haben.

Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts begaben sich unter dem Drucke äußerer Verhältnisse oft nicht nur Freie, sondern auch Hochfreie als Ministerialen unter den Schutz eines Mächtigen. Dadurch gewann natürlich der ganze Ministerialenstand. – »In Österreich und Steiermark gelang es den herzoglichen Dienstmannen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch straffes Zusammenhalten und kluge Benutzung der politischen Lage, nicht nur alle Spuren der Unfreiheit abzustreifen, sondern sich sogar in den Stand der bis dahin im Lande wenig zahlreichen Edeln emporzuschwingen. Während die Ministerialen so aus unfreien Dienstmannen zu edeln Dienstherren oder Landherren wurden, stiegen zwar die eigenen Ritter zu dem Range, den anderwärts die Dienstmannen einnahmen, empor,« blieben aber unfrei. Vgl. Schröder, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte, Leipzig, 1889, § 42.

S. 39. Verdeckte Rosse, equi cooperti (chron. Colm.). Die Sitte, auch die Rosse durch einen den Kopf, den Hals, die Brust und den Leib bis zum Buge umhüllende Decke aus Eisenringen zu schützen, kam erst im 13. Jahrhundert auf.

S. 42. Hube = Hof, d. i. Haus und Hofstätte, Ackerland und Recht an der gem. Mark.

S. 44. Nordgau. Die heutige Oberpfalz ist ein Teil des alten Nordgaus.

S. 45. Hoppaldei, bäuerischer Tanz, ( do er sank den niuwen hoppaldei, Nith.)

S. 53. Leiche ... die aufgerichtet dasaß. Die Witigonen sitzen nach der noch heute in Hohenfurt bewahrten Sage auf Stühlen in ihrer Gruft.

S. 60. Oremus etc. Laßt uns beten für alle abgeschiedenen Gläubigen! – Gib ihnen die ewige Ruhe!

S. 66. Schwertgemagte, (gemâget = verwandt), Verwandte von väterlicher Seite.

S. 67. und Dach. Die Brücken in dortiger Gegend waren und sind teilweise heute noch mit einem Dache versehen.

S. 71. Alter Zeiten etc. Die Berchta-Sage, die Sage von der weißen Frau, war auch im Witigonengeschlechte heimisch.

S. 75. Zum Gekorenen. Die Vorstände der zu Schutz und Trutz gegründeten freien ritterlichen Eidgenossenschaften hießen »Hauptleute«, »Könige«, »Marschälle«, »Oberste«, »Gekorene über die Einung«.

S. 80. Treifen, frz. tref, Hütte.

S. 81. Lyoner, auch Waldenser oder Waldesier, ketzerische Sekte, also genannt nach der Stadt Lyon, bezw. ihrem Stifter Waldez. Gestiftet zwischen 1179 und 1218.

S. 85. Wer ist denn im Rechte, König Rudolf oder König Ottokar? 1256-1273 Interregnum in Deutschland. 1273, 29. September, Rudolf, Graf von Habsburg und Kyburg, Landgraf im Elsaß, zum römischen König gewählt. Die Seele der Wahl Friedrich, Burggraf von Nürnberg. König Ottokar II. von Böhmen hatte nach dem Aussterben der Babenberger Herzoge (1246) Österreich in Besitz genommen hatte den Ungarn Steiermark abgerungen, Kärnthen und Kram durch Erbschaft erworben. Der zu Nürnberg im Herbste des Jahres 1274 versammelte Reichstag beschloß, von allen Gütern, die Kaiser Friedrich II. vor seiner Exkommunikation besessen, sowie von sonstigen heimgefallenen, aber okkupierten Reichsgütern solle König Rudolf Besitz ergreifen. König Ottokar protestierte gegen die Rechtmäßigkeit der Wahl Rudolfs. Der zu Augsburg im Frühjahre 1275 versammelte Reichstag bestätigte den Beschluß, daß Ottokar die österreichischen Länder als heimgefallene Lehen herauszugeben habe. Am 24. Juni 1276 wurde die Reichsacht über Ottokar verhängt, der Krieg erklärt und die Aufforderung erlassen, dem Geächteten den Gehorsam zu verweigern.

S. 88. Gastmeister, magister hospitum, ein Mönch, gewöhnlich ein Laienbruder.

Faltstuhl, valtstuol (Erec), gevalder stuol, unser Feldstuhl, Stuhl zum Zusammenklappen, ohne Lehne.

S. 89. das Faß, helmvazz der vorne bis über das Kinn, hinten bis zum Nacken reichende Ritterhelm des dreizehnten Jahrhunderts.

S. 95. Ratung, ratunge, Beratung.

S. 96. Paltram, Rüdiger, der berühmte Bürgermeister von Wien, der inmitten des allgemeinen Abfalles König Rudolf Trotz bot.

S. 97. in den Ring getreten. Bei der Verlobung schlossen die Zeugen einen Ring um das Brautpaar.

S. 99. der Herzog von Troppau, Nikolaus, natürlicher Sohn König Ottokars.

S. 108. dovolte, tsch., erlaubet!

S. 118. ergo ego fidelis, also will ich treu sein!

S. 128. Spannbette, spanbette, Bett, dessen Pfühl auf unterspannten Bändern liegt.

S. 143. hinter dem schweren Teppiche. Diese Wandteppiche waren mit Ringen an entsprechenden Gestellen aufgehängt; die Gestelle standen nicht hart an der Wand, sondern ließen einen Zwischenraum, in dem man sich gelegentlich auch verbergen konnte. » Und scleich hinder den umbehanc

S. 143. Kanzler Peter, Propst auf dem Wyschehrad.

S. 144. auf die elfte Stunde. »Der Beginn des dies naturalis wurde im M.A. meist vom Sonnenuntergang an gerechnet. So allgemein im Osten Deutschlands und in Italien. ... Man zählte von da ab bis zum nächsten Sonnenuntergang 24 Stunden gleicher Länge ... In Böhmen, wo man diese Stundenzählung gleichfalls hatte, fällt ihre Beseitigung erst ins 17. Jahrh. ... So änderte Budweis erst 1667 die ganze Uhr in die halbe um.« (Grotefend.)

S. 145. Schupan, suppani oder comites, Grafen, d. h. die mit Landesämtern belehnten böhmischen Edeln.

S. 146. Libuscha. Krok, der sagenhafte Böhmenfürst des 7. Jahrhunderts, hinterließ drei Töchter. Kazi, Teta, Libuscha. Libuscha wurde ihres Vaters Nachfolgerin und wählte zu ihrem Gemahle den Prschemisl aus Staditz, den ihre Boten, geführt vom Pferde der Fürstin, vom Pfluge wegholten. Die Bastschuhe dieses Ahnherrn der Prschemisliden zeigte man noch im 12. Jahrhundert zu Cosmas', des Chronisten, Zeit.

S. 149. und haben sich in unser Erbe gesetzt. König Ottokar II. vertrieb von den Stätten, die er den deutschen Einwanderern anwies, die einheimischen Bewohner, die dann meist in der Nähe neue Orte mit Beibehaltung des alten Namens gründeten.

S. 149. für den Tag im Wintermonat vor zwei Jahren. Ottokar hatte am 26. November 1276 im Lager vor Wien, nach der Sitte der Zeit kniend, aus Rudolfs Händen das Königreich Böhmen und die Markgrafschaft Mähren als Lehen empfangen.

S. 151. Sobieslaw, Sobieslaw II., † 1180.

S. 152. deine eigene Staufen-Nase. König Ottokars Mutter war Kunigunde von Hohenstaufen.

S. 156. Wohlauf, wohlan etc. Ein – jedenfalls uraltes – schwäbisches Wächterlied (Wörnitztal).

S. 158. Sarjanten, alle nicht ritterbürtigen, gemeinen, zu Fuß kämpfenden, gleichviel ob dienstpflichtigen oder geworbenen Soldaten ( servientes).

S. 159. Aller meine Feinde Waffen, Aller miner vînde waffen – diu ligen unde slâfen – und sîn also palwahs – als waere mîner frouwen fahs – dô si den heiligen Crist gebaere – und doch ein reiniu meit waere. – mîn houbet sî mir staelîn – dehein wâfen snîde darîn. – mîn swert eine – wil ich von dem segen scheiden – daz snîde unde bîze – allez daz ich ez heize – von mînen handen – und von niemans andern. – Aus dem Münchener Ausfahrtsegen. Wackernagel.

S. 163. Senftenier. Eine gepolsterte Binde zum Schutze des Unterleibs. Mit dem Senftenier verbunden das Huffenier, ein Schutzpolster für die Hüften.

S. 164 f. Finteil, ventaculum, mhd. finteile. An der Brünne – (s. u.) – war eine ebenfalls mit Ringen benähte Kapuze, das Härsenier, befestigt, das man über den durch eine weiche, gepolsterte Mütze bedeckten Schädel zog. Das Härsenier schützte nun den Nacken, den Schädel, die Hälfte der Stirne, die Wangen teilweise, das Kinn aber und die untere Hälfte des Gesichtes blieben frei. Zum Schutze letzterer diente das Finteil, ein ziemlich breiter Panzerstreifen, der an der rechten Seite des Härseniers herabhing, unmittelbar vor der Schlacht jedoch über Kinn und Mund gelegt, an der linken Wange emporgezogen und auf dem Schädel mit Riemen befestigt wurde.

Schinneliere, Eisenschalen zum Schutze der Kniescheiben.

Brünne, ein Waffenhemd aus Leder oder dickem Zeugstoffe, auf das Metallplatten oder Ringe genäht waren.

Platten. »Über die Brünne legte man zu größerem Schutze auch noch Platten an.« (Schultz.)

Der Hut, ein Eilenhut, den man auf das Härsenier setzte.

Die Mütze, Filzmütze, die man wiederum auf den Eisenhut setzte. Erst über diese wurde dann der Helm gestülpt.

S. 167. Wie die weißen Engelskinder. Da sach man sie gezieret baz Aber hin zu velde zogen, Als engel waeren dar geflogen Ûz dem heiligen paradîs. (Engelh., Zitat bei Schultz, II, 105.)

S. 173. In Gottes Namen fahren wir, in gotis namen varen wir u. s. f., das bekannte, uralte Kreuzfahrerlied.

Hospodin, pomiluj ny! Herr, erbarme dich unser!

S. 180. Heia, erster Stich! Der Stich »zem puneiz«, d. i. die erste von den fünf üblichen Angriffsformen (jeder versticht seinen Speer und sucht den Gegner aus dem Sattel zu heben, damit den Durchbruch des feindlichen Keiles zu ermöglichen). Hatte ein Treffen das andere durchbrochen und die feindliche Schar durchritten, so machte es dann Kehrt, ritt noch einmal zurück und vollendete die Niederlage. Das nannte man den Stich »zer volge«. (Schultz.)

S. 182. Kehret euch! nämlich zum zweiten Stiche, zu dem es aber infolge des neuen Angriffes von Seiten der Römischen nicht kam.

S. 183. Schwärme kumanischer Schützen. Vgl. die Schilderung bei Schmid, Graf Albert von Hohenberg.

als flögen Schwärme klappernder Störche. Daz die senib erduzzen und nach dem snall erklungen. Ottokar v. Steier. – Da begunden snateren die bogn sô die storche im neste (Willeh. 375, 10. Zitat bei Schultz, II, 202).

S. 209. die Herren Geschworenen, die Glieder des Prager Stadtrates. An der Spitze der ganzen Stadtgemeinde stand der »Stadtrichter«.

S. 210. Fritschal, feines Tuch von gelber oder grüner Farbe.

S. 215. zerriß seine Kleider. Der Interpol. und Übersetzer des Dalimil:

Do verschid er leidir,
Di deutschin ir cleidir
Vor leid mugin rissin etc.

S. 216. von der Kleinseite. Die alte oder größere Stadt Prag ( antiqua civitas, maior civitas) lag wie heute auf dem rechten Moldauufer, die neue Stadt, kleinere Stadt Prag auf dem linken Ufer unter dem Hradschin. Beide waren mit Mauern und Gräben umgeben.

S. 218. den langen Brandenburger, den Otto, Markgraf Otto der Lange von Brandenburg, Ottokars Schwestersohn.

S. 240. Tu ne cede malis etc. Weiche du nicht zurück in der Gefahr, sondern geh um so tapferer vorwärts!

S. 243. Mens agitat molem , der Geist bewegt die Materie.

S. 256. Stickrahmen, » Disiu worhte an der ram

S. 259. auf dem die große Karte lag. Schon Aegidius Colonna, de regimine principum, empfiehlt dem Heerführer die Terrainkarte.

S. 265. Unterkämmerer, hoher böhmischer Kronbeamter. 267 f. Äpfel schneiden sie. Wer beim Apfelschneiden in der Christnacht keinen richtigen Stern aufweisen kann, darf sich im kommenden Jahre des Sterbens versehen.

Lichtelschwimmen. Kommen zwei besonders gezeichnete, in einem Wasserbecken schwimmende, mit brennenden Lichtlein versehene Nußschalen zusammen, so bedeutet das eine glückliche Heirat, jähes Erlöschen derselben aber nahen Tod.

S. 271. geteidingt, tagedingen, tegedingen, teidingen, gerichtlich verhandeln, überhaupt verhandeln.

S. 307. Es war ein Fürstenkind. Kunigunde war König Belas von Ungarn Enkelin, Tochter des russischen Fürsten Rostislaw Michailowitz.

S. 315. Wyschehrad. Der Palast auf dem Wyschehrad war der älteste Sitz der böhmischen Fürsten, aber seit dem Ende des 12. oder Anfange des 13. Jahrhunderts als solcher verwüstet und verlassen. Dagegen befanden sich dort noch immer die Wohnsitze der Prälaten und Domherren vom Wyschehrad.

S. 318 ff. Strahow. Vornehmstes aller böhmischen und mährischen Prämonstratenserklöster. Die hier eingefügte Chronik ist Dichtung auf historischer Grundlage. ( Chronicon aulae regiae, s. u.)

S. 319. Armarius, Bibliothekar des Klosters, dem zumeist auch das Amt des Kantors oblag.

S. 320. Echterin, ehterin, ahterin, der achte Teil eines Maßes.

S. 329. Bimssteine. Mit diesen wurde die Schrift vom Pergamente radiert.

S. 346. Wenzelkrone. W. der Heilige, Herzog in Böhmen, 935 auf Befehl seines Bruders Boleslaw vor der Kirche in Bunzlau ermordet, ist der Schutzpatron Böhmens. »Der Helm Wenceslaws, von uralter Arbeit, welcher, wie es scheint, schon seinen Ahnen gehört hatte, ebenso sein Schwert und sein Panzerhemd wurden als teure Reliquien bewahrt.« (Tomek.)

S. 349. Boleslaw I. † 967. – Boleslaw der Rothaarige wurde Herzog nach seines Vaters, Boleslaws II., Tode, 999.

einem Fremdlinge, dem polnischen Prinzen Wladiwoj, † 1003.

S. 358. König Wenzels Großvater, Wenzel, Vater König Ottokars. Sein Minnelied s. bei v. d. Hagen.

S. 364. Reinmar von Hagenau, † c. 1206, der bedeutendste Minnesänger vor Walther von der Vogelweide, der von ihm sagte:

Und haetest anders niht, wan eine rede gesungen:
»So wol dir, wip, wie reine din nam!« du heatest an ir lob alse gestriten
Daz elliu wip dir ie mer genaden solten biten.

S. 365. ein anderer, Herr Christian von Hamle.

S. 366. Heger, Waldläufer.

S. 385. Ketzer. Das erste beglaubigte Ketzergericht fand zu Prag allerdings erst i. J. 1315 statt. Doch ist es historisch feststehend, dag die Ketzer schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in ganz Österreich und Böhmen verbreitet waren. Im genannten Jahre 1315 wurden zu Prag in einem Monate vierzehn Ketzer beiderlei Geschlechts verbrannt. –

S. 390. Bruder David von Augsburg. Vgl. u. Preger. und seinen Flöhen, Pulices etiam ... excutiunt contra ignem vel vestem ipsam intingunt in aqua calida, et tunc nolunt ea occidisse sed dicunt ea per se mortua esse. (tract. Dav.)

S. 404. utinam abscindantur, qui vos conturbant , möchten sie doch weggeschnitten werden, die euch in Verwirrung bringen!

S. 414. Adlerdaunen verwendete man im M.A. gerne zur Füllung von Kissen.

Wangenkissen, mhd. wanküssen.

S. 422. Rosengarten. Ein solches »Rosengärtlein« zeigt man heute noch bei der Burg Aggstein an der Donau. Dort befindet es sich an einer Felswand.

S. 455. des Ungarnkönigs Tochter, Elisabeth, Tochter Stephans V., cop. mit Zawisch 1287.

auf dem Fürstenberge, Fürstenberg, jetzt Swojanow, im Chrudimer Kreise.

S. 459. Glaubst du, daß ein Gewitter kommt? Wenzel II. pflegte sich bei Annäherung von Gewittern in einen Reliquienkasten zu verkriechen. Der Anblick einer Katze konnte ihn ohnmächtig machen.

S. 513. ruft das Bier aus. Wenn einer der mit Braugerechtsame begabten Erfurter Bürger »ein frisches Bier aufgethan« hatte, verkündete dies der Bierrufer in den Straßen. Diesen Brauch ahmte Rudolf während seines Aufenthaltes in dieser Stadt eines Tages nach.

S. 521. wenn du deinen Sohn, den Rudi, anschaust. Rudolf hatte seinen Sohn Rudolf zum Nachfolger bestimmt und war gerade damals sehr bemüht, ihm Anerkennung zu verschaffen.

S. 523. Es war nie König noch Königin u. s. f. Freidank.

S. 542. Froburg, jetzt Frauenberg.

S. 543. Zingeln, cingula, Ringmauern.

S. 551. Zum Zeichen dessen, daß man die Burg halten wolle bis zum letzten, hängte man die Schilde heraus.

S. 567. Elend = Verbannung, Fremde.

 

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Volkmarus abbas Fürstenfeldensis.Ottokar von Steier, Reimchronik, M. G.Palacky, Franz, Geschichte von Böhmen. 2. Band. Abt. 1 und 2. Prag, 1874 und 1866. – Palacky, Würdigung der böhmischen Geschichtsschreiber. – Pangerl, Urkundenbuch von Goldenkron. ( font. rer. austr., II, 37). – Derselbe, Urkundenbuch von Hohenfurt. – Derselbe, die Witigonen, ihre Herkunft, ihre ersten Sitze und ihre älteste Genealogie. (Archiv f. österr. Gesch. Band 61, S. 503 ff.) – Derselbe, Wok von Rosenberg. (Mitteilungen des Ver. f. d. Gesch. d. Deutschen in Böhmen. IX, H. 1 und 2.) – Derselbe, Zawisch von Falkenstein. Ebendas. X. H. 4 und 5. – Preger, Beiträge zur Geschichte der Waldesier im Mittelalter, Abh. d. k. b. M. Band XIII. – Preger, das Verhältnis der Taboriten zu den Waldesiern des 14. Jahrh. Ebendas. Bd. XVIII. – Derselbe, der Traktat des David von Augsburg über die Waldesier. Ebendas. Band XIV. – Riezler, Sigmund, Geschichte Bayerns. Band 2. Gotha, Perthes, 1880. – Øivnáè, Reisehandbuch für das Königreich Böhmen. Prag 1882. – Schafarik, slavische Altertümer. 2 Bände. Leipzig 1843/44. – Schauffler, Theodor, Quellenbüchlein zur Kulturgeschichte des deutschen Mittelalters. Leipzig, Teubner, 1892. – Schmeller, J. Andreas, Bayerisches Wörterbuch. 2 Bände. München, Oldenburg, 1872, 1877. – Schmid, Dr. Ludwig, Graf Albert von Hohenberg, Rotenburg und Haigerloch vom Hohenzollern Stamme. Der Sänger und Held. Ein Cyklus von kulturhistorischen Bildern aus dem dreizehnten Jahrhundert. Stuttgart, Cotta, 1879. 2 Bände. – Schönwerth, Fr., Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen. 3 Bände. Augsburg, Rieger, 1859. – Schröder, Dr. Richard, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte. Leipzig, Veit u. Komp. 1889. – Schultz, Alwin, Dr., das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger. 2 Bände. 2. Aufl. Leipzig, Hirzel, 1889. – Specht, Franz Anton, Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland von den ältesten Zeiten bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Stuttgart, Cotta, 1885. – Straßburger Chronik. M. G. SS. XVII.Thudichum, Rückblick auf die Geschichte der Leibeigenschaft. Preuß. Jahrb. Band 22. 1868. – Tomek, W. Wl., Geschichte Böhmens in übersichtlicher Darstellung. Prag, 1875. – Tomek, W. Wl., Geschichte der Stadt Prag. 1. Band. Aus dem Böhmischen übersetzt vom Verfasser. Prag, 1856, bei Calve. – Walderdorff, Führer durch Regensburg. Neue Aufl. 1895. – Wattenbach, das Schriftwesen im M.A. Leipzig, 1896.

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