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Die sieben Weiber des Blaubart

Ludwig Tieck: Die sieben Weiber des Blaubart - Kapitel 28
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchriften, Achter Band
authorLudwig Tieck
year1828
firstpub1797
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleDie sieben Weiber des Blaubart
pages160
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sieben und zwanzigstes Kapitel.

Sophie.

Das hätte mir noch gefehlt, sagte Peter nach einigen Tagen, daß ich mir eine neue Zauberei auf den 225 Hals geladen hätte; ich habe an der alten genug zu tragen, und wenn ich doch etwas leiden muß, so ist es immer noch am besten, ich nehme mir wieder irgend eine Frau, und das will ich auch thun. Vorher aber will ich nur sehn, ob der Rathgeber noch lebt.

Er ging hinauf, berührte den Kopf und fragte: Soll ich heirathen?

Antwort. Nein.

Nein und immer nein, rief Peter aus, zu Allem, was ich vorhabe; das ist mir unausstehlich, und ich verliere fast die Geduld.

Kopf. Du willst nie etwas Kluges.

Peter. Was ist klug?

Kopf. Das, wovon Du keinen Begriff hast.

Peter. Halt inne mit Deinen Grobheiten! Gebe ich Dir darum Lohn und Brod?

Sie trennten sich wieder, und Peter that, was er wollte, und der Kopf dachte, was er wollte.

Nicht weit von Peters Schlosse lebte ein Mädchen, das Sophie hieß. Sie war von einer Tante erzogen, das heißt, sie war in deren Hause groß geworden; denn sonst hatte sie nicht die mindeste Bildung. Sie war eines von denen Geschöpfen, an denen man selbst mit dem schärfsten Auge keinen Charakter wahrnehmen kann; sie wollte nichts, sie wußte nichts, Alles war ihr gleich. So wie es die Umstände gaben, war sie gut oder schlecht, großmüthig oder nicht, sie that Alles, was man verlangte, und unterließ, was ihrem Willen überlassen blieb. Diese hielt Peter für geschickt genug, seine Frau zu werden, er hoffte, daß sie am wenigsten den Schwächen der übrigen Weiber unterworfen seyn würde.

226 Die Hochzeit wurde bald vollzogen, und Peter übergab ihr auch bald nachher den Schlüssel. Sie dachte nicht daran, in das verbotene Zimmer zu gehn, und verträumte den ganzen Tag; Mechthilde aber war sehr unzufrieden damit, daß diese aus Dummheit die Tugendhafteste seyn sollte; sie fragte sie daher, warum sie nicht in das Gemach ginge, da es doch schwerlich so viel auf sich haben könne, und sogleich ging sie hinein, ohne die mindeste Neugier zu haben.

Sie starb, wie die Uebrigen.


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