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Die sieben Weiber des Blaubart

Ludwig Tieck: Die sieben Weiber des Blaubart - Kapitel 19
Quellenangabe
typenarrative
booktitleSchriften, Achter Band
authorLudwig Tieck
year1828
firstpub1797
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleDie sieben Weiber des Blaubart
pages160
created20130527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achtzehntes Kapitel.

Caroline.

Peter fragte seinen bleiernen Kopf wieder um Rath, ob er sich verheirathen sollte, der von Neuem Nein sagte. Du hast gegen Alles etwas einzuwenden, rief Peter aus, und hältst Dich immer für den Klügsten; aber Dir zum Possen will ich es dennoch thun, 195 und wenn auch alle Weiber nichts taugen sollten, so will ich eben deswegen eine nach der andern heirathen, um sie umzubringen.

Er hatte ein Mädchen gesehen, das sein Herz gefesselt hatte. Sie war die Tochter eines sehr armen Edelmanns, und der Vater gab deswegen gern seine Einwilligung. Caroline hatte den Ritter mit ihren zärtlichen Blicken erobert, und er hatte sich eingebildet, daß er nur allein solche Blicke bekäme; Caroline aber sah jeden Mann so an, der noch unverheirathet war, und kannte keine größere Freude, als recht Viele dahin zu bringen, daß sie in sie verliebt wurden.

Als Peter sie geheirathet hatte, fing sie sogleich an, ihre ganze Lebensart abzuändern. Es war ihr etwas Neues, Geld ausgeben zu dürfen, und sie ließ es also daran nicht fehlen. Peter ließ sie gewähren, weil er ihr nicht gleich die ersten Wochen des Ehestandes verleiden wollte. Caroline gab daher große Gesellschaften, zu denen sie meistentheils Frauenzimmer bat und in denen ihr Mann auch nicht erscheinen durfte.

Beide Verehlichte sahen sich nachher sehr selten, und Peter stellte mit ihr, als er wieder einmal abreiste, auch die Schlüsselprobe an. An demselben Tage war bei ihr eine große Theegesellschaft von vielen Damen, und nach mancherlei Gesprächen und Verläumdungen ließ Caroline auch den goldenen Schlüssel herumgehen, und jedes Frauenzimmer betrachtete ihn sehr genau.

Das Kleinod sollten Sie auf der Brust tragen, sagte die Eine.

Oder in einen Ring fassen lassen.

Man könnte es auch in den Haaren tragen, bemerkte die Dritte.

196 Jede hatte einen Vorschlag, und Alle bewunderten den schönen Schlüssel. Caroline erzählte ihnen, daß es ihr verboten sey, das Zimmer zu eröffnen, zu dem er gehöre.

Und Sie kehren sich daran? fingen Alle mit Einer Stimme an.

Ich muß wohl, mein Mann –

Ei, was Mann? Wenn man Alles thun wollte, was die Männer verlangen –

Ja wohl, man muß es ihnen gar nicht in den Kopf setzen, daß sie etwas zu befehlen haben.

Ich wollte meinen Mann führen, wenn er sich so etwas herausnähme.

Alle. Es wäre himmelschreiend, wenn uns die Männer so behandeln wollten.

1) In dem Zimmer müssen doch Heimlichkeiten seyn.

2) Die Sie nicht wissen sollen.

3) Er macht vielleicht Contrebande.

4) Oder zitirt Geister.

5) Oder hat sein Geld da liegen.

6) Es ist schlecht, daß er Ihnen etwas verschweigt.

Alle. Sie müssen's nicht leiden.

1) Ich bin sonst nicht neugierig, aber ich möchte wissen, was in dem Zimmer wäre.

2) Ich wollte es gewiß nicht weiter sagen.

3) Ich auch nicht.

4) Er würde es uns vielleicht von selbst zeigen, wenn er zu Hause wäre.

5) Vielleicht Seidenstoffe.

6) Oder Juwelen. 197

Alle. O, seyn Sie so gut und zeigen Sie uns das Zimmer.

Caroline hatte genug zu thun, sie abzuhalten, daß sie nicht mit Gewalt hineindrangen; aber sie hatte Muth genug dazu, weil sie doch den strengen Befehl ihres Mannes fürchtete. Die Weiber verließen sie endlich, und waren Alle sehr aufgebracht, daß sie ihnen eine solche kleine Gefälligkeit abgeschlagen hatte; sie erklärten die Frau und den Mann für gleich große Narren, und also für ein Paar, das für einander geschaffen sey.


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