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Die Seherin von Prevorst

Justinus Kerner: Die Seherin von Prevorst - Kapitel 33
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authorJustinus Kerner
titleDie Seherin von Prevorst
publisherJ. F. Steinkopf Verlag
printrun2. Auflage
year1963
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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8. Tatsachen zu Weinsberg

1. Tatsache zu Weinsberg

Frau H. war am 25. November 1826 nach Weinsberg gekommen. Sie hatte im hiesigen Orte keine Bekannten, auch ich war ihr unbekannt. Ihre Wohnung war in einem kleinen Zimmer zur ebenen Erde, im Nebenhause des großen Hauses von Herrn F.

Unter beiden Häusern lief ein großes Weingewölbe hindurch, was der Frau H., auch seinen Einrichtungen nach, völlig unbekannt war, aber ihre Bettstelle stand auf ihm. Der Besitzer desselben, Herr F., war ihr gleichfalls völlig unbekannt, sie ohne sein Wissen und seinen Willen in jenes Haus aufgenommen worden, und er kam erst im Verlaufe der jetzt zu berührenden Geschichte, aber nie früher, durch mich bewogen, zu ihr.

Ob Frau H. schon früher wußte, daß ein gewisser K. (der mehrere Jahre hier zuvor gestorben war) die Geschäfte des Herrn F. zu dessen großem Nachteil geführt hatte, ist zwar möglich, doch war es ihr nicht erinnerlich. Nie hatte sie aber diesen K. selbst gesehen, stand auch mit keinem Menschen in Verbindung, der sich für die Angelegenheiten des Herrn F. und K. (von welchen dazumal im Publikum nicht im mindesten mehr gesprochen wurde) interessiert hätte.

Noch ehe Frau H. von mir einer magnetischen Behandlung unterworfen wurde, schon in den ersten Abenden ihres von freien Stücken erfolgten magnetischen Schlafes, sprach sie immer von einem Manne, den sie nicht weit von sich in einer sehr traurigen und bemitleidenswerten Gestalt sah; es scheine, als begehre er etwas von ihr, was, könne sie noch nicht begreifen. Am 24. Dezember sprach sie sich hierüber im magnetischen Schlaf also näher aus:

»Jener Mann ist wieder vor mir. Stets kommt er zur Stunde meines Schlafes aus dem Gewölbe empor. O bliebe er doch nur ferne, denn er stört stets meinen Schlaf, und ich kann ihm nicht helfen. Ich wollte die Stelle bezeichnen, wo er in dem Gewölbe sitzt, die er jedesmal zur Stunde meines Schlafes verläßt, sie ist hinter dem vierten Fasse, das in diesem Gewölbe steht. Ha! Wie sein rechtes Auge über das linke hinüberschielt. Er will vorwärts schreiten! O bleibe nur, ich kann dir nicht helfen! Sieht ihn denn niemand als ich? Immer winkt er mir, und will mir etwas anvertrauen.«

Am 25. Dezember sprach sie: »Da ist jener schon wieder und stört mich in meinem Schlafe, Was zeigt er mir? Ein Blatt von nicht ganzer Foliohöhe voll von Zahlen. Oben in der rechten Ecke ist eine kleine Einbiegung, in der linken Ecke eine Zahl. Lese ich nicht unter den ersten Zahlen acht und null? Ich kann es noch nicht völlig! – Es beginnt dann J – weiter kann ich nicht. Dieses Blatt liegt unter vielen Akten, man beachtet es nicht. Er will haben, ich soll es meinem Arzte sagen und durch diesen soll eine Warnung ergehen. Warum muß er denn aber auch mich so quälen und stören, könnt' er es denn nicht seiner Gattin sagen? Er wollte es noch vor dem Tode sagen, er glaubte aber nicht, daß er sterben werde, und nahm es sterbend mit der Seele hinüber wie ein Stück von seinem Körper.« Sie beschrieb nun außer jenem schielenden Auge die Gestalt jenes Mannes so genau, daß ich in ihr den verstorbenen K. erkennen mußte, dann sprach sie: »Ich muß von ihm weg, ich kann heute nicht länger mit ihm verweilen.«

Am 26. Dezember lag sie im tiefsten magnetischen Schlaf und im innern Schauen. In diesem Schauen bestrebte sie sich, sich an den Ort zu versetzen, wo jenes Blatt liege, auf das jener Mann immer hindeute, und endlich sagte sie: »Dieses Blatt liegt in einem Gebäude, das sechzig Schritte von meinem Bette steht. (Es ist zu bemerken, daß Frau H. jenes Gebäude noch gar nie gesehen hatte.) In diesem sehe ich ein großes, dann ein kleineres Zimmer. In diesem sitzt ein langer Herr oben an einem Tisch und arbeitet. Soeben geht er hinaus, und jetzt kommt er wieder herein. Nach diesem Zimmer kommt noch ein größeres, in dem stehen Kästen und eine lange Tafel, auch sehe ich in ihm eine längliche Kiste. Einen Kasten sehe ich, der steht am Eingang, und an diesem Kasten ist die Tür etwas offen. Diese Kisten und Kästen gehen aber jenen Mann nichts an. Aber oben an der Tafel steht etwas von Holz, ich kann es nicht benennen, und auf diesem liegen Papiere, und die sehe ich in drei Haufen liegen. Rechts im Haufen ist nichts von diesem Mann, aber in den zwei andern fühle ich von ihm, und zwar im mittlern, ein wenig unter der Mitte, jenes Blatt, das ihn so quält.«

Nach diesem Hellsehen erwachte sie äußerst geschwächt und leidend.

In dem von Frau H. bezeichneten Gebäude erkannte ich das hiesige Oberamtsgericht, das auch abgemessen in der bezeichneten Weite entfernt war. Ob ich gleich diese Erscheinung der Frau H. immer noch für ein Traumbild hielt, so ging ich am andern Tage doch zu Herrn Oberamtsrichter H., erzählte ihm diese Erscheinung und Aussprüche der Frau H., wie sie hier aus dem Tagebuche gegeben sind, und bat ihn, mit mir jene von Frau H. bezeichneten Aktenfaszikel zu durchgehen, nur um sie (weil man doch nichts finden werde) zu überweisen, daß jene Erscheinung nur ein leeres Traumbild sei.

Herr Oberamtsrichter H., der inzwischen aus dieser Sache auch nichts weiter als einen Traum machen konnte, bestätigte mir übrigens sogleich, daß Frau H. wenigstens darin recht gesehen, daß er zu jener Stunde auf der von ihr bezeichneten Stelle, wo er sonst selten sitze, gearbeitet habe und einmal in das andre Zimmer gegangen sei, wo er bemerkt, daß jener Kasten an der Türe halb offen stehe. So sehr dieses Zutreffen uns beiden auffiel, so sehr wurden wir wieder in unserm Glauben an einen bloßen Traum der Frau H. bestärkt, als wir die bezeichneten Akten, die übrigens auch richtig in der von Frau H. angegebenen Lage waren, durchgingen (freilich nur etwas zu schnell), das betreffende Blatt aber nicht fanden.

Dennoch bat ich den Herrn Oberamtsrichter H., sich selbst von diesen sonderbaren Aussagen der Schlafwachen zu überzeugen und abends 7 Uhr zur Stunde ihres Schlafens zu ihr zu kommen, was er auch tat.

Nach gemachten Selbstverordnungen sprach die Frau H. abermals von dem Verstorbenen, der wieder dastehe und ihr keine Ruhe lasse. Sie hatte schon früher erwähnt, daß sie ihn nächtlich im Gewölb hinter dem vierten Fasse sehe und nannte ihn deswegen öfters: den Mann hinter dem vierten Fasse. Sie klagte mich an, daß ich das Blatt nicht mit Eifer suche und beschwor mich aufs angelegentlichste, es doch zu finden, da es so leicht zu finden sei. Nun beschrieb sie wieder die Lage jener Aktenfaszikel und jenes Blatt, und gab noch an, daß es unter andern Papieren mit starkem grauem Papier umschlagen liege, welche Angabe sie früher noch nicht gemacht hatte.

Ich sagte ihr, daß ich das Blatt vergebens gesucht, und daß sie uns beiden nicht verübeln werde, diese ganze Sache so lange für einen Traum, der sie täusche, zu halten, als ein solches Blatt nicht aufzufinden sei. Da versicherte sie aber ganz ruhig, man müsse und werde dieses Blatt noch finden.

Als sie im Abendschlafe vom 28. sich wieder abquälte, die Stelle, wo jenes Blatt liege, noch näher zu bezeichnen, gab ich ihr ein altes Blatt in die Hände, das mit vielen Zahlen überschrieben war, worunter sich auch die Zahl 80 befand. Herr F. wohnte auf mein Ersuchen hier wieder ihrem Schlafe bei. Ich sagte vor Herrn F. zu ihr: »Da ist nun das Blatt, das du suchest, Herr F. hat es gefunden.« – »Nein«, sagte sie, »das ist nicht jenes Blatt, das ist noch an seiner Stelle, und auf ihm sind die Zahlen viel regelmäßiger untereinander gesetzt.«

Am 29. gab ich ihr im wachen Zustand, in welchem sie von jener Erscheinung und dem Blatte nicht das mindeste wußte, folgende auf ein Blättchen geschriebene Reime:

»Könntest du doch nur ergründen,
Wo das wicht'ge Blatt zu finden,
Wollt' ich gerne glauben ja,
Daß er alle Abend da,
Daß er nicht ein Traumgesicht,
Daß er wirklich ist und spricht.«

Sie las diese Reime zu wiederholten Malen und sagte dann, sie verstehe sie nicht, aber sie erhalte durch sie wie einen Zorn, oder eigentlich das Gefühl, wie wenn sie etwas wider diese Reime sagen müßte. Sie mußte nun auch diese Reime eine halbe Stunde lang immer wieder von neuem lesen, verfiel dadurch in Schlaf, begehrte eine Feder und schrieb folgendes auf die Rückseite:

»Glaube, leicht ist zu ergründen,
Wo das wicht'ge Blatt zu finden,
Magst es glauben oder nicht,
Halt es für ein Traumgesicht.
Könntest du nur mitempfinden,
Was des Geistes Auge spricht,
Such im Oberamtsgericht!«

Am 30. bat sie im schlafwachen Zustande wieder auf das herzangreifendste, nach jenem Blatte zu suchen, weil ihr der Verstorbene keine Ruhe lasse, immer zur Zeit ihres Schlafes erscheine und sie in ihren Selbstverordnungen und Schauen in ihr Inneres störe. Vergebens suchte ich sie zu belehren, daß diese Erscheinung ein Traum sei, sie brach in die bittersten Klagen aus und behauptete, der Geist weiche nicht von ihr, bis das Blatt gefunden sei. Ich trieb auch am andern Tage mit dieser Sache immer noch meinen Scherz, da ich diese Frau, besonders in Hinsicht dieser Erscheinungen, noch nicht in dem Umfange kannte, wie ich sie nachher kennenlernte, und gab ihr im wachen Zustand abermals ein Blättchen, und zwar mit folgendem Reime:

»Wenn man nun das Blatt nicht findet,
Und der K., R., A., F., K.,
Nimmermehr von dir sich wendet,
Sage, was geschieht denn da?«

Sie wußte nun wach abermals nicht, was sie aus diesem Rätsel machen sollte, dachte darüber lange nach, verfiel endlich in somnambulen Zustand, in dem sie folgendes auf die Rückseite des Blättchens schrieb:

»Will man nun das Blatt nicht finden,
Und der K., R., A., F., K.,
Der mir alle Abend nah,
Nimmer sich von mir will wenden,
Sag' ich: was geschieht mir da?
Dann bin ich so lang gequälet,
Bis das Blatt auch nicht mehr fehlet.
Oh! so bitt' ich alle noch,
Suchet doch,
Daß die längst verstorbne Seele
Wird befreit aus ihrer Höhle.«

Am 31. kam sie zur Stunde des Schlafes bald wieder auf jenen Mann hinter dem vierten Fasse. Sie sagte: »Immer droht er mir, mich in meiner Heilung zu stören, wenn das Blatt nicht gefunden wird, aber das kann er doch nicht. Mit einem Gedanken, auf den dieses Blatt deutet, starb er; diesen irdischen Gedanken nahm er mit sich, und der bindet ihn noch an diese Welt und läßt ihm keine Ruhe. Wird dieses Blatt gefunden, so verläßt ihn dieser irdische Gedanke, und er kann sich durchs Gebet eher an den Heiland wenden, was er in diesem Leben zu sehr versäumte. Ich bitte euch alle um Gottes und Jesu willen, alles aufzubieten, daß dieses Blatt, das ich euch ja genau bezeichnete, gefunden werde. Könnte ich gehen, so wäre es schon vor aller Augen.«

Sie war nach dem Erwachen wieder aufs augenscheinlichste angegriffen, und es war offenbar, daß ihr alle Schläfe, seit sie sich um jenen Verstorbenen in ihnen immer ab kümmerte, mehr zum Schaden als Nutzen gereichten, und sie sichtbar zurückfiel. Dies bewog mich am andern Tage nachmittags abermals zu Herrn Oberamtsrichter H. zu gehen. Ich stellte ihm vor, wie Frau H. mit einer doch sehr auffallenden Bestimmtheit und einer innern Wahrheit, die sich nicht wieder erzählen lasse, auf der Realität jener Erscheinung und der Existenz jenes Blattes beharre, und bat ihn, mit mir noch einmal eine Durchsuchung jener Aktenfaszikel vorzunehmen. Dies geschah, und wir fanden in einem Umschlag, der ganz so war, wie ihn die Seherin bezeichnete, ein Blatt, mit Zahlen und Worten von der Hand jenes Mannes, dessen erste Zahl 80 und dessen erster Buchstabe J war, und das am obern Ecke (bei welchem Anblick mich eigentlich ein Schauer anwandelte) wirklich, wie schon vor langer Zeit her, eingebogen war. Dieses Blatt enthielt einen Beweis, und zwar den einzigen, daß K. ein Geheimbuch führte, das aber nach seinem Tode nicht mehr gefunden wurde, und in welches er wahrscheinlich vieles eingetragen hatte, was jetzt nicht mehr an den Tag kam; auch war schon zur Sprache gekommen (doch kam es bis jetzt noch nicht zur Wirklichkeit), daß seine hinterlassene Gattin mit einem Eid beschwören sollte, daß sie nicht wisse, wohin jenes in diesem Blatte von K. selbst bezeichnete Buch geraten sei. Das Blatt selbst war bis jetzt gar nicht in gerichtliche Anregung gekommen!

Herr Oberamtsrichter H. und ich kamen überein, von dem Funde dieses Blattes gegen jeden Menschen zu schweigen, und ich bat ihn, diesen Abend wieder dem Schlafe der Frau H. beizuwohnen. Ich sprach nichts darüber gegen Herrn Oberamtsrichter H., war aber im stillen der Meinung, er werde dieses Blatt zum Schlafe der Frau H. bringen, um es ihr vorzulegen.

Er erschien. Frau H. war in Schlaf verfallen, und nach den gemachten Selbstverordnungen kam sie wieder auf jenen Verstorbenen. Sie sprach: »Da steht er wieder, aber er sieht beruhigter aus. Wo ist das Blatt? Es muß gefunden sein! (Ich glaubte nicht anders, als es sei in der Tasche des anwesenden Herrn Oberamtsrichters H.) Ich muß es suchen!«

Ich sagte: »Ist es denn gefunden? Wo ist es?« Sie verfiel in Erstarrung und tiefes inneres Schauen, wobei sie das Aussehen eines völlig Gestorbenen, mit verklärten Zügen, hatte, und sprach nach einiger Zeit: »Es sind die Papiere nicht alle mehr da; der erste Haufe ist gar nicht mehr da, und die andern Papiere sind auch nicht mehr in der andern Lage. Aber das wundert mich! – Da liegt ja das Papier, das der Mann gewöhnlich in der Hand hatte, offen da. Nun, da kann ich mehr lesen: – In das Geheimbuch einzutragen – auf das Mittlere dieser ersten Zeilen deutet er immer, er will wohl auf dieses Buch deuten. Was soll man nun mit diesem Blatte machen? Ha! Mich schaudert, denke ich, was jene arme Frau tun könnte, warnt man sie nicht! – Eine Warnung soll an sie durch dieses Blatt ergehen, dann hat er Ruhe, ist vom Irdischen mehr entbunden und kann sich durchs Gebet mehr dem Erlöser nahen!«

Herr Oberamtsrichter H. war über jene Aussage der Seherin von der Lage der Akten und namentlich jenes Blattes (wie er mir erst außer dem Zimmer derselben sagte) erstaunt, da er dieselben, um ihr Schauen auf die Probe zu stellen, verrückt und jenes Blatt, gerade wie sie angab, offen hingelegt hatte. Ich aber war, wie ich oben sagte, der völligen Meinung, Herr Oberamtsrichter H. habe das Blatt in der Tasche und wolle auf diese Art die Seherin auf die Probe stellen, weswegen ich, bis Herr Oberamtsrichter H. sich aussprach, nach jenen Reden der Seherin wirklich glaubte, sie habe sich jetzt sehr getäuscht.

Im magnetischen Schlaf vom 1. Januar sprach sie wieder von dem Verstorbenen, und daß er haben wolle, man solle seine Gattin warnen, etwas zu tun, wodurch sie unglücklicher als er würde. Sie sprach auch davon, ihr am andern Tage selbst einen Brief im Schlafe zu schreiben.

Als ich am 2., morgens, zu ihr kam und sie ganz wach war (wo sie von dieser Geschichte K.s gar nichts wußte), sagte sie zu mir: »Diese Nacht hatte ich große Angst. Ich hatte gegen 9 Uhr etwas zu essen gefordert, die Magd gab es mir, legte sich in das Bett, das neben mir steht, und schlief dann sogleich ein, ich aber blieb wach. Da hörte ich auf einmal an jenem Tischchen, nicht weit von mir, ein Knistern, als schreibe an ihm jemand, und als ich hinsah, sah ich am Tischchen einen Mann sitzen, der schrieb in ein Buch, das auf dem Tischchen lag. Ich erschrak und schloß die Augen, weil ich nicht mehr das Herz hatte, sie zu öffnen, und schlief ein.«

Im magnetischen Schlafe fragte ich sie: ob jene Erscheinung, von der sie diesen Morgen gesprochen, wohl nicht bloß ein Traum gewesen? Da sagte sie: »Nein, es war kein Traum, es war Wirklichkeit. Dieser Mann war jener Verstorbene, er wollte mir mit jenem Buche auf sein Geheimbuch deuten. Er hatte einen weißlichen, abgetragenen Flausrock an und Pantoffeln, wie er wohl gekleidet war, wann er in dieses Buch schrieb. Er wollte mich dadurch noch mehr bewegen, seine Gattin zu warnen. Aber das Buch selbst aufzufinden, wird mich große Anstrengungen kosten, und ich werde um sieben Tage zurückfallen.«

Da mir nicht nur wegen der Familie des Verstorbenen diese Erscheinungsgeschichte unangenehm war, Frau H. auch dadurch offenbar zum Schaden ihrer Gesundheit in einen noch tiefern magnetischen Zustand geführt wurde, so bat ich sie, in diesem Schlafe nur allein in sich und für sich zu schauen, und solche ihr fremde Angelegenheiten durch diejenigen ausmachen zu lassen, die sie betreffen. Sie sagte: »Es ist mir von jenem Verstorbenen wenigstens diese Warnung zur Pflicht gemacht, und wie würde mir, wenn ich ihm nicht folgen würde?«

Am 3. Januar sagte sie mir im wachen Zustande: »Heute nacht, 3 Uhr, als ich völlig wachte, kam jener Mann wieder zur Türe herein. Die Türe schlug vernehmlich zu, und der Mann setzte sich ans Tischchen und schrieb wieder in das Buch. Er hatte einen weißen Flausrock an, auf dem Kopfe eine weiße Kappe und an den Füßen Pantoffeln.« Eine weibliche Person, die in dem Zimmer der Frau H. schlief, behauptete, am Zuschlagen der Türe erwacht zu sein. Sie habe aufgeschaut und habe dann eine Gestalt wie eine graue Wolke – Menschenbildung habe sie nicht an ihr wahrnehmen können – auf das Tischchen zugehen sehen. Sie habe hierauf der Frau H. zugerufen, diese aber sei ruhig liegengeblieben, worauf sie ein Schrecken angewandelt, in welchem sie sich unter die Decke verborgen habe.

An diesem Tage diktierte Frau H. ihrer Schwester im schlafwachen Zustande folgenden Brief an die Gattin jenes Verstorbenen:

»Der bedaurungswürdigen, unschuldigen Frau muß ich schreiben und sagen: daß dein verstorbener Mann mir jeden Abend im Schlafe erscheint und mich bisher eines Blattes wegen, das im Oberamtsgericht liege und mit den Worten: ›Ins Geheimbuch einzutragen‹, bezeichnet ist, quälte. Jenseits noch würde mich diese verstorbene Seele anklagen, unterließe ich, dich zu warnen, und würdest du, unschuldige Frau, bis zu einem Eide getrieben. Um des Erlösers und deines Mannes willen bitt' ich dich, behalte nichts Geheimes in deinem Herzen, nehme nichts jenseits hinüber, was dich dort quälen könnte. Mir darfst du nicht böse sein, ich bin unschuldig; auch weiß ich wach nichts von dieser Sache. Ich habe deinen Mann nie gekannt und nie gesehen, so wie ich auch dich nie sah. Auch aus keiner Erzählung weiß ich etwas, aber er kam zu mir, ließ nicht nach, bis ich das Blatt suchte, weil er mit diesem Gedanken abgestorben ist und ihn mit nach jenseits nahm. Tue nun, was deine innere Stimme, dein Richter, in dir spricht! Der allerbarmende Gott wolle dir mit deiner Familie gnädig sein! Er segne deine Unschuld!«

Frau H. hatte keine Ruhe, bis der Brief der Frau jenes Verstorbenen mitgeteilt wurde, wobei man derselben sagte: man halte jene Erscheinung zwar für eine bloße sonderbare Phantasie einer Kranken, es wäre aber zu wünschen, daß sie mit ihr selbst (was Frau H. auch durchaus begehrte) in ihrem Schlafe spreche, wozu sie sich auf einiges Zureden nicht abgeneigt zeigte.

Am Abend vor dem Schlafe der Frau H. gab ich derselben im wachen Zustande folgende Reime, die sich auf das Kommen jener Frau bezogen. Ich gab sie ihr hauptsächlich in der Absicht, um ihr diese Angelegenheit und ihre Folgen, besonders für die mir unschuldig scheinende Frau des Verstorbenen, noch einmal ans Herz zu legen:

»Wenn die Frau nun kommt und weint
Und sich ganz unschuldig meint,
Und auch ganz unschuldig wär',
Sage, fällt dir dann nicht schwer,
Ihr zu sagen, daß ihr Mann
Selbst im Tod nicht ruhen kann?«

Sie las die Reime und sagte: »Kommt denn eine Frau, die weint?« Ich sagte: »Das ist ein Rätsel, dem ich Sie nachzudenken bitte, um seinen mir sehr unangenehmen Sinn zu erraten.« Darauf las sie diese Reime immerwährend, verfiel dadurch in schlafwachen Zustand und schrieb (mit geschlossenen Augen) auf die Kehrseite:

»Wenn die Frau nun kommt und weint
Und sich ganz unschuldig meint,
Und auch ganz unschuldig wär',
Soll ich sagen, ob's mir schwer,
Ihr zu sagen: daß ihr Mann
Selbst im Tod nicht ruhen kann?
Fällt es schwer mir oder nicht,
Fleisch und Blut dawider spricht,
Spricht mein Geist doch fort ganz frei,
Warnend sie, was künftig sei.«

Frau K. kam nun wirklich in Begleitung des Herrn Stadtschultheißen P. zum Abendschlafe der Frau H. Als ich dieser die gewöhnlichen magnetischen Striche gegeben hatte, sagte sie: »An was dachtest du, als du mir die Striche gabst? Ich fühle in dir eine ungewöhnliche Spannung.« Ich erwiderte: »Ich dachte an die Gattin jenes Verstorbenen, die hier anwesend ist, um mit dir selbst über seine Erscheinung zu sprechen.« Sie sagte: »Es ist mir lieb, daß sie gekommen, ich werde mit ihr sprechen, sobald ich in mich eingegangen bin und mir Verordnungen gemacht habe.«

Als sie sich verordnet hatte, wandte sie sich gegen jene Frau und sprach zu ihr schlafwach mit erhabener Stimme:

»Was ich jetzt mit dir spreche, davon weiß mein Fleisch und mein Blut nichts, es ist allein mein Geist, der zu dir spricht, und würd' ich es wachend wissen, so wäre es mein Tod.

»Höre, ich kenne weder dich noch deinen Mann, sah euch nie niemand sagte mir etwas von euch, ich bin hier Fremdling. Solange ich aber auf diesem Gewölbe schlafe, erscheint mir immer zur Stunde meines Schlafs dein verstorbener Mann und nötigt mich, ein Blatt aufzufinden, durch das du zu warnen seist, keinen irdischen Gedanken, wie er, mit hinüberzunehmen, dich nicht verleiten zu lassen, hier noch etwas zu tun, was dich unruhiger als ihn machen könnte. Das Blatt ist gefunden, du bist davon benachrichtigt, und nun blickt er auch ruhiger.«

Frau K. gab die feste Versicherung, daß sie nie etwas Geheimes mit hinübernehmen werde, daß ihr Gatte ihr nie Mitteilungen von seinen Geschäften gemacht, sie von keinem Geheimbuch wisse, wie man ihr auch deswegen noch keinen Eid abgefordert habe.

Frau H. verwies sie dagegen auf eine spätere Zeit, wo das noch geschehen werde, und fragte, ob sie das Geheimbuch suchen solle.

Lange lag sie wider Gewohnheit in völliger Totenkälte und Todesblässe in ihr Innerstes gekehrt, aus welchem ich sie, aus Besorgnis für ihre Gesundheit, dadurch mit Gewalt zurück» brachte, daß ich ihr mit Auflegung meiner Hände fest befahl, alles Forschen, was nicht auf sie Bezug habe, zu unterlassen, und sich in dieser Geschichte damit zu begnügen, daß sie nach dem Willen des Verstorbenen die Gattin gewarnt habe.

Auf dieses kam sie wieder zurück und betete für jenen Verstorbenen und seine Familie, was Frau K. mit vieler Rührung anhörte und die Schlafwache sehr bewegt verließ.

 

Die Wahrheit und Unbefangenheit dieser vorstehenden Geschichte kann niemand einsehen, der nicht die Personen, die sie betrifft, und vor allem Frau H., persönlich kennt, und der nicht von Anfang dieser Geschichte bis zu ihrem Ende persönlich gegenwärtig war. Der aber, der alles mit ansah und anhörte, Verhältnisse und Personen kennt und dann noch von Betrug und Täuschung spräche, der spräche aus bösem Willen.

Es konnte nicht fehlen, daß teils Abgeschmacktheit, teils geflissentliche Lüge auch dieser Geschichte dem Weltsinn angemessene Erklärungen zu geben suchte, die in ihrer Nichtigkeit bleiben mögen. Dagegen bin ich (ich, der die Wahrheit dieser Geschichte allein am besten kennt) zum Belege dieser Wahrheit notgedrungen, einen Aufsatz mitzuteilen, den Herr Oberamtsrichter H. über sie, insoweit sie ihn selbst befaßte, auf die Anfrage mehrerer guter Freunde niederschrieb, ob er ihn gleichwohl nur zur freundschaftlichen Privatmitteilung bestimmt haben mochte. Er ist folgender:

»Frau H. von K. ist seit einigen Monaten als eine Nervenkranke hier, einem Orte, an dem sie früher nie gewesen. Sie sucht bei Dr. K. im Magnetismus Hilfe. Sie wohnt bei Herrn N. in der Miete, welcher ein Nebenhaus des Handlungsgebäudes von F. als Mieter bewohnt.

Die Handlung von F. hatte früher hier einen Geschäftsführer in der Person des verstorbenen und dann in Gant geratenen St. K. Seit 1819/20 wird dessen Gantverfahren, wobei die Handlung interessiert ist, behandelt. In dem letzten Halbjahre 1826 sind die letzten Verhandlungen in der Sache gehalten, das Urteil gefällt, und es sind den Gläubigern ihre Schicksale bekanntgemacht worden, wobei die Handlung von F. einen Verlust von mehreren tausend Gulden erleidet, welche in ihren schon 1820 eingerichteten Rezessen die Familie des K. für den Verlust eventuell mit in Anspruch nahm und namentlich dessen Witwe und Kinder mit einem Manifestationseid, besonders auch über die Herausgabe des von K. geführten Geheimbuchs bedrohte, welches laut eines zu den Akten gegebenen, von K. geschriebenen, ›ins Geheimbuch einzutragende‹ Notizen enthaltenden Blattes als existierend nachgewiesen wurde.

So wenig mit all diesen Verhältnissen Frau H., ehe sie hierher kam, bekannt war, so wenig hat sich irgend etwas erfahren lassen, daß sie damit in der Zeit ihres Hierseins wäre bekanntgemacht worden. Indessen bewohnt ein F.s Familienglied das Hauptgebäude, nämlich Herr Kameralverwalter Fezer. Er kam auch zuzeiten in das Zimmer der Kranken, die von lauter hier unbekannten Personen, die sie mitbrachte, bedient ist. Sein Zweck war der der Neugierde. Mehr ist durchaus nicht bekannt.«

(Hier muß der Herausgeber dieser Blätter einschalten, daß Herr F. nie zu Frau H. kam, als auf des Herausgebers Ansuchen, als sie schon mehrere Abende von jenem Verstorbenen gesprochen hatte, und daß er auch da nur ein stummer Zeuge blieb. Man muß diese Geschichte so kennen, wie der Herausgeber sie kennt, um lebendig überzeugt zu sein, daß Herr F. nicht die mindeste Schuld an ihr und auch durchaus keinen Gewinn von ihr hatte, wie nachher nur die Lüge und die Verleumdung ausstreuen konnte.)

»Einige Tage vor Weihnachten sah die Kranke in ihrem magnetischen Schlafe die Erscheinung eines Verstorbenen, der sie kläglich anschaue und ein Papier in der Hand halte, um es ihr zu zeigen, welches nach ihrer Beschreibung in der linken Ecke oben eine Zahl hatte, in der rechten Ecke eine kleine Einbeugung zeigte, mit J in der ersten Linie begann (die andern Buchstaben könne sie nicht klar erkennen), meist aus Zahlen bestehe und in der obern Zahlenreihe 8 und daneben eine 0 habe. Eine weitere Beschreibung, außer daß das Papier nicht ganz Foliohöhe habe, machte sie nicht. Den Mann beschrieb sie nach seiner Gestalt und Kleidung als den leibhaften K.

Ich war mit diesen mehrere Abende hindurch wiederholten Schilderungen und Wiedererscheinungen ganz unbekannt, als am letzten Weihnachtsfeiertage Dr. Kerner mich besuchte, um eine Eröffnung davon zu machen.

Er sagte, daß Frau H. am letzten Abend wiederholt sehr in ihn gedrungen habe, doch das Papier aufzusuchen, welches der Mann bezeichne, mit dem Bemerken, daß es in einem 60 Schritte von ihr entfernten Gebäude liege; sie habe sich jenen Abend zuvor in dieses Gebäude versetzt und folgendes gesehen: Zuerst sei daselbst ein geräumiges, dann ein minder geräumiges Zimmer, in welchem ein langer Mann allein oben an einem Tische arbeite, darauf komme ein noch geräumigeres als die zwei früheren Zimmer, worin Kästen und eine lange Tafel stehen; es sei auch eine längliche Kiste darin. An einem der Kästen, der der Eingangstüre am nächsten, stehe die Türe halb offen. Alle jene Kästen und Kisten gehen jenen Mann nichts an. Dagegen stehe oben an der Tafel etwas, das sie nicht benennen könne; auf diesem liegen Papiere in drei Haufen. Der Haufe rechts gehe den gedachten Mann nichts an, die zwei andern Haufen gehen ihn an. Im mittleren, etwas unter der Mitte, sei das Papier enthalten, dessen Bild jener Verstorbene ihr vorhalte.

Kerner hatte hierin meine Wohnung und mein Amtszimmer erkannt, und es wurde ihm sogleich von mir bestätigt, daß ich am gedachten Nachmittage und Abend bis 8 Uhr auf der bezeichneten, mir sonst ungewöhnlichen Stelle gearbeitet habe und allein gewesen sei, auch daß ich abends einmal in das dritte, das Gerichtssitzungszimmer, gegangen sei, und das Halboffenstehen des Bibliothekkastens wahrgenommen hatte. Er ersuchte mich, ihm die Musterung der bezeichneten Schrift zu erlauben. Ich begab mich mit ihm an diese Akten, sagte ihm aber sogleich, daß, da alle Akten, welche hier vorliegen, bloß im Laufe des Gantverfahrens durch die Parteien beigebracht seien, ich darin kein von K. herrührendes Blatt vermuten könne. Dagegen zeigte ich ihm zwei auf dem dritten Aktenhaufen liegende Faszikel, welche Originalakten von K. enthielten. Wir durchsuchten diese, fanden das bezeichnete Papier nicht, und Kerner verließ mich nun mit der Aufforderung, abends um 7 Uhr selbst zu Frau H. zu kommen, wo sie dann schon magnetisch schlafe.

Ich traf ein. Sie fing, nachdem sie sich mit ihrem Krankheitszustand beschäftigt hatte, wieder mit der Geschichte jenes Mannes an, der noch immer traure und in sie dringe, doch auf das Papier zu helfen. Sie klagte den Arzt des unvollständigen Nachsuchens an, beschrieb wieder das Papier und den Ort, an welchem es liege, wie früher, und beharrte darauf, daß es noch (sie sehe es) an demselben Platz, mit starkem grauem Papier umschlagen, unter andern Papieren liege.

Ich hatte die Sache nicht weiter berücksichtigt, aber den 31. Dezember morgens schickte ich dem Gerichtsnotar einen großen Teil der zuoberst gelegenen Akten des zweiten und dritten Haufens zu der Fertigung der Gantverweisung zu, und den (jenen Mann nichts angehenden) ersten Haufen, welcher Pflegrechnungen enthielt, die mir ad revidendum eingeschickt waren, hatte ich zur Bearbeitung anderwärts hinbefördert.

An demselben Tage nachmittags kam Kerner zu mir, um noch genauer nach den Akten zu suchen, weil die H. durchaus darauf dringe, um von der sie quälenden Erscheinung los zu werden. Ich legte ihm die übriggebliebenen, aus ihrer ursprünglichen Lage nicht verrückten, sämtlichen Aktenfaszikel in ihrer Reihe vor. Wir durchgingen alle Blätter, und siehe da, in dem Faszikel, welcher in dem zweiten Aktenhaufen nach der ursprünglichen, der Aktenversendung an den Notar vorangegangenen Lage etwas unter der Mitte der ganzen Höhe gelegen hatte und in grauen Umschlag gehüllt war, befand sich das Blatt mit allen von ihr genannten Kennzeichen als Beilage eines im Jahre 1820 von Seite F.s eingereichten Liquidationsrezesses, den der Konsulent Dr. F. in Stuttgart verfaßt hatte. Kerner, nachdem der Fund geschehen war, verließ mich, mit der Bitte, abends die Schlafwache zu besuchen und ihrem Gespräche über den fraglichen Gegenstand wieder anzuwohnen.

Ich kam, ehe sie magnetisiert war, was bald geschah, und sie begann, nach ihrer Krankheitskritik, wieder von jenem Manne, und fand ihn getröstet. Das Papier muß aufgefunden sein, sagte sie; aber nun deute er immer aufs Mittlere der ersten Zeile, er wolle wohl auf dieses Buch deuten. Es hieß nämlich die gedachte erste Zeile im Original:

›Ins Geheimbuch einzutragen.‹ –

Ich schalte hier ein, daß ich, ehe ich von Hause weggegangen war, um ein desto festeres Kriterium des Wissens der Frau H. zu erhalten, die über dem fraglichen Faszikel gelegenen Faszikel auf den dritten Haufen hinüber umgelegt, dann den fraglichen Faszikel aufgebunden, die dem beschriebenen Blatte vorangegangenen Aktenstücke auch hinübergelegt und somit bewirkt hatte, daß das Blatt ganz offen vorlag, was bloß ich allein wußte. Auf die Frage des Arztes, ob das Blatt wirklich gefunden sei, und ob es noch an derselben Stelle liege, gab sie nach kurzem Versenden ihrer Sinne an:

›Die Papiere sind nicht mehr alle da, der erste Haufe ist gar nicht mehr da, und die andern Papiere liegen auch nicht mehr so. Ei! Und was ist denn das? Da liegt ja das Papier offen, das der Mann in der Hand hat!‹

Nun begann sie in Jammertönen sich über die Witwe des Mannes zu ergießen, wenn sie das täte.

Sie meinte hierunter, da sie die große Sünde des Schritts, das Verscherzen der Seligkeit usw. mit vorstellte, offenbar die Leistung des Manifestationseids unter Ableugnung des Geheimbuches, ohne je (wie auch sonst) den Namen zu benennen.

Somit endete jener Abend, und vom weiteren bin ich nicht Zeuge.

Sie schrieb an einem folgenden Abend selbst im magnetischen Schlaf einen Abmahnungsbrief an die Frau. Aber wo das Geheimbuch sei, darüber sprach sie sich nie aus, und, da gerade eine Vereinigung der Handlung von F. mit der Witwe von K. in jene Zeit fiel, so drang man auch nicht weiter von selten des Arztes in sie, zumal sie erklärt hatte, die Anschaffung des Geheimbuches würde sie auf sieben Tage in ihrem Krankheitszustande zurücksetzen. K.s Erscheinung hörte nach und nach auf.

Wenn nun auch der Unglaube alles für Eingebung und Anstiftung von Seiten der F.s, um den Relikten K.s einen Popanz zu machen, ansehen möchte, so bliebe jederzeit hierdurch nicht erklärlich:

  1. 1. das nur mir allein bekannte Sitzen an einer mir sonst ungewöhnlichen Arbeitsstelle am letzten Christfeiertag;
  2. 2. das ganz zufällige, sonst nicht stattgefundene Offenstehen einer Kastentüre, in dem durch jene Woche ganz ungeheizt, und außer von mir und meinen Incipienten unbetreten gebliebenen Gerichtszimmer;
  3. 3. das sichere Bestimmen der Lage des Faszikels, der nicht einmal in seiner richtigen Zahlenfolge sich befand;
  4. 4. die Bezeichnung der kleinen und sehr alten Einbeugung des Papiers auf dem fraglichen Blatte, welche sich doch gewiß im Jahre 1820 auf der etwa von den Exhibenten zurückbehaltenen Abschrift des Blattes niemand notiert hat. Auch ist es von da an meines Wissens der Partei nicht mehr mitgeteilt worden.
    Oberamtsrichter Heyd.«

 

Die vorstehende Tatsache, wie auch die vierte hier später aufgeführte, stellte sich hauptsächlich so heraus, daß sie die Annahme einer Mitteilung Verstorbener für diejenigen, die mit dem Gang der Ereignisse, mit den Personen und dem Lokal und allen Nebenumständen, welche die Geschichte nicht gerade berührt, aufs genaueste vertraut sind, notwendig fordert; denn in diesen zwei Tatsachen finden sich hauptsächlich urkundliche Zeugen und Dokumente, die mit den Angaben der Seherin aufs genaueste übereinstimmen. Zu ihnen möchte ich noch jene oben angeführte Tatsache rechnen, wo die Seherin den Tag der Geburt eines ihr im Leben unbekannt gewesenen Verstorbenen, unter den dort angeführten Umständen, so bestimmt angab.

Das Blatt beurkundete die Existenz eines Geheimbuchs, das aber aus den Augen verschwunden war. Die Frau war in Gefahr, zu einem Manifestationseid aufgefordert zu werden. Und davor sollte sie gewarnt werden, weil es ihr alsdann noch schlimmer ergehen würde als dem Verstorbenen. So knüpft sich auf eine treffliche Weise die Erscheinung eines Verstorbenen an die moralische Rettung eines Lebenden.

Wir wollen nun für diejenigen, welche Geistererscheinungen verwerfen, die möglichen Kombinationen näher beleuchten. Wer die Kraft des Magnetismus im Fernsehen und Fernfühlen annimmt, hat hauptsächlich folgende Hauptfragen zu beantworten;

1. Wer hat der Seherin ein Interesse für die Gantgeschichte des verstorbenen K. beigebracht, sie von einem in den Akten liegenden Blatte als Dokument eines Geheimbuchs im Oberamtsgericht unterrichtet, und dieses Blatt mit einem Manifestationseid, der der Frau des Verstorbenen abgefordert werden könnte, in Verbindung gesetzt? Wäre eine solche Person aufgefunden, so würde das übrige, nämlich die Kennzeichen des Blattes, der Ort unter den Aktenhaufen, wo es liege, die Veränderungen in der Lage der Akten und überhaupt die Angabe in Hinsicht der Personen, Ort und Zeit, durch das Fernsehen erklärbar sein. Aber eben hier liegt der Knoten – eine solche Person findet sich nicht in Weinsberg, welche bekannt mit diesen Umständen und im Besitze der nötigen Notizen, sich ins Einverständnis mit der Seherin gesetzt hat. Man fragt gewöhnlich auch bei einer Sache nach dem Zweck. War die Auffindung des Geheimbuchs der Zweck, wem hat es nützen sollen? Offenbar nur demjenigen, der aus den darin enthaltenen Notizen noch Vorteil hätte ziehen können.

Von dieser Qualität findet sich in Weinsberg nur eine Person, und dies ist Herr Kameralverwalter Fezer als Hauptinteressent der Weinhandlungsgesellschaft; er wußte aus den Akten die Existenz des Blattes, er konnte aus den in dem Geheimbuch enthaltenen Notizen noch Vorteil ziehen, und ihm konnte allein etwas daran gelegen sein; – aber eben Herr Kameralverwalter Fezer sah die Somnambule auf Einladung des Dr. Kerner zum erstenmal, als sie von den Erscheinungen des K. schon öfters gesprochen hatte; und wozu hatte denn Herr Fezer eine Somnambule nötig, da er ebenso gut ohne sie, auf Grund des Blattes, auf richterlichem Wege den Manifestationseid hätte betreiben können? Wieviel einleuchtender ist der in der Geschichte angegebene moralische Zweck, die Witwe vor einem Manifestationseid zu warnen, weil es ihr noch schlimmer ergehen würde als dem Verstorbenen? Und dazu sollte eben die neue Auffindung des Blattes das Hauptmoment bilden und der Witfrau vor Augen gehalten werden.

2. Welchen Grund haben die Gegner, den Charakter der Seherin zu verdächtigen? Denn welche Kombinationen über die Geistererscheinungen auch gemacht werden mögen, so müssen sie auf Kosten der Moralität und Wahrheitsliebe der handelnden Personen gehen. Ihre Angaben sind alle von der Art, daß man sie nicht mehr in das Kapitel unschuldiger Selbsttäuschungen bringen kann. Soll ein andrer Grund der Erscheinungen angenommen werden, so muß es nicht nur eine absichtliche Täuschung, sondern vielmehr ein abgefeimter Betrug sein. Es ist aber ein konstantes Phänomen, daß die Somnambulen vom dritten Grade in eine moralisch-religiöse Stimmung übergehen, die jedesmal dem christlichen Prinzip zugekehrt ist. Nirgends mehr als bei unsrer Seherin, deren magnetische Erscheinungen alle vom dritten Grade sind, bestätigt sich diese Erfahrung; wie mag man nun auf einer Seite die dem dritten Grade des Somnambulismus eigentümliche moralisch-religiöse Stimmung, die uns die Seherin durchaus in ihrer Geschichte darbietet, annehmen, und auf der andern Seite ihre Geistererscheinungen als absichtliche Täuschung oder Betrug erklären? Diese Inkonsequenz wird wohl nicht bestritten werden können. Um nicht genötigt zu sein, die Wahrheit der obigen Tatsache einzugestehen, nimmt der elende Weltverstand, dem nichts heilig ist, seine Zuflucht zur Verleumdung und Anschwärzung, und sieht nicht ein, daß ein bösartiger Verleumder ebenso tief oder noch tiefer zu verachten ist als ein Betrüger. Wie mag man annehmen, daß eine Person, deren Geschichte von nichts als von körperlichen Leiden und harten Prüfungen zeugt, und welche die gewissen Ahnungen ihres Todes so deutlich ausspricht, alle die guten Gesinnungen erheuchle und einen so schnöden Betrug mit in das Grab nehmen möge, wovon ja nicht der mindeste zeitliche Vorteil, wohl aber ein ewiger Nachteil vorauszusehen ist – einen Betrug, gegen dessen Folgen für das andre Leben die Seherin mit solcher Stärke selbst predigte? Ich muß gestehen, daß schon die Annahme solcher Widersprüche, nach meinem Sinne, eine unmoralische Seite darbietet, und es mag sehr im Zweifel sein, ob nicht der Beschuldiger mehr dabei verliert als der Beschuldigte. Der Fernstehende kann überhaupt hier nicht richtig urteilen, denn die Geschichte der Seherin ist nur ein matter Abriß von dem, was sie ihren Freunden im Umgange und im Leben selbst darbot. Man mußte mit ihr in die Tiefe ihres Gefühlslebens, sowie in die Höhe ihrer geistigen Anschauungen selbst eingegangen sein, um den Sinn der Wahrheit, der sich darin aussprach, nicht mehr zu verkennen. Die Verklärung, in der ihre Freunde sie so oft sahen, duldet keine Heuchelei, und wenn auch nach dem Apostel Paulus es dem Satan möglich ist, sich als einen Engel des Lichts zu verstellen, so steht gewiß solches nicht mehr in der Macht der menschlichen Form. Mir ist es schon längst klar, daß solche Erscheinungen kommen müssen, um dem erbärmlichen Weltverstand alle seine Blößen hinzuhalten, und die Naturgesetze, an denen er anklebt, wie der Wurm an der Erdscholle, als völlig unzureichend zu erweisen. Gewiß ist die Natur nichts andres, als die Unterlage für den Geist, auf welcher er das Reich der Freiheit aufrichten soll, das weit über alle Naturgesetze erhaben ist. Das Reich der Freiheit aber geht durch das ganze Geisterreich des Universums, und der Mensch ist nur ein eingeschobenes Glied der großen Kette. Darum, weil diese Wahrheit vergessen und verödet ist und in den Weltverstand wie in einen Abgrund versunken, muß das von der Welt verachtete Werkzeug kommen, um ihn zuschanden zu machen.

Ein andrer Scharfsinniger wollte wissen, ein Geheimbuch sei was ganz Unverfängliches, und das hätte jener K. nie zu verbergen gehabt.

Nachstehende Erklärung Herrn Kameralverwalters Fezer wird den geneigten Leser anders belehren.

»K. (eben der Verstorbene und der Seherin Erscheinende) hatte mehrere Kassen zu verwalten, und zugleich war ihm ein beträchtliches Depositum anvertraut. Nach seinem Tode, wo die Rechnungen justifiziert wurden, fanden sich in allen Kassen ohne Ausnahme größere oder mindere Passivreste, und zugleich waren auch die Depositengelder verschwunden. Für die Fezersche Weinhandlungsgesellschaft allein wurde ein Rest von mehr als 5000 Gulden erwiesen. Aus den Büchern über sein eigenes Geschäft ließ sich nicht die mindeste Notiz über die Verwendung dieser vielen Gelder erheben, und es mußte dies um so mehr auffallen, da sein Aufwand mit seinen Einnahmen nicht außer Verhältnis war, und die veruntreute Summe innerhalb einer Periode von wenigen Jahren im ganzen über 20 000 Gulden betrug. Zu diesen Vertuschungen, Verschiebungen aus einer Kasse in die andre, und besonders untreuen Verwendungen der Gelder hatte K. durchaus ein Geheimbuch nötig, in welchem er die dahin gehörigen Notizen sammeln mußte. Und nun ist der große Unterschied sogleich klar zwischen einem Geheimbuch, das der Prinzipal seinen Commis gegenüber führt, was nichts Verfängliches hat, und zwischen einem Geheimbuch, das ein betrügenscher Sachwalter seiner Prinzipalschaft gegenüber führt, was etwas sehr Verfängliches hat.

Für die Fezersche Gesellschaft mußte das fragliche Geheimbuch, dessen Existenz eben durch das zu den Akten gegebene bekannte Blatt erwiesen war, schon insofern von Wichtigkeit sein, als die durch Vorzugsrechte begünstigten Kassenreste und andre Gelder die Aktivmasse des K. absorbieren mußten. Die Fezersche Gesellschaft konnte auch wirklich nur teilweise von der Gantmasse befriedigt werden, und darum mußte ihr am meisten oder beinahe ausschließlich an Beibringung des Geheimbuchs gelegen sein, hauptsächlich, um daraus zu ersehen, wohin die Gelder verwendet wurden. In diese Zeit fällt die Anregung zu einem Vergleich, und nur der nachher wirklich zustande gekommene Vergleich war schuld, daß ich (Kameralverwalter Fezer) von jenem Blatte, auf welches die Seherin, durch die Erscheinung K.s veranlaßt, hinwies, keinen Gebrauch machte und auf keinen Manifestationseid in Hinsicht des Geheimbuches drang. Hierbei ist wohl zu bemerken, daß dieser Vergleich, welcher eben in die in der Geschichte bemerkte Periode fiel, in der tiefsten Stille abgeschlossen wurde, so daß er selbst dem Stadtschultheißenamt sowie dem Publikum erst spät bekannt wurde.

Ob ich gleich nie an solche Erscheinungen glaubte und auch bei frühern Somnambulen viele Zweifel hatte, so überzeugte ich mich doch in diesem Fall als Augen- und Ohrenzeuge nicht nur von der Richtigkeit der Tatsachen, sondern auch von der Abwesenheit aller Täuschung. Diese Frau H. war eine vor ihrer Hierherkunft mit dem hiesigen Lokal und Personal nicht im mindesten bekannte Person; sie wurde von dem Mietsmann meines zweiten Hauses, und zwar zu meinem Anstoß, ohne meine Einwilligung ins Logis aufgenommen und war von Menschen umgeben, welchen die K.sche Geschichte ganz unbekannt war, und welche für dieselbe auch nicht das mindeste Interesse haben konnten. Das Publikum hatte, nach bereits verstrichenen sieben Jahren vom Beginn des Gantes an, sich über diesen Gegenstand längst ausgeschwatzt, und selbst mir war die Erinnerung an das Notizenblatt so sehr gleichgültig, daß es mir erst wieder, nachdem die Seherin davon sprach, eine wichtigere Beziehung erhielt. Kein Wort von diesem Blatte war je von mir ausgegangen, und kein Mensch als ich und der Richter hatten davon Notiz genommen. Nicht im mindesten war auch deswegen eine drohende Insinnation zu einem Manifestationseid an die Witwe K. gemacht worden. Ich bin daher fest überzeugt, daß der Seherin zur Auffindung dieses Blattes von keiner Seite her eine Veranlassung gegeben wurde, und dies um so mehr, als ich mir keinen Menschen denken kann, der außer mir ein Interesse daran hätte nehmen können. So unbegreiflich auch diese Tatsache jedem erscheinen kann und muß, so bin ich doch überzeugt, daß sie nicht widerlegt werden kann.

Was ich hier mitteilte, ist gewiß die reinste Wahrheit, deren Hauptpunkte durch amtliche Akten sich beurkunden lassen, und ich stelle daher jedermann frei, jeden beliebigen Gebrauch davon zu machen.
Kameralverwalter Fezer.«

 

Aus dieser Darstellung, welche von einem sehr ehrenwerten Manne kommt, wird jeder Scharfsinnige ersehen:

1. Wie es etwa blöde war, sich den Unterschied zwischen einem verfänglichen und unverfänglichen Geheimbuch nicht vorher zu abstrahieren.

2. Wie nichtsbesagend alle Einwürfe, die er aus der Schilderung nimmt, welche die Seherin von dem Verstorbenen machte, gegen die Wahrheit der Tatsache sind.

3. Wie wichtig hingegen eben diejenigen Momente, welche er zu den Nebenumständen rechnet, durch ihre Beurkundung werden.

4. Wie der ganze Zweck nicht in die Auffindung des Blattes, das ja als in den Akten befindlich bekannt sein mußte, sondern in die Warnung der Witwe vermittelst des Blattes und der überhaupt mit demselben verbundenen Umstände gelegt ist, keinen Manifestationseid zur Verhehlung des Geheimbuchs zu schwören, wozu es ohne den eingegangenen Vergleich hätte kommen können, und

5. wie überhaupt kein andrer Grund der Erscheinungen aufzufinden ist als der, den die Somnambule angibt, deren Charakter auch die Wahrheit verbürgt.

2. Tatsache zu Weinsberg

Bei den oben angeführten Erscheinungen zu Oberstenfeld wurde mehrmals bemerkt, daß man im Hause der Frau H. daselbst öfters metallische Töne wie von einem Triangel hörte, auf welche dann von ihr und auch manchmal noch von andern Personen ihrer Familie und namentlich von ihrem Vater und von ihrem Bruder ein Geist in weiblicher Tracht erblickt wurde, der zuletzt mit einem Kinde auf dem Arme erschien, und ganz trauernd blickte. Mit diesem nun in Verbindung scheint nach= stehende Erscheinung zu stehen.

Abends 7 Uhr, am 6. Oktober 1827, als ich und einige andre Personen bei Frau H. im Zimmer waren, ging auf einmal die Türe des Vorzimmers von selbst auf und wieder zu. Wir sahen sogleich nach, aber es war nirgends ein Mensch zu sehen, der dies hätte tun können. Kurze Zeit darauf hörte man in der Luft des Zimmers, in dem wir waren, ganz deutlich eigene metallische, fast melodische Töne, die einige Minuten andauerten, es wurde aber keine Erscheinung erblickt. Am 7. Oktober, halb 12 Uhr morgens, hörte man wieder die gleichen Töne in der Luft des Zimmers, in dem außer der Frau H. noch eine Person war, und Frau H. sah bald darauf die Geistergestalt einer Frau an der offenen Türe, die vom Vorzimmer in ihr Zimmer führte, vorübergehen. Die Gestalt war lang, hager und noch nicht alt, und schien ihr mit einem braunen Rock bekleidet, der äußerst viele Falten hatte. Über den Kopf hatte sie die allen weiblichen Geistern gemeine Verschleierung.

Am 11. Oktober geschah das gleiche, nachdem man vorher wieder jene klingenden Töne vernommen hatte; es waren Töne wie mit einem kleinen Triangel. Frau H. hörte da die Gestalt langsam und deutlich sagen: »Wer so im Dunkeln sitzt wie ich, der hat große Qual.« Am andern Tage kam die Geistin wieder, und trat weiter in das Zimmer herein, sprach aber nichts.

In der Nacht vom 15. auf den 16. wurde Frau H. auf einmal erweckt, und erblickte dann einige Schritte vor ihrem Bette die Geistin. Sie sprach zu ihr: »Ich will selig werden, wie soll ich es machen? Ich weiß, daß ich nur durch den Erlöser selig werden kann, weiß aber nicht, wie ich ihm mich nahen soll.« Frau H. antwortete ihr: »Durch ein anhaltendes demütiges Gebet und Flehen um Gnade und Vergebung deiner Sünden.« Hierauf ging sie.

In der Nacht vom 31. Oktober, gegen 1 Uhr, kam die Geistin wieder und sagte: »Willst du jetzt mit mir beten?« Sie hatte die Hände kreuzweise übereinander gelegt. Frau H. erkannte jetzt in ihr die Geistin, die sie öfters vor Jahren zu Oberstenfeld gesehen, wo sie ein Kind auf dem Arme trug und in Begleitung eines männlichen Geistes kam.

Es wandelte sie Furcht an, und sie sagte zu ihr: »Ich kann so nicht mit dir beten (sie meinte so mit ihr selbst), bete du für dich: Ich glaube, daß Jesus Christus wahrhaftiger Gott usw.« Hierauf wurde sie ihrem Aussehen nach traurig und ging.

Frau H. erinnerte sich nun auch, daß die gleichen Töne zu O. jedesmal vor ihrem Erscheinen und auch hie und da ohne dasselbe gehört wurden.

In der Nacht vom 1. November kam dieselbe Geistin wieder und fragte Frau H. etwas, das sie auf den Geist bezog, mit dem sie ihr früher in O. erschienen war, allein Frau H. konnte sich morgens dieser Frage durchaus nicht mehr genau erinnern.

In der Nacht vom 27. auf den 28. kam dieselbe wieder und sagte, sie sollte mit ihr beten, aber sie tat es nicht. Als ich sie um die Ursache fragte, sagte sie mir, es komme ihr vor, als sei dieselbe noch nicht in dem Zustande, wo es etwas nützen würde, und sie würde zu schädlich auf ihre Gesundheit einwirken. Frau H. hatte Furcht vor ihr.

Abends 7 Uhr, am 30. November, als ihre Eltern und ihre Geschwister zu Oberstenfeld im Zimmer saßen, sah auf einmal ihr Bruder an der zur Kammer führenden offenen Türe diese Geistin vorübergehen. Sie wurde von ihm und dem Vater auch schon vor Jahren, wie schon bemerkt, öfters gesehen.

In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember kam sie wieder hierher, die Arme kreuzweise über die Brust geschlagen, und sah Frau H. trauernd und stumm an.

Als sie einige Tage darauf abends wieder erschien, erblickte auch das Kind der Frau H. die Geistin. Es lächelte zuerst, wie auf eine Bekannte auf sie hindeutend, legte sich aber dann schnell und furchtsam auf die Schulter der Person, die es trug, zurück Wahrscheinlich war dem Kinde diese Erscheinung von O. aus bekannt.

In der Nacht vom 13. kam die Geistin und hatte nicht mehr ihr voriges Gewand, sondern einen lichten, weißen Faltenrock an. Sie sprach: »Die Zeit ist gekommen, woran ich erkenne, daß Jesus Christus ist wahrhaftiger Gott vom Vater usw.« Frau H. sagte: »Welche Zeit ist dies?« Und sie antwortete: »Es ist die Zeit, wo wir die Seligen ihre Festtage feiern sehen. Ich weiß jetzt, daß alle Menschen nur durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes selig werden können, aber ich betete den St. Anton an. Bete du mit mir zur Stärkung meines Glaubens!« Frau H. betete nun mit ihr ein Gebet aus dem Herzen, das die Geistin kniend nachsprach. Von da an erschien sie nicht mehr bei Frau H.

Nachdem obiges schon vier Jahre früher sich ereignet hatte, nachdem Frau H. schon zwei Jahre lang tot war, geschah zu Oberstenfeld, was hier folgt, und das kann demjenigen für die Objektivität und Realität der Geister der Seherin von Prevorst einen Beweis liefern, der nicht geflissentlich von jeder Tatsache sich mit Gewalt abwendet, weil er solche Erscheinungen nun einmal durchaus nicht glauben will, da sie nicht in seine Systeme und in seine Phantasien von Gott und Welt passen.

Mehrere Jahre, nachdem Frau H. Oberstenfeld verlassen hatte, zog Herr Schultheiß und Verwaltungsaktuar Pfäfflen von auswärts nach Oberstenfeld, wo er eines der alten Häuser des Stifts kaufte und neu bauen ließ. Unter dem großen Stiftsgebäude befindet sich ein Keller, den Herr P. zur Benutzung hat.

Voraus muß gesagt werden, und ist aufs bestimmteste zu versichern, daß Herr P. die Seherin von Prevorst in seinem Leben nie sah, daß niemand von ihrer Familie mehr in Oberstenfeld lebt, daß Herr P. selbst ihre Geschichte bis auf den heutigen Tag noch nicht gelesen hat, und von jenem speziellen Fall ihres Sehens auch zuvor nie etwas gehört hatte.

Völlig unwissend und unbefangen war also Herr P. in diesem Punkt. Er ist ganz gesund, ist kein Frömmler, gehört zu den Männern von Bildung und Aufklärung, und glaubte zuvor nie an Geistererscheinungen.

Die nachfolgende Erzählung, deren Wahrheit Herr P. mit seiner Ehre verbürgt, möge der Zweifler, doch ehe er urteilt und verdammt, aus dem Munde dieses unparteiischen Mannes selbst hören!

Wem es darum zu tun ist, die Wahrheit hier wirklich erfahren zu wollen, der sollte das Opfer einer kleinen Reise, wie zum Beispiel von Stuttgart nach Oberstenfeld, nicht scheuen. Hinter Schreibtischen und Öfen läßt es sich bequem über derlei Erscheinungen aburteilen und rationalisieren. Keiner der Herren, die sich Freunde der Wahrheit nennen, setzt aber der Wahrheit zulieb nur einen Fuß über den Nesenbach, keiner prüft an Ort und Stelle, keiner lernt Personen, die solche Erfahrungen machen, selbst kennen, und hört sie selbst darüber an. Jahrelang waren die außerordentlichen Erscheinungen der Seherin von Prevorst öffentlich bekannt, keiner der Herren, die die Seherin nun auf einmal so gut kennen wollen, die über sie ganze Bände ins Blaue hinein schreiben, nahm sich, als sie noch lebte, die Mühe, sie selbst zu sehen, selbst zu hören, selbst zu prüfen.

Hinter ihren Schreibtischen blieben sie sitzen, wollen aber nun alles besser gesehen, gehört und geprüft haben, als selbst der ruhige, ernste, tiefdenkende Psychologe Eschenmayer, der alles an Ort und Stelle selbst untersuchte und prüfte, und um der Wahrheit willen, sogar in der härtesten Kälte des Winters, keine Reise nach Weinsberg scheute. Nur auf solchen Wegen ist in solchen Dingen die Wahrheit zu erforschen, auf dem Wege eines bloß gelehrten Wissens und Spekulierens bei der Sandbüchse findet man sie mitnichten.

Ich kehre zur Erzählung des Herrn P. zurück.

»Als ich einmal (also erzählt Herr P.) in dem unter dem Stifte befindlichen Keller ganz allein war, vernahm ich hinter einem der Fässer ein Klopfen, so deutlich und heftig, als arbeitete der Küfer an ihm. Da ich nicht anders glauben konnte, als es sei der Küfer da, rief ich ihm zu: was er da mache? erhielt aber keine Antwort. Nun sprang ich hinter das Faß, erblickte niemand, und im ganzen Keller, den ich genau durchsuchte, niemand. Ohne den Vorfall enträtselt zu haben, verließ ich wieder den Keller, dachte aber dabei nicht gerade an etwas Übernatürliches und durchaus nicht an Geister.

»Ich kam später öfters wieder in den Keller, hörte aber da nichts, hatte auch die Sache schon längst vergessen, als ich voriges Jahr (1830) am Pfingstfest morgens, als man gerade das Abendmahl in der Stiftskirche oben reichte, in den Keller zu gehen genötigt war. Meine Gedanken waren durchaus nicht auf Geister gerichtet, an die ich nie glaubte; ich war einzig da mit den Einsetzungsworten des Abendmahls im Geiste beschäftigt, die ich den Geistlichen oben in der Kirche sprechen hörte. Ich wandte mich nach meinem beendigten Geschäfte vom Fasse, um wegzugehen; da sah ich mit Erstaunen eine Frauengestalt in einem weißen altdeutschen Gewande, das mit roten Flecken, wie Blutflecken, übersäet war, einen Schleier auf dem Haupt und ein Kind auf dem Arme tragend, hart an mir vorüber durch den Keller gehen.

Sie ging die Kellerstaffeln hinauf, und blieb auf halbem Wege stehen, als erwartete sie mich da.

Ich war meiner Sinne völlig Meister. Ich ging beherzt den gleichen Weg hinter ihr her, und als ich bei ihr angekommen war, strengte ich mich an, sie anzusprechen, vermochte es aber durchaus nicht, und es verschwand jetzt auch die Gestalt in den Stein des Gewölbes.

Dennoch hatte mich keine Furcht ergriffen, es war mehr ein Gefühl von Erstaunen und von Bewunderung des wunderschönen Kindes, das die Frau auf dem Arme trug.

Ich schloß hinter mir den Keller, und ging dann sogleich wieder in denselben in Begleitung meines Gehilfen. Wir durchsuchten das ganze Gewölbe, um zu sehen, ob ich oder er noch einmal imstande wären, diese Frau mit dem Kinde zu sehen, aber alles Suchen und Warten war vergebens; wir sahen nichts, fanden auch keinen lebenden Menschen.

Drei Tage lang kam ich wieder in das Gewölbe und bemerkte nichts, am vierten Tage aber sah ich die Frau mit dem Kinde auf dem Arme und durch dasselbe wieder den gleichen Gang gehen, aber Kleidung und Schleier waren nun schwarz.

Nicht wie das erstemal, Erstaunen und Bewunderung, sondern der furchtbarste Schauer war nun mein Gefühl; ich eilte, fast außer mir, an ihr vorüber, und fühlte noch lange die Folgen eines Schreckens, der mir vorher ganz unbekannt war. Dennoch ging ich seitdem fast ein Jahr lang täglich in dieses Gewölbe, sah aber seitdem diese Erscheinung nicht mehr.«

Eine Verwandte des Herrn P. erzählt: daß auch sie sehr oft in diesen Keller komme, nie etwas sehe, aber oft höre, wie etwas mit lauten Tritten (als wie schlurgend) vor ihr hergehe oder sich ihr nähere.

Dies ist nun die Erzählung eines völlig unbefangenen, nüchternen, parteilosen Mannes, der die Seherin nie kannte, und auch selbst nicht somnambul ist.

3. Tatsache zu Weinsberg

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1827, als Frau H. gegen 12 Uhr wachend im Bette lag und gerade Wasser trank, ging die Tür auf und zu, und es trat ein Geist in Gestalt eines dreißigjährigen Mannes, in einem langen offenen Rock, mit großen breiten Knöpfen, kurzen Hosen, Wickelstrümpfen und Schuhen mit Schnallen, einem Halstuche, das mit einem Knopfe geknüpft und in zwei langen Lappen herunterhing {also in der altern Bauerntracht) zu ihr und sprach: »Du mußt mit mir in meinen Stall hinunter!« Sie sagte: »Wo ist der?« Er sagte: »Bei des Werkmeisters Haus, ein altes, großes Haus!« Hierauf ging er wieder zur Tür hinaus, indem er (ihr sichtbar) die Tür auf und zu machte. Sein Aussehen war schwarzgrau. Sie sagte: »Seine Sprache und Aussehen war ganz plump, und ich meine, die mehr oder weniger äußere Bildung, die man auf der Erde erhalten, nimmt man doch auch in das Geisterleben durch den Nervengeist mit.«

Am 21., abends 9 Uhr, zupfte es immerwährend, auch andern sichtbar, an den Bettstücken der Frau H., und unter dem Tische hörte man Töne wie von einem Hunde. Nächtlich hörte man im Zimmer Tritte wie die eines Menschen.

Nach 10 Uhr ging die Türe hörbar auf und zu, und der Geist des Bauern trat wieder ein. Er stand nur kurze Zeit stumm vor dem Bette der Frau H. und ging dann wieder zur Türe, die er öffnete, hinaus.

Am 22., abends 7 Uhr, als Frau H. allein im Zimmer war, kam jener Geist des Bauern wieder zur offenen Türe herein und führte eine Weibsperson von ungefähr 23 Jahren an seiner linken Hand, die, wie er, die Tracht einer Bäuerin hatte. Als sich die Geister dem Bette der Frau H. näherten, wandte sich Frau H. auf die andre Seite, um sie nicht länger zu sehen, und verfiel in einen heftigen allgemeinen Krampf. Als sie sich aus demselben wieder erholte, erzählte sie mir die Erscheinung und sagte mir: sie wisse nicht warum, aber sie habe mit diesem Weibsbilde großes Mitleiden, fürchte sie aber so sehr, daß sie aus Furcht, sie wieder zu sehen, nicht mehr allein bleiben wolle.

Am 27., nachmittags 2 Uhr, als Frau H. am Fenster gestanden und wieder ins Zimmer sah, stand auf einmal der Geist des Bauern mit dem weiblichen Geiste vor ihr und sagte: »Jetzt komme sogleich mit mir in meinen Stall!« Sie fragte: »Was soll ich dort tun? Was ist dort?« Hierauf sprach der weibliche Geist in einem äußerst kläglichen Tone: »Wir haben ein Kind ermordet und es im Stalle vergraben, wodurch ich nachher gestorben bin; der hat die Schuld.« Und dabei deutete sie auf ihren Begleiter. Frau H. wollte weiter fragen, aber da gingen die Geister. Sie sagte mir: die Gestalt des Weibes sei dunkelaschgrau, ihr Kopf sei mit einem Tuch auf die Art verschleiert, wie ihr alle weiblichen Geister erschienen, sie habe einen Kittel und einen Rock an. Der Kittel habe ringsum Lappen. Der Bauer habe ein Käppchen auf, rund, vorne mit einem aufgeschlagenen Stülp.

Am 1. August, vormittags 9 Uhr, kam der Geist des Bauern mit seiner Begleiterin wieder. Sie traten vor ihr Bett, und der Geist seufzte tief und laut. Das Aussehen beider war äußerst traurig.

Am 3. August, morgens 8 Uhr, kamen diese Geister wieder stumm zu ihr, da untersagte sie ihnen mit festem Tone, wieder zu ihr zu kommen.

Diese Erscheinung verursachte ihr größere Bangigkeit als die der andern. Ihre jetzige Wärterin, ein Mädchen von Verstand und Bildung, das zwar nicht fähig ist, die Geister zu sehen, fühlte jedoch immer hauptsächlich das Erscheinen und die Anwesenheit dieser zwei Geister durch eine Anwandlung von besonderer Beängstigung, wenn sie auch von deren Anwesenheit durch die Kranke, die ihr dieselbe immer geflissentlich zu verbergen suchte, nichts erfuhr.

Am 3., nachts 2 Uhr, kamen diese Geister wieder. Frau H. faßte sich und befragte sie noch näher um den Mord des Kindes; da antwortete der weibliche Geist heftig und wie erzürnt: »Ich nahm ein Gift ein, um das Kind in mir zu töten, kam im Stalle nieder, dort begrub dieser das Kind, mich aber fand man nah in einer andern Scheuer tot.« Als sie noch einmal an Frau H. das Begehren machten, sie solle mit ihnen in den Stall gehen, befahl sie ihnen wiederholt, von ihr zu weichen. Sie gingen, kamen aber in der Nacht vom 6. auf den 7. wieder. Da sagte die Bäuerin: »Siehe uns arme Verlorene an, schaffe uns Linderung in unserm Schmerz«, worauf sie antwortete: »Wendet euch zu dem Herrn, eurem Erlöser, der nur kann euch helfen!« Hierauf gingen sie wieder. In der andern Nacht kam die gleiche Erscheinung, und der Bauer sprach: »Du mußt hinunter in meinen Stall, da mußt du zwei Schritte vor dem Trog nachgraben, und die noch wenigen Gebeine unsres Kindes auf den Kirchhof bringen.« Sie aber wies sie wieder an den Erlöser und zum Gebet. Das gleiche Begehren richtete der Geist am 8., abends 8 Uhr, an sie, und sie antwortete das gleiche.

In der Nacht vom 12. hatte Frau H. bei einem heftigen Winde die heftigsten Kopfschmerzen. Gegen 12 Uhr, als sie gerade in diesen lag und die Turmglocken Brand in einem nahen Orte verkündigten (wo also anzunehmen ist, daß ihr Geist eine ganz andre Richtung hatte), kam der Bauerngeist und seine Begleiterin, und letztere trug ein in alte Lumpen gehülltes Kind, von dem nur der Kopf sichtbar war, in den Armen. Der Bauer sprach: »Ich, Nikolaus Pfeffer, bin der Verführer dieser und der Mörder des Kindes, so knie nun hin und bete mit uns!« Sie sagte: »Das kann ich jetzt wegen großer Kopfschmerzen nicht!« Hierauf erwiderte der Geist: »Binde deinen Kopf kreuzweise und mache mit deinen beiden mittleren Fingern drei Kreuze auf ihn.« Dies wollte sie tun, machte es aber falsch, und der Geist zeigte ihr dann an seinem eigenen Kopfe, wie sie es machen solle. Als sie es so getan hatte, wich der Schmerz, und es blieb nur noch Betäubung. Die Geister knieten nieder, und der weibliche hielt kniend das Kind in den Armen. Sie betete nun mit ihnen eine Stunde lang. Nach dem Gebete sagte der Geist wieder: »Grabe doch nach, wo das Kind begraben liegt«, und dann gingen sie. Sie sagte mir: sie sehe jedesmal in ihren Ausdrücken, wie es ihnen während des Gebetes leichter werde.

In der Nacht vom 13. August kamen diese Geister wieder, aber ohne das Kind, und beteten mit ihr.

Am 14., nachts, traten diese Geister in Begleitung eines alten, ganz schwarzen Mannes ein, und wie sie sprechen wollten, trat dieser vor sie hin, und hielt ihnen beiden den Mund zu. Frau H. erschrak und verfiel in Krämpfe.

In der Nacht vom 15. kamen sie wieder, der schwarze Mann stand im Hintergrunde. Sie knieten an ihrem Bette nieder, und sie betete mit ihnen eine Stunde lang. Sie fragte da den Geist: was dieser schwarze Alte zu bedeuten habe, und was er gewesen sei? Er antwortete ihr: das sei derjenige, der ihm das Mittel zur Tötung des Kindes angegeben.

Als sie am 21., nachts, wieder zum Gebete kamen, fragte sie den Geist auf mein Ersuchen folgendes: »Bist du in des Werkmeisters Haus selbst gewesen, oder in einem andern, sage mir dies und den Stall genau.« Er antwortete: »Nicht in des Werkmeisters Haus selbst, aber nahe in einem alten großen Hause, in dem Stalle rechter Hand. Zwei Schritte vor dem Trog, wo er unten ausgeht, haben wir es begraben.«

Sie fragte noch: »Wer war denn eigentlich jener schwarze Alte, und was will er?« Er antwortete: »Es ist ein alter Schwarzkünstler aus einem nahegelegenen Ort, er gab mir die Kräuter, womit ich die böse Tat verübte, und er will in seinen Sünden auch jetzt noch verhindern, daß wir es sagen sollen.«

Am 17. Dezember, 1 Uhr nachts, kamen dieselben Geister wieder zu ihr zum Gebete. Sie fragte da die Geistin nach ihrem Namen, aber sie seufzte nur tief und sprach nichts. Sie fragte den Geist, wann er wieder komme, und er antwortete: »In sieben Tagen.«

In der Nacht vom 24. schlief neben der Wärterin noch ein sehr braves, unbefangenes, wahrheitsliebendes Mädchen von Löwenstein in dem Zimmer der Frau H. Dasselbe wußte zwar, daß Frau H. schon öfters Besuche von Geistern erhalten, aber durchaus nichts Einzelnes und namentlich davon nicht eine Silbe, daß der Frau H. der Geist eines Bauern in Begleitung einer weiblichen Person erscheine. Sehr verwundert erzählte mir diese Person am Morgen, noch ehe sie mit Frau H. darüber gesprochen hatte, folgendes: »Ich hatte nachts das Zimmer völlig verschlossen, und wir gingen zu Bette. Ich schlief neben der Wärterin, im gleichen Bette derselben (das einige Schritte von dem der Frau H. stand) ein. Gegen 1 Uhr erwachte ich dadurch, daß die Türe laut auf- und zuging, und da sah ich zwei Gestalten zur Türe herein an das Bett der Frau H. gehen. Ich hörte sie nicht gehen, sie kamen ganz leise daher, liefen aber wie Menschen. Es war ein Weibsbild und ein Mann. Das Weibsbild sah grau aus, der Mann schwärzer als sie. Das Weib hatte ein Kind auf dem Arme, das sehr klein war und auch grau aussah. Das Köpfchen und der Hals des Kindes waren ganz bloß, das übrige war mit Lumpen umwickelt, und das Weib hatte um das Kind die Arme gebreitet. Der Mann hatte einen Rock an und kurze Hosen, er war von mittlerer Größe, aber etwas größer als das Weib. Sie sprachen und Frau H. auch. Ich hörte beide sprechen, sie hatten eine feinere Stimme als gewöhnliche Menschen, sprachen aber deutlich, aber morgens wußte ich nicht mehr mit Bestimmtheit, was sie sprachen. Ich war gar nicht erschrocken, hätte aber auch nicht sprechen können, ich mußte nur immer auf das Kind hinschauen. Sie waren lange da, endlich gingen sie, und die Türe klappte wieder laut zu.«

(Nun beschrieb sie den auf diese gekommenen Geist des Jägers, wie in der Geschichte dieses zu lesen ist.)

»Von all diesen Gestalten«, sagte sie, »sah ich die Bildung wie von Menschen, aber die Haut kam mir ganz rauh vor, wie mit Sandkörnern bestreut und schwarz.«

Frau H. bestätigte diese Erscheinung. Ich fragte sie: ob sie nicht auch wie jene andre Person bemerke, daß die Geister eine ganz rauhe, wie mit Sandkörnern bestreute Haut haben, worauf sie sagte: »Es scheine dies nur so, es sei keine Haut, sondern das Wolkige ihres Bildes. Eine Wolke komme einem auch nicht glatt vor, wenn man in sie schaue, sondern wie zusammengeronnen, und dann meine sie, daß dieses Mädchen die Geister dunkler sehe als sie. Sie bemerkte ferner: daß sie, im Fall eine solche Geistergestalt vor das Nachtlicht trete, nie das Nachtlicht durch dieselbe durchleuchte, aber dennoch bemerke sie nie, daß ein solcher Geist einen Schatten werfe.

Diese zwei Geister kamen nun noch in verschiedenen Nächten zu ihr, immer zum Gebete, sie hatten aber nicht mehr die gewöhnliche Kleidung an, sondern ein helles Faltengewand, und ihre Gestalt war heller und lichter. In der Nacht vom 14. Oktober sagte der Geist: »Nun komme ich nur noch einmal.« Dies geschah in der Nacht vom 24. Oktober. Sie wachte nachts 12 Uhr, da kamen die zwei Gestalten und sagten beide wie aus einem Munde; »Wir kommen das letzte Mal und nehmen Abschied von dir.« Frau H. fragte sie: wo sie jetzt hinkommen, und sie antworteten: »In einen bessern Ort.« Sie schwebten hierauf davon, und erschienen nicht mehr.

 

Was den vom Geiste angegebenen Namen betrifft, so ist derselbe zwar kein Name einer hiesigen Bürgersfamilie, aber wenige Stunden von hier befinden sich Bauernfamilien, die diesen Namen führen. Sehr gerne hätte ich (was auch Frau H. wünschte) eine Nachgrabung nach den Gebeinen jenes Kindes vornehmen lassen, allein teils war das Haus mit jenem Stalle durch die Erscheinung nicht bestimmt genug bezeichnet, teils wurde ich dadurch verhindert, daß die Hausbewohner (und namentlich der, dessen Haus ich als das angegebene vermutete), in der Meinung, ihr Haus komme dadurch in den Ruf, als gehe in ihm ein Geist, eine solche Untersuchung nicht zugegeben hätten.

Auch bei diesen Geistern sehen wir eine Anhänglichkeit an ein irdisches Vorurteil, eine ängstliche Bekümmernis um die ordentliche Bestattung der Überreste jenes Kindes. Ihr Begehren an Frau H. war so lange, dieses zu ändern, bis sie sie belehrte, daß dies allein sie nicht an ihrem Seligwerden verhindere. Es ging ihre Sorge anfangs zwar hauptsächlich, doch nicht einzig, darauf hin. Die Schwere der Schuld ihrer Tat hielt sie an die Erde und an jene Stelle gebannt.

4. Tatsache zu Weinsberg

Schon vor mehreren Jahren hörte ich, daß hier eine arme Nachtwächtersfamilie sehr über Anfechtung von Geistern klage, fragte aber dieser Sache weiter nicht näher nach. Als Frau H. hier angekommen war und ihre Geschichte mit dem Geiste K.s bekannt wurde, wurde ich von mehreren Seiten angegangen, Frau H. in ihrem Schlafe zu befragen, auf welche Art jene armen Leute wieder Ruhe erhalten könnten? Ich lehnte die Sache immer ab. Als aber endlich jene Leute selbst zu mir kamen, und mir die Frau folgende Erzählung machte, fand ich mich nicht abgeneigt, von ihren Angaben einige Notiz zu nehmen.

»Bald als wir unsere jetzige Wohnung bezogen hatten«, so erzählte die Frau, »sah ich einmal in der Nacht hinter meiner Bettstatt zwei Weibsleute in alter Tracht mit kattunenen Schürzen und Pfälzerhauben hervorkommen. Ich hatte sie nur einige Minuten im Angesicht, da verschwanden sie wieder. In Katharinennacht 1823 hatten wir Eheleute Verdruß. Ich dachte da immer an meine Mutter, die gestorben war, sie sollte mich jetzt auch zu sich nehmen. Ich weinte und betete: daß mich die Mutter jetzt auch zu sich nehmen solle; da erschien auf einmal vor mir etwas Hohes, Weißes, so weiß wie ein Tuch, aber ohne eigentliche Gestalt. Ich dachte, es sei meine Mutter, die mir jetzt erscheine, es sprach aber nichts und verschwand. Nun bemerkte ich vier Wochen lang nichts mehr, bis in der Nacht vom ersten Advent, wo ich wegen Armut und vieler Kinder wieder betete. Da erschien dieses Weiße, kam und verschwand wieder. In der Christnacht desselben Jahres bewegte es sich, als ich im Bette ganz wach war, auf meiner Brust, außen auf der Decke meines Bettes, hin und her, gerade wie wenn ein Hund oder eine Katze sich auf der Bettdecke wälzte. Zu gleicher Zeit, obschon kein Feuer mehr im Ofen war, sah ich meine Ofenplatte ganz glühend, dann tat es einen Knall und die Erscheinung verschwand. Von dieser Zeit an erschien mir immer, besonders in den Dienstage und Freitagsnächten, wenn ich ganz wach war, eine weiße Wolke, die sich einige Minuten vor meine Augen stellte und dann wieder verschwand. Bei Tag und bei Nacht hörte man in meiner Stube oft etwas Unsichtbares umhergehen, und ein Knistern, wie wenn man Blätter im Lesen umschlüge.

Oft kommt, wenn ich ganz wach bin, nachts aus der Ecke der Wand ein Glanz, rund wie ein Zinnteller, bleibt mehrere Minuten vor mir und meinem Mann stehen und kehrt dann wieder nach der Wand zurück, aus der er kam. Einmal, als ich in der Nacht wieder völlig wach war, stand es ganz schwarz vor mir, so groß als vorher das Weiße. Es war mir, als legte sich eine Hand an die linke Seite meines Halses. Das Gefühl von dieser Hand war wie das von einer brennenden Kohle. Die Erscheinung verschwand, und morgens war die Stelle rot, entzündete sich abends heftig, und bildete noch jetzt sichtbare drei Male wie von Fingern. In der vorigen Heiligen und in der Neujahrs» nacht, als ich wach in der Stube saß, hörte ich eine Stimme, die sagte zu mir: Bete das Lied ›O Jesu, wann soll ich erlöset doch werden‹, und den Spruch: ›Schaffe in mir ein reines Herz.‹ Oft höre ich, besonders in den Sonntagsnächten, ganz reine Stimmen singen, es läßt einen Knall, bald da, bald dort, und nach meinem Manne warf es einmal vom Ofen her mit Speis. Oft fährt es wie ein Wetterleuchten im Zimmer umher, und ohne daß außen oder innen ein Licht, auch nicht in der Nachbarschaft, ist, zeigt sich der Schein eines Lichtes am Boden oder an der Decke unsrer Stube. Wenn wir Eheleute einigen Verdruß haben, oder im Unwillen ein Kind schlagen, so läßt sich dieses Wesen lange nicht sehen und hören, aber leben wir in unsrer Armut miteinander im Frieden und beten nächtlich, da kommt es auf einmal wieder in unsre Nähe. Am letzten Freitag, nachts 1 Uhr, als ich im Bette in der Wohnstube lag, wach, aber mit geschlossenen Augenlidern, ging auf einmal die Türe meiner Kammer auf, und da trat ein Mann in einem grauen Kleide heraus, das am Rücken Falten hatte. An meinem Bette wandte er sich gegen die Bank um. Auf der sah ich einen Mann sitzen in dunklem Kleide, den ich aber nicht so bestimmt beschreiben kann. Zu diesem dunklen Manne sprach der Weiße immer hin, aber mein Geist war zu schwach, zu verstehen, was er sprach. Es schien mir wie ein Vorwurf zu sein, den er dem schwarzen Manne machte. An der Bettstelle und der Bank hörte ich in dieser Nacht mehrmals ein Klopfen und Knistern.« – Sie sagte auch noch (was merkwürdig ist): »Wenn eine solche Erscheinung kommt, fallen mir die Augenlider zu, und ich sehe sie dann geistig. Ist die Erscheinung vorüber, so gehen mir alsdann auch die Augenlider wieder auf. Einmal war's mir in meinem Gärtchen, als würde ich an einen Ort gewiesen, und da fand ich einige Groschen, von denen ich aber nur zwei mitnehmen konnte.«

Die Frau ist 40 Jahre alt, klein, sieht schwächlich aus, und hat einen eigenen, ganz sonderbaren Blick. Sie hat sechs Kinder, meistens noch klein, von denen die zwei kleinsten das Sonderbare haben, daß das eine, das ältere, besonders den Haaren nach, so schwarz wie die Nacht, das jüngste, welches, der Aussage der Mutter nach auch die Geister sehen soll, blond und weiß wie der Schnee ist. Dieses wollte, wie die Mutter sagt, der Geist schon öfters aus dem Bette nehmen und wie küssen. Ich ließ es nun mehrere Wochen, und zwar bis zum 10. Februar anstehen, bis ich von den Erscheinungen jenes Weibes mit Frau H. sprach. Am Morgen des 10. Februar 1827 erzählte ich ihr einiges davon, und da sie Verlangen bezeigte, dieses Weib selbst zu sprechen, hauptsächlich deswegen, weil sie in ihren Erscheinungen und namentlich in den hörbaren Ankündigungen derselben, Ähnlichkeit mit ihren eigenen fand, so brachte ich das Weib am Nachmittage dieses Tages selbst zu ihr und sie erzählte ihr nun ihre Anfechtungen, wie sie mir dieselben erzählt hatte. Dem Weib wurde es in der Nähe der somnambulen Frau ganz leicht, diese aber suchte besonders ihren Blick zu vermeiden, weil er ihr, wie sie nachher sagte, ein sonderbares Gefühl verursache.

An diesem Abend verfiel Frau H., wie sie vorausbestimmt hatte, in magnetischen Schlaf, und als ich sie in diesem um die Erscheinung jenes Weibes befragte, sagte sie: »Dieses Weib lügt nicht, sie sieht jene Geister. Sie ist immer, ohne es zu wissen, in einem halbwachen Zustande. Man muß ihr ein Amulett von sieben und fünf Lorbeerblättern (und so muß man sie zählen) anhängen, und sie wird diese Geister mehr sehen – – – Würde man ihr sieben Beeren vom Lorbeerbaum anhängen, so müßte sie schlafen, aber das wäre wegen ihres Mannes nicht gut, es würde ihr Vorwürfe von ihm verursachen.«

Am Morgen des andern Tages brachte ich dem Weibe das von Frau H. verordnete Amulett und riet ihr, es sogleich anzuhängen, es werde ihr Hilfe bringen. Diese sagte mir: seit sie bei jener Frau gewesen, sei es ihr gar zu leicht, sie meine, sie habe dort alles zurückgelassen.

Am andern Morgen sagte mir Frau H. und ihre Wärterin: daß man heute nacht mehrmals ein Klopfen an der Bettstelle und am Tische gehört, und es gewesen sei, als rutsche jemand durchs Zimmer. Auch in der Nacht vom 12. bis 13. Februar hörte man das gleiche.

Am Morgen des 13. Februars ging ich zu jenem Weibe, um nach der Wirkung des Amuletts zu fragen. Sie sagte mir: daß in der ersten Nacht, in der sie das Amulett umgehabt, eine unsichtbare Hand an ihm immer gerissen habe. Sie zeigte mir an meinem Halse das Gefühl, das sie dadurch empfunden. Seit dieser Zeit hörte sie kein Klopfen mehr, als hätten sich die Geister wo anders hingewendet. Ihr Mann habe ihr diesen Morgen das Amulett vom Halse gerissen, weil er sich immer Hoffnung mache, durch Erlösung der Geister Geld zu erhalten, und er mache ihr jetzt Vorwürfe, daß sie das Amulett umgehängt, das die Geister werde vertrieben haben.

Der Mann war auch, als ich eintrat, sogleich zornig aus dem Zimmer gegangen, und die Frau gestand mir, daß sie eben der Meinung seien, daß in ihrem Häuschen Geld verborgen liege. Sie hätten die Anfechtungen dieser Geister nun schon so lange ertragen, und möchten nun auch durch Erhebung eines Schatzes, der in ihrem Häuschen gewiß liege, den Gewinn haben.

Es war umsonst, ihr den Gedanken an einen Schatz aus dem Kopfe zu bringen, sie blieb darauf und beharrte auch, das Amulett nicht mehr anzuhängen. Frau H. erzählte ich diesen Vorfall, nach welchem ich zu jenem Weibe nicht mehr ging.

Am 15. Februar im magnetischen Schlafe verordnete sich Frau H. ein Amulett, bestehend aus Lorbeerblättern und Haselnußstauden.

In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar wurde in ihrem Zimmer wieder überall umher ein Klopfen gehört. Auf dieses habe sie (so sagte sie mir am andern Tage) aufgesehen, und einen großen Mann von ungefähr 40 Jahren in einem weißen Rock erblickt, der sei ruhig vor ihr gestanden. Im Abendschlafe vom 19. Februar sagte sie: »Heute nacht, 1 Uhr, muß ich den roten Meerstein in die Hand nehmen, dies sage man mir, sobald ich wach bin, er stillt das Herzklopfen, auch dazu kann ich ihn gebrauchen. Ich muß heute nacht mit jenem reden, man wird ihn hören, die andern werden ihn noch vor mir hören. Ich freue mich darauf, werd' ich mich aber auch freuen, wenn ich wach bin? Da wird die Freude nicht so groß sein! Es ist mit diesen Geistern ganz eigen, wenn sie es denken, sind sie schon da. Darum habe ich auch die Lorbeerblätter an, ebensoviel, oder nicht so viel wie diese?«

Meine Frau entschloß sich, diese Nacht im Bette der Schwester, die sich deswegen statt der Wärterin ins Zimmer der Kranken legen wollte, zuzubringen, um wenigstens die Erscheinung zu hören, und die Kranke genau zu beobachten. Schon nach 10 Uhr fing ein Klöpfeln und Klatschen bald an den Bettstellen, bald auf den Tischen, bald an jener, bald an dieser Wand an, und meine Frau versicherte sich aufs bestimmteste, daß es von niemand gemacht wurde, namentlich weder von der Schwester noch der Kranken, welche letztere sie besonders fest ins Auge faßte und bemerkte, daß sie ganz ruhig, die Arme auf der Decke, im Bette lag.

Schlag 1 Uhr nahm die Frau den roten Meerstein (rote Korallen) vom neben ihr stehenden Nachttischchen in die Hand, richtete sich auf und sprach gegen den Fuß der Bettstelle in einem festen Ton: »Das kann ich nicht tun!« Sie habe dann noch länger gesprochen, aber leise, so daß man es nicht habe verstehen können. Meine Frau fragte nun: was sie denn gehabt, und Frau H. sagte: ob nicht sie oder ihre Schwester auch die Gestalt gesehen, die am Fuße ihres Bettes gestanden und zu ihr gesprochen habe? Sie habe ihr geantwortet. Beide sahen jedoch nichts von der Erscheinung. Was die Gestalt mit ihr oder sie zu ihr gesprochen, das wollte sie durchaus nicht sagen.

Nachdem ich sie am andern Morgen lange gebeten, mir doch zu sagen, was jener Geist mit ihr gesprochen, sagte sie es mir endlich nach langem Sträuben. Sie sagte: sie spreche nie gern von solchen Erscheinungen, und es schien ihr auch in der Tat ein wahrer geistiger Schmerz zu sein, davon sprechen zu müssen. »Der Geist«, erzählte sie, »stand unten an meinem Bette, er war mit einem gelblich-weißen Rock bekleidet, der wie ein Frauenzimmerrock einen Gürtel hatte und hinten Falten.« Als ich nach seinen Augen fragte, sagte sie: »Ich sah ihn nicht, wie man Menschen sieht, man sieht Geister auf eine eigene Weise, die nicht zu beschreiben ist. Die Augen waren mir nur wie lichte Punkte; die Gestalt war groß und ruhig. Sie hauchte zu mir hin: ›Siehe, ich komme zu dir, daß ich vollends erlöset werde!‹

Ich: ›Das kann ich nicht tun, erlösen kann dich nur dein Erlöser!‹ Er: ›O ich bitte dich, bete doch für mich!‹ Ich: ›Das will ich gerne tun.‹ Er: ›Schlage das Lied auf: »Wer dieser Erde Güter hat und sieht den Nächsten leiden«, und lies es öfters, bis ich wieder komme.‹ Hierauf drehte er sich um, daß ich Rücken und die Falten hinten an seinem Rocke sah, wandte sich wie zur Türe und verschwand.«

Ihre Schwester sagte mir: die Kranke habe ihr erzählt, es habe ihr nach der Erscheinung geträumt, sie habe von derselben durchaus nichts gestehen wollen, da habe ihre Großmutter (ihr Schutzgeist) zu ihr gesagt: »Nein, du mußt es sagen!«

Am andern Tage fragte ich sie im halbwachen Zustand: »Wie kommt es, daß diese Frau, solange sie das Amulett trug, die Geister nicht sah?« Sie erwiderte: »Hätte sie das Amulett sieben Tage lang getragen, so hätte sie die Geister für immer gesehen, in jenen Tagen hätte sie dieselben auch ohne das Amulett nicht gesehen, ich aber hätte sie erst später gesehen, aber nur wenn ich in dem Häuschen jener Frau geschlafen hätte. Durch das Amulett mit den Lorbeerblättern, das ich mir später umhängen ließ, als die Frau das ihrige zerstört hatte, sah ich jenen Geist nun früher.«

Das ihr vorgegebene Lied hatte sie den Tag nachher öfters gelesen, am 21. Februar hingegen nicht. Als sie diesen Abend in Schlaf verfiel, sagte sie: »Was machte ich für einen Fehler! O das Lied las ich heute noch nicht! Ich muß es heute noch dreimal lesen! Ich spreche heute nacht mit ihm mehr als das letztemal. Von 12 bis 1 Uhr wird er kommen.«

Um die angekündigte Erscheinung des Geistes zu beobachten, ließ ich heute nacht eine andre Person, von deren Wahrheitsliebe ich völlig überzeugt war, im Zimmer der Kranken im Bette ihrer Schwester schlafen. Diese Person erzählte mir am andern Morgen folgendes:

»Schlag 10 Uhr ging ich mit der Schwester zu Bette, und zwar in der Schwester Bett (das drei Schritte von dem der Frau H. in gleicher Linie mit demselben steht). Wir wachten bis gegen 11 Uhr, und dann schlief ich ein. Vor 12 Uhr begehrte Frau H. etwas Suppe, und da die Schwester deswegen aus dem Bette ging, wachte ich auf. Kaum war die Schwester wieder bei mir im Bette, fing es auf dem Boden sonderbar zu schlürfen und zu knistern an. Dann klopfte es an der Wand, oberhalb dem Bette der Frau H. und auf dem Boden, fast wie mit Hämmern, und auf eine andre nicht zu beschreibende Weise. Dies dauerte eine Weile fort. Ich sah währenddessen genau auf Frau H.; sie lag ruhig ausgestreckt im Bette und hatte Arme und Hände auf der Bettdecke ruhig liegen. Sie fing nun zu sprechen an, aber ohne sich aufzurichten. (Es waren ganz die Fragen, die unten von Frau H. selbst angegeben sind.) Ihre Reden waren an eine Erscheinung gerichtet, die vielleicht an ihrem Bette stand, von mir aber nicht gesehen werden konnte. Frau H. sagte nach einiger Zeit des Gesprächs zu uns: der Geist sei nun gegangen, kehre aber nach einigen Minuten zurück. Nach solchen fing das Schlürfen und Klopfen wie zuerst an, und dann sprach Frau H. abermals, wie es schien, mit der Erscheinung.

Als Frau H. sagte: »Schlage es selbst auf«, blickte ich auf das Gesangbuch, das auf ihrer Bettdecke ganz zugeschlagen lag; denn sie hatte, ehe wir in das Bett gingen, in demselben noch einmal jenes Lied gelesen. Da sah ich auf das bestimmteste und mit Schauer, den ich bisher nicht im mindesten hatte, daß sich der Deckel desselben zu bewegen anfing, und dieses Buch eine unsichtbare Hand aufschlug; denn ich bemerkte auch nicht die mindeste Bewegung der Frau H. oder ihres Bettes. Als Frau H. sagte: »Gottlob, daß er wieder fort ist«, sprachen wir mit ihr über die Erscheinung und wollten sie genauer wissen, sie sagte aber immer: wir sollten sie doch ruhig lassen, und davon schweigen!«

Frau H. erzählte mir folgendes: »Um 12 Uhr nachts hörte man vor der Türe, dann im Zimmer, wie schlürfen, ohne daß man etwas bemerkte, dann fing es sehr stark bald an der Wand, bald wie unter dem Boden, bald an meiner Bettstelle, und zwar diesmal oben, zu klopfen an. Hierauf patschte es einigemal, als schlüge man kleine Brettchen zusammen, mit drei bis vier Schlägen, und dann erblickte ich wieder den Geist am Fuße meines Bettes. Ich fragte ihn nun: ›Warum kamst du zu mir?‹ Er: ›Weil ich nur bei dir meine völlige Erlösung erlangen kann.‹ Ich: ›Dies ist ein Wahn von dir. Warum bleibst du nicht bei dem Weibe, die für dich betet?‹ Er: ›Dieses Weib hat nicht diese Sinne wie du, sie kann nicht mit mir reden.‹ Ich: ›Warum bist du in diesem armen Häuschen? Was warst du?‹ Er: ›Ich hatte ein niederes Amt, in diesem Häuschen waren zwei Waisen, ich betrog sie, brachte sie um ihre Habe.‹ Ich: ›Warum hast du das getan?‹ Er: ›Mein bester Freund, welcher sehr reich war, gab mir die Anleitung dazu.‹ Ich: ›Bist du nicht so reich gewesen?‹ Er: ›Nein! Aber ich wollte es auch werden. – Alles, was ich auf unrechte Art erhielt, teilte ich mit meinem Freund. Ich tat diesen Waisen in dem Häuschen noch Gutes, aber nur zum Schein. Ich: ›Wie war dein Name?‹ (Er schwieg.) Ich: ›Warum sagst du ihn nicht?‹ Er: ›Meinen ganzen Namen vermag ich dir noch nicht zu sagen, ich nenne dir den Buchstaben L. aus ihm.‹ Ich: ›Kannst du dich andern auch durch Klopfen hörbar machen?‹ Er: ›Nein! Aber dieser, welcher mein Freund war, vermag es, ich werde ihn bringen.‹ Ich: ›Das würde mich angreifen: diesen will ich nicht, und ich sage dir, weiche!‹ – Er entgegnete: er bringe ihn, dieser suche auch Hilfe, und als ich diesem widerstrebte, sagte er: ›Ich kehre nach einigen Minuten wieder‹, und verschwand.

Nach einigen Minuten hörte man das gleiche Rutschen und Klopfen wieder, und der Geist stand vor mir, und ich fragte: ›Warum kamen denn jene zwei unschuldigen Weibspersonen auch zu jener Frau?‹ Er: ›Sie ließen sich nur einmal vor dieser Frau sehen, als Klage.‹ Ich: ›Lebt noch jemand von deinen Anverwandten?‹ Er: ›Ja! Aber ganz entfernt von hier.‹

Mein Gesangbuch lag von gestern, weil ich vor dem Einschlafen jenes Lied las, noch auf meinem Bette; der Geist sagte: ›Schlage das Lied auf: »Wo seit vielen tausend Jahren betrübte Witwen waren«, und bete es oft für mich und meinen gewesenen Freund.‹ Ich erwiderte, da ich sehr angegriffen und schwach war: ›Schlage es selbst auf.‹ Er verschwand dann.«

Ich fragte sie: ob sie an dem Buche nicht auch die Bewegung gesehen, als hätte es sich aufgeschlagen. Sie erwiderte: nein, sie habe nicht zum Buche hingesehen, und überhaupt wisse sie nicht: wie das sei, aber wenn der Geist erscheine, so müsse sie reden, sie könne nicht anders.

Dies war die Nacht vom 21. Februar. Am andern Tage hatte sie das vom Geiste ihr zum Lesen anbefohlene Lied zu lesen versäumt; da entstand gegen 8 Uhr abends auf einmal ein Klopfen im Zimmer und geschah ein Schlag wie an die Wand, worauf ihr beifiel, daß sie jenes Lied noch nicht gelesen. Sie tat es, und während sie das Lied las, klopfte und klatschte es noch öfters. Dies wiederholte sich in der Nacht gegen 12 Uhr, wo auch bei den Bewohnern des obern Stockes nicht nur ein gleiches Klopfen, sondern auch ein Hin- und Herschlürfen durch das Zimmer gehört wurde.

Am 23. bemerkte man, daß sie durch einen Schrecken, dessen Ursache man aber nicht wußte, in einen äußerst heftigen Krampf verfiel.

An diesem Abend sagte sie im schlafwachen Zustand: »Am hellen Tag ihn sehen, wo alles um mich ist, wie heute in dieser Stunde, das greift mich doch an! Fünf Minuten lang sah ich ihn Dieses Weib (die Nachtwächtersfrau) sollte vernünftiger sein, sie betet jetzt um nichts als um Geld.« Ich fragte sie: warum jener Geist, auf dessen Eingebung sie jenes Blatt gefunden, nie geklopft habe? Sie sagte: »Weil er mir nur im heilschlafwachen Zustand erschien; nur einmal sah ich ihn wachend. Auch klopfen nur diejenigen, die durchaus Hilfe haben müssen und suchen, und die noch weit weniger sind, ihren Erlöser noch gar nicht kennen, ihn aber suchen und finden, wenn man sie hinweist. – Sie dahin weisen, ihnen den rechten Weg zeigen, das kann ein sterblicher Mensch, aber sie erlösen nicht. – Der schwarze Geist richtete seine Gedanken besonders nach dem Hause, in dem er lebte; das ist aber nicht so nahe an dem kleinen Hause, wie jenes weißen. Könnte ich es nur dahin bringen, daß er den Weißen gehen ließe, daß er nicht diesen immer zurückzöge. Ich fürchte mich nicht vor den Geistern, aber daß ich wieder mit mehreren in Umgang kommen sollte, das darf nicht sein. Dieser Schwarze könnte mein Tod sein. Seine Worte sind kein Wehen, seine Worte sind ein heißes Stöhnen.«

In der Nacht vom 23., 12 Uhr, als sie schlief, erwachte sie an einem Schlag: es zupfte an ihrer Bettdecke, sie sah auf, und der Weiße stand wieder vor ihr. Sie sagte zu ihm: »Warum kommst du denn wieder zu mir?« Er sprach: »Ich suche Ruhe, bete für mich, daß ich diese erhalte. Gehe die Zehn Gebote mit mir durch.« Sie ging sie nun sogleich mit ihm durch. Sie fragte und er antwortete. – Sie fing, während sie mir dies morgens erzählte, zu weinen an und wollte nicht weiter davon sprechen, weil es sie sehr angreife. Alle Nacht, sagte sie, wolle er auch seinen bösen Freund, den schwarzen Geist, bringen und das würde sie aufs äußerste angreifen. Er sage, der Schwarze plage ihn immer noch und bringe ihn immer wieder vom Guten ab. Die Erscheinung eines so bösen Geistes errege immer Schrecken, und müßte sie kränker machen. Sie wisse wohl noch, wie es ihr in Oberstenfeld mit dem anfänglich auch so bösen Geist ergangen. Ein Jahr lang sei er von ihr nicht mehr gewichen, und es sei doch gewiß angreifend, ein Jahr lang mit einem so übernatürlichen Wesen in Umgang sein zu müssen; es komme ihr immer vor, als gehöre das doch nicht für die Menschen. Sie fügte hinzu: der Weiße habe ihr gesagt, der Schwarze sei hier ein höherer Beamter gewesen.

Gegen 9 Uhr abends am 24. verfiel sie in einen magnetischen Zustand, den ich magnetischen Traum benannte, und der von dort an öfters bei ihr eintrat.

Dieser Zustand unterschied sich von einem gewöhnlichen Schlaf dadurch, daß sie aus demselben durch Rufen, Rütteln usw. nicht zu wecken war, und von einem magnetischen Schlafwachen, daß sie mir in demselben auf keine Fragen antwortete, die Hände auch nicht gekreuzt hatte, und nach dem Erwachen meistens wußte, was sie geträumt, und auch sagte, es sei nur ein Traum gewesen.

An diesem Abend schien sie sehr in diesem Schlaf zu leiden. Sie machte mit den Armen oft ganz sonderbare, geistermäßige Bewegungen, weinte heftig, richtete sich auf, machte die Bewegung eines Schreibenden, und deutete dann wieder, den Arm gerade ausgestreckt, mit dem Zeigefinger vorwärts. Einmal bedeckte sie auch lange ihr Gesicht weinend mit einem von mir früher magnetisierten Tuche, das neben ihr lag, und hob es später wieder wie jemand entgegen. Laut sprach sie nur folgende Worte, aber mit großer Heftigkeit: »Nein! Gottes heiliger Wille! – Schwarzer Geist, von dir will ich gar nichts! – Beten will ich für dich auf den Knien. – Ist das die reine Wahrheit? – Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind. – Ich weise dich dahin, wohin du gehen sollst – zu deinem Erlöser.« – Sie erwachte nun und sagte wach: der Schwarze habe sich ihr immer nahen wollen, sie fürchterlich angesehen, da habe der Weiße ihm abgewehrt, ihn zurückgejagt. Der Schwarze suche Ruhe, sei aber zu böse und hartnäckig. Ich sagte ihr: sie habe einmal wie geschrieben; sie erwiderte: sie habe mit dem Schwarzen nicht sprechen wollen und ihm dann das Geschriebene hingehalten. Dies sei eben ein schwerer Traum und nicht der wache Zustand, in dem sie sonst den Geist ganz untrüglich sehe. Sie beschrieb nun den Gang und den Teil eines großen Hauses näher, in dem sie den Schwarzen gesehen, die Zahl der Türen in diesem Gange usw., und bezeichnete auffallend damit ein von ihr noch nie gesehenes Haus, dessen Bewohner schon öfters, und besonders auch um diese Zeit, abends, aber gewöhnlicher um Mitternacht, ein ihnen unerklärliches Gehen in den Gängen, ein Annähern an die Türen der Zimmer, als wollte jemand hereintreten, ein Seufzen hörten, aber auch bei der schnellsten und genauesten Untersuchung nichts auffinden konnten, durch das diese Töne hätten veranlaßt werden können.

Oft sagte sie: sie sehe zwei große Häuser, in denen diese Geister sich besonders aufhalten, so deutlich, in ganz lebendigen Träumen, daß, vermöchte sie auszugehen, sie mir dieselben gar leicht bezeichnen könnte.

Im Abendschlaf vom 24. sagte sie von den Geistern: »Es ist ein Glück, daß sie sich nicht allen mitteilen können, man würde alles mögliche von ihnen begehren, sie würden mehr geplagt, als sie geplagt sind.«

In der Nacht vom 26., Schlag 12 Uhr, erschien ihr der weiße Geist wieder. Sie bekam fürchterliches Herzklopfen und nahm den »Meerstein« in die Hand. Sie erzählte morgens mit Tränen: daß sie das so angreife, daß er immer auch den Schwarzen mitbringen wolle.

Am andern Tage, 5 Uhr abends, verfiel sie, nachdem ihr der Geist wieder erschienen war, in jenen magnetischen Traum. Sie machte in demselben wieder die gleichen Bewegungen mit den Händen, bedeckte sich wieder, wie sich schützend, mit dem magnetischen Tuch und wies mit ausgestrecktem Finger hinaus. Man hörte sie folgendes sprechen: »Ich schwöre es dir, beten will ich für dich auf den Knien! Das sagte ich ja! Du, hinter deiner dritten Türe, du mußt warten, bis du den Erlöser besser finden kannst. – O nein! Für den bin ich nicht geboren – das darf er nicht glauben. – Selig sind, die reines Herzens sind, und selig sind, die nicht sehen und doch glauben.« Dann erwachte sie.

Ihrer Mutter, die am 25. auf kurzen Besuch kam, klagte sie: daß alle Nacht ein Geist ihr erscheine, der immer einen bösern mitbringen wolle, was ihr großen Kummer mache.

Im schlafwachen Zustand an diesem Abend sagte sie: »Nie rede ich gerne von diesem Geist, aber nun muß ich es tun. Schon sechsmal war er bei mir. Er kommt zu mir, so lange bis er Ruhe hat, so lange habe ich auch keine. Aber dieser andre darf nicht zu mir kommen, ich will für ihn beten, aber sehen darf ich ihn nicht. Diese schwarze Gestalt könnte ich nicht ertragen. Aber dieses dumme Weib, nein unglückliches, weil sie nur um Geld betet! – O ich freue mich, schlafend so unter diesen Geistern zu leben, aber im wachen Zustand ist es mir Trauer. Könnte ich doch diesem Weibe sagen, daß sie nicht so um das Geld bete, sie tut es aus Angst, sie tut es aus Furcht vor ihrem Manne.

»Sonderbar! Geister sehen, mit ihnen reden, sich mit ihnen unterhalten können, Freude an ihnen haben! Und doch nur das geistige Wesen, das in mir lebt, hat Freude an ihm, nicht mein Fleisch und Blut, das hat keine Freude an ihnen. – Unter wie vielem leben wir, das wir nicht sehen!«

Am 1. März, nachts 10 Uhr, verfiel sie wieder in den magnetischen Traum. Sie kämpfte abermals mit dem weißen Geiste, der ihr den schwarzen durchaus bringen wollte. Als sie erwachte, wußte sie noch den magnetischen Traum, und erzählte, der Weiße habe gesagt: »Ich will dir den Schwarzen nur ein einziges Mal bringen«, sie habe ihm aber geantwortet: für diesen fühle sie keine Pflicht, aber für ihr Kind, das seine Mutter nicht verlieren dürfe. Sie habe ihn ermahnt, sich durch den Schwarzen nicht vom Gebet abwendig machen zu lassen, sie wolle ja für ihn und seinen Freund auf den Knien beten. Um Mitternacht erschien ihr wieder der weiße Geist, als sie ganz wach war, und betete mit ihr.

Am 2. März, morgens 3 Uhr, erschien ihr der Geist, ohne vorausgegangenes Klopfen, wieder, als sie ganz wach war. Er stand mit finsterem Gesichte vor ihr. Diesmal sah sie auch seine Hand, die er aufwärts hielt. Sie sei ihr wie eine vor ein Licht gehaltene Hand, als schimmerten Adern und Gebeine hindurch, erschienen. Da er so zornig geschienen, habe sie sogleich zu ihm gesagt, er solle weichen, worauf er auch sogleich verschwunden sei. Als sie an diesem Tage, nachmittags 3 Uhr, in den Hausflur trat, stand der Geist auf einmal in der gleichen finstern Gestalt wie diesen Morgen vor ihr und sagte zu ihr: »Sieh, ich bin wieder rückwärts gekommen durch jenen.«

Sie sprang erschrocken ins Zimmer zurück und verfiel in Krämpfe. Als ich abends 7 Uhr bei ihr im Zimmer war, entstand auf einmal im Zimmer ein heller Schlag wie in der Luft, sie fiel aufs Bett zurück und kam in magnetischen Traum. Sie sprach, der Mimik und einzelnen Reden nach, mit dem Geiste. Mit geschlossenen Augen stand sie, sie war angekleidet, auf, holte das württembergische Gesangbuch, und schlug mit unbegreiflicher Fertigkeit zwei Verse auf, von denen jeder (aber beide von gleichem Sinn) oben am Anfange eines Blattes stehen. Es waren die Verse 6 und 11 von den Liedern: »O Kirche Jesu« usw., und: »Hier bin ich, Jesu« usw.

Sie hob hierauf das Buch wie dem Geiste hin und sagte: »Ich will dir zeigen, wie du es hinhalten mußt. Zur dritten Türe mußt du es hinhalten, so!« – Sie stand nun auf, ging zur Türe, stellte sich vor dieselbe seitwärts, hob das Gesangbuch zur Türe hinaus und kehrte dann wieder ins Bette zurück. Als sie erwacht war, sagte sie: der Geist sei ihr nach jenem Schlag erschienen, und darauf sei sie sogleich in einen Traum verfallen. Da habe der Geist ihr gesagt, daß jener andre bösere seiner gespottet und ihn durch Spott wieder vom Bessern abwendig gemacht. Sie habe ihm hierauf Stellen im Gesangbuch aufgeschlagen und ihn angewiesen, sie zur dritten Türe, hinter der sie gewöhnlich den Schwarzen sehe, hineinzuhalten.

In dieser Nacht, um halb 3 Uhr, zupfte es an ihrer Decke, dadurch wachte sie auf, und der Geist stand wieder am Fuß ihres Bettes. Sie fragte ihn: »Wie lange warst du auf dieser Erde?« Er sagte: »Die Zahl ist 79.« Sie: »Wann lebtest du?« Er: »In der Zahl 1700.« Sie fragte ihn weiter: »Wo war deine Wohnung?« Er: »Nicht weit von dem kleinen Hause, wo jene Waisen waren.« Sie: »Wo wohnte der andre?« Er: »Er wohnte jenem Häuschen entfernter als ich.« Sie: »Bist du vor diesem gestorben?« Er: »Er starb 3 Jahre vor mir.« Sie: »Warum erschienest du mir einigemal so finster, nun wieder freundlicher?« Er: »Der Schwarze bekam wieder mehr Macht über mich durch Hohn und Spott, aber nun stehe ich wieder fester.« Sie: »Ich verspreche dir, ferner für dich zu beten, wofern auch du wieder am Bessern festhältst.« Er: »Ich bitte dich, schlage das Lied auf: ›Mich selbst muß ich bezwingen‹, das bete für mich.« – Da verschwand er wieder.

Abends 9 Uhr, am 3. März, verfiel sie mitten unter einem Gespräch, an dem sie lebhaften Anteil nahm, auf einmal in die allerfürchterlichsten Konvulsionen, die durchaus mit nichts zu stillen waren, selbst nicht durch magnetische Striche, die anfänglich ich ihr gab. Sie brach unter diesen Krämpfen in lautes Weinen aus, und dieser Zustand wurde endlich nur durch sieben magnetische Striche, die ihr meine Frau gab, gehoben, und verwandelte sich in völligen magnetischen Schlaf. In diesem sagte sie: es sei ihr der weiße Geist erschienen und im Hintergrunde habe sie über dessen Schultern den Kopf des schwarzen Geistes ragen sehen. Dieses habe ihr den fürchterlichen Krampf verursacht, und erhalte sie noch einmal einen solchen, so komme sie in ihrer Gesundheit sehr zurück, ja es könnte ihr Tod sein.

Ich bat sie, sich mit diesen Geistern nicht länger zu quälen, und vorzüglich die Erscheinung des schwarzen Geistes nicht zuzugeben, auch den weißen solle sie einmal für immer zurückweisen. Aber sie sagte: »Das kann ich nun schon nicht mehr; ich habe dem Weißen mein Wort gegeben, mit ihm zu beten, und nun muß ich schon mit ihm verbunden bleiben.« Ich machte sie auf den Nachteil, den diese Erscheinungen ihrer Gesundheit bringen, aufmerksam, und bat sie, den festen Willen zu haben, daß ihr dieser Geist nicht mehr erscheine; allein sie beharrte darauf, daß sie sich von der Verbindung, die sie mit dem Weißen eingegangen, nun schon nicht mehr lossagen könne.

In der Nacht auf den Sonntag fragte ich sie, ob der Geist heute nacht nicht zu ihr gekommen; sie verneinte es und machte dabei die Bemerkung, daß die Geister in Oberstenfeld auch selten in der Nacht auf einen Sonntag gekommen.

In der Nacht auf den 6. März sagte der Geist zu ihr: »Ich habe die feste Überzeugung, daß ich meinen Erlöser nicht mehr lassen werde.« Sie betete lange mit ihm und fragte ihn auch: »Wie kommt es, daß du, da du ja schon vorlängst auf der Erde gewesen, geistliche Lieder kennest, die doch lange nach dir gemacht wurden?« Darauf antwortete er: »Geister sind unbeschränkt im Sehen.« (Er las sie in ihr.)

Am 6. Mai ging sie zur Türe hinaus und kam schnell wieder herein, worauf sie in halbwachen Zustand verfiel. Sie sagte in diesem: als sie vor die Türe getreten, sei ihr der Geist wieder erschienen. Er habe sie anreden wollen, aber sie habe sich sogleich von ihm in die Stube gewendet. Auch als sie wieder völlig wach war, erzählte sie das gleiche.

Als sie eine halbe Stunde später zum Fenster hinaus einer vorübergehenden Schafherde zusah, zupfte sie etwas einigemal hinten am Kleide. Sie sah nicht sogleich hinter sich, indem sie die Ursache dieser Mahnung vermutete; aber als sie nun endlich um sich sah, stand der Geist vor ihr und so nahe, daß sie sich nicht vorwärts bewegen konnte. Er hauchte zu ihr hin: »Bei dir finde ich Ruhe, bete mit mir!« Es wurde ihr ohnmächtig, sie fiel aufs Bette, man hörte durch das Zimmer ein Laufen und Klopfen wie in der Luft, sie lag in halbwachem Zustand und betete stille inbrünstig. Später sagte sie im Schlaf: »Ist es meine Pflicht, daß ich wegen des andern ihm nachgehe? Nein, weil ich sterben würde. Wäre es fünf Jahre später, dann könnte ich ihn ertragen, dann ist er nicht mehr wie jetzt.«

In der Nacht vom 8. März, um 11 Uhr, hörte man im Hause der Frau H., selbst in den andern Zimmern, zuerst ein unsichtbares Gehen, dann ein leises Klopfen, bald hier, bald dort, das endlich zu einem ganz hellen Klatschen und lauten Klopfen wurde, das bald wie von den Wänden, bald von Bettstellen, bald von dem Boden des Zimmers, bald wie aus der Luft zu kommen schien. Die Kranke schlief fest und erwachte durch dieses Klopfen nicht. Gegen 12 Uhr, als sie erwachte, erschien ihr der Geist wieder, und hauchte zu ihr hin: »Gehe mit mir die Zehn Gebote durch!« Während sie die Gebote sprach, blickte sie der Geist ruhig und ernst an. Sie bemerkte, wie sich der Geist, ehe er ging, über ihre jüngere Schwester, die fest schlief, neigte, und zu ihr hinhauchte: »Gottes Auge dich bewacht.« Auch über die Wärterin, die aus Angst diesmal im Zimmer schlief, sah sie sich den Geist neigen und etwas zu ihr hinhauchen, das sie aber nicht verstand.

In der Nacht vom 10. schlief sie die ganze Nacht sehr fest durch Schneeglöckchen, die vor ihrem Bette standen. Aber nachts 2 Uhr wurde sie durch den Geist erweckt, wie, wußte sie nicht. Er kniete vor ihrem Bette nieder und sprach, wie ihr schien, aus dem Herzen ein Gebet, von dem sie nur noch den Anfang wußte. Dieses hieß: »Ich bete an Jesum Christum den Gekreuzigten.« Nachdem er das Gebet gesprochen hatte, betete auch sie, und er sprach ihr das Gebet nach. Nach Vollendung des Gebets wollte sie wissen, ob sie den Geist auch sprechen höre, wenn sie die Ohren fest verstopfe. Sie tat nun dies mit den Fingern, hörte aber, während sie die Ohren fest verstopft hatte, den Geist sagen: »Auch so wirst du mich hören.« Sie sagte mir: sie habe den vorigen Geist in Oberstenfeld oft nur mit dem Gedanken, was sie zu ihm sagen wolle, fest angeschaut, und dann habe er ihr schon darauf Antwort gegeben.

In der Nacht vom 12. erschien ihr wieder der Geist, er erweckte sie, aber sie wußte nicht wie. Eine halbe Stunde lang betete sie mit ihm, er kniete vor ihrem Bette. Ich fragte sie wieder nach seinem Bilde. Sie sagte: »Es ist eben wie eine Wolke, die aber doch eine menschliche Gestalt hat.« Sie fragte ihn nach einer früheren Aufforderung von mir: ob man hier noch etwas Schriftliches von ihm finde. Er sagte: »Von mir wenig, aber von diesem, welcher mein Freund war.« Er sagte ihr auch, er habe in der Zahl 1600 und 1700 gelebt.

In der Nacht vom 14., nach 1 Uhr, wo sie ganz wach war, klopfte es wieder überall im Zimmer umher, auch rauschte es wie mit Papier, und der Geist stand vor ihr. Er sagte zu ihr: »Lese das 5. Kapitel Johannis, hauptsächlich vom 13. Verse an.« Er kniete wieder vor ihr Bett und betete mit ihr.

Am 16., nachts 12 Uhr, hörte man wieder im Zimmer klopfen, und es erschien der Geist, um mit ihr zu beten. Da sie mir schon früher sagte: sie sehe nie einen Geist, wenn er klopfe, das Klopfen gehe immer dem Sehen voraus oder hintennach, so bat ich sie, den Geist bei seinem nächsten Erscheinen darüber zu fragen. Diese Nacht tat sie es nun nach dem Gebete mit dem Geiste. Sie fragte ihn: »Warum sehe ich dich nicht, wenn ich dich höre? Warum kannst du dich nicht hörbar und sichtbar zugleich machen?« Er antwortete: »Ich kann nur das eine oder das andre, weil beides vermittelst der Luft geschieht.« Auch fragte sie ihn: »Warum höre ich dich reden und andre Menschen hören dich nicht?« Er sagte: »Das geschieht, weil dein Gefühl geistig ist.«

Am 18. März, 5 Uhr, erschien ihr auf wenige Minuten der Geist wieder, sie erschrak und verfiel in einen heftigen Halskrampf. Am 20., nachts 10 Uhr, entstand ein Klöpfeln vor mehreren Menschen im Zimmer, und der Geist erschien ihr wieder Sie sprach mit ihm in einem halb magnetischen Zustande; wachend wußte sie nichts, als daß er ihr erschienen. Ebenso erschien er ihr am 22., morgens 3 Uhr. Nachts gegen 7 Uhr tönte vor mehreren Anwesenden ein Klopfen im Zimmer, bald hier, bald dort, und der Geist erschien ihr. Sie erschrak und kam in halbwachen Zustand, in dem sie mit ihm sprach. Sie gab ihm auf, ihr bald das Haus zu sagen, das er bewohnt habe. Auch forderte sie von ihm, er solle einmal auch andern vernehmbarer klopfen, oder das von seinem Freunde verlangen. Wir hatten sie um dieses gebeten.

Am 23. März, nachts 1 Uhr, erwachte ich, und in demselben Moment (als wäre ich erweckt worden, um es vernehmen zu können) klopfte es siebenmal, wie in der Mitte meines Zimmers, in kleinen Pausen hintereinander. In der Hälfte des Klopfens erwachte auch meine Frau, erweckt durch dasselbe. Dieses Klopfen war abermals der Art, daß wir unmöglich eine gewöhnliche, natürliche Veranlassung desselben hätten auffinden können. Frau H. wohnte von unserm Hause dazumal mehrere Häuser entfernt.

Am 26. März, in der Nacht nach 2 Uhr, klopfte es wieder, nicht nur in dem Zimmer der Kranken, sondern auch in dem über dem Gang gelegenen Zimmer, und der Geist erschien ihr wieder. Er kniete vor ihr Bett und betete mit ihr.

Als am 28., nachts, der Geist wieder bei ihr zum Gebet erschienen war, fragte sie ihn nach Vollendung desselben: »Du hast mir gesagt, du seiest in einem Zwischenreich, was ist dieses?« Er antwortete: »Es ist ein Ort, in dem hauptsächlich diejenigen Seelen sind, die bei ihrem Absterben nicht den Glauben haben konnten, daß ihnen Gott durch den Kreuzestod Christi ihre Sünden vergebe.«

Am 30. März schrieb Herr Pfarrer Herrmann von hier auf ein Blatt nachstehende Fragen und bat sie, diese Fragen an den Geist bei der nächsten Erscheinung zu richten. Sie waren folgende:

»Kennst du die Mutter unsers Herrn? Können ihre Fürbitten noch jetzt im Himmel verlangt werden, und sind sie kräftig? Steht sie mit ihrem Sohne in engerer Verbindung als jeder andre Geist?«

Nachts 12 Uhr erschien ihr der Geist. Er stand unweit ihres Bettes, als sie von der Wärterin noch Suppe verlangte. Sie aß ruhig ihre Suppe, und erst als sie dieselbe gegessen hatte, kam der Geist näher an ihr Bett.

Sie hielt ihm nun, ohne etwas zu sprechen, vor dem Gebet mit ihm, die Handschrift des Herrn H. vor, und er sprach ganz langsam, so langsam, sagte sie, daß sie geglaubt habe, sie könne das Ende nicht erwarten, folgendes:

»Ich kenne die Mutter unsers Herrn etwas besser als du. Für mich bitten kann sie, wie ein jeder selige Geist. Es besteht keine engere Verbindung zwischen ihr und unserm Erlöser – aber –« Sie sagte: »Er sprach nicht weiter, und als ich wissen wollte, was dies ›Aber‹ bedeute, sagte er. »Es hat eine schöne Bedeutung und ist allen seligen Geistern höchst wichtig – mehr kann ich dir nicht sagen.«

Am 3. April sagte sie im völlig schlafwachen Zustande: »Wo ist er jetzt? Was ist das für ein Reich, wo er sich immer aufhält? Warum wendet er sich zu mir, kann er sich nicht an selige Geister wenden? Viele dieser Geister tun es, wenden sich an selige Geister. Warum können es denn wieder andre nicht? Oh, diesen ist es schwerer als jenen, die sich an selige Geister wenden! Sie könnten, wenn sie wollten, sich auch unmittelbar an Gott wenden, aber sie können nicht, wie sie es auch hier nicht taten. Dort geht es ihnen noch schwerer als hier. Oh, wir haben doch nur einen Fürsprecher, den, der uns von unsern Sünden erlöset hat, warum kommen die unseligen Geister an selige Geister oder an Menschen? Oh, erst durch diese müssen sie ihren vollen Glauben erlangen, durch Worte der Belehrung und durch das Gebet, daß sie sich dann erst an ihren Erlöser wenden können.«

»Wo soll ich diese Geisterwelt finden? Soll ich sie wissen, darf oder kann ich sie wissen? Möchte es nicht gut sein, dies zu wissen? – Warum winkst du mir? – (Ihre Führerin.) Niemand soll sich auf dies Reich verlassen, niemand seine Buße sparen bis auf diesen Tag. Ich möchte nicht in dieses Reich, ich möchte noch lieber hier sein. Sie fühlen ihre Sünden mehr als hier, sie plagen sich noch mehr als hier. Der Schlimmere plagt immer den Besseren, daß er nicht besser werden soll. Eine geistige Plage ist mir immer mehr als eine körperliche Plage, und daher meine ich, daß sie sich mehr plagen. Auch nicht alle Menschen kommen auf diese niedern Stufen dieses Reiches, viele sogleich in einen ganz seligen Ort, aber in welchen? Ich kann ihn nicht sehen, aber fühlen, wissen, durch einen seligen Geist kann ich das. Sie haben in diesem Zustand alles, was sie wollen, alles durch ihren Willen.« Es fragte jemand: »Bäume? Blumen?« Sie sagte: »Nur wenige haben solche Wünsche, sie möchten wohl nicht an solchen Dingen eine Freude haben, die uns hier umgeben. Geister haben an hohem Dingen Freude; was uns so sehr erfreuen kann, freut sie nur wenig oder gar nicht.« –

Am 6. April zog sie aus ihrer vorigen Wohnung in mein Haus. Am 7., abends, als sie ganz allein im Zimmer war, fand man sie, als man zu ihr eintrat, im halbwachen Zustand. Sie sagte, daß ihr zwei selige weibliche Gestalten, jene zwei Waisen, erschienen, daß sie jene Erscheinung angegriffen und dadurch schlafwach geworden sei; wach wisse sie nicht, wer die Erschienenen gewesen. Sie ließ sich wecken und erzählte dann: als sie allein im Zimmer gewesen, seien ihr auf einmal zwei weiße schwebende Frauengestalten erschienen; es seien leichte Gestalten gewesen, nicht so schwere Wolken wie jene Geister. Sie habe sie laut gefragt: warum sie erschienen, was sie von ihr wollen? Da hätten sie geantwortet: »Wir kommen zu dir aus Freude und Dank gegen Gott.« – »Sie sprachen«, sagte sie »beide miteinander zu gleicher Zeit, das Wort des einen war auch das Wort des andern, ihre Sprache war die der andern Geister, aber leichter, nicht so langsam und schwer.« Von ihrer Bedeutung wußte sie wach nichts, und äußerte nur: wenn die Erscheinung ihren Tod bedeuten würde, so fürchte sie sich nicht, sondern freue sich darüber, und es sei ihr dabei wohl gewesen; aber angegriffen habe sie es dennoch, und sie sei hierauf eingeschlafen.

Ich fragte, ob es vielleicht jene Waisen waren; sie erwiderte, das könne sein, aber sie könnte nicht begreifen, warum diese erscheinen sollten.

Am 9. April kam der Geist, morgens 2 Uhr (heute das erstemal in meinem Hause) zu ihr und betete eine Stunde lang mit ihr. Vormittags um 10 Uhr erschien er wieder. Sie fragte ihn: warum er diesmal bei Tag komme. Er antwortete: »Ich komme heute dreimal, um das bevorstehende Fest mitfeiern zu können.« Er meinte wohl den kommenden Karfreitag.

Ich fragte sie: ob sie den Geist bei Tag anders sehe als bei Nacht? Sie sagte: »Nein! Ich sehe ihn bei Tag ganz wie bei Nacht, wenn ein Licht da ist, ohne Licht wohl nicht.« Immer brannte auch bei Nacht ein Licht. Gegen 1 Uhr, als sie allein im Zimmer war, kam der Geist zum zweitenmal. Er kniete vor ihr Bett und sie betete mit ihm. Nachdem er sie verlassen hatte, schrieb sie auf ein Blatt:

»Der Geist ist mir zum zweitenmal erschienen,
nun glaubt er fest und will nur Jesu dienen.«

Um 4 Uhr kam der Geist zum drittenmal. Sie betete mit ihm und verfiel dann in völlig schlafwachen Zustand, in dem sie beständig in bezug auf das kommende Fest fortbetete.

Um 8 Uhr erschien er ihr zum viertenmal. Diese Erscheinung war ihr unerwartet, weil er ihr gesagt hatte, er komme heute dreimal, sie erschrak und verfiel dadurch in magnetischen Traum. Sie sprach in diesem leise, und als sie erwachte und ich sie um den Traum befragte, sagte sie: es sei ihr gewesen, als wolle den guten Geist der böse in seinem guten Vorsatze zurückhalten und sei ihr deswegen zum viertenmal erschienen.

Am 10. April, morgens 2 Uhr, erschien ihr der Geist wieder, und sie betete eine Stunde mit ihm. Um 10 Uhr morgens kam er, als sie allein war, zur offenen Türe herein bis einige Schritte vor ihr Bett, sah auf sie hin und ging dann wieder zur Türe hinaus. Ich fragte sie, ob er denn wie ein andrer Mensch gehe, doch sie sagte: sie höre ihn nicht auftreten, sehe aber, daß er gehe, doch sei er eigentlich nicht gegangen, ob sie gleich wie bei Menschen einen Fuß vor dem andern wechselnd vorausgehen sehe.

Sie fuhr fort: daß er ihr nun auch noch zwei andre Buchstaben aus seinem Namen, nämlich B und N neben dem schon gesagten L genannt und hinzugesetzt habe: daß er ihr in der Gestalt erscheine, die er gehabt, als er die Untat an jenen zwei Waisen verübt, und dies sei 1714 geschehen; er erscheine ihr als ein Mann von etlichen 50 Jahren.

Es hätte schon früher bemerkt werden sollen, daß Herr Pfarrer H. allhier, seitdem er der Kranken das von ihm geschriebene Blatt zum Vorhalten für den Geist gegeben, alle Nacht zu einer bestimmten Stunde, die meistens die war, in der der Geist von der Kranken schied, erwachen mußte, wo er dann an sich ein geistiges Andringen und Auffordern zum Gebet fühlte und durchaus zu beten gezwungen wurde. Zur gleichen Stunde vernahm er in seinem Zimmer ein Klopfen, bald wie an dem Boden, bald wie an dieser oder jener Wand; dies wurde auch von seiner Frau vernommen, obwohl sie zu einer Anschauung nie gelangen konnten.

In der Nacht vom 10. April, als der Seherin der Geist nachts 12 Uhr erschien und sie mit ihm gebetet hatte, hielt sie ihm ein Blättchen vor, auf das ich geschrieben hatte: er solle sich mir sichtbar machen. Auf dieses antwortete er: sie habe ihm dieses schon einmal zugemutet, aber es liege nicht in seiner Macht.

In der Nacht vom 13. kam er um halb 12 Uhr, kniete mit ihr zu beten vor ihr Bett, richtete sich aber, noch ehe es 12 Uhr schlug, um zu gehen, auf. Sie fragte ihn, warum er wieder gehen wolle, da er sonst eine volle Stunde bliebe, worauf er sagte: »Ich muß noch gehen, ehe die Stunde schlägt, in der das Fest beginnt, das ich nun mitfeiern kann, und an diesem Feste komme ich nicht.«

Schon beinahe seit acht Tagen kam der Geist immer ohne vorausgegangenes Klopfen; auch sagte sie, daß seine Gestalt immer heller und die Wolke leichter werde.

Am Karfreitag, abends, als sie im halbmagnetischen Schlafe lag, ging auf einmal in unsrer Abwesenheit die Türe auf und wieder zu, ohne daß eine menschliche Hand sie berührte. Sie sagte darüber, als sie in ganz schlafwachen Zustand kam: »Wer machte, als ich zuvor halbmagnetisch schlief, die Türe auf und kam herein? Das war jener schwarze Geist. Ihm ist es heute gar nicht wohl. Nun weiß ich heute, in welchem Haus jener Weiße ist. Er ist in dem Hause, in welchem jener Nervengeist die Fragen geschrieben, die ich ihm hinhielt; aber man sage es diesem nicht. Er kommt alle Nacht zu ihm. Dieser Nervengeist hat im Sinne, nicht mehr in diesem Hause zu bleiben. Er betet doch fleißig für ihn, und ihm selbst auch gereicht es zum Heil.« Unter jenem Nervengeist verstand sie den Herrn Pfarrer H.

In der Nacht vor 12 Uhr (am 13.) kam der Geist wieder, er kniete vor ihr Bett und betete mit ihr. Sie fragte ihn: wo er das Fest gefeiert, und er antwortete: »In dem Zwischenreiche mit andern, die da sind.« Sie fragte ihn auch: warum er verlangt habe, daß sie mit ihm in jenes Haus gehen soll, das er im Leben bewohnt, und er sagte: »In diesem Hause wohnen zwei Waisen und diesen sollst du neun Dreikreuzerstücke geben.«

Sie sagte mir: sie könne dieses sonderbare Verlangen des Geistes gar nicht begreifen; aber sie müsse es doch erfüllen. Ich entgegnete, daß in diesem Hause allerdings zwei Waisen seien, aber nicht so verarmt, daß sie neun Groschen annehmen würden. Sie sagte: sie müsse den Geist noch einmal darüber fragen, und setzte hinzu, daß ihr der Geist auch gesagt habe, das Haus sei das gleiche, in dem jener wohne, der jene Fragen aufgeschrieben.

Als sie im halbwachen Zustande war, fragte ich sie um die Bedeutung jener neun Groschen, und sie sagte: »Diese neun Groschen soll ich jenen zwei Waisen geben. Diese Zahl 9 hat Beziehung auf eine Zahl 9, um die jene andern zwei Waisen von ihm betrogen wurden. Im schlafwachen Zustande und wenn ich ihn heute noch selbst darüber befragt habe, kann ich dies deutlicher aussprechen.«

Am 18. April, morgens halb 11 Uhr, als sie allein war, kam der Geist wieder zu ihr und bat sie noch einmal, die neun Groschen jenen zwei Waisen und zwar durchaus noch am heutigen Tage zu geben, daß es ihm ruhiger werde. Da ich nicht zu Hause war, so sagte sie meiner Frau das Verlangen des Geistes, diese aber meinte, es werde mit diesen Groschen keine solche Eile haben, man solle erwarten, bis ich zurückkomme, weil es doch am füglichsten sein werde, daß ich diese Groschen jenen Waisen mit irgendeiner Erklärung übergebe. Frau H. war damit auch zufrieden, und als ich in der Nacht zurückkam, war es, diese Groschen noch weiterzugeben, allerdings zu spät.

Abends 9 Uhr lag Frau H. in halbwachem Zustande. Bei ihr anwesend waren: ihr Gatte, ihre ältere Schwester, Herr Stipendiat Binder von Stuttgart, Herr Stipendiat Strauß von Ludwigsburg, meine Frau und ich. Meine Frau, die sehr ermüdet war, setzte sich bald auf das Bett der Schwester, das von dem der Frau H. die entgegengesetzte Richtung hatte, und schlief ein. Die andern sprachen gleichgültige Dinge untereinander, und ich heftete zufällig den Blick auf meine schlafende Frau, in deren Nähe niemand war. Auf einmal hörten wir alle, ganz nahe an meiner Frau, ein schauerliches, langes Stöhnen und meine Frau fuhr in diesem Momente erwacht vom Bette auf und behauptete, es habe ihr jemand ins Ohr gestöhnt, sie fühle noch in ihm den Hauch wie von einem Atemzug. (Dies Gefühl behielt sie noch nachher wochenlang.)

Fast im gleichen Moment erhob sich die schlafwache Frau H. mit geschlossenen Augen und deutete mit ausgestrecktem Arm und Finger geistermäßig gegen meine Frau hin und sprach: »Dort steht er! – Das war sein Stöhnen, weil man die neun Dreikreuzerstücke nicht abgab! Klopfen kann er jetzt nicht mehr. Ich sah, wie er sich über sie hinwegbog! – Das kannst du, das darfst du mir nicht tun! Hätte jenes Weib recht gesucht, so hätte sie die neun Groschen doch alle gefunden; ich kann nicht hinaus in das Gras, um sie zu holen. So muß ich sie selbst hergeben! Du kannst nicht zürnen über mich, ich bin nicht den Geistern Untertan! Oh, ein frommer Geist spricht nicht, wie du sprichst! Wie kann dir der einzige Tag so viel zu schaffen machen? Komme du, wenn ich wach bin, rede du dann so viel du willst. Ich gehe und ich sage dir, lasse mich ruhen!«

Hierauf wurde sie heilschlafwach und sprach: »Liegt denn die Schuld an mir? Darum bin ich ein Mensch, wenn ich wache. Nun darf ich jenen erst in sieben Tagen diese Groschen geben; aber er ist nun sieben Tage noch länger unruhig. Am heutigen Tage tat er jenes Unrecht an jenen Waisen. Er drohte mir mit dem Schwarzen. Von diesem will ich nichts hören, nichts wissen; ich gebe mich nicht mit ihm ab, ich habe meine Pflicht. – Dieses schwache Weib, warum hat sie diese Groschen nicht vollends genommen? – Diese Summe war groß. Er sagte, ich solle zurückrechnen, ich solle einen Groschen einen Taler gelten lassen, bis auf dieses Jahr zurückrechnen, in einem Jahr so viel wegnehmen, dann seien es jetzt noch neun Groschen. Unrechtes Gut tut nicht gut. – Ich finde von ihm nicht viel Schriftliches, aber von dem Schwarzen; sein Name ist aber unter diesem zu finden, einzeln steht sein Name oft.«

Nachdem sie sich selbst durch Gegenstriche erweckt hatte, erzählte sie von ihrem magnetischen Traum, d. h. dem Zustand vor dem hellen Schlafwachen – denn wir hatten ihr gesagt, sie habe etwas gesprochen und also wahrscheinlich geträumt. – »Ja, es hat mir der weiße Geist mit dem schwarzen gedroht. Es träumte mir, der Geist sei ganz böse gekommen und habe gesagt, er könne nicht reden, weil so viele Leute da seien.« Dann sagte ich: »So lasse dich nur hören!« und er stöhnte. Er legte sich über Sie (sagte sie zu meiner Frau gerichtet) und stöhnte Ihnen ins Ohr.« Wir sagten, daß wir alle den Seufzer gehört. Sie erwiderte: »Das wäre mir arg; dann wäre es also mehr als ein Traum? Sie müsse nun dieser Sache immer nachdenken. Solange sie nun wache, müsse sie immer denken: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.«

Sie wurde hierauf wieder halbwach und sagte zu meiner Frau: »Zu dir sagte ich, daß ich die Groschen noch heute den Waisen geben müsse, der Geist verlange es durchaus. Es ward auch dir ans Herz gelegt, es geschah nicht, und daher seufzte der Geist über dich hinein.

Ich will von ihm, daß er endlich bewerkstelligen soll, daß sein Freund, der Schwarze, sich irgendeinem im Hause, der ihn zu sehen fähig ist, sichtbar mache. Aber ich sage noch einmal: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.«

Wir kehrten in das obere Zimmer zurück, und weil wir sehr müde waren, die anwesenden Freunde außer dem Hause und unsre Kinder schon längst schliefen, so gingen wir, ohne des Vorfalls auch nur mit einer Silbe noch gegeneinander zu er= wähnen, zu Bette, und schliefen auch sogleich ein. Ein fünfjähriges Kind lag bei uns im gleichen Zimmer. Nachts 12 Uhr, als wir beide fest schliefen, fuhr dieses Kind auf einmal mit einem Angstschrei auf, sprang aus seinem in der Mutter Bett und schrie: »Wache! Wache! Ein schwarzer Mann will mich küssen oder beißen!« Es drückte sich krampfhaft und in Verzweiflung schreiend an die Mutter, die nun erwachte und das Kind tröstete, aber selbst nichts sah, wie auch ich, als ich später erwachte, nichts sah. Schon früher wurde angefühlt, daß der schwarze Geist das Kind jener Nachtwächtersfrau auch öfters aus dem Bette nehmen und wie küssen wollte.

Der Ausdruck des Kindes: daß der Geist es küssen oder beißen wolle, kommt mit der Beschreibung, die Frau H. noch später von seinem Aussehen machte, sehr überein, nämlich: daß er ihr mehrmals als ein schwarzer Kopf, mit sehr hervorstehenden Zähnen und Zahnlücken, sichtbar gewesen sei.

In derselben Nacht, gegen 2 Uhr, erwachte Frau H., da tat es auf einmal einen Seufzer vor ihr, und antwortete auf ihre Frage, warum er seufze: »Weil gestern die neun Dreikreuzerstücke nicht an den bestimmten Ort abgegeben wurden und ich nun sieben Tage lang unruhiger sein muß. Könntest du hinaus, so würdest du die neun Groschen finden, wie jene Frau welche gefunden hat, und du findest sie seiner Zeit doch noch.«

Sie fragte: »Wie ist denn dies zu verstehen, daß mit diesen neun Groschen auch die von dir angegebene große Schuld abgetragen werden könne?« Er antwortete: »Nehme dieser Gro= sehen jeden als einen Taler an, rechne vorwärts und rückwärts bis auf 1714, den Zins jedes Jahr rückwärts zu und vorwärts ab, dann hast du die große und auch die kleine Summe.«

Am 19. April, abends 4 Uhr, als sie wach im Bette und ich mit Schreiben nicht weit von ihr an einem Tische beschäftigt, auch sonst niemand im Zimmer war, fing es hinter mir auf meiner Kommode, auf der gar nichts Schriftliches lag, wie mit Blättern zu knistern und dann wie zu krachen und zu werfen an. Ich sah mich schnell um, untersuchte die Kommode, die von der im Bette liegenden Frau H. weit entfernt war – fand aber nicht das Allermindeste, was mir diese Töne hätte erklären können. Als sie später halbwach wurde, fragte ich um die Ursache dieser Töne, aber sie sagte: »Jetzt darf ich, jetzt kann ich nicht davon reden.«

Am 20., morgens 10 Uhr, wo ich bei ihr allein im Zimmer war (sie lag immer im Bette), fing dasselbe Knistern, Rauschen wie mit Papier, und Krachen, wie gestern auf der Kommode, so jetzt auf dem Tisch an. Als sie später wieder halbwach wurde, erneuerte ich meine Frage, sie sagte jedoch abermals: sie dürfe und könne jetzt noch nicht davon reden.

Um 3 Uhr nachmittags kam der Geist wieder, und sie fragte ihn: warum er jetzt zur ungewöhnlichen Stunde komme? Er antwortete: »Weil der, den du den Schwarzen nennst, mir keine Ruhe läßt, er sucht Ruhe bei mir.« Um 12 Uhr nachts kam der Geist wieder zu ihr zum Gebete.

Am 21., morgens 9 Uhr, warf es zum offenen Fenster ihres Zimmers (sie war allein und im Bette) mit Kies herein. Der Kies fuhr im Zimmer umher und wurde von mir noch auf dem Boden des Zimmers gesehen. Es war von dem Kiese, der vor dem Hause lag, und außen kein Mensch, der es hätte tun können, bemerkt worden. Eine Viertelstunde später, als ihre Schwester sich bei ihr im Zimmer befand, krachte und rauschte es wieder, wie früher in meiner Gegenwart, auf der Kommode, und gab zugleich Töne, als würfe man; es wurde aber diesmal kein Kies noch sonst etwas auf dem Boden des Zimmers bemerkt. Bei diesem Werfen erinnerte ich mich, daß die Nachtwächtersfrau gleichfalls angab, es habe einmal nach ihrem Manne vom Ofen her mit Speis geworfen. Eine halbe Stunde später, als sie allein im Zimmer lag, wurde ein sechs Schritte von ihr vor dem Schreibtisch stehender Sessel auf einmal vom Boden bis an die Decke des hohen Zimmers in der freien Luft erhoben und kam dann langsam und still wieder hernieder. Danach erschrak sie sehr und wurde halbwach. Um 12 Uhr, im Beisein ihrer Schwester, warf es wieder durch das offene Fenster mit Kies, abermals jedoch wurde kein Mensch außen bemerkt, von dem es hätte geschehen können. Der Kies ward von mir noch im Zimmer gefunden; es waren, wie das vorige Mal, nur wenige Stückchen. An diesem Abend, 7 Uhr, als in dem ganzen Hause kein Mensch, Frau H. mit unserm Dienstmädchen im untern Stock, wir aber in dem Garten nächst dem Hause waren, hörten sie und das Dienstmädchen in dem obern Zimmer ein Laufen, und riefen mir. Ich sprang sogleich hinauf, sah nichts, aber hörte, wo ich nur ging, ein Traben hinter mir her durch alle Zimmer und wieder zurück bis an die Treppe. Auch dieser Vorfall war unbegreiflich und durch nichts zu erklären.

Als sie an diesem Abend völlig halbschlafwach war, fragte ich sie: »Was ist es mit dem Werfen, dem Sessel, dem Traben?« Sie seufzte tief und sagte dann: »Das tut alles der Schwarze. Ich will ihn nicht, ich spreche auch nicht mit ihm.« Ich bat sie sehr, ihn zu mir zu senden. Sie erwiderte: »Das steht nicht in meiner Macht, zu dem Weißen sagte ich es aber. Will es der Herr haben, so wird es geschehen, wo nicht, geschieht es nicht. Sich hören lassen wird er wohl noch.«

In der Nacht, 11 Uhr, als ich und meine Frau im gleichen Zimmer im obern Stock schliefen, wurden wir durch ein sanftes Klopfen, das an die Fenster unsres Schlafzimmers geschah, und zwar an die Fenster der zwei verschiedenen Seiten des Hauses zugleich, erweckt. Dies Klopfen war auch wieder ganz eigener Art, einer sanften und doch wieder sehr hörbaren Berührung ähnlich. Ich sah sogleich nach, bemerkte aber weder von außen noch von innen etwas, wodurch es hätte hervorgebracht werden können; und da es an zwei verschiedenen Seiten des Hauses zugleich geschah, so konnte es in jedem Falle nicht nur durch eine Hand geschehen.

Am 22., morgens, warf es wieder zum offenen Fenster herein in das Zimmer der Frau H.; und abends, als unser Dienstmädchen unter dem Hause stand, warf es nach demselben leicht wie mit feinem Kies. Sie konnte rings keinen Menschen erblicken, von dem es hätte geschehen können; überdies steht mein Haus ganz im Freien, fern von allen andern.

Am Nachmittage dieses Tages war Frau H. allein in meinen Hof gegangen, kam aber sogleich wieder zurück und wurde halbwach. Hier sagte sie: sie habe ein großes Tier, fast so groß wie ein Hund, gesehen, aber mit langer Schnauze und großen rollenden Augen, es sei vor sie hingestanden, und es ihr dann gewesen, als wolle es auf sie zufahren. Sie habe zu ihm gesagt: »Gehe in das Reich, wohin du gehörst! Alle guten Geister loben Gott den Herrn!« worauf es auf einmal verschwunden. Die gleiche Erzählung machte sie auch wach.

Eine Stunde nachher, als sie allein im Zimmer war, kam wieder ein Tier zu ihr, fast in Gestalt eines Bären, mit fürchterlichen Augen, und sah sie starr an. Sie rief:

»Ihr Höllengeister, packet euch,
Ihr habt hier nichts zu schaffen,
Dies Haus gehört in Jesu Reich.«

Auf dies verschwand die Gestalt. Sie wurde durch den Schrecken halbwach, verlangte fünf magnetische Striche, worauf sie ganz somnambul wurde und folgendes sprach:

»Da kann ich doch sehen, wie schwarz seine Seele ist, da er sich immer in solchen Bildern darstellt. Wie könnt' ich das ertragen? Aber doch muß ich es heute sehen. Warum? Weil er sich heute an diesen nicht wenden kann, welcher beinahe selig ist. (Wahrscheinlich weil es Sonntag war.) Ich sehe ihn, bis dieser andre zu mir kommt, bis ich diesem auftrage, was er diesem schwarzen Ungeheuer sagen soll. Es ist kein Bild, das ich mir vorstelle, das soll man ja nicht glauben, und würde ich es halbwegs ertragen können, so würde ich es im wachen Zustande gar nicht sagen, weil man solche Bilder vielleicht wegstreiten kann. Ich fürchte mich nicht, er kann mir nicht schaden, insofern als ich schwach bin. In dieser Gestalt sehe ich ihn nicht mehr, irgendeine andre macht er.«

Am 22. April, nachts 12 Uhr, kam der weiße Geist wieder zu ihr: Sie fragte ihn: warum sich der Schwarze so oft sehen lasse, und er sagte: »Weil er bei dir Ruhe finden will.« Sie erklärte ihm abermals, daß sie sich eines solchen nicht annehmen könne. Sie betete wieder eine Stunde lang mit dem weißen Geiste, der jedesmal vor ihrem Bette mit zusammengelegten Händen kniete. Die ganze Nacht hörte man in ihrem Zimmer ein Rauschen, wie mit Papier, und ein Gehen, jedoch konnte man abermals nicht erforschen, woher diese Töne kamen.

Als wir am 23. April, nachts 8 Uhr, bei Licht am Abendessen saßen, schwebte fast am Fenster des obern Stocks, vor dem unser Tisch stand, eine Gestalt wie eine weiße Wolke, von allen gesehen, vorüber, und dabei hörte man am Fenster die gleichen Töne, wie in jener Nacht, nur sanfter tönend, und noch heller klingend. In der Nacht 11 Uhr, als wir schon alle zu Bette lagen, sprang die Schwester voll Bestürzung zu uns in den obern Stock, mit den Worten: sie hätte am Fenster ein Rasseln wie von Ketten gehört, und ihren Blick dahin gewendet, worauf sie beide zweimal hintereinander eine schwarze verzerrte Menschenfratze erblickt, die zweimal nacheinander zum Fenster hereingeschaut habe und dann verschwunden sei; die Erscheinung könne unmöglich Täuschung sein, sie hätten sie beide zugleich zu klar gesehen. Ich untersuchte sogleich vor dem Hause und um das Haus alles, konnte aber ringsum nichts erblicken, und schloß nun die Fensterläden im Zimmer der Frau H.

In der Nacht, 12 Uhr, kam der weiße Geist wie gewöhnlich zu ihr zum Gebet. Ich fragte sie am andern Morgen, ob sie ihm nichts vom Schwarzen gesagt, sie erwiderte aber, wie schon öfters, sie wolle von diesem durchaus nichts, und berühre ihn auch deswegen nie mit einer Silbe, aus Furcht, er nähere sich ihr dann mehr.

Im schlafwachen Zustand am 24., abends, sagte sie, daß der Schwarze in jenem Hause (wo sie früher den Gang usw. beschrieben), wo er hie und da gehört werde, viele Schändlichkeiten begangen, ob er aber da wirklich gewohnt, wisse sie nicht, sie wolle weder schlafend noch wachend über ihn nachdenken. Es griff sie auch immer sehr an, von ihm zu reden.

Am 25., morgens 9 Uhr, warf es vor mir und der Schwester, aber nicht durch das Fenster, sondern aus einer Ecke mit kleinen Stückchen Speis in die Mitte des Zimmers. Abermals gab die genaueste Untersuchung keine natürliche Ursache davon zu erkennen.

Meine Frau sah in diesem Moment zufällig oben zum Fenster hinaus, ohne jedoch einen Menschen zu bemerken; wie es denn zur Türe herein auch nicht hätte geschehen können, da diese nicht offen war.

Eine Stunde nachher (die sieben Tage waren nun verflossen) erschien der weiße Geist wieder und sagte: sie solle die neun Dreikreuzerstücke heute gewiß an die zwei Waisen abgeben lassen. Ich übergab nun diese Groschen selbst den betreffenden Personen. Sie zogen, was mir unbekannt war, gerade an diesem Tage aus dem alten großen Hause, das ihr Eigentum war, und in dem ihre beiden Eltern über 80 Jahre alt wurden. Ich fand sie in sehr trauriger Stimmung. Nachdem ich ihnen einige Erklärung gegeben, erzählten sie mir: daß sowohl sie als ihre Eltern öfters in diesem Hause die Erscheinung einer weißen Wolke gehabt, die sich auf kurze Augenblicke vor ihre Augen gestellt, auch sei ihnen oft eine Erscheinung vorgekommen, die wie ein schnell vorüberfahrender Lichtstrahl gewesen, oft hätten sie nächtlich ein Klopfen, Seufzen, Stöhnen und Husten gehört, das nie natürlich zu erklären gewesen; aber nie sei ihnen etwas Widriges geschehen. Ihr Vater habe immer die Behauptung gehabt, es sei ein Geist in ihrem Hause, aber kein böser.

Heute nacht, 12 Uhr, erschien der Frau H. der Geist wieder. Er hatte nun (so sah sie ihn) nicht mehr das menschliche Gewand an, sondern erschien ihr wie eine lichte Wolke, in der ihr aber seine Gestalt noch kenntlich war. Da bei ihr noch einige Menschen wach waren, so entfernte er sich sogleich wieder, ohne zu sprechen.

Am 26. April kam der Geist dreimal bei Tage zu ihr, aber immer wenn sie allein war, und nur auf kurze Zeit. Das erstemal sagte er: »Es freut mich, daß diese die neun Groschen haben, die sie entweder zu einem ganz guten Zweck anwenden oder liegen lassen sollen. Diese neun Groschen wirst du wieder finden.« Als er dies gesagt hatte, verschwand er. Bei seiner zweiten Erscheinung sagte er: »Belon hieß ich und jetzt heiße ich Jamna. Bellon schrieb ich mich, aber Belon war mein eigentlicher Name.« Als er das drittemal kam, fragte sie ihn: warum er kein irdisches Kleid mehr anhabe? Er antwortete: »Weil meine Seele jetzt reiner ist, ich mich jetzt nur an meinen Erlöser wenden kann, und an das Irdische nicht mehr denke.« Nachts 12 Uhr kam der Geist wieder und betete mit ihr.

Da ich nun den Namen des Geistes wußte, so fragte ich hier nach, aber niemand war dieser Name bekannt. Endlich gab mir der Herr Stadtschultheiß Pfaff, nachdem er nachgesucht, die Auskunft, daß im Jahre 1700 hier ein Bürgermeister und Waisenrichter dieses Namens gelebt, der im Jahre 1740 gestorben sein müsse, da unter diesem Jahre seine Vermögensteilung vorkomme. In dem Sterberegister vom Jahre 1740 fand ich ihn nun wirklich, und die Bemerkung, daß er 79 Jahre alt geworden. Auch ein Aktenstück fand ich auf, das die Klage eines Mannes, dessen Familie schon längst ausgestorben ist, gegen diesen B. enthielt. Es sind Tatsachen über Habsucht und Verfolgungsgeist und beweist zugleich, daß er in jenem von ihm benannten Hause gewohnt.

Am 27. April, morgens, lief aus einer Ecke des Zimmers, aus der gemeiniglich das Werfen usw. geschah, ein Untier wie ein ungeheurer Skorpion, gegen Frau H. Als sie es sah, rief sie: »Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre!« und die Erscheinung verschwand. Nachts 9 Uhr, als ich in ihrem Zimmer schrieb und sie schlief, warf es wieder von der Ecke des Zimmers her wie mit Sand. Ich sah mich sogleich um und untersuchte alles genau, fand aber weder Sand noch Speis. Ich rief meinen Leuten, und als ich in das Zimmer zurückkehrte, war sie halbwach und sagte: »Wärest du ruhig sitzen geblieben und hättest niemand gerufen, so hättest du wohl noch mehr gehört.«

Am 29. April, sonntags, entstanden morgens 11 Uhr im Zimmer wieder Töne, als würfe man, und dann fing es durch dessen ganze Länge wie mit Papier zu rauschen an. Die Kranke machte die Bemerkung, daß selbst der ihr früher in Oberstenfeld erschienene zweite Geist, der doch auch böser gewesen sei, dennoch an einem Sonntag nie etwas von sich kundgegeben habe. Nachmittags 1 Uhr erschien ihr der weiße Geist, indem er gegen sie hindeutete und sagte: sie solle sich gefaßt halten, damit sie nicht wie vor 7 Tagen in Schrecken gerate. Es war dies auch am Sonntag, wo der schwarze Geist sich ihr in verschiedenen furchtbaren Gestalten kundgab. Sie erhielt hierauf einen heftigen Krampf, der besonders den Arm und die Seite betraf, auf die der Geist mit seinen Fingern gedeutet hatte. Eine Stunde nachher ging aus der bekannten Ecke des Zimmers eine feurige Kugel hervor, nahte sich ihr und ging dann wieder in die Wand zurück. Nicht lange darauf fing es wieder vor mehreren Personen zu tönen an, als würfe es aus jener Ecke mit Sand oder Speis: man bemerkte aber nichts der Art. Sie sagte: sie sehe, sooft es geworfen, in jener Ecke des Zimmers eine dicke schwarze Wolke in der Größe eines Menschen. In der Nacht gegen 12 Uhr geschah dasselbe mehrmals und einmal sogar auf den Kopf der Frau H.; es wurde aber weder auf dem Boden noch sonst wo irgend etwas bemerkt, womit geworfen worden wäre.

Um 12 Uhr kam der Geist wieder zu ihr, und sie betete eine Stunde lang mit ihm.

Am 30., morgens, warf es wieder wie mit zarten Sandsteinchen von der Wand her, und dies wiederholte sich an diesem Tage noch einigemal.

Auf Verlangen eines Freundes hielt Frau H. in der Nacht vom 30. dem Geist ein Blatt hin, auf das folgendes geschrieben war:

»Bist du ein guter Geist, so sage mir, wie man hier leben muß, um nicht in das Mittelreich zu kommen?«

Auf dieses hauchte er zu ihr hin: »Ja! Durch meinen Mittler und Erlöser bin ich jetzt ein guter und werde ein seliger Geist. Wer die höchste Seligkeit nach dem Hinscheiden erlangen will, der soll sich nur rein an das Evangelium und die Lehre Jesu halten.«

Weiter fragte sie ihn: »Beunruhigst du oder jener, den ich den Schwarzen nenne, den Menschen, der in dem Hause wohnt, wo du gelebt?« Er antwortete: »Ich nicht, aber der, welcher mein Freund war.« Darauf fragte sie: »Sucht er Hilfe bei ihm, glaubt er, ruhig bei ihm werden zu können?« Er antwortete: »Nein! Er sucht Hilfe bei mir, er sucht mich aber nirgends als da, und so kann man ihn öfters in diesem Hause hören: auch ist es ihm leichter, wenn die Menschen Anteil nehmen.«

Diese Frage stellte sie deswegen an den Geist, weil Herr Pfarrer H. noch immer die oben angegebenen Beunruhigungen erlitt, namentlich in der Nacht zu einer gewissen Stunde erweckt wurde, dann ein Klopfen, oft ein Seufzen und Stöhnen vernahm, und darauf ein geistiges Sich=ihm=Annähern fühlte.

Am 2. Mai, 3 Uhr nachmittags, als sie allein war, erschien auf einmal sechs Schritte vor ihrem Bette eine Gestalt wie eine schwarze Wolkensäule. Von der ging eine Stimme, die sprach: »Suche in dem geistlichen Hause nach, da ist noch ein Betrug von mir verborgen!« Nach einer halben Stunde kam die gleiche Erscheinung mit gleicher Aufforderung wieder. Beidemal verfiel Frau H. in die schauerlichsten Krämpfe und wußte kein Wort zu entgegnen.

In der Mitternacht kam der weiße Geist wieder. Sie fragte ihn: was der schwarze Geist mit jenen Worten gewollt, und er sagte: sie beziehen sich auf einen Betrug desselben; es ist aber nur so ein Gedanke von ihm, daß das Nachsuchen nach demselben ihn ruhiger machen könne. »Lasse nicht nachsuchen, sonst nähert er sich dir mehr.« Nachts 10 Uhr, am 3., warf es wieder auf den Tisch. Nachts 12 Uhr, als sie und ihre Schwester im Bett lagen, letztere fest schlafend, kam der weiße Geist auf einmal und sagte zu ihr: »Lasse augenblicklich jemand wecken! Der schwarze Geist kommt vier Nächte. In diesen steht er eine Stunde lang vor deiner Schwester Bett und sieht über sie hinein, was ihr großen Schaden, ja den Tod bringen könnte, da sie ihn sehen würde; liegt aber noch jemand bei ihr, so hat er keinen Einfluß auf sie.« Hiermit verschwand er wieder. Frau H. setzte sich nun still im Bette auf und wartete ruhig, was nun geschehen werde. Als sie so eine Viertelstunde ganz ruhig und still gewartet hatte, sah sie den schwarzen Geist abermals wie eine schwarze Säule vor dem Bette ihrer Schwester stehen und sich über dieselbe hineinbiegen. Als die Säule ungefähr zwei Minuten lang so gestanden war, fuhr die Schwester auf einmal auf und schrie: »Ach Gott, wie ist es mir! Mir ist todesübel! Wie klopft mein Herz!« Sie fing zu zittern und nach Luft zu schnappen an. Frau H. erwähnte der Erscheinung, die sie vor ihrem Bette sah, durchaus nicht, sondern sagte nur: sie habe ihr schon früher zurufen wollen, sie solle aufstehen und jemand wecken. Darauf sagte die Schwester (die Säule stand immer noch da): sie könne um jeden Preis nicht heraus. Frau H. sagte: sie müsse durchaus aufstehen, und wenn sie nicht aufstehe, so stehe sie selbst auf, und komme sie nur bis an die Treppe. Während sie aber so miteinander stritten, sah Frau H. die Säule weggehen und im nämlichen Moment sagte nun die Schwester: jetzt könne sie heraus und tat dies auch, um uns zu wecken. Sie kam zu uns und sagte: ihre Schwester wolle durchaus haben, daß noch jemand ins Zimmer solle, sie wisse nicht wozu und warum. Von der Erscheinung wußte sie, und somit auch wir, nicht eine Silbe. Wir sandten sogleich unser Dienstmädchen hinab, das sich zur Schwester legte. Eine Stunde nachher hörte man in unsrer Küche Töne, als würden alle Zinnteller untereinander geworfen, auch war es im ganzen Hause unruhig, und man hörte bald von da, bald von dort aus einen unerklärlichen Schlag.

Dies und namentlich diese Töne in der Küche wurden von allen, die im Hause waren, und zwar von denen im untern Stock, von uns im mittlern und von zwei Personen auf dem Boden gehört. Ich eilte sogleich in die Küche, stellte Untersuchungen an, aber fand nichts. Auch die Teller standen in aller Ordnung.

Erst am andern Tage, morgens, erzählte uns Frau H. von jener Erscheinung und erklärte uns, warum sie in dieser Nacht eine Person zu ihrer Schwester begehrt.

Die Schwester, die auch die Ursache jetzt erst erfuhr, bestätigte ihr banges Erwachen, ihren beängstigenden Zustand in dieser Nacht, und wie es ihr unmöglich gewesen sei, aus dem Bette zu kommen; sie habe an keinen Geist gedacht und auch keinen gesehen. Den ganzen Tag klagte sie über große Schmerzen auf einer Seite des Körpers. Es war die Seite, neben der die Erscheinung in jener Nacht stand.

An diesem Morgen und gegen Mittag warf es wieder, von mehreren Menschen gehört, wie von der Wand her ins Zimmer. Am Abend, nachdem der Frau H. die schwarze Säule wieder erschienen war, klatschte es in meiner Gegenwart zweimal so heftig, wie auf die im Zimmer stehende Kommode, daß nicht nur ich auffuhr, sondern auch die Leute im obern Stock, welche die Frau allein vermeinten, heruntersprangen, um nach der Ursache jener Töne zu fragen. Außer mir und ihr war diesmal kein Mensch im Zimmer, und die Kommode von uns beiden (sie lag im Bette) sechs Schritte entfernt. Sie hatte nur das erste Klatschen vernommen, beim zweiten war sie in Krämpfe verfallen.

Nachts 10 Uhr, als ich und meine Frau bei ihr waren, tönte es im Zimmer wieder, als würfe man von der Wand her. Da die Schwester schon im Bett und ich und meine Frau noch wach waren, erhob sich Frau H. im somnambulen Zustande mit geschlossenen Augen, zog ihre Strümpfe, Halstuch und Rock an, und legte sich mit dem Kopf in den Teil des Bettes, der an die Füße ihrer Schwester stieß, während sie ihre Hand sehr mühsam ausstreckte, um damit die Hand ihrer Schwester zu erreichen, die sie festhielt; dabei weinte sie heftig. Nach einiger Zeit erwachte sie und erschrak, sich in dieser Lage zu finden. Sie legte sich wieder wie gewöhnlich ins Bett und schlief bald ein. Es ward ausgemacht, zum Schutze der Schwester abermals unser Dienstmädchen bei derselben liegen zu lassen, aber als dieses es tun sollte, war es durchaus nicht dazu zu bringen. Da es schon gegen 12 Uhr ging, und die Schwester auch ohne Furcht zu sein schien, so verließen wir das Zimmer.

»Um 1 Uhr (so erzählte mir morgens Frau H.) erschien der weiße Geist und machte mir Vorwürfe, daß ich gegen seine Warnung meine Schwester allein gelassen; ich müsse mich nun selbst neben das Bett meiner Schwester setzen. Ich wachte nun noch kurze Zeit, schlief aber dann ein. Um 3 Uhr erwachte ich wieder und verwunderte mich sehr, denn ich saß mit meinem Leintuch umwickelt auf dem Bette meiner Schwester und hatte meinen Arm schützend über ihren Leib ausgebreitet. Sie schlief fest und ruhig. Vor mir kniete der weiße Geist, mich tröstend, und im Hintergrunde stand der schwarze als dunkle Wolkensäule. Sobald ich ihn erblickte, sprach ich zum Weißen: ›Ist Gott für uns, wer mag wieder uns sein!‹ Der weiße Geist tröstete mich immer und sagte auch: ›Siehe! Wer sich auf Menschenhilfe verläßt, der ist verlassen!‹ Die schwarze Säule stand noch lange, endlich verschwand sie. Dann stand ich auf und ging in mein Bette, der weiße Geist erhob sich auch und ging neben mir her, ich konnte nur wanken, und er verließ mich erst, als mein Gemüt wieder ruhig war.«

Um sich vor dem schwarzen Geist zu sichern, schlief die Schwester in der nächsten Nacht außer dem Hause bei einer unsrer Freundinnen, und zur Kranken wurde eine andre weibliche Person ins Zimmer gelegt. Der schwarze Geist erschien nun auch in dieser Nacht nicht, aber der Weiße kam Schlag 12 Uhr und betete mit ihr.

Am andern Tage, abends 4 Uhr, entstand, während meine Frau im Keller war, auf einmal das heftige Klopfen an den Fässern und Geschirren, als würde alles zusammengeschlagen. Sie rief mich; wir durchsuchten alles, aber fanden nichts. Sobald wir suchten, war das Klopfen stille.

In der nächsten Nacht legte sich noch ein andres Mädchen zur Schwester, um diese vor dem Geiste zu sichern. Nach dem Zeugnis beider Mädchen und der Kranken warf es in dieser Nacht wieder aufs heftigste im Zimmer. Die Fensterladen und die Türe waren verschlossen.

Schlag 12 Uhr war der weiße Geist wieder bei der Kranken erschienen, was er aber gesprochen, wollte sie am andern Morgen durchaus nicht sagen.

Als sie am 8. Mai, abends 4 Uhr, mit meiner Tochter allein im Zimmer war, erschien ihr der schwarze Geist auf einmal wieder in Gestalt eines Skorpions, und sie verfiel in einen heftigen Krampf.

Die Ursache des Krampfes wollte sie anfänglich durchaus nicht sagen, nur auf langes Zureden von mir tat sie es. Sie sagte: »Ich mag von diesen Erscheinungen gar nichts mehr sagen, und wäre nicht jemand zugegen gewesen, als ich den Krampf erhalten, so hätte ich es verborgen.«

Nachts 1 Uhr kam der weiße Geist wieder und sagte: daß er zwei Nächte lang nicht mehr kommen werde, weil er jetzt in einem bessern Zustande sei, und es ihm nun schwerfalle, sich ihr fühlbar und sichtbar zu machen. Sie setzte hinzu: er erscheine ihr immer lichter, daß sie ihn fast nicht mehr ansehen könne. Sie habe ihn vieles gefragt, aber sie könne und dürfe nichts sagen. Sie sagte nur, er habe ihr vertraut, daß es acht Seligkeiten gebe.

Am 10. März, abends, erschien ihr wieder der schwarze Geist als dunkle Säule. Sobald sie ihn sah, verfiel sie in Krämpfe, aber im nämlichen Momente tat es vor mir und der Schwester, in wieder entgegengesetzter Ecke des Zimmers, drei mächtige Schläge, die sie selbst nicht mehr hörte, da sie schon in Krampfen lag.

Am 11. März kam der weiße Geist zweimal zu ihr und drang in sie, mir zu eröffnen, was er gesagt. Sie versicherte mir aber, sie werde es nur tun, wenn er ihr keine Ruhe lasse.

Bei einem spätern Erscheinen fragte Frau H. den Geist auf meine Veranlassung, ob er nicht sagen könne, wie man magnetisieren soll? Darauf erwiderte er: »Deine Führerin, die ein ganz seliger Geist ist, kann dir dies am besten sagen, frage sie nur!« Sie erwiderte: »Ich kann mit meiner Führerin, die ich nicht sehe und höre, ja nicht sprechen.« Hierauf sagte der Geist: »Sage es nur jemand, dann wirst du es schon erfahren.« Dieses letztere verstand weder ich noch sie. Sie sann darüber nach, wurde dadurch halbwach und sprach:

»Ich soll es jemand sagen,
Damit man mich im Schlaf kann fragen,
Weil meine Führerin da mit mir spricht.
Verstehst du's immer nicht?«

Weil sie nämlich den Geist nur im wachen Zustande spricht, so wußte sie in diesem nichts von einer Führerin, mit der sie sprechen könne, und daß sie es nur jemand sagen dürfe, der sie alsdann im Schlaf darüber frage, weil ihre Führerin ihr nur völlig im schlafwachen Zustande erscheint.

Am 11., um Mitternacht, kam der weiße Geist wieder und sagte ihr: sie müsse mir mitteilen, was er ihr gesagt. Sie war morgens darüber in großem Jammer: sie könne es nicht tun. Schon früher äußerte sie im halbwachen Zustande, ihre Führerin wolle nicht haben, daß sie die Rede des Geistes aussage. Am andern Tag kam der Geist dreimal und mahnte sie an, mir aufzuschreiben, was er gesagt, sie tat es aber nur zum Teil. Sie schrieb – – –

 

Am 13., nachts 12 Uhr, kam der Geist wieder und verlangte von ihr, sie solle mir alles sagen, was er gesagt. Er machte ihr wieder gewisse Eröffnungen, die sie ebenso geheimhielt. Im magnetischen Schlafe bat ich sie, mir das vollständig zu sagen, was der Geist gesagt, aber sie versicherte: »Meine Führerin will nicht haben, daß ich es sage. Ich fragte sie darum; der Geist mag sagen, was er will, ich sage es nicht. Er hat allerdings recht, er spricht die Wahrheit, aber sagen darf ich es nicht. Es ist ein Glück für mich, daß ich es auch im wachen Zustande trotz dem Willen des Geistes zurückhalten kann.« In einem spätem Halbschlafe sagte sie: »Dieser Geist plagt mich immer, ich soll es sagen. Meine Führerin beschütze mich! – So gib mir auch die Kraft, daß ich es nicht sage, wenn es nicht gut ist. – Warum hast du es nicht in mir zurückgehalten, daß ich das sagte? Auch das sollte ich nicht gesagt haben. – So halte es doch in mir zurück, daß ich nicht mehr davon rede!«

Am 13. sagte sie im Abendschlafe: »Man muß jenem ein Amulett machen mit sieben Cochenillewürmchen, sieben Stängelchen von Wacholderstaude, drei Küchelchen Lettenerde und fünf Johanniskrautblumen. Letten macht hörbar, das andre stoßt zurück. Dann wird er, wenn er wacht, recht wachen, und wenn er schläft, recht schlafen. Was er hört, soll er recht hören oder gar nicht hören. Morgen mittag, 12 Uhr, muß es ihm umgehängt werden.« Unter jenem verstand sie den Herrn Pfarrer H. Sowohl abends vor mir als in der Nacht warf es wieder aus der Ecke des Zimmers, schlug wie noch nie und lief im Zimmer laut auf und ab. Auch klopfte es an verschiedenen Seiten der Wand, der Decke und des Bodens, und einmal tat es, als rutsche man einen Sessel zum Tische her, auf dem das Rezept zu jenem Amulett lag. Frau H. sah in dieser Nacht die schwarze Säule im Zimmer stehen; aber solange sie sie sah, hörte sie nichts, sobald sie sie nicht mehr sah, fingen jene Töne wieder an.

Am Morgen vom 14. klopfte es an der offenen Türe, am Ofen und an verschiedenen Seiten des Zimmers, und abermals gab die genaueste Untersuchung nichts zu erkennen, wodurch es veranlaßt worden wäre. Als Frau H. kurze Zeit allein war, hob sich ein Arzneikolben, der neben ihrem Bette stand, auf einmal in der freien Luft empor, und bewegte sich mehrere Zoll weit fort, so daß sie ihn schnell mit der Hand auffing und wieder zurückbrachte. Sie fühlte dabei einen Widerstand, als würde er gehalten, sah später die schwarze Wolkensäule neben ihrer Schwester stehen und ermahnte diese, weiter wegzugehen.

Vor 12 Uhr ging ich in die Wohnung des Herrn Pfarrers H. und hing demselben das nach Vorschrift bereitete Amulett um. Der Berechnung nach in dem gleichen Momente, wo dieses geschah, zeigte sich der Kranken die schwarze Säule, aber mit einem scheußlichen Kopfe, mit feurigen Augen, gegen sie aus jener Ecke des Zimmers die Zähne bleckend. Sie rief: »Weiche von mir, was habe ich mit dir zu schaffen!« und die Erscheinung verschwand. Aber hierauf lief ein Klopfen von jener Ecke des Zimmers bis zur entgegengesetzten wie an der Wand fort.

Am 17. sprach sie im Abendschlafe: »So habe ich es noch nie gesehen, so wohl war es mir noch nie! Oh, welche Freude! Welche Wonne! Wie kann sich ein Mensch das denken, so vorstellen! So vorstellen kann sich das kein sterblicher Mensch! Warum soll sich der Mensch nicht freuen! Wie kann sich doch ein frommer Geist freuen, daß es ihm so nach dem Tode ergeht! – Was denkt man sich denn hier Schönes? Eine Musik, Blumen denkt man sich hier schön, hält man hier für schön. Wenn ich nun aber eine göttliche Musik höre und göttliche Blumen sehe, ganz im klaren Lichte dastehen sehe, diese Blumen und diese göttlichen Töne höre, von keinen so plumpen Instrumenten, wie wir Menschen haben! – Wie aber ist es denen, die in dem Zwischenreiche sind, die das göttliche Schöne immer sehen, hören, und dürfen nicht hinkommen, können nicht, sind so lange ohnmächtig, bis sie nur dahin beten können! Und wie schauert es ihnen vor jenen, die sie in der Qual sehen! Möchten so gerne aus diesem Reiche kommen, bis nach langer Zeit ein Keim in ihnen aufgeht, daß sie zu dem Herrn beten können. Wie lange müssen oft sie in diesem Zwischenreich nieder sein, bis sie in eine höhere Seligkeit kommen!«

Als sie erwachte, sagte sie: »Mit welchem kuriosen Gedanken bin ich erwacht! Wie heißt er? Opinia pasto hieß es, und das muß ich immer denken und ist doch kein Wort! (Wahrscheinlich war dies ein Wort aus ihrer Natursprache.) Ich bin gar nicht auf der Welt, ihr sehet mir alle so sonderbar, so lästig aus! Ich sehe euch so plump, so dick; ich meine, ihr könnt vor Schwere gar nicht gehen.« Sie bat ihre Schwester, doch etwas zu gehen, damit sie sehe, ob sie denn mit dieser Schwere gehen könne.

Am 20., nachmittags, als mein sechsjähriges Kind vor ihrem Bette stand, fiel hart vor demselben eine Schere, die sonst gar nicht in diesem Zimmer war, in Gegenwart ihrer Mutter und Schwester hoch aus der Luft auf den Boden, und spießte sich zu Füßen des Kindes in demselben ein.

In den darauffolgenden Tagen erschienen ihr die Geister zu verschiedenen Zeiten wieder, der Weiße gemeiniglich um Mitternacht. Seiner Aussage nach jetzt mehr für sie zum Schutze gegen den Schwarzen, damit sich dieser ihr nicht statt seiner nähere. Einigemal erschien ihr der Schwarze nach vorangegangenen drei heftigen Schlägen, worauf sie in fürchterliche Krämpfe fiel. Geflissentlich fragte ich sie nun über die Erscheinung dieser Geister immer weniger; denn da sie ihrer Gesundheit offenbar sehr nachteilig waren, so wollte ich sie auf jede Weise davon abbringen. Von freien Stücken erzählte sie vom Anbeginn sehr selten etwas davon.

Auf Veranlassung ihrer Mutter, die sie besuchte, sagte sie am 23., morgens: »Der weiße Geist erscheint, um mich vor dem schwarzen zu sichern, noch von Zeit zu Zeit bei mir. Er betete mit mir für den Schwarzen, so lange bis er sich nur etwas zum Bessern wenden und mir alsdann nicht mehr zu schaden trachtet. Es ist möglich, daß sich dann der Schwarze jedesmal in der Nähe befindet, aber ich sehe ihn nicht, und darf ihn vielleicht auch nicht sehen. Der Weiße sagte mir, er sei doch schon besser.

Man hat mir schon öfters zugemutet, an diese Geister mehr Fragen über ihr Wesen und Sein zu richten, woraus man erst sehen werde, daß sie nicht bloße Traumgebilde von mir seien. Ob man letzteres glaubt oder nicht, ist mir gleichgültig, und ich könnte doch in keinem Falle die Menge von der Wahrheit dieser Erscheinungen überzeugen. Aber ich tat auch in dieser Hinsicht, was ich tun konnte. Je mehr ich mich in Fragen an die Geister einlassen würde, desto mehr würde ich mit ihnen verbunden, statt daß ich von ihnen los werden sollte.«

Darauf sagte ich zu ihr, es sei mein Wunsch durchaus nicht, daß sie sich mit diesen überirdischen Naturen tiefer einlasse; wie ich ihr schon oft gesagt, ihre Gesundheit liege mir mehr am Herzen, als alle Aufschlüsse über die Geisterwelt, und sie solle alles aufbieten, endlich von diesen Geistern frei zu werden.

Sie erwiderte: gleich anfänglich hätte sie sich vielleicht dieses schwarzen Geistes entschlagen können, aber wir hätten sie ja selbst gebeten, uns die Überzeugung von dem wahren Sein dieser Geister zu verschaffen, und sie habe ihr möglichstes getan. Sie habe einmal gegen den weißen Geist das Verlangen geäußert, daß sein schwarzer Freund, von dem er gesagt habe, daß er sich andern kundgeben könne, sich auch uns hören lassen solle. Hätte sie das nicht getan, hätte er sich ihr nicht einmal so genähert.

Man drang bei dieser so auffallenden Geschichte einigemal in sie, doch nähere Beweise zu geben, daß diese Erscheinungen keine Träume seien, denn, wie gesagt, es handelte sich hier um Lehren und Beweise, die das größte Interesse für die Bestimmung des Menschen haben.

Am Himmelfahrtstage erschien ihr der schwarze Geist dreimal und blieb das dritte Mal, da sie allein mit ihrer Mutter und Schwester im Zimmer war, so lange wie noch nie, in einiger Entfernung von ihr stehen. Seine Gestalt beschrieb sie wieder als die einer dunklen Wolkensäule mit einem schwarzen scheußlichen Kopfe. Solange er dastand, gab es ihr heftige Erschütterungen durch den ganzen Körper, und sie wurde, wie immer bei seiner Anwesenheit, ganz kalt. Ihre Schwester wußte nichts von seiner Gegenwart und lief ganz in seine Nähe, worauf sie, ohne zu ahnen, woher es kam, eine fürchterliche Beengung des Atems erhielt. Frau H. nur schaute ihn und sah, wie er, als sich ihre Schwester ihm näherte, zurückwich. Sie konnte ihn jetzt länger ansehen als sonst.

Bei Herrn Pfarrer H. hatte das Amulett die Wirkung, daß er drei Nächte lang (was seit langem nicht mehr geschah), ohne zu jener Stunde erwachen zu müssen, schlief, aber in der dritten Nacht wurde er durch dreimaliges Klopfen erweckt, und nun vernahm er Töne, als wollte jemand sich bestreben, mit ihm zu sprechen; es blieb aber bei unartikulierten Lauten.

Sowohl gestern als heute am 30. erschien der Frau H. der schwarze Geist wieder nach vorangegangenen zwei Schlägen, und als ich und meine Frau uns am Abend auf dem alten Turm in unserm Garten am Hause befanden, warf es auf einmal nach meiner Frau mit Stücken Kalk, die ich aufhob. Rings war kein Mensch zu sehen, der dies hätte tun können.

In der Nacht vom 31., um 11 Uhr, erwachte meine Frau an einer großen Bangigkeit und blieb in dieser aufrecht im Bette sitzen. Als sie einige Minuten lang so saß, schrie die Schwester der Kranken auf einmal aus dem Fenster des untern Stockes zu uns herauf: ich solle doch nachsehen, es sei jemand an der zum Hof führenden Haustüre. Ich erwachte, sprang auf und sah sogleich zum Fenster, das über dieser Türe ist, in den Hof; und hörte eine Bewegung an derselben, als drehe man einen Schlüssel herum und probiere die Klinke, um sie zu öffnen, aber ich konnte keinen Menschen erblicken, obschon es mondhell war. Ich rief nun derbe Drohungen hinab, und in diesem Augenblick rasselte es über mir auf dem Dache des Hauses, als würde auf demselben Sand oder Kies umhergeworfen. Nun schoß ich geradeswegs zum Fenster hinaus. Der Schuß verhallte, aber rings war es nun Todesstille und bewegte sich nichts.

In ihrem magnetischen Schlafe am 2. Juni fragte ich Frau H.: »Kannst du mir nicht sagen, was in jener Nacht jene Töne an der Türe und auf dem Dache verursachte, war es ein Mensch?« Sie sagte: »Ein Mensch ohne Fleisch und Blut. Er tat es, um zu schrecken und aufmerksam auf sich zu machen, ob er gleich jetzt nicht mehr so böse ist; er suchte das Gute. Er wird heute wieder kommen, weil ein Fest ist. Seinen Namen weiß ich nicht, ich fragte nicht. Der Weiße wird an diesem Feste (Pfingstfest) nicht kommen.«

In dieser Nacht nun kam der schwarze Geist zweimal zu ihr, aber ohne Klopfen usw. Er blieb in einer Entfernung von sechs Schritten vor ihr stehen, sie legte sich auf die Seite, ohne ihn anzusehen und betete still für ihn. Am Pfingstfest morgens, als alles in der Kirche und nur ihre Schwester bei ihr war, kam der Geist wieder zu ihr nach zwei vorangegangenen Schlägen. Seinen Arm (sie sah diesmal das erstemal einen Arm in dieser schwarzen Säule) streckte er gegen sie hin, blieb in dieser Richtung einige Minuten und verschwand dann wieder. Sie äußerte: wie sie sich darüber freue, daß er doch einmal einen Arm habe zeigen können; sie meine, es sei dies ein Zeichen seiner Besserung.

Am Nachmittag erschien er ihr wieder zweimal, mit gleicher Bewegung des Armes und vorangegangenen, jedesmal von mehreren Personen gehörten heftigen drei Schlägen.

In der Nacht vom 4. auf den 5., war der weiße Geist wieder zum Gebete bei ihr.

Am 5., morgens, kam der schwarze Geist, deutete wieder auf sie hin und sagte: »Ich komme heute neunmal und in der Nacht sechsmal, bis du mit mir sprichst.« Er kam nun auch diesen Nachmittag neunmal zu ihr, teils mit vorangegangenem Klopfen, teils ohne dasselbe, und sagte jedesmal zu ihr: »Sprich! sprich! sprich!« Jedesmal wandte sie sich von ihm und schwieg, verfiel aber meistens hierauf in starke Krämpfe. War niemand im Zimmer, so kam er immer näher zu ihr, als wenn jemand zugegen war.

In der Nacht vom 12. kam der weiße Geist wieder. Sie fragte ihn, wie oft er noch komme, und warum er noch komme? Er antwortete: »Noch zweimal, und wegen des schwarzen Geistes, damit dieser durchaus nicht mehr zu dir kommen kann.« Sie betete mit ihm wieder für den schwarzen Geist. Sie sagte mir; »Das Aussehen des weißen Geistes ist wie eine ganz helle Wolke, am Himmel gibt es oft so helle leichte Wolken, die wie dieser Geist aussehen.«

In der Nacht vom 27. Juni (nachdem er seit dem 12. nicht mehr erschienen war) erschien der weiße Geist um 12 Uhr wieder. Sie fragte ihn: »Warum kommst du wieder?« Er antwortete: »Ich komme, wie ich gesagt habe, nun diese zweimal noch des Schwarzen wegen.« Sie fragte: »Wo ist dieser?« Er antwortete: »Noch wie zuvor in einer untern Stufe des Mittelreiches.« Dann fragte sie ihn auch: wo er jetzt sei, und er antwortete: »In einem bessern Orte!« Sie betete nun wieder mit ihm eine Stunde lang für den schwarzen Geist. Er kniete dabei wieder vor ihrem Bette, wie eine sehr dünne lichte Wolke, die jedoch eine völlige Menschengestalt, an der nun aber nichts Widriges und Menschliches mehr war, bildete.

In der Nacht vom 29., um 12 Uhr, kam auf einmal der weiße Geist und hinter ihm der schwarze. Dieser hatte nun nicht mehr die Gestalt einer Säule, sondern eine völlige bekleidete Menschengestalt, noch immer ganz schwarz, aber ihr nicht mehr so furchtbar wie sonst. Zu jeder Seite des weißen Geistes stand ein lichtes weibliches Wolkenbild, die zwei Geister knieten, die lichten weiblichen Wolkengestalten aber standen. Alle beteten, ihr vernehmbar, zu gleicher Zeit und sie mit. Hierauf sangen sie alle, den schwarzen Geist ausgenommen, in vollen Molltönen, und sie laut mit, ein Lied, dessen sie sich am Morgen nicht mehr erinnerte, das sie auch zuvor nie gehört hatte, und nun doch mitsingen konnte. Der Inhalt des Gebetes war Dank und Freude, daß der weiße Geist sich nun eines bessern Ortes erfreuen könne, und ein Beten für die Besserung des schwarzen Geistes. Dann dankte ihr der weiße Geist für ihr Gebet mit ihm, und ebenso jene zwei weiblichen Lichtgestalten. Nachdem die Geister so unter Gebet und Dank zwei Stunden lang zugebracht, wandten sie sich um und gingen wie durch die geschlossene Türe dahin.

Es ergriff Frau H. dabei die innigste Sehnsucht, doch auch mit diesen Geistern gehen zu können.

 

Im August kam eine Frau, Namens L. S. von Lenach, einem nicht weit von hier entfernten Dorfe, zu mir, und hatte das Verlangen, mit Frau H. zu sprechen, um von ihr Auskunft über unerklärliche Beunruhigungen zu erhalten, die sie schon seit vielen Jahren erleiden müsse. Es war ihr zwar bekannt, daß Frau H. Erscheinungen von Geistern hatte, aber sie wußte hierüber nichts Spezielles und namentlich nichts von der vorstehenden Geschichte.

Sehr verwundert war ich daher, als im Verlaufe ihrer Erzählung sich ergab, daß sie im Jahre 1820 Magd in jenem Bellonischen Hause war, und daß sie von dort an jene Anfechtungen erlitt.

Ihre Erzählung hierüber war folgende:

»Ich war im Jahre 1820 hier Magd in einem Hause. Da hörte ich oft bei Nacht Töne, als rollte man eine Kugel oder ein Gewicht hin und her, dann wieder wie ein Stöhnen oder Winseln, und dann fiel es wie etwas Schweres auf mich. Oft hörte ich auch nichts, aber ich fühlte, als näherte sich mir etwas, wobei mir immer der Atem benommen wurde, und dies geschah so oft, daß es meine Gesundheit zu zerrütten drohte; ich wurde ganz elend und verließ dieses Haus.«

Ich fragte sie, in welchem Hause sie denn gewesen, und sie bezeichnete mir, zu meiner großen Überraschung, das Haus von Bellon.

»Als ich nach Lenach gekommen war«, erzählte sie weiter, »fühlte und hörte ich lange nichts mehr. Ich ging nach Neustadt in Dienst, da verfolgte mich auf einmal, auch bei Tag und wenn ich wach war, wieder ein Stöhnen, das ich ganz deutlich oft in der Küche um mich vernahm, und in der Nacht rauschte es um mich in meiner Schlafkammer wie mit Papier. Auf dies sah ich immer einen weißen Schein, der sich wie vor mein Bett stellte. Diese Töne von Stöhnen, Rauschen und Seufzen wechselten auch oft mit Klopfen da und dort um mich.

Ich bekam in diesem Dienste eine Brustentzündung und ging nach Hause. Hier verfolgte mich von nun an ein Winseln, das auch meine Mutter hörte. Dieses Winseln vernahm man zuerst nachts vor dem Hause, und dann kam es immer näher bis vor mein Bett und hielt, mir und meiner Mutter hörbar, zwei Jahre lang mehr oder weniger an.

Nach diesen zwei Jahren fing es an zu werfen. War ich in der Küche, so warf es besonders oft nach mir, ganz hinter mich hin, aber nie fand ich etwas auf dem Boden liegen, mit dem geworfen worden wäre. Ich kehrte deswegen nach solchem Werfen öfters den Boden, fand aber nie etwas.

Dieses Werfen fand hauptsächlich im Februar 1827 statt. Als ich einmal bei meinem kranken Kinde wachte, hörte ich ein unvollkommenes Sprechen, als wollte jemand sprechen und könnte nicht.

Nach Ostern, als ich einmal in den Keller ging, hörte ich, wie ich durch die Türe eintrat, einen hellen Seufzer.

Später vernahm ich nächtlich sehr oft ein Schlürfen und Rauschen durchs Zimmer; einmal gab es Töne, als wollte man den Kleiderschrank aufmachen, und einmal war es, als rührte man auf der Werkbank meines Mannes das Handwerkszeug untereinander.

Sehr oft habe ich Nächte, in denen ich, ohne zu wissen warum, keine Ruhe habe. Jedesmal werde ich, ohne zu wissen wodurch, Schlag 11 Uhr erweckt, wo dann der helle Schweiß auf mir steht.«

Die Mutter dieser Frau bestätigte diese Aussagen und gab noch folgendes an:

»Schon fünf Jahre lang, hauptsächlich aber in diesem letzten Jahre, hören wir öfters nächtlich, und auch oft bei Tag, ein unerklärliches Gehen in unserm Hause, auch Rollen wie von einer Kugel. Bin ich in der Küche, zieht es mich öfters am Rocke.

Oft warf es mich ganz natürlich, wie mit einer Handvoll Sand, aber nie finde ich etwas auf dem Boden. Als ich einmal in der Bibel las, vernahm ich etwas wie eine rauhe Stimme, die sprechen wollte: es waren nur kurze Worte, die ich nicht verstand. Auch mein Mann hörte schon öfters diese Stimme, und einmal sah er es wie einen schwarzen Schatten vor sich stehen. Hör' ich so etwas, so bin ich wie gezwungen, einen Spruch oder ein Lied zu sagen, worauf es immer stärker klopft oder sonst durch Töne sich hören läßt.«

Ich sprach jener Frau (der Tochter) zu, eine Nacht bei Frau H. zuzubringen, weil ich begierig war, zu wissen, ob sie bei ihrer Empfindlichkeit für Geister von den Erscheinungen der Frau H. oder diese von den ihrigen Kunde erhalten werde. Dies geschah in der Nacht vom 13. August. Obgleich alles darüber in der fünften Tatsache angeführt ist, muß ich es doch des Zusammenhangs wegen schon hier erwähnen. Die Frau bekam in der Nacht, wo sie im Zimmer der Frau H. schlief, wohl von dem Hörbaren der Erscheinungen der Frau H. Kunde, bis zum Sehen aber kam es bei ihr auch hier nicht. Dagegen wurde durch ihr Dasein im Hause der Frau H. jener schwarze Geist der obigen Erscheinung, der ihr, seit er sie mit dem weißen verließ, nicht mehr sichtbar und fühlbar geworden war, auf einmal (doch nur zweimal) wieder sichtbar, und uns auf einmal durch sein Werfen (das nachts in unsrer Küche, wo kein Mensch war, geschah) wieder hörbar. Offenbar war es auch dieser schwarze Geist, der jene Frau von L., seit sie in jenem Hause von B. zugebracht hatte, beunruhigte. (Man sehe die fünfte Tatsache.)

Noch ist zu bemerken, daß jene Nachtwächtersfrau von der Zeit an, als sich jene Geister zu Frau H. wandten, auch keine Erscheinung mehr von jenem Geiste hatte, aber jener schwarze ihr noch öfters, jetzt zu ihrem großen Kummer, hörbar und sichtbar wurde. Noch wenige Stunden vor ihrem Tode (sie und ihr Mann starben in einer Woche) versicherte sie mich feierlich (sie war kaum noch zu sprechen fähig) von der Wahrheit dieser ihrer Erscheinungen, und daß jener schwarze Geist ihr vor sieben Tagen durch ein Zeichen (durch welches, vermochte sie, schon sterbend, nicht mehr zu sagen) ihren und ihres Mannes Tod kundgetan.

 

Pfarrer Hermann schreibt:

 

Es war ungefähr in der Mitte des Monats Februar dieses Jahres – nachdem ich versäumt habe, Tag und Stunde von irgend etwas des weiter zu Erzählenden schriftlich aufzuzeichnen –als, bei den fast täglichen Besuchen bei Frau H., von den nächtlichen Erscheinungen eines lichten Geistes die Rede war, welche sie habe. Man sprach verschiedenes, mehr scherzhaft als im Ernste, über die mutmaßliche Periode des Erdenlebens jener Erscheinung und über die etwaigen Mittel, diese Periode zu eruieren. Da schlug man direkte Fragen an den Geist in einer Art von scherzhaftem Übermute vor, und ich setzte diese Fragen sogleich auf, wodurch herausgebracht werden sollte, ob der fragliche Geist im Leben katholisch oder evangelisch gewesen sei. Sie lauteten wörtlich also.

»Kennst du die Mutter unsers Herrn? Kann ihre Fürbitte noch jetzt im Himmel erlangt werden, und ist dieselbe als vorzüglich wirksam zu betrachten? – Stehet Maria in engerer Verbindung mit ihrem erhabenen Sohne als jeder andre selige Geist?«

Am andern Tage erhielt ich von der Handschrift der Frau H. folgende Zeilen, welche sie früh 5 Uhr bei ihrem Nachtlicht im Bette geschrieben hatte: »Ich kenne die Mutter unsers Herrn etwas besser als du; für mich bitten kann sie, wie jeder selige Geist; es besteht keine engere Verbindung zwischen ihr und unserm Erlöser; aber –«

Ich frage, was dies »Aber« zu bedeuten habe? Hierauf antwortete die Erscheinung: »Es hat eine schöne Bedeutung und ist allen seligen Geistern höchst wichtig; mehr kann ich dir nicht sagen.«

An demselben Abend sagte sie mir: sie habe mein Papier der Lichterscheinung hingehalten, hierauf habe dieselbe wörtlich das mir Gemeldete in ihrem bekannten Hauchton erwidert. Das »Aber« hat dieselbe ganz auffallend langsam ausgesprochen, so daß jede von den zwei Silben desselben einige Minuten lang gedauert habe; nachher habe sie, wie gewöhnlich, wieder gebetet mit der Erscheinung.

Nicht lange nachher – auch hierbei kann ich leider kein Datum angeben, doch mögen es sieben oder neun Tage gewesen sein – wurde ich mit wenigen Ausnahmen jede Nacht um eine bestimmte Zeit wie durch höhere Macht erweckt. Die Stunde wechselte, doch war dieselbe meistens 12 Uhr. Die ganz klaren, bewußten, von aller Täuschung freien Empfindungen, welche ich dabei hatte, waren folgende:

Das Erwecktwerden geschah plötzlich einen Augenblick vor dem Glockenschlag der jedesmaligen Mitternachtsstunde; eine unsichtbare Gewalt drang auf mich ein; alle meine Nerven und Gliedmaßen empfanden diesen Einfluß wie eine durchdringend erwärmende, unaufhaltsam eindringende milde Schwere (Masse), bei dem hellsten Bewußtsein.

Zu gleicher Zeit ließen sich die verschiedenartigsten Töne, abwechselnd, völlig unvergleichbar mit andern, vernehmen. Bald nur ein fernes und doch ganz deutliches Stöhnen, obwohl dieser Ausdruck mir keineswegs genügend bezeichnet, was ich vernahm; bald war es ein zugleich hohles und helles, fernes und nahes Husten oder Sich-Räuspern, wie wenn Menschen aus der Entfernung ohne Worte ein Zeichen geben wollen, daß sie gegenwärtig sind und die Absicht haben, auf diese Weise die Aufmerksamkeit andrer auf sich zu ziehen; alles dieses nie heftig oder gewaltsam, am wenigsten schrecklich oder furchtbar, vielmehr bittend, hilfsbedürftig, demütig und beinahe furchtsam, jedoch beharrlich und vernehmlich genug, und in der deutlichen, keinen Zweifel zulassenden Absicht, bemerkt oder vernommen zu werden, die Aufmerksamkeit und Teilnahme auf sich zu ziehen.

Gab ich dieser Absicht willig nach und sprach ich demzufolge fromme Wünsche oder religiöse Gedanken und Empfindungen aus, so ließen diese Bemühungen, sich bemerklich zu machen und Teilnahme zu erregen, auf der Stelle nach und leise Zeichen oder Töne des Behagens und der Dankbarkeit traten an ihre Stelle. Blieb ich aber einige Zeit gleichgültig oder gab ich, wie es zuweilen geschah, leisen Zweifeln über die Richtigkeit der gemachten Erfahrungen und sinnlichen Wahrnehmungen in mir Raum, so folgten, gleichsam zur Bekräftigung, ziemlich starke, ungewöhnlich markierte Schläge unmittelbar auf die Decke des Zimmers über meinem Haupte; und diese wiederholten sich etwa, wenn ich, wie späterhin zuweilen der Fall war, aus Ermüdung oder Abspannung in der Äußerung religiöser Gedanken nachließ, ehe es dem Geiste gefällig war; jedoch niemals furchterregend, sondern nur lebhaft an- und aufregend.

Die Hauptsache war, daß religiöse Gedanken und Empfindungen ausgesprochen werden sollten: hierzu fand eine gewisse Nötigung – ja, ich möchte fast sagen, ein milder, jedoch unwiderstehlicher Zwang statt. Woran ich vielleicht seit mehreren Jahren in dieser Beziehung nicht gedacht hatte, wurde nun wie durch höhere Eingebung gleichsam liquid in mir. – Bibelstellen, Liederverse, Gebete, strömten zu uns aus, und wurden mit immer steigender Befriedigung vernommen. Am willkommensten schienen die eigentlich tröstlichen Stellen der Heiligen Schrift, namentlich diejenigen, welche auf den Segen der Erlösung und auf die Person des Erlösers Beziehung haben. Das laute Aussprechen der Gebete war dabei von mehr Wirksamkeit als der bloße Gedanke derselben; doch begnügte man sich auch zur Abwechslung damit, und namentlich tat meine Frau, welche ziemlich dasselbe wahrnahm und empfand, wie ich selbst, und eine große Menge biblische Stellen vom Konfirmandenunterrichte her im Gedächtnis aufbewahrt hat, dabei treffliche Dienste, indem sie vollendete, wo ich abbrach, oder wieder anfing, wenn ich etwa aus Erschöpfung oder Abspannung nachließ. Die Einwirkung, welche wir beide verspürten, war von Seiten der geistigen Potenz, deren Nähe eins wie das andre auf das bestimmteste empfand, bei all diesen ein inniges Wohlbehagen, eine reine Dankbarkeit, eine volle Genüge, welche nichts zu wünschen übrig läßt, sondern sich ganz befriedigt fühlet, ein seliger Friede, der über allen Ausdruck geht, und dessen Empfindung mir immer gegenwärtig bleiben wird.

Ebenso zweifellos und bemerklich wie die Annäherung des Geistes zu obigem Zwecke war auch dessen Entfernung. Seine fühlbare Nähe und Gegenwart war nicht von gleicher Zeitdauer, sondern wechselte von 30 Minuten bis zu 1½ Stunden, ja 2 Stunden; später verkürzte sie sich bis zu 12 bis 15 Minuten; ein ruhiger, gesunder Schlaf trat bald hernach ein.

Ich weiß nicht genau anzugeben, wie viele Nächte diese geistigen Erbauungsstunden währten, indem zuweilen Pausen eintraten; ich vermute jedoch beiläufig 21 Tage. Sie waren im ganzen angreifend und erschöpften meine ohnehin beschränkte körperliche Kraft. Frau H. versicherte mich, daß sie jedesmal die Erscheinung des Geistes nach mir gehabt habe, so wie sie auch den Geist dann nicht sah, wenn ich von demselben nichts vernahm.

Als ich späterhin an einer Gesichtsgeschwulst erkrankte und mehrere Tage nicht ausgehen konnte, wurde mir von Herrn Dr. Kerner ein Amulett überbracht, das Frau H. mir übersandte, und dessen Ingredienzien und nähere Beschaffenheit ich nicht kenne. Ich trug dasselbe mehrere Tage auf der Herzgrube; die nächste Folge war, daß ich, wie Frau H. auch, drei Tage nacheinander von dem Geiste nichts verspürte; nachher bekam ich noch einige kürzere, abgebrochene Besuche, wozu ich jedesmal bestimmt erweckt wurde, und wobei unter andern bekannten Wahrnehmungen besonders ein Versuch zu sprechen, oder sich durch artikulierte Töne mitzuteilen, welcher aber bei den ersten schwachen Anfängen von Seiten des Geistes stehen blieb und nicht vollständig zustande kam, sich vorzüglich auszeichnete. Einige Tage vor dem Ablegen des Amuletts, und seit jener Zeit, sind die Nächte völlig ruhig, wenigstens, auch bei sonstiger teilweisen Schlaflosigkeit, ohne allen geisterartigen Einfluß
Weinsberg, am 5. Juni 1827
C. W. Hermann, Pfarrer

5. Tatsache zu Weinsberg

Am 6. Juli 1827 ging Frau H. in dem Baumgange nächst meinem Hause, der zur Burg führt. Als sie eine kleine Strecke desselben zurückgelegt hatte, erklärte sie mir, sie könne durchaus nicht weitergehen, gab aber die Ursache davon nicht an. Am 14. Juli, morgens, sagte sie mir folgendes: »Als ich den Gang hinging, sah ich eine Gestalt mir entgegenkommen, die ich sogleich als einen Geist erkannte, und ging daher nicht weiter, sondern kehrte um und sah sie dann nicht mehr. Aber in der darauffolgenden Nacht (am 7. Juli), als ich ungefähr in der Mitte der Nacht ganz wach war, kam dieser Geist vor mein Bett und sagte zu mir: ›Gehe mit mir auf die Burg links hinunter, da ist ein großer und ein kleiner Keller, in diese mußt du mit mir hinein.‹ Ich antwortete: ›Das kann ich nicht!‹ Darauf sagte er: ›Dann komme ich so lange, bis du mit mir dahin gehest: denn dort wirst du etwas finden, und wenn du dieses hast, bin ich ruhig und komme nicht mehr.‹

Ich sagte ihm hierauf: das sei mir unmöglich zu tun, und er entfernte sich.

Seitdem kam er fast alle Tage zu mir ins Zimmer und in den Garten, und mahnt mich immer, teils durch Winken, teils durch Worte, mit ihm zu kommen. Einmal fragte ich ihn: wann er gestorben sei? Und er sagte: ›Im Jahre 1529.‹ Sein Aussehen ist freundlich und ehrwürdig, das eines Mannes von etlichen siebzig Jahren, und er macht mir nicht die mindeste Angst. Seine Sprache ist schneller als die der andern Geister, es ist mit ihm leichter zu sprechen. Er hat einen langen Bart, auf dem Kopf einen Hut, wie man jetzt keinen trägt, fast wie die Tiroler tragen, nur mit kleinerer Stülpe und höherem Kopfe, oben gewölbt. Sein Kleid ist kurz und andern Schnittes als jetzt; er hat Halbstiefel, in die lange Hosen gehen.«

Am 15., nachmittags 4 Uhr, kam dieser Geist wieder zu ihr und sagte: »Sei guten Mutes, und fasse den festen Entschluß, mit mir zu gehen!« Da fragte sie ihn: »In welchem Orte bist du?« Er antwortete: »In einer Seligkeit; aber noch habe ich hier ein Hindernis, weiterzukommen.« Hierauf ging er wieder.

Sie sagte zu mir: so gutmütig habe noch kein Geist mit ihr gesprochen, so gar nicht drohend, und daß er nicht wolle, daß sie mit ihm beten solle, sei ihr ein Beweis, daß er dessen nicht bedürfe, daß er ein guter Geist sei.

Als er am 21., nachmittags, wieder erschien, und die gewöhnliche Mahnung: »Komme mit mir auf die Burg!« zu ihr gesagt hatte, fragte sie ihn: »Mit was beschäftigst du dich oder die andern Geister an dem Orte, wo du bist?« Er antwortete: »Ich bin in der Seligkeit, wo die Heiden und überhaupt alle diejenigen Seelen sind, die ohne ihr eigenes Verschulden unsern Herrn und Heiland nie kennenlernten, da werden wir von Engeln unterrichtet, bis wir zu einer höhern Seligkeit reif sind.«

Ein andermal fragte sie ihn: wie viele Seligkeiten es gebe, und er sagte: »Acht Seligkeiten, aber nur sieben bestehen jetzt. Die achte hat ihren Anfang noch nicht genommen, und das ist diese, welche man das tausendjährige Reich nennt, dessen Anfangszeit aber verschlossen bleibt.«

Als er am 20., nachmittags, wieder von ihr begehrte, sie solle mit ihm auf die Burg gehen, sagte sie zu ihm: sie tue das nicht, bis er ihr seinen Namen sage, worauf er erwiderte: sie müsse ihn jetzt nicht wissen, auf der Burg solle sie ihn erfahren.

Wenige Tage, nachdem dieser Geist ihr zum erstenmal erschienen war, ging auf einmal eine dunklere Gestalt als jener in ihrem Zimmer auf und ab, dabei klirrte etwas wie von Metall, als hätte die Gestalt Sporen. Die hatte das Aussehen eines Mannes von etlichen vierzig Jahren. Die Kleider hatten militärischen Zuschnitt. Die Gestalt lief gravitätisch im Zimmer sechs- bis siebenmal auf und ab, sah sie an, sprach aber nichts.

Am andern Morgen, 9 Uhr, als sie allein im Zimmer war, kam wie eine Wolke zum Fenster herein, und es tönte, als würfe man feinen Sand aus ihr, worauf sie wieder verschwand.

Am 19., abends 7 Uhr, als ich und Herr Pfarrer Hermann, letzterer im Vorlesen begriffen, bei ihr im Zimmer waren, fühlte Herr H., der vom Erscheinen eines Geistes gar nichts wußte und frei im Zimmer saß, plötzlich ein besonderes Gefühl an seinem rechten Fuß, als streifte jemand an demselben vorüber und sprach: »Was war denn da an meinem Fuß?«

Nachdem Herr H. sich, entfernt hatte, sagte mir Frau H., der Geist mit den Sporen sei dagewesen, aber nur auf einen Augenblick, er sei ganz nahe an Herrn H. vorübergegangen, und habe sich im Moment, wo dieser von einer besondern Empfindung an seinem Fuße gesprochen, hart an ihm umgekehrt. Eine Stunde nachher, als Frau H. angekleidet auf ihrem Bette lag, und zwar mit Stiefeln, die vermittelst Haften eng an den Fuß geschnürt waren, sah sie diesen Geist wieder, klirrend wie mit Sporen durch das Zimmer gehen, legte sich aber dann sogleich, ohne ihn näher anzusehen (es war auch Dämmerung), auf die andre Seite und schlief ihrem Gefühl nach ein. In diesem Momente trat ich ins Zimmer, wo auch ihre Schwester sich befand. Frau H. lag ganz ruhig, als ich auf sie hinsah, aber ihre Stiefel gingen in diesem Momente von dem ganz ruhig liegenden Fuße, wie von einer unsichtbaren Hand ausgezogen, durch die Luft durchs Zimmer der Schwester zu, die gerade zum Fenster hinaussah, und legten sich hart vor ihr (sie kehrte sich in diesem Moment um) leise auf dem Boden nieder.

Frau H. lag noch immer vom Kopfe bis zu den Füßen in Erstarrung, aus der ich sie nun durch Anblasen weckte. Erwacht erzählte sie das Erscheinen jenes Geistes, wie sie aber von ihren Stiefeln gekommen, wußte sie nicht im mindesten; sie meinte, sie noch an den Füßen zu haben. Die Schwester weinte, und hatte durchaus nicht den Mut, ihr die Stiefel wieder anzuziehen.

In verschiedenen Nächten nun kam dieser Geist ganz stumm, indem er nur im Zimmer klirrend hin= und herlief und sie fest ansah. Immer erlosch mit seinem Erscheinen das Nachtlicht, und einmal sah sie ihn vor demselben stehen und es auslöschen.

Am 22., abends 8 Uhr, zupfte es, auch andern sichtbar, beständig an ihrer Decke und Kopfkissen, und da sie darüber unwillig wurde, drehte sie sich murrend um, und sah dann jenen Geist, der ihr Sporen zu haben schien, vor sich stehen. Er sagte mit spöttischem Tone zu ihr: »Ich bin der Jäger dessen, der haben will, daß du auf die Burg gehen sollst«, und hierauf ging er. Eine Stunde später, als sie, ihre Schwester und meine Tochter allein im Zimmer waren (sie lag im Bette), flog auf einmal der weit im Zimmer stehende Lichtschirm, wie von einer unsichtbaren Hand geworfen, auf die andre Seite des Zimmers. Kaum, ehe dies geschah, hatte Frau H. den Geist mit den Sporen zur Türe hereintreten sehen, fiel aber dann in Erstarrung, und sah, was mit dem Lichtschirm geschah, nicht mehr.

Nachts 10 Uhr kam derselbe Geist zur offenen Türe herein, als sie allein im Zimmer im Bette lag, lief rasch vor den Schreib« tisch, und da hörte sie, wie alle Papiere untereinander gerüttelt wurden, und schrie dann: »Was willst du, was hast du hier zu schaffen?« Er sagte: »Ich will haben, daß jener noch nicht ruhig werden soll«, dann ging er. Die Papiere vom Schreibtisch, der weit von ihr stand, fand man zum größten Teil auf den Boden geworfen.

Am 24., abends 8 Uhr, als sie allein war, kam dieser Geist wieder zur Türe herein, und neben ihm ging eine größere, magere, ältliche Weibsperson, mit widrigem Gesicht und von viel dunklerer Gestalt als er, in alter Frauentracht, mit hoher turmartiger Haube, unter der ein Tuch herumgebunden war, welches das Haar so verschleierte, wie ihr alle weiblichen Geister noch erschienen und an der hinten viele Bänder niederhingen. Ihr Kittel bildete hinten einen Schnabel, ihr Rock war dick, mit vielen Falten, ihre Schuhe hatten äußerst lange Spitzen und hohe Absätze. Beide liefen im Zimmer auf und nieder, sahen sie an, sprachen aber nichts.

Nachts 1 Uhr erschienen die gleichen Gestalten und gingen abermals nur stumm auf und nieder. Das Nachtlicht erlosch. Eine vertraute Person, die ich diese Nacht noch neben der Schwester im Zimmer schlafen ließ, sagte mir, daß es nachts 1 Uhr im Zimmer Töne gegeben, als werfe man alle auf dem Schreibtisch liegenden Papiere untereinander; auch habe sie in der rechten Ecke des Zimmers mehrmals einen Ton gehört, wie von einem Hunde, der aus dem Schlaf erwache. Das Nachtlicht sei auf einmal, ohne eine ihr sichtbare Ursache, verlöscht, daher sie aus dem Bette gestiegen, um einen Laden zu eröffnen, da habe sie, noch ehe sie den Laden eröffnet, mit großer Verwunderung gesehen, daß der Leuchter des Nachtlichtes, selbst auf seinem untern runden Boden, hell geglüht habe, sie habe aber nicht gewagt, ihn anzurühren. In der Nähe war kein andres Licht, auch war es nicht Mondschein.

Abends 9 Uhr (am 25.) kam der Geist von der Burg wieder. Er stand unversehens vor ihrem Bette. Sie sprach sogleich zu ihm: »Warum kommt jener Geist mit einer Frau zu mir, der vorgibt, ein Jäger von dir gewesen zu sein?« Er antwortete: »Dich zu hindern, daß du auf die Burg kommst.« Sie sagte: »Warum wollen denn diese haben, daß ich nicht hinauf solle?« Er antwortete: »Damit ich später in Ruhe komme; denn sie hatten im Leben einen großen Haß auf mich, den sie auch mit sich nahmen.« Sie wollte noch nach der Ursache dieses Hasses fragen, da ging er wieder.

Im magnetischen Schlaf vom 27. sagte sie: »Der gute Geist hat dort, wo er ist, nicht die Gestalt, in der er mir hier erscheint. Dort sieht man sie mit geistigen Augen, und hier sehe ich sie, obgleich mit dem geistigen Auge, aber doch immer noch durchs fleischliche. Sie stellen sich hier mir dar in Formen, die meinen fleischlichen Augen erkenntlich sind.«

Als jener Geist am 27. wieder kam, fragte sie ihn: »Warum sind denn jene so sehr über dich ergrimmt?« Er antwortete: »Weil ich ihn nicht in meinem Dienste ließ, und noch wegen vieler andern Dinge.«

Abends erschien der feindliche Geist mit der weiblichen Gestalt wieder. Sie gingen stumm auf und nieder.

Schon vor mehreren Wochen sagte mir Frau H. eines Morgens, es habe ihr in der Nacht geträumt: es sei in unserer Wasserkufe in der Küche (wo sie nie war) etwas, das nicht in sie gehöre, und sie habe sich die ganze Nacht im Traume damit abgegeben, die Wasserkufe auszuleeren.

Ich hielt es für einen leeren Traum, und kam erst am andern Tage dazu, die Kufe ausleeren zu lassen. Da fand man auf ihrem Boden eine äußerst lange, völlig rostige, schwarze, uralte, dicke Stricknadel, die ich nachher in Frau H.s Zimmer auf den Schreibtisch legte. Nach einigen Tagen, ohne daß irgend jemand diese Nadel berührt haben wollte, fand man dieselbe wieder in der Küche im obern Stock auf dem Herde. Ich trug sie wieder auf den Tisch im untern Zimmer zurück.

An dem Abend, eine Stunde später, als der Geist mit den Sporen und seine Begleiterin der Frau H. wieder erschienen waren, sah sie von dem Tische, auf dem die Stricknadel lag, und der sechs Schritte vor ihr stand, dieselbe gegen sich durch die Luft kommen. Als sich diese ihr auf ein paar Schritte genähert hatte, hob sie die Hände vors Gesicht und schrie, da sich niemand sonst im Zimmer befand. Die Stricknadel aber ging nicht auf sie zu, sondern legte sich in ein neben ihr stehendes Glas mit Wasser leise nieder, in der ich sie, auf ihren Schrei herbeigekommen, noch antraf und wieder auf den Tisch zurückbrachte.

Am 29., abends 7 Uhr, als Frau H. allein im Zimmer im Bette lag, vor der offenen Türe aber mein Dienstmädchen und noch eine Person saß, kam der Geist mit seiner Begleiterin zu ihr, ging im Zimmer stolz und mit Sporen klirrend, auf und ab, und so oft er an ihr Bett kam, sagte er in einem schnippischen Tone nichts zu ihr als: »Ja! ja! ja!« Seine Begleiterin machte nur eine stumme spöttische Miene. Auf dieses verfiel die Frau in heftige Krämpfe. Während dieser tat es im Zimmer, als liefe in demselben jemand mit Sporen klirrend von einem Sessel zum andern, und stieße ihn jedesmal mit aller Macht auf den Boden. Das Dienstmädchen und die andre Person traten auf dieses Lärmen ins Zimmer, da es ihnen unbegreiflich war (weil sie Frau H. im Bette wußten), wer so in demselben klirrend umhergehe und mit den Stühlen poche; da wurde ihnen ein Sessel, wie von unsichtbarer Hand entgegengeworfen, Frau H. aber sahen sie auf der andern Seite des Zimmers im Bett in Krämpfen liegen. Als sie erwachte, erzählte sie von dem Erscheinen der zwei Geister, von dem Lärmen mit den Sesseln aber wußte sie nichts: denn sie lag schon in Krämpfen, als dieser begann.

Abends, im halbwachen Zustande, sagte sie mir: daß sie in den Krämpfen das Lärmen des Geistes mit den Sesseln wohl gehört, aber nach dem Erwachen aus denselben (weil sie in diesen Krämpfen immer magnetisch sei) habe sie nichts mehr davon gewußt, und wisse auch wach nichts davon.

Am 1. August, 1 Uhr mittags, kam jener bessere Geist wieder, und wie er erschien, trat jener, der sich seinen Diener hieß, mit seiner Begleiterin vor ihn; da ging er, ohne ein Wort zu sprechen, wieder. Der andre blieb und sagte zu Frau H.: »Dich wollen wir aber ängstigen, bis du diese Kette hast!« Sie erwiderte schnell und laut: »Gott ist meine Macht und Stärke, wie kannst du mich ängstigen oder sonst mir schaden?« Da entfernten sie sich.

Abends 7 Uhr erschien er wieder mit seiner Begleiterin, aber noch in Gesellschaft eines ganz schwarz aussehenden Geistes, worüber die Kranke so erschrak, daß sie in heftige Krämpfe verfiel.

Morgens 4 Uhr kam er mit gleichen Begleitungen wieder, und namentlich mit dem schwarzen Geist, der eine kurze und dicke Gestalt war. Ohne zu sprechen, liefen sie im Zimmer hin und her. Da faßte sie den Mut und befahl ihnen fest und ernst, von ihr zu weichen. Sie gingen.

Sie machte mit mir zugleich um diese Zeit die Bemerkung: daß die drei Geister, die die Burg betreffen, nicht wie die vorigen, immer von der linken Ecke des Zimmers herkommen, sondern von der rechten, wobei mir zuerst auffiel, daß die Lage der Burg mit dieser rechten Ecke korrespondiert, der Weg aus der Stadt aber, woher die vorigen kamen, mit der linken Ecke.

Am 1. August, abends 7 Uhr, kam derselbe Geist, der von ihr haben wollte, daß sie auf die Burg gehe. Er hatte ein kleines Blatt Papier in der Hand, das mit roten Buchstaben voll überschrieben war, und das er ihr hinhielt. Sie war aber gerade sehr geschwächt und sah das Blatt nicht näher an, da ging der Geist wieder.

Morgens 4 Uhr erschien der Jäger und seine Begleiterin mit der kleinen dicken, schwarzen Gestalt, die hinter beiden herging. Sie gingen wieder, ohne zu sprechen, im Zimmer hin und her, da befahl sie ihnen ernstlich, von ihr zu weichen, und sie entfernten sich.

Am 3., abends 7 Uhr, kam der Geist von der Burg wieder. Er hielt ihr abermals ein kleines Blatt Papier mit schwarzen großen und roten kleinen Buchstaben beschrieben hin, aber sie sah es nicht näher an, und er ging.

Als er in der Nacht vom 6. auf den 7. ihr dasselbe Blatt wieder vorhielt, sagte er dabei: »Das stehet darauf, was mich hindert.« Sie sah es an und sah wieder, daß es große schwarze Frakturbuchstaben waren, zwischen welche hinein mit kleinen roten Buchstaben geschrieben war, konnte es aber, weil es zu dunkel war, nicht lesen. Sie sagte: »Bring es bei Tage wieder.« Da ging er.

An verschiedenen Tagen, am 7., 8. usw., kam der Jäger mit seiner Begleiterin und dem dicken, kleinen, schwarzen Geiste, der immer hinter ihnen herging. Sie sprachen nie etwas, sondern machten immer nur gegen sie spöttische Gestikulationen, Komplimente usw. Sie hieß sie jedesmal weichen, und sie wichen dann auch sogleich.

Ich gab ihr am 31. August einen zusammengelegten und genau rings versiegelten Brief, in den ich, ohne daß ich es einem Menschen sagte, den Anfang eines Liedes geschrieben hatte:

»Jesus nimmt die Sünder an,
Saget dieses Trostwort allen.«

und bat sie, diesen Brief, sobald wieder ein Geist bei ihr erschiene, ihm hinzuhalten und ihn zu fragen: was der Inhalt sei? Dies geschah nun in der Nacht vom 1. September, wo jener Geist mit seiner Begleiterin zu ihr kam. Sie hielt dem Geiste den Brief hin, er berührte ihn nicht, sagte aber: »Jesus – Sünder – was geht mich dies an, ich wollte noch nie selig werden«, und dazu sagte er noch mehrere Spottreden, die ihr am Morgen entfallen waren. Sie sagte hierauf zu ihm: »Glaubst du mit solchen teuflischen Bosheiten vor dem Allerheiligsten bestehen zu können?«

Er antwortete: »Hum! Ich wollte ja noch nie!« Hierauf rief sie ihm laut zu: »Nun! So gebiete ich dir im Namen des Höchsten, gehe hin zu deinen Teufeln und kehre nie wieder zu mir!« Er sagte: »Ja, ich will«, und ging. Den Brief, in welchem jene Worte standen, gab Frau H. mir morgens völlig unverletzt mit seinen Siegeln wieder zurück.

In der Nacht vom 7. kam dieser Geist allein, ohne das Weib und den schwarzen Geist zu ihr, und sagte in einem noch etwas spöttelnden, aber schon gelindern Tone: »Wie soll ich denn beten?« Sie sagte: »Willst du beten, ist es dir ernst?« Er: »Ich will beten.« Sie: »Warum willst du beten?« Er: »Damit ich selig werden kann.« Sie: »Bist du überzeugt, daß du durchs Gebet selig werden kannst?« Er: »Ja, diesen Glauben habe ich jetzt.« Sie: »Nun so halte dich an deinen Erlöser!« – Hierauf ging er.

In der Nacht vom 9. kam dieser Geist wieder in Begleitung des kleinen schwarzen Geistes, dieser blieb aber an der Türe stehen, schlug sie laut zu und schlürfte hin und her, so daß auch die Wärterin der Frau H. an solchem Lärmen erwachte. Solange dieser schwarze Geist so unruhig war, sprach weder der Geist noch Frau H. etwas. Als aber dieser stille geworden, sprach er ganz ängstlich und mit zweifelndem Gesichte: »Wie soll ich denn zu meinem Erlöser beten, da ich ihn doch nicht sehe?« Frau H. antwortete: »Sind dir deine Sünden herzlich leid, so mußt du um Gnade und Erbarmung flehen, ob du deinen Erlöser siehest oder nicht: denn selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.« Der Geist sagte: »So sage mir nur ein Wort, wie ich um Gnade und Erbarmung flehen solle.« Sie sprach: »Vater, sieh an dein Kind in Qual und Pein und Reue seiner Sünden.« – Sie sagte ihm noch etwas, dessen sie sich aber am Morgen nicht mehr bestimmt erinnern konnte. Zuletzt sagte sie, sie bete nicht mehr mit ihm, wofern er den schwarzen Geist wieder mit sich bringe.

Hierauf ging er langsam und mit trauriger Miene.

Sie sagte mir: es komme ihr vor, als verschlucke gleichsam so ein Geist Worte, die die Religion betreffen. Sage sie nur ein Wort der Art, so meine sie, es verbreite sich dies jedesmal über seinen ganzen Körper, und es schiene ihr dann, als werde dieser darauf jedesmal leichter, aber es sei ihr, als ginge dies von ihrer Seele weg und schwäche sie. Dies Gefühl habe sie nicht bei gleichgültigen, weltlichen Worten, die sie zu Geistern spreche. In der Nacht vom 10. kam der Geist wieder, und abermals in Begleitung jenes kleinen schwarzen Geistes, der laut im Zimmer umhertappte. Sie fragte ihn: »Kannst du nicht sagen, warum der sogenannte Burggeist so lange nicht kommt?« Er antwortete: »Ach, daran habe ich die Schuld, daß er noch kommen muß, aber er kann nicht kommen, wie er will, es ist ihm weit schwerer zu kommen als mir.« Sie fragte ihn auch: »Wenn ich jetzt auf die Burg gehe, kannst du mir die Stelle zeigen, von der mir jener sagte?« Er antwortete: »Ich könnte, aber dieser Schwarze läßt mich nicht.« Im Moment, als er dieses sagte, stand der Schwarze vor ihr, und Frau H. sprach: »Es sei dir gesagt, du sollest anrufen deinen Herrn und Erlöser unausgesetzt und diesen Schwarzen von dir stoßen.« Er antwortete: »Ich will, aber sage mir, wie?« Sie sagte: »Durch gar nichts als durch immerwährendes Flehen zu deinem Erlöser um Vergebung deiner Sünden.«

Sie sagte mir abermals: sage sie ein religiöses Wort, wie zum Beispiel: »Du sollst deinen Herrn und Gott lieben«, zu dem Geiste, so sei es ihr gerade, als zöge man eine Kraft aus ihr heraus, die dann der Geist ihr fühlbar, wie hungrig in sich hineinziehe. Sie meine, je größer die Schuld eines solchen sei, desto stärker sei bei ihm dieses In-sich-Hineinziehen solcher Worte

In der Nacht vom 12. erschien er wieder, und der kleine schwarze Geist war nur auf einige Augenblicke bei ihm. Sie fragte ihn: »Warum bist du im Zwischenreich?« Er: »Meiner Sünden wegen – lehre mich nur beten.« Sie: »Wie bist du mit ihm verbunden, den ich Burggeist nenne?« Er: »Wie durch eine Kette, durch die ein unauslöschlicher Haß in ihm erregt wurde.« Sie: »Wie meinst du dies?« Er: »Ich war weniger als er, machte seiner Dame ein Geschenk mit einer Kette, er ließ sie die Kette nicht tragen, nahm sie und schob sie in das Gewölbe. Ich stand gut mit ihm; er versprach mir immer, mir zu einer höhern Stelle zu verhelfen; es unterblieb. Ich und eine Dienerin warfen einen großen Haß auf ihn, wir bestahlen ihn im Gewölbe, taten ihm alles mögliche zuleide, was wir nur tun konnten. Ich will dir alles noch näher sagen, aber sage mir nur, wie ich beten soll.«

Sie: »Bete das Gebet des Herrn.« – Hierauf ging er.

In der Nacht vom 13. ließ ich jene Frau von dem Orte Lenach bei Frau H. Im Zimmer schlafen, von der in der Geschichte des Bellon angeführt ist, daß sie auch Anfechtungen von einem Geiste erhält, der sich ihr wenigstens oft hörbar macht.

Diese erzählte mir am andern Morgen: nachts 2 Uhr habe sie zuerst ein Rauschen wie mit Papier gehört, wie dieses bei ihr auch stattfand, hierauf ein Klopfen auf den Tischen und Laufen durchs Zimmer, ohne daß sie aber etwas gesehen. Bald nach diesem sei Frau H. erwacht und habe wie mit einer ihr unsichtbaren anwesenden Person gesprochen. Das erste Wort, das Frau H. gesprochen, sei »warum?« gewesen. Frau H. sagte mir, daß sie erst auf diese oder nach diesen Tönen erwacht sein müsse, denn sie habe sie nicht gehört, wohl aber habe sie sogleich nach ihrem Erwachen den Geist des Jägers vor ihrem Bette stehen sehen. Es schiene ihr, als werde sie immer durch solche den Geistern vorausgehende Töne erweckt, die sie aber mehr noch halb im Schlafe höre und dann erwacht, nichts mehr von ihnen wisse. – In dieser Nacht sprach sie folgendes mit dem Geiste:

Geist: »Ich kann kein andres Wort beten, als das, das du mir sagst.« Sie: »Warum?« Geist: »Weil uns niemand lehrt oder etwas sagt, wir müssen alles selbst in uns finden.« Sie: »Der den Herrn anrufet, den wird er erhören. So bitte deinen Erlöser um Kraft zum Gebet, und er wird dich stärken. Flehe um Gnade und um sein Versöhnungsblut, und er wird dir deine Qual erleichtern. Ja, er, der für uns am Kreuze starb, ist Mittler und Fürsprecher beim allgütigen Vater für den größten Sünder.«

Sie konnte nun nicht weitersprechen, denn der Geist sog diese Worte wieder mit aller Begierde aus ihr in sich ein; sie sagte: »Wie ein Kind, dem man etwas, von dem es noch nichts wußte, sagt, jedes Wort davon mit höchster Begierde aufnimmt, so scheint es mir mit diesem Geiste, spricht man zu ihm ein religiöses Wort, der Fall zu sein.«

Der Geist sprach, als sie schwieg: »Kannst du nicht mehr so mit mir reden?« Sie sprach: »Nein!« und er ging.

Am 16., abends 9 Uhr, wurde, ohne daß ein Mensch sich an der Türe des Zimmers befand, die Klinke desselben mehrmals laut bewegt. In der Nacht fand ein Rauschen und Tappen im Zimmer umher statt, und Frau H. sah einen ganz schwarzen Geist, der ihr größer vorkam, als der kleine schwarze, der immer in Begleitung des Jägers erschien. Sie äußerte gegen mich am Morgen die Besorgnis, es werde dies doch nicht wieder ein neuer Geist sein.

Am 17., nachts 1 Uhr, warf es in der neben unserm Schlafzimmer sich befindenden Küche dreimal wie mit Kies, daß wir erwachten. Ich stand sogleich auf, untersuchte alles, fand aber nichts.

Am 21., nachts halb 2 Uhr, wurde sie erweckt, und der Jäger, seine Begleiterin und der kleine schwarze Geist kamen zu ihr. Der schwarze Geist blieb im Hintergrunde, lief mit rauschenden Tönen hin und her und war sehr unruhig. Der Jäger sprach zu ihr: »Sage mir ein tröstendes, zu meinem Herrn rufendes Wort!« Sie sprach: »Ich kann nicht mit dir reden, wenn jener Schwarze mit dir kommt. Warum ist er denn da und diese mit ihren teuflischen Bosheiten?« – Denn einen Schritt hinter ihm stand seine sonstige Begleiterin, und hatte, den Kopf spöttisch bewegend, gesagt: »Hm! Hm! Ich will dir schon sagen, was du zu tun hast, was brauchst du dies zu fragen? Als ich bei meinem gnädigen Herrn war, riet ich dir ja auch immer.«

Der Geist sagte zu Frau H.: »Lasse diese – achte nicht auf sie!« Frau H. antwortete: »Ich will ihnen sagen, daß sie sich von dir entfernen, auch sie sollen sich zu ihrem Herrn Christus wenden, und dir sage ich, mache dich von ihnen los.« Der Geist sprach: »Ich bitte dich, bewirke, daß diese hier einmal den Namen Jesus nennen kann.« Als er dies sprach, ging die Geistin und der schwarze Geist. Hierauf fiel der Geist auf die Knie und sagte: »Ich bitte dich, sage mir doch nur etwas Tröstendes.« Sie sagte: »Jesus Christus ist für unsere Sünden gestorben, also auch für deine.« Als sie diese Worte sagte, sog sie der Geist wieder wie mit Macht in sich ein, sie verbreiteten sich wie über seinen ganzen Körper, der ihr dann leichter erschien. Hierauf ging er.

In derselben Nacht, 12 Uhr, rauschte es in unserm Zimmer wie mit Papier, und wurde hierauf ein neben dem Bette meiner Frau stehendes Tischchen, ohne daß es jemand berührt hatte, in das Zimmer hineingeworfen. Zugleich fühlte ich an meinem rechten Arme hinauf eine ganz sonderbare Berührung, deren Gefühl ich nicht aussprechen kann.

Den 23., nachts 12 Uhr, warf es in dem Zimmer der Frau H. mehrere Minuten lang immer wie mit Kieseln, und als sie aufsah, sah sie an der Türe jenen größern schwarzen Geist stehen, der schon einmal erschienen war. Es war die Gestalt eines ganz schwarzen Mannes. Sie sprach nichts, und er ging wieder. – Frau H. meinte, daß dieser Geist, seit jene Frau von Lenach im Hause geschlafen, sich zeige, und es müsse der gleiche sein, der jener Frau öfters hörbar ist, und der auch uns am 22. und sie am 16. beunruhigte, der gleiche schwarze Geist, der früher mit dem weißen Geiste (Bellon) erschien.

Er zeigte sich später nicht mehr.

Den 24. zog sie mittags aus meinem Hause in das nächstgelegene Haus. Als sie kaum eine Viertelstunde da war, kam der Geist des Jägers, blieb im nächsten Zimmer stehen und winkte ihr mit der Hand. In derselben Nacht ließ ich ein sehr braves, wahrheitsliebendes Mädchen von Löwenstein (siehe die dritte Erscheinung) in ihrem Zimmer schlafen. Dasselbe erzählte mir am andern Morgen, noch ehe sie mit Frau H. sprach (sie wußte von den Erscheinungen der Frau H. speziell durchaus nichts), nicht nur die Erscheinung, die in einer vorhergehenden Geschichte beschrieben ist, sondern sie sagte mir noch folgendes in Beziehung auf diese Geschichte: »Bald nachher hörte ich die verschlossene Türe wieder aufgehen, und es kam eine andre männliche Gestalt, die aber größer und dünner als die vorige war. Sie lief bis vor das Bett der Frau H., war mit einer Art Frack und langen Hosen bekleidet, es erschien mir aber alles schwarz. Ich sah ihre Bildung wie an einem Menschen, die Haut aber kam mir ganz rauh vor, wie mit Sandkörnern bestreut. Diese Gestalt blieb nicht lange, sondern kehrte bald wieder um.« Frau H. bestätigte, daß in dieser Nacht der Geist des Jägers gekommen, habe aber nur zu ihr gesagt: »Wo du auch bist, find ich dich, darf aber nicht weiter mit dir reden, denn es würde jetzt deiner Gesundheit schaden.«

In der Nacht vom 25. bis 26. war es immer, als klopfte jemand an der Türe an. Frau H. rief jener Person, die auch heute wieder in ihrem Zimmer schlief, ob sie wache. Sie antwortete ihr: ja! sie höre es wohl. Bald darauf klopfte es noch stärker; die Türe des Vorzimmers ging hörbar auf, und beide hörten ein Hin- und Hergehen im Zimmer, als liefe dort jemand in den Strümpfen, auch klopfte es mehrmals wie mit einem Stock auf den Boden.

Den 27., abends, noch bei hellem Tage, kam die Begleiterin jenes Geistes allein zu ihr, mit ganz spöttischer Gebärde, und sagte: »Hm! Ich kann doch machen, daß dein lieber Jäger nicht mehr zu dir kommt!« Sie antwortete: »Gehe hin, wohin du gehörest!«, worauf sie ging.

In der Nacht vom 27. auf den 28., halb 1 Uhr, kam der Geist des Jägers und sagte: »Nun komme ich zu dir, es hat schwer gehalten bis ich konnte. Diese Alte hielt mich zurück.« Sie fragte: »Warum kann dich diese zurückhalten?« Er sprach: »O Gott! Weil ich im Leben zu sehr an sie gebunden war, und ich nur wünsche, daß sie auch zur Besinnung käme. Oh, sage mir doch nur wieder ein Wort, daß ich zur Ruhe komme.« Sie sprach: »Bete: ich glaube, daß Jesus Christus wahrhaftiger Gott usw.«

Nach diesem fragte sie ihn: »Kannst du keine andre Gestalt annehmen als diese, die du als Mensch hattest?« Er sprach: »Hätte ich wie ein Tier gelebt, so würde ich dir wie ein Tier erscheinen. Wir können nicht Gestalten nach Belieben annehmen; wie unsre Gesinnungen sind, so siehest du uns.«

Da aus einem benachbarten Hause gerade Musik herübertönte, fragte sie ihn: »Gibt es in deinem Reich auch Musik?« Er antwortete: »Wir haben keine, hören aber zuweilen die der seligen Geister, welches uns dann schmerzt.« Sie fragte nun. »Höret ihr die Musik von den Menschen?« Er antwortete: »Jetzt, wo ich bei dir bin und du Musik hörest, höre ich sie auch durch dich; nur so hören wir sie, sonst aber nehmen wir an nichts Anteil, was in der Welt vorgeht.«

Er ging nun, und die Türe schloß sich auch andern hörbar, auch hörte man ein Gehen die Treppe hinab. Frau H. sagte: sie glaube nicht, daß dieses Hörbare vom Geiste des Jägers geschehen, sondern von dem schwarzen Geiste, der sonst sein völliger Begleiter gewesen, nun aber, wie ihr vorkomme, jedesmal bei seinem Erscheinen im andern Zimmer fern stehenbleibe.

In der Nacht vom 29. auf den 30. kam der Geist des Jägers wieder. Dieser trat ganz an ihr Bett, seine Begleiterin aber stand vor der offenen Türe des Schlafzimmers und hinter ihr der schwarze Geist. Der Geist des Jägers bat: »Beruhige mich!« Sie sagte: »Lobe und preise deinen Herrn ewiglich!« Diese Worte sog er wieder in sich ein. Hierauf fragte sie ihn: »Warum kommt dieser Schwarze immer noch mit dir?« Er antwortete: »Er kommt nicht mehr mit mir, sondern mit dieser.« Dann fragte sie ihn: »Wer ist er denn?« und der Geist antwortete: »Das ist einer von denen, die nie selig werden können.« Die Geistin sprach nichts, sondern hörte und sah nur vom andern Zimmer aus stumm und lauschend zu.

In der Nacht vom 30. auf den 1. Oktober, und zwar gegen 12 Uhr, lief der schwarze Geist im Zimmer hörbar auf und ab (das Zimmer war wie immer völlig geschlossen worden), und die Geistin stand eine Viertelstunde lang vor der geöffneten Tür des zweiten Zimmers und sah auf Frau H. ins Schlafzimmer stumm herein.

Am 1. Oktober, 7 Uhr abends, hörte man (es waren vier Personen anwesend) ein Klopfen, das wie an den Wänden des Vorzimmers, auch an denen, die gegen die Straße gehen, hinlief, bemerkte aber nichts. Gegen 8 Uhr aber, als Frau H. allein im Zimmer war, kam auf einmal die Geistin und der schwarze Geist. Erstere stellte sich stumm einige Schritte vor ihr Bett, der schwarze Geist aber schien nicht weiter als bis unter die Türe gehen zu können. Von dort aus machte er eine schreckbare drohende Miene gegen sie, reckte beide Fäuste dräuend aus, während ihm aus Augen und Mund wie Feuer ging, und sprach: »Ich will dir schon noch den Weg zeigen, den du mir gehen mußt, und dich noch lehren, dieser die Hand zu geben!« Der Geist lief so laut wie ein Mensch von dannen. Frau H. erschrak aufs heftigste und verfiel in Krämpfe, die mehrere Stunden an= dauerten.

Am 2. Oktober, abends 8 Uhr, erschien die Geistin allein und sagte zu ihr: »Du mußt heute nacht, Punkt 12 Uhr, oder morgen mittag, Punkt 12 Uhr, mit mir auf die Burg gehen, ich will dir die Stelle zeigen, die dein lieber gnädiger (spöttisch) Herr dir zeigen will.« Frau H. sagte hierauf zu ihr: »Gehe nur fort, ich gehe nicht mit dir«, worauf sie ging.

Gegen 9 Uhr entstand ein Klopfen an den verschiedenen Wänden des Zimmers, das mehrere Anwesende in Verwunderung und Schrecken setzte.

Schlag 12 Uhr kam die Geistin in Begleitung des schwarzen Geistes. Das Gehen des letzteren war hörbar. Die Geistin sprach: »So du nicht mehr mit uns gehest, so kommen wir noch 10 Wochen zu dir und plagen dich immerwährend.« Sie antwortete: »Ein Teufel kann mich nicht plagen!« Sie blieben noch immer und dann sprach sie: »Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?« Auf dieses gingen sie, der Schwarze lief hinter der Geistin hörbar her.

Eine halbe Stunde darauf kam der Geist des Jägers und verlangte ein tröstendes Wort. Sie fragte ihn: »Warum kommen jene noch immer? Ich nehme mich deiner nicht an, solange diese erscheinen.« Er antwortete: »Sie kommen nicht um meinetwillen, bekümmere du dich nur nicht um sie, gib ihnen kein Gehör.«

Am 3. Oktober, 12 Uhr nachmittags, als sie in der Bibel las, kam der Schwarze mit der Geistin und standen wie gewöhnlich unter der offenen Türe des Schlafzimmers, das ein Vorzimmer hatte. Frau H. hob die Bibel gegen sie, und sie gingen plötzlich. Eine halbe Stunde nachher kam der schwarze Geist allein und sagte: »Sowie du wieder in der Bibel liesest, so stehe ich feurig vor dir.« Sie sagte nichts, sondern dachte nur: »Wenn du es kannst, so tue es«, – da ging er.

Den 3., nachmittags, als sie wieder in der Bibel las, kam der schwarze Geist abermals unter die Türe, blickte jedoch nur nach ihr hin. Sie las zuvor leise, aber nun laut weiter, und dann ging er, ohne etwas zu sprechen.

Sie sagte mir am 9.: in der letzten Nacht sei eine lichte Gestalt zu ihr gekommen, in einem weißen, nach, hinten faltigen Gewände und mit einer Glorie von Licht umgeben. Was sie mit ihr gesprochen, und was sie mit der Gestalt sprach, das wollte sie nicht sagen. Sie sagte: sie vermöge es nicht zu sagen. Sie gestand mir, daß diese Gestalt schon einmal dagewesen und sie das erstemal so angesprochen habe: »Ich bin einer von denen, die ausgesandt sind zum Dienste derer, die ererben sollen die ewige Seligkeit.«

Sie sagte mir: dieser Geist gehe nicht auf dem Boden wie die andern, er schwebe mehr, und es kommen ihr die andern Geister gegen diesen wie Blei vor. Es sei eine ganz klare Gestalt, sie habe einen Anzug und doch keinen, man sehe durch sie, sie sei wie eine helle weiße Wolke, durch die die Sonne scheine. Sie gehe auch nicht wie die andern Geister zur Türe hinaus, sie kehre sich um und dann sei sie verschwunden.

In der Nacht vom 10. kam der Geist des Jägers und sagte zu ihr: »Sage mir etwas Tröstendes!« Als er dieses sagte, stand auf einmal die obige lichte Gestalt da. Wie diese kam, trat der Geist des Jägers zurück. Die lichte Gestalt blieb vor ihr stehen, wandte sich aber zu dem andern Geist und sprach mit ihm. Es waren tröstende religiöse Worte vom Erlösungswerke des Heilandes, die näher auszusprechen ihr unmöglich war.

Sie sagte mir: »Die Lichtgestalt stärkt mich, der andre Geist aber schwächt mich, und wäre er noch lange allein gekommen, so hätte er mir alle Kraft genommen, und es wäre mein Tod gewesen. Sie wisse, wer diese Lichtgestalt im Leben gewesen, könne es aber nicht sagen. Nun sehe diese Gestalt ganz anders aus, als sie im Leben ausgesehen, sie sei auch größer als im Leben, wohl weil sie jetzt aufrechter gehe, im Leben aber gebückt gegangen sei. Diese Lichtgestalt habe ihr gesagt, auch sie sei im Mittelreich gewesen, aber nur ganz kurze Zeit und auf einer andern Stufe als jener Geist.

In der Nacht vom 12. bis 13. kam der Geist des Jägers wieder und sagte nur: »Ich komme zu dir.« Wie er dieses sagte, kam die Lichtgestalt und sprach zu ihm tröstende, belehrende, religiöse Worte, die nachzusprechen ihr am andern Tage unmöglich war. Sie sagte mir, sie könne nur so viel sagen, daß sie nun wisse, daß jene Lichtgestalt sich dieses Geistes annehme, weil dieser Geist sie so sehr angreife, dadurch, daß er ihr alle Kraft aussauge. Auch wisse sie, daß der sogenannte Burggeist, sobald sie auf die Burg gehen könne, komme. Sie habe den Geist des Jägers darum befragt und das zur Antwort erhalten.

In der Nacht vom 13. auf den 14., als sie so sehr leidend und schlaflos war, wünschte sie sich die Erscheinung der lehrenden Lichtgestalt aufs sehnsüchtigste, oder auch die Erscheinung eines andern Geistes, aber es erschien keiner, wie es fast immer in Nächten auf einen Sonntag der Fall ist.

Es kam nun die Periode ihres sogenannten Erwachens am 19. Oktober dazwischen, nach welcher sie, wie von den Menschen, die bisher mit ihr Umgang hatten, auch von den Geistern, die bisher zu ihr kamen, keine Erinnerung mehr hatte.

Sie erzählte mir am Morgen von diesem 19. Oktober: »Ich erschrak heute nacht sehr, denn nach 1 Uhr kam auf einmal ein Geist mit einem kurzen Frack und kurzen Stiefeln vor mein Bett und sagte zu mir: ›Sage mir etwas Beruhigendes!‹ Ich sagte zu ihm: ›Was willst du von mir?‹ Er antwortete: ›Das weißt du ja, ich war ja schon öfters bei dir.‹ Wie er aber noch dastand, kam ein anderer Geist, ganz weiß und klar. Diesen fragte ich: ›Was tust du denn da, du bist ja schon lange gestorben?‹ Denn er war mir im Leben bekannt. Er sagte: ›Ich komme zu dir, um dich zu stärken, beruhige dich nur!‹ Er sagte mir dann noch auf meinen Kummer passende religiöse Worte und verschwand wieder. Jene Lichtgestalt kommt mir gegen jenen andern Geist so gar leicht vor, wie eine Feder, jener ist gegen diese schwer wie Blei, und doch ist jener schwere Geist viel leichter als wir. Wie schwer sind alsdann wir gegen diese Lichtgestalt?«

Am 27. Oktober, nachts, kam die Geistin von der Burg zu ihr und sagte spöttisch: »Kann ich deinem lieben gnädigen Herrn etwas ausrichten?«

Sie verstand sie nicht, weil sie sich ihrer, ihres sogenannten Erwachens wegen, nicht mehr erinnerte und schwieg; da ging die Geistin.

Am 30. erschien sie wieder und sagte zu ihr: »In diesen Tagen kann ich dich nun plagen!« Sie antwortete ihr: »Das kannst du nicht!« und sie ging. Den Tag zuvor hatte ich ihr die Geschichte von diesen Geistern erzählt.

Am 2. November kam dieselbe Geistin wieder, und zwar nachts um 1 Uhr. Sie hatte den kleinen schwarzen Geist zum Begleiter.

Die Geistin trat zu ihr (der kleine schwarze Geist blieb im Hintergrunde) und sprach wieder: »In dieser Zeit kann ich dich plagen!« Frau H. sagte hierauf zu ihr: »Du kannst mich nicht plagen, gehe du zu meinem Arzt!« worauf sie gingen. Dies letztere habe sie gesagt, weil ich schon vor einigen Tagen behauptet habe, Geister können ihre Drohungen nicht erfüllen. Frau H. sagte mir auch: einen so sonderbaren kleinen schwarzen Geist habe sie noch nie gesehen. Es war dies nämlich das erstemal seit ihrem sogenannten Erwachen, daß sie diesen kleinen schwarzen Geist sah.

In derselben Nacht und um dieselbe Stunde (in der Nacht vom 2. November, nachts 1 Uhr), als ich in meinem Bett im Schlafe lag, und zwar jetzt in einem andern Hause, als in dem Frau H. war, erwachte ich durch Töne, als würfe man mit Kieseln im Zimmer und auf mein Bett. Ich suchte nach, fand aber nichts. Meine Frau, die in demselben Zimmer schlief, hörte die gleichen Töne mit mir. Morgens früh erzählte mir Frau H. sogleich, was bei ihr in der Nacht vorgefallen und was sie zur Geistin gesagt, und ich konnte ihr das, was bei uns vorgefallen, nicht verschweigen. Als ich es meiner Frau erzählte, sagte mir diese, sie wolle es mir nun erst sagen: die ganze Nacht hindurch habe sie die Empfindung gehabt, als sei etwas Unheimliches im Zimmer, es habe auch sonst so sonderbare Töne im Zimmer gegeben, und als ich gerufen, es werfe mich etwas, so habe sie wohl in der Stille gedacht, was es gewesen, habe aber nicht davon sprechen mögen.

In der Nacht vom 3. kam der Geist des Jägers wieder und sagte zu ihr: »Sage mir etwas Tröstendes!« Aber kaum hatte er dieses ausgesagt, so stand die Lichtgestalt da, die mit ihr sprach, wie sie sich ausdrückte: »In einer Sprache, die ich wohl fühlte, aber nicht nachsprechen kann. Diese Geister verweilten stets nur wenige Minuten.«

In der Nacht vom 6., als wir diesmal in einem andern untern Zimmer schliefen, warf es wieder, daß wir am Tönen erwachten, und zwar mitten im Zimmer bei verschlossenen Türen, Fenstern und Läden. Wir brannten ein Nachtlicht, suchten nach, fanden und sahen aber nichts. In dieser Nacht aber war bei Frau H. kein Geist erschienen.

Als der Geist des Jägers am 9., nachts, mit der Lichtgestalt wieder erschienen, war das Mädchen von Löwenstein (von der schon oben gesprochen wurde) in dem gleichen Zimmer. Diese sah und beschrieb mir den Geist des Jägers am Morgen genau, aber was eigen war, die Lichtgestalt, die Frau H. sah, sah sie nicht. Aber sie sagte mir, daß sie diesmal große Bangigkeit angewandelt habe. Frau H. sagte: »Man sieht die Geister, hauptsächlich aber die seligen, mit dem geistigen Auge, das im fleischlichen liegt.«

Am 11., nachts 12 Uhr, erschien die Geistin und der schwarze Geist. Die Geistin trat bis unter die offene Türe des Schlafzimmers und der schwarze Geist stand im Hintergrund. Im gleichen Moment stand die Lichtgestalt da, und jene flohen schnell wie ein Blitz ihr anscheinend durchs Fenster davon.

Am 15., morgens halb 4 Uhr, kam der Geist des Jägers und sogleich wieder die Lichtgestalt, die wie immer auch jetzt an jenen Geist religiöse Worte richtete. Das dreijährige Kind der Frau H., das diese Nacht in dem äußern Zimmer lag, durch das der Geist des Jägers immer ging, fing, als der Geist zurückging, auf einmal zu schreien an, und als man es um die Ursache fragte, deutete es an die Türe und gab mit Worten zu verstehen, daß da etwas Schreckbares hinausgegangen sei.

In der Nacht vom 20. kam der Jäger und die Lichtgestalt wieder. Ersterer sagte: »Morgen kommt jener, den du den Burggeist nennst.« – Die Lichtgestalt richtete an ihn, wie immer, religiöse Worte. Er hatte nun nicht mehr die frühere Kleidung, sondern einen lichten Faltenrock an, und wurde immer lichter und leichter.

In derselben Nacht kamen auch die Geistin und der schwarze Geist bis in das äußere Zimmer und sahen von diesem in das innere herein. Eine fremde Person, die in dieser Nacht im äußern Zimmer schlief, wurde öfters durch ein Zupfen an ihrer Bettdecke erweckt, hörte ein Gehen wie auf Socken und fühlte ein Engsein, sah aber nichts.

In der Nacht vom 21. auf den 22. November kam der Geist, den wir den Burggeist nannten, nach langer Zeit wieder. Er sagte nur: »Kannst du nicht bis zu dem 15. Februar auf die Burg gehen, so komme ich wieder.«

Frau H. beschrieb ihn am andern Tage ganz so, wie sie ihn vor ihrem sogenannten Erwachen beschrieb.

In der Nacht vom 3. Februar erschien auf einmal das Weib von der Burg mit dem kleinen schwarzen Geist wieder. Sie blieb mit ihm an der offenen Türe stehen und sagte nur: »Nun kommt bald dein lieber gnädiger Herr!« Frau H. antwortete ihr nichts und sie ging.

In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar kamen dieselben mit gleichen Reden wieder.

In der Nacht vom 15. Februar erschien, wie schon längst vorausgekündigt war, jener Burggeist und diesmal wieder in Begleitung des Jägers. Er sagte zu Frau H.: »Weil du heute nicht mit mir kannst, so erscheine ich dir: wenn du auf die Burg kannst, es mag sein, wann es will.« Der Jäger sagte: »Nun komme ich nicht mehr; ich komme jetzt an einen bessern Ort, doch noch nicht in einen hohen Grad der Seligkeit. Käme ich noch nicht an diesen Ort, hätte jener auch noch länger kommen müssen. Er sagte dir, er komme am 15., weil er wußte, daß das die Zeit war, wo ich an den bessern Ort komme.«

Als sie dies gesprochen hatten, gingen sie, und erschienen nicht wieder.

Frau H. blieb aber zu schwach, um je auf die Burg zu gehen.

 

Nachdem die obige Geschichte der Frau H. mit dem Burggeiste hier zum Teil bekanntgeworden, kam (am 9. August 1827) ein hiesiger öffentlicher Diener zu mir und machte mir folgende Erzählung.

»Als ich noch auf dem nahen Hofe von hier wohnte, vor zehn Jahren, lief oft, sowohl bei Tag als bei Nacht, in meinem Hause etwas Unsichtbares die Treppen auf und ab und öffnete selbst die verschlossenen Türen. Auch meine Kinder wurden mit dem Ton dieser Schritte ganz bekannt, und es wurde uns völlig zur Gewohnheit; erblicken aber konnten wir alle nichts. Als ich hier angestellt wurde, kam ich auf das Häuschen auf der Stadtmauer zu wohnen, wo der Weg auf die Burg geht. Hier ließen sich zu» erst wieder jene Tritte vernehmen, aber später wurde es mir sichtbar. Es war zuerst in einer Nacht, da erblickte ich eine Gestalt an dem untern Gestell meines Bettes. Die Gestalt war ein Mann von ungefähr sechzig Jahren. Auf dem Kopfe hatte er einen Hut von runder Form, trug ein graues Kleid und Beinkleider, welche in Stiefel gingen, an denen Sporen waren. Gestalt und Wesen schienen mir einen vornehmen Herrn zu verraten. Er sprach mich an, die Rede ging etwas schwer wie aus hohler Brust, er sagte: »Komm mit mir auf die Burg!« Ich konnte nichts erwidern. Dieser Geist, der aber nun bei Tag und bei Nacht in meinem Hause aus- und einging, wurde mir nun häufig unter dieser Gestalt sichtbar, auch sprach er von nun an öfters mit mir. Aus allem, was er sprach, ging hervor, daß er etwas, was ihn sehr hindert, in einem Gewölbe verborgen, wozu der Eingang am Fuße der Ringmauer ist, welcher nun das Jungfernloch genannt wird, und daß er mit einem andern in Verbindung stand, an den er durch einen Schwur gebunden war.

Einmal erschien er am hellen Tage bei mir, zupfte mich an den Seitenhaaren und sagte zu mir: »Komm mit mir auf die Burg nachts 10 Uhr.« Ich versprach es ihm und machte mich diese Zeit dahin auf den Weg. Als ich zum kleinen Törchen der Burg kam, erblickte ich jemand, der von dem dicken runden Turme (dem Rondell) auf mich zuging. Da dieser rechts herkam, zu dem Jungfernloche, wo mich der Geist hinwies, es aber links geht, hielt ich diesen für einen dritten Lebenden. Ich erschrak, und aus Furcht, zur Rede gestellt zu werden, was ich hier so spät noch beginnen wolle, ging ich wieder durch das Burgtor zurück. Da wandte sich jener – hinter dem ich auf dem Rückwege noch eine kurze, unförmliche schwarze Gestalt erblickte, vor der er sich zu scheuen schien – gegen das Jungfernloch hin und stöhnte laut, daß es mich tief in der Seele betrübte, aber ich hatte nicht den Mut, wieder vorwärts zu gehen, obgleich ich jenen nun als den mir bekannten Geist erkannte. Seitdem habe ich auch in meinem Hause nichts derlei mehr gesehen noch gehört.«

Dies ist die unbefangene Erzählung eines ganz einfachen Mannes, in welcher Ähnlichkeiten mit der soeben gegebenen Erscheinungsgeschichte der Frau H. nicht zu mißkennen sind. Frau H. hatte diesen Mann nie gesehen und von seiner Geschichte nie das mindeste gehört.

6. Tatsache zu Weinsberg

Am 8. Oktober 1828, abends 9 Uhr, waren im äußern Zimmer der Frau H. ihre Mutter, ihre jüngere Schwester und Frau Mensch von hier, welche letztere an eine Erscheinung von Geistern nicht glaubte. Auf einmal ging die Türe des Schlafzimmers von Frau H., wo sie im Bette lag, wie von selbst auf, und ihr sichtbar trat die Geistergestalt eines Mannes vor sie, die ihr schon früher mehrmals, jedoch seit langem nicht mehr erschienen war. Sie verhielt sich ruhig und sprach kein Wort. Durch eine besondere Beklemmung aber fühlten die Anwesenden, daß etwas Unheimliches in ihrer Nähe sei, und Frau H. sah auch (wie sie nachher erzählte) den Geist in das äußere Zimmer und um die Dasitzenden in einem Halbzirkel herumgehen.

Da wurde Frau Mensch auf einmal wie durch einen Schlag, der von einer unsichtbaren Gewalt von unten herauf an ihren Sitz geschah, samt dem Sessel emporgehoben, so daß sie um Hilfe schrie. Die Schwester der Frau H. fühlte, wie sie sich ausdrückte, ohne mit den wirklichen Augen den Geist zu sehen, doch dessen ganze Gestalt, und gab sie nachher ganz so an, wie sie Frau H. sah, auch konnte sie auf diese Art jeden seiner Tritte verfolgen. »Es war ein Schatten«, sagte sie wörtlich, »den ich nicht sah, aber doch so fühlte, daß ich ihn sah. Ich sah ihn nicht, aber sah ihn doch. Es war mir, als wären Gedanken in diesem Schatten, die sich dann mir mitteilten und in mir Gefühl von Mitleiden hervorriefen. Ich sah ihn nicht mit den Augen, ich sah ihn wie mit meinem Innern.«

Diese Erzählung dieses ganz einfachen, unbefangenen Mädchens tut mir am klarsten dar, wie man Geister sieht, nämlich nicht mit dem gewöhnlichen Auge, sondern durch magnetische Erweckung (Inspiration) des Innern.

Frau H. nannte den Namen dieses Geistes nicht, den auch nur sie wußte, und zwar nur dadurch, daß er bei früherem Erscheinen von seinem Sohne sprach, den sie kannte.

In der auf diesen Abend folgenden Nacht träumten Mutter und Schwester der Frau H. zugleich: es sei ihnen der alte N. (das war jener Geist) erschienen und wolle etwas von seinem Sohne.

(Also zieht sich die Geistererscheinung ins Traumleben – nicht aber, daß dieselbe leerer Traum, sondern nur mit Traum, Schlaf und Tod verwandt ist. Auch scheinen Geister, wie im magnetischen so im rechten Schlafe, am leichtesten auf den Menschen einwirken zu können.)

Erst als sie morgens diesen Traum erzählten, sagte ihnen Frau H., daß jener Geist am gestrigen Abend wirklich der alte N. gewesen sei.

Frau M. aber (die dasselbe Haus mit Frau H. bewohnte) wurde, als sie in der Nacht auf jenen Abend eingeschlafen war, auf einmal, wie durch eine Berührung, aus dem Schlafe erweckt, und erblickte eine männliche Gestalt vor sich stehen, die ein Schnupftuch in der Hand hielt, mit dem sie sie, statt mit der bloßen Hand, berührte. Sie erschrak und sprang in das neben ihr stehende Bett ihres Mannes, worauf die Gestalt verschwand.

Frau M. beschrieb diese Erscheinung am andern Morgen der Frau H., und diese erkannte in ihr den Geist des besagten Mannes, besonders auch durch jenes Schnupftuch, das er, wie er sagte, bei jedem Erscheinen wie spielend in der Hand halte. Sie teilte der Frau M. den Namen jenes Mannes mit, und es ergab sich (wovon Frau H. früher nicht das mindeste wußte), daß er ein naher Verwandter von dieser war.

Am 8. Dezember, abends 7 Uhr, befand ich mich im äußern Zimmer der Frau H., von dem man in ihr Schlafzimmer sehen konnte. Da sah ich in demselben eine wolkenähnliche große Gestalt (eine graue Wolkensäule wie mit einem Kopfe) ohne alle bestimmteren Umrisse. Ich ergriff ein Licht und eilte schweigend mit demselben hinein, wo ich sie starr auf die Stelle, an der ich jenes Wolkenbild erblickt hatte, hinschauen sah; mir selbst aber war es verschwunden.

Frau H. sagte mir auf die Frage: warum sie so starr dahin gesehen, daß der Geist des N. nach langer Zeit wieder dagewesen und ihr einen Auftrag an seinen Sohn gegeben habe. Sie bemerkte dabei, es sei ihr auffallend, daß dieser Geist außer ihr noch drei Personen habe sichtbar werden können, nämlich ihrer Schwester, jener Frau M. und nun mir. Es war auch dies die einzige Erscheinung, die mir, wenigstens zum Teil, zur Anschauung wurde.

7. Tatsache zu Weinsberg

Im August 1828 kamen zwei Geister zu Frau H., aus deren Erscheinen sie aber ein Geheimnis machte; sie vertraute mir nur, daß seit einiger Zeit zwei Verstorbene bei ihr erscheinen, aber ihre Namen mir zu sagen, sei ihr verboten.

Es wäre mir auch das Nachstehende verschwiegen geblieben, hätte sich nicht folgendes ereignet:

Als ich am 11. August zu ihr ins Zimmer kam, traf ich sie sehr bewegt und erschrocken an, und nachdem ich in sie gedrungen, mir die Ursache ihres Leidens zu entdecken, gestand sie mir: einer der Verstorbenen, und zwar der hier Verstorbene, sei soeben erschienen, und habe ihr gesagt, sie müsse ..., dann nur habe er Ruhe. (Es war dies eine gewisse Eröffnung an Hinterlassene). Der Geist erschien ihr mit einem Überrocke bekleidet, langen Stiefeln, einer Mütze auf dem Kopf, aber ohne Halstuch. Sie beschrieb ihn (den sie nie sah) auch im Gesichte, wie er im Leben war. Seinen Begleiter (und Freund im Leben) bezeichnete sie als kleiner, ihm ähnlich gekleidet und in den Gesichtszügen wie bei Lebzeiten. Später seien ihr beide in weißen Röcken mit Falten erschienen, die in der Mitte gebunden gewesen. Sie hätten wie weiße dünne Wolken ausgesehen, durch die noch der blaue Himmel hervorschimmere.

Sie sagte mir, daß sie noch kein Erscheinen wie dieses angegriffen. Diese hätten keine Sündenschuld auf sich, sondern sie hätten nur geglaubt und nicht geglaubt, und am Ende, während des Sterbens, wo ihnen der Glaube fester geworden, an der Vergebung ihrer Sünden gezweifelt.

Von all diesem würde ich nichts erfahren haben, hätte sie den Auftrag des Verstorbenen selbst vollführen können, so aber hatte sie mich dazu nötig, und mußte mich in Kenntnis setzen; ich vollführte auch den Auftrag.

Auf meine Bitten fragte sie bei späterer Erscheinung einen dieser Geister: »Setzest du in dem Zustand, in den du nun eingehest, dein Forschen nach der Natur fort?« Er antwortete ihr: »Ja! auf eine andre unaussprechlich höhere Art als auf dieser Erde.«

Als ich jenen Auftrag vollführt hatte, erschien jener, der ihn gab, in heller Gestalt vor ihr und sagte: »Ich komme nun nicht mehr zu dir.« Da sie mir von dem andern nichts mehr mitteilte, so nahm ich an, daß auch er bei ihr nicht mehr erscheine. – Ich wunderte mich daher sehr, als sie mir am 23. September (nach ihrem sogenannten Erwachen, wo sie von den bei ihr vorher erschienenen Menschen und Geistern durchaus nichts mehr wußte) sagte: es sei heute nacht ein Geist bei ihr gewesen, den sie ganz wie jenen beschrieb, und der habe zu ihr gesagt, als sie ihn gefragt, wer er sei: er sei schon oft bei ihr gewesen, habe zwei Stunden von hier gelebt, und müsse so lange kommen, weil sie nicht getan, was er verlangt habe, sie müsse nun statt diesem etwas Gewisses mit ihm beten, wodurch das Versäumte ersetzt werde. Sie fragte ihn nicht weiter, sondern betete sogleich nach seinem Verlangen.

Aus der Erzählung, die sie mir sonst von dieser Erscheinung machte, erkannte ich, daß es ein gewisser Verwandter von mir war, den ich in meinem Leben nur einmal in früherer Jugend, sie aber nie gesehen und von dem nie mit ihr gesprochen wurde. Auch erfuhr ich, daß er einen Auftrag an mich gab, den sie jedoch aus Schüchternheit nicht vollführte, weswegen er sie noch immer besuchte.

Ich gab ihr nun auf, ihn nach seinem Namen und nach seinem Geburts- und Sterbejahr, die ich nicht entfernt wußte, zu fragen. Dies geschah, und was er darüber sagte, traf, als man sich näher erkundigte, völlig zu.

In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober kam dieser Geist das letztemal zu ihr im hellen Faltengewande. Er sagte: ich würde noch länger zu dir kommen, allein in dieser Zeit kann kein seliger Geist erscheinen. Ich bin nun an einem Orte, wo es mir wohl ist. Er verließ sie mit den Worten: »Sterbe auf den liebenden Vater, Erlöser und Fürsprecher (wozu er noch einiges setzte, das sie am Morgen nicht mehr wußte), und lege alles ab, was dich hindert.« Im Augenblick, als er dies sagte, verschwand er, und sie sah ihn nicht, wie sonst, nach der Türe gehen.

8. Tatsache zu Weinsberg

Das Mädchen von Löwenstein, welches Geister zu sehen fähig, schlief am 8. Oktober 1828 im Vorzimmer der Frau H., und er= zählte von dieser Nacht folgendes: »Es muß zwischen 12 und 1 Uhr gewesen sein, da ging die Türe auf und zu, und es trat eine männliche Gestalt herein. Sie hatte ein sandgraues Gesicht, sah traurig aus, und hatte einen schwarzen Rock an. Sie lief schnell durch das Vorzimmer ins andre offenstehende der Frau H. Bald darauf sah ich eine zweite männliche Gestalt, nicht so groß, aber dicker als die erste. Ihr Aussehen war, die Gesichtsbildung ausgenommen, das gleiche. Auch diese ging durch das Zimmer zu Frau H. Bald darauf kam eine dritte männliche Gestalt, hatte wie die andern einen schwarzen Rock, und sah sandgrau und wie rauh im Gesichte aus. Alle hatten traurige finstere Gesichter. Es stand nur kurze Zeit an, so kam eine nach der andern wieder von Frau H. heraus. Ich betrachtete nun diese Gestalten noch einmal alle genau. Wenn eine aus meinem Zimmer trat, so ging jedesmal die verschlossene Türe hörbar auf und zu. Sie gingen alle hörbar, aber nur wie auf Socken. Solange ich sie sah, war es mir unmöglich, zu sprechen. Bewegen konnte ich mich wohl, ich richtete mich auf, um sie genau zu sehen, und war ganz wach.«

Frau H. gab an, daß sie an diesen Gestalten keine schwarzen Röcke gesehen, sie seien ihr wie dunkelgraue Wolkenbilder erschienen, das Mädchen müsse sie dunkler als sie sehen. Auf meine Frage: was sie denn von ihr begehrt, erwiderte sie: »Ich sagte denen, die Erlösung forderten, immer nur kurz, ich könne sie nicht erlösen, sie sollten beten lernen und sich an den Erlöser wenden, worauf sie jedesmal gleich, aber traurig, gingen.«

»In der Nacht vom 9. (so erzählte mir jenes Mädchen) ging eine Gestalt mit einem spitzigen Fracke, gräulichen Aussehens, im Zimmer hin und her, und zwar mir ganz hörbar, jedoch konnte ich ihr Gesicht nicht vollständig sehen. Wie mir aber schien, so näherte sich diese Erscheinung der Frau H. nicht ganz, was ich durch die offene Türe zu bemerken glaubte.«

Frau H., die ich darüber fragte, verwunderte sich, daß dies Mädchen die Geister alle stets so genau wie sie sehe, und erschrak eigentlich. Sie sagte: »Das Mädchen sah allerdings recht, ein solcher Geist war heute nacht da. Es ist einer von denjenigen, die in neuerer Zeit hier gelebt, die schon länger zu mir kommen, die ich aber der Leute wegen durchaus nicht nenne. Ich wies ihn sogleich von mir, weil er heute schwärzer als sonst aussah.« Sie sagte mir, daß sie von diesen Geistern auch, erfahren, daß die gleichgesinnten Geister im Mittelreiche immer eine Gesellschaft bilden, daß sie nicht alle gleich seien und daß sie ihr dunkler oder lichter nach ihren Gesinnungen erscheinen. Auch erfuhr sie von ihnen, daß Geister im Mittelreiche nicht alle Menschen, sondern nur hie und da einen sehen können, und nur in der schwarzgrauen Gestalt, wie sie alles sehen.

9. Tatsache zu Weinsberg

Aus einem Schreiben des Herrn W. F. Pfleiderer an mich: »Im Monat Juli des Jahres 1827 wurde ich von meinem Prinzipale, dem Herrn Schmidgall in Löwenstein, ersucht, bei seiner Nichte, der Frau H. zu Weinsberg, mehrere Tage zu verweilen, um ihr bei ihren dazumal so ängstlichen Zuständen, weil er selbst nicht abkommen konnte, nach Ihren Vorschriften beizustehen.

Frau H. schlief im Nebenzimmer, ich auf dem Sofa, das in der Wohnstube stand. Schon in der ersten Nacht, die ich in diesem Vorzimmer der Frau H. zubrachte, wurde ich (was mir noch nie in meinem Leben geschah) zwischen 1 und 2 Uhr durch eine ganz eigene Empfindung, die sich nicht beschreiben läßt, durch eine Art von Bangigkeit oder Druck auf die Brust erweckt. Sechs Nächte verweilte ich in diesem Zimmer, und immer wurde ich durch die gleiche Empfindung in der gleichen Stunde erweckt.

Nach diesen sechs Tagen wurde ich nach Hause berufen, und auch da wurde ich nun auf gleiche Art und zur gleichen Stunde (was, wie ich schon oben sagte, mir sonst nie geschehen war) erweckt.

Ich ging wieder nach Weinsberg zu Frau H. In der ersten Nacht, in der ich mich da befand, wurde ich nun nicht mehr wie durch einen Druck, sondern weit heftiger, wie durch ein Rütteln erweckt.«

(Ich unterbreche hier den Herrn P., indem ich folgendes einschalte: Frau H. sagte mir dazumal insgeheim, in dem sie mich bat, es dem Herrn P. zu verschweigen: daß sie jede Nacht zwischen 1 und 2 Uhr durch die von ihrer Schlafkammer in die Wohnstube gehende offenstehende Türe eine männliche Gestalt auf Herrn P. zugehen sehe, die sich wie über ihn hinlege, worauf derselbe bang atmend erwache und ihn die Gestalt durch besondere Bewegung der Finger gleichsam necke. Als aber dieses Erwecken immer heftiger und auffallender sich wiederholte, und Herr P. mich um die Ursache befragte, verwies ich ihn an Frau H., indem ich diese aufforderte, das, was sie sehe, nur offen mitzuteilen.)

»Als dieses Erwecken aber immer heftiger geschah, ich es auch Ihnen geklagt hatte, eröffnete mir Frau H. folgendes:

›Seit der Zeit, als Sie bei mir sind, erscheint immer nachts zwischen 1 und 2 Uhr eine lange männliche Gestalt, mit einem Frack und langen Stiefeln bekleidet, in die lange Hosen gehen. Dieser Mann läuft bis auf einen Schritt auf Sie zu, deutet mit dem Zeigefinger einige Zeit auf Sie, geht dann näher an Ihr Bett, und legt sich gleichsam über Sie hin und weckt Sie. Hat er Sie geweckt, so werden Sie von ihm durch eine besondere Bewegung seiner Finger wie geneckt.‹

Um mich von dieser Aussage näher zu überzeugen, entschloß ich mich, eine Nacht zu wachen, und bat einen Freund, mir Gesellschaft zu leisten. Frau H. ersuchte ich, mir zu rufen oder zu läuten, im Fall sie die Gestalt erblickte, ich aber sie weder sehen noch fühlen würde.

Auf den Schlag halb 12 bekam ich nun, wachend und im Gespräch mit dem Freunde begriffen, wieder den nämlichen Druck, durch den ich, hätte ich geschlafen, bestimmt hätte erwachen müssen, und wurde zugleich wie von einer besonderen Luft angeweht. Gerade wollte ich der Frau H. rufen (von meinen Empfindungen hatte ich nicht das mindeste geäußert), ob nun die Gestalt da sei, als sie mir läutete, zum Zeichen, daß sie nun wieder vor mir stehe.

Nun fragte ich die Erscheinung (deren Gegenwart ich immer noch wie durch eine Pressung fühlte): ›Im Namen Gottes sage mir, wer bist du, was willst du, mit was kann ich dir dienen?‹ Nachdem ich dieses gesprochen, verschwand jenes Gefühl, Frau H. aber sagte, daß der Geist auf diese Anrede sogleich von mir zu ihr gegangen, wie ich denn auch die Worte vernahm: ›Ich gebiete dir, keinen Schritt weiter zu gehen!‹ worauf der Geist (nur ihr vernehmbar) entgegnete: ›Dieser war einer meiner Schüler.‹

Als mir Frau H. die Gestalt noch näher beschrieb, erkannte ich in ihr einen meiner ehemaligen Lehrer, dessen Gesinnungen und Geschichte jedoch ich nicht weiter preisgeben mag, einen Mann, von dessen Existenz Frau H. auch nicht eine Silbe wußte.

Tatsache ist, daß ich nachher noch ein Vierteljahr lang, ich mochte mich aufhalten, wo ich wollte, um die gleiche Zeit immer die gleiche Empfindung hatte, und schlief ich, durch sie erweckt wurde.
Heilbronn, den 20. Oktober 1828
W. F. Pfleiderer.«

10. Tatsache zu Weinsberg

In der Christnacht 1828 erschienen bei Frau H. vier Geister, drei männliche und eine weibliche Gestalt, die sich wie zum Tanz gebärdeten. Da sprach sie zu ihnen: »Seid ihr völlige Teufel, daß ihr diese heilige Nacht also entweihet?« Da wichen sie.

Am 6. Januar, dem Feste der Erscheinung, Schlag 12 Uhr, erschienen diese Geister wieder und begannen ihren Tanz. Frau H. sah ihnen einige Minuten zu, dann sprach sie: »Im Namen Jesu befehle ich euch, daß ihr ruhig stehenbleibt!« Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, so blieben sie wie erstarrt stehen und schauten sie unbeweglich an. Als sie ihnen zurief: »Ist es euch so wohl, daß ihr an solchen heiligen Tagen tanzen möget, oder soll es Lob und Dank gegen unsern Erlöser, den Gekreuzigten, beweisen?« – winselten die Geister, als würden sie von Schmerzen gequält, und baten, sie möchte von ihnen abstehen.

Frau H. fragte: »Ist denn kein Trieb in euch, euch zu Gott zu erheben, selig werden zu wollen?« Sie erwiderten: »Noch bannt uns unsre Sündenlast!« Sie sagte: »Durch Christum den Gekreuzigten könnt ihr selig werden, was wollt ihr von mir? Geht dahin und laßt mich in Ruh!« – Sie verschwanden.

In der Nacht vom 13. kamen diese Geister wieder. Sie blieben jedoch still an der Türe stehen und sahen Frau H. wie fragend an. Da sagte sie leise für sich: »Gelobt sei der Name des Gekreuzigten! usw.« Sie stimmten alle mit »Ja« ein und gingen schnell wieder hinweg.

Noch einen Monat lang erschienen die Geister in verschiedenen Nächten. Sie tanzten nun nicht mehr, sondern verlangten nur immer etwas zur Beruhigung ihrer Seele zu wissen, standen stille und sahen Frau H. bittend um ein religiöses Wort an. öfters ließ sie sich durch ihre inständigen Bitten bewegen, und stand ihnen betend und belehrend mit religiösem Zuspruche bei; da sie sich aber zu sehr durch ihre Nähe und Einfluß geschwächt fühlte, mußte sie erklären, daß sie sich ihrer nicht annehmen könne. Später verband sich mit ihnen eine lichte weibliche Gestalt, und blieb von dort an ihr beständiger Begleiter. Es war dies, sagte Frau H., ein besserer, aber noch kein seliger Geist, der ihnen noch nicht helfen konnte, weil sie noch zu sehr unrein waren, ihr Bestreben noch zu sehr nach der Welt ging.

In der Nacht vom 6. April erschienen diese Geister in Faltenröcken, die aber noch dunkel waren, und sagten: »Wir können und dürfen nicht mehr zu dir kommen; wir besitzen jetzt so viel Kraft und Vermögen, daß wir uns an selige Geister wenden können, und bedürfen keiner andern Hilfe mehr.«

Darauf verschwanden sie, um nie wieder zu kommen.

11. Tatsache zu Weinsberg

Am 20. November 1827, morgens 11 Uhr, erschien der Frau H. ihr schon als Kind verstorbener Bruder Heinrich, und sagte ihr nur die wenigen Worte: »Denke an die Mutter!« Frau H. verfiel in die heftigsten Krämpfe, und als sie aus denselben erwachte, erzählte sie mir die Erscheinung und fügte hinzu, daß sie nun voll Sorgen um ihre Mutter sei. Wie sich diese im Augenblick befinde, war ihr und uns allen unbekannt, noch mehr, daß sie gerade auf dem Wege zu ihrer Tochter begriffen war. Denn kaum waren zwei Stunden verflossen, als die Mutter noch zitternd und bleich ins Zimmer trat und erzählte, wie sie heute unterwegs durch das Ausreißen der Pferde auf einem steilen Berg in die höchste Lebensgefahr geraten, und nur wie durch ein Wunder gerettet worden sei. Als ich mich auch beim Fuhrmann, der noch nicht das Haus betreten hatte, um die Stunde erkundigte, zeigte es sich, daß es gerade die elfte Stunde war, in der Frau H. jene Erscheinung hatte.

12. Tatsache zu Weinsberg

Schon fünf Wochen lang erschien der Frau H., ohne daß sie mir es sagte, mein kürzlich verstorbener Freund P., der an ihrem Schicksal großen Anteil nahm, und sie gegen das Ende seines Lebens (namentlich auch in der Absicht, um über das Mittelreich, an das er großen Glauben hatte, durch ihre Geistererscheinungen näheren Aufschluß zu erhalten) öfters besucht hatte.

P.s Gestalt sah ihr nicht traurig aus: er schien ihr in der Gewißheit, daß sein Geist die Seligkeit erringen könne, getrost zu sein. Sie fragte ihn, ob es ihm nicht möglich sei, sich mir sichtbar zu machen? Er antwortete nichts. Dann bat sie ihn, er solle doch nur durch etwas sich mir hörbar oder fühlbar machen, damit ich seine Erscheinung glaube, und er versprach es.

In derselben Nacht, wo Frau H. an den Geist P.s diese Aufforderung machte, fühlte ich auf einmal ein sonderbares unheimliches Gefühl, und wir hörten in unserm stillen Zimmer ganz eigene und unerklärliche Töne. Ich wußte aber dazumal so wenig, daß Frau H. diese Bitte an P. gerichtet oder richten werde, ehe sie mir noch diese ganze Erzählung von P. gemacht hatte.

P. versicherte, er fühle sich erleichtert, wenn er sie besuche, auch gab er ihr einen Auftrag an seinen hinterlassenen Sohn. Sie beschrieb ihn mit einem Faltengewand, wie die andern bessern Geister, aber einem noch dunkeln, angetan. Gehen hörte sie ihn nicht. Sie fügte die Bemerkung hinzu, an den unseligen Geistern habe sie noch nie ein Haupthaar gesehen, sie könne es wenigstens an solchen nicht unterscheiden; bei seligen Geistern aber sehe sie das Haupthaar deutlich.

13. Tatsache zu Weinsberg

Am 23. Dezember 1828, nachts 2 Uhr, im festen Schlafe wurde ich auf einmal erweckt und hatte ein ganz unbeschreibliches Gefühl wie von einem Sein in einer ganz andern Atmosphäre; eine Empfindung, die sich wohl nachfühlen, aber nicht mit Worten aussprechen läßt. Dieses Gefühl dauerte nur kurz und ich verfiel wieder in Schlaf.

Als ich morgens zu Frau H. kam, empfing mich diese sogleich mit der Frage: ob ich diese Nacht um 2 Uhr keinen geisterhaften Besuch erhalten? Ich erzählte ihr jenes Erwachen und meine sonderbare Empfindung, worauf sie mit einiger Schüchternheit entgegnete:

»Sie wollen immer Beweise von der Wirklichkeit dieser Erscheinungen, und so haben Sie das sich selbst zuzuschreiben. Heute nacht 2 Uhr kam ein dunkler Geist zu mir, ich sagte nichts zu ihm als: ›Ich befehle dir, gehe sogleich zu meinem Arzte‹, und er erwiderte: ›Ja!‹ und ging.«

14. Tatsache zu Weinsberg

Hier zu Weinsberg befindet sich ein Haus, das schon etliche und dreißig Jahre von einem Weingärtner namens Bayer bewohnt wird. In alten Zeiten diente es als Kelter, von der nun aber keine Spur mehr vorhanden ist. In diesem hörte man schon länger als 40 bis 50 Jahre, besonders vom Dezember bis Februar, nächtlich Töne, als schlüge ein Küfer aus vollen Kräften auf ein leeres Faß, als würde Kübelgeschirr gebunden, als machte man Zurüstungen an einer Presse (die gar nicht im Hause ist), wie man vor dem Traubenaufschütten und Pressen zu tun pflegt. Aber diese Schläge und Töne sind oft so gewaltig, daß sie bei stiller Mitternacht in der ganzen Nachbarschaft umher gehört werden. Dabei ist merkwürdig, daß, je heftiger und öfter diese Töne geschehen, desto reicher auch die Weinlese desselben Jahres ausfällt. Auf diese Erfahrung gründete ein Nachbar dieses Weingärtners, der verstorbene Stadtrat Muff, seine Weinspekulationen und wurde dadurch ein reicher Mann.

Bayer, der eine Tochter des vorigen Hausbewohners vor etlichen und dreißig Jahren heiratete, vermutete anfänglich eine natürliche Ursache dieser Töne entdecken zu können, und ging oft nächtlich, mit einem Beile bewaffnet, den Orten zu, von denen ihm diese Töne zu kommen schienen, fest entschlossen, den ihn neckenden Täter niederzuschlagen, aber nie wurde ihm ein solcher sichtbar. Der Vater seiner Frau, der dazumal noch mit ihm, aber auch schon lange vor ihm, dieses Haus bewohnte, schien mit diesen Tönen und ihrem Urheber besser bekannt zu sein; er sagte bei seinem Eifer stets nur: »Dieser ist schon länger als wir hier, laß ihn nur!«

Dazumal kam es auch noch öfters nächtlich zur Türe herein; sie öffnete sich von selbst, und es rutschte wie in Halbschuhen (Schlurfen) durchs Zimmer. Dieses fand aber seit vielen Jahren nur noch einmal statt, als gerade der jetzige Hausbewohner auf dem obern Boden schlief. Da öffnete sich nämlich die Türe der Kammer, in der er lag, wie von selbst, er hörte etwas wie mit den Füßen schlürfend sich ihm nahen und wieder durch die Türe sich entfernen.

Sichtbar wurde noch keinem dieser Hausbewohner eine Erscheinung. Sooft es hämmert und tönt und man richtet im Bette nur das Haupt auf, um es besser zu belauschen, so ist es urplötzlich still. So geschieht es auch den Nachbarn. Springen diese bei solchen Schlägen ans Fenster, so schweigt es sogleich, aber alsbald beginnen wieder die Töne, sind sie zurückgetreten. Geht der Nachtwächter in der Nähe des Hauses vorüber, und tönte es noch so sehr, schweigt es sogleich, und fängt wieder an, wenn er vorüber ist. Dies ist eine völlige Tatsache, über die täglich eine Reihe von Zeugen vernommen werden kann.

Daß diese Töne schon durch mehr als 40 Jahre von den Bewohnern dieses Hauses zu irgendeinem Zwecke geflissentlich hervorgebracht würden, das wird besonders niemand glauben, der diese Leute kennt. Eigennutz und Vorteil wären wohl die entferntesten Beweggründe dazu, indem die Bewohner als arme Weingärtner keinen Weinhandel treiben.

Will man annehmen, Herr Stadtrat Muff habe zu besondern eigenen Zwecken diese Töne veranstaltet (eine Vermutung, die noch keinem Menschen hiesiger Stadt einfiel), so ist zu bedenken, daß sie schon viele Jahre, ehe Herr Muff in der Gegend wohnte und von ihnen Gebrauch machen konnte, gehört wurden, wie sie auch jetzt noch, nachdem er schon seit Jahren gestorben ist, vernehmbar sind.

Aber auch er sprach stets ohne alle Befangenheit von dieser Sache, und alle seine Bekannten wissen, wie er sich in jenen Monaten oft nächtelang am Fenster passend, wachend verhielt, um auf jene Töne seine Weinspekulationen zu gründen. Auch hieraus machte er kein Geheimnis, so daß es ihm jeder hätte nachmachen können, aber man lachte über ihn; er ließ sich nicht irre machen und – wurde reich.

Er starb – aber bewahren konnte ihn sein Reichtum, den er auf jene Töne aus dem Mittelreiche gründete, nicht vor diesem. Auch er war einer von denjenigen aus jenem Schattenlande, die bei unsrer Seherin bittend um religiöse Worte erschienen. Sie hatte ihn nie gekannt.

Eine Tatsache aus dem Tagebuch der Seherin

Frau H. schrieb hier in W. wenige Wochen lang ein Tagebuch, das sie ganz geheim hielt, das sie einzig für sich bestimmte, und das niemand unter die Hand bekommen sollte.

Als sie schwächer wurde, konnte sie es nicht mehr fortsetzen, und ich erhielt es zufällig ohne ihr Wissen und Willen. Noch zur Charakteristik ihres Gemütszustandes und als Beweis, wie auch Sehnsucht nach Gatte und Heimat (in welchem Punkte sie so sehr von den Menschen mißkannt wurde) in ihr vorherrschende Gefühle waren, auch wie überzeugt sie bei sich von der Realität dieser Erscheinungen von Geistern war, führe ich aus diesem ihrem Tagebuch nachstehendes an, das um so unbefangener ist, da sie nie vermutete, daß es unter andre Augen kommen würde. Es sind ihre eigenen Worte:

26. Dezember 1827. Sprachloses, stummes Papier, zu dir nehme ich meine Zuflucht! Ich möchte so gern meine Erfahrungen und Gefühle meiner Seele jeden Tag einem Freunde mitteilen, einem solchen Freunde, dem ich auch den innersten meiner Gedanken in der Stille sagen könnte, dem seine Seele mit der meinigen harmonierte, von dem ich Trost und Beruhigung in meinen Leiden erhielte. Bin ich selbst schuld dran, daß ich keinen solchen Freund habe? Bin ich zu schüchtern oder setze ich zu wenig Zutrauen in die Freunde, die ich habe? Ach! all dieses finde ich nicht in mir, sondern mein Gefühl stößt mich immer zurück, weil ich finde, daß man mich nie oder nur selten kennen will, und mir gern alles mißdeutet. Aber ich freue mich, daß ich einen kenne, der mich siehet und kennet, dessen Eigentum ich bin und bleiben will und das bist du, Vater im Himmel!

27. Dezember. Heute mußte ich hauptsächlich wieder die Überzeugung gewinnen, daß wir in einer vergänglichen, unvollkommenen Welt leben, daß wir uns an nichts festhalten können, was da irdisch lebt und webt, nur an das, was wir nicht sehen, und das ist das Wort, die Wahrheit und das ewige Leben. Hält man diese fest, so kann man ein solches Verlassensein, in dem ich mich heute befand, Trennung von allen Lieben, im Glauben und der Liebe zum Herrn leichter überwinden, und die Seele wird immer mehr zum Geiste gezogen. Wohl wird dann der Leib geschwächter, besonders der meinige. Da wäre ihm ein wahrer Freund wohltuend, den ich Seelenfreund nennen möchte, dem ich alle meine Empfindungen mitteilen könnte.

– – – Ich hatte heute auch eine mich sehr beunruhigende Erscheinung, die K. angeht, insofern sie ein ganz naher Verwandter von ihm ist. Dieser Geist, eine Mutter (ich kannte sie im Leben), will haben, ich soll seinen zurückgebliebenen Kindern durch K. sagen: es sei eine Unsterblichkeit, und wofern sie sich nicht ernstlich zum Erlöser wenden, so würden sie den bittern Tod noch mehr schmecken, als er. So sagte dieser Geist. – Was soll ich nun anfangen. Gott wolle mir helfen, daß ich es zu seiner Zeit da sage, wo es mir gut ist!

28. Heute nacht kam jener Geist und mahnte mich wieder, daß ich das seinen Kindern solle sagen lassen.

29. Ich war heute äußerlich froh scheinend, aber gegen Abend überfiel mich ein so entsetzliches Heimweh, daß ich mir nicht zu helfen wußte und wünschte nur fortzukommen. Verliert sich dieses Heimweh nicht bald, so werde ich kränker.

Allen Trost muß ich aus mir selbst suchen, niemand kann mich beruhigen, kann mich erheitern. Spricht man etwas, was so in der Welt vorgehe, so werde ich noch trauriger. Am liebsten möchte ich mich immer von meinem Erlöser unterhalten, wenn ich nur könnte. Aber ich bin schüchtern, man zieht auch daraus so gern Böses, auch fühle ich mich oft noch viel zu fehlerhaft.

Heute nacht, 11 Uhr, kam jener Geist wieder und sagte mit drohender Miene: »Willst du nicht tun, was ich dir sagte?« Ich sagte: »Ich kann es nicht, wende dich selbst an K.« Als ich dies gesagt hatte, verschwand er. Nun bin ich doch recht in der Not, was soll ich anfangen, die Menschen glauben so etwas nicht. In Gottes Namen, sie mögen das tun, ich bin fest überzeugt, daß es wahr ist, aber den innigsten Schmerz erregt mir oft dieses Schauen der Menschen wegen.

1. Januar 1828. Heute den Tag des neuen Jahres bracht' ich mit meiner alten Wärterin allein in der Stille, meist in Andacht zu. Ich schlug mir auf den heutigen Tag folgendes auf:

»Mensch bestelle dein Haus: denn du mußt sterben!« Daraus nehme ich, daß wir unser Haus jeden Tag bestellen und keinen Tag vorbeigehen lassen sollen, ohne mit Ernst an den Tod zu denken. Um halb 11 Uhr kam jener Geist wieder und sagte: »Wie lange willst du, daß ich noch in Unruhe sein soll?« Ich beruhigte ihn damit, daß ich ihm sagte, es soll sein Wille geschehen, aber wann, wisse ich noch nicht, und nun hoffe ich, daß er nicht mehr kommt.

2. Januar. Nachts kam jener Geist wieder mit seiner alten Anforderung. Ich gab ihm die Versicherung, daß ich am andern Tage seinen Willen erfüllen würde, und da ging er ganz hell von mir. Ich aber war morgens sehr traurig und wünschte nur, daß ich einmal wieder in meine Heimat könnte: der, der mich allein leiden siehet, der, der mich allein kennet – gebe mir das!

5. Januar. Heute nacht schlief ich vor Schwäche des Körpers und Betrübnis gar nicht ein. Ich weinte beinahe die ganze Nacht. Wie kann ich gesunden! Um 1 Uhr kam jene lichte Gestalt, die mir schon oft als tröstender Engel erschienen war und sagte: »Sei ruhig, bis morgen abend wird es dir leichter, es wird schon geholfen werden.« Noch sagte sie mehreres, das ich in meinem Herzen bewahre.

6. Januar. Den Tag über war es mir, das Heimweh abgerechnet, etwas besser, und gerade, wo es am stärksten war, trat mein Gatte ein, und es wurde mir dann wieder ganz leicht ums Herz. Damit traf auch die Voraussage jener Lichtgestalt ein: daß es mir heute leichter werden soll.

7. Januar. Diesen Tag über war es mir, Gott sei Dank! wieder ziemlich heiter: denn mein Gatte blieb bei mir, wo dann meine Sorgen und Leiden wieder geteilt wurden.

8. Januar. Die Krämpfe ließen mich heute nicht schlafen, auch tat dies der nahe Abschied von meinem Gatten. Diesen Vormittag reiste er ab, und ich fühle mich wieder verlassen. Der liebende Vater stärke mich! Du Vater im Himmel, höre mein tägliches Flehen! Gib mir Geduld, daß ich das, was du mir auferlegst, in sanfter Stille trage: denn du nur verstehst mich die Menschen wollen mich nicht verstehen.

 

Das Verlangen jener Erscheinung betreffend, die der Seherin in den berührten Tagen so vielen Kummer machte, so ist auffallende Tatsache, daß sich bald nachher mit einem der Kinder dieser Erscheinung eine Begebenheit ereignete, die davon zeugte, daß es an Vertrauen auf Gott fehlte, wobei eine unbegreifliche Rettung des Lebens stattfand, die ganz geeignet war, zum Glauben an eine höher waltende Vorsehung zu führen.

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