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Die Seherin von Prevorst

Justinus Kerner: Die Seherin von Prevorst - Kapitel 17
Quellenangabe
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authorJustinus Kerner
titleDie Seherin von Prevorst
publisherJ. F. Steinkopf Verlag
printrun2. Auflage
year1963
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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16. Die Kreise selbst

Am dritten Tage entwarf Frau H. eine Zeichnung von zwei Kreisen. Sie entwarf die ganze Zeichnung selbst in unglaublich kurzer Zeit, und gebrauchte zu den mehreren hundert Punkten, in die diese Kreise geteilt werden mußten, keinen Zirkel oder sonstiges Instrument. Sie machte das Ganze mit freier Hand und fehlte nicht um einen Punkt. Bei dieser Arbeit kam sie mir wie eine Spinne vor, die auch ohne sichtbares Instrument ihre künstlichen Kreise macht.

Sobald sie sich eines Zirkels bedienen wollte, den ich ihr, weil ich ihr das Geschäft dadurch zu erleichtern glaubte, anbot, machte sie Fehler. Über diese Kreise sprach sie sich nach und nach also erklärend aus. Ich gebrauche durchaus ihre eigenen Worte ohne allen Zusatz.

Der Sonnenkreis

»Ich fühle die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin, wo ich erwachte, und noch die übrigen Teile (diese Zustände sollte man aber weder Einschlafen noch Erwachen heißen) wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht und sich über die Brust verbreitet und da gegen die linke Seite hin wie befestigt ist. Dieser Ring liegt mir ganz schwer da und tut mir weh (er kratzt mich). Er gibt mir in seinem äußeren Kreise das Gefühl wie von Nerven. Es kommt mir aber vor, als sei auf den Nerven in dem Umkreise, wo ich jenen Ring fühle, noch etwas, das höher als Nerv ist, das mir das Gefühl von jenem Ringe gibt, und das ich Nervengeist nennen möchte. Ich fühle unter diesem Ringe noch fünf solche Ringe, und über ihm noch einen leeren, ich will aber jetzt nur von diesem sechsten sprechen. Dieser Ring hat zwölf Teile, und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser Zeit begegnete. Er hat ganz die Größe von dem Ringe, den ich hier zeichnete, und so viele Punkte und Abschnitte in seinem Umkreise.

Mehr nach innen in diesem Ringe liegt noch ein kleinerer, der aber mehr Hauptabteilungen als der große, und zwar 13¾ Abteilungen hat, und von diesem hinaus ging meine Rechnung in den großen Ring über.

Außerhalb des großen Ringes liegt mir der wirkliche helle Tag und die Menschen, und ich sehe vor den verschiedenen Abschnitten deren mehr oder weniger. Ich bilde diese Menschen am liebsten als Häkchen ab. Ich fühle den Geist von allen Menschen, mit denen ich Umgang hatte, aber von ihrem Körper fühle und weiß ich nichts, nichts von ihrem Namen usw. So kann ich mir Sie (sagte sie zu mir) auch durchaus nicht als Mensch; als Körper denken, Sie am allerwenigsten; ich fühle Sie immer als blaue Flamme auf dem äußern Ringe jenen Punkten zu, immerwährend im Kreise gehen und mit Ihnen Ihre Frau im gleichen Kreise, aber diese in menschlicher Gestalt und etwas mehr nach außen, bis ich sie vor Ihnen an dem bezeichneten Punkte aus dem Kreise treten und Sie allein fortgehen sehe, bis auf den Punkt, wo ich erwachte. Von jenem Punkte dieses Austrittes an sehe ich Ihre Frau nur noch hie und da, aber auf der äußersten Kreislinie erscheinen. In der Zeit, wo ich nun ohne jene blaue Flamme im Ringe lebe, ist es mir, als kämen nur hie und da noch kleine blaue Flämmchen herein, die Sie darstellen.

Dieser äußere Ring mit der in ihm kreisenden blauen Flamme kommt mir wie eine Mauer vor, durch die nichts an mich konnte. Im Ringe selbst bin ich. Denke ich, ich sei außer diesem Kreise, so ist es mir fürchterlich, und mich befällt eine Angst; denke ich mich aber frei im Kreise, so bekomme ich wie ein Heimweh. Aber ich meine, ich könne jetzt besser aus dem Kreise zu den Menschen heraussehen als sonst, aber nicht herausgehen und nicht in die Ringe des Zentrums, wo ich sonst hinflüchtete, wenn es mir bange wurde.

Es kommt mir vor, als sei ich jetzt eingesperrt im Ringe, da wo er offen ist, wo die blaue Flamme aufhört, und da ist es mir nicht wohl, da kann ich nicht bleiben. Ich habe das Gefühl, als könne ich in jenem Räume um keinen Punkt weiter, als wie der Tag mich schiebt, immer nur um einen Punkt vorwärts. Mittags zwölf Uhr und nachts zwölf Uhr fühle ich etwas Besonderes in mir, da werde ich jedesmal um die Hälfte eines Punktes hinausgerückt. Nur mittags zwölf Uhr und nachts zwölf Uhr werde ich so geschoben; die andre Zeit bleibe ich ganz fest auf einem Punkt, was mir ein Wohlgefühl verursacht.

Sonst konnte ich in diesem Zirkel hin, wohin ich wollte. Je nachdem von außen her etwas an mich kam, konnte ich mich bald dahin, bald dorthin in dem großen Kreise flüchten. Es war mir dann, als wäre ich immer so einem nach dem Zentrum gehenden Strahl nach als wie ein Blitz in dieses Zentrum geeilt. Im ersten Ringe des Zentrums (mir ist es, als ständen darüber sieben Sterne) war es mir wohl, ich sprach in die Welt hinein, in der ich gewesen, und dann hörten Sie es allein, ich fühlte nur, daß Sie es hörten.«

(Ich sagte ihr, daß sich dies nicht so verhalte, sie sei von jedem gehört worden, aber ich nur von ihr. Sie erwiderte: »Mir war es ebenso, als hätten nur Sie mich gehört.«) »Im zweiten Ringe war es mir kalt und schaudernd, es muß eine kalte Welt sein. Da sprach ich nie, ich schwamm nur wie darüber hin, und ein paarmal sah ich hinein. Was ich da gesehen, weiß ich nicht mehr, ich fürchte mich, wenn ich daran denke. Da ist es fürchterlich kalt und arg. Dieser Ring hat das Licht des Mondes.«

Noch später drückte sie sich über den Ring mit den Sternen und jenen Ring mit dem Licht des Mondes also aus:

»Diese Sterne sind und bedeuten nichts andres als Sterne, wie der Ring, wo ich die Kälte fühle, nichts andres als der wirkliche Mond ist. Man denke sich aber nicht, als wären (wie es in der Zeichnung zu sein scheint) jene Sterne der Außenwelt näher als der Mond, sie sind höher als er, der Mond liegt tiefer. Jene Sterne sind Wohnungen Seliger niedern Grades.

Jener kalte Ring (Mond) ist die Wohnung solcher, die selig werden, wohin viele aus dem Mittelreiche kommen, aber dieses Gefühl habe ich nur von einer Seite, der rechten Seite dieses Ringes. Der dritte Ring ist sonnenhell, aber sein Mittelpunkt ist noch heller als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe, die je tiefer, desto heller war, in die ich selbst nie kam, nur hineinschauen durfte, und diese möchte ich die Gnadensonne nennen. Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele andre Geister mit mir und bestehe alles, was da lebt und webt, aus Fünkchen aus dieser Tiefe. Sah ich da hinein, so kam es mir vor, als hätte ich sogleich wieder herumgesehen und aus dem Ringe hinausgesprochen, aber da hörte mich kein Mensch als Sie, hier noch viel weniger als im ersten Ringe. In jener Klarheit dieses innersten Ringes, aber auch nicht in seinem Mittelpunkte, sah ich immer meine Führerin, und von da aus sind auch die Verordnungen gekommen, wie? weiß ich nicht mehr. Wollte ich in den mittleren Ring, so mußte ich immer auf seiner rechten Seite hinein. Die linke Seite konnte ich dann nicht sehen; wenigstens fühlte ich nichts von ihr. Wollte ich überhaupt in diese drei Ringe des Zentrums und war irgendwo anders im großen Ringe, so mußte ich mich immer in den Monat, Tag, Stunde, Minute und Sekunde, in denen ich war, vorher wieder begeben, indem ich jene Tage, Stunde usw., die vorwärts oder rückwärts waren, wieder durchlief und von da aus in geradem Strahl in diese Ringe eintreten. Nur in den größeren Ring, der die drei kleineren Ringe weit umgibt, konnte ich, wie ich wollte, von allen Seiten, und dieser größere Ring ist der Traumring. In ihm sehe ich mit dem Zwischenreich zugleich das Tierseelenreich, jedoch so, daß letzteres unter dem ersteren liegt. Ich meine, diesen Ring hätten hauptsächlich die Tiere in sich. Der innere Raum im ganz großen Ringe und in dem Traumringe ist heller als unser Tag, aber es ist in ihnen eine ganz andere, eine gleichförmigere Helle ohne Licht und Schatten.

In allen diesen Ringen konnte ich rückwärts und vorwärts, wie ich wollte, und konnte so sehen, was geschah und was geschehen wird. Auch in die andern fünf Ringe, von denen mir jeder auch ein Jahr zu umfassen scheint, und die unter diesen liegen, konnte ich zurückgehen. Nun fühle ich mich aber in jenem Zwischenraum eingeschlossen, kann nicht rückwärts und habe vorwärts nur ein banges Gefühl von einem Punkte. (Sie bezeichnete denselben. Es ist der 7. November.) Trat ich aus den kleinern Ringen wieder in den größern, so wußte ich nicht mehr, was ich in ihnen gesprochen hatte, oder wie es mir war, bis ich wieder in dieselben kehrte, aber was mit mir in den großen Ringen vorgegangen, wußte ich, und so wußte ich auch im großen Ringe, was mit mir im Traumringe vorgegangen.

Ist eine Schlafwache in dem Grade schlafwach, daß sie in den Mittelpunkt des Sonnenkreises sieht, so ist sie in den Augenblicken, wo sie das Schauen hat, bestimmt weder einer Lüge noch Täuschung fähig; denn da ist sie rein geistig; denn nur der Geist geht allein aus ihr, und die Seele bleibt mit all ihren Sünden zurück in dem Körper. Der Geist kann sich im schlafwachen Zustande ganz freimachen, hiermit auch von Sünden, die der Seele eigentümlich sind.

Ein Verstorbener ist nicht rein geistig, denn er nimmt bei seinem Hinscheiden seine Seele, wie auch die Sünden mit, das aber bei einer Schlafwachen nicht der Fall ist, sonst würde sie nie mehr erwachen. Ist aber eine Schlafwache in dem Grade schlafwach, daß sie nur bis an die bezeichneten Sterne kommt, auch der Geist sich dort noch mit der Seele vereinigt hat, so kann die Schlafwache, wenn der Grund in ihr zum Wahren und Göttlichen nicht vorherrschend ist, durch ihren ungebundenen Willen lügen und täuschen, und kann sie vom Einfluß der Außenwelt zu listigen Worten geraten, wenn sie durch Fragen und Proben zu sehr angegriffen wird. Doch soll man sich hier keine teuflische List und Bosheit denken, es sind nur ausweichende Worte, die aber von der Schlafenden keineswegs gebilligt werden können; denn auch dieses ist Sünde und wird ihr zur Sünde gerechnet, indem sie ihren freien Willen hat.

Noch fühle ich auf diesem sechsten Ring einen siebenten leeren (ein kommendes Jahr) liegen, von dem ich aber fühle, daß er nicht wie die andern ist; denn an diesem fühle ich den letzten Strich der Abteilungen, der mir eigentlich weh tut, in den Mittelpunkt geradelaufend, was ich in mir immer bei je einem siebenten Ringe sehe, wo sich mein Sonnenkreis jedesmal schließt und wieder neue sieben Jahre anfangen.

Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab, und ihr ganzer Inhalt wird mit einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt, in der dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von den sieben Jahren enthalten ist. So kann man nach dem Tode in einer Zahl das ganze Leben überschauen.

Auch in diesen siebenten leeren Ring konnte ich. Würden in dem sechsten Ringe die Striche gerade auf den Mittelpunkt zulaufen, so müßte ich sterben. Außer dem großen Ringe, bei den Menschen, kann ich mir keine Geister denken; die Geister (das Zwischenreich) sind im Ringe innen, und es ist mir schauerlich, daß ich mit ihnen jetzt noch allein im Ringe leben muß. Diese drei Ringe im Zentrum und auch der Traumring und der große Ring bewegten sich immerwährend ganz langsam.

In jeder Hauptabteilung des großen Ringes (Monat) sehe ich noch solche drei kleine Ringe, wie in der Mitte des großen Ringes sind, und in diese sehe ich Strahlen von dem Mittelpunkte des innern Ringes, in dem ich die Zahl 7 sehe, auslaufen, welche die Zahl von Krämpfen, magnetischen Strichen, welche ich erhalten mußte, wie auch das mir für jeden Monat nötige Behauch, Anblasen und Handauflegen bezeichneten, was ich dann alles voraussah und angeben konnte; das Behauchen sah ich im innersten Ring, aber in dessen nach außen gekehrter Hälfte. Im zweiten Ringe, in dessen linker Hälfte, sah ich die linke Hand, die mir beim Handauflegen auf den Magen, und in dessen rechter Hälfte die rechte Hand, die mir auf den Kopf gelegt werden sollte. Die magnetischen Striche sah ich in der linken Hälfte des äußersten Ringes, und in dessen rechter Hälfte sah ich die Krämpfe, die aber immer wieder ihre Zahlen hatten. In dem Mittelpunkte des innersten Ringes sah ich die Zahl 7, von der aus alles ging.

In dem großen Ringe sah ich auch viele Strahlen nach auswärts gehen (die ich alle hier bezeichnete); es sind Schläfe, von denen ich das Gefühl habe, als wären sie mir von keinem Nutzen gewesen, als wären sie mehr für die Außenwelt, die Menschen gewesen, oder wäre ich sonst in ihnen gestört worden.

(Sowohl diese braunen, nach außen gehenden, als die andern roten und grünen Strahlen, die den Ringen im Mittelpunkt zugehen, bezeichnen, ganz übereinstimmend mit dem Tagebuch, die magnetischen Schläfe, und namentlich die braunen, die in die Außenwelt gehen, Schläfe, in denen sie durch irgend etwas beunruhigt oder gestört wurde.)

Solcher in die Außenwelt gehender Schläfe, wo mir jedesmal ein Tag verlorenging, sehe ich sechsunddreißig im Ringe, da wo ich sie bezeichne, und noch eine Reihe von vierzig noch besondrer mir in die Außenwelt gefallener, verlorener Tage, die ich ebenfalls hier auf dem Ringe, und zwar mit Strichen, welche Häkchen haben, bezeichne.«

Noch machte sie die unten gegebene Erklärung für auf den Ring gemachte, in verschiedene Tage fallende Zeichen, als für Punkte, von denen sie das Gefühl hatte, wie sie es dort aussprach. Sie versicherte aber, daß sie noch eine Menge Punkte und Striche in diesen Kreisen sehe, die aber auf dem Papier keinen Platz mehr finden, und die sie nur im ersten Tage ihres Erwachens, jetzt aber nicht mehr hätte mit Sicherheit angeben können.

So sah sie noch viele Punkte im großen Umkreise für Stunden, Minuten und Sekunden, noch eine ungeheure Anzahl von Strahlen, die nur in den äußersten Ring im Zentrum des großen Ringes gingen, und die halbwache Zustände bezeichneten; auch die Anzahl der Krämpfe und magnetischen Striche, Handauflegen, Behauchungen, wußte sie nun nicht mehr mit Sicherheit anzugeben, weswegen sie in den zwölf Ringen nur angedeutet werden konnten, da sie ja überdies der großen Zahl wegen in diesen Ringen gar keinen Raum gefunden hätten.

Oft wiederholte sie: daß dieser Ring zugleich unser Sonnenkreis sei, den jeder Mensch auf dem sogleich zu beschreibenden Kreise, dem Lebenskreise, der Seele, trage, wie sie dies auch unten bei ihren Eröffnungen über das Schauen näher aussprach.

Der Lebenskreis

Wie schon früher angeführt wurde, sah die Seherin, aber mehr nach innen von jenem Ringe (Sonnenkreis), noch einen etwas kleinern liegen, der aber statt 12, ihr 13¾ Abteilungen hatte, und den sie immerwährenden Lebensring und auch oft ihre Seele nannte. Auch von diesem verfertigte sie eine Zeichnung und sprach über ihn folgendes:

»Unter jenem großen Ringe (Sonnenkreis) sehe ich einen ebenfalls großen Ring liegen, der aber doch um etwas kleiner als jener ist und 13¾ Abteilungen hat. Diesen Kreis fühle ich nicht so schwer als wie jenen, und nicht so auf den Nerven laufend, sondern wie Luft, wie Geist, in mir liegen. Im Mittelpunkt dieses Kreises aber sitzt etwas, das Zahlen und Worte setzt, und das ist der Geist. Wie im Sinnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in diesem Lebenszirkel (Seele) eine ganz andre, höhere, daher die Ahnungen, die in einem jeden Menschen von einer höhern Welt liegen. Wie auf dem äußern Ring, dem Sonnenring, ich meine Gefühle von jeder Abteilung mit gewöhnlichen Worten aussprach, so sehe ich sie auf diesem innern Ringe (von dem ich sie deutsch auf den andern übertrug) als Zahl und Zeichen stehen. Die Schriftzeichen sind auch zugleich Zahlen. Von dem Mittelpunkt des innersten Ringes, von den drei kleinern in diesem Ringe, ging meine Rechnung aus.

Von dort aus schaut der Geist in den Mittelpunkt des Sonnenkreises hinein. Auch die Seele schaut und fühlt aus dem Gebiete ihres Lebenskreises in das gleiche Gebiet des Sonnenkreises hinein, welches, je nachdem sie sich vom Geiste hat ziehen lassen, eine höhere oder niedere Stufe des Mittelreiches bezeichnet. Auch der Leib, und zwar das Bleibende in ihm, der Nervengeist, wirkt aus dem Gebiete seines Lebenskreises in das gleiche Gebiet des Sonnenkreises. Der Mittelpunkt des Lebenskreises ist der Sitz des Geistes, und in ihm ist er an seiner rechten Stelle, im Wahren. Der erste Kreis um den Mittelpunkt ist ein Ziehen der durch den Leib beherrschten Seele; der Geist bleibt jedoch noch rein, wenn er innerhalb des ersten Kreises weilt. Tritt er aber auf den Umkreis des ersten Kreises, so fängt er an, unrein zu werden. Der zweite Kreis bedeutet schon eine anfangende Trübung des Geistes in Beziehung des Guten, jedoch so, daß er noch imstande ist, aus sich zum Besseren zurückzukehren.

Der dritte Kreis bedeutet einen verminderten Grad des Guten, aber noch im Übergange, so daß es seiner Freiheit noch hingegeben ist, ganz in den innern Kreis zurückzukehren. Der dritte ist zugleich der letzte des Geistes. Da sehe ich die Zahlen, von denen aus meine Rechnung ging, ich sehe immer die Zahlen 10 und 17. Die eine Zahl, und zwar der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die irdische Zahl, vermittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann.

Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige, und kann bei jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und zugleich die himmlische. Beide Zahlen sind aber immer vereinigt in der Rechnung, die das Himmlische und Irdische zugleich angeht.

Ist es aber etwas, das nicht vom Irdischen stammt, so genügt zur Rechnung schon die himmlische Zahl. Beide Grundzahlen sind zugleich auch Grundworte. In der Zahl 10, die jedem Menschen eigen ist, liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein Verhältnis als Mensch mit der Außenwelt. In der andern Zahl, die bei jedem Menschen wieder eine andre sein kann, liegt das Wort der Bestimmung für diesen einzelnen, und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt.

Man lege aber hierin nicht den Glauben, daß ein Mensch, der Böses tat, durch diese Grundzahl schon im voraus dazu bestimmt worden sei, sie verhindert in ihm nicht die Wahl des Bösen oder Guten. Ja, überwiegt das Böse, das zu tun und zu unterlassen im freien Willen des Menschen steht, diese Grundzahl, so verliert er dieselbe, und er ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen durch eigenen Willen nun auch völlig anheimgestellt.

Was außer den Kreisen des Geistes liegt, gehört in diesen Lebenskreis zum Kreise der Seele, und diese ist sowohl mit dem Geiste als mit dem Körper verbunden. Läßt sich die Seele von dem Geiste ziehen, so entsteht das Übergewicht des Guten; wird sie aber mehr vom Leibe und der Welt gezogen, so entsteht das Übergewicht vom Falschen und Bösen. Solange die Seele in Gesinnung und Tat innerhalb des Lebenskreises bleibt, ist auch der Geist in seiner eigentlichen Sphäre. Wie sie aber, vom Leib und der Welt gezogen, ihren Kreis verläßt, so zieht sie auch den Geist aus seinen Kreisen. Wie aber die Seele ganz in die Sinnlichkeit und Welt versunken ist, so zieht sie auch der Geist ganz aus seiner Sphäre. Im ersten Zustande bleibt der Geist noch mit dem Heiligen und Göttlichen verbunden, im zweiten aber fällt er davon ab. In diesen Zuständen sind eben solche Gradverschiedenheiten wie in den Kreisen. Die auf die Geistessphäre schief auffallenden Striche (Radien) bedeuten die Bewegung in Schneckenlinien (Sparallinien), so daß die Tätigkeit des Geistes ohne Stillstand ist. Würden diese Linien (Radien) den Mittel= punkt treffen, so würde die Kraft des Geistes ruhen, wie es bei allen denjenigen ist, deren Seelen sich zu sehr ins Irdische versenkt haben. In diesem Lebenskreis werden alle Leiden und Taten in leiblicher und moralischer Hinsicht während der Lebensdauer eines Menschen eingetragen, und zwar so, daß das Böse mehr dem Umkreise, das Gute mehr den Kreisen des Geistes zufällt. Jene Zahlen 10 und 17 dienten mir, um den ganzen Monat mit durchzurechnen.

Alles, auf einen Tag, Stunde und Sekunde hinaus, bekam da seine Zahl. Kam ein Mensch, der übeln Einfluß auf mich hatte usw., so wurde ihm eine Zahl gesetzt, ob ich es wußte oder nicht, auch wenn ich wachte. Die Zahl setzte sich zusammengezählt, und jeder Tag notiert, und am Ende des Monats wurde alles, was gut und schädlich war, zusammengezählt und abgezogen und wieder notiert. Was schädlich war, fiel auf den Sonnentag über. Der Sonnentag durfte nicht mehr Zahlen als der Mondstag haben. Kamen drei bis vier Tage zusammen, daß die Zahl zu groß war, so fiel der Tag hinaus. Was nun Widriges in diesem Monat übrig war, wurde immer in den nächsten Monat mitgenommen, so auch das Gute, wofern es das Widrige überstieg, welches letztere aber nie geschah. Es ist schon viel, wenn die Zahl vom Guten den Tag so erfüllt, daß nichts Schlimmes herauskommt. Nur vom ersten Monat, wo ich hierher kam, fühlte ich nichts Widriges, nichts, das nicht erfüllt worden wäre, aber einen Überschuß vom Guten hatte ich da auch nicht. Die erste Hälfte des Monats rechnete ich mit dem Siebenzehner, die andre Hälfte mit dem Zehner. Ich rechnete immer in den Krämpfen am meisten. Ich hatte zur zweiten Hälfte des Monats andre Zahlen als zur ersten Hälfte.

Kamen die Zahlen nach der Rechnung im gewöhnlichen Leben gerade heraus (was mir ungerad war), so war es mir schädlich, umgekehrt gut, und je weniger Zahlen gebraucht werden durften, je besser war es. Die äußern Zahlen, die von diesem immerwährenden Lebensring auf den Sonnenring übergingen, sind den gewöhnlichen ähnlichere Zahlen, weil sie gleichsam in die Außenwelt übergehen müssen, die innern Zahlen, die mit Worten verbunden sind, sind andre von ihnen ganz verschiedene Zahlen. Mit diesen äußersten Zahlen kann ich nur bis siebenhundert rechnen; kann aber auf siebentausend rechnen mit den gleichen Zahlen, was aber meine höchste Zahl ist, wenn ich solchen Punkte und Striche beifüge oder aus ihnen dadurch gleichsam andre Ziffern mache. Hätte ich diese Zahlen nicht gehabt, so hätte ich mit der Außenwelt in keine Gemeinschaft kommen können. Mit diesen ging die Rechnung nach außen.

Es ist jedem Menschen eine Zahl gesetzt, mit der er auslangen muß. Jedem ist die Zahl 10 gesetzt, aber neben dieser irgendeine andre. Mir ist nun einmal 10 und 17 gesetzt. Diese Zahl ist für mich bestimmt, daß sie ganz gerade ausgehen soll, aber von der Außenwelt kann manches kommen, das macht, daß diese Zahl ungerade ausgeht, was mir dann schädlich ist. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie diese Zahl ganz übersteigen, noch so viel ausmachen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter. Ich fühle, daß für jede Sünde, jeden bösen Willen, Gedanken, dem Menschen auch eine Zahl im Innern gesetzt wird; das Innere im Menschen notiert das, der Geist, der nichts Böses duldet, tut das, und nach dem Erwachen (dem Tode) im Mittelreiche, wo man gerade so isoliert dasteht, wie ich jetzt, und auch die Punkte so fühlt, wie ich jetzt, liegt dann alles klar vor einem, und ist dann der eigene Geist des Menschen der Richter. Es ist mir auch, als hätte der Mensch solchen Ring von der Geburt an in sich und auch solche Zahlen und solche Sprache, aber Zahlen und Sprache sind nicht bei allen gleich. Ich meine, solche Ringe gehen durch die ganze Natur, durch alles, was da lebt und webt, durch die ganze Schöpfung, von deren Anfang an.

Ich mußte an jenem Tage erwachen, weil dieser Ring (Lebens» kreis) an demselben ein Ende hatte, um 2¾ Monate früher, als der Sonnenkreis ablief. Hätte er gelangt, bis das Jahr um gewesen, wäre es besser für mich. Aber durch die Störung von der Außenwelt (siehe die widrigen Striche) langte er nicht mehr. Diese erreichten die Zahl von 7000, das Höchste meiner magnetischen Grundzahl, zu bald, und ein neuer Lebensring fing an, was mir eine ganz widrige Empfindung macht und mir nicht gut ist, weil ich nun schon vom andern Jahr herunterlebe und ich immer sorgen muß, daß mir das nächste Jahr nicht noch mehr fehle. Ich glaube, daß wenn aus diesem Lebensringe 77 Tage und so viel Stunden, als ich verlor, verlorengehen, jedesmal ein neues Jahr in diesem Ringe anfangen muß, sei man im Sonnenring, wo man wolle. Im Sonnenjahre bleiben dann immer so viele Tage und Stunden übrig.

Ich verliere, wie gesagt, diese Tage in diesem innern Ring (dem Lebensring) durch die Außenwelt. Was man aber durch die Außenwelt verliert, ist Gewinn für das Innere, bessert den inneren Menschen, Kreuz, Jammer usw., und dadurch verlor ich zwar zuerst die Tage im innern Ring (Lebensring), da sie aber für diesen Ring (inneres Leben) kein Verlust sind, sondern eigentlich mehr Gewinn, so werden sie nun in den Sonnenring übergetragen und gehen da ab am wirklichen Leben. Der Lebensring bewegt sich viel schneller als der Sonnenring. Andre Personen, die zu viele Tage verlieren, die ihnen am Leben abgezogen werden, und die sich dann auch so eingesperrt und isoliert dastehen fühlen, wie ich mich in jenem Abschnitte, können leicht melancholisch und wahnsinnig werden oder sterben.

In dem Lebenskreis fallen 3¾ Monate weg, die zusammen 74 Tage betragen. In dem Sonnenkreis fallen 67 Tage weg, und zugleich in 77 Tagen einzelne Stunden, die zusammen 7 Tage betragen. Dieser Lebensring ist das innere Leben, und dieses währt fort in Ewigkeit; hingegen gibt es nach dem Tode keinen Sonnenkreis mehr.«

Sie legte den gezeichneten Sonnenkreis in der Lage auf die Brust, in der sie ihn in sich liegen fühlte. Die Mitte vom April lag auf der Herzgrube, und der Tag, an dem sie erwachte, mitten auf der Brust gegen den Hals hin. Das Ende des Dezembers, wo die erste magnetische Behandlung von mir stattfand, und der Anfang vom Januar lagen dem Herzen zu, und der Juli auf der entgegengesetzten rechten Seite. Legte man ihr die Zeichnung anders, so fühlte sie dies, ohne es zu sehen, sogleich, und sie drehte sie solange, bis sie jene Lage bekam.

Solange sie nun seit ihrem sogenannten Erwachen in jenen Raum eingesperrt war, fand nie ein magnetischer Schlaf oder halbwacher Zustand mehr statt, aber doch konnte sie nicht das Gefühl verleugnen, daß sie auch jetzt nicht in einem natürlichen Zustande sei. Sie klagte immer über das widrige Gefühl, in diesem engen Räume sich eingeschlossen zu fühlen, und sich nun, treffe sie etwas Unangenehmes, nicht mehr in das Licht der innern Kreise flüchten zu können. Vor dem Einschlafen habe sie dies widrige Gefühl, als sei sie nur in die zwei Ecke (so nannte sie immer jene zwei Abteilungen) eingesperrt. Sowie sie einschlafen wollte, müsse sie sich wie heben, damit sie gleichsam in dem leeren Eck liegenbleibe, nicht hinaus oder zurückfalle. Oft legte sie die Bibel auf die Brust, wodurch sie, wie sie sagte, Linderung der widrigen Empfindung bekomme, die ihr der Ring in der Brust oder vielmehr ihre eingesperrte Lage in ihm verursachte.

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