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Die schwarze Galeere

Wilhelm Raabe: Die schwarze Galeere - Kapitel 27
Quellenangabe
typenarrative
titleDie schwarze Galeere
authorWilhelm Raabe
isbn3-86070-459-1
copyright1995 abc.de Internet-Dienste (für HTML-Text)
senderhille@abc.de
noteMetainformationen des Korrekturexemplars
firstpub1865
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»Sennor Oberst, ich würde die Schildwachen dieser ganzen Nacht erschießen lassen.« – – –

Wie lange dauerte nun schon der Geschützdonner stromab die Schelde? Es war kein Wunder, daß alles zum Empfang der schwarzen Galeere bestens auf dem Fort Liefkenhoek vorbereitet war!

Vor seiner Kompanie schritt der Hauptmann Jeronimo finster auf und ab, und je näher das Feuer kam, desto finsterer wurde er, das war so seine Art. Er hatte das Spiel so lange mitgespielt, bis er desselben überdrüssig geworden war – nein, nicht überdrüssig! bis es ihm so gleichgültig geworden war, wie – wie das Atemholen. Der Hauptmann Jeronimo hatte nur nach gewohnter Art die Achseln gezuckt, als der reitende Bote quer über Land von Fort Perle aus die erste nähere Kunde über das vor Antwerpen Geschehene brachte. Wie grimmig die Kameraden sich gebärdet hatten, der alte Soldat von Alba, Requesens und Farnese hatte nur dem Boten den Rücken gedreht und war zu seiner Kompanie hingeschritten.

»Und dieses Volk vermeinen sie noch immer zwingen zu können?« murmelte er. »Wie lange schon liegt die Blüte Spaniens, der Kern seiner Kraft in diesem Boden begraben! Wehe dir, armes Vaterland!«

Die Kanonen vor der Cruysschanze hatten ein Selbstgespräch unterbrochen. In den Morgennebel hinein fing es leise an zu schneien; man sah nicht drei Schritte weit.

»Ja, ja«, murmelte der alte Soldat, »feuert nur blind zu! und horch – da ist sie schon wieder, diese gottverfluchte Weise, das Grablied von Spaniens Macht und Ehre – paff, paff, so spart doch euer Pulver, ihr vernichtet sie doch nicht damit – ja, ja, schießt nur, schießt, das Lied klingt nur um so heller! O Teufel, man hat's zuletzt schon auswendig gelernt.«

In den Geschützdonner hinein und den Klang der niederländischen Trompeten summte der Hauptmann Jeronimo:

»Ein Prinze von Oranien
Bin ich frei unversehrt,
Den König von Hispanien
Hab' ich allzeit geehrt.«

Er war noch nicht damit zu Ende, als eine Kugel dicht neben ihm in seiner Kompanie einschlug und sechs Mann derselben tot oder verwundet zu Boden streckte. Von der genuesischen Galeone kam diese Kugel; Jan Norris auf dem Andrea Doria eröffnete sein Feuer im Vorüberfahren von Fort Liefkenhoek. Das Fort antwortete sogleich auf die kräftigste Weise, jedoch ohne den Geusen einen bedeutenden Schaden zuzufügen.

Auf dem Deck des Andrea Doria stand neben dem Geliebten Myga van Bergen.

Ihre Augen funkelten; was kümmerten sie die Kugeln der Spanier! Über dem Haupte des Brautpaares flatterte sieghaft das Geusenbanner, die herabgerissene Flagge Spinolas lag unter den Füßen der beiden.

»Noch eine volle Lage, Burschen! Feuer! Feuer! Feuer! Der Myga, meiner Braut, zu Ehren!« rief Jan Norris, den Hut schwingend. »Da geht die Bramsegelstange über Bord! 's tut nichts! Hoiho, Myga, süße Braut, – frei Wasser, frei Wasser! Horch, wie die schwarze Galeere vor Lillo ins Zeug geht! Hoiho, hoiho, lieber Türk als Pfaff! Frei Wasser! Frei See! O süße, süße Myga, o holde, liebe Braut, wie lieb' ich dich!«

»O Jan, Jan, auf so stolze Art ist noch nie eine Braut erobert worden! Was hast du getan um mich!«

»Ach, was ist's denn?« lachte Jan Norris. »Einen welschen Schiffsleutnant hab' ich niedergehauen und den Kadaver eines welschen Kapitäns über Bord geworfen. Die schwarze Galeere hat dich und mich gerettet – bis an die Sterne hoch die schwarze Galeere!«

»Hoch! Hoch die schwarze Galeere!« jauchzte das Schiffsvolk auf dem Andrea Doria, und weiter links donnerte das schwarze Schiff seinen Segensgruß, unter den Mauern von Fort Lillo hinstreichend. –

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