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Die Schöpfung und andere Kabarettstücke

Fritz Grünbaum: Die Schöpfung und andere Kabarettstücke - Kapitel 7
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
authorFritz Grünbaum
year1984
publisherLöcker Verlag
addressWien / München
isbn3-85409-071-4
titleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
pages209
created20110905
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das Kind

        Kinder sind, so hört man sagen,
Schon seit grauer Vorzeit Tagen
Jenes Resultat von Trieben,
Die man in dem Ausdruck »Lieben«
Kurzerhand zusamm'gefaßt hat,
Weil's den Leuten so gepaßt hat.
Diesem Unfug nun zu steuern,
Will ich das System erneuern,
Denn, mein Sohn, mit Kinderschuh'n
Hat die »Liebe« nichts zu tun!

Kinder sind vielmehr gesetzlich
Vorgesehn und können plötzlich
Ohne Zutun der Behörden
Eigentlich gebor'n nicht werden!
Denn was manche alte Sünder
Außereheliche Kinder
Nennen, ist, o sei nicht blind,
Sozusagen gar kein Kind.
Kinder, das sieht selbst ein Blinder,
Sind nur legitime Kinder,
Was es sonst gibt nebenbei,
Ist ganz einfach Schweinerei.

Hier nun wird sich's wohl geziemen,
Von besagten Legitimen
Eine Definition
Hinzustell'n.

Da ist sie schon:

Wenn der Herr und wenn die Dame,
Ihre Mitgift und sein Name
Also zueinander klingen,
Daß die Eltern »Amen« singen,
Und die Onkels samt den Basen
Hochbefriedigt »Hurra« blasen;
Wenn dann alles vorbereitet,
So daß man zur Ehe schreitet
(Welches für die werten Kunden
In den üblichen Abendstunden,
Also eh' es halbwegs Nacht wird,
Auf dem Standesamt gemacht wird);
Wenn sodann das Hochzeitsessen
Nach der Ordnung abgesessen
(Was dem Bräutigam nicht schmeckte,
Weil ihn der Gedanke schreckte,
Daß der heil'gen Sitte Tiefe
Ihn jetzt bald zu Pflichten riefe,
Die er doch als leicht're Bürde
Äußerst gern erfüllen würde
Bei der Freundin, der bewußten,
Die die Schwiegereltern mußten
Abfinden noch morgens heute –
Denn es ist doch wegen der Leute! –);
Wenn sodann die Zeiger künden,
Daß es Zeit ist zu verschwinden
(Onkel Paul ist sehr erbost,
Grad begann er seinen Toast!);
Wenn man dann (die Sonne scheidet)
Spät sich im Hotel entkleidet
(Was den Gatten macht zum Stöhner,
Denn er sah das schon viel schöner!);
Wenn nun – nein! was auch geschähe,
Pflicht ist's, daß ich's übergehe,
Denn nebst manchen andern Gaben
Muß man Scham im Leibe haben;
Aber wenn dann nach neun Monden
(Manchmal wird's auch später!) von den
Gatten allen Anverwandten
Und den ferneren Bekannten
Angezeigt wird, daß was da ist, – –
Weil man Mutter und Papa ist – –
Dies, mein Freund, ob Bub, ob Mädel,
Dieses Resultat ist edel,
Ist ein Kind, das legitim ist
(Wenn es auch nicht stets von ihm ist!).

 


 

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