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Die Schöpfung und andere Kabarettstücke

Fritz Grünbaum: Die Schöpfung und andere Kabarettstücke - Kapitel 24
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
authorFritz Grünbaum
year1984
publisherLöcker Verlag
addressWien / München
isbn3-85409-071-4
titleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
pages209
created20110905
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Entwürfe für ein Grünbaum-Monument

        Einst wenn ich satt hab' die menschliche Herde,
Und wenn ich nichts Bess'res zu tun haben werde
Und schlecht werd' gelaunt sein, weil's draußen wird regnen,
Werde ich einfach – »das Zeitliche segnen«.
Ich werde »beschließen mein ruhmvolles Leben«,
Ich werd' »in die bessern Gefilde entschweben«
Und »aufgeben (rekommandiert!) meinen Geist,« –
Kurz, was man auf deutsch eben »Sterben« heißt.
Natürlich sterb' ich nicht nur so daher,
Ich bin doch kein Bauer, ich bin doch wer:
Ein Priester der Dichtkunst, ihr oberster Diener ...
Was brauch ich viel reden: der Abgott der Wiener!
Und wie ich die Wiener schon kenn', die mich schätzen,
Werd'n sie natürlich ein Denkmal mir setzen.
Und über das Denkmal mach' ich mir Sorgen:
Wie wird das ausschau'n heut' oder morgen?

Ich hab' an ein Reiterstandbild gedacht,
Da sitz ich droben in eiserner Pracht,
Die Rechte halt' ich wie segnend erhoben,
Das Pferd galoppiert, und ich – bleib' droben!
Bei Lebzeiten hätt' ich das niemals riskiert.
Ich bitt' Sie, wie rasch ist beim Roß man blamiert!
Links steig' ich hinauf vor den Leuten ganz munter,
Und rechts komm' sofort ich dann wieder hinunter.
Zu Lebzeiten muß ich blamier'n mich beim Reiten,
Schon wenn ich aufsteigen tu' vor den Leuten,
Doch als Denkmal kann leicht ich zu Pferde mich zeigen,
Da brauch' ich vor ihnen nicht aufzusteigen.
Da sitz' ich schon d'rauf, wie auf sicherem Thron,
Ein Roß aus Metall kann nicht laufen davon,
Da gibt es kein Rutschen, kein Fall'n, kein Entgleisen,
Ich bin aus Eisen, das Pferd ist aus Eisen,
Wir zeigen zum Himmel in eisernem Glanz,
Ich mit der Hand und das Roß mit dem Schwanz!

So weit hab' ich alles mir ausgedacht,
Das Roß und den Reiter, den Glanz und die Pracht,
Ich hab' mich direkt schon verliebt in das Pferd,
Aber – die ganze Idee ist nichts wert!
Ich möcht' ja gewiß, als Reiter, als kecker,
Ausschau'n wie frisch grad vom Zuckerbäcker,
Doch wär' auch das Denkmal so nett wie ein Kuchen,
Was hab' ich als Dichter auf Rössern zu suchen?
Ein Poet steigt nicht auf und sitzt nicht zu Pferd,
Der sitzt im Kaffeehaus und bleibt auf der Erd'.
Es würde gewiß imposant ausschau'n,
Doch wenn ich mit Pferd mich in Marmor lass' hau'n
Oder beritten in Eisen lass' drechseln,
Wird man mich mit dem Radetzky verwechseln!
Schrei'n werd'n die Leute, sobald sie mich sehn:
»Gott, war doch dieser Radetzky schön!
Wie er nur dasitzt! ... No, ist das ein Held? ...
Bißl größer nur hätt' ich mir'n vorgestellt!
So scheint's aber immer bei Helden zu sein,
Napoleon, hör' ich, war grad so klein!
Aber da sieht man, es kommt halt beim Mann
Auf den Geist und nicht auf die Meters an.
Den Kopf vom Radetzky muß man betrachten,
Bowele, was der gewonnen hat Schlachten!«

So wird man erzähl'n von Radetzkys Taten,
Daß er der Vater war seiner Soldaten,
Radetzky da und Radetzky dort,
Von Grünbaum dagegen – nicht ein Wort!
No sagen Sie, bitte, ist das ein Vergnügen?
Dazu soll ich ein Denkmal kriegen,
Daß alle Leute in Permanenz
Reden nur soll'n von der Konkurrenz?
Drum schütz' mich vorm Reiterstandbild der Himmel,
Denkmal ja, aber nicht per Schimmel!

Soll ich so leben; wie manche Nacht
Ich über mein Denkmal hab' nachgedacht,
So hab' ich mir also nach qualvollen Tagen
Endlich das Roß aus dem Kopf geschlagen.
Mit der Zoologie geht die Sache nie,
Wie wär's aber dann mit der Mythologie?
Vielleicht geht's in griechischer Auffassung eher:
Als blühender Jüngling, halb Sänger, halb Seher?!
Mit dem Kranz auf dem Kopf und der Leyer zur Hand,
Sonst aber mit – ohne alles Gewand?! ...
Wie soll ich das Ihnen erklären gleich fein?
Versteh'n Sie mich recht: so – »Grünbaum allein...«,
So – – – »ganz naturell«, ... à la Paradies ...
So nix um die Hüften und nix um die Füß ...
Quasi so ... »Grünbaum an sich«, wie man sagt ...
Versteh'n Sie mich recht? ... Also: Grünbaum nackt!

Doch auch diese Idee lass' ich fallen geschwind,
Denken Sie nur, wenn's zu regnen beginnt!
Ich hab' Poesie, aber nicht Heroismus,
Ich will ein Denkmal, aber nicht Rheumatismus!
Außerdem möcht' ich mich schrecklich genier'n,
Als Nacktmonument mein Dasein zu führ'n,
Wie immer ich steh', zum Schluß zeig ich her
Der Hälfte des Volks mein nacktes Revers.
Das muß doch die Leut' in Erregung bringen,
Grünbaum als – Götz von Berlichingen!
Ferner noch muß vor der ganzen Stadt
Vorne ich tragen – ein Feigenblatt!
No, jetzt stell'n Sie sich vor, wenn im glühenden Wind
Die Sache im Sommer zu welken beginnt.
Schön möcht' das Publikum schimpfen und zetern,
Wenn ich da anfang' mich roh zu entblättern!
Da werden die Leute erschüttert steh'n
Und – der nackten Wahrheit ins Auge sehn!
Nein, diese Blamage muß bleiben mir fern,
Wenn schon ein Denkmal, dann nur modern!
Im Frack und Spazierstock mit goldenem Knopf,
Den steifen Hut auf dem Lockenkopf,
Die Arme verschränkt und den Blick in Äonen –
Und in der Hosentasch' – zehntausend Kronen!
Und wenn in der Nacht sich kein Lüftchen mehr rührt,
Und wenn sich das Volk, das mich liebte, verliert,
Dann schar'n wie um Orpheus, den griechischen Dichter,
Die Tiere ums Denkmal sich. Lichter und lichter
Scheint uns der Mond, und mein Minnesang ruft
Die Hund' auf der Erd' und die Vögel in der Luft,
Und hoch über mir zieh'n die Schwalben die Kreise,
Und am Sockel lehnen die Hunde leise,
Und all das Getier wird beim Sterneblitzen
Mein Denkmal bei Nacht zum Benetzen benützen,
So tut das Getier seine Liebe mir kund,
Von oben die Vögel, am Sockel der Hund!

 


 

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