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Die Schöpfung und andere Kabarettstücke

Fritz Grünbaum: Die Schöpfung und andere Kabarettstücke - Kapitel 12
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
authorFritz Grünbaum
year1984
publisherLöcker Verlag
addressWien / München
isbn3-85409-071-4
titleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
pages209
created20110905
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Kunst aufzuhören oder Wie werde ich ein Verhältnis los?

        Ich bin auf die Frauen nicht gut zu sprechen!
Das wird zwar den Frauen das Herz nicht brechen,
Und ich glaube, sie werden mit anderen Genüssen
Sich mit der Zeit zu trösten wissen.
Wie immer aber die Sache auch sei,
Das Eine steht fest, und ich bleibe dabei:
Ob sanft die Frau'n oder ob voller Feuer,
Ob preiswürdig oder relativ teuer,
Ob eifersüchtig oder bequem –
Als Verhältnis sind sie unangenehm!
Denn's ist beim Verhältnis die nämliche Chose
Wie mit der elegantesten Hose:
Sei sie noch so schön, mit der Zeit kriegt s' 'n Loch,
Und wechseln muß man sie schließlich doch!

Ja, aber wie? so lautet die Frage,
Wie mach ich ein Ende der peinlichen Plage?
Denn leichter ist es, zehn Frau'n zu besiegen,
Als eine einzige loszukriegen!
Dies zählt zu den schwierigsten aller Probleme.
Es gibt hier auch mehrere alte Systeme,
Doch leider ist Wahnsinn bei jeder Methode,
Denn keine ist sicher, bequem und kommode.
Ein Mittel zum Beispiel, die Lieb' zu gefährden,
Ist: Seiner Holden mies zu werden.
Man trachtet durch ganz exotische Sachen,
Sich seiner Geliebten mies zu machen.
Du fängst damit an, Rendezvous' zu versäumen,
Die Holde, sie schäumt – schön, laß sie schäumen!
Du sagst, du hättst dir den Magen verdorben,
Du sagst, deine Tante sei dir gestorben – –
(Natürlich wär' letzteres blödsinnig fast,
Wenn du nie eine Tante besessen hast,
Denn erstens bemerkt man den Schwindel bald wohl,
Und zweitens wär' es doch wirklich frivol,
Eine Tante zu erfinden in mutwill'gem Spaßen,
Um sie gleich darauf kaltblütig sterben zu lassen!)
Da ist es schon besser, du stellst dich trutzig
Und wirst auf einmal wahnsinnig schmutzig.
Die Holde, sie merkt von Kummer beschwert:
Fiakerfahr'n hat sich aufgehört!
Und selbigen Tages noch führest du sie
Ins Theater, doch aufwärts zur Galerie.
Und sagt sie dir dann darauf, daß es ihr schiene,
Als ob du verblödet, verzieh keine Miene,
Sag' still: »Hör auf jetzt mit deinem Geplärr,
Du gehst Galerie, denn ich bin Parterre!«
Die Mittel bisher, nicht wahr? schienen dir peinlich,
Und außerdem sind sie auch wirklich sehr kleinlich,
Doch das einfachste Mittel auf dieser Erden,
Ein Verhältnis, das lästig ist, loszuwerden,
Und die betreffende Dame loszukriegen,
Besteht darin: Du läßt dich betrügen!
Du findest wohl bald unter deiner Bekanntschaft
Oder im Kreise deiner Verwandtschaft
Irgend einen ledigen Herrn,
Na und wenn du ihn bittest, so tut er dir's gern!
Erst trifft er deine Liebste zusammen mit dir,
Bald braucht man dich nicht mehr, und er geht mit ihr.
Na, und dann – – dann – – opfert er dir seine Reinheit,
Und sie – aber nein, jetzt kommt die Gemeinheit:
Denn eben, wie niemals im Leben man
Auf eine Frau sich verlassen kann,
Passiert's am End' auch bei dieser Geschicht',
Sie ist imstand' und betrügt dich nicht!
Dann stehst du da, von Kummer bewegt,
Und dein armer Freund hat umsonst sich erregt!
Nein, Liebster, bei Frauen, bei guten wie bösen,
Gibt's nur ein Mittel, ein Verhältnis zu lösen,
Es ist ein Mittel, das unbedingt wirkt,
Das unbedingt sich're Erlösung birgt.
Ist die Verlegenheit noch so groß,
So wirst du deine Geliebte los,
Dem Mittel, dem widersteht sie nie,
Und das Mittel ist: Du heiratest sie!
Sie muß im ganzen künftigen Leben
Ruhe geben und Frieden geben.
Denn bei der geringsten, kleinsten Affäre
Brüllst du sie an: »Ja, was willst du noch mehr?
Was verlangst du? Was spielst du die tragisch Betrübte?
Bist du vielleicht, bitte, meine Geliebte?
Du hast kein Recht auf einen Genuß,
Ich hab' dich geheiratet und damit Schluß!«
So mußt du, mein Freund, mit Pathos sprechen,
Und dann, dann kannst du die Ehe brechen,
Du kannst überhaupt tun, was du willst,
Sie muß es dulden, wenn du auch brüllst;
Sie steht hier wehrlos, gebunden die Hände,
Und will sie's nicht dulden vielleicht am Ende
Und sagt, sie kann und will es nicht leiden –
Na dann, lieber Freund, dann läßt du dich scheiden!
Du wendest dich fort und kehrst nicht zurück,
Verschwendest an sie auch nicht einen Blick,
Verläßt ohne Gruß euer ehelich Haus,
Und dann – dann ist das Verhältnis aus!

 


 

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