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Die Schöpfung und andere Kabarettstücke

Fritz Grünbaum: Die Schöpfung und andere Kabarettstücke - Kapitel 11
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
authorFritz Grünbaum
year1984
publisherLöcker Verlag
addressWien / München
isbn3-85409-071-4
titleDie Schöpfung und andere Kabarettstücke
pages209
created20110905
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Das Ende

        O man liebt einander gräßlich,
Und man quält sich bis aufs Blut,
Und die Eifersucht ist häßlich,
Und dann ist man wieder gut!
Ich logier' in deinen Träumen,
Du bewohnst die meinigen,
Keiner könnt' dich, sie zu räumen,
Zwingen selbst durch Steinigen!
Schatz, ich weiß, daß du in Pein bist,
Dich verzehrst in Lieb' um mich,
Kind, ich weiß, wie sehr du mein bist,
Und – ich revanchiere mich!
Keinen Blick kann jemand kriegen,
Bruder, Schwester, Mutter selbst,
Alles lass' ich stehn und liegen,
Wenn du deine Brauen wölbst!
Des Geschäftes Radgetriebe
Stockt, die Arbeit geht bergab,
Einerlei, wenn ich nur Liebe,
Wenn ich deine Lieb' nur hab'!
Langsam treten Ruhm und Ehre
Weitab in den Hintergrund,
Selbst das Geld wird zur Schimäre,
Und der Mensch kommt auf den Hund!
Nötig wird das graue Borgen,
Doch das ist nicht von Gewicht,
Denn ich hab' weit größ're Sorgen:
Ob du treu bist oder nicht?
Tausend schwarze Qualen schleichen
Sich ins Herz mir, Dieb um Dieb,
Und ich wein' zum Steinerweichen,
Doch ich lache, denn ich lieb'!
Alle Schwüre will ich schwören,
Himmelhoch und abgrundtief,
Deine Treu' wird ewig währen,
Sagt mein armes Herz naiv!
Doch auf grauem Apfelschimmel
Reitet einst der Tag ins All,
Wo zur Erde stürzt der Himmel,
Wo ich dir nicht mehr gefall'!
Wo dich meine Daumen stören,
Meine Nase dir zur Last,
Wo du nichts von mir willst hören,
Wo mein Hals dir nicht mehr paßt!
O, ich weiß, du ziehst ein Mäulchen,
Sagst, du trägst so gern mein Joch,
Warte nur ein kleines Weilchen,
Heut', ja, protestierst du noch!
Doch ein Abend wird's besorgen,
Gehst zu Bett noch liebesschwer
Und erwachst am nächsten Morgen,
Und – dein kleines Herz ist leer!
Erst wirst du dich selbst belügen,
Dann wirst du belügen mich,
Und dann wirst du mich betrügen,
Und – zum Schluß erfahr's auch ich!
Im Begriffe, aufzubahren,
Was ich schwer erkämpft in Trutz,
Werd' ich fragen: »Wozu waren
Alle meine Kämpfe nutz?«
Und dann wird die Kugel kommen,
Und du liest's dann im Journal,
Und dann hast du tief beklommen – – –
Fünf Minuten Seelenqual!

 


 

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