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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 5
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110101
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Drittes Kapitel.

Wie die Weiber zu Schildburg Rath saßen, ihre Männer wieder heim zu fordern, und daher ein Schreiben an sie abgehen ließen.

Ein wunderbares Ding ist es, daß die Männer nicht ohne die Weiber, und die Weiber nicht ohne die Männer haushalten können, wegen des übergroßen Schadens nämlich, welcher aus einer solchen Absonderung entsteht. Denn wo kein Mann ist, da ist keine Meisterschaft; wo keine Meisterschaft ist, da ist auch keine Furcht; wo keine Furcht ist, da thut jeder, was er will; wo jeder tut, was er will, da folgt selten eins dem andern, und wo keins dem andern folgt, da wird selten etwas Rechtes daraus. Es muß jederzeit bei der Arbeit Eins dem Andern die Hand reichen, wenn sie gefördert werden soll, gleichwie in der wohlbestellten Stadt Nürnberg bei den Handwerkern die Arbeitstheilung eingeführt ist.

Wo dagegen kein Weib ist, da hat der Mann keine kleine Haushaltung, und wo der Mann keine kleine Haushaltung hat, da ist er in der großen Haushaltung schon geschlagen. Denn, wenn der Hagel, wie man zu sagen pflegt, in die Küche schlägt, so hat er allenthalben getroffen. Der Kinderzucht und anderer Sachen will ich dieses Ortes nicht gedenken. Aber das möchte ich sagen:

Wo ein Mann ist, aber kein Weib,
Daselbst ist ein Haupt ohne Leib.
Und wo ein Weib ist, ohne Mann,
Da ist der Leib, kein Haupt daran.

Weil also Keines ohne das Andere ganz ist, und Eines ohne das Andere nicht bestehen kann, deßwegen geschieht es, daß je eines das Andere haben muß, dasselbe sucht und zu sich nimmt, abgesehen davon, daß sie oft mit einander in Streit gerathen und der Mann das Weib bisweilen aus dem Haus jagt, die letztere dagegen den Mann hie und da selbst in den Krieg treibt. Daß dieß so und nicht anders sei, wird schon aus dem Nachfolgenden zur Genüge zu entnehmen sein. Betrachtet man nämlich die Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten, welche aus der Abwesenheit der Schildbürger täglich und stündlich entsprungen sind, so wird man sich nicht wundern, wenn sich endlich die ganze weibliche Gemeinde, welche insolange das Regiment zu führen hatte, und die in demselben enthaltenen Aemter verwalten mußte (wie meint ihr, daß es da zugegangen sei?) in Beherzigung und Erwägung des gemeinen Nutzens, Wohlstandes und der Wohlfahrt versammelte, und um dem fühlbaren verderblichen Schaden zu begegnen, zu steuern und zu wehren, so wie um dem Abgang ihrer Güter und Gewerbe, ja selbst ihrem Verderben und Untergang zu begegnen, Berathung gepflogen hat, in Folge deren nach langem Bedenken, vielem Geschwätz und Geschnatter sie zuletzt in der Sache dahin einig wurden, daß sie ihre Männer wieder abfordern und heimberufen sollten. Dieses Rathserkenntniß zu bewerkstelligen, ließen sie einen Brief folgenden Inhalts aufsetzen und schicken denselben durch gewisse Boten an alle Ort und Ende, wo sie wußten, daß ihre Männer waren; das Schreiben wurde ihnen dann allen und jedem besonders zu lesen vorgelegt, wie folgt.

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