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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 46
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierundvierzigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger einen Maushund und mit demselben ihr Verderben kaufen.

Die Schildbürger hatten so viele Mäuse, daß ihnen bei hellem Tag Alles, was und wo sie es hinstellten, von denselben verfressen und vernagt wurde. Es war ihnen daher sehr angst, weil sie befürchteten, am Ende noch selbst gefressen zu werden. Ein fremder Reisender, der zu einer gewissen Zeit zufällig ihr Dorf durchwanderte und in demselben bei dem Wirthe einkehrte, trug eine Katze auf dem Arme. Der Wirth fragte ihn, was dieses für ein Thier sei? Er sprach: es sei ein Maushund. Nun waren die Mäuse zu Schildburg aber so zahm, wie bei uns die Katzen, also, daß sie vor den Leuten nicht mehr flohen, sondern, wie gesagt, bei glockhellem Tage, ohne alle Scheu herumliefen. Der Wandersmann ließ die Katze in der Wirthsstube laufen, welche in ganz kurzer Zeit der Mäuse gar viel erlegte.

Der Wirth ermangelte nicht, dieses von ihm entdeckte Abenteuer alsbald der Gemeinde mitzutheilen, worauf der Fremde befragt wurde: ob ihm im Falle guter Bezahlung der Maushund nicht feil wäre? Der Fremde sprach: Es seie ihm zwar sein Maushund nicht feil, weil sie aber seiner so nothwendig bedürften, so wolle er ihnen denselben zukommen lassen, wenn sie darum geben wollten was recht sei. Er forderte deshalb blos hundert Gulden dafür. Die Bauern fanden diese Forderung billig, wurden mit ihm des Kaufs einig, daß sie ihm die Hälfte baar, die andere Hälfte des Kaufpreises nach Verfluß eines halben Jahres zu bezahlen versprachen, und waren nur froh, daß er ihnen nicht mehr dafür gefordert hatte. So wurde also von beiden Theilen der Kauf eingeschlagen, der Verkäufer erhielt das halbe Geld und mußte nun den Maushund in die Burg tragen, worin die Schildbürger ihr Getreide liegen hatten und wo sich auch die meisten Mäuse aufhielten. Der Wanderer zog mit seinem Gelde, so schnell er konnte, fort, denn er befürchtete, der Kauf möchte die Käufer gereuen, dieselben möchten ihm sofort nacheilen und das Geld wieder nehmen. Hie und da sah er ganz verstohlen hinter sich, ob er Niemand sehe.

Die Schildbürger vergaßen, den Maushundshändler zu fragen, womit man den Maushund füttere; dieß veranlaßte sie wirklich, alsbald einen Boten nach ihm abzuschicken, der ihn deßhalb fragen sollte. Da jedoch der mit dem Gelde sah, daß man ihm nacheilte, so lief er desto mehr, so daß der Bauer ihn zu ereilen nicht im Stande war; darum schrie er ihm von weiter Ferne aus voller Kehle zu: »Was isset er? Was isset er?« Jener antwortete: »Was man ihm beut! Was man ihm beut!«. Der Bauer hatte verstanden: Vieh und Leut, Vieh und Leut. Er kehrte hierauf ungestüm wieder zurück, um diese Nachricht seinen gnädigen Herren anzuzeigen. Diese erschracken darob so sehr und sprachen: »Wenn er keine Mäuse mehr zu fressen hat, so wird er hinter unser Vieh kommen und haben wir kein Vieh mehr, dann frißt er uns selbst, wenn wir ihn gleich mit unserm guten Geld an uns gebracht und bezahlt haben.« Es wurde sofern Rath geschlagen und beschlossen, die Katze zu tödten; es wollte sie aber Keiner angreifen, darum sie des Raths wurden, sie sammt dem Schlosse mit Feuer zu verbrennen; denn es wäre besser, ein geringer Schaden, als daß es ihnen Allen Leib und Leben kosten würde, und somit zündeten sie das Schloß an.

Als jedoch die Katze das Feuer schmecke, nahm sie einen Satz zum Fenster hinaus, kam davon und floh in ein anderes nächstgelegenes Haus, das Schloß aber verbrannte von Grunde hinweg.

Nun geriethen die Schildbürger wieder aufs Neue in Angst und Bangigkeit, denn sie wußten jetzt kein Mittel, sich ihres Maushundes zu entledigen oder vielmehr seiner habhaft zu werden; sie hielten deswegen weiteren Rath, in welchem sie das Haus, wohin die Katze gesprungen war, anzukaufen beschloßen, und dann auch zu verbrennen. Auch dieser Beschluß wurde vollzogen; die Katze sprang aber auf das Dach, saß da eine Weile und pflegte nach ihrer Gewohnheit sich zu mutzen und mit dem Täpplein über den Kopf zu streichen. Das verstanden die Bauern, als verschwöre sich die Katze gegen sie, daß sie ihre Verfolgungen gegen sie nicht ohne Rache lassen wolle. Einer unter ihnen machte den Versuch, mit einem langen Spieße nach der Katze zu stechen; allein sie ergriff den Spieß und lief an demselben herunter. Darüber erschracken die Umstehenden so sehr, daß sie Feuer und Katze sein ließen und davonliefen. Nach einiger Zeit, dem es war Niemand da, dem Feuer zu wehren, griff dasselbe um sich, entzündete Haus für Haus, und äscherte bis auf ein einziges das ganze Dorf ein, die Katze kam aber gleichwohl davon. Die Bauern versuchten zwar, aber zu spät, das, Feuer zu zerstören, um dadurch noch einen Theil ihrer Habe zu retten, als sie aber sahen, daß jeder derartige Versuch ein unglücklicher sei, flohen sie mit Weib und Kind nach dem Walde.

Bei dieser Gelegenheit verbrannte auch die Kanzlei der Schildbürger, und so mußte es kommen, daß von ihren Chroniken und Geschichten nichts mehr ordentlich verzeichnet zu finden ist.

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