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Gutenberg > Unbekannte Autoren >

Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 45
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110101
projectidbcb8898f
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Dreiundvierzigstes Kapitel.

Wie ein Schildbürger seinen Sohn in die Schule führt und was sich daselbst verlief.

Dem Sprüchworte getreu, daß man den Baum biegen soll, so lange er noch jung sei, konnte nicht versäumt werden von einem namhaften Schildbürger, daß er auch für seinen Sohn seine Jugend nützlich verwenden lasse. Deshalb nahm er ihn mit sich, führte ihn an der Hand in die Stadt, um ihm zunächst ein Paar Schuhe zu kaufen, um welche er achtzehn Groschen geben mußte. Als er ihn nun zum Schulmeister brachte und ihn diesem anempfehlen wollte, fragte ihn der Schulmeister unter Anderem auch, ob er noch nichts kenne? und der Vater antwortete: »Nein.« »Wie alt ist er?« fragte der Schulmeister. »Er ist erst dreißig Jahr alt,« sagte der Vater. »Ist er so alt,« sagte der Schulmeister, »und hat noch nichts gelernt?« – Weiß der Knüttel,« sagte der Vater, »was soll denn Einer in dreißig Jahr lernen? Ich bin nun fünfundsechszig Jahre alt und einen Tag, und kann noch kein Dingle.« – »Soll er etwas lernen,« sagte der Schulmeister, »so wird es schwerlich zugehen.«

Als indessen die Schulstubenthür aufging und der Schildbürger Gelegenheit bekommen hatte, zu sehen, wie der Präzeptor einen Knaben mit Ruthen ziemlich geschwungen, sagte er: »Dieser, mein Sohn, darf eben nicht so gar gelehrt und geschickt werden, denn unser Geschlecht an und für sich erfordert es nicht. Wenn er nur mag solcher Schwinger (damit meinte er den Präzeptor) werden, so hat er schon genug, als ob er vollgeschmissen wäre.« – »Wir wollen unser Bestes mit ihm thun,« sagte der Schulmeister; hieß hiemit das dreißigjährige Hänselein hineingehen. »Ja,« sagte der Vater, »Ihr müßt es kurz wachen, um ein gut Geld; denn ich möchte ihn gern wieder mit mir heimnehmen. Ich will also nur geschwind zum Hufschmid und beschlagen lassen, hernach will ich ihn wieder abholen und Euch Euer gut Geld geben.« – »So nimm ihn gleich« sagte der Schulmeister, »jetzt mit dir; denn in so kurzer Zeit könnte ich nichts mit ihm ausrichten.« Also nahm der Vater sein Söhnlein bei der Hand und führte ihn wieder heim zu der Mutter.

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