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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 44
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zweiundvierzigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger ihrem Kaiser Volk zuschicken und wie es ihrer Soldaten einem erging.

Das Geschrei von dem Krieg, weswegen unsere Schildbürger ihre Glocke in den tiefen See versenkten, war nicht so gar nichtig, daß sie es nicht in der That selbst empfunden hätten. Wenige Tage nachher kam der Befehl, etliche Knechte sollen zur Besatzung in die Stadt geschickt werden; welches auch geschah.

Als einer jener Schildbürger, nicht der geringste, in die Stadt hineinzog, begegnete ihm der Kuhhirt, welcher gerade seine Unterthanen: Küh', Kälber, Ochsen austreiben wollte und als er sich nicht anders gespreizet und gemekelt hatte, als drei Eier in der Bütte oder in einem Korbe, berührte ihn eine Kuh mit dem Horn ein wenig. Darüber wurde er zornig dermaßen, daß er seinen Dolch herauszog, seine Fuchtel in die Hand nahm, gegen die Kuh trat und zu ihr sprach: »Bist du eine ehrliche und redliche Kuh, so stoße mich noch einmal.« Aber die Kuh war nicht so ehrlich und redlich, daß sie hätte ein Girlein sagen dürfen.

Nach einiger Zeit machten sie einen Ausfall aus der Stadt, um nach den Feinden zu streifen und der Bauern Hühner und Gänse zu erbeuten. Nun hatte der gemeldete Schildbürger kurz zuvor einen Panzerpletz einer Hand breit groß gefunden, und als er eben damals ein neues Kleid hatte machen lassen, befahl er dem Schneider, jenen Panzerpletz unter das Futter im Wamms einzunähen und vor das Herz zu setzen, damit er desto sicherer und etwa einen Puff auszuhalten im Stande wäre. Wie denn ihm auch auf eine Zeit ein bedeutendes Glück dadurch widerfuhr, daß, als er ein halbes Pferdeeisen gefunden und dasselbe unter seinen Gürtel gesteckt hatte, er einen Schuß damit auffing, welcher ihm sonst sein Leben gekostet haben würde. Dieses Glück gab ihm Veranlassung, daß er nachher seinen Gürtel mit lauter Pferdeeisen behängen ließ und solche statt eines Harnisches gebrauchte.

Einmal, als dieser Schildbürger auch mit hinauslief u» eine Beute zu erjagen, übersah er, daß die Bauern ihm auf der Haube waren und ihn jagten; er erblickte sie aber doch zum Glück noch so bald, ehe sie ihn packen konnten. Er wollte schnell über einen Zaun springen, blieb aber an einem Zaunflecken hängen, wegen seiner durchzogenen Hosen. Einer der ihm nacheilenden Bauern erwischte ihn mit seiner Helleparte, stach ihn, daß er vollends über den Zaun hinüberfiel und zu seiner Verwunderung, ohne daß ihm durch den Stich eine Verletzung zugefügt wurde, davon laufen konnte. Als er in Sicherheit zu sein glaubte, beschaute er seine Hosen, um zu sehen und inne zu werden, welch glücklichem Zufall er es zuzuschreiben habe, daß der Stich nach ihm aufgehalten worden sei: daß der Schneider ihm den Panzerpletz statt vorne, hinten in's Futter eingenähet hatte, welchem Umstande er das glückliche Ereigniß zuzuschreiben habe. »Nun danke Gott diesem Schneider, der mir dieses Kleid gemacht: wie HM er so wohl gewußt, besser als ich selber, wo mir das Herz liegt!«

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