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Die Schildbürger

Unbekannte Autoren: Die Schildbürger - Kapitel 37
Quellenangabe
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typenarrative
authorUnbekannter Autor
titleDie Schildbürger
publisherVerlag von Fleischhauer und Spohn
editorF. S. Haarer
year1854
firstpub1597
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectidbcb8898f
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Fünfunddreißigstes Kapitel.

Wie die Schildbürger einen Mühlstein gruben und einer damit hinweglief.

Die Bauern hatten eine Mühle gebaut, zu welcher sie als ein Werk der Gemeinde, auf einem hohen Berge in einer Sandgrube einen Stein gehauen hatten. Als sie denselben mit großer Mühe und Arbeit den Berg herabgebracht hatten, fiel ihnen erst ein, wie sie es mit den Bauhölzern, die sie zu ihrem Rahhaus gebraucht, gemacht hätten, als sie nämlich dieselben selbst den Berg haben hinablaufen lassen, und sagten deswegen unter einander: »Wir sind doch jetzt große Narren, daß wir so üble Zeit ausgestanden haben, um den Mühlstein den Berg hinabzubringen, da wir es doch mit geringerer Arbeit hätten ausrichten können. Wir wollen ihn deswegen wieder hinauftragen und den Berg selbst herablaufen lassen, gleichwie wir es mit unserm Bauholz gemacht haben.«

Dies gefiel ihnen Allen, sie trugen also den Stein mit weit größerer Mühe den Berg hinauf; und wie sie ihn eben hinabstoßen wollten, sprach einer unter ihnen: »Wie wollen wir aber wissen, wo er hingelaufen sei? wer will es uns da unten sagen?« – »Ei,« sagte der Schultheiß, welcher den Rath gegeben hatte, »diesem ist leicht zu helfen, hier muß sich einer von uns in dies Loch stecken (wie denn die Mühlsteine bekanntlich in der Mitte ein so großes Loch haben) und mit hinablaufen.« Das wurde für gut gehalten und sogleich einer erwählt, welcher den Kopf in das Loch stecken und mit hinablaufen mußte.

Unten am Berge war aber ein tiefer Fischweiher, in denselben fiel der Stein sammt seinem Begleiter, dem armen Tropf, so daß die Schildbürger nicht mehr wußten, wo der Stein und der Mann hingekommen sein möchten. Der Argwohn fiel auf den Gesellen, welcher den Stein begleiten wußte, als wäre er mit dem Mühlstein davon gelaufen und hätte ihnen das Ihrige entfremden wollen: sie ließen deswegen in allen umliegenden Städten, Dörfern und Flecken Steckbriefe anschlagen: daß, wenn einer kommen würde, der einen Mühlstein am Hals habe, man denselben einziehen und, weil er gemeines Gut sich angeeignet, ihm sein Recht ergehen lassen solle. Aber der arme Teufel lag im Weiher und war todt. Hätte er aber reden können, so wäre er willens gewesen und hätte es ihnen gewiß angezeigt, daß sie um seinetwegen ohne Sorge wären, er wolle ihnen das Ihrige wieder zustellen. Aber die Last hatte ihn dermaßen gedrückt und so tief hinuntergezogen, daß er, nachdem er über seinen Willen Wasser getrunken, ja mehr als ihm gut war, zu Tode starb, und noch heutiges Tages todt ist und todt bleiben wird, soll und muß.

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